The Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Julius Maria Becker

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Title: Gedichte

Author: Julius Maria Becker

Release Date: June 2, 2016 [EBook #52219]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                         Julius Maria Becker




                               Gedichte


                     Kurt Wolff Verlag  Leipzig

                 Bcherei Der jngste Tag. Band 72

               Gedruckt bei Poeschel & Trepte, Leipzig




                               Johanni


   Als sich dein Haar den Berg entlang ergo,
   Wogte das Weizenfeld in seinem gereiften Gold.
   Kornblumen dunkelten, wo noch eben dein Blick geweilt.
   Im silbernen Bltenstaub dmmert dein Odem hinab.

   Der Beter vorm Bildstock erfleht noch den Saaten Bestand:
   Es trnke sie Tau und der Sturm erachte des Halms.
   Dann schliet er auch dich in sein gilbes Gebet.
   Saum deines Kleides wehet den Tannen vorbei.

   Jetzt bette ich Mdsein in deine eratmete Saat,
   Erde ist khl und dein Leib ist dem Sinne der Erde so nah.
   In Kssen beschwrst du den silbernen Abend heran.
   Bla ber Wimpern tanzt schon die Sichel des Monds.




                              Ich -- Du


   Ich halte im Umkreis deiner Verflchtung mich auf.
   Ich weile auch ferne der grenzenden Krperlichkeit.
   Ich wandle im blasseren Licht deines Heiligenscheins.

   Du stehst im Abend und verdmmerst ganz still hinaus.
   Du streifst noch die Sterne und zitterst im Boden fort.
   Der Schleier sind viele, sind Wolken und wehen dich hin.

   Ich nehme das Beste von dir fern atmend in mich.
   Ich trnke mein Erdreich mit deinem durchgoldeten Tau.
   Ich helle den Traum mit deinem vergessenen Licht.

   Du bist wie zu Hause und weit auch nicht, wie du mich nhrst.
   Du senkst deinen Schatten, umwandelst dein Wurzelgerank.
   Du blhst und vergehst, doch die Ferne stammelt von dir.

   Ich pflanze dein Echo auf einen verewigten Stern.
   Ich rette die Strahlung des Bluts in eine bedrftige Nacht.
   Ich trage den Hauch, der noch blieb, auf meinem Fittich hinauf.




              Dein Wesen ist ber alle Welt zerstreut --


   Dein Wesen ist ber alle Welt zerstreut,
   An alle Himmel verloren.
   Im Kelch von tausend Blumen sammle
   Ich dich ein.

   Ich werfe meine Netze weit im Meer
   Der Nachthimmel aus,
   Feierliche Sternbilder, worin dein Blick sich verewigt,
   Sammle ich in meinen Netzen.

   Ich eile zu gehen:
   Zurckholen will ich deinen Blick
   Aus allen vier Winden der Rose.
   Jedem deiner Gedanken reise ich nach.

   Ich behte mit aufgestellten Windharfen,
   Die mein Lied dir brausen,
   Geliebte, dein waches, hellwaches Ohr.

   Ich will, da deines Wesens
   Volle Pracht in einem heien
   Ku mich berschtte:

   O ja, Geliebte, bleibe in meiner Hand!
   Schwinde nicht fort aus meinen
   Verdmmernden Horizonten!

   Entferne dich nicht aus dem Goldrahmen
   Meines geruhigen Tags!
   Lstere nicht meinen Besitz an dir!
   Habe keine fremden Gtter neben mir!




                Als ich im ersten Viertel des Monds --


   Als ich im ersten Viertel des Monds
   Ausgestreckt in den Rosen des Hgels lag,
   Kamst du -- ein wrmender Schatten -- heran,
   Gossest auf meine Stirne die Schale des Schlafs.

   Ich eilte in rtlichen Bltterstrzen -- im Herbst
   Und war deiner atmenden Nhe schon minder gewi.
   Zeitlosen rahmten die Landschaft der Traurigkeit.
   Bei einer Harfe fand ich Zuflucht des Nachts.

   Winters, wenn ich den Eiskristall
   In das Licht der erstorbenen Sonne hob,
   Fremde, erschienest du nicht.
   Regenbogen umkreisten den ewigen Kern.
   Zierliche Sterne des Schnees
   Schmckten das Grab meiner Seele.

   Aber im Lenz, bald schwimmt die immergrne Insel heran.
   Leidenschaftliche Sonne whlt sich aus flimmerndem Gras.
   Auftaucht, von rosiger Muschel gehoben,
   Die Herbstliche, Nackte im Schaumgekrusel des Sees.

   Fllhrner schtten Farben und Blumen ber dich hin.
   O wer darf dir jetzt
   Aus zauberischen Lften den purpurnen,
   Rosenbestickten Mantel der Schnheit reichen?

   Auf erhhtem Wagen ziehst du einher,
   An schlanke Deichsel sind goldgezumte Rosse gespannt,
   Schwebende Frauen fhren die lockeren Zgel.
   Weidenbsche, die der Lufthauch deines Zuges berhrt,
   Tnen mit allen Zweigen, Schalmeien gleich.
   Orgeln brausen inmitten des Schilfs.
   berall zieht Morgenrte herauf.

   O und dein Wagen rast ber mich hin.
   Um lodernde Achse rollt sprhend das Sonnenrad.
   Ich bin von den Bildern blitzender Sprossen umschattet.
   Silberner Wegstaub hllt meinen Jammer ein.




                            Es werde Licht


   Ich hatte diese Welt schon ganz in meinen Geist genommen
   Und sah nach innen, wo im Sphrendrehn
   Die dstern Bilder wechselten. -- Es war ein stetes Kommen
   Von Nachtgestalten -- stetiges Vergehn.

