The Project Gutenberg EBook of Transatlantische Reiseskizzen und
Christophorus Brenhuter. Zweites Bndchen., by Charles Sealsfield

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Title: Transatlantische Reiseskizzen und Christophorus Brenhuter. Zweites Bndchen.

Author: Charles Sealsfield

Release Date: December 19, 2014 [EBook #47706]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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  Transatlantische Reiseskizzen

  und

  Christophorus Brenhuter.


  Vom Verfasser des Legitimen und der Republikaner.


  Zweites Bndchen.

  Zrich,
  bei Orell, Fli und Compagnie.

  1834.




Die Fahrt am Red-River.


Es war ein heiterer, heier Junimorgen, als ich das Redriver[1]-Dampfschiff
betrat. Die Sonne brannte wie ein glhender Hochofen, kein Lftchen
wehte, nur der Strom hauchte erfrischende Khle aus seinen ungeheuern
Wassermassen. Ich blickte noch einmal zurck an das Ufer, wo meine
Quasi-Freunde standen, erwiederte ihre Gre mit einem _Hang ye_[2], und
eilte dann in den Salon.

    [1]: =Redriver=, der rothe Flu, der sich unter Natchez auf der
    westlichen Seite in den Missisippi ergiet. Weiter oben bildet er
    die Grnze zwischen den V.St. und Mexico.

    [2]: =_Hang ye!_= Hng euch! Hol' euch der Henker!

Noch immer gellten mir die Worte in den Ohren: Wohl denn, la ihn als
Hagestolz vegetiren; ohnedem ist er ein wunderlicher Kauz. Beinahe htte
mir mein Spleen gleich beim Eintritte in das Staatszimmer Hndel mit einem
meiner Reisegefhrten zugezogen, der in der Phrase: gemeine tckische
Seelen, die ich wiederholt ausstie, eine ehrenrhrige Anspielung auf
seine werthe Person zu hren whnte. Im Grunde genommen, hatte die pfiffige
Bostonerinn so unrecht nicht. Ich war wirklich ein ganzer Narr, achttausend
Dollars seit vier Jahren Menschen hingegeben zu haben, die, um sie noch
andere vier Jahre zu behalten, mir den hmischsten Streich spielten. Ich
htte aus der Haut fahren mgen. Mein ganzes Wesen zuckte. Ich hatte weder
Rast noch Ruhe.

_Qu'est ce qu'il y a donc, Monsieur Howard?_ sprach pltzlich ein etwas
bejahrter aber ziemlich respectabel aussehender Mann mich an: _Est-ce que
vous tes indispos? Allons voir du monde._

Ich schaute den sonderbaren Mann mit aufgerissenen Augen an, der so ganz
sans faon meine werthe Person in Anspruch zu nehmen beliebte, und war
schon willens ihm recht vornehm befremdet den Rcken zu kehren, als er
mich bei der Hand nahm, und ganz gemchlich zur Thre des Damensaales zog.
_Allons voir, Monsieur Howard._

_Mais que voulez-vous donc?_ fragte ich ziemlich rgerlich den
zudringlichen Menschen.

_Faire votre connaissance_, erwiederte er artig und lchelnd, indem er die
Thr aufthat, und mich so ins Innere des Salons blicken lie.

_Monsieur Howard!_ redete er zwei Mdchen an, die so eben beschftigt
waren, ein Schock Ananasen und Bananen an den Sulen des Staatszimmers
aufzuzuknpfen, wie sie in Alt-England mit den Shnen Erins und im Neuen
mit Zwiebeln zu thun pflegen. _Mes filles, voil Monsieur Howard votre
voisin!_ Beide kamen auf mich zu, grten mich wie einen alten Bekannten,
und boten mir, als htten wir seit Jahren aus einer Schssel gegessen, von
ihren sen Vorrthen an. Das ist doch sehr zuvorkommend in der That! Ich
knnte zehn Jahre bei meinen lieben Landsmnninnen herumreisen, ohne in die
Gefahr zu kommen, mir den Magen auf eine so schne Weise zu verderben. Ich
mute zugreifen, wir setzten uns, und die Mdchen fingen an zu plappern und
zu lachen, da ich, so weh es mir im Herzen that, nicht unterlassen konnte
mit einzustimmen. Eine ganz angenehme Stunde war vergangen, und eine zweite
und dritte wrde gefolgt sein, wenn meine angeborne Virginische steife
Etiquette mir diesen Genu inmitten der frhlichen Geschpfe lnger
gestattet htte.

Wir nehmen zusammen unsern Thee hier, Papa, riefen die beiden Mdchen, als
ich mich vom Sessel erhob, und wahrlich ich habe Ursache diese Einladung
und meinen Glcksstern zu segnen; denn unsere Reisegesellschaft ist nichts
weniger als gewhlt. Ein sonderbarer Schlag Menschen! Beinahe sollte man
glauben, man sei im alten Kentuck. Viehhndler und Metzger von Neworleans,
die sich nach den nordwestlichen Counties spediren, halb wilde Jger und
Trappers[3], die von Begierde brennen, recht bald die Steppen jenseits
Nacogdoches[4] zu sehen, und da die Indianer zu zivilisiren, oder, besser
zu sagen, zu betrgen; Krmer, in und um Alexandria herum angesessen, diese
bilden die sogenannte respectable Masse unserer Gesellschaft, und eine
derbe Masse ist's, nach der Dicke ihrer Sohlen und behuften Abstze zu
schlieen. -- Das dichte Laubwerk vor uns, ja das ist die Mndung des
Red-Rivers! Sie ist halb berwlbt von den ungeheuren Bumen, die zu beiden
Seiten ber den Flu hin hngen. Welch ein Contrast mit dem Missisippi, der
hinstrmt, breit, gewaltig und finster, das leibhafte Bild eines nordischen
Eroberers, der mit seinen stinkenden Horden hervorbricht aus seinen den
Steppen, um eine halbe Welt zu verwsten, whrend der Red-River -- den wir
hochtrabend den Nil von Louisiana mit gerade so viel Fug und Recht nennen,
als ein Schuhmacher irgendwo in Massachusets seinen Sohn Alexander Csar
Napoleon taufte -- durchs Gebsch und die Ebene hinschleicht, wie die
verrtherisch lauernde giftige Kupferschlange, -- _Cocytus_ sollte er
heien.

    [3]: =Trapper=, ein Biberfnger-Jger in den Steppen zwischen den
    Felsenbergen und den Staaten Missouri und den Gebieten Missouri und
    Arkansas.

    [4]: =_Nacogdoches_=, der erste mexikanische Ort, auf den man
    stt, wenn man Louisiana verlt.

Da sind wir denn am Eingange des ersten Sumpfes, aus dem dieser
vermaledeite rothe Flu herausstrmt. Es ist ein unheimlicher Anblick
dieser Sumpf, der, durch den Zusammenflu des Tensaw, des White und
Red-River gebildet, einen ungeheuren Spiegel des ppigsten Grns dem Auge
darbietet, das beim ersten Anblick eine Terra-Firma erscheint, mit Bumen,
von denen Wurzel und grasiger Schlamm in langen Festons herabhngen. Eine
ungeheure Wiese, mchte man schwren, bis man allmlig die dunkelgrnen
Sumpflilien sich bewegen, und zwischen diesen weilich-braune hliche
Rachen sich aufthun sieht, die Tne ausstoen, vor denen der Neuling
schaudert. Es sind Hunderte von Alligatoren, die gleich Sechzigpfndern
durch die ppig giftige Pflanzenwelt auf ihre Beute hinschieen. Ihre
Brunftzeit hat begonnen, und das dumpfe schauerliche Gebrll, das rings
um uns her ertnt, hat wirklich etwas Grauenerregendes. Man glaubt sich
im Hauptquartier des Todes, der seine Pfeile in den tausend verschiedenen
Fieberarten aussendet.

_Boys a head_, schallt die Stimme des Capitains.

Wir haben den Sumpf passirt und nhern uns dem Ufer, auf welchem ein
schwarzbraunes Paar an einen Holzsto gelehnt uns erwartete. Wir nehmen
Feuerung ein. Mein Auge folgte bewutlos der Rotte, die sich ber die
Breter drngte, als ein wildes Lachen und die Worte _tallow face_ an
meine Ohren schlugen. So zeitlich schon, dachte ich, und so ganz in meiner
Nachbarschaft, und ich schritt ber die Bretter ans Ufer hinan. Ja es war
wirklich so, und das Opfer stand in dem armen Kaisergardisten leibhaft
vor mir. Seine Haut ist bereits durchsichtig, aber es ist dieses eine
Durchsichtigkeit, die scheulich anzusehen ist. Die Farbe weder bla
noch gelb, eine Mischung von Talglicht- und Bronzefarbe, -- wir nennen
es _tallow face_, Unschlitt-Gesicht, -- um seine Augen glnzt bereits der
weie Ring; die Linse rollt, als wre sie von einem innerlichen Feinde
umher getrieben. Der Neid, so frchterlich vom alten Naso gezeichnet, ist
Kinderspiel gegen diesen Anblick. Und doch scheint und ist er gleichgltig.
_Monsieur Devigne_, rief ich ihm zu, _comment s'en vat-il?_ Der Mann
starrte mich an, drckte mir die Hand und murmelte ein trs-bien, whrend
die hliche Negerinn mich am Rocke zupfte, und mir grinsend zuflsterte:
_Ah Massa! tallow face soon ague cake_[5].

    [5]: =_Tallow face soon ague cake_=, so viel, als sein Gesicht
    hat bereits das Aussehen eines Talglichtes -- bald wird er den
    Fieberkuchen haben. Dieser letztere ist eine Anschwellung
    des Unterleibes wie ein Brodlaib und der unmittelbare Vorbote
    gnzlicher Auflsung.

Ich stie das ekelhafte fhllose Wesen unwillig zurck, und wollte eben
mit dem armen Franzosen einige Worte sprechen, als die Stimme des Capitains
wieder erschallte: _All hands on board!_ Armer Teufel! dachte ich, als
ich ber die Brcke hinschritt. Die Wsten Egyptens, die Schlachtfelder
Marengos und Waterloos haben dich verschont, damit das Ague-Fieber sein
Opfer nicht verliere. Und statt des Bedauerns schallt ein wstes rohes
Lachen vom Verdeck herber. Beinahe scheint es, als ob sie Freude ber
seine baldige Auflsung empfanden.

Welch eine Erscheinung ist doch der Mensch! Wre dieser Elende auf diesen
unheimlichen oder einen hnlichen Pestort von seinen Obern gesandt worden,
alles Gold der Erde wrde kaum vermocht haben, ihn hier zu halten. Nun aber
kam er aus freier Wahl, wahrscheinlich vertrieben aus besserer Gesellschaft
durch seine Verbindung mit der Schwarzen, und so fllt er denn seiner
Leidenschaft, ein vielleicht nur zu wohl verdientes Opfer. Das Pltzchen,
worauf seine Htte steht, ist nicht einmal sein Eigenthum, aber das
kmmert ihn nicht. Er hat einige Morgen Waldes gelichtet, Korn und Tabak
hingepflanzt, und diese, mit dem Verkauf des Holzes, fristen sein Leben,
und wrden ihn wahrscheinlich wohlhabend gemacht haben, wenn diese hliche
Schwarze nicht sein Abzugskanal gewesen wre. Einige Schritte rckwrts
steht seine Htte, und vor der Thre whlen ein paar nackte dunkelbraune
Ungeheuer im Schlamm herum. Sie sehen mehr Schweinen, denn menschlichen
Wesen hnlich, aber sie sind gesund und munter, und sie sind es, die die
Natur zu Bebauern dieses Landes bestimmt hat. Ihre Aeltern vegetiren ein
paar Jahre, bis die _ague cake_ ihren Leiden ein Ende macht. Sie haben sich
mhsam eine Htte gebaut, im Schweie ihres Angesichtes ein Pltzchen urbar
gemacht, ihren Kindern kommt ihre Arbeit zu gut. Geboren in dem giftigen
Qualme, gewohnt an die pestilenzialischen Ausdnstungen, sind sie von
Mutterleib an gezeitigt und wachsen heran, so wie die Sumpfrose unter
giftigen Thieren und Pflanzen, um Kindern und Kindeskindern Leben und
Gedeihen zu geben. So entsprang die Bevlkerung Nieder-Louisianas, und
so wird sich der Same hier mehren. Der erste ist lange verwittert und
vermorscht; er kam von allen Weltgegenden, allen Lndern. Schuldner,
Revolutionre, Verbrecher, Exilirte, und wieder Mnner, die ein besseres
Schicksal verdienten, alle haben sie hier ihr Grab gefunden; aber gerade
in diesen werthlosen Geschpfen, wie wir sie in unserm Stolze nennen, zeigt
die Natur ihre waltende Sorgfalt. Ja, was als der Krebsschaden der Welt
betrachtet wird, der Abschaum, die Hefe der civilisirten Gesellschaft,
das dient ihr, diese Wildnisse zu bevlkern, und uns -- aus dieser Saat
vielleicht eine neue Art Heloten zu bilden, und so einen Schaden mit einem
rgern zu verkleistern.

Ei, die Natur meint es gut, aber unser frostiger, kalkulirender,
aristokratischer Geist -- aber _silentium,_ und kehren wir zu den
Demoiselles zurck, deren Namen ich, so wahr ich lebe, vergessen habe. Doch
da kommt mein freundlich zudringlicher Creole selbst, und fhrt mich den
holden Tchterchen zu. Eine derselben lies't den Guillaume Tell, und das
andere schkert mit einem schwarzen Mdchen so familir, da es der Mistre
Houston Vapeurs verursacht haben wrde.

Sie sind, hre ich, auf ihrer Heimreise vom Ursulinerinnen-Kloster
in Neworleans, wo sie ihre Erziehung erhalten haben. Aber wo sie den
musternden Feldherrnblick herhaben, drfte schwer zu errathen sein. Doch
nicht von den frommen Schwestern, hoffen wir? Die ltere examinirt mein
werthes Ich mit wahren Kenneraugen, gleichsam als wollte sie sich zuerst
berzeugen, ob der Versuch sich auch der Mhe lohne. Sie scheint um die
Neunzehn herum zu sein, und sich ein wenig zum _Embonpoint_ zu neigen. Es
ist wirklich amsant, die comfortable Manier zu beobachten, mit der sie
zuerst sich selbst im gegenber hngenden Spiegel und dann meine
Wenigkeit mit; ihr Blick gleitet vom Kopf zu den Fen, der nhern
Beaugenscheinigung wegen, und um sich zu berzeugen, ob man auch Stand
halten knne. Niemand wnscht bei uns in einem so wichtigen Geschft
hinters Licht gefhrt zu werden. Doch ich werde boshaft, und ich sollte
wirklich meinem guten Gestirne danken, da es mich unter so liebe Menschen
brachte, wirklich liebe Menschen, trotz des argen Kokettirens der Aeltern.
Es wrde einen ganzen Katalog fllen, alle die Items aufzuzhlen, mit
denen sie das Damenzimmer vollgepfropft haben. Ein Glck, da sie alleinige
Besitzer, und folglich ausschlieende Gewalt in diesem ihrem zeitweiligen
Territorium haben. Sonst mte es Krieg geben. Sie fhren eine halbe
Briggsladung von Citronen, Orangen, Ananas und Bananen mit sich, und der
Alte hat wenigstens drei Dutzend Kisten mit Chambertin, Lafitte und Medoc.
Er ist doch kein Weinhndler? Auf alle Flle zeigt der Mann Geschmack; er
ist erhaben ber die so gemeinen Stoffe Hollands, Gin und Whisky, bei deren
bloem Anblicke einem schon bel wird. Todes- und Laster-Essenzen sollte
man diese grnen und braunen Compositionen nennen, zusammengekocht von
spitzbbischen Quacksalbern zur Schande und zum Verderben Bruder Jonathans.
Und doch ist dieser Bruder Jonathan von Natur nichts weniger als ein
Zecher, ja eher nchtern und mig. Aber diese unglckseligen Shne und
Tchter Erins! -- Es thut mir leid, aber ich kann es nicht verhehlen, sie
sind die Verfhrer. Und was das Schlimmste ist, sie wollen auch nicht den
guten Rath hren, den ihnen unsere Temperanz-Gesellschaften so salbungsvoll
spenden, um sie nchtern und mig zu machen. Nein, sie wollen absolut
nicht, noch wollen sie die Zeitungen lesen, die zu gleichem Behufe fr
zwei Dollars per annum etablirt sind; das heit zwei Dollars, wenn voraus
bezahlt, und drei, wenn am Ende des Jahres -- oder gar nicht.

Aber es ist nicht artig so herumzuwandern, und die lieblichen Demoiselles
allein zu lassen. Wir haben denn beschlossen, unsern Thee _en famille_
zu nehmen. Monsieur Menou jedoch hlt sich zu seinem Chambertin. Und ich
gedenke beide zu versuchen. Sie, ich meine die Demoiselles, sind wirklich
ganz nette Geschpfe, so heiter, so lebendig; ihre Zungenfertigkeit ist
ganz einzig, und ihr naives Geplapper mchte einen Misanthropen zum Lachen
bringen. Aber es gibt Momente, wo man nun einmal trbegelaunt sein mu,
Momente, wo das Gemth von einer Windstille niedergedrckt ist, einer
Windstille, so lhmend und entnervend wie die, welche im heien August nach
einem westindischen Orkane eintritt. Das Bischen Vernunft, umhergetrieben
und gelhmt im vorhergegangenen Sturme, ist erschpft, der Krper
selbst hat seine Kraft verloren, und die Ruhe, die eintritt, ist die
unleidentlichste Pause, ein ekelhafter Stillstand. Jedes Objekt berhrt
dann unsere Sinne unangenehm, und unser Verstand erliegt hlflos wie das
Schiff, das, auf seine Beamsends von den riesig anschwellenden Wellen
geworfen, sich nur allmlig oder gar nicht zur Thtigkeit aufrichtet. Ich
war just in dieser Lage. Nie hatte mich oder vielmehr meine Eigenliebe
Schlag auf Schlag so getroffen -- erstens diese tolle Liebe, dann die
erlauschte Entdeckung der Falschheit meines besten Freundes. -- Wir hatten
uns seit unserer frhen Kindheit gekannt und geliebt. Unsere Herzen und
Brsen, und letzteres will viel bei uns sagen, waren sich wechselseitig
offen. Die Verschiedenheit unserer Charaktere bestand blo in gewissen
leichten Schattirungen, in der Hauptsache stimmten wir wie zwei Uhren
berein, die in ihren Sekundenschlgen abweichen, aber im Ausschlage
zusammentreffen. Und nun--! Eine halbe Stunde mit dieser verfhrerischen
Eva -- und Freundschaft und alles ist dahin. -- Und, was das schnste
ist, wre ich guter Narr mit meinen achttausend Dollars nicht ein _Deus
ex machina_ erschienen, so wre Mistre Richard noch zu dato Mi Bowstring
genannt. Ich konnte es nicht mehr aushalten; ich mute hinaus ins
Freie. Die Nacht ist sternenhell; blo der Flu ist mit einem schmalen
Nebelstreifen berhangen. Die hohlen Schlge der Dampfmaschine scheinen
aus weiter Ferne herberzuprallen; es ist das Gebrlle der Alligatoren;
zwischen diesen die Klagetne der Whippoorwill. Kein einziges Licht am
Ufer, aber Milliarden von Feuerkfern, die ber die Cypressen und Papaws
ein magisches Helldunkel verbreiten. Zuweilen streifen wir so nahe am Ufer
hin, da die Zweige der Bume rasselnd an unserm Bote zusammenbrechen.
Morgen denn um diese Zeit werde ich in meinem Tusculum ruhen, fr heute
wollen wir mit unserm winzigen Staatsbettchen vorlieb nehmen. So eben kommt
der Capitain mir anzuzeigen, da endlich unsere lrmenden Reisecompagnons
zur Ruhe befrdert sind. Die Uhr schlgt zwlf.

Ja diese Nacht! diese Trume! Es war mir, als ob alle Drangsalen meiner
frhen Jugend sich ber mich hingelagert, und in einem Vampyre vereinigt
meine Geistes- und Krperkraft erdrckt, und ausgesogen htten. Und so
schwer wurde die Last, da ich ausrief im Schlafe, und beinahe die ganze
Gesellschaft in Schrecken versetzte. Ich hatte ihn wirklich abgeschttelt
den Vampyr, und ich fhlte mich erleichtert. Ich bin herzlich froh, denn
sollte dieser liebenswrdige Spleen noch vierundzwanzig Stunden lnger
gedauert haben -- wahrlich, ich htte allen Umgang mit Menschen aufgeben
mgen. Wohl denn, ein frischer Windzug hat sich erhoben, und der wird die
an einander schlagenden Segel schon wieder fllen. Das _bon jour!_ des
Creolen lautet jedoch ziemlich trocken und prfend. Es schien, als wollte
er in meiner Miene lesen, ob seine Hflichkeit nicht wieder mit einer
unartigen Steifheit vergolten werden drfte. Wohl, ich will mir Mhe geben,
die blen Eindrcke zu vertilgen. Es sind gute Menschen diese Creolen,
nicht allzu gescheidt, immer sind sie mir aber lieber als die pfiffigen
Yankees, trotz ihrer nrrischen Tanzlust, die sie selbst nicht bei ihrer
ersten Ansiedelung verlugnen konnten. Es mu toll genug ausgesehen haben,
wie sie so in ihren Wolldecken umher trabten und franzsische Menuets
auffhrten. -- Doch, es ist zwlf Uhr, der Auszugsdampf lt sich hren,
das Schiff nimmt wieder Feuerung ein.

