The Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous

This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
whatsoever.  You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
www.gutenberg.org.  If you are not located in the United States, you'll have
to check the laws of the country where you are located before using this ebook.

Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten

Author: Anonymous

Release Date: November 28, 2017 [EBook #56067]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***




Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net






          56. Band. Jeder Band ist vollstndig abgeschlossen.
                       Preis 10 Pf. (15 Heller.)




              Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.




               Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten.


    [Illustration: Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen
             beginnt! schrie Mors mit furchtbarer Stimme.]


                    Druck- und Verlags-Gesellschaft
                                 Berlin




               Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten.




                              1. Kapitel.
                   Ungelste Rtsel des Weltenraumes.


Das Tagesgestirn bestrahlte die Wolkenmassen ber dem Festland und den
Meeren, die allmhlich in blauen Dunst zu verschwimmen schienen.

Alles dies aber erschien von einem seltsam geformten Kolo aus gesehen,
der pltzlich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus der Atmosphre der Erde
hinaus in den Weltenraum flog, bald kleiner und kleiner.

War das ein Meteor, welcher den Luftkreis der Erde passiert und sich
nunmehr in schier rasender Geschwindigkeit wieder nach anderen Welten
wendete?

Nein, es war ein Werk von Menschenhand, das wunderbare Weltenfahrzeug
des maskierten Luftpiraten, welches den Namen Meteor fhrte.

Fast schien es, als wollte Kapitn Mors, der Erbauer des
Weltenfahrzeuges, der schon so seltsame Abenteuer erlebt, sein und
seiner Leute Leben zum Opfer bringen.

Eben war er erst auf Erden mit Mhe und Not dem drohenden Verhngnis
entkommen und nun suchte er schon wieder Weltenrume auf, in denen zu
fast jeder Minute das Verderben drohte.

Dennoch ging Kapitn Mors nach einem genau bestimmten Plan vor, er
konnte eben nicht mig bleiben.

Sein ganzes Leben war den Abenteuern geweiht und er meinte, jeder Tag
sei verloren, an dem er nicht die Macht, welche ihm die Wissenschaft
verlieh, auf der Erde oder in anderen Weltenrumen erproben konnte.

Mors fuhr diesmal nach einer ganz anderen Richtung.

Er hatte mit seinem Weltenfahrzeug das Unendliche durchflogen, sogar die
Planeten Venus und Mars besucht und die wunderbarsten und gefhrlichsten
Abenteuer erlebt.

Er wute aus Erfahrung, da jene intelligenten Bewohner der Planeten ihn
und sein Werk stets feindlich betrachteten. Da sie durch greres
Wissen Machtmittel besaen, welche ihm und seinen Leuten leicht
verderblich werden konnten.

Der Kurs des Weltenfahrzeuges ging also in einer Richtung durch den
Weltenraum, bei der ein Zusammentreffen mit den genannten Planeten
vermieden wurde.

Diesmal lockte Mors ein anderes Rtsel.

Es war Professor van Halen, der ihn auf den Gedanken gebracht hatte,
eins der grten Rtsel der Sternenwelt lsen zu wollen.

Dies Rtsel war der Ring des riesenhaften Planeten Saturn.

Professor van Halen, der Mors auch diesmal begleitete, hatte schon bei
den frheren Weltenfahrten seine ausgezeichneten Instrumente auf diesen
merkwrdigsten aller Himmelskrper gerichtet und ihn mit dem Eifer eines
Gelehrten betrachtet, wollte er doch gern wissen, woraus der Ring des
Saturn eigentlich bestand.

Nun hatte schon vor Jahren ein uerst scharfsinniger Astronom die
Vermutung aufgestellt, da sich die Ringe des Saturns aus unzhligen
kleinen Krpern zusammensetzten.

Der Professor teilte diese Meinung, aber er wollte sie besttigt wissen,
und als er Kapitn Mors dies mitgeteilt, hatte der Luftpirat den Kurs
des Weltenfahrzeugs in jene unbekannten Fernen gerichtet.

In den Rumen des mchtigen Fahrzeuges standen Kapitn Mors und der
Professor im Gesprch neben den wissenschaftlichen Apparaten.

Meine Leute sind whrend der letzten abenteuerlichen Fahrt auf der Erde
nicht mig gewesen, sagte Kapitn Mors. Sie haben alle meine
Anweisungen auf das Genaueste befolgt und das Weltenfahrzeug in einer
Weise hergerichtet, da es selbst den hchsten Anforderungen gengt. Der
Bug, die Mitte und das Achterteil sind nochmals gepanzert worden, und so
habe ich mich vor allen Dingen gegen das Anrennen fremder
Weltenfahrzeuge gesichert.

Jetzt knnen die Fahrzeuge vom Mars kommen, ich wrde nicht einmal die
Blitze mehr frchten, mit denen sie damals einen Teil meines Meteor
demolierten, jetzt trotze ich ihnen.

Aber diesmal kommen wir nicht in ihrer Nhe vorber, meinte der
Professor, in dessen Augen das Feuer der Erwartung glhte.

Nein, das ist allerdings nicht der Fall, meinte Mors, aber Sie,
bester Professor, wissen ja aus Erfahrung, da die intelligenten
Bewohner jener zwei gefhrlichen Planeten weite Weltenreisen
unternehmen. Wir haben ja selbst mal eine solche Weltenflotte erblickt,
denn so mu ich diese Erscheinung bezeichnen. Sie erinnern sich wohl
noch, wie wir einer ganzen Anzahl solcher Fahrzeuge begegneten. Da mu
ich stets und stndig auf Angriffe gefat sein. Aber ich denke, wir
werden diesmal verschont bleiben und die Rtsel lsen, an denen Ihnen so
viel gelegen ist. Wenn nichts dazwischen kommt, mu sich uns das
Geheimnis des Saturnringes enthllen.

Gewi! erwiderte der Professor. Bei den Vorsichtsmanahmen, die wir
getroffen haben, erscheint es fast ausgeschlossen, da uns Unflle
begegnen. Die Sternschnuppenzonen liegen ganz auer unserem Kurs, wir
mssen nur die ungeheure Anziehungskraft des grten aller Planeten, des
Jupiter bercksichtigen, denn die hat uns schon einmal sehr zu schaffen
gemacht. Es scheint, als ob diese ungeheure Masse selbst unserem
Riesenmagneten trotzt, und Sie wissen ja, Kapitn, der Jupiter hat
schon, wie man zu sagen pflegt, einige Male Weltenkrper abgefangen.

Nun, das war nicht allzu schwer, meinte Mors. Darber hat man ja
klassische Beispiele. Der Jupiter hat oft Kometen aus ihrem
Kurs geworfen, ihren Lauf verndert, ja sie sogar in Atome
auseinandergetrieben. Aber das sind ja gasfrmige Krper, die keinen
Widerstand zu leisten vermgen.

Das ist richtig, erwiderte der Professor. Aber ich huldige da noch
einer Anschauung, welche vielleicht wenige Astronomen teilen. Frher
glaubte man, da die Monde, von denen der Jupiter vier grere besitzt,
whrend der Saturn sogar acht Trabanten mit sich fhrt, der Festwerdung
und Erstarrung dieser Planeten entstammten. Ich aber glaube, da dies
kleine Weltkrper sind, welche die beiden Riesen durch ihre ungeheure
Anziehungskraft gewissermaen abfingen und sie bereits seit ungezhlten
Millionen Jahren mit sich fhren. Kommen wir nher an diese Weltkrper
heran, so hoffe ich auch dies Rtsel lsen zu knnen.

Damit ging der Professor an seine Arbeit.

Mors aber inspizierte seiner Gewohnheit gem die Rume des
Weltenfahrzeugs.

Unsere Leser werden sich entsinnen, da der Luftpirat bei seinen letzten
Abenteuern die grte Anzahl seiner Mannschaften einbte.

Der Verlust war jetzt einigermaen ersetzt durch eine Anzahl Inder aus
den Hochgebirgen, die Kapitn Mors in seine Dienste genommen.

Er war bis jetzt mit diesen Mnnern sehr zufrieden, zumal diese ihr
geliebtes Vaterland fr immer verlassen muten. Diese Inder hatten sich
an einem Aufstand gegen die englische Regierung beteiligt, an einer
Rebellion, die vorzeitig verraten, vor den Bajonetten der Englnder
klglich scheitern mute.

Eine Anzahl der freiheitsliebenden Verschwrer wurde im Kampf gettet,
andere gefangen und nach kurzem Proze hingerichtet. Diejenigen, welche
zu flchten vermochten, begaben sich in indische Hochgebirge, wurden
aber auch dort von den Englndern verfolgt und wie die wilden Tiere
umhergehetzt.

Die freiheitsliebenden Mnner gaben sich schon verloren, als sie mit
Kapitn Mors' Sendboten zusammentrafen.

Dieser hatte seinen getreuen Lindo und zwei andere Inder ausgeschickt,
um neue Mannschaft anzuwerben und schwebte mit seinem lenkbaren
Luftschiff ber den schneebedeckten Hochgebirgen.

Mit tausend Freuden nahmen die Gehetzten und Gechteten das Anerbieten
Lindos an und schwuren den frchterlichen Eid, durch den sie sich fr
immer an Kapitn Mors banden.

Bald fhrte sie das lenkbare Luftschiff nach der Insel im Sdmeer und
die zhesten und widerstandsfhigsten dieser Mnner waren es, welche
Mors bei seiner neuen groen Reise in den Weltenraum begleiteten.

Auch zwei Normannen befanden sich unter der Mannschaft, die zwanzig
Kpfe zhlte. Dazu kamen noch Mors und der Professor.

Aber es war noch ein anderes Wesen zugegen, nmlich die Schwester des
ehemaligen Todfeindes des Luftpiraten.

Es war Nelly, Ned Gullys Schwester, die jetzt auf den Luftpiraten
schwor.

Ihren dmonischen Bruder, den Kapitn Mors vernichtet, hatte sie lngst
vergessen und war mit Leib und Seele eine Anhngerin des Mannes mit der
Maske geworden. Dieses noch so junge Mdchen besa einen wahren
Feuergeist und einen glhenden Hang zu phantastischen Abenteuern; sie
besa auergewhnliche mechanische und technische Kenntnisse, in denen
sie sogar die Tchter des Ingenieurs Long, die beide auf der Insel als
glckliche junge Frauen zurckgeblieben waren, bertraf.

Anita war die Gattin des Professors und auch Lucy Long hatte einen Mann
gefunden. Es war einer der stolzen Inder aus den Hochgebirgen, in dessen
Adern frstliches Blut rollte.

Da Nelly dem Professor bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten behlflich
war, und Terror, der Mors diesmal begleitete, die Maschinen im Lenkraum
bediente, gab ihr der Kapitn auf ihr Bitten endlich die Erlaubnis, an
der Weltenfahrt teilnehmen zu drfen, was sie mit grter Freude
erfllte.

Sie hatte es auch bernommen, die Speisen fr die Mannschaft
zuzubereiten und war bei dieser Arbeit ebenso zufrieden, als wenn sie an
den Instrumenten sa.

Mors warf einen Blick in den Raum, der als Kche diente.

Dort stand Nelly am Herd und Mors konnte sich nicht verhehlen, da sie
bildschn war.

In einer gewissen Beziehung war ihm das nicht lieb, denn ein schnes
Mdchen ist auf einem Fahrzeug, welches eine Reise in unbekannte Welten
unternimmt, immerhin eine gewisse Gefahr.

Htte Mors noch seine Mannschaft besessen, die er damals bei Ned Gullys
Angriff verlor, so htte er sich nicht die geringsten Sorgen gemacht,
denn diese Mnner waren ja unbedingt zuverlssig gewesen.

Aber er hatte ja schon mit einem Teil der Normannen frher
Unannehmlichkeiten gehabt und alle diese Gedanken kamen ihm durch den
Sinn, als er die schmiegsame Gestalt seiner reizenden Begleiterin
betrachtete.