   Von Gram gebleicht, von Last gekrmmt und mit zerquerter Stirne
   So hing ich ber diesem tiefsten See.
   Aus Spiegelquellen wuchs mein Wolkenhaupt wie Glanz der Firne.
   Die Wirbel kreisten um ein Tausend-Weh.

   Da kam der Tag. Mich rief ein Lied. Da war's, als hell im Frhen
   Sich diese Welt in deine Augen schwang.
   Da brach aus jedem Ding sein Kern des Lichts im Fcherblhen,
   Aus allen Wipfeln brauste der Gesang.

   So werd ich diese Nacht der Welt durch deinen Himmel tragen
   Und Trume sind der Mven Silberflug.
   Des bangen Tags Geschehen ist ein lautlos Ruderschlagen.
   Doch Gte kniet in Lmmern, sich genug.




                                 Lied


   Sie sind im Licht der Tagessonne
   Der Leiber zwei, der Seelen zwei,
   Sie streben sonder Wort und Wonne
   In weiten Kreisen sich vorbei.

   Er zieht mit jedem roten Morgen
   Die wachen Pfade streng hinauf;
   Im Kcher ist der Pfeil geborgen,
   Es ruht die Hand an Schwertes Knauf.

   Des Weibes Tag ist stiller Wandel
   Der Sonne um umlaubtes Haus,
   Ein ferner, ser Duft von Sandel,
   An seinem Weg ein Bltenstrau.

   Doch mit der Sonne Lichtvergluten
   Fllt beider Kreis aus ihrer Kraft
   Und dunkel mu zusammenfluten,
   Was tags sein Einzelsein erschafft.

   Baum, Strauch und Turm zerfliet ins Schweigen,
   Der Strom verebbt im weiten Tal;
   Der Himmelszeichen goldner Reigen
   Geht ein in diesen Sternensaal.

   Nichts will nun beide mehr umragen,
   Ein Grauen zwingt den Mann zum Weib.
   Von eines Odems Ma getragen,
   Durchblht die Nacht ein Sein, ein Leib.




                              Liebesode


   Dein Blick ist unsterblich in mir.
   Er hat ja erst wie ein Sonnenstrahl
   Mein dumpf-unseiendes Leben erweckt.
   Er hat ja erst die Sehnsucht erweckt.
   Dein Blick ist unsterblich in mir.

   Wir sanken, Glieder an Glieder gepret
   Und Mund an Mund
   Als Leib, lustvergessen ein Leib, ins Gras;
   Und tief der Himmel mit tausend Sternen
   Sank und deckte uns zu.
   O Himmel der Lust! O Grab der Lust!
   Aber dein Blick ist unsterblich in mir.

   Und, die du gebrst, die Kinder kreisen
   Als Sonnen auf eigen-beschriebener Bahn:
   Ein neues System. Ich hab es erregt.
   Nein, dein Blick hat es erregt.
   Und dein Blick ist unsterblich in mir.

   Unsterblicher als die Geschlechter nach mir.
   In meiner Seele, wenn alles, was Staub war,
   Staub wieder ist, lebt noch dein Blick,
   Ihr sphrisches Sein durchleuchtend mit mildem Strahl,
   Unsterblich ist dein Blick in mir.

   So wird meine Seele die Sehnsucht hegen,
   Wie tief ich gestorben, nach Leben im Fleische,
   Um voller zu fassen das schwebende Leben
   Im Blicke von dir zu mir,
   Unsterblich ist dein Blick in mir.




                Im Abenddmmern zwischen den Jahren --


   Nun mu ich nchtelang
   Vergeblich am Scheideweg der Milchstrae auf dich warten,
   Im Abenddmmern zwischen den Jahren
   Sumte ich drben als der Mann im Mond.

   Frher konnte ich dich in den verzweigten Tlern
   Der Erde noch suchen gehn.
   Im blulichen Frostlicht des Monds
   Schliefen die Htten, im Schatten zerstreut.

   Doch irgendwo, drinnen, dein kristallener Atem
   Zeichnete Orchideen auf silberne Scheiben.
   Eisblumen -- die schnsten auf glsernen Beeten der Nacht --
   Zeigten den Weg zum wrmenden Licht deines Kusses.

   Nun wei ich dich nirgends zu finden.
   Ich suche die Trume der Jnglinge auf.
   Ich wei es, in Nchten des klirrenden Siebengestirns
   Trumen sie immer nur dich,
   Trumen dich mit all deinem Lcheln, farbig im stillen
   Gedenken an mich.
   Nur in den Trumen Verliebter finde ich nochmals zu dir zurck.




                              Der Kranke


   Abends wissen wir, wenn jach das erste Viertel
   Kalten Monds im Oberlichte reift,
   Wenn um silberisch Gewand den Sternengrtel
   Naher Abend zart mit Hnden streift,
   Da der Adler nun sein Nest
   Giererwacht, die Nacht auf Schwingen,
   Nacht zu bringen,
   Flgelgro verlt.

   Leises Rollen wie bei dstern Nachtgewittern
   Kndet, da der fremde Vogel naht.
   Diesen Kranken dann befllt ein heftig Zittern
   Und er rstet sich zur schwersten Tat,
   Atmet hart; und fast erstickt
   Ruft er Hilfe, wehrt mit Hnden,
   Abzuwenden
   Unheil, blind geschickt.

   Durch geschlossene Fenster, schmal durch Schlo und Riegel,
   Sichtbar nur dem heien Fiebertraum,
   Schlgt's wie Schwefelflammen, bricht's wie Aschenflgel,
   Spreitet sich wie Fcher, Krone, Baum,
   Strzt dem Kranken auf die Brust,
   Krallt sich fest mit krummen Klauen,
   Hell in blauen
   Augen thront die Lust
   Mit dem Schnabel dieses Kranken Fleisch zu spalten.
   Eine Sichel bohrt sich tief hinein,
   Whlt hinab; das Herz in zuckenden Gewalten
   Blutet Funken, sprht wie Feuerstein.
   Sieben Stunden whrt die Not
   Und den Kranken hrt man sthnen,
   Gott verhhnen
   Und er liegt wie tot.