_Monsieur! voil votre terre_, sagte der Creole auf das Ufer und die
Holzste deutend. Ich blickte durch das Fenster, und wirklich ich finde,
der Creole hat Recht. Wir hatten so lange mit den Demoiselles geplaudert,
da Stunden und Meilen wie Augenblicke dahin flogen. Mein Aufseher
hatte seit meiner Abwesenheit ein Holzlager fr Dampfschiffe errichtet.
Wenigstens eine Verbesserung! Und da ist er selbst, der leibliche
Mister Bleaks. Der Creole scheint gute Lust zu haben, mich nach Hause zu
begleiten. Ich kann es nicht hindern, hoffe jedoch, er wird nicht gar so
artig sein. Ich hoffe. Nichts abschreckender als eine derlei Visite, wenn
man Jahre lang von Haus und Hof entfernt gewesen; die Laren und Penaten
eines Hagestolz sind die sorglosesten aller Gtter.

Mister Bleaks! sprach ich, indem ich an ihn herantrat, der in seinem rothen
Flanellhemde und Calicot-Inexpressibles und Strohhute sich eben nicht
sonderlich um seinen Oberherrn zu kmmern schien, wollt ihr so gut sein,
die Gig und Koffer ans Ufer bringen zu lassen?

Ah, Mister Howard! erwiederte der Mann, sind Sie es! hatte Sie nicht so
bald vermuthet.

Hoffe doch nicht unwillkommen zu sein? erwiederte ich ein wenig rgerlich
ber des Mannes echt pensylvanische Trockenheit.

Sie sind doch nicht allein gekommen? fuhr er in eben dem Tone fort. Sind
Sie? frug er mich mit einem Seitenblicke messend. Dachte, Sie wrden uns
ein Dutzend Blackee's mitbringen; wir brauchen sie.

_Est-il permis, Monsieur?_ fragte nun der Creole, seine Hand in die meinige
legend und auf das Haus hinweisend.

Und das Dampfschiff? bemerkte ich in einem Tone, so gedehnt, das einen nur
mittelmig in der Physiognomik oder Psychologie Bewanderten belehrt haben
mte, da er wahrlich berflssig sei.

Oh, das wird warten, erwiederte er lchelnd. Was wollte ich machen? ich
mute die Reise nach meinem Hause mit dem wunderlichen Manne antreten,
so schwer es mir auch fiel. Und wahrlich, es fiel mir schwer! Es war ein
grulicher Anblick, ein Gruel der Verwstung. Alles sah so hinfllig, so
verloren, so verdorben aus, da mir der Ekel aufstieg. So hatte ichs nicht
erwartet. -- Von der Einzunung um den Hausgarten standen blo einzelne
Fragmente; im Garten selbst trieb das liebe Borstenvieh sein Wesen. Und das
Haus! Gott sei mir gndig! Keine Scheibe ganz; alle Fensterrahmen mit alten
Hosen und Kitteln und zerrissenen Weiberrcken ausgestopft. Ich konnte
keine Orangen- und Citronenlauben erwarten, ich hatte sie nicht gepflanzt;
aber die! -- nein, es war wirklich zu arg.

Jedes Gemlde sollte seine Schattenseite haben, wenn es nicht ein _ la_
Fresco-Gemlde ist; aber hier war Alles Schatten -- Nacht. Keine
lebendige Seele zu sehen whrend unserer Tour vom Ufer durch die modernden
Riesenstmme, zwischen denen wir uns durchzuwinden hatten. Hier endlich
lt sich etwas Lebendiges sehen. Es ist ein Trio schwarzer Ungethme, die
mit Marius und Sylla sich im Kothe herumbalgen, ein halbes Hemde am Leibe,
und schmutzig wie es nur Menschenkinder sein knnen. Und die Affen, sie
starren mich mit ihren rollenden Augen an, und galloppiren dann lachend
hinters Haus. Ah! die alte Sibylle! Sie steht vor einem Kessel, der von
einer Stangenpyramide herabhngt: ein wahres Contrefait der Macbethischen
Hexen. Nun starrt sie auf uns, ohne sich jedoch zu bewegen. Ich mu ihr
schon selbst meine Aufwartung machen. Ah, nun erkennt sie mich, und kommt
mit ihrem ungeheuren Lffel auf mich zugeschritten. Es wundert mich, da
sie ihren Truthahnkragen noch nicht umgedreht, der mich fnf und siebenzig
Thaler kostete. Nun rennt sie und schreit und weint vor Freuden. Ein
Wesen denn wenigstens, das Freude bei meiner Ankunft uert. Und die
Aengstlichkeit, mit der sie auf den Kessel und die drei Pfannen hinsieht,
in denen Schinken und getrocknetes Schweinefleisch kochen; sie ist
augenscheinlich noch nicht mit sich eins, ob sie Kessel und Pfannen oder
mich im Stiche lassen soll. Doch der Creole scheint ihren Jammer aufs
hchste zu steigern. Sie erhebt ihre gellend durchdringende Stimme; niemand
lt sich jedoch blicken.

_Et les chambres_, heult sie, _et la maison et tout, tout--_

Ich wute nicht, was sie mit ihrer Jeremiade wollte. Sie deutete auf meinen
Begleiter, krchzend: _Mais mon Dieu! pourrais-je seulement un moment --
Tenez-la, Massa!_ bat sie, indem sie mir den Lffel hinhielt, und eine
Bewegung des Umrhrens machte, und wieder auf das Haus deutete.

_Que voulez-vous donc!_ rief ich aufgebracht, und nun kam die Aufklrung:
die Zimmer waren nicht gereinigt, nicht gelftet, kurz, in einem Zustande,
der nicht zulie, da ein Fremder sie betrete. Sie brauchte nichts als eine
kleine Viertelstunde, sie in Ordnung zu bringen, und whrend dieser Zeit
wrde ich wohl so gut sein, der Ehre des Hauses wegen einstweilen das
Gemse und die Fleischklumpen im Kessel umzuwenden, und die Pfannen dabei
nicht vergessen. Ich hie sie zu allen Teufeln gehen und kehrte mich
dem Hause zu. Einen Trost hatte ich, den nmlich, da meines Begleiters
Residenz wahrscheinlich nicht glnzender, wenn ja noch so gut war; diese
Creolen oberhalb Alexandria leben noch wie die halben Indianer. Auch
schien Monsieur Menou der horrible Zustand meines Hauswesens gar nicht
zu befremden. Als wir in den Salon kamen, fand ich, statt der Sophas und
Sessel, Haufen von grnem und mexikanischem Cotton-Samen; in einer Ecke
alte Wolldecken, in der andern einen Waschzuber. Die Zimmer waren noch
rger hergenommen: in meinem Schlafkabinette hatte Bangor seine Residenz
aufgeschlagen, und die Musquittovorhnge waren wahrscheinlich in Mistre
Bleaks Behausung gewandert. Ich eilte von dieser gruelvollen Unordnung dem
Hofe zu, mein ganzes Wesen war aufgeregt.

_Mais tout cela est bien charmant!_ sprach der Creole. Ich schaute den Mann
an; er war ganz ernsthaft. Ich schttelte den Kopf, denn frwahr ich war
nicht in der Laune, Spott zu ertragen. Der creolische Plagegeist jedoch
ergriff wieder meinen Arm und zog mich den Htten meiner Neger und weiter
den Cottonfeldern zu. Es waren die ppigsten Felder trotz der grnzenlosen
Nachlssigkeit; der unglaublich fette Boden hatte die Stauden beinahe
mannshoch hinaufgetrieben, und es war im Juni. Der Creole prfte mit
Kenneraugen und schttelte den Kopf.

Die Glocke ertnte vom Dampfschiffe her. Gott sei Dank, dachte ich.

_Monsieur!_ sprach er, _la plantation est bien charmante, mais ce Mistre
Bleak ne vaut rien, et vous -- vous tes trop gentilhomme._

Ich verbi das derbe Compliment, meine Zhne knirschten jedoch
unwillkrlich.

_coutez!_ fuhr er fort, _vous irez avec moi_.

_Moi!_ sprach ich. Ist der Mann toll, mir einen solchen Vorschlag zu thun,
kaum zehn Minuten nachdem ich mein Haus betreten!

_Oui oui Monsieur!_ sprach er, _vous irez avec moi. J'ai des choses bien
importantes  vous communiquer._

_Mais Monsieur!_ erwiederte ich ziemlich frostig, _je suis bien tonn
d'une proposition si trangre --_

_Et faite par un tranger_, fgte der Creole lchelnd hinzu. _Mais
vraiment, Monsieur Howard! vous tes venu sans prendre les prcautions
ncessaires comme je vois ---- et la fivre. Ah Monsieur, quand on est
forc de s'chapper de ses amis--_

Ich blickte den Mann staunend an; woher wute er dies? Die Glocke ertnte
ein zweites Mal.

_Eh bien!_ fragte er, _plat-il ou non?_

Ich stand verlegen, sinnend, rgerlich. _J'accepte de votre offre_, sprach
ich endlich meiner selbst nicht bewut, und eilte schnell mit ihm dem
Dampfschiffe zu. Mister Bleaks schttelte verwundert den Kopf. Ich
bedeutete ihm, etwas mehr Acht auf die Pflanzung zu haben, und wollte
eben die auf das Dampfschiff fhrenden Breter betreten, als meine fnf und
zwanzig Neger heulend hinter dem Hause hervorgerannt kamen.

Massa! um Gotteswillen, Massa, bleibt bei uns! riefen die Mnner. Massa,
guter, lieber Massa, nicht gehen! Mister Bleaks! heulten die Weiber.

Ich winkte dem Kapitain, eine Weile zu halten.

Was fehlt euch? fragte ich ein wenig betroffen.

Einer meiner Sklaven trat vor und entblte seine Schultern, zwei andere
folgten seinem Beispiele.

Ich warf einen durchbohrenden Blick auf Mister Bleaks, der grinsend
lchelte. Es war fr meine Ehre und mein Gewissen ein wahrhaft rettender
Moment, der meine armen Neger herbeigefhrt hatte. In der Tollheit meines
Wesens wre ich dem Creolen gefolgt, ohne mich auch nur im mindesten um das
Loos von fnfundzwanzig Menschen zu erkundigen, die ich unter so schlechten
Hnden gelassen. Ich entschuldigte mich kurz beim Creolen, versprach einen
baldigen Besuch, um nhere Aufklrung ber seine rthselhaften Worte zu
erhalten, und verbeugte mich. Der Mann erwiederte kein Wort, rannte ber
die Breter, wisperte dem Capitain etwas in die Ohren, und verschwand in den
Staatssalon.

Ich hatte weder Zeit noch Lust mich lnger mit ihm zu befassen, und war
schweigend, umgeben von meiner schwarzen Bevlkerung, dem Hause zugegangen.
Das Dampfschiff ging so eben ab, als mich etwas am Arme anfate, -- es war
der Creole. Nun bei Gott, das ist zu toll. Es fehlte nur noch, da er seine
beiden Demoiselles auch mitbrachte. Der Mann jedoch sprach ganz trocken:
_Vous aurez besoin de moi avec ce coquin-l. Nous nous arrangerons
aujourd'hui, demain viendra mon fils et aprs-demain vous irez avec moi._
-- Ich schwieg und lie den Mann reden, denn wirklich seine Zudringlichkeit
schien an Narrheit zu grnzen.

Meine armen Neger und Negerinnen weinten und lachten vor Freude; die Kinder
schmiegten sich an ihre Eltern; Alle aber hingen mit erwartendem Blicke
an mir. Ich befahl ihnen, in ihre Htten zu gehen, von woher ich sie rufen
lassen wrde.

_Damn these blakies!_[6] sprach Mister Bleak, als sie den Rcken gewandt
hatten: sie haben schon lange nicht wieder die Peitsche gekostet.

    [6]: G--tt verdamme diese Schwrzlinge, Schwarzkpfe.

Ich gab dem Manne keine Antwort, bedeutete der alten Sibylle, Beppo und
Miza zu rufen, und winkte ihm, sich zu entfernen.

Das soll wohl gar ein Verhr sein? hhnte Mister Bleaks; da wollen wir auch
dabei sein.

Keine eurer Unverschmtheiten, Mister Bleaks! sprach ich; erwartet meine
Verfgungen und entfernt euch.

Und keine Ihrer Vornehmheiten, erwiederte der Mister. Wir sind in einem
freien Lande, und Sie haben keinen Neger vor sich.

Der Mann trieb mirs ein wenig zu bunt. Mister Bleak, sprach ich mit
so vieler Fassung, als ich vermochte, ihr seid hiemit entlassen. Eure
Anstellung geht bis 1.Juli; wir haben noch zwanzig Tage, sie sollen euch
bezahlt werden.

Ich setze keinen Fu von der Schwelle, bis ich meinen Gehalt und Auslagen
und Vorschsse empfangen, erwiederte der Mann trocken.

Bringt mir eure Rechnungen, erwiederte ich; das Blut fing an in meinen
Adern zu kochen.

Der Mann hatte durchs Fenster seinem Weibe zugerufen, die zur Thre
hereinkam; nachdem sie einige Worte mit einander gewechselt hatten,
entfernte sie sich wieder.

Ich hatte unterdessen meinen Koffer geffnet und einige Rechnungen, Briefe,
Quittungen durchgesehen.

Das Weib kam mit den Rechnungsbchern herein, und stellte sich mit
gespreizten Armen hin. Ihr Mann ging ganz gemchlich in die nchste Stube,
brachte zwei Sessel, und die beiden Eheleute setzten sich.

Wahrlich, unsere liebe Freiheit hat doch auch verwnscht viel Unbequemes!

Den 20.December 25 Ballen Cotton, 4 Fsser Tabak in Blttern an Mr. M--n
abgeliefert, begann er; den 24.Jnner dito 25 Ballen und 1 Fa Tabak in
Blttern.

Richtig! erwiederte ich.

Das war unsere ganze Ernte, fuhr der Mann fort.

Ein ziemlicher Abstand vom vorletzten Jahre, bemerkte ich, 95 Ballen und
50.

Wenns dem Gentleman nicht recht ist, so htte er nicht in der halben Welt
herumvagiren sollen, fuhr Mister Bleaks heraus.

Und uns da in diesem Fieberpfuhle verschmachten lassen, ohne Geld und
alles, bemerkte Mistre Bleaks.

Weiter! sprach ich zu ihrem Manne.

Das ist Alles; davon habe ich von Mr. M--n empfangen als Besoldung
sechshundert Dollars, kommen mir noch dreihundert Dollars zu.

Gut! erwiederte ich.

Ferner, fuhr der Mann fort, fr Wlschkornmehl und Schinken und gesalzenes
Schweinefleisch und Wolldecken und Cottonzeuge ausgelegt vierhundert
Dollars, macht siebenhundert; ferner viertausend Zaunpfosten zu
Fenceriegeln: Summa siebenhundert vierzig Dollars.

Ich rannte um Schreibzeug und Feder nach der Stube, wo die Trmmer meines
Sekretairs standen, schrieb einen Gutschein an meinen Banquier, und kehrte
zurck. Diesen Menschen wollte ich um keinen Preis lnger im Hause haben.

Erlauben Sie, -- sprach der Creole, der dem Vorgange als stummer Zeuge
zugesehen hatte, indem er nach dem Papiere griff.

Vergebung, mein Herr! erwiederte ich beinahe aufgebracht ber des Mannes
Zudringlichkeit; in =diesen= Angelegenheiten wnsche ich mein eigener Herr
und Rathgeber zu sein.

Halten Sie ein, und erlauben Sie mir einige Fragen an Mister Bleaks, fuhr
der Mann fort, ohne sich durch meine Abweisung irre machen zu lassen. Will
Herr Bleaks seine Rechnung nochmals lesen?

Wte nicht warum! Kmmert euch um's Eurige! war die Antwort.

Dann will ichs fr Herrn Bleaks thun, sprach der Creole.

Den 20.December fnf und zwanzig Ballen Cotton und vier Fsser
Tabaksbltter an Mr. M--n abgeliefert. Ists nicht so?

Mister Bleaks gab keine Antwort.

Den 23.December zwanzig Ballen Cotton und ein Fa Tabak an Mr. G--s
abgeliefert. Ists nicht so?

Die beiden Eheleute fingen an ihre Farbe zu verlieren.

Den 24.Januar fnf und zwanzig Ballen Cotton und ein Fa Tabak
abgeliefert, fuhr der Creole fort, und den 10.Februar wieder zwei und
zwanzig Ballen Cotton und zwei Fsser Tabak an Mr. G--g abgeliefert. Ists
nicht so?

Verdammte Lge! platzte der Aufseher heraus.

Die wir sehr bald zu beweisen gedenken, fuhr der Creole fort. Herr Howard,
Sie haben an diesen Mann eine Anforderung von netto zweitausend fnfhundert
zehn Dollars, um die er sie schndlich betrogen; fnfhundert Dollars werde
ich spter nachweisen.

Das Ehepaar schnaubte vor Wuth; ich war wie aus den Wolken gefallen.

Wir mssen eilig mit diesen Menschen sein, wisperte mir der Creole zu,
sonst sind sie verschwunden, ehe man es sich versieht. Senden Sie sogleich
zum Friedensrichter M. wegen des Verhaftsbefehls, und geben Sie dem Sherif
und beiden Constables einen Wink. Unten kann er nicht hinaus; er wird es
aber oben versuchen.

Ich traf sogleich die Anstalten, und sandte Bangor, meinen gewandtesten
Burschen, ab. Der Junge hpfte vor Freude.

Und an das Haus G--gs, bemerkte der Creole, mu sogleich geschrieben
werden.

In einer Stunde war Alles geschehen. Der Montezouma kam so eben den Flu
herab. Wir riefen den Capitain ans Land, gaben ihm einige Winke wegen des
Vorgefallenen, empfahlen ihm unsere Briefe, und waren so eben im Begriffe,
ihn zu seinem Boote zu begleiten, als eine Gestalt sich durch die
Baumstmme hin schob und wand, und lngs dem Holzstoe sich dem
Dampfschiffe zu schlich. Es war Mister Bleaks, so eben im Begriffe, eine
Excursion nach Neworleans zu machen. Wir fanden den ehrlichen Mann
unter den Schiffsleuten und bereits zum halben Neger mittelst Kohlenru
geschwrzt. Natrlich unterblieb die Reise und vier handfeste Gesellen
befrderten ihn wieder in seine Wohnung. Fr ein zweites Reiaus hatten wir
gesorgt, und am folgenden Morgen wanderte der Mister in festeres Gewahrsam.

Aber lieber Monsieur Menou, fragte ich den Mann, als wir bei Tische saen
und er so eben die zweite Bouteille von seinem Chambertin ffnete, denn
auch diesen hatte der gute Mann nicht vergessen, -- wie kommt es doch, da
Sie so viele unverdiente Theilnahme mir beweisen?

Ei, ei! Ihr gebornen Brger-Aristokraten sollte ich sagen, versetzte der
Mann halb lchelnd, halb ernst: Ihr knnt dieses freilich nicht begreifen
in eurem echt republikanischen, starren, stolzen Egoismus, der nur auf sich
selbst denkt und vornehm auf uns Creolen und die brige Welt herabschaut,
als Wesen einer untergeordneten Race; wir vergessen uns selbst nicht,
gedenken jedoch auch unserer Nachbarn. Ihre Affairen, sowohl des Herzens
als der zeitlichen Gter, sind mir ganz genau bekannt, und wie Sie sehen
wei ich guten Gebrauch davon zu machen.

Ich drckte dem Manne herzlich und schweigend die Hand.

Wir lieben euch nordische Herren nicht sonderlich, aber Sie machen eine
Ausnahme; Sie haben etwas von der franzsischen Etourderie im Geblte, und
vieles von unserer Generositt.

Ich lchelte ber den vorgehaltenen Sittenspiegel.

Sie haben sich von ihren Freunden lange zum Besten halten lassen, und man
amsirt sich ber den Korb, den Sie fr bloes Beschauen empfangen.

Ich sprang von der Tafel auf. Bei allen T.....n!

Ja, ja, mein Herr! lassen Sie das gut sein; Emilie Warren ist ein
treffliches Mdchen, aber doch eine Yankeein, fr Sie zu gescheid.

Danke frs Compliment.

Morgen kommt mein Sohn; ihre Pflanzung bedarf nur einer festen Richtung und
eines kleinen Kapitals von acht- oder zehntausend Dollars, dann kann sie
sich in ein paar Jahren mit jeder am Missisippi messen. Mein Sohn wird ihr
diese Richtung geben, und Sie bleiben einige Monate bei mir.

Aber Mister Menou!