Er besann sich einen Augenblick und trat dann in diesen blitzsauberen
Raum, wo Elektrizitt die Dienste des Feuers verrichtete.

Nelly hrte den Schritt des Luftpiraten und wendete sich schnell um. Ihr
schnes Gesicht wurde rot, als sie den stolzen Mann mit der Maske
gewahrte.

Es ging ja ein eigentmlicher Zauber von Kapitn Mors aus, ein Zauber,
dem alle Frauen- und Mdchenherzen erlagen.

Auch Nelly konnte sich diesem merkwrdigen Zauber nicht entziehen.

Ein bitteres Lcheln schwebte um den Mund des Luftpiraten, als er in den
dunklen Augen des Mdchens die Verwirrung las.

Mors dachte an die Zeiten, wo auch er glcklich gewesen war. Er
erinnerte sich an jene furchtbaren Tage, wo er alles verlor, was er lieb
hatte, wo die Verzweiflung, der Grimm gegen die Menschheit, ihn zum
Luftpiraten machte, wo er seine furchtbare Waffe, das lenkbare
Luftschiff erbaute.

Aber das ging rasch vorber.

Nelly, sprach der Mann mit der Maske. Ich habe Euch etwas zu sagen.
Ich fahre diesmal mit einer Mannschaft, die ich noch nicht ganz genau
kenne, die beiden Normannen sind freilich treu und zuverlssig, aber die
Inder habe ich, obwohl sie mir den Treueid geschworen, doch noch nicht
so prfen knnen, wie meine Veteranen. Nun hrt. Sollte jemand Euch in
irgend einer Weise unbescheiden nahen, dann kommt Ihr sofort zu mir und
teilt mir alles mit. Lat Euch nicht durch Scheu oder durch Rcksicht
anderen Sinnes machen. Sagt es mir ganz offen, wenn Euch jemand
irgendwie belstigt oder beleidigt. Das ist ntig, schon um die
Autoritt aufrecht zu erhalten. Ich erwarte, da Ihr mir in diesem Falle
sofort Meldung erstattet.

Nelly versprach das und schien ber das ihr bezeigte Vertrauen ganz
glcklich zu sein. Der stolze Mann aber verlie den Raum und schritt
weiter, durch die Gnge und Rume des Weltenfahrzeugs, welches mit
geradezu unheimlicher Schnelligkeit durch die Unendlichkeit dahinflog.




                              2. Kapitel.
                         Unbekannte Verfolger.


Seit dem Beginn der Weltenfahrt waren Wochen verstrichen.

Die Erde erschien schon lngst als ein Stern, der sich nur durch etwas
helleren Glanz von den brigen Himmelskrpern unterschied.

Dagegen hatte man sich dem Ziel, welchem man zustrebte, um ein
Bedeutendes genhert.

Schon konnte man mit bloem Auge die Gestalt des Saturn und selbst mit
dem kleinsten Fernrohr das Ringsystem dieses merkwrdigsten aller
Weltenkrper betrachten.

Professor von Halen befand sich in fieberhafter Aufregung und gnnte
sich kaum die ntigste Ruhe.

Er schrieb seine Beobachtungen nieder und versicherte oftmals mit
leuchtenden Augen, da die Welt ber alle diese Entdeckungen staunen
wrde.

Aber dasjenige, was ihm am meisten am Herzen lag, das Geheimnis des
Saturnringes, hatte der Professor noch immer nicht entrtseln knnen.

Es schien, als wollte der Planet mit seinem Ring der menschlichen
Wissenschaft spotten.

Der Professor richtete die strksten Instrumente auf den Planeten und
glaubte mehrmals seine Vermutung besttigt zu sehen. Aber bestimmt lie
es sich noch nicht sagen, da der Ring aus lauter kleinen rotierenden
Weltenkrperchen bestand. Man mute noch nher herankommen.

Terror versah seinen Dienst mit Eifer und Hingebung. Er wurde dabei
zuweilen von einem der als treu befundenen Normannen abgelst, aber es
war auch nicht selten, da sich Kapitn Mors halbe Tage lang im
Maschinenraum aufhielt.

Die Geschwindigkeit, mit welcher das Weltenfahrzeug durch den
unendlichen Raum scho, war geradezu unheimlich. Es mochte an
Schnelligkeit sogar diejenige der Meteore und Sternschnuppen
bertreffen.

Wrde uns Luft umgeben, so wrde der Panzer unseres Fahrzeuges durch
die furchtbare Reibung zu glhen anfangen, sprach Professor von Halen
fters. Aber hier fehlt ja die Luft. Hier herrscht nur die tdliche
Klte des Weltenraumes.

Von dieser furchtbaren Klte aber versprten die Insassen des
merkwrdigen Fahrzeuges nicht das geringste. Dagegen schtzten die
doppelten Wnde, in denen sich Behlter mit flssiger Luft befanden.
Drinnen im Weltenfahrzeug war es warm und behaglich, die Elektrizitt
spendete die Wrme, die man brauchte.

Diese Kraft bereitete die Speisen, sie trieb Maschinen und setzte
Signale in Bewegung, sie speiste auch den riesenhaften Scheinwerfer, der
von Zeit zu Zeit in den Weltenraum hinausleuchtete.

Nelly war ebenso ttig wie alle anderen und schien sich unentbehrlich
machen zu wollen. Sie hoffte, da Kapitn Mors sie auch bei fernern
Weltenfahrten mitnehmen wrde, denn sie sehnte sich nach Abenteuern.

Der phantastische Sinn von Ned Gullys Schwester liebte das Ungewhnliche
und Ungeheuerliche.

So waren die Wochen vergangen, als pltzlich ein Signal aus dem Lenkraum
erschallte.

Mors, der sich gerade bei Professor von Halen befand, sah rasch auf die
kleinen bunten Fahnen, die aus bemaltem Blech bestanden.

Diese Fahnen besaen verschiedene Farben. Sie waren blau, grn, gelb,
wei.

Alle diese Farben hatten ihre besondere Bestimmung, aber Gefahr
verkndeten nur zwei solcher Blechfahnen, von denen die eine rot, die
andere schwarz war.

Bemerkte man irgend etwas Ungewhnliches, was Gefahr verkndete, so
richtete sich das rote Fhnchen empor. War die Gefahr aber schon ganz
nahe und unvermutet aufgetaucht, so zeigte sich die schwarze Flagge.

Mors sah, da dort, wo der Apparat arbeitete, das rote Fhnchen aufrecht
stand und eilte hastig nach dem Lenkraum. Der Professor folgte ihm auf
dem Fue.

Terror befand sich bei seinen Maschinen. Er putzte, reinigte und lte
sie immer eigenhndig, soda er die geringste Unregelmigkeit sofort
bemerkte.

Mors bemerkte sogleich, da der Schieber von einem der
Beobachtungsfenster entfernt war.

Hast Du was Besonderes bemerkt, Terror? fragte er seinen getreuen
Begleiter.

Gesehen habe ich was, Kapitn, aber ich kann nicht recht daraus klug
werden, es scheint irgend was hinter uns herzukommen und zwar sind es
wohl mehrere Dinger. Eins wei ich aber sicher, es hat von Zeit zu Zeit
rtlich aufgeleuchtet und beim Schein war es mir, als ob kugelfrmige
Gegenstnde hinter uns hergeflogen kmen. Deshalb gab ich das
Warnungszeichen.

Van Halen hatte schon bei den ersten Worten Terrors einen
Beobachtungsapparat herbeigeholt.

Er stellte ihn so auf, da er durch die Fenster des Achterteils am
Magneten vorber in den Weltenraum blicken konnte.

Drauen bot sich das gewhnliche Bild.

Man sah den rabenschwarzen Himmel mit seinen funkelnden Sternen, mitten
unter diesen die Sonne, welche den Riesenleib des Weltenfahrzeugs grell
beleuchtete.

Das war merkwrdig, aber erklrlich, denn bei solchen Fahrten herrschte
immer Tag und Nacht zugleich.

Die Sonne konnte nie verschwinden. Andererseits aber sah man unablssig
die Sterne, weil ja die Luft fehlte. Auch erschien die Sonne nicht als
Strahlenkugel, wie auf der Erde, sondern als gelbrote Scheibe, die
freilich ein ungemein grelles Licht ausstrahlte.

Van Halen war an solche Beleuchtungen schon gewhnt und so richtete er
langsam das Beobachtungsinstrument nach der Richtung, wo Terror die
sonderbaren Dinge erblickt haben wollte. Auch Mors schaute hinaus.

Ich glaube, es zu haben, sprach er pltzlich und zwar im selben
Moment, als der Professor eine Bewegung mit der Hand machte.

Ich sehe es auch, rief der Gelehrte. Ja, ja, Terror hat recht. Die
Dinger kommen hinter uns her und leuchten von Zeit zu Zeit rot auf, um
dann wieder zu verschwinden. Sie erscheinen aber nur kugelfrmig, weil
wir sie von vorn sehen. Ich glaube doch, da sie in Wirklichkeit eine
etwas lngliche Form besitzen.

Nun kam die Frage, ob man unbekannte Weltkrper vor sich hatte, die den
ewigen Naturgesetzen gehorchend, eine bestimmte Bahn verfolgen.

Das konnte man sehr leicht feststellen, denn man brauchte ja nur den
Kurs des Fahrzeuges zu ndern. Waren die unbekannten Dinger, von deren
Gre man sich noch keine Vorstellung machen konnte, Weltenkrper, so
muten sie eben die Bahn, die hinter dem Meteor herzufhren schien,
inne halten und bald aus dem Gesichtskreis verschwinden.

Der Riesenmagnet wendete sich und das merkwrdige Fahrzeug gehorchte wie
ein Schiff dem Steuer.

Seine Geschwindigkeit migte sich nicht im geringsten, aber es scho
jetzt in einer anderen Richtung davon, die mit der bisher innegehaltenen
einen spitzen Winkel bildete.

Nun vergingen zwei Stunden, ohne da im Lenkraum ein Wort gesprochen
wurde.

Der Luftpirat hatte sich ein Beobachtungsinstrument herbeigeholt und den
Schieber geffnet, der das zweite Ausgucksfenster verdeckte.

Er sa rechts, der Professor links und nun beobachteten die beiden
Mnner mit Aufmerksamkeit die befremdlichen Erscheinungen.

Die dritte Stunde war beinahe zu Ende.

Da erhob sich Mors von seinem Sitz und sprach mit eisiger Ruhe:

Professor, es sind keine Weltkrper, die merkwrdigen Erscheinungen
haben ihren Kurs gendert und kommen wieder hinter uns her.

Eben wollte ich das gleiche sagen, erwiderte van Halen, indem er sich
umblickte. Es ist kein Zweifel brig, wir werden verfolgt.

Mors ging mehrere Male im Lenkraum hin und her.

Was halten Sie davon, Kapitn? sprach der Professor, als der Luftpirat
endlich stehen blieb.

Ich wei es wirklich nicht, lautete die Antwort. Das, was ich gesehen
habe, lt sich mit meinen frheren Beobachtungen im Weltenraum absolut
nicht in Vereinbarung bringen. Wir haben Weltenfahrzeuge vom Mars und
von der Venus gesehen, diese Erscheinungen aber sind gnzlich
verschieden. Im brigen zweifle ich nicht daran, da wir das Werk irgend
einer Intelligenz vor uns haben, die uns verfolgt und es ist mglich,
da es so frchterliche Gegner sind, da sie uns vernichten knnen. Eins
aber habe ich entdeckt, die Schnelligkeit, mit der sie sich bewegen, ist
nicht viel grer als die unsere und noch habe ich unsere Schnelligkeit
nicht aufs Hchste gesteigert. Wir knnen, wenn wir wollen, noch rascher
fahren, ja vielleicht schneller als unsere geheimnisvollen Verfolger und
ihnen auf diese Weise entkommen.

Der Professor nickte zustimmend.