   Heie Trnen seh ich ihn aufs Kissen weinen,
   Das ihn wie ein Felsgeklft umfngt,
   Und wir andern um sein Lager, Kinder, scheinen
   Steinernes Gebirg, das ihn bedrngt
   Und so wie Gebirge schweigt,
   Da wir ganz in Schmerz erstarrten,
   Zhlen, warten,
   Bis der Morgen steigt.

   Unsre Blicke bohren sich ins Fensterdunkel,
   Unsre Blicke suchen morgenwrts.
   Endigt, Venus, endigt nicht dein Lichtgefunkel?
   Findet Ruhe endlich nicht dies Herz?
   Und ins Licht noch ganz versteckt,
   Mndet Glanz der blassern Sterne.
   Wolkenferne
   Khn der Tag sich reckt.

   Ragt empor als Held mit goldenem Schild und Bogen,
   Ist im Sonnenkahn herbeigeschifft.
   Durch den Dmmer klirrend kommt ein Pfeil geflogen,
   Der durchs Fenster khn den Vogel trifft.
   Lauter Jammer ist verweht,
   Selbst der Kranke atmet Wonne
   Bringt dir, Sonne,
   Froh sein Dankgebet.




                                Nacht


   Sei zufrieden! Schon ringt sich der Abendstern aus totem Sonnenrot.
   Schmale Sichel des Monds schwimmt am gotischen Fenster vorbei.
   Das farbige Traumbuch des Tags entblttert im Wind.
   Atem des schlafenden Kinds eilt den Sternbildern voraus.

   Siehe, ich harre der gttlichen Huld dieser Nacht,
   Denn sie lst mir von Gliedern der trotzigen Ketten Geklirr
   Und ich wandre im schneeigen Licht vormitternchtigen Schlafs
   Lmmerumtanzt zu den uersten Ksten der Seele.

   berm veilchenfarbigen Segel am Fhrenrand
   Dehnt sich im Sternengewoge das Meer der Unendlichkeit.
   Meine Harfe am schumenden Kiel erbraust in die Nacht.
   Eure Hnde, Geliebten, die einst ihr wart,
   Mischen sich still in atmender Saiten Geflecht.

   Nachtviolengeranke, so flicht sich der Sang um das Boot
   Und mich besitzt die Gemeinschaft der Erdeentschwerten.
   Aber schon dringen vom anderen Ufer Gerusche, erwacht,
   Helios schirrt die blendenden Rosse zur morgigen Sonnenfahrt.
   Und ich erwache zum Wissen der rmlichsten Traurigkeit.
   Langsam wachse ich wieder ins Kettengefge des leiblichen Tags.




                   Ich komme aus meinen Trumen --


   Ich komme aus meinen Trumen euch zugereist.
   Ich habe meine Hnde voll Glanz,
   In meinen Augen ist Licht des fernsten Gestirns.
   Ich will euch die Farben des Regenbogens bringen,
   Denn ihr seid ja so aschengrau,
   So erdgebrannten Gesichts.
   Ihr suselt an Krankenbetten als Echo der giftigen Seufzer,
   Sterbet zehnmal des Tags und werdet
   Mit blechernen Trauermrschen zehnmal des Tags zu Grabe gebracht.
   Auswendig kennt ihr die Inschrift auf spiegelndem Marmor in Gold,
   Den ewigen Grabstein schleppt ihr auf Rcken das Leben entlang.

   Ihr sitzet am Schachbrett und haltet gedrechselten Lufer,
   Schwimmt auf dem Rauch des Cafs
   In euer brodelndes Nichts hinab,
   Gespenster, hrt mich, Gebannte ins schattenzerworfene
   Nachttal der Erde:
   Ich komme aus meinen Trumen euch zugereist,
   Ich znde nun farbige Feuer,
   Lasse die Girandolen kreisen,
   Erffne das Lichtfest der Sterne,
   Wehe mit farbigen Phnixflgeln heran.

   Farbige Flgel mit Federn der trunkenen Asia
   Dehnen sich zwischen den Sulen im morgenrtlichen Tempel.
   O ich jage euch Sonnen ber die Erde hin,
   Ihr sehet an blhenden Himmeln weit
   Lilienhnde im Spiel der klingenden Saiten;
   Ihr sollt euch nach Blumen bcken, hrt ihr!
   Kinder emporheben in den goldenen Stromfall des Lichts.
   Sehnen soll euch erfassen
   Nach dem gttlichen Tod im entflammtesten Ku!




               So haben mich die Jahrtausende gesehn --


   So haben mich die Jahrtausende gesehn:
   Hochgebumt ber brodelndem Menschen-Weh.
   Ich war ein Springquell, mein Blutstrahl fiel
   In die tnende Muschel der Erde hinab.

   Deingedenken doch war das Rot am Abendhimmel der Schlacht,
   War im zehnfachen Tod die tastende Ewigkeit.
   Komm und brich den Glanz deiner Schnheit
   Lchelnd im Stromfall, wenn ich mich erdwrts ergiee!

   Denn so wird die Welt den fliehenden Augenblick schn
   Und ihr Abglanz spiegelt im Antlitz der Engel sich fort.
   Strze sie ab!
   Geluterter Widerschein sind wir, der entflieht.