Keine Aber, Herr Howard! Sie haben die nthigen Summen; sie schaffen noch
zwanzig Hnde herbei -- fr gute wollen wir sorgen. Morgen das Weitere.

Am Morgen kam der junge Menou, ein schlichter, gewandter Jngling von etwa
zwanzig Jahren. Der Tag verging in Besichtigung der Pflanzung. Der junge
Mensch hatte mein volles Zutrauen in wenig Stunden gewonnen. Ich empfahl
ihm die Meinigen, und am Abende schifften wir uns nach seines Vaters
Pflanzung im Ploughboy[7] ein.

    [7]: Ploughboy, der Name eines Dampfbootes.




Nicht sehr interessant, aber recht natrlich.


Der gute Creole hatte christlich an mir gehandelt. Als wir vor dem Hause
des Friedenrichters anhielten, und ich ihm -- er war bereits im Schlafrocke
-- die nheren Ursachen meines Ansuchens um Verhaftung Mister Bleaks
eines weitern auseinander setzte, kam mir der gute Mann mit dem naiven
Gestndnisse entgegen: Wute Alles, lieber Mister Howard, sonnenklar; sah
jeden Ballen, um den er Sie bestahl, oder bestehlen wollte.

Aber um's Himmelswillen, Mann! fuhr ich heraus, warum lieen Sie dieses so
angehen?

Weil es mich nichts anging, Lieber, versetzte er mir trocken.

Htten Sie wenigstens meinen Anwald benachrichtigt.

Ging mich nichts an, war wieder die Antwort; doch pltzlich seine
Augen starr auf mich richtend, fing er ziemlich derb an, mir eine Art
Strafpredigt zu halten, auf die ich nichts weniger als gefat war. Ei,
ei! begann er, die Schlafhaube aufs linke Ohr setzend, da kommt ihr jungen
Herren mit eurem Dutzend Blakies aus dem Norden, werft dem County ein
paartausend Dollars zu, glaubt dafr gemchlich den Absentee-Gentleman
spielen zu knnen, und uns recht sehr zu beehren, wenn ihr uns die
Mhe berlasset, euch die Dollars und Banknoten zusammenzuscharren und
nachzuschicken, da ihr sie oben oder gar auer Landes verzehren mget.
Mir thut's beinahe leid, Mister Howard, da Sie nicht sechs Monate spter
kamen.

Und so dem Wichte Zeit lie, sich mit der Beute davon zu machen?

Er hat wenigstens gearbeitet, und hat Weib und Kind, und ist dem County und
dem Lande ntzlich geworden.

Ei der Teufel! fuhr ich dazwischen. Nun wirklich, fr einen Friedensrichter
haben Sie einen sonderbaren Codex.

Der weder von Boni, noch von Livingston, aber echt patriotisch ist,
versetzte der Mann ernst, auf die Stirne deutend.

Ich sah ihn mit aufgerissenen Augen an; aber er mich auch. So unrecht hat
er im Grunde nicht. Worin bestnde auch der Unterschied zwischen einem
Louisianer oder Virginier, und einem irischen oder englischen Aristokraten?
Bei uns ist jedoch noch nicht viel Gefahr vorhanden. Echt vornehme
Reiseunternehmungen gedeihen nun einmal nicht; mich wenigstens htte mein
Versuch bei einem Haare dreitausend Dollars gekostet. So, wie die Sachen
standen, waren sie jedoch gerettet: die Gelder noch in den Hnden der Mst.
G--s, die wahrscheinlich in diesem Punkte wie Squire Turnips dachten. Ich
bergab dem Manne die nthigen Vollmachten und Papiere, wnschte ihm eine
gute Nacht, und wir schttelten einander herzlich die Hnde. Der Morgen
graute bereits herauf, als wir das Dampfschiff zum zweitenmale verlieen,
um eine Carosse zu besteigen, die zwar schrecklich aus der Mode war, uns
aber rasch fortbrachte. Eben hatte ich mich wieder dem lieblichen Morpheus
in die Arme geworfen, als eine sanfte Stimme nicht zehn Schritte von uns
rief: _Les voil!_ Ich blickte auf, rieb mir die Augen, -- es war Louise,
die jngere Tochter des Creolen, die nun vor der Veranda stand und uns
willkommen hie. Welche von unsern lieben nordischen Evatchtern wrde
wohl dahin zu bringen gewesen sein, des Papa willen um sechs Uhr ihr
jungfruliches Lager zu verlassen, und fr uns schwarzen Kaffee bereit
zu halten, damit die bsen Ausdnstungen nicht unsern Appetit verderben?
Monsieur Menou schien jedoch in der hingebenden Aufopferung seines
Tchterleins gar nichts Auerordentliches zu finden, und zgerte nicht,
Erkundigung einzuziehen, ob die Leute bereits ihr Frhstck im Leibe und
den Pflug und das Grabscheit in der Hand htten. Auch ber diesen Punkt
wute Louise Auskunft. Zugleich erwies es sich, da sie in den vier und
zwanzig Stunden ihres Daheimseins sich ziemlich tief in die Verhltnisse
ihrer schwarzen Liege-Subjekte einstudirt habe. Tom hatte sich nmlich
einen Splitter in den Fu gerannt, Pompey hatte Augenweh, er schielte stark
nach Sarah, und Curgy hatte eine neue Eroberung am Cato eines Nachbarn
gemacht, -- Alles Dinge, die zwar fr Menou und Louisen sehr interessant
sein mochten, mich aber sanft zum Ghnen brachten. So sah ich mich denn
unterdessen im Speisesaale um, dessen Ameublement mir einen Vorgeschmack
der hier existirenden Civilisirung geben sollte. Die Matten waren das
Neueste, und sehr elegant; aber das _sideboard_ war schrecklich aus der
Mode. Tische, Sesseln und Sopha franzsisch, statt amerikanisch. An den
Wnden hingen ein paar Kupferstiche; nicht die Schlacht von New-Orleans,
oder die glnzenden Siege Perry's und Bainbridge's ber die Britten auf den
Champlain- und Erie-Seen; nein, ein paar Curiositten aus _Louis-Quinze_
und _Seize_ Zeiten. Ueberhaupt hatte das Ganze einen ziemlich starken,
oder vielmehr matten Beigeschmack vom _ci-devant_ Franzosenthum, nicht dem
republikanischen, oder kaiserlichen, oder restaurirt-jesuitischen, nein,
dem verlorenen, verdorbenen alt-royalistischen.

Ja, die wahre comfortable Art zu leben und zu sein findet man nur beim
echten Amerikaner oder Englnder, vorausgesetzt, er habe Batzen; der
Ueberrest ist noch im Barbarenthum versunken: Prunk und Flitter im
Schauzimmer, und Schmutz und Fulni im Schlafgemach und auf dem Leibe.
Es ist eine arge Sache um unsern Stolz und Uebermuth und unser ewiges
Kritisiren; aber wir knnen es nun einmal nicht lassen. Wir schauen so
gerade zu und tief; der gute Pabst ist uns blo ein alter Mann, und ein
Knig ein anderer, wenn er nicht jung ist, und Menschen und Bcher sind
vor uns aufgeschlagen, wie unser offenes Land, und wenn wir ja ein bischen
spttisch unsere armen transatlantischen Brder in Adam durchhecheln, so
wissen wir wohl, da uns von ihnen auch nichts geschenkt wird. Wenn wir
so einander in die Haare geriethen, wie wrden sich die alten
schleimig-schwammigten Legitimaten und ihre Laquaien freuen! -- Doch genug;
die stndige Relation ist vorber, und wir erheben uns, um einen Blick auf
das Aeuere zu werfen. Nun, das Haus lat einmal sehen! Es lehnt sich an
einen zuckerhuthnlichen Maulwurfshgel, den einzigen, den es fr Meilen in
der Runde herum geben soll. Gegen Sden, Osten und Westen ist es mit einem
dichten Rahmen von Akazien- und Cottonbumen eingefat; nur die Nordseite
liegt offen fr das Flstern des Boreas, der bei uns ein wunderlieblicher
Gast ist. Ein helles Bchlein (fr Louisiana wenigstens) strmt seine
Gewsser von der sanften Anhhe in einen kleinen See, der, wrde ein Yankee
sagen, 180 Fu lang, 80 breit, einen Fall von 45 Fu hat, und so eine
herrliche Gelegenheit zu Maschinenwesen darbietet, wenigstens zu einer
Gerberei, ein sicheres Antidote gegen die Cholera. Wir hoffen, der Czar
wird uns mit seinem Cadeau verschonen; wir sind ja seine besten Freunde,
sagte die letzte Prsidentenbotschaft. Ich habe nichts gegen die
Freundschaft des Czars, das ist ein feiner, artiger Mann; aber mit seinen
stinkenden, loyalen Bojaren, da mag er uns in Ruhe lassen.

Doch, zu Monsieur Menou's Haus zurckzukommen. Es sind eigentlich drei
Bauwerke, die, zu verschiedenen Zeiten von Grovater, Vater und Sohn
gebaut, nun in eines vereint sind. Die Ursache dieser Vereinigung gereicht
dem Herzen des Creolen zur Ehre: -- Meine Kinder sollen sich stets
erinnern, wie schwer es ihren Groeltern geworden, welche Mhseligkeiten
sie zu erdulden hatten, um ihren Nachkommen bequemere Tage zu verschaffen.
-- Ja, das sollen sie, erwiederte eine Stimme hinter uns, gerade als
wir vor dem Seechen standen. -- _Madame Menou, j'ai l'honneuer de vous
prsenter notre voisin, Monsieur Howard._ -- _Qui restera chez nous
pendant long-tems_, frohlockten die beiden Mdchen. -- Ich verbeugte mich
pflichtschuldigst vor der Dame, und konnte kaum eine Antwort geben, als
die beiden Geschpfe mich, jede bei einer Hand ergriffen, und mich _nolens
volens_ ins Haus und durch ein halbes Dutzend Zickzack-Gnge und Gngchen
zogen, um mir mein Zimmer zu zeigen, wobei ich nicht wenig Gefahr lief,
mir Stirne und Knochen an den mannigfaltigen Ecken und Windungen zu
zerschellen. Glcklich langten wir jedoch in einem achteckigen Gemache an,
das sie mir als das wohnlichste bestimmt hatten, indem es unmittelbar ber
dem Wasser und so stets khle sei. Und wieder zogen sie mich heraus, und
hinunter ging es zu Pa und Ma. Die Ma war eine comfortable, behaglich
aussehende, gute Dame, mit einem etwas flachen Gesichte, in dem jedoch ein
Ausdruck von Gutmthigkeit und _laisser aller_ vorherrschend war, bei dem
man sich recht wohl, so gleichsam zu Hause fhlte. Sie nahm mich so
ganz als alten Bekannten auf, als wre ich ihr seit Jahren erkohrener
Schwiegersohn gewesen: keine Complimente, kein geschraubter Anstand;
selbst ihre Gesichtszge nahmen sich nicht einmal die Mhe, das bei
Fremdenempfange gewhnliche Feiertagskleid anzuziehen. -- Doch siehe da!
was hat dies zu bedeuten? Eine Dame mit zwei Gentlemen -- augenscheinlich
sind es Auslnder. Die Olivenfarbe des Einen verrth ihn als einen
spanischen Abkmmling, der Andere ist jedoch schwerer zu definiren.
Sie kommen von der Veranda herab und schlieen sich an uns an, wie
Hausgenossen. Sie wurden mir aufgefhrt als Signor Silveira und Signor
Pablo; die Dame ist die Gattin des Erstern. Eine edle Gestalt, Augen
schwarz, Nase rmisch, stolz und fein geformt, ein prachtvoller Mund mit
herrlichen Reihen von Elfenbeinzhnen, ein Teint, brunett und zart, -- das
ganze Wesen hat fr eine Auslnderin wirklich etwas Anziehendes. Ich habe
bisher immer unsere nordischen Mdchen fr die schnsten gehalten,
selbst die Brittinnen nicht ausgenommen -- diese knnte unsern ersten
Prachtausgaben die Palme streitig machen. Doch _softly_ -- lieber Howard,
Don Silveira, scheint es, behlt seine Frau gerne fr sich, und auch Louise
ist ein wenig verstimmt ber meine etwas zu republikanischen Blicke. Keine
Gefahr! eheliche Galanterien sind mir verhat. Freiheit und Eigenthum! ist
unser Wahlspruch, und Eheleute sind gegenseitiges Eigenthum. Ich halte mich
zur Bouteille, die mir vom Dejeunertische herberblinkt, an dem wir uns,
dem Himmel sei Dank, niederlassen, denn es wird mir ganz curios zu Muthe
-- _squeamish_, wie wir in Virginien zu sagen pflegen. Unsere Gste jedoch
sind ganz ernst und solenn, essen wenig, und die _steaks_ waren doch so
vortrefflich, und die jungen _quails_ unvergleichlich, und der Chambertin
so wahrhaft napoleonisch. Wohl, was den letztern betrifft, so habe ich gar
nichts dagegen einzuwenden; bleibt ja uns desto mehr brig.

Wer sind diese Messieurs mit der Dame? fragte ich meinen Wirth, als sie von
der Tafel sich erhoben und den Saal verlassen hatten.

Mexikaner, antwortete Menou; aber wer sie sind, knnte ich Ihnen unmglich
sagen.

Wie, Sie kennen sie nicht? fragte ich.

Ich kenne sie wohl, sonst wren sie nicht in meinem Hause; aber meine
Familie, flsterte er mir zu, kennt sie nicht.

Arme Teufel! dachte ich; auch Freiheitsopfer, die ihre sieben letzten Dinge
am Altar der Gttin dargebracht, und zur Belohnung von Haus und Heimath
vertrieben worden sind. In dem Mexiko sieht es noch wste aus; Guerrero,
Bustamente, Santa Anna obenan, und unten eine Race, der man nichts Besseres
wnschen knnte, als einen echt moskowitischen genialen Treiber, so einen
Peter, der sie so lange knutet, bis sie Raison lernen; meint Monsieur Menou
nicht? aber ich. Ei die Freiheit! ja, sie ist ein gttlicher Funke, der
leicht sprht, aber nur dann fngt, wenn das erkannte Menschenrecht und
der feste Wille, es aufrecht zu halten, in Millionen wie Stahl und Stein
zusammenschlgt. Wo der Funke einzeln aufsprht, da fngt er nicht im
morschen Zunder des verjhrten Despotismus; es mssen Millionen Funken
sein, und dann brennen die morschen Trmmer lustig weg, und auf ihnen
lt sich allenfalls der Altar der Gttin bauen. Es wird lange whren, bis
dieser miserable Sklavenhaufe sich aus dem Schlamm ganz erhebt; aber zum
Theile hat er es schon gethan, und aus dem Chaos bildet der gttliche Funke
ja seine Wunder!

Julie und Louise hatten sich mittlerweile in das anstoende Zimmer begeben,
um die dritte oder vierte Revue ber die tausend und eine Wichtigkeiten zu
halten, die sie von der Hauptstadt mitgebracht. Wer die Mama so sah, wie
sie mit wahrer Herzensfreude den Vorsitz bei der Musterung fhrte, welche
die Brler Spitzen, _Gros de Naples_, _Indiennes_, _Gauze_ und tausend
andere Dinge zu passiren hatten, konnte das Bild echt creolischer Comforts
malen. Kein Schmollen ber die endlosen _Items_; Alles war charmant, Alles
hatte seine Bestimmung, und ich wunderte mich nur, an welchem Theile dieser
drei Leiber die hunderte von Ellen figuriren sollten, die auf Tischen,
Sesseln, Sopha's und Schrnken ausgebreitet waren, und eine ganze
Grafschaft von New-Jersey's Schnen in Prachtausgaben htten umwandeln
knnen. Die ganze Familie ist wahrlich ein Muster von frhlich-harmlos
glcklichen Wesen; eine gewisse ungeknstelte Natur, ein frhlicher
Muthwillen, der stets seine Grnzen kennt und nie dem Anstande zu nahe
tritt. Jeder und Jede verrichten ihre Aufgaben in einem lachenden, frhlich
schkernden Tone, der aber bei alle dem so wohl wie unser stattlich
steifes Wesen zu gedeihen scheint; wenigstens ist die Ordnung im Hauswesen
bewundernswerth, und das Dejeuner war delicis. Selbst Mistre Houston, die
wegen ihrer Diners und Dejeuners berhmte Mistre Houston htte hier noch
in die Schule gehen knnen, -- und ich bin Kenner in diesem Punkte. Ich
habe mich einmal sterblich, ich glaube, es war meine neunzehnte
ernstliche Liebschaft, in ein Massachusets-Prachtexemplar verliebt, deren
Lockenkpfchen, so wahr ich lebe, bereits drei Novellen entsprungen,
so sentimental und phantastisch albern, sie htten einer Deutschen
Ehre gemacht. Ich war ganz rasend in sie versessen, bis es ihrer Ma
unglckseliger Weise beifiel, mich zu einem _dner en famille_ zu bitten;
da ruinirten die ledernen Hammel-Cotelets fr zwei Tage meine Zhne, und
fr immer meine neunzehnte Liebe. Doch, versparen wir unsere weiteren
Lobeserhebungen, bis wir mehr Salz mit den Leutchen gegessen haben. Unser
Sprichwort ist: _Love me a little, but love me the longer._ Wir wollen die
lieblichen Geschpfe der Obhut der Ma berlassen, und mit Herrn Menou seine
Pflanzung besehen. Sie ist so bel nicht; _au contraire_, die Lage
gegen den Flu hin, die Bewsserung durch Grben, die Cotton- und
Wlschkornfelder, prachtvoll. Der Mann hat ber dreihundert Acker in Kultur
und eine jhrliche Ernte von zweihundert fnfzig Ballen, -- ein hbsches
Einkommen! Nur drei Kinder, die Pflanzung hat viertausend Acker --
die Partie wre nicht so bel. Was wrde aber die Welt dazu sagen? Der
aristokratische Howard mit einer vielleicht _half-breed_[8]-Creolin! Er hat
jedoch sechzig Neger und Negerinnen, und eine ganze Herde von Nachwachs,
und die Mdchen sind so bel nicht -- Milch und Blut -- besonders Louise.
-- Wollen sehen.

    [8]: =_Half breed_=, Schwarzhute, oder =_half blood_=,
    Halbbltige, wird die durch Vermischung mit den Indianern
    entstandene Caste genannt.

Apropos! fragte der Creole, als wir so durch die Feldergassen hinstrichen;
Sie haben dreitausend Dollars bei G--gs?

Ich nickte.

Und achttausend bei Misthere Richards?

Woher wissen Sie dies, lieber Monsieur Menou?

(_Per parenthesin!_ -- Wir lieben es, den Franzosen und Auslndern, unsern
Cousin John Bull ausgenommen, den Titel Monsieur zu geben. Es ist so ein
Mittelding zwischen Herrn und Sklaven, whrend der Mister oder Master --
der Meister -- den freien selbststndigen Mann bezeichnet, und deshalb fr
uns vorbehalten wird.)

Monsieur Menou lchelte auf meine Frage. Woher wei ich, sprach er, da
Misthere Howard fnfzehnhundert Meilen gereiset ist, um die schne Emilie
Warren zu sehen, die von seiner Ankunft wute, und doch sich an Misthere
Doughby vergab?

Und dabei ein Gesicht schnitt, wie eine wahre Iphigenie in Aulis, brummte
ich.

Der Mann nickte. So etwas wei man, sobald man den _haut-ton_ der
Hauptstadt in seinen Ohren sausen gehrt.

Siehe da! Monsieur Menou, der schlichte Monsieur Menou also auch ein
_haut-ton_-Mann, sprach ich beinahe ein bischen spttisch, auf des Mannes
ungebleichte Pantalons und Jacke und Strohhut schielend.

Meine Frau ist eine geborne M--y, mein Grovater war Parlamentsprsident zu
Toulouse, war seine Antwort.

Ich verbeugte mich. Die indianische oder schwarze Race hat also zur
Verjngung des Samens nicht, wie ich argwohnte, beigetragen.

Und wirklich hat denn, fuhr ich fort, der arme Howard zum Theegesprche
herhalten mssen?

Ja, sprach der Mann, und wenn ich der Mister Howard wre, so wollte ich
meinen lieben Freunden einen recht herrlichen Spa spielen.

Lassen Sie doch hren.

Der Mann schttelte den Kopf. Leuten Rath geben, die sich klger dnken,
und auch vornehmer, das thut Menou nicht.

Ich sah den Mann betroffen an. Er hat recht! Ein Sterling-Charakter, wie
er, kann fr eine Weile den Hohn Unsereines mit ertragen; aber die Geduld
eines Job hatte auch ihr Ende.

Wir gingen eine Weile neben einander her. Wollen Sie meinen Vorschlag
hren? fing er endlich wieder an.

Sehr gerne.

Und versprechen, da mir die Ausfhrung berlassen bleibt?

Ich bedachte mich, und sagte dann zu.

So berlassen Sie mir von den eilftausend Dollars, die Sie so werthlos
liegen gelassen, siebentausend zu freiem Schalten und Walten.

Und Richards? fiel ich ein.