Da wenden wir einfach unseren Magneten nach dem Saturn zu, fuhr Mors
fort. Das wird die Geschwindigkeit bedeutend steigern.

Allerdings, erwiderte der Professor. Aber es ist ein zweischneidiges
Schwert. Wir knnen bei dieser Gelegenheit sehr leicht in den Bannkreis
des Planeten Jupiter geraten. Da steht der Riese.

Van Halen deutete durch das Fenster hinaus auf eine kleine, glnzende
Scheibe, neben der man vier helle, leuchtende Punkte gewahrte.

Ja, das war der grte aller Planeten, der Jupiter, der die Erde im
Volumen an Gre um das fast Dreizehnhundertfache bertrifft.

Der Riese, der, wie der Professor meint, schon fter Weltenkrper
abgefangen hatte.

Kam der Meteor in den Bannkreis dieses Kolosses, so konnte er mit
rasender Geschwindigkeit angezogen und fr immer festgehalten werden.

Aber vielleicht war es doch noch besser, mit solcher Gefahr zu rechnen,
als sich auf ein Zusammentreffen mit den rtselhaften Verfolgern
einzulassen.

Es waren sicherlich Fahrzeuge, die von intelligenten Wesen erbaut worden
waren. Als der Professor ihre Gre berechnete, fand er, da sie wohl
fnfzigmal grer als das Weltenfahrzeug sein mten.

Es wre Tollkhnheit gewesen, sich diesen Giganten entgegen zu stellen.
Mors entschlo sich deshalb, die grte Geschwindigkeit anzuwenden.

Wieder wurde der Riesenmagnet gedreht und zum geheimen Bedauern des
Professors auf den Saturn gerichtet.

Das Weltenfahrzeug verfolgte jetzt einen Kurs, der mit dem bisherigen
einen rechten Winkel bildete.

Der letzte Zweifel schwand schnell als man sah, wie die Verfolger, fnf
an der Zahl, ihren Lauf auch nderten und hinter dem Fahrzeug des
Luftpiraten herjagten.

Am unheimlichsten erschien das zeitweilige Aufglhen der Verfolger, denn
es sah so aus, als ob sie in Glut getaucht wren.

Niemand konnte sagen, was es bedeutete, nur der Professor meinte, da
sich die Verfolger wohl zu einem Angriff bereit machten.

Ueber ihre eigentliche Form, die Gestaltung und alles andere konnte man
sich vorerst keine genauere Kenntnis verschaffen.

Merkwrdigerweise erschien es auch so, als ob sie das Sonnenlicht gar
nicht reflektierten, sondern sich eher an das geheimnisvolle Dunkel des
Weltenraums anpaten.

Noch immer schienen sie nher zu kommen, ihre ganze Erscheinung hatte
etwas Grausiges, Entsetzliches.

Mors war fest davon berzeugt, da er mitsamt seinem Weltenfahrzeug und
dessen Insassen verloren war, wenn ihn diese unheimlichen Verfolger
erreichten.

Doch nun hatte sich der Riesenmagnet gewendet und in kurzer Zeit machte
sich eine vermehrte Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges bemerkbar.

Nachdem zwei Stunden vergangen waren, rief der Professor: Sie bleiben
zurck, Kapitn, sie werden immer kleiner und kleiner.

Das bewirkt unsere unheimliche Schnelligkeit, entgegnete Mors. Es war
das einzige Mittel, um uns diesen unheimlichen und ganz unbekannten
Gegnern zu entziehen. Wenn wir so weiter fahren, werden wir sie
allmhlich aus den Augen verlieren.

So schnell ging es aber doch nicht, denn die rtselhaften Erscheinungen
waren noch nach vielen Stunden sichtbar.

Von Zeit zu Zeit zeigte sich auch noch das merkwrdige rtliche
Aufleuchten, aber auch dieses nahm allmhlich ab und zuletzt erschienen
die Verfolger nur noch wie unheimliche, glhende rote Punkte.

Mors gab jetzt den Befehl, die Richtung nochmals zu verndern, denn er
meinte, da die seltsamen Verfolger nun die Jagd aufgeben wrden.

Terror drehte die Kurbeln und lie die Maschinen arbeiten, er versuchte
es zwei- und dreimal, aber vergeblich.

Kapitn, rief er. Das Fahrzeug gehorcht ja nicht mehr.

Ich frchtete das, erwiderte Mors. Aber, unter den Umstnden blieb
uns nichts anderes brig. Wir mssen auf unser gutes Glck vertrauen.
Jetzt sind wir in den Bannkreis des Planeten Jupiter geraten.




                              3. Kapitel.
                            Die rote Wolke.


Wieder war ein Tag vergangen.

Die merkwrdigen Verfolger des Weltenfahrzeugs waren verschwunden und
irgend wo in den unendlichen Raum des Weltalls untergetaucht.

Mglicherweise hatten jene intelligenten Wesen, welche diese
rtselhaften Fahrzeuge leiteten, eingesehen, da sie das Weltenfahrzeug
nicht einholen konnten. Mglicherweise aber waren sie nur der
gefahrdrohenden Anziehungskraft des Jupiter aus dem Wege gegangen.

Mors hatte brigens verschiedenes getan, um dem Bannkreis zu entkommen,
aber als er merkte, da dies keinen Zweck hatte, lie er die Dinge ihren
Lauf gehen.

Er vertraute seinem Glcksstern, er meinte, es wrde ihm schon gelingen,
wieder von dem Riesenplaneten hinwegzukommen.

Nun scho sein Fahrzeug mit groer Geschwindigkeit nach dem Planeten
Jupiter hinber.

Es war berraschend, mit welcher Schnelligkeit sich derselbe
vergrerte. Ein Beweis, da er eine ungeheure Anziehungskraft ausbte.

Schon verschwand die leuchtende Sonne neben der ungeheuren strahlenden
Scheibe, die schlielich den grten Teil des Firmaments einnehmen
mute.

Die Mannschaften des Weltenfahrzeuges betrachteten natrlich diese sich
fast mit jeder Stunde vergrernde Scheibe des Riesenplaneten mit
gemischten Gefhlen.

Die einzigen, welche kaltbltig darber dachten, waren die beiden
Normannen, die ja schon mehrere Weltenfahrten mitgemacht hatten, dagegen
verrieten die neuangeworbenen Inder trotz ihres sonstigen Mutes und
ihrer Entschlossenheit jene aberglubische Scheu, die sich beim Anblick
von etwas Fremdartigem nie ganz verbergen lie.

Die Leute sahen alle auf Mors, aber als sie bemerkten, da dieser ganz
ruhig blieb, schienen auch sie ruhiger zu werden.

Vielleicht ergaben sie sich mit jenem Fatalismus, der den Orientalen
eigen ist, in das Unvermeidliche. Aber sie meinten wohl im Geheimen, da
ihre Laufbahn hier ein Ende nehmen wrde.

An Mors wagte sich niemand heran, denn vor diesem Manne empfanden die
Leute bei aller Verehrung immerhin Scheu.

Deshalb gingen sie zu Terror, der freilich auch nicht viel gesprchiger
als der Kapitn war.

Die neuangeworbenen Inder hatten einen der ihren zum Wortfhrer erwhlt
und dieser Mann wendete sich an Terror mit der Frage, wohin die Reise
eigentlich ginge.

Na, Ihr seht es ja, zu diesem Planeten dort, erwiderte Terror etwas
knurrig. Bei solchen Reisen, wie wir sie unternehmen, mssen wir immer
auf Abenteuer rechnen. Der Kapitn hat brigens gesagt, da die Sache
nicht viel zu bedeuten hat, und da auf diesem riesigen Weltkrper dort
sicherlich Luft und Wasser existiert. Na und wenn wir da auch ein
Weilchen bleiben mssen, das schadet nichts. Der Kapitn hat schon ganz
andere Dinge vollfhrt, der wird auch von da wieder loskommen.

Und wenn wir nicht wieder loskommen? fragte der Inder.

Dann bleiben wir eben dort, erwiderte Terror. Ich bin ganz zufrieden
damit, wenn ich nur bei meinem Kapitn bin, alles andere ist mir
gleichgiltig.

Der Inder hatte aber noch eine wichtige Frage auf dem Herzen.

Werden wir unseren Gott Brahma dort vorfinden? fragte er feierlich.
Wenn uns der Tod bevorsteht, so wollen wir wenigstens in das Paradies
Brahmas gelangen.

Terror aber war kein Freund von den Heldengttern, besonders nicht von
Brahma, da derselbe, wie er einmal gehrt, mehrere Kpfe und eine ganze
Anzahl Arme besitzen sollte.

Ja, das wei ich wirklich nicht, erwiderte er. Wenn Ihr hinkommt,
knnt Ihr Euch ja mal nach ihm umsehen. Vielleicht findet Ihr ihn. Im
brigen lat mich nun mal in Ruhe, denn ich habe mich um meine
Instrumente zu bekmmern. Die Maschinen mssen tadellos funktionieren,
wenn es ntig wird. Mit Eurem Brahma hat es noch Zeit, bis wir ankommen.
Vorlufig braucht Ihr ihn ja noch nicht, denn Ihr seid ja noch alle am
Leben.

Der Inder schnitt ein verdrieliches Gesicht, denn es gefiel ihm ganz
und gar nicht, da sich Terror in solcher Weise ber ihre Gottheit
uerte.

Terror wendete ihnen einfach den Rcken zu und lie die Inder mit ihrem
Brahma machen, was sie wollten.

Die Leute kehrten also wieder an ihre Beschftigung zurck, aber sie
befanden sich offenbar in einiger Erregung.

Man hrte sie fter flsternd sprechen und Bemerkungen ber das Kommende
austauschen. Einige meinten auch, Terror msse, da er so unehrerbietig
ber Brahma gesprochen, zur Strafe in die Hlle geschleudert werden.

Der Ingenieur aber kmmerte sich nicht mehr um das indische Paradies,
sondern setzte alle seine Maschinen instand, damit sie im Notfalle ihre
ebenso furchtbaren als ntzlichen Dienste leisten konnten.

Nher kam man dem Riesenplaneten und schon sah man mit bloen Augen ein
hchst merkwrdiges Gebilde.

Dieses war schon vor ungefhr vierzig Jahren auf der Erde entdeckt
worden und hatte zu den seltsamsten Vermutungen Anla gegeben.

Man bezeichnete es als die rote Wolke. Es war dies ein eifrmiger Fleck,
der in der dichten Atmosphre des Jupiter zu schweben schien.

Einige Astronomen glaubten, es sei eine besonders starke Wolkenbildung,
die durch irgend einen Umstand die dunkelrote Frbung zeigte.

Andere Beobachter aber glaubten an frchterliche Vulkanausbrche dieses
Planeten, der sich noch im Urzustand befinden mute. Die gleiche Meinung
hatte auch der Professor.

Beim Nherkommen gewahrte man brigens, da man von der Oberflche des
Planeten so gut wie gar nichts sehen konnte.

Das, was man erblickte, waren alles Wolken, welche den Riesenkrper
umhllten, Wolken, welche die Sonnenstrahlen aufleuchtend grell
reflektierten.

Der Professor meinte, es wrde schon noch anders kommen und war
berzeugt, da man ber kurz oder lang einen Blick auf die Oberflche
des Planeten werfen knne.

Der Gelehrte verga jede Gefahr und war nur darauf gespannt, die Rtsel
des ungeheuren Weltkrpers enthllt zu sehen.

Er gnnte sich keine Ruhe, verga Speise und Trank, und es kam oft genug
vor, da er bei seinen Fernrhren und Instrumenten, von der Mdigkeit
berwltigt, die Augen schlo.

Die rote Wolke verschwand brigens bald, was nicht verwunderlich war, da
sich ja der riesige Planet in noch nicht zehn Stunden um seine eigene
Achse dreht.

Diese furchtbare Geschwindigkeit mute es auch bewirken, da der Kolo
an den Polenden stark abgeplattet erschien. Alles aber, was man sah,
verriet eine ungemein dichte, im brigen aber der Erde sehr hnliche
Atmosphre.