                                Fluch


   Auf euere Neroschdel treffe dieser Fluch!
   Euch war der Brudermord die beste Konjunktur,
   Euch war der Brsenzettel die przise Uhr,
   Das Manometer, wo ihr grinsend -- o verrucht --
   In Ledersesseln mit umpolsterten Gesen
   Den letzten Stand der Blut-Flut lchelnd abgelesen.

   Ach, meine neue Welt, ich wei ja keine Qual,
   So tief an tiefer Zeit, so weit an weitem Raum
   Und meinen groen Fluch, o Fluch! erreicht sie kaum.
   Denn schnrte ich euch auch an jeden Marterpfahl
   Und brch mein heilig Zorngef an euch in Scherben,
   In tausend Blitzen knnt ihr doch nur einmal sterben!

   Drum seiet ihr -- ich will's! -- der Ewigkeit erwhlt!
   Da immer neu die Rache in Erfllung geht,
   Sei euch der Tod die Stunde, wo ihr aufersteht
   Zu einem Leben, das gleich tausend Leben zhlt.
   Aus jedem Euter sollt ihr euch das Sterben melken.
   Mit jedem Grashalm, jedem Blatt sollt ihr verwelken!

   Ich schmeie euern Balg in jeden Erdvulkan,
   Ich warte, bis sein Ekel ihn zu Rande speit,
   Ich strz ihn neuerdings in Glut und Flammenleid,
   La ihn hinab, zieh ihn empor wie Last am Kran
   Und will mich hhnisch in ekstatischem Ergtzen
   An seinen Tantalqualen tausend Jahre letzen.

   Ihr trankt der Brder Blut aus tausendfachem Kelch,
   Verspeistet auch sein Herz und wurdet fett.
   Nun rei ich's euch aus klirrendem Skelett
   Und werf es weit im Schnee der Arkten vor den Elch,
   Damit er's schlinge; da im Gallenschleim es ende.
   Vielleicht auch findet es den Weg der Exkremente.

   Ich denke mir die Quellenstollen tief genug;
   Zehn Menschenalter sein sie finsterstes Verlie,
   Worin euch meine Faust von Schacht zu Schchten stie,
   Erschaffend euch in jeder Ferne einen Trug
   Von Luft, Eratmung, hellem Glanz der Tageslichter:
   Doch meine Schlangen grten eure Brste dichter.

   Auf jedes Rad, wenn sich's im Staub der Rosse bumt,
   Sei euer morscher Leib mit Strippen festgespannt,
   Aus jeder Rille, Hufesspur, dem Tritt im Sand
   Aufquelle euch ein Born von Blut, das schumt,
   Und flle eure Muler, peste auch in Nasen:
   So will ich mit euch durch die neuen Welten rasen!




                        Apokalyptisches Gebet


   Nimm doch zurck, o Gott, in deine Stadt
   Von Jaspismauern, Husern roten Golds,
   In heiliges Gezelt aus schmiegsam Zedernholz,
   So uns dein Grimm, o Gott, gesendet hat:
   Der Krfte, Mchte, Engel Siebenzahl,
   Die auf uns geuen Schalen wilder Qual.

   Sieh, unsre Scheitel flammten auf und aschten grau!
   Was je in Schmerz geboren aus dem Weib,
   Wir decken ja mit blutbestrmtem Leib
   Das Kraterland der Erde; Blut ist Tau,
   Der alle Kelche fllt, aus Keltern truft.
   Geschlecht der Snde ward zum Tod gehuft.

   Wo ragt das Schlo, das du erbauen wirst
   Aus Schlfenquadern: Haus der Menschheitsnot?
   Auf kahlen Straen treibt der Krrner Tod
   Den Maultierkarren, der von Schdeln birst.
   O dsterer Karren Karawanenzug!
   Der Krhen Volk zieht mit, die Nacht im Flug.

   In Hllengngen, wo Entsetzen Odemgift
   Aus dickverknulten Brdermassen zeugt,
   Im Rumpf des Schiffes, das dein Wehen beugt,
   In Tempeln ist es, wo dein Schwertstreich trifft.
   Wir finden auf der Erde, die wir gro geglaubt,
   Nicht ein Versteck fr dieses Dornenhaupt.

   Kein Baum, wo im Gest nicht wehend trieb
   Ein Absalon im letzten Stolz, kein Stein,
   Darunter nicht im Dunkeln das Gebein
   Der Mensch-Skorpione dorrte. Warum schrieb
   Dein Finger eine Sichel nur ans Firmament?
   Zulang die Ernte! -- Ende ohne End.

   Wie wrgten Adler, Lwe ja und Stier
   In uns, o Gott, und knieen vor dem Lamm,
   Der weien Wolke, die aus Nacht herfr
   Die Sonne deckte am gekreuzten Stamm!
   In zwanzig Zungen, Menschheit schreit zum Herrn:
   Auf reiner Schale reiche uns den Morgenstern!




                Altartiefe sollst du mir enthllen --


   Herzschlag ist nirgends, doch Pochen der Maschine, doch
      Stundenschlag.
   Odem ist nirgends, doch Qualm der Fabrik, doch Giftgas.
   Sklavenrcken auf Schweispuren mrrisch geschleppter Last
   Tragen den Fluch in Wsten, ferne den Tempeln, hinaus.

   Dein Urgrund, o Mensch, ist Saatacker voll Unkraut und Moorsumpf,
   Ist Kammer voll Lava,
   Ist Bergwerk gestauter Nacht,
   Ist Tmpel des Drachen, ist Einde der Schlange --
   Und Herdes Dumpfheit entsendet im Rauch
   Heillose Wechselgestalt des Seins.