Ist besser daran, wie Sie. Sein Sie gromthig, wo es hilft und erkannt
wird; aber Gte wegzuwerfen und sich selbst zu schaden, ist thricht. Hier
haben Sie das Recepisse fr die Summe; ich werde Ihnen ber die Verwendung
Rechnung tragen.

Und mit diesen Worten berreichte er mir wirklich das schon fertig
geschriebene Recepisse. -- Der Mann hat ein kleines Plnchen mit mir, und
griff mir ein wenig zu energisch in mein Sein und Handeln. Der Gedanke an
Richards fing an mir schwer am Herzen zu liegen. Mein indolentes Wesen mit
den albernen Begriffen von Generositt etc., die ich aus Wagenladungen von
Romanen zusammengeschpft, emprte sich gegen die Idee, dem Freunde gerade
jetzt so mitzuspielen. Doch mein Wort war gegeben, und ich sagte zu. --
Julie und Louise schienen mich kaum zu bemerken, als wir ins Haus traten.
Die Eine hatte mit der Kche und dem Hauswesen alle Hnde voll zu thun, die
Andere schnitt und ri in den Ginghams und Indiennes herum, da man es auf
fnfzig Schritte krachen hrte; beim Souper jedoch ging das tolle Wesen
los, das Schkern nahm kein Ende. Es schien, als ob die Mdchen, nachdem
sie die Tageslast abgeschttelt, erst vor dem Schlafengehn zum eigentlichen
Leben erwachten.

Die drei Fremdlinge mit ihrer Grandezza genirten sie nicht im mindesten.
Gegen acht Uhr wurde die Ungeduld ber das lange Sitzen zu rege. Sie
wisperten und wisperten, und ehe wir es uns versahen, hatten sie die Tafel
verlassen, und waren in den Salon geschlpft.

Die Tne eines harmonischen Pianoforte wurden gehrt.

Wir mssen eilen, sprach der Creole, sonst setzt es verdrieliche
Gesichter. Und so gingen wir denn in den Salon.

Nun, dieser Salon ist wirklich elegant. Am prachtvollen Instrumente sitzt
die fremde Dame, die einen Cotillon spielt, und Julie hat bereits mit dem
Papa sich arrangirt; mir fllt Louise zu, und Don Silveira hat die Ehre des
Hauses.

Und so ging es denn bis zwlf. Der Ball war just im besten Gange, als Menou
lchelnd vor mich hintrat.

_Voil notre manire crole; mais c'en est assez._ Das ist unsre
Lebenswrze, fuhr er fort; Alles hat seine Zeit: Plappern, Scherzen,
Tndeln, Arbeiten, Beten und Tanzen. Der wahrhaft Vernnftige wei Alles so
zu vereinigen, da das Erste dem Letzten nicht Eintrag thut. Blo auf diese
Weise kann unser einsam husliches Leben ertrglich und glcklich werden;
wir haben nie Langeweile. -- Gute Nacht!




Sehr unerwartet.


So verliefen acht volle Wochen wie eben so viele Stunden. Ich war ganz
heimisch in dem Kreise dieser lieben Menschen geworden, und so huslich und
konomisch; beinahe wute ich nicht mehr, wie unsere Dollars und Banknoten
aussahen. Alles ging hier wie spielend zu; dabei war eine Aufrichtigkeit,
eine Herzlichkeit und Sympathie zwischen den siebzig bis achtzig Gliedern
dieses kleinen Patriarchats zu bemerken, da man leicht der Welt mit allen
ihren Leiden und Freuden vergessen konnte. Und ich verga ihrer wirklich;
ganze Ste Zeitungen lagen ungelesen, und ich wurde jeden Tag mehr
Hinterwldler. Des Morgens schlpfte ich in meine weileinenen Pantalons
und Jacke, warf einen Strohhut auf den Kopf, und folgte Monsieur Menou in
seine Felder und Cottonpresse. Der Nachmittag verging im Durchsehen von
Rechnungen oder Colonel Stones und Major Noahs[9] Seiten- und Querhieben,
und den Abend schlo Tag fr Tag ein Impromptu, Tanz, oder ein rasches,
munteres Geplapper.

    [9]: =Colonel Stone= und =Major Noah=, die Eigenthmer der
    bekannten Zeitungen: der Morgen-Courier und die commercielle
    Zeitung.

Eines Abends, wir setzten uns so eben zum Souper, machte uns Monsieur
Menou den Vorschlag zu einer nchtlichen Hirschjagd. Ich war dessen ganz
zufrieden, und er erlie sofort die nthigen Weisungen. Die zwei Mexikaner
baten gleichfalls, uns begleiten zu drfen, als die Dame mit halbem
Entsetzen dazwischenfuhr. Don Lop--! rief sie, hielt jedoch inne; das
Wort schien ihr auf der Zunge zu ersterben. Ich bitte dich, fuhr sie in
spanischer Sprache fort, nur diesmal nicht. Es war etwas so Weiches, Zartes
in ihrem edlen, scheuen Wesen, das uns Alle fr einen Augenblick hinri.
Ihr Mann bat sie, sich zu beruhigen, und versprach zu bleiben; es schien
ihn jedoch Mhe zu kosten. Ich versicherte sie, es sei keine Gefahr. --
Keine Gefahr? wiederholte sie in ihrer sonoren kastilianischen Sprache,
keine Gefahr? -- Doch, Sie haben nirgends von Ihrem Vorhaben etwas
verlauten lassen? wandte sie sich an Menou. Gewi nicht, erwiederte
dieser. -- Nun erst fiel es mir auf, da die zwei Eheleute sich whrend
ihres ganzen langen Hierseins auch nicht ein einziges Mal im Freien
ergangen hatten. Mein Auge fiel wieder auf den jungen Mann; er
hatte ausgezeichnet schne Zge, eine bleiche, aber nicht ungesunde
Gesichtsfarbe, und eine hohe Stirne. Die Augen waren besonders schn; es
blitzte ein Feuer in diesen Augen, das wahrlich nicht bestimmt zu sein
schien, hier am Red-River zu verglhen. Sein ganzes Wesen drckte, so viel
er sich auch Mhe gab, es zu verbergen, etwas militairisch Gebietendes aus.
Es war eben dieses gebietende Wesen, das mich bewogen hatte, den jungen
Mann, der etwa dreiig sein mochte, ein wenig kalt zu behandeln. Wir
erlauben nicht leicht, oder vielmehr nie, Fremden, sich in unserm Lande
_airs_ zu geben; die Ergebung jedoch in den leise ausgesprochenen Willen
seines herrlichen Weibes hatte den beln Eindruck einigermaen verwischt.
Ich achte den Mann, der sein Weib liebt.

Und ist wirklich keine Gefahr? fragte mich das Engelskpfchen, die Donna
nmlich. Ich versicherte sie, da keine sei. Sie flsterte ihm einige Worte
zu, und er, ihre Hand kssend, bat nochmals, uns begleiten zu drfen.
Die zwei sonderbaren Leutchen hatten sich auch bei Tische beinahe
ausschlielich nur mit einander beschftigt, und es schien ihm
gewissermaen eine Anwandlung von Eifersucht aufzusteigen, wenn die Donna
sich mit Julien oder Louisen lnger unterhielt. Ihr Gefhrte war eine
unbedeutende Person, die mit einer Art abgttischer Verehrung an dem Paare
zu hngen schien. Sie hatten sechs Diener bei sich.

Wir erhoben uns etwas frher von der Tafel, warfen uns in unsere
Wolldecken-Rcke, nahmen unsere Gewehre, und bestiegen die fr uns bereit
gehaltenen Pferde. Sechs Neger mit Pechpfannen und eine Koppel Hunde waren
vorausgegangen. Die Glocke schlug zehn, als wir aufbrachen. Es war eine
finstere, schwle Nacht; der Donner rollte her von Sden, und verkndete
den herannahenden Sturm, unsere tgliche Abendmusik in dieser Weltgegend;
die Atmosphre war in den ersten zehn Minuten unseres Rittes beinahe zum
Ersticken gewesen; dann erhob sich jedoch ein suselnder Luftzug in den
Baumwipfeln; der Donner brllte strker vom mexikanischen Busen herauf,
die ganze Atmosphre schien sich wlzend zum gewaltigen Elementenkampfe
zu rsten. Dann und wann scho ein zackigter Blitz aus dem schwarzen
Firmamente heraus durch die Bume hin, und der ganze Wald loderte
fr einige Sekunden in einer Zauberflamme auf. Wieder kam ein langer
leuchtender Strahl, und nher und nher rollte der Donner, aber ein Donner,
gegen welchen der des Nordens ein bloer Paukenschlag ist. Selbst unsere
Hunde fingen an zu winseln, und preten sich so nahe an die Pferde, als
sie nur konnten. Wir hatten ein dichtes Lorbeergebsche betreten, und der
Leithund war stehen geblieben und spitzte die Ohren. Sofort stiegen wir von
den Pferden und traten an die Hunde heran; zwischen uns die Neger mit ihren
Pechpfannen, und vor uns in der Entfernung von etwa zwanzig Schritten vier
leuchtende winzige Feuerballen, -- es waren die Hirsche, die mit rollenden
Augen das ungewohnte Schauspiel anstarrten. Wir legten an; der Creole und
ich nahmen den ersten, die zwei Mexikaner den zweiten. Wir schossen auf ein
gegebenes Losungswort, hrten ein rasselndes Niederschmettern, ein lautes
Krachen, und gleich darauf ein _Sacr!_ und _Damn ye!_ und _Diablo!_ und
_San Jago!_ Die sechs Pechpfannen waren zu und auf unsern Fen; der Creole
war zur Seite gesprungen, die Neger lagen vor Schreck auf dem Boden, und
die beiden Dons neben ihnen.

_Santa Vierge!_ rief Don Pablo; _Maledito Gojo, Senor Don Lopez_. Und sich
aufraffend, strzte er sich auf den jungen Mann: _Maledito Gojo! Nuestro
libertador Santa Anna!_ -- _Callate!_ rief ihm die heilige Anna zu.

Monsieur Menou hatte sich vorsichtig mit seinen Negern beim ersten Anschein
von Gefahr zu Boden geworfen; der junge Mexikaner hingegen, weniger
erfahren in diesem zuweilen gefhrlichen Nacht-Zeitvertreibe, war stehen
geblieben, und von dem aufgeschreckten Hirschen ber den Haufen gerannt
worden. Ich zog den heulenden Senor Pablo von seinem Gefhrten, und
untersuchte mit Menou, ob er Schaden gelitten. Sein Ueberrock war
zerrissen, und aus beiden Schenkeln begann Blut zu flieen; sie waren durch
die Geweihe des Hirsches aufgeschlitzt. Glcklicher Weise war die Wunde
nicht tief; sonst drfte ihn sein Fehlschu theuer zu stehen gekommen sein.
Wir hoben ihn auf den Rcken des Pferdes, und traten wieder den Heimweg an.

Es war Mitternacht, als wir mit dem todten Hirschen und dem verwundeten
Don vor dem Gitter des Parkes anlangten. Eine weie Gestalt im Fenster des
Mexikaners verkndete, da seine Gattin seiner noch warte. War es Vorgefhl
oder gewhnliche Weiberangst, sie kam die Stiegen herabgeflogen, und mit
dem Ausrufe: _Perdito!_ fiel sie beinahe ohnmchtig vor der Hausthre
nieder.

Um Gotteswillen! rief eine zweite weibliche Stimme, ein Unglck! Ist's
Howard? -- Es war Louise, die athemlos im Schrecken und im Nachtrckchen
aus ihrem Zimmer strzte.

Mein Gott, es ist nur der Mexikaner! Gott sei Dank! lispelte sie.

Dank, liebe Louise, fr Ihre Unbarmherzigkeit; sie macht mich glcklich!
Mit diesen Worten schlo ich das Mdchen in meine Arme, und drckte einen
Ku auf ihre Lippen.

Bsewicht! rief sie, ins Haus zurckeilend.

Ich folgte nun dem Zuge in die Zimmer des Mexikaners. Die bleiche
Marmorgestalt seines Weibes hing ber dem Verwundeten regungs-, bewutlos.
Es kostete Menou Mhe, sie von ihm zu bringen; doch der wohlthtige Creole
war schnell. Wo er seine Chirurgie gelernt hat, wei ich nicht; aber die
Sicherheit, mit der er die Wunden ausschnitt, ausbrannte und auswusch,
flte wirklich Vertrauen ein. Sie waren nicht gefhrlich, htten es aber
leicht bei der Hitze der Temperatur, der Thermometer schwankte zwischen
85 und 87, und dem Umstande, da sie von Hirschgeweihen herrhrten, werden
knnen. Nach einer halben Stunde trat er vor die bewutlose Donna Isabelle,
und verkndete ihr im zuversichtlichsten Tone, da ihr Mann in wenigen
Tagen wieder hergestellt sein wrde. Ich hatte whrend der Operation
eines der Lichter gehalten und konnte nicht umhin, die schne Gestalt
anzuschauen. Als ihr nun Menou die trstende Nachricht verkndete, richtete
sie ihre Augen mit einem so wahrhaft katholischen Blicke zum Himmel, da
ich wahrlich den Heiligen beneidete, dem sie dankte. Als ich das Licht auf
den Tisch stellte, fiel mein Auge auf ein herrliches Miniaturgemlde, das
sie selbst vorstellte; daneben lagen Briefe an Don Senor Lopez S--
A--, Mariscal di Campo; zwei oder drei hatten die Aufschrift:
Lieutenant-General. Das war denn der berhmte Heerfhrer Mexiko's, der
zweite Wrdige unter dem Generalgesindel dieser sein wollenden Republik.
Ich ging gedankenvoll meinem Schlafzimmer zu; allmlig drngte sich Louise
aus dem Hintergrunde meiner Phantasie hervor; das liebliche Mdchen hatte
denn gewacht, unruhig gewacht; auch sie hatte nicht schlafen knnen; auf
das erste dunkle Gercht von einem Unglcke hatte ihre beflgelte Furcht
den Namen erpret, den sie im Herzen trug. Ich hatte whrend meines ganzen
Hierseins gar nicht an Liebe gedacht; Alles war so geschftig in diesem
Hause, so rhrig, so beweglich; man hatte gar nicht Zeit, auf sentimentale
Gedanken zu kommen, -- nun kamen sie aber doch. Es thut einem acht und
zwanzigjhrigen Hagestolz, der so viele Krbe bekommen hat, da er
damit einen migen Handel treiben knnte, so wohl, sich im Herzen eines
siebzehnjhrigen Kindes gebettet zu wissen.

Sie konnte mich beim Frhstcke gar nicht ansehen; aber ich sah sie desto
mehr an. Wo waren doch meine Augen? Julie war allerdings zu corpulent fr
meinen _got_; doch Louise -- sie ist ohne Widerrede ein ganz herrliches
Mdchen; schlank, mit einer lieblichen Taille, nicht zu ppig, nicht zu
bretern, Milch und Blut im Gesichtchen, aus dem Schalkheit, Wohlwollen und
Huslichkeit blicken, ganz vorzglich schne Hnde, und ein Gestelle --
kurz, ich wurde nachdenkend. Mu doch sehen, wie es zu Hause aussieht,
dachte ich.

Wollen Sie mir geflligst Ihren Wagen bis an den Flu geben? fragte ich den
Creolen.

Von Herzen gern. Eine bloe Spazierfahrt, wenn ich fragen darf?

Nein, ein wenig weiter. Ich will sehen, was die Meinigen thun.

Uns verlassen? schrie Louise, und etwas langsamer Julie und die Mama.

Wenn Sie erlauben, so will ich in kurzer Zeit wieder so frei sein, Sie zu
besuchen; aber fr heute mu ich gehen.

Die Rosen waren von den Wangen Louisens gewichen, sie wandte sich, und ich
glaube, eine Thrne perlte ihr in den Augen.

Wir saen eine Viertelstunde, ohne da ein Wort ber unsere Lippen gekommen
wre. Der Creole sprach endlich: Sie schienen doch recht vergngt bei uns;
hat sich etwas zugetragen?

Etwas fr mich sehr Wichtiges; ich mu wirklich sogleich fort, war meine
Antwort.

Louise war aus dem Saale geeilt; ich folgte ihr, und fand sie ihrem Zimmer
zuschwankend.

Louise! rief ich. Sie weinte.

Ich verlasse Sie heute.

So habe ich gehrt.

Um mein Haus zu bestellen.

Mein Bruder thut ja dieses ohnehin, lispelte sie; warum uns verlassen?

Weil ich so bald als mglich ein ganz liebliches Zimmerchen brauche fr
mich und meine Louise. Wollen Sie mir in dieses als mein geliebtes Weib
folgen?

Sprechen Sie den Papa, lispelte sie, mit einem Freudenstrahle im lieblichen
Gesichte, und dann ihren zitternd verschmten Blick auf den Boden heftend.

Nehmen Sie sie, lieber Howard, sprach der Papa, der uns auf dem Fue
gefolgt war. Sie werden ein treffliches Weib haben.

Louise sank mir in die Arme, und die nchste Stunde war ich auf dem Wege
nach Hause.

So war ich denn nun verpfndet, und mein Hagestolzthum nherte sich
dem Ende. Die Wahl war vernnftig, das fhlte ich; Louise ist eines der
trefflichsten Mdchen: zchtig, klug, thtig, reizend und munter; unter
ihren Hnden gedeiht, wchst Alles; die Negerinnen behandelt sie wie
Schwestern, die Mnner wie Brder. Alle diese Grnde jedoch waren mir erst
nun klar geworden; noch gestern dachte ich des Mdchens so wenig wie des
Grosultans; der Gedanke, sie zur Frau zu nehmen, war wie ein Lichtfunke
durch mein Gehirn gefahren. Wird mich dieser Lichtfunke nie reuen? Ihre
ersten Tage werden wahrlich keine Honigmonde in meiner Wildni sein. -- Es
war Nachmittags vier Uhr, als ich anlangte. Beinahe wre es mir wieder wie
das letztemal gegangen; ich kannte meine Pflanzung nicht, wirklich nicht.
Die ungeheuern vom Sturm entwurzelten Stmme, die, acht bis zehn Fu im
Durchmesser dick, vor meiner Wohnung chaotisch gelegen, waren verschwunden;
mein Garten neuerdings, nur vergrert, mit einer eleganten Umzunung
versehen; um die Vorderseite des Hauses hatte sich eine Veranda erhoben, an
der zwei fremde Schwarze arbeiteten.

Ich stieg aus; der junge Menou kam mir zufrieden lchelnd entgegen.
Ich schttelte ihm die wackere Hand, und wies mit Verwunderung auf die
Reformen. Das sind Kleinigkeiten; aber ihre Cottonpresse kostet uns
Arbeit; sie war ganz hin.

Aus dieser tnte der Chorus von vierzig Stimmen im melancholischen
_Talla-i-hoe_ herber.

Und wie haben sie diese Wunder alle ausfhren knnen? fragte ich erstaunt.

Nun, Sie haben uns ja fnfzehn Leute gesandt, Vater lieh mir noch zehn der
Unsrigen, und so konnten wir schon etwas Tchtiges leisten.

Ich ging mit dankbewegtem Herzen durch die Gelnder der Umzunung der
Veranda zu. Sie war im elegantesten Geschmacke errichtet; die Jalousien
liefen acht Fu hoch auf der Ost-, Sd- und Westseite des Hauses herum;
die Nordseite war, wie gewhnlich, frei geblieben. Der Saal war mit
glnzend-blagelben Matten belegt; in der Einrichtung, meinte jedoch
der junge Mann, hatte Papa nicht vorgreifen wollen; nur was zwei Zimmer
betrifft, machten wir eine Ausnahme. Ich nherte mich voll Erwartens meinem
Schlafzimmer. Prachtvoll! Ein allerliebstes Bette, und zwar ein doppeltes,
als wenn sie die Katastrophe vorausgesehen htten, mit allem Nthigen
versehen; ein fnfzehnjhriges schwarzes Mdchen arbeitete noch an den
Moschetto-Vorhngen. Das ganze Haus war wie durch einen Zauberschlag
umgewandelt. -- Und wer hat den Plan zur Einrichtung dieses Zimmers
gegeben?

Das Mdchen ist Louisens Kammerzfchen, lachte Menou; sie wird wohl vom
Geiste ihrer Gebieterin inspirirt sein.

Die alte Sibylle kam mittlerweile an der Spitze meiner Unterthanen, die
frisch, munter und jubelnd einhertanzten. Es waren zehn Bursche und fnf
Mdchen darunter, die ich noch nicht kannte. Der junge Menou fhrte sie
mir nun als die Meinigen vor; sein Vater hatte sie fr mich, der ich das
Sklavenhandeln verabscheue, durch einen bewhrten Freund einkaufen und
hieher berschiffen lassen. Sie waren noch sammt und sonders, so wie die
Mdchen, ledig.