Luft werden wir genug haben, sprach der Professor zu Nelly, als sie
ihm wieder einmal mit sanfter Gewalt einige Nahrungsmittel aufntigte.
Ich glaube sogar, unsere Lungen werden ordentlich Mhe haben, in dieser
starken Luftmasse zu atmen. Aber der Mensch gewhnt sich eben an alles.
Wasser ist dort auch zu finden. Es sollte mich brigens nicht wundern,
wenn wir durch die ungeheure Anziehungskraft gezwungen wrden, bis zu
unserem Ende Bewohner des Jupiters zu bleiben.

Nelly zuckte mit den runden Schultern und ihre Augen glnzten. Solch
Abenteuer war recht nach dem Geschmack der phantastisch veranlagten
Schnen.

Die Normannen ergaben sich mit Gleichmut in alles, was ihnen bevorstand.
Die Inder dagegen saen oft zusammen und meinten, wie schrecklich es
sein msse, wenn ihr Gott Brahma nicht auf dem Planeten hauste, denn
dann wre ihnen ja das Paradies fr ewig verloren.

Unter einem Teil dieser Leute machte sich bereits Unzufriedenheit
bemerkbar, aber da die anderen treu zu Mors hielten, so verbargen die
Unzufriedenen ihre Empfindungen auf das Sorgfltigste.

Nach zehn Stunden wurde die rote Wolke wieder sichtbar und da sah man
schon mit bloen Augen, da sie eine ungeheure Ausdehnung besa. Ihr
Umfang war geradezu ungeheuer und es schien, da dieser dunkelrote Fleck
wohl den zwanzigsten Teil der den Weltenfahrern sichtbaren
Jupiterscheibe bedeckte.

Ferner sah man andere ungeheure Wolkenmassen, vor allen Dingen aber jene
Ringe, die der Jupiterscheibe ein so merkwrdiges Aussehen verleihen.

Zeitweise glaubte auch der Professor, einen Blick durch die dichte
Atmosphre tun zu knnen.

Es sah zuweilen so aus, als ob die Wolkenmassen zerrissen und Teile der
Oberflche des riesigen Planeten enthllten.

Geschah dies, so war der Professor gleich mit seinen Instrumenten zur
Hand, aber diese Perioden dauerten immer nur ganz kurze Zeit, soda van
Halen nur wenige klare Beobachtungen machen konnte.

Mors erkundigte sich brigens bei dem Gelehrten, was er bemerkt hatte,
und der Professor gab bereitwilligst Auskunft.

Man hatte auf unserer Erde angenommen, da der Jupiter noch fast
flssig sein soll, sprach er, als er wieder einmal eine Beobachtung
gemacht. Aber nach reiflicher Ueberlegung bin ich berzeugt, da dies
nicht der Fall ist. Das, was ich durch das Fernrohr sehe, bestrkt meine
Annahme. Der Kolo befindet sich in einem Zustande, den man auf Erden
als die sogenannte Devon-Zeit bezeichnet hat, als die Zeit der
Panzerfische, und der ersten Landpflanzen. Aber ich vermute auch, da
auf dem Jupiter noch ungeheuerliche vulkanische Ausbrche stattfinden
und zwar Ausbrche, bei denen Wasser und Feuer zusammen in Aktion
treten.

Und was schlieen Sie daraus? fragte der Luftpirat.

Nun, das eine, da wir in eine sehr seltsame Welt kommen, lautete die
Antwort, in eine Welt, wo alle Augenblicke Katastrophen eintreten,
Feuer- und Wasserausbrche, schreckliche Erschtterungen des Festlandes,
kurzum, ein wahres wildes Durcheinander, welches jeder menschlichen
Beschreibung spottet.

Hauptsache ist, da ich mein Fahrzeug fliegend erhalte, bemerkte
Kapitn Mors. Wenn mir das gelingt, so knnen wir vorerst der Wut der
Elemente trotzen. Schlimmer wre es freilich, wenn wir direkt durch die
ungeheure Anziehungskraft an den Planeten gebannt wrden, soda mein
Weltenfahrzeug hilflos wird. Versagt der Magnet dann seine Dienste, so
knnen wir nimmermehr nach der Erde zurckkehren.

Nun, wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen, erwiderte der
Professor. Bei solchen groartigen Naturereignissen kann der Mensch
sein Wissen und seine Erfahrungen benutzen. Solche Naturereignisse
knnen uns vielleicht sogar zur Rettung dienen.

Bei den letzten Worten deutete der Gelehrte auf die geheimnisvolle rote
Wolke, welche gerade in der Mitte des Planeten schwebte.

Mors zuckte die Achseln und begab sich in den Lenkraum.

Dort arbeitete Terror wie ein Verzweifelter.

Der Brave machte sich wenig aus dem Jupiter, denn als er hrte, wie es
dort aussehen sollte, verstrkte sich die Abneigung gegen diese neue
Welt.

Was soll ich dort unter den Panzerfischen und Stachelpflanzen, brummte
er. Fische esse ich zwar ganz gern, aber ob die Biester dort zu essen
sein werden, mchte ich mit Recht bezweifeln, und die Gemse aus solchen
Pflanzen wrden uns zwischen den Zhnen stecken bleiben. Aber was hilft
es, wenn wir dort bleiben mssen und unsere Vorrte allmhlich zu Ende
gehen, mssen wir doch mit dem Vorlieb nehmen, was sich dort befindet.
In der Not frit der Teufel Fliegen.

Terror lie den Magneten nach allen Richtungen spielen, aber es war
umsonst. Die Anziehungskraft des Giganten spottete seinen Bemhungen.

Sein einziger Trost war nur der, da die Schnelligkeit, mit der das
Weltenfahrzeug dahin sauste, einigermaen gemildert werden konnte.

Immerhin war mit einem Aufsturz des Fahrzeuges auf den Jupiter zu
rechnen.

Geschah dies, so mute das Fahrzeug in Trmmer gehen und alles
menschliche Leben darin vernichtet werden.

Aber das lie sich nicht ndern und es kam sicherlich die Stunde, wo
alle menschlichen Machtmittel versagten.

Immer grer wurde der Planet, dem man mit zunehmender Schnelligkeit
nher kam. Allmhlich breitete sich die kolossale Scheibe ber das ganze
Firmament aus.

War es Tag, so blendeten die leuchtenden Wolken derartig, da man
Schutzbrillen tragen mute. Stand die Sonne aber hinter dem ungeheuren
Planeten, so wurde es dennoch nicht dunkel, denn die Atmosphre des
Jupiter schien ein eigenes Licht zu besitzen.

Dies war freilich schwach im Vergleich zu dem reflektierten Sonnenlicht,
wenn der Planet ganz beleuchtet wurde, war der Glanz derselben kaum zu
ertragen.

Der Magnet wurde auf die Scheibe des Jupiter gerichtet, um so die
Anziehungskraft nach Mglichkeit abzuschwchen. Mehr konnte man nicht
tun. Das Weitere war dem Walten des Schicksals berlassen.

Der Professor berechnete kaltbltig die Zeit, in welcher der Aufsturz
stattfinden wrde.

Erst waren es noch Tage, nun wurden es nur noch Stunden.

Man hrte van Halen, der jetzt nicht mehr von seinen Instrumenten ging,
zuweilen halblaute Worte vor sich hinmurmeln.

Vier Stunden vierzig Minuten, vier Stunden dreiig Minuten. Vier
Stunden zwanzig Minuten, jetzt nur noch vier Stunden!

Die Inder machten sich auf ein furchtbares Ende gefat.

Da sie sehr religis waren, so empfahlen sie ihre unsterbliche Seele
Brahma, der mchtigen, indischen Gottheit.

Die beiden Normannen dagegen machten sich wenig aus dem, was nach ihrem
Ende wurde. Van Halen und Terror, sowie Mors hatten nur Sinn fr ihre
Instrumente und Maschinen.

Mors blieb so ruhig und gelassen, als wenn er sich auf Erden auf seiner
geheimnisvollen Insel befnde. Er, Terror und van Halen bewunderten im
Stillen Nelly, die eine unglaubliche Entschlossenheit zeigte und keine
Furcht zu kennen schien.

Sie besorgte die Mahlzeiten wie gewhnlich und redete den ziemlich
niedergeschlagenen Indern zu, da sie Speise und Trank zu sich nehmen
sollten.

Wieder neigte sich der Professor auf seine Instrumente.

Noch dreiig Minuten, sprach er. Dann haben wir den Planeten
erreicht. In einer halben Stunde mu sich unser Schicksal entscheiden.




                              4. Kapitel.
                         Wunderbare Abenteuer.


Die dreiig Minuten schienen eine Ewigkeit zu werden.

Bald sah man nichts mehr, denn das Weltenfahrzeug befand sich zwischen
den ungeheuren Wolkenmassen, die den Jupiter verhllten.

Mors warf noch einen letzten Blick durch die Gucklcher, welche durch
starke Glser verschlossen wurden.

Er sah nichts als eine wirbelnde Masse, graue, weie, braune Wolken,
zuweilen auch ein rtliches Aufleuchten.

Jedenfalls befand sich die Atmosphre des Riesenplaneten in ungeheurer
Erregung.

Was da aber vorging, konnte kein Sterblicher sagen.

Die letzten Minuten vergingen.

Jetzt kommt der Luftprall, sprach der Professor zu Mors, der mit der
Uhr in der Hand die kommenden Dinge erwartete.

Nelly war auch da und sah mit ihren feurigen Augen auf den Luftpiraten.

Wenn es zum Sterben kam, wollte sie wenigstens in seiner Nhe den Tod
erleiden.

Jeden Augenblick erwartete man die Katastrophe.

Der Luftpirat war darauf gefat, da das Fahrzeug in Stcke zerschellen
wrde.

Mit einem Male versprte man eine seltsame Berhrung.

Es war, als htte das Fahrzeug etwas Weiches, Widerstandsfhiges berhrt
und dann vernahm man deutlich, wie etwas gegen die gepanzerten Wnde
schlug.

Der Professor sprang empor.

Wir sind angelangt, rief er. Aber wir sind nicht auf festem Boden,
sondern auf Wasser angekommen. Kein Zweifel, der Meteor ist mit groer
Geschwindigkeit in eine ungeheure Wasseransammlung hineingetaucht.

Das Meer oder der See oder was es nun sein mochte, mute sehr tief sein.

Pltzlich richtete sich das Fahrzeug, welches bis dahin eine schrge
Lage gezeigt, wieder auf und scho so schnell empor, da Nelly und der
Professor sich festklammern muten.

Es scho direkt aufwrts, aber nun verlangsamte sich die Bewegung nach
vorwrts, dafr aber geschah etwas anderes, was nicht minder merkwrdig
war.

Das Weltenfahrzeug geriet nmlich in schaukelnde Bewegungen, es war
gerade so, als ob irgend etwas Geheimnisvolles, Starkes mit dem Meteor
spielte.

Was ist das? rief Nelly, die sich tapfer festgehalten.

Wir schwimmen, sprach Mors, wir sind wieder aufgetaucht und da der
Meteor trotz seines ungeheuren Gewichtes, dank seiner Innenrume und
der Behlter mit flssiger Luft, leichter ist als Wasser, so schwimmen
wir hchstwahrscheinlich auf der Oberflche eines Jupiter-Gewssers.

Da mag es aber toll hergehen, meinte Terror, der eben an der Tr
erschien. Ich mte mich sehr tuschen, wenn nicht ein frchterlicher
Sturm diesen Jupiter-See von Grund auf aufwhlt. Wir werden ja hin- und
hergeschleudert, als ob unser Kolo eine Seifenblase ist.

Mors sah wieder durch die kleinen Gucklcher.

In wenigen Augenblicken berzeugte er sich, da Terror Recht hatte.