   Sein, das in Kerkern liegt, treibt alpdrckenden Traum aus Licht.
   Vlkerwanderungen, Untergnge, Sturz der Babeltrme, Fluten
   Geschlagener Heere auf Straen, die Bche des Blutes entlang:
   Dumpfer Widerstreit deiner Triebe gebiert die Phantome der Schlacht.
   Maschinengespenster mit hurtigem Arm: es schuf sie die Angst.
   Gier stiebt auf in den Mckenschwrmen der Pest.
   Aus rotem Blut hat dein Traum die Fahnen des Aufruhrs gehit.

   Tempelwinkel der Seele aber, Altartiefe sollst du mir enthllen,
   Verlorenen Weihrauchduft und zerbrochenen Heiligenschein,
   Vergessene Heimlichkeit, Kniebeugen der Sehnsucht, die Liebe,
   Dein Gttliches, deine stille Morgenschnheit, deine Psalmmelodie,
   Das Schneeskleid deiner Lammesgte, den Blumenhauch, dein Herz!




                            Erde -- o Erde


   Erde, o Erde,
   Wer hie uns wandeln auf Blutckern, auf Leichengefild,
   Wer hat uns zum Dnger bestellt
   Fr Saatfrucht des Morgen, die eigenem Samen entspriet?

   Zackiger Flgelschlag des Drachen
   Und sein Doppelstrahl aus goldenen Nstern,
   Purpurbeschlagener Rachen des Lwen und Tigersprung,
   Schillernd herkriechende Schlangennhe und Ebers Zahn,
   Brllende Zorngiere gehrnter Ure, Auswurf verschmitzten Lamas
   Und plattfig gewlzte Wucht der Bre,
   Und Stachel und Bi und Hieb und Hinterhalt,
   Wurf, Stich, berfall, Angriff -- Erde, o Erde:
   So drohet die Geste, mit der du dich gegen uns Schollenshne
      erhobst,
   So sengt, brennt, giftet das Kleid deiner Feindschaft,
   So zndet der Glanz deines Harnischs, in Bilder der Angst zertrumt.

   Heillosestes Bild, du bist es uns -- Mensch! -- --
   Da schlt uns Sonne aus Mitleidshllen des Schlafs
   Und zieht uns im Strahlglanz aufs Festland der ppigsten Schlacht.
   Von Wunden lst sie das leichthin getrocknete Siegel
   Und zahllos -- im Bogen gekreuzt --
   Ergiet sich heiliger Springquell des Bluts.

   Erde, o Erde,
   Wo retten wir hin
   rmliches Unsgehren des Schlafs?
   O nhme Wipfel der Esche uns auf,
   Da Sterne fielen in heiter beruhigten Traum
   O bettete See uns khl, wo hoch die Glocken
   Aus Trmen luten im grnen und goldenen Strom,
   O schliefen wir fort an Brsten der seligsten Frau,
   Von Kindheitsliedern unendlich gewiegt! --

   Doch sollen wir trumens noch wissen,
   Wie grimmig wir tags uns mhten
   Zu Dnger -- zu Speise des Kots.
   Aus Tiefen grellt auf
   Funke gezckten Schwerts.
   Schlachtlrm tost in der heulenden Schnecke des Ohrs
   In Augen bricht nieder
   Sttzen von Leibern quer weg ber Lanzen
   Und Rcklingsbumen von Pferden mit schmerzhaft geblecktem Gebi.

   Erde, o Erde!
   Blut ist dein Trank,
   Fleisch ist hehre Speise deinem Mund.
   Dein Glanz, das Weltall durchdmmernd,
   Ist Glanz der Schwerter, geschwungen von Menschenhand.
   Dein Brausen auf blauer Sonnenbahn
   Ist Donner der niebeendeten Schlacht.
   Im Sulendrehn dein goldener Himmelsrauch
   Ist Opfergru des getrnkten Altars.




                      Warum fllt denn nicht --


   Warum fllt denn nicht die Sonne, Herr, aus deiner Hand?
   Warum strzen nicht im Strom der Falten
   Weithin klirrend die Gestirne nieder?
   Warum zittern nicht die fluchverwiesnen Erden,
   Dunkeln blutbestrmt beschmte Monde nicht?
   Warum welken nicht, vom Aschenatem angeweht,
   Bume, Grser, wie vom Wurzelwurm zernagt?
   Warum lodert nicht der Liebe Ku verzehrend
   Flammend auf?
   Warum dorrt die Frucht im Kelch der Frauen nicht?
   Warum stirbt denn nicht im Trstermund dein Gotteswort?

   Gott der Wsten, du bist berlistet!
   Hast du nicht die sieben Farben einst ans Firmament gesetzt,
   Kndend, da die Flut nie wiederkehre! --
   Doch es war nicht ausgemacht, ob Wassers, ob des Bluts,
   Und wir haben dich mit unserm Blut betrogen, Herr!
   Sieh, aus Flssen, aus Kanlen quillt's,
   Aus den Ritzen des Planeten wie aus dorngekrntem Haupt!
   Denn gespiegelt sieht, o Herr, dein Ebenbild
   Lauernd Mensch im andern und sein Ha auf dich
   Treibt verwirrten Triebes splitternd zu zerschlagen
   Jenen Spiegel, fortzuscheuchen
   Schreckendes Phantom.

   O er trug ja welke Last des Daseins lang auf Schultern,
   Tempelschler war er aller abgelebten Alter,
   Ward gelangweilt, ach, mit deiner Gtzen
   Pfauenugig bunter, ungezhlter Schar,
   Ward von jedem grauen Wahn in Schlangenkreisen
   Tausend Jahre lang umhergenarrt.

   Hoch auf Wolken trme sich, o Gott, dein nah Gericht!
   Wehe Vlker recken tausend Arme
   Brnstig deinem flammennahen Blitz entgegen,
   Gieren Nacht und Tag um Gnade der Zerstrung,
   Auszutilgen, was sich selbst mit Gram belud,
   Auszurotten, was sich selbst sein Gift gebar,
   Auszulschen, was sein eignes Fleisch geschndet.