Ich blickte Menou bedenklich an. Die Creolen erlauben ihren Negern gewisse
Freiheiten, die unserm strengen sittlichen Gefhle schnurstracks entgegen
sind. Jedes meiner Paare war verheirathet, und selbst in meiner tollen
Wanderschaft hatte ich streng auf Zucht und Sitte gesehen. Der junge
Mann beschwichtigte meine Zweifel; die Mdchen waren unterdessen in der
ehemaligen Wohnung Mister Bleaks untergebracht, und die Bursche in zwei
Huserchen, die er bereits erbaut; acht andere waren im Baue begriffen. --
So waren denn alle meine Wnsche erreicht, und ich stand im wohnlichsten
Hause am Red-River. Ich segnete den Blitzesfunken.

Ah! sprach der junge Mann, es sind mehrere Briefe an Sie eingelaufen, die
ich ganz im Drange der Geschfte vergessen habe, Ihnen zu senden.

Ich erbrach sie. Es waren Briefe von Richards, der mich dringend bat, ihm
sogleich das Vergngen meines Besuches zu gewhren. In einem andern war er
noch dringlicher, und schien ganz verwundert, da ich so huslich geworden;
in einem dritten war mir angekndigt, da die schne Emilie als Mistre
Doughby zurckgekehrt, und als _Postscriptum_ beigefgt, da sie eine der
Zierden Bostons, eine Cousine mit sich gebracht.

Kein Wort jedoch wegen der aufgekndigten achttausend Dollars; das ist doch
wirklich sonderbar. Richards ist doch nicht so indifferent fr zeitliche
Gter, da seinen Groll zu verschmerzen, wo es seinen Beutel angreift. Hier
ist ein Punkt, sprach ich zu dem jungen Manne, dem ich nicht gerne eine
Ble geben wollte, der meine augenblickliche Rckkehr in Ihres Vaters
Haus erheischt.

Wirklich! rief der junge Creole verwundert aus.

Ja, augenblicklich; ich hre so eben ein Dampfschiff herauf kommen; ich
will sogleich fort. -- Er blickte mich verlegen an, Sibylle schttelte den
Kopf; aber es lag nun schon einmal in meiner ungeduldigen Natur: schnell
oder gar nicht. Ich winkte mit dem Tuche; es war der nmliche Red-River,
der mich vor acht Wochen nach Hause gebracht.

Mister Howard! rief der Capitain frhlich, freut mich, Sie wieder auf
meinem Verdecke zu sehen. Ihre Pflanzung sieht doch ganz prchtig seit acht
Wochen aus; Sie sind ein wahrer Wundermann.

So halb und halb, versetzte ich bescheidentlich.

Es liegt in unserer amerikanischen Natur etwas gewisses rein Praktisches,
das uns von allen Nationen der Welt auszeichnet, ein gewisser gerader,
gesunder Menschenverstand, der durch allen Flitter hin auf das Reelle
sieht, ein ehrenvoller, unabhngiger Geist, der nur dem Achtung zollt,
der sie verdient. Der reichste Miggnger, der Hunderttausende in seinem
Portefeuille mit sich fhrt, wird hier vergebens den Tribut erwarten, den
ihm die Hlfte seines Reichthums in andern Lndern zu Wege bringt. Kalt
und stolz geht die Mehrzahl an ihm vorber, um dem minder Bemittelten, der
seinem Kopfe und seinen Hnden sein Emporkommen verdankt, achtungsvoll ihre
cht republikanische Huldigung zu zollen. Es ist dieser freie mnnliche
Sinn, der in den letzten zehn Jahren die so gewaltige Staatsumwlzung zu
Stande gebracht, das Joch unserer erbrmlichen Aristokratie abgeschttelt,
und unserer Freiheit eine grndliche Existenz gesichert hat. -- Ich, der
reisende, als reich geltende Pflanzer war kaum bisher beachtet gewesen;
mein Aufseher galt mehr in den Augen meiner Mitbrger, als ich selbst. Die
Metamorphose auf meinem Besitzthume hatte eine pltzliche Ideenrevolution
hervorgebracht, und man drngte sich um mich herum und horchte jedem meiner
Worte, als wre ich einer unserer groen Reformatoren oder noch greren
Demagogen gewesen. Es that mir ein bischen wohl, das mu ich gestehen.

Auch diesmal langte ich Morgens bei der lieben Familie an; aber der Wagen
war vergessen, und ich, der ich die Strecke in raschem Trabe zurckgelegt,
dachte mir meines knftigen Schwiegerpapa's Residenz gute zehn Minuten
vom Landungsplatze. Es dauerte eine gute Stunde, ehe ich vor dem Hause
schweitriefend zur Verwunderung Aller anlangte. Und so schnell und so
zeitlich zurck? Doch kein Unglck gehabt?

Nein, erwiederte ich trocken; ich habe etwas vergessen.

Und was mag die sein?

Meine Louise! Ja gewi, fuhr ich gerhrt fort, ich fand bei meiner Ankunft
meine wste Einde in ein so liebliches Paradies verwandelt, da ich nicht
umhin konnte, sogleich zurckzueilen, um mein liebes Mdchen zu bewegen,
es mit mir zu theilen. Morgen, so Gott will, gehen wir nach New-Orleans, um
bei dem alten Pater Antoine und unserm werthen Rector vorzusprechen.

Aber es ist noch gar nichts gerstet, keine Ausstattung fertig, nichts in
der Welt, fingen hier die Ma und Pa an; lieber Howard, sein Sie doch nicht
nrrisch.

Unsere Yankeeinnen, lachte ich, wenn sie sechs Hemden und ein und ein
halbes Kleid haben, hpfen ins Brautbette, ohne sich zu bedenken.

Wohl, lat ihm seinen Willen, sprach Menou; wir wollen schon sorgen, da er
nicht zu kurz kommt.

Apropos, fragte ich, wie ist es doch mit den achttausend Dollars?

Ich habe Sie blo auf die Probe stellen wollen, ob Sie auch Festigkeit
haben, Ihr eigenes Glck zu wollen. Htten Sie mir dieses verweigert,
wahrlich, Louise sollte nicht die Ihrige geworden sein, und wenn Sie alle
Pflanzungen am Missisippi gehabt htten. Ich habe unterdessen das Geld
vorgestreckt.

Der Mann wird mit jeder Minute achtbarer. Dieser Abend verging mir, einer
der seligsten, die ich noch verlebte.

Am Morgen fuhren wir dem Dampfschiffe zu. Die Mama war zurckgeblieben;
Julie, wie es sich von selbst versteht, war zur Brautjungfrau auserkohren.
Gerne htte ich als meinen Assistenten den jungen Menou gebeten; doch der
war auf meiner Pflanzung vonnthen. Wir begrten ihn im Vorbeifahren und
fuhren dann weiter. Zum ersten Male blickte ich ohne bitteres Gefhl auf
das prachtvolle Schauspiel, das die reichen Ufer des gewaltigen Missisippi
darbieten; diese herrlichen Wohnsitze der Pracht, so ppig, so friedlich
aus den delicisen Hainen von Feigen-, Orangen- und Citronenbumen
hervorragend, den majesttischen Strom, der, mit Hunderten von Fahrzeugen
bedeckt, den entferntesten Zonen unsere Produkte zufhrt; die rastlose
Thtigkeit von Tausenden, die so friedlich, so vertrglich unter der
gttlichen Freiheit Banner Glck und Segen sucht und findet. Ja, es ist
ein erhebender Anblick, diese Pallste Hunderte von Meilen sich an einander
reihen zu sehen, wenn man an die Zeit zurckdenkt, wo das ganze Thal ein
endloser Sumpf gewesen. Und diese Zeit habe ich in meinen jungen Tagen
gesehen.

Es war ein heiterer Morgen, der uns zwanzig Stunden nach unserer Abfahrt in
die Hauptstadt unseres Staates brachte. Wir waren bei der Schwester Menou's
abgestiegen. Ich eilte so eben zu dem wahrhaft ehrwrdigen Pater Antoine
und dem nicht minder ehrwrdigen Rector, als ich an der Ecke der Kathedrale
mich am Arme ergriffen fhlte.

So eben recht, Richards, sprach ich; willst du mich im
Merchants-Coffeehouse erwarten? Ich bin in einer kleinen Viertelstunde
dort.

Aber warum diese Eile?

Frage nicht und warte.

Wir schieden. Vater Antoine lchelte und der gute Rector auch, als ich sie
zu Madame beschied. Ich eilte, um Richards abzuholen.

Weit du, da Clara schrecklich mit dir zanken wird; du magst dich nur
zusammennehmen. Arthurine Macpherson ist ein ganz herrliches Geschpf, und
sie hlt viel auf Clara.

Ja, weit du, da ich im Ernst gesonnen bin, mein Hagestolzthum aufzugeben?

Wohl, wir wollen sehen; wenn du dich gut auffhrst, so -- wollen wir dich
ein zweites Mal--

Prellen, dachte ich. -- Wir waren an der Thrschwelle angekommen. Mein
alter Freund sah ein wenig betroffen darein, als er Louisen erblickte, und
Vater Antoine und der Reverend ihre Glckwnsche begannen. Ich lchelte ein
wenig boshaft, und in wenig Minuten war ich der glckliche Gatte Louisens.




Christophorus Brenhuter

im Amerikanerlande.


Die folgende Geschichte ist aus dem Archive von Toffelsville gezogen,
welches Archiv von den wibegierigen Reisenden bis auf den heutigen Tag in
besagtem Toffelsville _No. I_, der Residenz von Barthel Brenhuter, dem
ehelichen Descendenten von Christoph Brenhuter, eingesehen werden kann
und mag. Wir referiren zu den zwei letzten Seiten der Familienbibel, unter
welcher das besagte Archiv verstanden ist, und welche Familienbibel, 1618
zu Nrnberg gedruckt (demselben Jahre, in welchem der famse dreiigjhrige
Krieg ausgebrochen), schon durch ihr respectables Ansehen und ihre Schwere
(sie ist mit messingnen Klappen, man knnte sagen, in Erz eingebunden)
jeden leichten Zweifel niederzuschlagen vollkommen geeignet ist.

Die Quellen unserer Geschichte sind daher ber jeden Verdacht erhoben, und
ihre Authenticitt wird noch mehr durch den Umstand erhht, da ein Extrakt
von dem mehrerwhnten Archive seinen Weg, durch welche Mittel, ist
uns unbekannt, in das Magazin eines westlichen Predigers[10], nun
bedauerlichermaen verblichen, gefunden hat. Wir sagen bedauerlichermaen,
weil der besagte achtbare Prediger in diesem seinem verblichenen Magazin
und andern Schriften, unter denen wir nur die westliche Geographie nennen,
ein Licht ber die Entstehung und den Fortgang der Niederlassungen
jenseits der Alleghanygebirge verbreitet hat, das mehr Belehrung ber diese
interessanten Staaten gewhrt und grndlichere Forschungen enthlt, als die
fnfhundert Reisebeschreibungen smmtlicher Europer zusammen genommen,
die unserm Lande und dessen Bewohnern die Ehre erwiesen, dieselben zu
schildern, nicht wie sie sind, sondern wie sie beide gerne haben mchten,
um ihren respectiven Allerhchsten Patronen und deren loyalen Unterthanen
weniger Herzklopfen zu verursachen.

    [10]: Flint, der zehn Jahre Prediger im Missisippithale gewesen.




Erstes Capitel.

Wie Christophorus Brenhuter und Jemima ODougherty zwei rothe Kolben
gezogen.


Ja, theurer Leser, solltest du ihrer einst berdrssig werden, dieser
unruhigen, revolutionairen, reformirenden, protokollirenden Welt, dann
gehe hin und lasse dich nieder in dem gesegneten Toffelsville, diesem
lieblichsten aller Drfchen -- Stadt sollte ich sagen[11], mit seinen
fnfzehn Husern, zerstreut ber einen Flchenraum von etwa zwei Meilen,
und seinen blauugigen Blondinen, die alle, du siehst es im ersten
Augenblick, einem und demselben Gropapa angehren. Es ist ein bischen weit
hin, lasse dich jedoch die nicht anfechten, wo es sich um die Ruhe deiner
Tage handelt. Wir mgen so gerne freundliche, ruheliebende Gesichter um uns
her sehen; und um dir zu beweisen, wie sehr wir dein Wohl am Herzen tragen,
so wollen wir dir eine Beschreibung dieses lieblichen Toffelsville mit
auf den Weg geben, und zum Ueberflusse die Geschichte ihres Grnders
Christophorus Brenhuter obendrein.

    [11]: =Stadt sollte ich sagen=, eine Anspielung auf die
    amerikanische Gewohnheit, selbst das kleinste Oertchen Stadt zu
    nennen.

       *       *       *       *       *

Es ist nicht hundert Meilen vom Zusammenflusse des Alleghany und des
Monongehala eine paradiesische Fluniederung, oder, wie wir es in der
Landessprache nennen, ein Bottom, auf allen Seiten vom Flusse und den
Flubergen eingeschlossen. So malerisch springen diese in den _belle
rivire_, wie die _Messieurs les Franais_ den Ohio bekanntermaen tauften,
als ob sich die Natur in einem ihrer wunderlichen Einflle recht so
vorgenommen htte, hier dem Mden ein trauliches, Menschenhndeln
unerreichbares Versteck aufzubauen. Die Rcken und Anhhen der sanft
sich wlbenden Berge sind bekleidet mit einem ppig frischen Wuchse
hundertjhriger Sycamores[12], Buchen, Wallnubume und Akazien, alle
verwoben durch die wilde Rebe, die so einen delicis duftenden meilenlangen
Baldachin bildet. Im Vordergrunde wlzen die beiden erwhnten Flsse, in
den Ohio vereinigt, ihre ruhigen Gewsser gleich Zwillingsschwestern dahin,
mit hie und da einem Boote, das sanft auf seiner Oberflche fortgleitet,
oder einem Dampfschiffe, das pfeilschnell hinfliegt, und alle die wilden
Bewohner der Buchten, Gnse und Enten, in Schwrmen aus ihren, von einer
Thrnenweide oder einem Sycamore berschatteten Verstecken aufjagt. Blo
ein einziger Pfad fhrt zur Oberwelt, auf dem man in sanften Windungen zum
Hochlande gelangt, wo Englnder und Irlnder, und Deutsche und Schotten,
und alle Sorten und Abarten sich diese sechszig Jahre zusammengenistet,
geheirathet und wieder geheirathet, und so in eine republikanische Brut
sich verschmolzen haben, so ruhig, so friedliebend, als wenn sie das _sine
qua non_ eines loyalen Berliners: Ruhe ist des Brgers erste Pflicht, statt
ihrer zehn Gebote adoptirt htten.

    [12]: =Sycamores=, Plantanen.

Wenn wir den Ausdruck gebrauchen, in eine republikanische Brut
verschmolzen, so wollen wir dadurch nicht bedeuten, da aller
Stammunterschied bereits gnzlich aufgehrt, und die ganze Sippschaft
gleichsam wie durch den Schmelztiegel in ein Totum gebracht sei; nein,
einen solchen prinziplosen oder, deutsch zu reden, allen Grundstzen
schnurstracks zuwiderlaufenden Wankelmuth lassen wir uns nimmermehr zu
Schulden kommen, und du magst noch immer, lieber Wanderer, wie oben gesagt,
den Schattirungen dieses multifarisen Ursprunges beim ersten Anblicke auf
die Spur kommen. Das deutsche Kindeskind hlt noch immer fest zu seinem
Sauerkraut, zieht noch immer sein Blockhaus[13], rauh und schlicht wie
er selbst, dem elegantern _framehouse_[14] vor; die Lieblingsfarbe seines
breitschigen Rockes ist noch immer hellblau; Strmpfe desgleichen,
mit hochrothen Zwickeln; auf seinen runden Schuhen prangen unverrckt an
Wochentagen seine messingenen, am Sonntage die Silberschnallen, mit dem
dato _A.D._1700 verziert, und seine Shne wandeln, wie frher ihre Vter,
in bocksledernen gelben oder gelb gewesenen Inexpressibles einher, am Knie
mit ledernen Riemen zugebunden.

    [13]: =Blockhaus=, ein aus gezimmerten Baumstmmen aufgefhrtes
    Haus.

    [14]: =_framehouse_=, buchstblich ein Gersthaus; das Gerste
    ist nmlich von Holz und die Wnde sind mit Kalk und Steinen
    ausgefllt.

Die Tyrannin Mode, oder, wie wir sie nennen, Fashion, hat hier nur wenig
Gelegenheit gefunden, ihr Reich zu erweitern, und ein simpler Stroh- oder
Seidenhut, mit einer noch simplern, selbstfabrizirten -- Robe lt sich so
ein Ding unmglich nennen -- sind alle die Netze, in denen die klugen Vter
es den Fruleins gestatten, ihre lndlichen Beaus einzugarnen.

Trotz des verstockten Widerstandes dieser starrkpfigen Deutschmnner
einer-, und des schnellen Fortschreitens ihrer anglo- und
hiberno-amerikanischen Mitbrger andererseits, leben doch die verschiedenen
Parteien in vollkommenem Einverstndnisse; ja, diese Verschiedenheiten
tragen vielleicht nicht wenig bei, ihrem ganzen Leben und Weben einen
gewissen Reibereiz, wenn ich mich so ausdrcken darf, zu geben, der
nirgends schrfer und angenehmer hervortritt, als bei ihren Lustbarkeiten,
gemeinhin _frolics_ genannt, zu denen sie sich nichts weniger als ungerne
herbeilassen, um eine halbe, und zuweilen auch eine ganze Nacht hindurch
sich ganz artig herumzutummeln, und dann einen halben Monat eben so artig
darber Glossen zu machen, just wie wir es im _haut-ton_ auch thun.

Viel liee sich ber diese _frolics_, zu deutsch Lustbarkeiten, sagen;
fr jetzt knnen wir jedoch in kein nheres Detail dieser wichtigen
Angelegenheiten eingehen. Eine derselben jedoch drfen wir nicht mit
Stillschweigen bergehen, zumalen dieselbe so innig mit unserer Relation
verbunden und gewissermaen ein Hauptbestandtheil derselben, ja noch mehr,
der Grund und die Veranlassung zu dem von uns zu referirenden Begebni
ist. Wir sagen, zu referirenden Begebni; denn unsere Autoritt ist keine
geringere Personnage, als einer der werthen Abkmmlinge unseres Helden,
und unser Bericht daher ganz so authentisch, wie es Tausende unserer
offiziellen Berichte nur immer sein knnen.

Die _frolic_, die wir nher zu beschreiben gedenken, ist eine _vulgo
Cornhusking-frolic_[15] genannt.

    [15]: =_Cornhusking-frolic_=, Wlschkornaushlsensfrhlichkeit,
    wird auf dem Lande durchgngig gefeiert. Die Nachbarn vereinigen
    sich und hlsen gemeinschaftlich aus; hufig beschliet ein Tanz
    die Arbeit.

Aber was ist eine Korn-, oder, deutlicher zu reden, eine
Wlschkornhlsensfrolik? Nichts ber eine klare, richtige Definition; sie
ist die Seele der Logik, und diese der Philosophie, wie weltbekannt. Nun
denn, eine _Cornhusking-frolic_ ist eine Versammlung von jungen Brgern
dieser unserer vereinten Staaten, und, nicht zu vergessen, Brgerinnen, die
zusammenkommen, um das Korn auszuhlsen. -- Du magst sie, lieber Leser, an
schnen, heitern Herbstabenden sehen, wie sie von allen vier Weltgegenden
her einem Punkte zustrmen, ber Zune, und die sind wahrlich bei uns kein
Kinderspiel, wegsetzen, durch Busch und Hecken dringen, und schlielich aus
der Wildni hervorbrechen, mit Backen roth wie der Vollmond, der so eben
seine Dunstatmosphre verlt, um dann einander die Hnde zu schtteln, da
die Gelenke krachen, und sich ganz ruhig unter und vor dem Dachvorsprunge
nieder zu lassen, im Vordergrunde einen Berg von Wlschkornkolben und
im Hintergrunde den alten Bambo, der die Festivitt mittelst seiner
musikalischen Bestrebungen zu krnen bestimmt ist, bis jetzt sich aber noch
auf der Ofenbank einem etwas lauten Schlafe berlt.

Und nun, lieber Leser, beliebe alle diese verschiedenen Umstnde deinem
Gedchtnisse, und noch besser, deiner Phantasie einzuprgen, und du wirst
ein _point de vue_ haben, von welchem dir unsere Relation nicht nur klar
und verstndlich, sondern selbst unbezweifelt und unwiderlegbar erscheinen
wird.

Es ist, so beginnt meine authentische Quelle, wohl an die vierzig
Jahre, da ein Kornhlsen in dieser Niederlassung, und zwar bei Jockel
Blocksberger, abgehalten wurde. Der jungen Leute gab es damals noch
nicht so vollauf, wie in diesen unsern fabrizirenden Tagen, und um ein
respectables Kornhlsen zu feiern, hatten die Jungens und Mdchen einen
Weg von fnf und mehr Meilen zu laufen. Bei dieser Gelegenheit, versichert
unser Dokument und Informant (denn wir haben beides, mndliche und
schriftliche Ueberlieferungen), liefen sie wirklich diesen langen Weg, und
viele noch weiter.