Der Meteor schwamm auf einer emprten See, die durch einen
frchterlichen Sturm aufgewhlt wurde.

Da sah man Wellen, gegen die die der irdischen Gewsser harmlos
erschienen, Riesenwellen, die das sonderbare Fahrzeug wie einen
Spielball hin- und herwirbelten.

Terror und der Professor waren jetzt auch an die Gucklcher getreten,
ebenso Nelly, die mit glnzenden Augen das Naturschauspiel einer
unbekannten Welt bewunderte.

Die Schwester Ned Gullys besa scharfe Augen, und sie war es auch,
welche zuerst etwas Ungewhnliches bemerkte.

Kapitn, rief sie pltzlich. Da ist etwas Dunkles. Das ist Land!

Wenige Augenblicke spter erhielt das umhergeschleuderte Fahrzeug einen
gewaltigen Sto.

Es war aber sicherlich kein Felsen, gegen den es stie, sondern eine
Sandbank.

Man vernahm deutlich, wie das Fahrzeug sich auf der Sandbank hin- und
herschob und wie es sich allmhlich immer hher auf das Land
hinaufwhlte.

Der Sand trmte sich zur Linken und Rechten empor und bildete allmhlich
einen Schutzwall. Die von dem Sturm gepeitschten Wogen schlugen noch
zuweilen ber das Achterteil des Weltenfahrzeuges, bis es zuletzt still
und unbeweglich im weichen Triebsand ruhte. -- -- -- -- --

Es vergingen viele Stunden, ehe sich der Aufruhr der Elemente legte.

Der Sturm schien schon lngst zu Ende gegangen zu sein, aber die Wellen
gingen noch immer hoch. Man sah durch die Gucklcher, wie die Wogenberge
ber die Oberflche des unbekannten Meeres hinberfegten.

Dann kam ja die Nacht, da ja bekanntlich der Tag auf dem Jupiter kaum
zehn Stunden lang dauert.

Aber dunkel wurde es nicht, denn der Jupiter besa ja vier Monde, die
eine groartige Beleuchtung spendeten.

Bei diesem Schein sah man die noch immer auerordentlich unruhige
Oberflche der See, auch hrte man das Donnern einer entfernten
Brandung.

Mors glaubte auch zuweilen durch die Gucklcher Umrisse von Felsen und
Hgeln sehen zu knnen, aber die Atmosphre war sehr wenig durchsichtig.

So blieb denn vorlufig nichts weiter brig, als da man die Ruhesttte
aufsuchte, aber Mors sorgte dafr, da stets einige Wachen Ausguck
hielten.

Als die Nacht zu Ende ging, gewahrte Mors, da sich die Oberflche des
Jupitermeeres bedeutend beruhigt hatte.

Da drngte es ihn, hinauszugehen und die Luft dieser neuen, unbekannten
Welt zu atmen.

Das war nicht unbedenklich, indessen hatte der Professor schon einige
Beobachtungen gemacht und die feste Ueberzeugung ausgesprochen, da die
dicke Luft des Jupiter, wenn auch mit einigen Beschwerden, geatmet
werden konnte.

Das Weltenfahrzeug lag ungefhr zur Hlfte in den Sand gebettet, aber
die luftdicht schlieenden Tren, welche nach auen fhrten, waren
freigeblieben.

Mors ffnete die innere Tr und schlo sie wieder sorgfltig. Er wies
jede Begleitung zurck, obwohl Nelly und van Halen ihn nicht verlassen
wollten.

Hierauf ffnete der Kapitn vorsichtig die uere Tr und versuchte, die
Luft zu atmen.

Sie war dick, schwer, aber zu ertragen. Sie schien nur eine ungeheure
Menge Kohlensure zu enthalten. Dies verursachte die Empfindung eines
leichten Rausches. Da aber der menschliche Organismus sehr
anpassungsfhig ist, meinte Mors, da sich seine Mannschaft auch daran
gewhnen wrde.

Jetzt stieg der Luftpirat langsam an der eisernen Treppe hinan, die zur
oberen Plattform fhrte.

Er hatte ein merkwrdiges Empfinden, denn es war ihm zu Mute, als ob
sein ganzer Krper aus Blei bestnde.

Das war erklrlich, da der Planet Jupiter um soviel mal grer als die
Erde war, mute naturgem alles, was sich da befand, auch bedeutend
schwerer wiegen.

Immerhin erwies sich dies nicht hinderlich, wenn man Bewegungen mit den
Gliedern machte. Mors kam es so vor, als bese er jetzt die Kraft,
einen Felsen zertrmmern zu knnen.

Jetzt stand er auf der Plattform.

Zur Rechten lag das Meer, dessen Oberflche noch immer in ziemlicher
Bewegung war. Zur Linken aber sah man das Land, welches freilich ein
hchst sonderbares Aussehen besa.

An den Ufern des Meeres dehnte sich ein mchtiger Sandstrand aus,
weiterhin stieg das Land empor. Da sah Kapitn Mors Felsen, Hgel und
Klippen.

Die meisten aber besaen eine hchst eigentmliche Form, denn sie waren
kegelfrmig und auf ihren Hhen befanden sich kreisrunde ffnungen.

Ferner sah Mors merkwrdige Felsenringe, die fast riesigen
Springbrunnenbecken glichen. Das Sonderbarste aber war, da sie mit
Wasser angefllt waren, welches zuweilen aufbrodelte.

Mors sah sich um, ob er nicht irgendwo Pflanzenleben entdeckte. Es
dauerte einige Zeit, ehe er dieses bemerkte, aber endlich gewahrte er
solches zwischen den Hgeln.

Diese Flora war sehr sprlich, aber immerhin sah Mors hier und da ppige
Pflanzen stehen.

Es waren eine Art Grser, aber wie der Professor vorausgesagt, ungemein
stachelig, alles schien von Dornen frmlich zu starren und das Ganze
besa direkt ein unheimliches Aussehen.

Als Mors in das Wasser blickte, gewahrte er, da es recht klar und
durchsichtig war.

Da unten war ein ganz anderes Leben und da sah Mors zunchst eine Menge
Algen und Tang, er sah auch lebende Geschpfe, die dort ihr Wesen
trieben. Fischartige, anscheinend mit Knorpeln und Horn gepanzerte
Ungetme.

Van Halen hat recht gehabt, murmelte der Luftpirat. Das ist hier eine
Epoche, die man auf Erden lngst berwunden hat. Eine Zeit, die noch der
Steinkohlenperiode voranging. Vor allen Dingen eine Welt, in der
frchterliche, vulkanische Erscheinungen zu den alltglichen Ereignissen
gehren. Aber es hilft nichts, wir mssen uns damit abfinden.

Er erprobte noch einmal die Luft und ging dann hinunter, um seine
Gefhrten von seinen Beobachtungen zu benachrichtigen.

Mors forderte alle Insassen des Weltenfahrzeuges auf, nach der Plattform
zu kommen und die fremdartige Umgebung zu betrachten.

Der Professor und Nelly waren natrlich die ersten, welche diesem Rufe
folgten und sich nicht wenig ber die bleierne Schwere in den Gliedern
wunderten. Mitrauischer benahm sich schon Terror, der bedchtig die
neue Luft einsog und nach allen Richtungen umherschnffelte.

Er brummte auch allerlei Bemerkungen in den Bart, die keine
Schmeicheleien fr die neue Welt sein mochten.

Dann kamen die Normannen, die ziemlich gleichgltig die fremdartige
Umgebung betrachteten.

Die Inder waren die letzten, die sich auf die Plattform hinauswagten.

Mors beobachtete diese Leute aufmerksam, denn er hatte schon bemerkt,
da die Inder ein wenig verzagt schienen.

Der Luftpirat staunte aber, als die Bewohner der indischen Gebirgswelt,
nachdem sie kaum ein paar Blicke auf die Umgebung geworfen, sichtliche
Freude verrieten.

Ihre Augen begannen zu glnzen, sie deuteten bald hier hin, bald
dorthin, und machten sich auf die sonderbaren Formen der Hgel und
Felsen aufmerksam.

Mors trat zu den braunen Leuten.

Nun, was sagt ihr zu dieser neuen Welt? forschte er, die Inder
betrachtend.

O Herr, erwiderte der eine, der das Wort fhrte, dieses Land ist uns
schon bekannt. Das haben wir schon frher gesehen.

Nicht mglich, erwiderte Mors mit flchtigem Lcheln. Ihr habt doch
noch keine Reise nach dem Planeten Jupiter unternommen?

Wir haben dieses Land auf den Bildern in unseren Tempeln gesehen,
lautete die Antwort. Es ist das Land, in welchem unser Gott Brahma
wohnt. Es ist seine Heimat und deshalb sind wir glcklich. Dort aber,
jene wassergefllten Ringe sind die Eingnge zur Hlle, in welche die
grasgrnen Teufel alle die hinabziehen, welche nicht an Gott Brahma
glauben.

Der Henker hole euch mit euren grasgrnen Teufeln und eurem Brahma,
murmelte Terror, der sich hier ganz und gar nicht behaglich fhlte. Ich
wollte, wir schwebten fnfzigtausend Meilen von dieser vertrackten Welt,
anstatt da wir hier im Sande eines unbekannten Ozeans liegen. Der
Teufel wei, wann wir hier wieder loskommen. Meinethalben kann mir der
ganze Jupiter gestohlen bleiben.




                              5. Kapitel.
                       Im Bann des Aberglaubens.


Am glcklichsten war der Professor, denn der geriet vor Entzcken auer
sich.

Mors mute ihn festhalten, sonst wre der Professor Hals ber Kopf in
den Sand hinuntergesprungen und in die fremdartige Landschaft
hineingelaufen.

Das gab der Luftpirat aber nicht zu, denn er wollte sich erst
berzeugen, ob nicht etwa Gefahren in diesem fremden Lande lauerten.

Allerdings hatte es zur irdischen Devonzeit keine Ungeheuer gegeben, die
den Menschen gefhrlich werden konnten. Aber auf dem Jupiter konnte sich
das anders verhalten und Mors dachte nicht im mindesten daran, van Halen
einer Gefahr auszusetzen.

Mors hatte den Professor, der mit solcher Begeisterung an ihm und seinen
Werken hing, schon sehr lieb gewonnen und zhlte ihn zu den
vertrautesten seiner Gefhrten. Auch dachte er daran, da Anita
verzweifeln wrde, wenn der Professor nicht nach der Erde zurckkehrte.

Aber konnte man denn berhaupt zurck? Blieb denn nicht das
Weltenfahrzeug fr immer an diesen Planeten gebannt? Jetzt sah es so
aus, als ob die tollkhnen Abenteurer ihr Leben auf dem Jupiter
beschlieen mten.

Mors beobachtete mit dem Glas aufs sorgfltigste die Umgebung. Aber er
sah nirgends ein verdchtig aussehendes Tier. Die Zeit fr die Tiere am
Lande war wohl noch nicht gekommen und in der See sah man nur
Panzerfische und Trilobiten; ferner gewahrte man die sonderbarsten
Meergewchse und wunderlich geformte Muscheln. Da war man um Millionen
Jahre in den Zeiten zurckversetzt, denn dieser Planet befand sich erst
im Werdezustande.

Als Mors die Umgebung genug betrachtet, bemerkte er, wie das Meer rasch
zurckwich.

Naturgem muten hier, wo vier riesige Monde existierten, Ebbe und Flut
in ganz ungeahntem Mae auftreten.

Hchstwahrscheinlich war die Flut gewesen, als der Meteor strandete,
denn in kurzer Zeit war alles in der Runde trocken. Man sah nur noch in
der Ferne eine weiblaue Linie, die den Rand des Jupiterozeans
andeutete.

Mors fate einen kurzen Entschlu.

Gertschaften fanden sich ja in Menge in seinem Fahrzeug und so lie der
Luftpirat seine Inder und Normannen mit Schaufeln ber die Treppe auf
den Sand hinabsteigen.