   Schall des Endes, wenn erhobene Posaunen
   Aus vier Winden letzten Gang verknden:
   Tne bald und breche berstend in den Chor
   Drhnenden Gemordes, ins Gebraus
   Dunklen Blutes, das an Sulen brandet
   Morschen Tempels
   Totgeglaubten Gotts.




         Es werden sich die Posaunen des Gerichts erheben --


   Es werden sich die Posaunen des Gerichts erheben.
   Aus einer Wolke, die sich erdwrts neigt,
   Ragen die schlanken, zuckenden Rohre --
   Tausend sind es an der Zahl --.
   Ihr Schall trifft lanzensteil, schwertschlank,
   Die Gewnder der Blser bauschen sich im Erzgebraus
   Rund auf wie Schwanengefieder.

   ber der Erde aufgeworfenes Hgelland
   Ist wimmelnd hingebreitet alles Fleisch.
   Ganze Vlker, Sippen, Jahrtausende reihen sich hgelan,
   Schultern von Frauen glnzen rhythmisch wie Wellenkmme im Meer.
   Haar stammt auf. Blicke dmmern in violettener Nacht.

   Und Schall der Posaunen nimmt sie auf sthlernen Rcken,
   Die Zonen der Luft sind angefllt von sanfthinschwebenden Leibern.
   Manche sind leicht, es trgt sie verschwimmendes Wolkenrot wie
      Rosenbltter;
   Andere hanteln an flatternden Tchern sich hoch.

   Mtter bergen die Kinder in schtzendem Arm,
   Nackthineilende Frauen decken mit schattenden Hnden
   Die Scham.
   Augen sind, in denen die Welt wie berstender Sternhimmel
      ineinanderstrzt,
   Augen voll Schuld und traumvergessener Angst,
   Greller, tagheller Wiederkehr verjhrtester Tat.

   Und keiner mchte
   Der Erste sein vor dem Blitz aus der goldenen Wolke,
   Mnner mit Wrdebrten drngen sich vor, weichen voll Zagens zurck.
   Es stauen sich Vlker, Mauern des Fleischs
   Und Leiber sind angstvoll vermischt
   Im Mantel der ungewissesten Qual.

   Jenseits aber ist Strzen in klaffende Tiefen,
   Girlanden aus wirrvoll verschlungenen Krpern
   Ranken aus helleren Tiefen ins Dunkel hinab.
   Snder haben die Hnde vors schreiende Antlitz geschlagen,
   Knie zerbersten, Rcken zerbrechen im schwindelnden Fall.
   Loderndes Haar flammt zngelnd dem Feuer entgegen.
   Sie strzen mit Kpfen voraus.
   Aus Mndern dnstet die bluliche Wolke des Fluchs.




             Wenn drunten dunkel die Posaunen brausen --


   Wenn drunten dunkel die Posaunen brausen,
   Als Sonnenstubchen werde ich zum Lichtquell aufwrtsstreben.
   Von feinen Hnden fhl ich unter Schultern mich gefat,
   Mich trgt ein Schwanenflgelpaar,
   Der goldne Odem eines Engels berstrmt mich warm.

   Noch bin ich ganz von Schollenlast betubt,
   Noch kreisen Regenbogen hinter wehgeschlossnen Lidern
   Glanzlichternd gleitet noch die grne Schlange der Verwesung
   Um meinen marmorn-abgekhlten Leib.
   Ein Wiegenlied -- unendlich tief, verschlafen --
   Von olsharfen weit aus Pappelwipfeln hergeflockt,
   Trumt mir im Ohre nach.
   Ich schwimme md-gestreckt im Flu der Sonne.

   Da fllt mich, den sein Schutzgeist trug,
   Ein Nachtgespenst, ein fledermausgeflgelt Untier an.
   Der Krallen Zwlfzahl -- Monde sind's, die aneinanderklirren --
   Strzt sich gleich Sicheln in mein trbes Fleisch.
   Die Nstern qualmen stinkendes Gewlk,
   Das Maul bespeit mich frech mit Eiter, Schleim und Galle;
   Erschrocken sehe ich in grausem Hundsgesicht,
   In Augen, die wie Licht im Wind verflackern,
   Die schlankgestreckte Landschaft meiner Snden, Frevel Schte.

   Um mich tobt der Zweikampf.
   Manchmal sinke ich hinab, es strzt mit geiler Wucht
   Des Bsen lastendes Gewicht auf mich;
   Dann steige ich empor, vom guten Geist emporgerafft,
   Sein silbern Flgelpaar verebbt in mder Luft.
   Die mde Luft erklingt von hellem Kampf.
   Um die Erstandnen rast die Schlacht entzweiter Mchte.
   In sich verbissne Knuel schweben hin.
   Strzt jetzt die Last in enger Krallenhaft zur Erde.
   Schwebt sie mit ihrem Engel siegend auf?
   Ich bin der Krfte Spiel im schalldurchbrausten Meer.




                               Trmmer


   Nun mu ich wie ein lastgebckter Riese
   Die Trmmer meines Ichs von dannen schleppen;
   Roll sie ins Meer, zerstreue sie in Steppen,
   Da keiner kme, meine Torheit priese.
   Nun mu ich wie ein lastgebckter Riese
   Die Trmmer meines Ichs von dannen schleppen.

   Mein Babelturm lie seine Wolkenfahne
   Im Wirbelwehn der Sterne wtend kreisen.
   Gewundne Treppen wollten aufwrtsweisen,
   Dem wachen Hochmut seinen Himmelssteig zu bahnen.
   Mein Turm des Ichs lie seine Wolkenfahne
   Im Wirbelwehn der Sterne wtend kreisen.