Unter denen, die in Folge geschehener Vorladung sich an diesem Abende
einfanden, waren ihrer vorzglich zwei, die mit nicht geringer Ungeduld
erwartet und mit groer Freundlichkeit begrt wurden. Das erste dieser
ungeduldig erwarteten Individuen war eine frische irische Mi, mit dem
sonoren Namen Jemima ODougherty, ein rundes, liebes Ding, so lebendig
und so schelmisch, als je eines seit Menschengedenken in den Hinterwldern
kokettirte, mit einem schalkhaften Gesichtchen, lieblich von Rosen
angehaucht, einem Schwanennacken und Busen, der schreckliche Herzklopfen
und selbst Wehen verursachte, graublauen Augen, die ihre Pfeile weit
richtiger abschossen, als der berchtigte Tecumseh[16] seine Kugeln, nicht
zu erwhnen einer kleinen Habichtsnase, ein bischen aufgestutzt, die eine
groe Portion irischer Lebensklugheit, und eine noch grere irischer
Keckheit und Starrsinnes vermuthen lie, wie diejenigen, so das Glck
hatten, mit ihr in nhere Berhrung zu kommen, ziemlich vernehmlich
zu wispern pflegten. Ihren eigenen leiblichen Vater, den alten Davy
ODougherty, kupfernasigen Andenkens, sah man oft und bedenklich den Kopf
schtteln. Armer Tropf! Wohl hatte er vollwichtige Ursache dazu, er, der
alle die Tage und Stunden seit seiner gesegneten Einsegnung mit seiner
Ehehlfte, einer Flaherty, Pantoffelheld gewesen, wie es ein Katholik in
der grnen Insel nur immer sein konnte; der gute Mann hatte jedoch dieses
Pantoffelregiment mit wahrhaft christlicher Geduld ertragen. Armer Narr! er
trstete sich immer, sein Beugen unter den Pantoffel seiner Ehehlfte
wrde ihm zu einigem Verdienste in Anbetracht der Unmglichkeit angerechnet
werden, in dem er sich erwiesenermaen befand, den Pantoffel Sr.
Heiligkeit, dieses Desideratum jedes frommen Katholiken, zu kssen. Wie
dem auch sei, der Geschichten und Geschichtchen auf seine Unkosten gab es
viele; da wir es aber unter unserer Wrde halten, Geschichten von
einem alten armen irischen Teufel zu erzhlen, so wollen wir sie mit
Stillschweigen um so mehr bergehen, als Gegenstand derselben den Weg alles
Fleisches gegangen. Ja, armer Narr, er ist im Schooe Abrahams oder sonst
irgendwo, diese vielen Jahre. Eines seiner Sprichwrter knnen wir jedoch
nicht umhin zum Frommen aller Ehemnner zu erwhnen, die in einem hnlichen
Prognosticon sich befinden. Oft hrte man ihn klagen, da sein Weib
halsstarriger geworden, sobald sie den Fu auf den Boden der Vereinigten
Staaten gesetzt, und da dieses Land der Freiheit ein wahrer Himmel fr
Weiber, ein Fegefeuer fr Liebhaber, und die Hlle selbst fr Ehemnner und
Pferde sei.

    [16]: =Tecumseh=, der berhmte Huptling der Shawneese-Indianer.

Doch kehren wir wieder zu unserer Mi Jemima ODougherty zurck.
Besagtermaen war sie ein wohlgemachtes, niedliches Ding, zum Verlieben
just recht; nicht ganz so geduldig wie Job, aber eben so arm; doch
trotz des Defektes zeitlicher Gter wute Jemima ODougherty es immer
so einzurichten, da sie zu groem Vortheile, ja zu solchem Vortheile
erschien, als selten verfehlte Eindruck zu machen, und, was mehr sagen
will, alle die Nuancen ihres Habillement waren richtig und immer, trotz
germpfter Nasen und scheelschtiger Blicke, bisher nachgeahmt worden.
Sie war ohne Widerrede die _fashionable belle_, und, zu ihrem Ruhme sei es
gesagt, sie hielt sich auf ihrem kritischen Posten mit mehr Umsicht, als
mancher Premier oder Souverain sich auf dem seinigen.

Bei gegenwrtiger Gelegenheit, sagt unsere Quelle, war sie angethan mit
einem bezaubernden Negligee von geflammtem Callico, ein grnseidenes
Tchlein um den besagten Schwanenhals und Busen geschlungen, so zchtig und
zugleich so liebreizend, als nicht fehlen htte knnen, kritischeren Beaus
gefhrlich zu werden, als die waren, welchen die Ehre ihrer Gesellschaft
fr besagten Abend zu Theil werden sollte.

Die denn war die erste Hauptperson. Die andere war ein Mister
Christophorus Brenhuter, oder, wie er gewhnlich genannt wurde, der
reiche Toffel, ein Junge, sechs Fu, sechs Zoll hoch, dem Anscheine nach
etwas lose in seinen Gliedmaen und ungeschlacht, aber zh, ledern und
nervig, trotz Einem; langsam in jedem seiner Schritte, mit einem Vacuum
in seinem Gesichte, und einem Maule, das einer hollndischen Yacht auf ein
Haar glich. Nebst diesen krperlichen Vorzgen -- und sie waren nicht zu
verachten, da er der Mann war, in offenem ehrlichen Kampfe irgend einen
durchzubluen, er mochte nun englisch, irisch, schottisch oder deutsch
sein, -- besa Toffel Brenhuter einen lieblich anzuschauenden Hof von
dreihundert Ackern, die obenerwhnte Ohio-Thalweite, mit einer steinernen
Scheuer, grnen Jalousien und einem roth angestrichenen Schindeldache. Zwar
war sein Wohnhaus nur aus gehauenen Baumstmmen ausgefhrt, vierzig
Fu lang, bei vier und zwanzig breit: aber die Umgebungen waren um so
gewichtiger, nmlich fnf Schweinestlle, zwei Wlschkornbehlter, ein
steinernes Wasserhaus -- wir halten es fr unerllich, in unserm Inventar
genau zu sein -- und vier Hhnersteigen. Das war jedoch nicht Alles;
sein verstorbener Vater hinterlie ihm nebst den erwhnten Immobilien
verschiedene Mobilien, und unter diesen zwei gewaltige Truhen, blau bemalt,
mit einem weien, roth eingefaten, blumenverzierten Quadrate auf dem
Deckel, enthaltend die Inschrift _A.D._1684. Beide Erbstcke waren
herbergebracht vom Schwarzwalde, und mit so vielen Stcken Leinwand
angefllt, da leicht die ganze Niederlassung mit hanfener Wsche htte
versehen werden knnen, nicht zu gedenken einer Variett von Rcken, die
sich gleichfalls in diesem Reservoir befanden. Was wir jedoch vorzglich
berichten mssen, sind zwei wollgestrickte Strmpfe, an der Ferse
abgeschnitten, mit ledernen Riemen an beiden Enden zugebunden, und doppelt
so viele spanische Dollars enthaltend, als er Acker sein nannte.

Diese collateralen Umstnde zusammengenommen, so war Christophorus
Brenhuter, man wird eingestehen, keine so ganz unwichtige Personnage, so
wenig, da er von den sorgsamen Mttern, nicht allein der Niederlassung,
sondern des ganzen Townships[17], fr die beste Partie angesehen wurde.
Langsam und unbeholfen, als er war, eine deutsche Erbsnde allem Vermuthen
nach, so fhlte er seine Wichtigkeit, und wenn er auf seinem Grauschimmel
bei einer _Farm_[18] vorbeitrabte, es war ein Thier volle achtzehn Faust
hoch, ein deutsches Lied sich pfeifend, der _Yankee-Doodle_ war damals noch
nicht in Aufnahme, dann schlug manches Blondinenherz lauter, und ihre Augen
schwammen beim Anblicke Toffels und seines gewaltigen Streithengstes, und
der unausbleiblichen Ideenassociation von seinen Aeckern und Rindern und
den zwei gewichtigen Strmpfen.

    [17]: =_Township_=, Stadtbezirk.

    [18]: =_Farm_=, Hof, Freigut.

Die waren denn gewissermaen die zwei Hauptpersonen des oft erwhnten
Kornhlsens, zu dessen weiterer Beschreibung wir unverzglich zu schreiten
gedenken.

Es fgte sich nmlich, da Jemima an die Seite Toffels zu sitzen kam.
Wie die sich zutrug, darber ist unsere Urkunde nicht im Reinen; so viel
scheint uns jedoch gewi, da er an diesem Zu- oder Unfalle nicht Schuld
war. Er war nmlich, wie wir bereits bemerkt, ein ziemlich groschlchtiger
Geselle, und da die Bnke, auf welchen die respectable Partie sich
niedergelassen, nichts weniger als bequem waren, so nahm er seinen Posten
auf einem Hickorystumpen. Jemima nun lie sich dicht an seiner Seite
nieder, zweifelsohne aus dem modesten Grunde, durch seine Hoheit vor den
heillosen Jungen verborgen zu werden. Ein ordentliches Mdchen wird und
soll diese kitzlichen Gesellen ferne halten, und Jemmy war ein solches
ordentliches Kind, und sie hielt diese Zierbengel denn ferne, ei, und das
mit all ihrer Macht. Toffel nun sa gleich einem ruhigen friedfertigen
Brger dieser unserer Vereinten Staaten, Wlschkornkolben aushlsend,
seines gewaltigen Rosses und anderer Rosse, seiner Rinder und Strmpfe, und
tausend anderer Dinge gedenkend, ausgenommen seiner niedlichen Nachbarin.
Die will jedoch nicht sagen, als ob diese Nachbarin auf ihn gedacht htte;
nein, bestimmt hatte Jemmy ODougherty keine derlei sndhaften Reizungen.
Ein christliches Gemth, wie das ihrige, wird aber immer Mittel und Wege
finden, ihre Absichten ehrbar durchzusetzen, und einem jungen Manne, wie
Mister Christophorus Brenhuter, ihren Antheil durch eine jener tausend
Aufmerksamkeiten zu beweisen, die zartfhlende Seelen mit einem solchen
Takte und immer zur gehrigen Zeit anzubringen wissen, und die deshalb
selten, oder nie ihre Wirkung verfehlen. Unsere Irin nun war ein derlei
zartgestimmtes Wesen, und sie hufte daher eine gewaltige Menge von Kolben
mit reger, freundlicher Hand vor ihrem Nachbar auf, so da er, gro und
ungeschickt als er war, nur seine langen Hnde auszustrecken brauchte, um
sie gemchlich auszuhlsen. Nun, war das nicht von der lieben Nachbarin
artig? und sollte Toffel dafr nicht billig seine Erkenntlichkeit an den
Tag gelegt haben? Es ist ja sonnenklar; Toffel hingegen hatte weder Augen
noch Ohren fr die freundliche Hand, und fuhr fort auszuhlsen, und da
er ein flinker Bursche in aller Arbeit war, so verminderte sich der
Wlschkornhgel zusehends, und er war wieder bemigt, sich zu biegen und
zu strecken, was denn fr einen sechs Fu sechs Zoll langen Deutschen keine
ganz erbauliche Affaire ist. Wieder fhlte Jemmy fr den armen Nachbar, und
obgleich ihre helfende Hand fr die Mhe, die sie so gromthig auf sich
genommen, mit keinem Drucke belohnt, ja, sie keines Blickes gewrdigt
worden war, so thrmte sie doch einen zweiten Hgel mit einer so reizenden
Beweglichkeit auf, versichert meine Autoritt, als jedermann entzckt
haben mte, der -- Augen hatte. Toffel jedoch hatte keine Augen, und sa
unbekmmert und unbewut auch bei diesem zweiten Sukkurse, und wieder fuhr
er fleiig mit dem Aushlsen fort, und wieder verschwand der Haufen, und
wieder hatte er sich zu biegen; aber jetzt lie man ihn lange sich biegen,
ehe man sich seiner Mhseligkeit und Trbsal erbarmte. Und doch, gute
Seele! konnte sie in die Lnge nicht ihrem edlen Herzen widerstehen, und
zum drittenmale kauerte sie sich herab, und sammelte ein paar Dutzend
Kolben in so bezaubernder Art in ihre Schrze, und dann wieder auf einen
Haufen vor ihn hin, da kaum zu widerstehen war; aber doch mit all ihrer
Grazie, verlat euch darauf, wrde sie wieder dem Blicke des dickkpfigen
Deutschen entgangen sein, wenn nicht ihr Auge, gerade wie sie sich so
zierlich hin und her wand, dem Toffel begegnet wre, und das ihrerseits,
sagten einige bse Zungen, so ausdrucksvoll und sprechend, da er die
seinigen zum erstenmale weit aufthat, ein sicheres Zeichen, da er sie
endlich gesehen hatte.

Ich glaube nun meine Leser warnen zu mssen, da sie nicht eine Reihe von
Komplimenten und, was noch schlimmer ist, verstohlene Blicke und furchtsam
verschmte Augensprache erwarten; nein, Toffel fuhr fort, sein Korn
auszuhlsen, dann und wann einen Schluck Whisky, und darauf einen
andern khlenden Quellwassers zu sich zu nehmen. Nun, war das nicht ein
langweiliger Geselle? Kein einziges Wort zu seiner lieblich wohlthuenden
Nachbarin zu sprechen! War es ein Wunder, da sie mde wurde, der Trgheit
eines so unempfindlichen Klotzes weitern Vorschub zu leisten? Gewi nicht.
So denn, als der dritte Haufe ausgehlset war, bekmmerte sich Jemmy um
Toffel Brenhuter nicht weiter, sondern blo um ihr eigenes Geschft,
sammelte ein Dutzend Kolben in ihre Schrze, und lie Toffel Toffel sein.

Edle Jemmy! wie wenig kanntest du deine Herzensgte? Du hattest nie einen
Roman gelesen, also deine Seele hatte sich nie in den Gemthern Anderer
abgespiegelt, und so warst du gnzlich unbekannt mit dem zarten Gewebe
geblieben, das Nchstenliebe in dein Inneres gewoben hatte. Du konntest den
langen Toffel zwar fr einige Minuten mit ansehen, wie er sich abmhte
und bog und blie, aber lnger konntest du es nicht aushalten. Erweichend
schobst du ihm ein paar Ohren von deiner Schrze in die Hand, und fuhrst
fort, ihn so einige Zeit zu untersttzen. Die konnte jedoch nicht ewig
whren; wer sollte es nicht mde werden, fr einen so Undankbaren eine
doppelte Last auf die Schultern zu nehmen, und besonders ein Mdchen wie
unsere Irin, die, wie alle ihre Schwestern, keine der geduldigsten war? So
wurde denn diese Espece von Unterschleifen auch seltener und seltener, und
Jemmy begngte sich, mit einem nachlssigen Winke Toffel auf ihre Schrze
hinzuweisen. Sonderbar, sagt unser Dokument, Toffel, der bisher statt
zweier ausgehlset hatte -- die Jungens trieben es auch gar zu arg mit den
armen Kindern -- Toffel fing pltzlich an inne zu halten, ja, das Dokument
deutet nicht undeutlich darauf hin, da seine zulangende Hand ziemlich
lange Zeit gebraucht, um den gar nicht langen Weg von benannter Schrze
zurckzulegen. Wie dem auch sei, Toffel fing an, sich ziemlich wohl
zu befinden, und hufiger denn zuvor einen Schluck zu nehmen, als das
neidische Geschick ihn auch dieses Trostes zu berauben drohte.

Es waren nmlich zwischen den brigen Gliedern der Gesellschaft schon seit
lngerer Zeit Blicke gewechselt und Worte geflstert worden, die gar
nicht zur Sache gehrten, und eine ungebhrliche Einmischung in die Rechte
unserer zwei Individuen nicht undeutlich verriethen, eine Einmischung, die
einem so zartlieblichen Wesen, wie unserer Jemima, so bewut ihrer reinen
Absichten, gar nicht angenehm sein konnte.

Arme Jemmy, wie bedauern wir dich! Nicht genug, deine edlen Hlfsleistungen
den halben Abend hindurch an einen unempfindlichen Staarblinden weggeworfen
zu haben, hast du auch noch den Undank, fr deine Bemhungen scheelschtig
angesehen zu werden. Doch Geduld, das Schicksal selbst wird bald zeigen,
auf welcher Seite Recht und Gerechtigkeit ist.

Das Kornaushlsen hatte schon geraume Zeit gedauert, und ein paar Stunden
waren wie Minuten verflogen, als das Schicksal es haben wollte, da die
beiden Nachbarn zugleich einen rothen Kolben zogen. Nun sei es kund und zu
wissen gethan, da es der hochlbliche Gebrauch in diesen unsern Vereinten
Staaten ist, da zwei rothe Kolben, gezogen und ausgehlset von zwei
Individuen, qualificirt wie Jemima O'Dougherty und Christophorus
Brenhuter waren, da ein solcher Zug dem Strkern das Recht ertheilt,
dem Schwchern nichts mehr noch weniger, als einen Ku zu geben, oder, nach
Umstnden, auch zu nehmen. Christophorus Brenhuter hatte daher einen
so guten Rechtstitel zu seinem Privilegium, als es nur irgend einen geben
kann; aber bei einem Haare htte er ihn verloren, so wie manche Rechtstitel
verloren werden. In der That hatte er bereits seinen rothen Kolben
ausgehlset fallen lassen, als Jemmy, wackeres Mdchen! Augen fr ihn
hatte. Zwei rothe Kolben! rief sie in naiver Bewutlosigkeit und gerade
noch zu rechter Zeit. Zwei rothe Kolben! ertnte es aus fnfzig Kehlen,
und die ganze Gesellschaft sprang auf die Beine, als ob der _thunder_ und
_blixen_ unter sie gefahren wre; selbst unser Toffel nicht ausgenommen,
obgleich er der Letzte war. Allmlig begann er die Ursache des Aufruhrs zu
begreifen, und sich in die Stellung zu postiren, die ihm die bestgeeignete
zur Versicherung und Erlangung seines ihm anheim gefallenen Rechtstitels
schien. Die war jedoch keine leichte Sache. Ob die Schnen ein
schlimmes Vorgefhl von den Wirkungen hatten, die ein solches sndhaftes
Aneinanderpressen der Lippen hervorzubringen pflegt, Partikeln des
menschlichen Leibes, die zu ganz anderen Endzwecken bestimmt sind, als
denen des sndlichen Kssens, oder ob der Neid sein Spiel trieb: gewi ist
es, die weibliche Schar formirte ein Quarr, das einem ganzen Bataillon
stdtischer Zierbengel Trotz geboten haben wrde. Toffel jedoch, der
rstigste Junge des Townships, war nicht der Mann, der sich durch eitle
Demonstrationen zurckhalten lie; khn, obgleich langsam, rckte er
auf die Verschworenen los, fate gemchlich eine und die andere seiner
Gegnerinnen, warf sie auf einen Hlsenhaufen zur Rechten, disponirte mit
einem halben Dutzend anderer auf einem zweiten zur Linken, und bahnte
sich so den Weg zu Jemmy O'Dougherty, die er, trotz alles Strubens
und Zwickens, erfate. Wacker, das mssen wir zu ihren Ehren gestehen,
vertheidigte sie sich; jedoch die strkste Festung mu endlich bergehen,
und so bergab sich auch unsere Irin, und wurde ruhiger und ruhiger, so
ruhig, da sie Toffel ungehindert seine zollbreiten Lippen auf die ihrigen
drucken lie, obgleich, da derselbe nun vom ganzen weiblichen Korps
angefallen wurde, sie leicht einem so sndhaften Contakte htte ausweichen
knnen. Einige der neidischen Schnen wollten bei dieser Gelegenheit sogar
bemerkt haben, da Toffel bereits auf dem Rckzuge begriffen gewesen, als
sie ihm noch einmal ihre rosigen Lippen darbot; unser Dokument erwhnt
jedoch nichts von einer derlei Anerbietung, und wir halten uns daher
berechtigt, solche Zumuthung als ehrenrhrig, ja verleumderisch zu
erklren.

Wir mssen nur recht sehr bedauern, da unser Dokument der weitern
Bewegungen unserer respectablen Gesellschaft auch mit keiner Sylbe
gedenkt, und uns so eine beneidenswerthe Gelegenheit raubt, unsere schnen
Leserinnen mit einigen neuen _pas_ oder einer Gallopade bekannt zu machen.
Unsere Autoritt bemerkt blo, da Toffels Seelenruhe bedeutend erschttert
worden war, und da er nach dem Frolic, worunter auch der Tanz zu
verstehen, nicht schlafen konnte, und da er zum erstenmale in seinem
Leben einen Traum hatte, er, der zuvor nie mit Trumen weder schlafend noch
wachend geplagt gewesen.