Sie sollten den feuchten, weien Sand so viel als mglich bei Seite
schaufeln und das Fahrzeug auf diese Weise befreien.

Mors vermutete nmlich, da nicht die ungeheure Masse des Planeten es
sei, welche das Weltenfahrzeug herniedergezogen, sondern
elektrisch-magnetische Strme, die unter der noch dnnen Kruste des
Jupiter ihr Wesen trieben.

Alle legten mit Hand an, selbst Nelly schaufelte unverdrossen und in
vier Stunden war rund um den Meteor herum eine Rinne gegraben.

Die Flut war noch immer nicht zurckgekehrt, aber sie mute sicherlich
nach einigen Stunden kommen.

Mors hie jetzt alle seine Leute wieder auf den Meteor hinaufsteigen
und sich in das Innere des Fahrzeuges begeben. Dann wurde der Magnet,
der bis dahin nach oben gerichtet war, mglichst gesenkt, soda er sich
auf die Sandflche richtete.

Im nchsten Augenblick erhielt das gewaltige Fahrzeug einen mchtigen
Ruck. Man hrte den Sand knirschen und im nchsten Augenblick schnellte
das Weltenfahrzeug in die Hhe.

Terror war ganz auer sich vor Freude, als er dies bemerkte, dagegen
schienen die Inder eher traurig, als freudig bewegt zu sein.

Das Weltenfahrzeug schwebte einige hundert Meter empor, aber dann
erhielt es wieder einen Ruck und neigte sich langsam nach unten.

Jetzt wei ich es, weshalb wir hier so gebannt bleiben, sprach Mors zu
Terror und dem Professor. Wir befinden uns wieder ber der dnnen
Kruste, welche die magnetischen und elektrischen Strmungen deckt.
Dadurch werden wir hinabgezogen. Jetzt mssen wir vorsichtig
manvrieren, da wir wieder auf dem Sande landen. Auf den anderen Boden
drfen wir nicht hinunterkommen, denn dadurch wrden wir der ungeheuren
Anziehungskraft ausgesetzt bleiben. Der Sand schtzt uns, denn der
leitet keine Elektrizitt. Also wollen wir uns wieder am Rande dieses
seltsamen Meeres niederlassen.

Das geschah denn auch und nach kaum einer halben Stunde lag der Meteor
auf einer Sanddne, die sicherlich nicht von den Wogen besplt wurde.

Die Situation war klar.

Kam man mit dem Weltenfahrzeug ber die sonderbaren Felsformationen des
Planeten, so wurde der Riesenmagnet nutzlos. Man mute also, um fliegen
zu knnen, immer in der Nhe des Meeres bleiben.

Aber auch das gengte nicht, denn, als man nach einer Weile emporstieg,
gelangte das Weltenfahrzeug hchstens fnfhundert Meter ber die
Oberflche des Jupiter.

Dann schienen die geheimnisvollen Ausstrahlungen wieder zu wirken und
trotz aller Anstrengungen mute man wieder auf die Sanddne hinunter.

Terror war ber diese Ereignisse ziemlich niedergeschlagen und meinte,
man knne den Planeten nimmer verlassen.

Aber Mors und der Professor waren anderer Meinung.

Wir drfen nie den Mut verlieren, sprach der erstere. Es ist ja
richtig, da wir augenblicklich nicht hochsteigen knnen. Aber
mglicherweise tritt doch ein Ereignis ein, welches uns die Abfahrt
gestattet. Wir sind mit Vorrten versehen, wir knnen also warten.

Mors hatte einen geschtzten Platz gewhlt, wo das Weltenfahrzeug
zwischen zwei kolossalen Sanddnen ruhte.

Er vermutete nmlich, da hier ungeheure Strme tobten, Orkane von
frchterlicher Wut.

Dort, wo man sich befand, war das aber nicht zu befrchten, und so
konnte man geschtzt die Umgebung betrachten.

Der Professor und Mors verlieen den Meteor und erstiegen die nach dem
Lande zugewendete Sanddne. Von da aus betrachteten sie mit Fernrohren
die Stachelpflanzen und die wunderbaren Erscheinungen am Himmelskrper.

Der kurze Tag, die kurze Nacht, die Phasenbildung der vier Monde und
deren Erscheinen und Verschwinden war so groartig, da man gar nicht
wute, was man alles bewundern sollte.

Dazu kamen frchterliche elektrische Entladungen in den Wolkenmassen,
die von Zeit zu Zeit das ganze Firmament bedeckten. Dann schien es, als
ob sich eine ungeheure graue Masse ber Land und Wasser herabsenkte.

Mors und seine Begleiter waren so in Erstaunen versunken, da sie gar
nicht auf die Mannschaft achteten.

Die Normannen nahmen alles mit Gleichmut hin und meinten, der Luftpirat,
der so viel geleistet, wrde das Fahrzeug schon wieder aus dieser
fremden Welt hinwegfhren. Auch einige Inder zeigten sich gleichmtig,
aber die anderen standen immer zusammen, zischelten und flsterten. Sie
schwiegen aber, wenn jemand in ihrer Nhe vorberging.

Von Zeit zu Zeit stiegen sie auch auf die Plattform und von dort auf die
Dne, denn Mors hatte jedem seiner Leute freigestellt, die Umgebung des
Weltenfahrzeugs in Augenschein zu nehmen.

Pltzlich bemerkte man dort, wo die merkwrdigen Felsen aufstiegen,
etwas Sonderbares.

Aus einem der Kegel, die kleinen Kratern hnlich sahen, stieg pltzlich
eine mchtige Wassersule wie ein riesiger Springbrunnen empor.

Gleichzeitig begannen die Gewsser in den nahe befindlichen groen
Felsenringen zu schumen und zu sprudeln.

Mors und dem Professor waren diese Erscheinungen nicht fremd.

Solche gab es auch auf der Erde, auf der Insel Island und in den
Felsengebirgen Nordamerikas, man pflegte solche Wasservulkane mit dem
Namen Geyser zu bezeichnen.

Hier schienen sie in wahrer Unzahl vorhanden zu sein und das ganze Land,
so weit das Auge reichte, zu bedecken.

Diese Wasservulkane waren es wohl auch, welche im Ruhezustande den
elektrischen und magnetischen Strmen einen Ausgang gewhrten, so da
sie ihre verderbliche Anziehungskraft auf alles Metallene ausben
konnten.

Die Inder dagegen, die in ihrem ganzen Leben noch keinen Wasservulkan
gesehen hatten, betrachteten diese Erscheinung mit ehrerbietigem
Staunen.

Das hatte seine Grnde.

Auf indischen Bildern werden nmlich die Gottheiten sehr hufig auf den
heiligen Bergen dargestellt und zwar auf einem Thronsessel, um den rings
umher Wolken aus der Erde emporsteigen.

Diese Malereien aber erinnerten merkwrdigerweise an solche Geyser, weil
der Dampf auf den indischen Bildern scheinbar stoweise aus der Erde
kam.

Da glaubten die Inder, aberglubisch wie sie nun einmal waren, da sie
sich jetzt in dem Lande befnden, von welchem ihnen ihre Priester so oft
erzhlten, nmlich im himmlischen Paradiese.

Hier wohnte Brahma, kein Zweifel, der Gttergeist lebte hier zwischen
diesen wasserspeienden Kratern und dort, wo Wolken die Aussicht
versperrten, mute sich aller Wahrscheinlichkeit nach das Paradies
befinden.

Alle Furcht war bei den Indern verschwunden, sie dachten jetzt gar nicht
mehr daran, auf die Erde zurckzukehren.

Hat doch nach dem indischen Glauben der Gestorbene eine ungemein lange
und mhselige, gefahrreiche Reise durchzumachen, ehe er in das Paradies
gelangt. Wenn er irgendwie gesndigt hat, wird er nach dem Volksglauben
der Inder verwandelt, als Katze, als Hund, als Schlange, dann mu er
immer und immer wieder die mhselige Erdenwanderung von neuem beginnen.

Vielleicht fhlten sich diese Mnner nicht ganz von Snden frei, genug,
sie dachten gar nicht daran, dies seltsame Land zu verlassen, sie
wollten gleich hier bleiben und zu ihrem mchtigen Gott Brahma ins
Paradies eingehen.

Nun gehrte einer von ihnen, der auch bis jetzt den Sprecher gemacht,
und der, wie er oft betonte, von frstlichem Blute abstammte, zur
Priesterkaste der Brahmanen. Dieser Mann war es, der seine Gefhrten in
diesem Aberglauben bestrkte.

Er zweifelte gar nicht daran, da man sich im Paradies befand und gab
zuerst seine Absicht kund, hierzubleiben und die Seligkeit des Jenseits
zu genieen.

Brahma wird uns mit offenen Armen aufnehmen, sprach er zu den Indern,
die ihm willig zuhrten. Die Gottheit wohnt hinter diesen Felsen, denn
es sind die heiligen Tempel, die den Gttersitz umgeben. Wir wollen
ihnen nahen und dann sind uns die ewigen Freuden beschieden. Das
Geschick hat uns hierhergefhrt, wo Brahma auf uns wartet.

Es waren freilich nur wenige der Mnner, die so fanatisch veranlagt
waren, da sie alles, was der ehemalige Priester sagte, fr volle
Wahrheit nahmen. Die anderen mochten freilich noch einige Zweifel hegen.

Darum kmmerten sich aber diejenigen, welche an das Paradies glaubten,
nicht im mindesten und waren fest entschlossen, die ewigen Freuden zu
erringen.

Aber dazu gehrte noch eins. Man mute dem mchtigen Gott Brahma ein
Opfer bringen.

Der ehemalige Brahmanenpriester wute auch hier Rat. Er kannte die
ganzen alten Bcher und heiligen Schriften, nmlich die sogenannten
Veden.

Da erzhlte er den Mnnern, die seinen Worten wie einem Evangelium
lauschten, folgendes:

Es war einst ein Brahmane, der wurde durch einen Zufall mit einem
Schiff auf das Meer gefhrt. Dort entstand eine ungeheure Windhose, die
das Schiff in die Hhe ri und es nach langer, langer Fahrt nach dem
Lande der Glckseligkeit brachte. Das ist dieses Land hier gewesen.

Die Worte des Mannes verrieten freilich, da er wenig von der
Beschaffenheit eines Weltenfahrzeuges wute, denn man htte fragen
knnen, wie diese Kunde von dem Ereignis auf die Erde gekommen war.

Aber danach fragten die Inder nicht, denn ihre alten Ueberlieferungen
galten ihnen als etwas, an dem nicht gezweifelt werden durfte.

Ja, sie gelangten nach jenem Lande, fuhr der Brahmane fort, und als
sie da ankamen, erkannten sie, da sie sich im Reiche der Gottheit
befinden muten. Sie wollten Brahmas Paradies nahen, aber die
Dampfwolken versperrten ihnen den Weg. Da gedachten sie einer alten
Vorschrift unserer heiligen Bcher und sie opferten ein Weib, welches
sich bei ihnen befand. Und so wie das Blut dieses Weibes den heiligen
Boden trnkte, wichen die Dmpfe und die Mnner gingen in das irdische
Paradies, wo sie mit Jauchzen und Frohlocken empfangen wurden.

Es waren noch vier Mnner, die sich um den Brahmanen drngten und seinen
Worten lauschten, Leute, die nach dem Paradies frmlich lechzten.

Und das Opfer? fragten sie, als der Mann schwieg.

Der Brahmane deutete auf Nelly, die gerade ahnungslos nach der Plattform
schritt.

Ist es nicht wie damals? flsterte er. Sind wir nicht auch
hierhergelangt und befindet sich nicht auch ein Weib unter uns? Lat uns
dies Mdchen opfern, denn Weiber sind nicht wrdig, in Brahmas Paradies
zu gelangen. Auch ist sie eine Unglubige.

Was aber wird der Mann mit der Maske dazu sagen? fragte ein zweiter.

Der Brahmane schien schon ganz verzckt zu sein, seine Augen glnzten in
unnatrlichem Feuer.