   Doch fiel in mdern Stunden, sollt ich rasten,
   Der Turm mit Schattenmacht auf Haupt und Glieder
   Und beugte meinen Schlaf und warf mich nieder.
   In meine Trume strzt er seine Quaderlasten.
   Es fiel in mdern Stunden, sollt ich rasten,
   Der Turm mit Schattenmacht auf Haupt und Glieder.

   Geschaffne Mauern wlbten mir den Kerker,
   Doch oben brannten Sterne in den Haaren.
   Wie sollte ich mein blassres Licht bewahren?
   Kein Wirbelsturm der Tler tobte rger.
   Geschaffne Mauern wlbten mir den Kerker,
   Doch oben brannten Sterne in den Haaren.

   Da war ich's selber, der auf der Altane
   Mit schwurerhobner Hand den Blitz gerufen.
   Er zckte nieder. Erker barsten, Stuben.
   Zerworfner Schutt begrub die Wolkenfahne.
   Da war ich's selber, der auf der Altane
   Mit schwurerhobner Hand den Blitz gerufen.

   Nun mu ich wie ein lastgebckter Riese
   Die Trmmer meines Ichs von dannen schleppen;
   Roll sie ins Meer, zerstreue sie in Steppen,
   Da keiner kme, meine Torheit priese.
   Nun mu ich wie ein lastgebckter Riese
   Die Trmmer meines Ichs von dannen schleppen.




                                Trost


   Es sind auch nicht all, o Gott, deine Gedanken
   Nur Lmmer, von gtlicher Wrme beschneite,
   Und dehnen nicht all sich
   Nach seligem Tanz an Hngen von Klee
   In sen Schalmeiton des schlfrigen Monds.

   In Pfauen auch denkst du
   Und starrst in gespreizter Eitelkeitsgier
   Aus Augen, in Fchern,
   Vom Tempelteppich gewirkten Allsehens
   In ewige Brunst des Lichts hinein.

   In Tigers Kraft selbst dunkelt dein Groll,
   Entflammt im Zinnober des Rachens noch Gier.
   In Schlangen wirft Hinterlist metallischen Schimmers
   So giftigen Ring vor ein rmer Geschpf.

   Auch bist du ja Flamme und Lohe und Feuersbrunst,
   Getmmelte Wogenherde, Zentaurenschar, Schlund,
   Bist Zickzack und Blitz, Erdbeben, Vulkanausbruch,
   Zusammenprall der Planeten, bist Untergang.

   Doch wie du es bist, Gott: auch ich mu es sein.
   O wandle mich denn in schwindenden Formen ab!
   Denn Flamme schon war ich und Lohe und Feuersbrunst,
   Erd-Erbeben -- Vulkanausbruch -- Untergang.
   Als Tiger der Dschungeln ich trug

   Im Nacken gefiederte Pfeile hinab,
   Schweifte als Pfau an Tempelsulen der Juno vorbei,
   Lag lauernd geschmiegten Schlangenleibs
   Im Schatten der lehmigen Diele zur Nacht. --

   Gib Gte nun endlich,
   Wrme des schneeigen Lmmerkleids!
   Hlle mein Herz, o Gott,
   In Sehnsucht der Hirtenschalmei!




                           Der neue Mensch


   Aus Unform, Irrform, Wirrform,
   Aus Zwitterform und Aberform der Zeit
   Schreitet in banger Zuversicht der neue Mensch.
   Die Brodemnebel veraschter Leichenhgel
   Sind unter ihm.
   Die Meere gekelterten Bluts, die Strme, die Schaum krnt,
   Sind unter ihm.
   Die Babeltrme versteinter Irrtmer
   Sind unter ihm.

   Er schreitet: mehr Stirne als Kinn, mehr Gott als Tier.
   Im Zackengeklfte der Felsen
   Nur manchmal hrt er das Echo
   Verworrenen Brudermords, verjhrten Totschlags.
   Denn jung war er noch, als Donner verzckter Kanonen
   Die alten Jahrtausende pomphaft zu Grabe gelutet.
   Das war einmal:
   Schwertertag und Lorbeersieg,
   Klirrender Klingenkampf und Triumphglanz,
   Das war einmal:
   Irgendwo, fern, irgendwann.

   Er schreitet in nacktem Verzicht.
   Er badet sich rein
   Im weien Quell des Gedankens.

   Er nimmt -- lchelnd, gromtig und gtig --
   Den armen Planeten in warme, umgitternde Hnde
   Und hebt ihn hinauf in den luternden
   Lichtstrom der Sonne, bettet ihn sanft in die khlen
   Heilenden Rosen der Morgenrte und wartet
   Des dmmernden Tags.
   Nicht wissen durchaus will er des Gestern.
   Denn Gestern: Das ist ja gesammelter Fluch,
   Geballtes Verhngnis, genetztes, tausendmaschig
   Gefdeltes Schicksal. Nicht wissen will er des Gestern.

   In Schutt sieht er strzen
   Dorische Sulen, Akanthus und gotische Fenster,
   Gemauerte Schreie des Gottwahns verblichener Zeiten
   Er fllet der Gtzen glanzbuchige Hochmut
   Und glht in den Brnden des Alten sein jugendlich Herz,
   Dies Pfand der Allmacht,
   Die brausende Mitte des neuen, schaffenden Seins.

   Und also wei er zu beten: -- Nichts ber mir!
   Im Anfang war ich. Ich werde im Ende sein,
   Bin ich doch Tempel, Gott, Beter zugleich
   Und krmme den Rcken so wenig der mummenumschanzten Hoheit
   Als Lasten, die fremder Wille mir aufldt.
   Ich bin so berechtigt als irgend ein Mensch.
   Nichts ber mir!