Wenn wir sagen, da Toffels Gemthsruhe bedeutend erschttert worden, so
wollen wir dadurch keineswegs bedeuten, da er umherging und den Namen
Jemima O'Dougherty in jeden Hickorybaum einschnitt, oder die Schferflte
blies, oder sonst irgend einen Unsinn trieb, wie die Helden Theokrits,
Virgils und Geners allzuoft thaten; nein, Toffel lie sich nichts derlei
in den Sinn kommen, und zwar aus neun und neunzig Ursachen. Was das
Einschneiden seines Namens betrifft, so konnte er blo deutsch schreiben,
und das kmmerlich genug; Jemima htte daher ihren werthen Namen und
Lobschrift nicht lesen knnen. Und wegen des Fltenblasens, so war in der
ganzen Niederlassung kein solches Ding, Flte benannt; der ganze Vorrath
von musikalischen Instrumenten bestand in einer Geige mit zwei Saiten, die
dritte war bei der erwhnten Kornhlsenfrolic bei Jockel Blocksberger
drauf gegangen; und eine Geige, das werden meine Leser sammt und sonders
eingestehen, ist keineswegs poetisch, im Gegentheil; -- und so fuhr denn
Toffel, in Ermangelung all dieses sentimentalen Stoffes, fort, seine Aecker
zu pflgen und seinen Weizen zu sen.

Und Jemmy? Je nun, sie war ein gescheides Mdchen, was unsere Leser bei
dieser Zeit gar nicht mehr in Abrede stellen werden, und sie wute, da der
Weizen nicht in einem Tage reife, und da Geduld und Arbeit und Zeit das
Maulbeerblatt umwandle ins Seidenkleid; und sah sie Toffel bei seinem
Pfluge, so lachte sie ihm laut ins Gesicht, und spielte mit den Mhnen
seines Grauschimmels, und warf dann und wann einen Seitenblick herber auf
den Deutschen. Und whrend Toffel seinen Weizen und Roggen in seine Aecker
sete, sete sie den ihrigen in sein Herz, und beide gediehen und wurzelten
und wuchsen, trotz Unkrautes auf der einen Seite, und Vorwrfe und
Vorstellungen seiner Basen auf der andern; er sollte ja seiner Familie
keine solche Schande anthun, und eine Irische heimbringen, die in der
weiten lieben Welt nichts htte, als eine glatte Haut und eine noch
glttere Zunge. Hat je einer so etwas in seinem Leben gehrt? Wahrlich, wir
sind herzensfroh, da ---- Doch ferne sei es von uns, aus der Schule zu
schwatzen.

Die respectiven Saaten wuchsen denn und gediehen, wie wir bereits erwhnt
haben, und als sie so eine Weile, trotz alles Unkrautes und Widerspruches
fortgewachsen waren, so sattelte einst Toffel an einem schnen
Decemberabende seinen Grauhengst, und trabte aufwrts den Windungen nach,
die damals und noch heut zu Tage von Toffelsville durch die Ohioberge nach
dem Oberlande fhren.

Lieblich waren die stattlichen Hfe anzuschauen, die Toffel auf seinem
Ritte passirte. Manches frische und, was mehr sagen will, vermgliche
Mdchen trieb ihr Wesen in diesen rauh aussehenden, aber wohnlichen
Mitteldingern zwischen Husern und Htten; von manchem schnen Munde tnten
ihm die Worte entgegen: Toffel! wohin des Weges so spt? Willst du nicht
herein? Doch Toffel hatte weder Augen noch Ohren und ritt weiter; und die
Hfe wurden allmlig rmlicher, bis er endlich auf eine Strecke Landes kam,
die mit Kastanieneichen berwachsen war, wo ihn seine Geduld zu verlassen
drohte. Er konnte nmlich diese Baumgattung, die er als einen Auswuchs des
unfruchtbarsten Bodens, und zwar mit Fug und Recht, betrachtete, nie ohne
Widerwillen ansehen. Und doch, Toffel, trabst du immer weiter! Bist du denn
so ganz unempfindlich fr weltliche Gter, so zwar, da du dich von den
bewuten Schelmenaugen bezaubern lssest, dieser lieblichen Hexe, die der
T--l selbst nicht zhmen knnte, die Vater und Mutter mit vieler Grazie zu
plagen und mit noch mehr zu peinigen wei, die, wie eine Katze, schmeicheln
und zugleich kratzen, weinen und lachen, Alles in derselben Minute, ja in
demselben Athem kann. Bedenke doch, lieber Toffel! halte ein auf deiner
Pilgerfahrt! Feuer und Wasser, Whisky und Sauerkraut, Wlschkornkuchen
und saure Milch, wie sollen diese sich vertragen? Wir halten es fr unsere
Pflicht, fr unsern Toffel zu denken, da er selbst nie ein groer Denker
war, und ihm gtig zu zeigen, was er zu thun hatte, just so wie manche
Zeitungs-Redactoren in ihrer prefreiherrlichen Qualitt fr unerllich
halten, Ministern klar und bndig darzuthun, was sie thun und nicht thun
sollen, ein halbes Jahr, nachdem die Sache gethan ist. -- Doch wo ist
unser Toffel? Nun, da finden wir ihn wieder auf dem drren Hgel von
Kastanieneichen, und zwar vor einem, wie sollen wir es nennen -- Bauwerke,
das aus den Indianerkriegen herzustammen scheint. Toffel schttelt sein
Haupt bedenklich; es ist des alten Davy O'Dougherty Haus, und ein armselig
gestaltetes Haus ist es, man mag es aufs Wort glauben. Regen und Wind haben
freiern Zugang in dasselbe, als die Bewohner selbst; die ist jedoch nicht
die schlimmste Seite in Toffels Augen; ist ja sein Haus selbst nur aus
Stmmen aufgezimmert. Aber dann seine Scheune? Sie sieht aus wie ein
Schlo, verglichen mit denen seiner Nachbarn; und Davy O'Dougherty hat
nicht einmal eine. Seine Umzunungen! es ist eine Snde und Schande sie
anzusehen. Ja, sein Hof ist ein armseliges Gemlde irischer Betriebsamkeit:
kein Gaul, kein Pflug; sein ganzes Agrikultursystem beschrnkt sich auf ein
paar handbreite Streifen von Kartoffeln und Wlschkorn.

Toffel warf einen langen, bedenklichen Blick auf Davy's unbewegliche
Gter, und schttelte seinen Kopf strker und strker, und pausirte.
Unglcklicherweise war seine Hand bereits auf der hlzernen Klinke; die
Thre ging auf, und, was konnte er Besseres thun? -- er mute hinein.
So eben sa der alte Davy O'Dougherty mit seiner Ehehlfte, einer
rothugigen, schielenden Matrone, und beinahe einem Dutzend rothkpfiger
kleiner Ungeheuer -- Jemmy nicht mit einbegriffen versteht sich -- ber
seinem Thee und Kartoffeln und Wlschkornkuchen; Toffel drckte seinen Hut
ein bischen strker ber die Stirne, nahm einen Stuhl, und postirte
sich vor das Kamin. Ausgenommen eine leichte Rthe, die Jemmy's Gesicht
berflog, und ein pfiffiges Blinzeln von Seite der Mama, trug sich in der
ersten Viertelstunde nichts besonderes zu, und unser Held drfte ziemlich
lange vor dem Steinkohlenfeuer gesessen haben, wenn er nicht ein deutscher
Mann gewesen wre; da er jedoch ein chter deutscher Mann war, und somit
seine Geruchsnerven nicht wenig durch den Steinkohlendunst und die aus dem
Theekessel und von den Kartoffeln und Gurken sich entwickelnden Dmpfe ins
Gedrnge kamen, so erhob er sich zweifelsohne, um eine weniger von Dnsten
geschwngerte Atmosphre zu suchen. In diesem Unternehmen jedoch war
er unangenehmer Weise durch einen seiner Fe prokrastinirt, der so
unglcklich war, sich in den ziemlich vom Zahne der Zeit benagten Teppichen
zu verfangen, und der, so zurckgehalten, dem andern nicht nach wollte, was
denn zur unausbleiblichen Folge hatte, da Toffel der Lnge nach auf
den Boden hintaumelte, und nahe daran war, das Tischtuch und den ganzen
Reichthum des alten Davy in Fayence mit sich zu nehmen. Jemmy brach in ein
lautes Gelchter aus, sprang auf und schlpfte in die Kche.

Toffel richtete sich mhsam auf, blickte auf die verwnschten Oeffnungen
in den Teppichen, kratzte sich im Kopfe, sah dann den alten Davy, und
seine Ehehlfte, und schlielich die Thr an, durch welche er in sein
gegenwrtiges Dilemma gekommen, ohne die zweite, nmlich die Kchenthr,
durch welche Jemmy verschwunden und durch die er in ein vielleicht noch
verwickelteres einzugehen so eben im Begriffe war, auch nur eines Blickes
zu wrdigen. Er pausirte lange; nochmals sah er auf die Hausthr, und
vielleicht htte sein guter Genius obgesiegt; aber in diesem entscheidenden
Momente ffnete sich die verwnschte Kchenthr, und Jemmy's Schwanenhals
streckte sich dazwischen, und die entschied. Toffels rechter Fu
bewegte sich unwillkrlich, dann sein linker, und schlielich schob
sich Christophorus, ganz wie er leibte und lebte, durch die Thr vor's
Kchenfeuer, dem gewhnlichen _rendez-vous_ fr alle derlei wohlbewuten
Affairen. Jemmy stberte unterdessen zwischen und unter den Tpfen,
Kesseln, Zubern, Aepfeln und Pfefferfestons herum, wahrscheinlich, weil
sie nichts Besseres zu thun hatte. Da jedoch die Kchengerthe von
Mistre O'Dougherty in einem nur zu genauen Verhltnisse zu ihres Mannes
Agrikulturutensilien standen, so konnte ein derlei Herumstbern nicht ewig
dauern, und da sie es endlich berdrssig war, mit den drei Tpfen und
Kesseln sich zu unterhalten, so setzte sie sich gleichermaen vor das
Kaminfeuer an die Seite Toffels hin.

Nun wollte ich wetten, einige meiner schnen Leserinnen werden arger Weise
vermuthen, da ein solches Beisammensitzen verschiedene Bewegungen und
Rhrungen zur Folge gehabt habe, als da sind: Hndedruck und Errthen und
Seufzen und Herumschlagen des Armes um den Nacken, und derlei Albernheiten.
Wir protestiren jedoch feierlichst gegen alle solche se Regungen,
fr welche beide, die anregenden und die angeregten, die Ruthe tchtig
empfangen sollten. Nein, Toffel war ein ganz anderer Mann, wie wir bald
ersehen werden.

Eine Viertelstunde mochte bereits verflossen sein, und noch war kein
unziemlicher Gedanke ihm durchs Gehirn oder ber die Zunge gekommen.
Die einzige Freiheit, die er sich erlaubte, bestand darin, da er seinen
mannigfaltigen Hut auf das rechte, und dann auf das linke Knie, und zur
Abwechslung wieder auf das linke und dann auf das rechte hing. Zuletzt
jedoch fate er Muth, und, seiner Nachbarin starr in's Gesicht schauend,
fragte er sie englisch (Toffel hatte bereits englisch gelernt, wie unsere
Leser sehen werden): _Weder she wouldnd hab him for a hosband?_ (~whether
she would'nt have him for a husband?~)[19] Die Antwort auf diese wichtige
Frage, obwohl keine dritte Mittlersperson zugegen war, hat unser Dokument
buchstblich aufbewahrt. _Are you crazy,_ erwiederte sie; _what should I
do with a Dutchman?_[20] Harte Worte! wirklich harte Worte, besonders
wenn ausgesprochen von einem spitzen irischen Mulchen. Armer Toffel! du
kanntest die Arglist der kleinen Hexe nur allzuwenig, die feilschend erst
ihre Waare, nach der doch alle ihre fnf Sinne gelsteten, herabzusetzen
gedachte, um sie dann desto wohlfeileren Kaufes zu erlangen. Was sollte
ich mit einem Deutschmanne thun? Denkt nur eine solche Frage, und von einem
solchen Dinge, als Jemima O'Dougherty, zu einem Manne wie Toffel, sechs
Fu sechs Zoll hoch, mit dreihundert Ackern und zwei vollen blaugewirkten
Strmpfen! Gerade als ob du irgend ein _Dandy_[21] von Broadway, oder ein
_Paddy_[22] gewesen wrest, herbertransportirt in der _Steerage_[23] in
diese unsere Vereinten Staaten, zum Leidwesen unserer tausend und einen
Temperanz-Gesellschaft. Ehekandidaten sammt und sonders! Gedenkt dieser
Worte, und sollte euch je bei einem hnlichen Vorfalle eine gleiche oder
hnliche Antwort zu Theil werden, dann pausirt; pausirt aber nicht vor
dem Kchenfeuer, sondern in euerm Ansinnen, und reitet des Weges, den ihr
gekommen seid.

    [19]: Ob sie ihn nicht zum Ehemann haben wollte.

    [20]: Seid ihr nrrisch? Was sollte ich mit einem Deutschlnder
    thun? -- _Dutchman_, obgleich es einen Hollnder in der englischen
    Sprache bedeutet, wird gemeinhin auf jeden Deutschen angewandt.

    [21]: =_Dandy_=, ein Stutzer.

    [22]: =Paddy=, Diminutiv von Patrik; die Irlnder werden spottweise
    Paddy's, von ihrem Schutzpatrone, genannt.

    [23]: =_Steerage_=, Passagier, Verdeckpassagier.

Toffel Brenhuter war ganz und gar kein stolzer Junge, aber die fragende
Antwort hatte ihn aus dem Concepte gebracht, und, seiner Wrde bewut,
richtete er sich klafterlang in die Hhe, schob seinen Hut ber die Ohren,
ein wenig mehr ber's rechte, und noch einmal in der Kche umherschauend,
schickte er sich an, selber, und somit allen seinen Heirathsplanen,
Lebewohl zu sagen, als die schlaue Dirne zwischen ihn und die Thre
trippelte, und, seine Hand erfassend, fragte: _And if I take you, will you
promise to be a good child?_[24]

Eine andere verfngliche Frage, ber die ein solcher Ignoramus, wie Toffel,
wohl in Verlegenheit gerathen konnte; und er gerieth wirklich in diese.

_Bray_, erwiederte er in demselben klassischen Englisch, _bray, wadd do you
minn by dat?_ (~Pray, what do you mean by that?~)[25]

_You are a fool_, versetzte Jemmy lachend, _well! I will take you and make
a man out of a Dutchman._[26]

_Well, well!_ beschlo der ehrliche Toffel, _den dat is seddled_ (~then
that is settled~)[27]. Und mit diesen Worten ergriff er seines Mdchens
Hand, schttelte sie, und schritt zur Kchenthre hinaus ins Freie auf
seinen Grauhengst zu, ohne auch nur eine Minute lnger beim verfhrerischen
Kaminfeuer zu verweilen. Nun? war unser Toffel bei alledem nicht ein
ehrenfester Junge?

    [24]: Und wenn ich euch nehme, versprecht ihr, ein gutes Kind
    werden zu wollen?

    [25]: Bitte euch, wie versteht ihr die?

    [26]: Ihr seid ein Narr; wohl will ich euch nehmen, und einen Mann
    aus einem Deutschen machen.

    [27]: Wohl, wohl! so wre denn die in Richtigkeit.

Den folgenden Tag hatte sein Grauschimmel eine trbe Zeit. Er mute zum
ehrwrdigen Caspar Ledermaul, dem Lutherischen Prediger, dereinst gewesenem
Mitgliede der lblichen Schneiderzunft zu Trippelswalde im Baireuthischen,
der seit seiner Niederlassung die Nadel mit der Kanzel zu vertauschen sich
berufen gefhlt, und der nun vielerwhnte Braut und Brutigam zu vereinen
berufen werden sollte.

Zuvor jedoch hatte er noch die Protestation von Jemmy zu hren, die von
Sr. Wohlehren Caspar Ledermaul, so wie von keinem der Lutherischen Prediger
etwas hren wollte. Toffel jedoch bedeutete ihr trocken, da sein Vater von
einem Lutherischen Minister eingesegnet worden wre, da sein Grovater das
gleiche Schicksal gehabt habe, und da er es auch haben wolle, und da er
von dem Segen eines Friedensrichters gerade so viel hielte, als ob er gar
nicht ausgesprochen wre, und da er sich gar nicht verheirathet gedenken
knnte, wenn es nicht von und durch Caspar Ledermaul geschhe. Und Jemmy,
obwohl verstockt in allem Uebrigen, gab in diesem Punkte nach; Herr Caspar
Ledermaul vereinigte ihre Hnde, und die ganze Niederlassung kam, den
Brautkuchen zu essen, und alle Welt lebte hoch auf.

       *       *       *       *       *

Hier nun endigt sich der erste Theil unserer Relation, wobei wir
schlielich den Unterschied zu bemerken nicht umhin knnen, der zwischen
unserer wahren, documentirten und einer gewhnlichen Geschichte obwaltet,
maen eine gewhnliche Geschichte, Roman oder Novelle genannt, nun enden
wrde; denn da Christophorus Brenhuter am Ziel seiner Wnsche, das heit
mit Jemima O'Dougherty zu Freud und Leid vereinigt ist, wozu sollte eine
weitere Ausdehnung dieser ohnehin gedehnten Geschichte wohl dienen? So
wrde ein gewhnlicher Geschichtschreiber wohl schlieen und schlieen
mssen; nicht so aber wir, die wir Dokumente vor uns haben, die gerade
da wichtig zu werden anfangen, wo jenen der Faden ausgeht. Ihr
derohalb gnstigen Leser, die ihr Geduld gehabt, mit uns durch diese
Quasi-Prliminaria zu gehen, beliebet gnstig weiter zu schreiten, in der
Hoffnung, da eure Mhe nicht unvergolten belassen sein wird, wie die Folge
darthun mag.




Zweites Capitel.

Wie Christophorus Brenhuter zur Meeting gegangen und geritten, und wie
Jemima O'Dougherty vom groen Ro geworfen worden.


Christophorus Brenhuter hatte sein ein und zwanzigstes Jahr noch nicht
vllig zurckgelegt, als sein Honigmond mit der achtzehnjhrigen Jemima
begann, und zur Ehre Toffels sei es gesagt, er bernahm sich nicht bei der
Feier desselben. In Saus und Braus zu leben, war ohnehin seine Art nicht,
wie wohl bekannt; er hatte daher auch keine Anwandlung, Mistre Brenhuter
in die gute Gesellschaft zu Saratoga einzufhren, und bei dieser
Gelegenheit die zwei blauen Strmpfe zu leeren. Nein, Toffel hatte fleiig
auf seinem Hofe vor der Hochzeit gehaust, und er fuhr fort, dasselbe auch
nach derselben zu thun; seine Aecker gingen ihm ber Alles, und diese
gehrig zu traktiren, verstand er so grndlich wie irgend einer; ja
grndlicher, -- Dank sei es der heilsamen Erziehung und den heilsameren
Lehren und Ermahnungen und handgreiflichen Argumenten, die ihm alle Tage
seines Lebens, und noch am Sterbebette von Zebediah Brenhuter waren
beigebracht worden. Am ersten Mrz sprach dieser mit zitternder Stimme:
Vergi nicht, Toffel, auf deinen Zucker, und bohre nicht zu tief in die
Ahornbume; am ersten Mai soll dein Wlschkorn im Grunde, am ersten Juli
dein Heu aufgeschobert, am ersten August mu dein Waizen und Roggen in der
Scheune, dein Buchwaizen eingeset sein. Nchstes Jahr, stotterte der arme
Sterbende, gedenk an mich und heie mich etwas, wenn die hessische Fliege
nicht in's Getreide kommt. Du kennst das Recept; und gegen den Wurm im
Herbst: _Camphor_ und _gran_ ---- Hier verlie ihn seine Stimme; nochmals
raffte er sich auf, und stie ein abgebrochenes _spirit_ -- _aether_ --
heraus, dann schnappte er nach Athem; es erfolgte jedoch eine Pause, und
zwar eine lange Pause -- der werthe Zebediah Brenhuter hatte ausgeathmet.
Toffel wischte sich eine Thrne vom Auge, und fing an, statt alles
berflssigen Trauerns, wozu er ohnehin keine Zeit gehabt htte, die Lehren
seines Vaters auf seine eigene Faust hin zu praktiziren, und da er sie oft
genug gehrt und angewandt gesehen, so gelang ihm dieses auch ber alle
Maen, und er war, obgleich noch jung, ein tchtiger Landwirth geworden,
der nicht selten von alten Nachbarn um Rath gefragt wurde.

Was nun Mistre Brenhuter betrifft, so war sie im Grunde kein unebnes
Mdchen gewesen; sie konnte daher auch kein gerade schlechtes Weib sein;
im Gegentheile. Immer hatte sie jedoch ein Item, und ein bses Item war
dieses, eine Espece von irischer Teufelei, die sie nie ruhen lie, bis
der arme Toffel ihren Willen gethan, und, was schlimmer war, wenn der arme
Toffel ihn gethan hatte, dann war es wieder nicht recht, da er ihn gethan;
mit einem Worte, da er keinen eigenen Willen hatte. Es half nichts, wenn
er sie anstarrte und zu brummen anfing, falls ihr irisches Zngelchen zu
gelufig wurde; sie kehrte sich nicht im geringsten nach ihm, noch an seine
weit- und breitschweifigen deutschen Epithete: Verflucht! Schwere Noth!
Kreuzsapperment! Teufelsweib! -- sie hatte in der That die H--n an. Nach
seiner eigenen Weise lebte jedoch unser Paar so ziemlich glcklich; sie
trank ihren Thee, er seinen Whisky und saure Milch; sie machte Butter und
Kse, er Zune, schor die Schafe, pflgte und sete, und zog Klber und
Fllen auf, und nach Verlauf von zwlf Monaten band er einen dritten
blaugestrickten Strumpf, mit Silberdollars angefllt, an beiden Enden zu.
Ein junger Brenhuter hatte seine Aufwartung gleichfalls gemacht, ein
glorreiches Specimen der teuto-hibernischen Brut; mit einem Worte, Toffel
hatte, Alles zusammengenommen, immer Ursache, sich zu seinem rothen Kolben
zu gratuliren. Er liebte sein Weib wahrhaftiglich, und nach seinen Rossen
behauptete sie unbezweifelt den ersten Rang in seinem Herzen, seine Dollars
erst den zweiten, oder, von seinen Rossen an gerechnet, den dritten.