Mag er sagen was er will, erwiderte er. Wenn wir uns im Paradies
befinden, denken wir nur an die ewige Glckseligkeit. Brahma aber wird
alle diejenigen, die nicht seine Diener sind, aus seinem Reich
ausschlieen. Wir werden allein zum Antlitz der Gottheit gelangen.

So kam es, da sich die fnf Mnner mit einander verbanden.

Ihren anderen Genossen trauten sie nicht recht, auch gehrten diese
einer niederen Kaste an, whrend die Verschwrer alle aus der
Priesterkaste oder doch aus der Kriegerkaste stammten.

Sie sprachen einen seltsamen Eid und zwar eine unheimlich klingende
Formel. Wurde ein solcher Eid gebrochen, so verlor derjenige, welcher
ihn brach, jedes Anrecht auf die himmlische Glckseligkeit.

Die fnf Mnner flsterten zusammen, aber ihr Plan war bereits gefat.
Die Aberglubischen waren fest davon berzeugt, da dort hinter den
sonderbar gestalteten Felsen und Hgeln das indische Paradies lag.

Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sie ihr Unternehmen ins Werk
setzen konnten. Sie wollten an jenen glcklichen Ort gelangen und hatten
insgeheim den Tod der ahnungslosen Nelly beschlossen.




                              6. Kapitel.
                          Der Geyser-Ausbruch.


Tag auf Tag ging vorber, ohne da sich etwas Besonderes ereignete.

Am Horizont zeigten sich zuweilen die Wogen des rtselhaften Ozeans,
dessen blaue Linie aber niemals bis zu den Sanddnen vorrckte.

Freilich war die erste Landungsstelle, wo das Weltenfahrzeug strandete,
ziemlich weit entfernt und die mochte von Zeit zu Zeit vom Ozean
berflutet werden.

Alles deutete darauf hin, da die neue Welt hier erst in der Entwicklung
begriffen war.

Es gab grauenvolle Strme, die mit entsetzlicher Wut tobten. Strme, die
es begreiflich machten, da hier kein hherer Pflanzenwuchs vorhanden
war. Jeder Baum wre durch diese frchterlichen Orkane entwurzelt
worden, aber die zhen, stachligen Graspflanzen beugten sich nur und
schienen durch den Ansturm desto festeren Halt zu bekommen.

Die Fische und sonstigen Lebewesen im Meere wurden durch die Wut der
Strme gar nicht berhrt, sondern tummelten sich lustig in der klaren
Tiefe.

Die ungeheuren Sanddnen schtzten das Weltenfahrzeug und wenn das
Wetter ruhig war, konnte man zuweilen in einiger Entfernung die
Ausbrche der Geyser beobachten.

Am groartigsten sah es aus, wenn von den Felsen kochende Gewsser
herabrieselten und wunderbar gefrbte Dmpfe in die Hhe stiegen. Dann
glich die Landschaft in der Tat einem bernatrlichen Ort, auf dem
zahllose Wunderfontnen emporsprudelten.

Die fnf Inder aber, welche sich mit einander verschworen hatten, waren
mehr als je berzeugt, da sie sich hier an der Schwelle des himmlischen
Paradieses befanden, in dem sie sich durch das geplante Opfer Eintritt
verschaffen konnten.

Sie warteten nur auf den Augenblick, wo sich Nelly allein aus der
Umgebung des Weltenfahrzeugs entfernte. Dann wollten sie den Eingang in
das vermeintliche Paradies erzwingen.

Man gewhnte sich allgemach an die sonderbare Welt und es kam oft vor,
da die Insassen des Weltenfahrzeuges eine Strecke landeinwrts
wanderten.

Mors warnte seine Leute, da sie sich nur nicht in die Nhe der Geyser
begaben, damit nicht etwa ein grerer Ausbruch Unheil anrichte.

Wenn es dunkel wurde, verschwanden die Wolken, dann leuchteten die Monde
und die Sterne in schier berirdischem Glanze.

Der Professor meinte sogar, der Anblick der Geyser sei bei
Mondbeleuchtung viel groartiger als bei Tage, da dann immer
Wolkenmassen das Firmament verhllen, und Nelly teilte seine Meinung.

Mors setzte jetzt unablssig seine Beobachtungen fort. Er trachtete
danach, eine Stelle zu finden, wo sich grere Sandmassen befanden.

Am liebsten htte er eine Wste auf dem Planeten gefunden, denn der die
Elektrizitt hemmende Sand htte ihm dann die Rckkehr in den Weltenraum
gestattet.

Aber derartiges war nicht zu finden, und so mute Mors schon seinem
guten Glck vertrauen. Wohl aber hatte er Terror angewiesen, bei
Gelegenheit kleine Aufstiege zu machen und zu sehen, ob irgend wo die
Anziehungskraft des Planeten minder heftig wirkte.

Terror tat dies gern, denn er sehnte sich sobald als mglich von dem
unheimlichen Weltkrper fort, er hatte nicht die geringste Lust, hier
sein Leben zu beschlieen.

Das war nicht etwa Furcht, denn die kannte Terror nicht, aber er meinte,
man knnte anderes verrichten, als hier in dieser fremdartigen Welt das
Dasein zu vertrauern. Abenteuer wollte er haben, hier erschien ihm alles
zu eintnig.

Der Abend nahte, als Nelly wieder nach dem Reich der Geyser
hinberwandelte. Sie hatte das schon fters getan und konnte sich gar
nicht daran satt sehen, besonders gefiel es ihr, wenn im Mondschein die
natrlichen Fontnen emporsprudelten.

In gemessener Entfernung von diesen Geysern hielt sie an und setzte sich
auf einen Stein, um in Mue das grandiose Naturschauspiel betrachten zu
knnen.

Pltzlich vernahm Nelly Schritte und sah fnf Leute von der Besatzung
herankommen.

Sie ahnte nichts Schlimmes, wute sie doch nicht, da es die fnf
Verschworenen waren, die nach Brahmas Paradies trachteten.

Schon war die Sonne verschwunden und mit ihr wie gewhnlich die
Wolkenmassen. Die Monde des Jupiter begannen wieder zu glnzen.

Beim Umblicken hatte Nelly auch gewahrt, da das Weltenfahrzeug wieder
einmal in die Hhe stieg. Jedenfalls machte Terror wieder
Schwebeversuche.

Sie sah noch hin und hatte den Indern den Rcken zugekehrt, als sie
pltzlich fhlte, wie sie von krftigen Armen umschlungen wurde.
Erschrocken wendete Nelly den Kopf und da sah sie in fanatische
Gesichter, in schier berirdisch blickende Augen.

Sofort berkam sie die Ahnung, da ihr Gefahr drohte, sie schrie laut
auf.

Sie konnte nur einen einzigen Schrei tun, da sich gleich darauf eine
Hand auf ihre Lippen prete. Dann wurde sie emporgehoben und die fnf
Mnner schleppten sie nach den wasserspeienden Kratern hinber.

Nur ein einziger Mann hatte den Schrei vernommen und auch nur gedmpft,
aber er ahnte, da hier jemand in Angst aufschrie.

Es war Kapitn Mors, der sich nicht auf dem Weltenfahrzeug befand.

Er stand in der Nhe der Sanddnen und beobachtete die Bewegungen, die
das Fahrzeug machte.

Mors hatte nmlich bemerkt, da der Meteor, wenn er hoch stieg, immer
erst die Spitze nach oben wendete, dann aber wieder von der unheimlichen
Macht hinuntergezogen wurde. Diese Bewegung wollte er genau beobachten,
um sie vielleicht bei Befreiungsversuchen verwenden zu knnen. Jetzt
aber wurde er durch den fernen Hilfeschrei unterbrochen.

Im nchsten Moment rannte der Luftpirat mit gewaltigen Sprngen nach den
Geysern hinber.

Hier waren berall Felsen, die seine Gestalt verbargen. Er strengte alle
Krfte an, um rasch vorwrts zu kommen und erreichte bald den Platz, wo
seine Leute sonst die Naturerscheinung zu beobachten pflegten. Aber
dieser Platz war heute leer.

Mors sah nach den Geysern hinber und da glaubte er in den Strahlen des
Mondes etwas Bewegliches zu sehen. Wieder rannte er vorwrts.

Pltzlich blieb er betroffen stehen.

Er sah Seltsames.

Zur Linken und zur Rechten gewahrte er die Wasserkrater und zwischen
denselben sah er eine Menschengruppe.

Zwei der Inder hielten eine Gestalt fest, die eine dnne weie Hlle
trug.

Es war Nelly.

Die Inder hatten das Mdchen auf einen Felsblock gelegt und zwar so, da
die Arme und Fe herabhingen. Ein Mann hielt die beiden entblten Arme
Nellys fest, ein zweiter die Fe.

So war die halbenthllte Brust frei und emporgereckt, und neben ihr
stand der dritte der Mnner, der ehemalige Brahmane.

Die Linke prete er auf den Mund Nellys, damit sie nicht schreien
konnte. In der Rechten aber hielt er eine jener dolchartigen Klingen,
wie sie die Inder immer mit sich fhrten.

Seitwrts aber knieten die beiden letzten Inder auf dem Boden und
streckten die Arme flehend nach der Stelle aus, wo leichte Dmpfe auf
einem Wasserkrater emporstiegen.

Brahma, Brahma, riefen sie mit halblauter Stimme. Hre das Flehen
deiner treuen Diener. Sieh, wir bringen Dir ein Opfer dar, ein junges
Mdchen. Das Blut des Opfers soll flieen und uns das Paradies ffnen.
Brahma, ffne uns Deine Arme, Deine treuen Diener sehnen sich nach
Deinem Anblick.

Mors wute in wenigen Augenblicken, was hier geschehen sollte.

Diese Inder befanden sich im Banne des finsteren Aberglaubens, sie
wollten Nelly tten, um sich Einla in ein hier vermutetes Paradies zu
verschaffen.

Der unheimliche Brahmane wartete nur, bis das Gebet seiner Gefhrten zu
Ende war. Nun hob er das Messer und wollte die Klinge in Nellys Brust
stoen.

Wenn Mors jetzt noch einen Augenblick zgerte, war das junge Mdchen
verloren.

Mit furchtbarem Satz schwang sich der Luftpirat ber den nchsten
Steinblock.

Der Brahmane wollte den ttlichen Sto fhren, als ihn die eiserne Faust
des Maskierten im Genick packte.

Was tust Du! schrie der Luftpirat mit mchtiger Stimme, indem er den
Aufheulenden weit hinwegschleuderte.

Die beiden anderen Inder lieen Nelly los und prallten zurck. Sie
kannten den Kapitn, seine Kraft und Entschlossenheit. Sie kannten auch
seine frchterlichen Waffen.

Auch die Betenden sprangen empor und schauten verdutzt auf Mors, der so
unerwartet unter ihnen erschienen war.

Der Luftpirat aber kam nicht dazu, Aufklrung zu fordern.

Denn in diesem Augenblick begann es zu sausen und zu brausen, man hrte
ein Zischen und Schumen.

Von den Felsen sprudelte Wasser herunter und aus den Rissen am Boden
quoll es empor. Gleichzeitig begann es im Innern des nahen Geysers
seltsam zu poltern und zu grollen.

Das Wasser stieg so schnell empor, da die fnf Inder im Nu bis an den
Grteln im Wasser standen.

Mors aber hatte Nelly, die ohnmchtig geworden war, emporgehoben und
hielt das schne Mdchen in seinen Armen. Hinter ihm zischte und brauste
es, aus dem Geyser aber stieg eine Wassersule.

Fort, fort, ehe das Wasser der Geyser zu kochen beginnt, schrie Mors
mit furchtbarer Stimme.

Der Zuruf galt den Indern, denn trotz ihres unheimlichen Aberglaubens
wollte Mors diese Leute erhalten.