   Frauen will ich nicht suchen gehn. Sie nahen allein!
   In ihrem Lcheln der Wollust
   Einschleichend wlzen sich frheste Alter der Erde
   In unseren kornreifen, ausgegltteten Sommertag.
   Die List ihrer Buhlschaft reicht uns die rostigen Schwerter
   Hellbrnstigen Zweikampfs. Besitzgier und Eiferschte
   Spornen in uns nichtigen Krmergeist, Hamstersorge.
   Wtendes Morden des Fleischs,
   Wer stiftet es anders, als die es gebar: Helena,
   Die maskenschne Mutter der irdischen Kriege?
   Wer sh sich nicht vor!




                              Die Fahrt


   Offenem Lichtkreis, neuem Sonnejahr
   Rollt steuernder Kiel der Erde entgegen.
   Noch sind alle Segel von blutendem Abend rot;
   Im Brackwasser ertrinkt in tausend Rubinen zerstubter Komet.
   Tief-Schlummernder bin ich,
   Da scheucht erster Strahl den Alpdruck der engen Kabine.
   Mitternchtiger Wintertraum unter Dchern des Schnees
   Kleidet vergessene Spiegel mit jauchzendem Lenzgrn aus,
   Tollt mit zerfetztem Haar im Glanz die Alleen entlang,
   Jubelt im Birkenwipfel des Hgels ein harfenes Lied,
   Sinkt als Frhtau mit kreisenden Himmeln die Kelche hinab.

   Im Golfstrom des Lichtes saust glhende Erde empor.
   Mit herzhafter Kraft umgrtet die Sonne das taumelnde Rund.
   Ihr Licht trinkt die haftenden Dmpfe des Blutes hinweg,
   Ihr heilender Atem saugt Pestgift und Brandhauch in sich.

   Nun steig ich hinauf,
   Letzte Wendeltreppen,
   Schattenlabyrinthe hinauf!
   Trunkener Aufstieg peitscht schon die tummelnden Wogen des Herzens
      voraus.
   Und ich stehe an hchstem Bord, auf fliegender Brcke am Steuerrad
   Und winke die farbigen Vgel heran
   Und winke Delphine heran
   Und Fische mit silbernen Schuppen, mit gldenen Flossen
   Und Haie und Wale und Robben und Rosse
   Und alle geschumten Wogen, die von den Polen schieen,
   Und alle Sternbilder, auf schaukelnden Wassern an Bord gewiegt.

   Der neue Mensch hlt auf die Sonne zu.
   Sein Herz umfat mit dem Strahlglanz den magischen Spiegel der Welt
   Und jeglicher Atem strmt in den goldenen Becher zurck.
   Mit ihm wird die Erde das fhrliche Kap der Nchte umschiffen,
   Krieg, Krankheit, Entzweiung, Verzweiflung umschiffen
   Und Ekel der Wollust
   Und Blutgier
   Und Brunst.

   Zermrbte Monde schon decken die Schdelsttte entfremdeter Nacht.
   Trume versinken im Blachfeld der Not.
   Alpdruck und Nachtmahr gurgeln im Sumpf hinab.
   Denn offenem Lichtkreis, neuem Sonnejahr
   Rollt steuernder Kiel der Erde entgegen.

   All-Lebendes wandelt im Goldtau sein Herz
   Und trgt es mir zu. Aus Palmenwipfeln
   Wiegt sich fasanenbeschwingte Sehnsucht heran,
   Aus Ranken der Beere dehnt es sich nah,
   Zinnoberne Schnecken herkriechen auf silberner Spur.

   Die Fahrt ist im Gang,
   Die Erde im Brausen tnt selber Triumphgesang.
   Folgt alle!
   Ich steure die Arche auf goldener Flut!
   Schon ist die Taube auf Wegen zu Gott voraus!




                           Inhaltsbersicht


   Johanni                                               5
   Ich -- Du                                             6
   Dein Wesen ist ber alle Welt zerstreut --            7
   Als ich im ersten Viertel des Monds --                9
   Es werde Licht                                       11
   Lied                                                 12
   Liebesode                                            13
   Im Abenddmmern zwischen den Jahren --               14
   Der Kranke                                           15
   Nacht                                                18
   Ich komme aus meinen Trumen --                      20
   So haben mich die Jahrtausende gesehn --             22
   Fluch                                                23
   Apokalyptisches Gebet                                25
   Altartiefe sollst du mir enthllen --                27
   Erde -- o Erde                                       29
   Warum fllt denn nicht --                            32
   Es werden sich die Posaunen des Gerichts erheben --  34
   Wenn drunten dunkel die Posaunen brausen --          36
   Trmmer                                              38
   Trost                                                40
   Der neue Mensch                                      42
   Die Fahrt                                            45




Anmerkungen zur Transkription


Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt
(vorher/nachher):

   [S. 10]:
   ... An schlanke Deichsel sind goldgezunte Rosse gespannt, ...
   ... An schlanke Deichsel sind goldgezumte Rosse gespannt, ...

   [S. 11]:
   ... So hing ich ber diesem tiefstem See. ...
   ... So hing ich ber diesem tiefsten See. ...






End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Julius Maria Becker

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***

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receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from. If you
received the work on a physical medium, you must return the medium
with your written explanation. The person or entity that provided you
with the defective work may elect to provide a replacement copy in
lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
or entity providing it to you may choose to give you a second
opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of
damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
violates the law of the state applicable to this agreement, the
agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
remaining provisions.

1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of
computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
www.gutenberg.org



Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
volunteers and employees are scattered throughout numerous
locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
date contact information can be found at the Foundation's web site and
official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:

    Dr. Gregory B. Newby
    Chief Executive and Director
    gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements. We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations. To
donate, please visit: www.gutenberg.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
freely shared with anyone. For forty years, he produced and
distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search
facility: www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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