Er selbst aber sprang schnell entschlossen auf den Rand eines
Felsenringes, in dessen Innern das Wasser langsam emporstieg. Er wute
ja, was kommen wrde. Das Wasser, welches bis jetzt emporgedrungen und
nur eine mig warme Temperatur besessen, begann jetzt zu kochen.

Aber die Inder hrten nicht auf die Stimme des Kapitns, wenigstens
nicht die drei, welche das Opfer vollziehen wollten.

Nur die beiden, welche gebetet hatten, erreichten noch im letzten
Augenblick einen Felsblock, an dem sie hinaufkletterten und sich
anklammerten. Der Brahmane und seine beiden fanatischen Genossen wlzten
sich schreiend in den heier und heier werdenden Fluten.

Mors hatte jetzt mit sich selbst zu tun, denn es galt ja, den kochenden
Wassermassen auszuweichen.

Seine eiserne Kaltbltigkeit kam ihm da sehr zu statten.

Mors lief, Nelly tragend, immer auf dem Rand des ausgedehnten
Felsenringes herum.

Er mute immer in Bewegung bleiben, denn das Wasser sprudelte bald hier
bald dort. Kochende Massen schossen von den Felsen herunter und
zeitweise war alles in Dmpfen eingehllt, so hei, so glhend, da man
kaum zu atmen vermochte.

Mors hrte, wie die beiden Inder, die sich gerettet hatten, laut
schrieen und jammerten.

Sie flehten zu Brahma, aber als von diesem Gott keine Hilfe kam, wurden
die Mnner in ihrem Aberglauben schwankend. Sie schrieen jetzt zu Mors,
da er ihnen helfen solle.

Das ist besser, als wenn Ihr zu Euren Gttern schreit, rief der
Luftpirat. Haltet Euch nur an den Felsen fest und deckt Euch gegen die
Wassermassen. Dann werdet Ihr schon mit dem Leben davonkommen.
Aushalten, der Ausbruch geht schon vorber.

Mors irrte sich nicht.

Es dauerte allerdings eine Stunde, ehe die entfesselten unterirdischen
Gewalten zu toben aufhrten.

Dann verstummte das Brausen und Zischen wie mit einem Zauberschlag, der
Geyser schleuderte keine Wassermassen mehr empor und die eben noch
berschwemmte Strecke wurde trocken, das emporsprudelnde Wasser durch
die Felsspalten wieder in das Innere der Erde zurckstrmte.

Am Boden aber lagen drei grauenvoll entstellte Krper, die drei Inder,
welche im siedenden Wasser ein schreckliches Ende gefunden hatten.

Nelly war wieder zu sich gekommen und befand sich in den Armen des
Kapitns.

Anfangs schrie sie laut auf, da sie glaubte, da sie sich noch in der
Gewalt der Inder befnde, die sie der Gottheit opfern wollten.

Dann aber erkannte sie ihren Retter.

Sie sind pltzlich ber mich hergefallen, stammelte Nelly. Ich konnte
nur einmal schreien. Dann wurde mir der Mund zugehalten.

Finsterer Aberglauben war es, sprach Mors. Sie wollten Euch einer
Gottheit opfern, um in ein hier vermutetes Paradies zu gelangen. Drei
dieser Mnner sind vom Verderben ereilt worden, und die beiden anderen
werden ihre Strafe fr ihre Unbesonnenheit und ihren Aberglauben spter
erhalten.

Nelly bemerkte erst jetzt, da ihr die Inder die Kleider abgerissen
hatten und wollte vor Scham vergehen. Mors aber blickte gar nicht auf
die reizvolle Gestalt, sondern rief nur den beiden noch immer zitternden
Indern zu, da sie ihm so schnell als mglich folgen sollten.

Dann zog der Luftpirat seinen blauen Uniformrock aus und deckte ihn als
Kavalier ber Nellys entblte Arme und Schultern. So fhrte er die noch
immer heftig Zitternde, von den beiden ganz niedergeschlagenen Indern
gefolgt, zurck zur Sanddne.

Dort war inzwischen das Weltenfahrzeug wieder nieder gegangen und die
Besatzung wunderte sich sehr, als Mors, Nelly und die beiden Inder in
einem solchen Aufzug zurckkehrten.

Nelly eilte rasch schamglhend in das Weltenfahrzeug, um sich mit neuen
Kleidern zu versehen, whrend Mors hastig das eben erlebte Abenteuer
erzhlte.

Die beiden aberglubischen Inder, welche den Tod ihrer Gefhrten mit
angesehen hatten, muten bittere Vorwrfe ber sich ergehen lassen.

Terror aber brachte dem Kapitn eine besondere Nachricht.

Es war ihm gewesen, als htte sich die furchtbare Anziehungskraft des
Jupiter weit weniger geuert als sonst und da entschlo sich Mors noch
einmal in die Lfte zu steigen.

Er verschob es aber bis zum Tagesanbruch und als die Sonne erschien,
kamen auch die gewaltigen Wolkenmassen, die tagsber regelmig das
Firmament bedeckten.

Pltzlich machte sich im Osten ein seltsamer roter Schein bemerkbar.

Terror sah ihn zuerst und benachrichtigte Mors und den Professor von der
neuen Erscheinung.

Das ist die rote Wolke, rief van Halen. Das ist jene ungeheure Masse,
die ber dem Jupiter schwebt und die in ihrem Innern jedenfalls die
frchterlichen elektrischen Entladungen birgt. Kapitn, rasch, wir
mssen nach der Dne hinunter.

Mors gab sofort ein Signal nach dem Lenkraum, um Terror zu bestimmen,
da er den Meteor wieder nach seinem geschtzten Ankerplatz brchte.

Aber seine Finger berhrten noch den Druckknopf, als das Weltenfahrzeug
pltzlich wie von einer furchtbaren Kraft hin- und hergeschttelt wurde.

Zu spt, zu spt! schrie der Professor, als er durch das Guckloch sah,
da alles rings herum blutrot leuchtete. Kapitn, wir sind in die rote
Wolke des Jupiter geraten!

Von dem, was jetzt vorging, hatten die Insassen des Weltenfahrzeuges
spter nur noch eine unbestimmte Vorstellung.

Es war ihnen aber zu Mute, als wrde mit ihnen buchstblich Fangeball
gespielt. Der Meteor schien sich in der Gewalt ungeheuer boshafter
Kobolde zu befinden.

Bald wurde er hierhin, bald dorthin geworfen. Bald richtete er sich mit
dem Vorteil, dann wieder mit dem Hinterteil in die Hhe. Einige Male
schien es, als sollte das Fahrzeug Kopf stehen.

Dazu vernahm man auerhalb geradezu entsetzliche Tne.

Vermutlich waren es elektrische Entladungen, welche in der roten Wolke
tobten. Aber man konnte diese frchterlichen Entladungen nicht mehr als
Donnerschlge bezeichnen. Nein, das war etwas anderes. Das waren
grliche, gigantisch schmetternde Tne, sie waren so frchterlich, da
man glaubte, es msse alles in Trmmer gehen.

Selbst Mors gab alles verloren und erwartete den Augenblick, wo der
Meteor in Atome zertrmmert werden mute.

Aber das wunderbare Fahrzeug hielt, es trotzte den entfesselten
Elementen, kein Bolzen gab nach, alles blieb in bester Ordnung.

Van Halen, Nelly, die Inder und Normannen bewahrten ihre Fassung.
Kapitn Mors gab ihnen ja ein heldenhaftes Beispiel.

Der Luftpirat bekam es sogar fertig, nach dem Lenkraum zu gehen oder
vielmehr zu kriechen. Dort traf er Terror, der sich zwischen seinen
Maschinen festgebunden hatte.

Hlt der Magnet noch? war Mors' erste Frage.

Ja, Kapitn, lautete die Antwort. Der Magnet ist noch in Ordnung,
aber ich denke, es geht jetzt alles in Trmmer!

Ich meine, wir haben das Schlimmste schon berstanden, erwiderte Mors.

Wie meint Ihr das, Kapitn? stotterte Terror.

Das will ich dir sofort sagen, erwiderte der Luftpirat. Die rote
Wolke, diese sonderbare Erscheinung, kann mglicherweise zu unserer
Rettung dienen. Die schrecklichen, entfesselten elektrischen Krfte
knnen uns mglicherweise in den Weltenraum hinausschleudern.

In diesem Moment vernahm man ein lautes Surren und Summen.

Kapitn, schrie Terror freudig auf. Ihr habt recht. Der Magnet
arbeitet. Das Weltenfahrzeug befindet sich in voller Fahrt!

Die furchtbaren schlingernden Bewegungen hatten aufgehrt. Mors strzte
zu dem Schieber, der die starke Glasscheibe verdeckte.

Er sah hinaus in den Weltenraum.

Noch gewahrte man den Jupiter als ungeheure, leuchtende Scheibe. Man sah
die Wolkenmassen und in diesen den unheimlichen roten Fleck, dieses
geheimnisvolle Rtsel des Riesenplaneten.

Aber die frchterliche Naturkraft hatte die Weltenfahrer gerettet.

Wie es kam, da sie so weit in den Weltenraum hinausgeschleudert wurden,
konnte niemand sagen. Aber der Magnet wirkte. Mit rasender Schnelligkeit
scho der Meteor vom Jupiter hinweg und seine Spitze richtete sich auf
die ferne Erde.

Terror stie einen Jubelruf aus und rannte, nachdem er sich losgebunden,
in den Beobachtungsraum, um das fast Unglaubliche zu verknden.

Mors aber blieb im Lenkraum und ruhig, als wre nichts geschehen, lenkte
er sein wunderbares Fahrzeug zurck zur Mutter Erde.




Anmerkungen zur Transkription


Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
von Reeken, Lneburg, 2005, S. 161-196. Moderne Zustze und Anmerkungen
wurden nicht bernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige
Rcktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten.

Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verndert.
Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.





End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares
Luftschiff 56: Die Weltenfahrer auf dem Riesen-Planeten, by Anonymous

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***

***** This file should be named 56067-8.txt or 56067-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56067/

Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

Updated editions will replace the previous one--the old editions will
be renamed.

Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
law means that no one owns a United States copyright in these works,
so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
States without permission and without paying copyright
royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
of this license, apply to copying and distributing Project
Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
specific permission. If you do not charge anything for copies of this
eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
performances and research. They may be modified and printed and given
away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
trademark license, especially commercial redistribution.

START: FULL LICENSE

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
www.gutenberg.org/license.

Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
Gutenberg-tm electronic works

1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or
destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
1.E.8.

1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement. See
paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
electronic works. See paragraph 1.E below.

1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
works in the collection are in the public domain in the United
States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
United States and you are located in the United States, we do not
claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
displaying or creating derivative works based on the work as long as
all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
you share it without charge with others.

1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
in a constant state of change. If you are outside the United States,
check the laws of your country in addition to the terms of this
agreement before downloading, copying, displaying, performing,
distributing or creating derivative works based on this work or any
other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
representations concerning the copyright status of any work in any
country outside the United States.

1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
performed, viewed, copied or distributed:

  This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
  most other parts of the world at no cost and with almost no
  restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
  under the terms of the Project Gutenberg License included with this
  eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
  United States, you'll have to check the laws of the country where you
  are located before using this ebook.

1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
contain a notice indicating that it is posted with permission of the
copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
the United States without paying any fees or charges. If you are
redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
posted with the permission of the copyright holder found at the
beginning of this work.

1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
any word processing or hypertext form. However, if you provide access
to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
provided that

* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
  the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
  you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
  to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
  agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
  within 60 days following each date on which you prepare (or are
  legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
  payments should be clearly marked as such and sent to the Project
  Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
  Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
  Literary Archive Foundation."

* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
  you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
  does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
  License. You must require such a user to return or destroy all
  copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
  all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
  works.

* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
  any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
  electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
  receipt of the work.

* You comply with all other terms of this agreement for free
  distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
electronic works, and the medium on which they may be stored, may
contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
cannot be read by your equipment.

1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