So waren, wie gesagt, zwlf Monden verstrichen. Es trug sich nun nach
Verlauf dieser Zeit zu, da ein Missionair in die Niederlassung kam, in
der lblichen Absicht, den guten Leuten einen nhern und gewissern Weg zur
Himmelspforte zu zeigen, als der sein sollte, welchen sie bisher unter der
Leitung des ehrwrdigen Caspar Ledermaul gewandelt waren, vorausgesetzt,
sie wrden ihre Ohren und, was nicht minder wichtig, ihre Hnde nicht
halsstarrig seinen eindringlichen Ermahnungen verschlieen. Um seinem
preiswrdigen Vorhaben den gehrigen Impuls zu geben, so hatte er
eine Meeting[28] angekndigt, nachdem er sich zuvor bei der in solchen
Angelegenheiten stimmfhrenden Partei, den Damen, Raths erholt hatte.

    [28]: =_Meeting_=, Versammlung, wird jede Zusammenkunft genannt,
    sie mag nun politischer oder religiser Natur sein.

Mistre Brenhuter war natrlich zuerst um ihre Beistimmung und ihr
Patronat ersucht worden, da sie ohne Widerrede als die Stimmfhrerin des
Geschlechtes angesehen werden konnte. Als Erwiederung des schmeichelhaften
Komplimentes hatte Madame beschlossen, da der jngere Brenhuter
vom ehrwrdigen Kandidaten fr die Predigerstelle, Gott wei welcher
Denomination, getauft, und da der ltere seinen Stammhalter auf seinen
Armen in die Versammlung transportiren sollte.

So weit wre nun Alles recht gewesen, und wir haben keine Einwendungen
gegen diese Arrangements zu machen, und auch Toffel hatte im Grunde
keine; immerhin war jedoch seine Zustimmung nicht von der Art, wie sie der
schlichte Deutsche sonst von sich gab. Es war, als ob ihm etwas ahnete,
ein gewisses ngstliches Vorgefhl schien in ihm aufzudmmern, als er ihren
Ausspruch hrte; er ging offenbar mimuthig dem Stalle zu, um die Pferde,
ihrem Befehle gem, zu satteln. Wem galt dieses Vorgefhl? Galt es der
Mistre Brenhuter oder seinem gewaltigen Grauschimmel? Eine wichtige
Frage; zu wichtig fr uns, und deshalb blo billig, da wir sie der
Grndlichkeit seiner landsmnnischen Philosophen berlassen, und zu ihm,
unserm Toffel zurckkehren. Mistre Brenhuter nun hatte so viele Vorliebe
fr den Grauschimmel gezeigt, eine so sonderbare Vorliebe, da sie absolut
kein anderes Pferd besteigen wollte. Freilich waren sie bloe Katzen,
verglichen mit dem allgewaltigen Ro, kaum vierzehn Faust hoch; doch waren
sie immerhin gro genug fr sie, da sie ja selbst keine Riesin war.
Die beiden Eheleute waren noch nie im Verlaufe ihres Ehejahres zusammen
ausgeritten, und obwohl er jederzeit brummte, wenn sie darauf bestand,
den Grauschimmel zu ihrem Besuche beim alten Davy zu haben, so hatte ihr
bestimmt ausgesprochenes Wesen ihn nie zu einer Weigerung ermuthigt; dieser
Tag jedoch war fr ihn von groer Wichtigkeit; die ganze Nachbarschaft kam
gewi zusammen, und das im glnzenden Aufzuge. Toffel war allmlig auch
ehrgeizig geworden, und aspirirte zu ffentlichen Aemtern. Man hatte ihm
bereits das Wegmeisterthum anvertraut; er dachte nun an etwas Hheres, und
sollte er nun auf einer seiner Mhren dahergetrabt kommen, er, der stets
seinen Kopf so hoch getragen, wenn er auf seinem Hengste sa? Was wird
die Welt von ihm denken? Ohnehin war es bereits umhergeflstert, da er
ziemlich dem alten Davy in die Fustapfen getreten sei, kme er nun ----
nein, der Gedanke war unertrglich; er sah bereits das Hohnlcheln seiner
Bekannten und Bekanntinnen, Freunde konnte er sie seit seiner Heirath kaum
mehr nennen; er hrte ihr Wispern und Flstern. Sein Weib kam gerade aus
der Hausthr mit dem Jungen, als er die Pferde aus dem Stalle fhrte;
er wagte es kaum, einen verstohlenen Blick auf sie zu werfen, und dieser
verstohlene Blick belehrte ihn, so wenig er Physiognom war, da nichts,
gar nichts fr ihn zu hoffen stand. Auf ihrer Stirne sa ganz und gar der
unbeugsame irische Trotz, die unausstehliche Keckheit, die seinen Kredit
bei seinen Nachbarn fr immer zerstren, und ihm das frchterliche Epithet
des grten aller Pantoffelhelden auf ewige Zeiten zu eigen geben sollte.
Mit Furcht und Zittern fhrte er die beiden Gule dem Hause zu; seine
schlimmsten Erwartungen sollten leider nur zu bald gerechtfertigt werden,
als Mistre Brenhuter ihm seinen Toffel hinhielt, dann auf den Klotz
eines Hickorystammes sprang, mit der einen Hand den Zgel des Grauschimmels
erfate, und mittelst der andern sich in den Sattel schwang. Da sa sie
nun auf dem ungeheuern Thiere, das leibhafte Ebenbild eines schadenfrohen
Pavians, der sich so eben anschickt, die Langmuth des geduldigen Dromedars
auf eine harte Probe zu stellen. Toffel sah mit offenem Munde und starren
Augen zu. Der Rcken dieses Thieres war sein Stolz, sein Thron, sein Alles
gewesen, und daneben stand die Mhre, kaum vierzehn Fu hoch. Er mochte
eben so wohl zu Fue gehen, als sie besteigen; seine langen Beine muten
unfehlbar daneben herschleifen. Toffel war ein geduldiger, herzensguter
Junge, der gewaltig viel ertragen konnte; aber bei dieser Gelegenheit wurde
ihm der Spa doch zu rund, und seine praktische Philosophie wollte nicht
mehr auslangen. Seine Augenbraunen zogen sich zusammen, und es hatte
wirklich das Aussehen, als ob der feste Entschlu in ihm aufkeimte, nicht
nachzugeben.

_My hard!_ sprach er nach einem langen Kampfe, whrend sie das Ro
wandte, ohne seinen Jammer auch nur eines Blickes zu wrdigen. _My hard!_
wiederholte er, _I bray you, dke dat little orse, and let me rite my big
one_ (~My heart! I pray you take that little horse and let me ride my big
one~)[29].

_Toffel!_ erwiederte seine Ehehlfte im Tone uersten Erstaunens ber
seine Verwegenheit, whrend eine Feuergluth die Wangen roth und das Nschen
grn frbte: _Toffel, surely you aint such a fool, as to think of that just
now!_[30]

_Yes_, erwiederte ihr nur zu geduldiger Ehemann, _I am dat fool just now. I
am a big body, and if I rite dat Irish heifer, I walk and rite all at once_
(~I am fool just now, I am a big man and if I ride that Irisch heifer I may
as well walk as ride~)[31].

    [29]: Mein Schatz, ich bitte dich, den kleinen Gaul zu nehmen, und
    mich meinen groen reiten zu lassen.

    [30]: Toffel, sicherlich bist du nicht ein solcher Narr, auf die
    gerade jetzt zu denken!

    [31]: Ich bin dieser Narr, ich bin gro, und wenn ich diese irische
    Katze reite, so reite und gehe ich zugleich.

Seine Worte, sein Blick machten die Dame stutzen; es war Emprung
gegen ihre oberherrliche Gewalt darin zu lesen, ihre ganze knftige
Pantoffelgewalt hing von ihrem gegenwrtigen Entschlusse ab. So mochte sie
sich einbilden, und in dieser Einbildung lste sich ihre Zunge; ihre Stimme
stieg einen Ton hher, und sie berschttete unsern armen Toffel mit einem
solchen Schwalle irischer Lobreden, da der arme Ehemann, seinen Hengst
aufgebend, sich ber Hals und Bein in die Stube retirirte. Nie in seinem
Leben hatte der arme Junge sich so gedemthigt gefhlt, als wie er sie, mit
dem Ausdrucke der tiefsten Verachtung in ihren Zgen, dem Rosse einen Hieb
geben sah, der die Reiterin in zwei Stzen aus dem Hof und durch das Gatter
brachte. Toffel starrte ihr einen Augenblick mit offenem Munde nach, und
bestieg dann seufzend sein Kalb, seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen.

Und hier knnen wir nicht umhin, ein Wort zum Besten all der unter dem
weiblichen Regimen stehenden Ehemnner um so mehr einzuschalten, als selbes
gar nicht bel gemeint ist. Nein, wir sind weit entfernt, uns in eine
husliche, oder, was noch schlimmer ist, in eine ffentliche Angelegenheit
einzumischen, maen wir fest berzeugt sind, da eine derlei Vermittlung es
keiner Partei recht thun knnte. Htte aber Toffel seine Mhre ganz
ruhig in den Stall zurckgefhrt, und Mistre Brenhuter mit allgemeinem
deutschen Phlegma bedeutet, sie knne allein zur Versammlung reiten, er
aber und der junge Toffel wrden zu Hause bleiben: wir wetten zehn gegen
eines, die liebenswrdige Dame wrde den Ehrenpunkt aufgegeben, und noch
immer Mistre ---- Doch nein, es geht nimmermehr, wenn die Frau den Herrn
spielt und den lieben Gemahl zur Zielscheibe des nachbarlichen Witzes zu
machen sich nicht entbldet. Merkt euch das, meine schnen Leserinnen,
besonders ihr, deren Nschen mit dem unserer Heldin in einer und derselben
Constellation stehen.

Toffel hatte seine Mhre bestiegen, und folgte schweren Herzens, den jungen
Toffel auf dem Arme. Und wahrlich, vom Reiten war gar keine Rede; seine
Beine, wollte er sie nicht in rechte Winkel schlieen und so beim ersten
Seitensprunge seines Pferdes den Boden kssen, muten sich gefallen lassen,
auf der Erde mit fortzuwandeln; und der Weg war noch dazu so heillos
schlpfrig, da es die Nacht zuvor geregnet hatte. Frwahr, seine Position
war nicht beneidenswerth. Langmthig wie er war, hatte ihn die letzte
Discussion nichts weniger als in eine kirchengehende Laune versetzt, und er
murmelte noch immer verschiedene Phrasen, als da sind: Kreuzschwere Noth!
Sapperment! Verflucht! und wrde wahrscheinlich noch lnger in seinem
Monolog fortgefahren sein, wenn er nicht in dieser trostreichen
Unterhaltung durch einen lauten Hlferuf unterbrochen worden wre, der von
oben herab kam. Toffel sah sich um, schaute aufwrts, doch nichts war zu
sehen noch zu hren, und doch war es die durchdringend gellende Stimme
seines Weibes gewesen, das war gewi. Wer konnte es sonst sein? Sie war
hundert Schritte voraus galloppirt, und die Windungen des durch die Berge
kreisenden Weges hatten sie seinen Blicken verborgen. Der Grauschimmel hat
sie sicher abgeworfen, dachte der ehrliche Junge, und kaum war der Gedanke
in ihm aufgestiegen, so kam auch das tolle Ro in gewaltigen Stzen den
Berg herabgalloppirt. Dem Armen wurde angst und bange; mit beiden Fen
warf er sich von der Mhre, sprang dem wilden Rosse entgegen, und dieses,
seinen Meister erkennend, blieb geduldig stehen, bis er es des Sattels
entledigt und sich mit seinem Sprlinge auf dessen Rcken verpflanzt
hatte.

Und nun trabte er aus Leibeskrften den Berg hinan zum Beistand seiner
Ehehlfte, um die, nach solchem Treiben, ein Anderer keinen Schu Pulver
mehr gegeben htte; Toffel war jedoch eine gute deutsche Haut, und so
verga er denn alle so eben gethanen Eingriffe in seine angeborenen
Souverainettsrechte, ber Hals und Kopf dem verhngnivollen Orte
zueilend, wo seine Ehehlfte ihre Lagersttte aufgeschlagen haben
mute. Nochmals hrte er ihr gellendes Geschrei; aber es war nicht ihre
gewhnliche Stimme, es war mehr ein Angstgeschrei. Zum drittenmale ertnte
dieser Angstschrei, und nun brach ihm der Angstschwei auf der Stirne
hervor, und er ritt auf Tod und Leben im schnellsten Galloppe die Anhhe
des ersten Bergrckens hinan, von woher die Stimme seines Weibes ertnt
haben mute; aber keine Spur von Mistre Brenhuter. Er schaute links, er
schaute rechts -- noch immer nichts; er schaute auf die Erde, that dieses
ein zweites Mal, und erblickte mit bangem Entsetzen neben der in Lehm
abgedruckten Form seines Weibes Futritte. Er stieg beklommen vom Pferde.
Es waren Menschen da gewesen, das war klar und augenscheinlich; aber was
aus seinem Weibe geworden, das war schwer zu sagen; die Spuren verloren
sich im Walde. Nochmals sah er auf diese Spuren, und entdeckte mit
Schrecken den breiten Mocassintritt der Indianer; die Mocassins[32] waren
deutlich im Lehm zu ersehen. Ein Blick gegen den Wald zu zeigte ihm etwas
Grauschwarzes; es war eine Adlerfeder. Kein Zweifel blieb mehr brig; seine
unglckliche Jemmy war von den Indianern aufgehoben und entfhrt.

    [32]: =Mocassins=, die sandalenartige Fubekleidung der Indianer.

Toffel, sagt unser Dokument, liebte sein Weib aufrichtig, trotz ihres
keifenden, schlimmen Temperamentes; doch alle diese Liebe vermochte nicht,
ihn in Ohnmacht zu bringen, oder auch nur eine Thrne zu vergieen; nein,
da er, obwohl ein Abkmmling des deutschen Zebediah Brenhuter, doch auch
zugleich ein Amerikaner war, und glcklicherweise noch den Kirchgang in
seinem Sinne hatte, so trabte er auf Leben und Tod auf die Versammlung zu,
sprang so schnell als er nur konnte von seinem Hengste, trat unter seine im
Meeting versammelten Nachbarn, und erffnete ihnen ohne weiteres, wie die
Indianer sein Weib auf dem Wege nach der Versammlung aufgehoben und mit
sich fortgefhrt htten, und wie er sie wiederhaben mte, koste es was es
wolle, und wie sie mit ihm den Rothhuten nachsetzen, und sie ihnen abjagen
mten, wenn sie getreue Nachbarn und freie Mnner sein wollten; und da sie
dieses auch in dem vollen Sinne des Wortes waren, so sah sich unser Toffel
in wenigen Stunden an der Spitze von fnfzig Jungens, die ihre Stutzer in
der einen Hand, in der andern die Zgel ihrer Gule, den Raub der neuen
Helena mnniglich zu rchen sammt und sonders schwuren.

Whrend wir es nun unserm Toffel und seiner jagdlustigen Schar berlassen,
den weiberschtigen Rothhuten nachzuspren -- eine Unterhaltung,
im Vorbeigehen sei es gesagt, die in der damaligen Zeit gar nicht
ungewhnlich, obgleich nichts weniger als spahaft war -- wollen wir
den ritterlichern und respectablern Weg einschlagen, und zu unserer Dame
vorwrts eilen, um bei ihren allfllsigen Nthen zur Hand zu sein.

Jemmy nun, die starrkpfige Jemmy, war ein hundert Schritte vorausgetrabt,
wie wir bereits erwhnt haben. Ein vernnftiges Weib nun wrde dies
nimmermehr gethan, sondern sich lieber an die Seite ihres Ehemannes
gehalten haben, besonders eines so guten Ehemannes, wie Toffel unbezweifelt
war, und in so kritischen Zeiten, wo die Wilden noch durch den ganzen
heutigen Staat Ohio und bis zur Grnze Pensylvaniens an das Fort Pitt[33]
heranschwrmten, maen die Vereinigten Staaten zu eben der Zeit in einem
blutigen Kriege mit ihnen verwickelt waren. Nein, Mistre Brenhuter
sollte bei Leibe nicht auf das Plateau allein galloppirt sein, und
triumphirend auf ihren armen Toffel hinabgeschaut haben, sich hmisch in
ihrem Herzen des Sieges erfreuend, den sie so eben ber ihn errungen, dann
wrde sie nicht das Rauschen in den Blttern gehrt, nicht die schwartigen,
hlichen Kupfergesichter gesehen haben, die sie und ihren Grauschimmel so
sehr erschreckten, da letzterer sich bumte und sie _nolens volens_ aus
dem Steigbgel hob und warf. Zwar schrie sie wacker darauf los, aber es war
zu spt; die Indianer hatten wahrscheinlich schon zu viel gesehen, um sich
durch ihr Schreien die Lust benehmen zu lassen, sie als eine schne Beute
mit sich zu nehmen. Einer derselben hob sie vom Boden auf, whrend der
andere ganz hflich sein Skalpirmesser in eine so gefhrliche Nachbarschaft
mit ihrem Schwanennacken brachte, das eine Zartfhlendere unfehlbar in
Ohnmacht versetzt haben mte, ihr so Stillschweigen andeutend. Ein dritter
dieser Herren hatte einen Gaul vorgefhrt, auf dessen Rcken sich ein
vierter ohne Mhe schwang, und auf welchen auch sie ohne weitere Umstnde
von einem fnften gehoben wurde, der, ihre Hnde fassend, sie mit dem
Vorreiter verband. Zwar gab sie diesem einen sanften Rippensto, der ihn
bei einem Haare aus dem Sattel gehoben htte; aber ein vielsagender
Wink mit dem Tomahawk machte sie ruhiger, als sie je gewesen. Mistre
Brenhuter war keine jener empfindsamen Seelen, die schrie, und jammerte,
und winselte, und in Verzweiflung und Ohnmachten fiel; nein, sie war
von strkerem Stoffe gewebt. Als sie sah, da kein Toffel kam, und jeder
Widerstand nur vergeblich sein wrde, ergab sie sich in ihr Schicksal,
und als ihr Vorreiter das Zeichen zum Aufbruche gab, schlang sie ganz
gemthlich, um ein echt deutsches Wort zu gebrauchen, ihre Arme fester um
seinen Rcken -- sonst wre sie ja herabgefallen.

    [33]: =Fort Pitt=, der frhere Name von Pittsburg.

Die ersten Stunden ihres Rittes war sie ziemlich beklommen, allmlig
erlangte sie jedoch ihre frhere Zuversicht und selbst jene Unbeugsamkeit
wieder, die sie in ihrem neunzehnjhrigen Leben so sehr ausgezeichnet
hatte. Zwar konnte sie sich nicht enthalten auszurufen: das groe Ro! das
groe Ro! und dann schienen sich ihre Zge schmerzhaft zu gestalten;
die war jedoch nur vorbergehend; immer faltete sich auf solche
Gewissensregungen ihre Stirn dsterer, ihr Nschen krmmte sich, oder
warf sich nach Umstnden auch auf; ihre Fuste ballten sich, und bald
erschracken die Indianer vor ihr eben so sehr, wie vor ihnen ihr Eheherr
Toffel. Sie glaubten nichts weniger, als da sie vom Bsen besessen sei,
und hatten wirklich eine Scheu vor ihr, die diesen Wilden recht sonderbar
lie. Besonders hatte sie ihrem Vorreiter eine Ehrfurcht eingeflt,
die seine Gefhrten oft befrchten lie, er sei verhext. Die Wahrheit zu
gestehen, sie war ein hbsches Weibchen, und obwohl ihre Toilette durch die
Tour vom obern Ohio zu den Quellen des Miami in einige Unordnung gerathen
war, was sehr begreiflich ist, da die Strae von Pittsburg nach Columbus
noch nicht fahrbar, und die Gesellschaft daher nicht mit der Post reisen
konnte, es sich deshalb gefallen lassen mute, incognito, nmlich durch
Smpfe, Wlder, Disteln und Dornen zu passiren, die alle einen Theil der
Calico- und Seidengarderobe Jemmy's in Anspruch nahmen. Ungeachtet dieses
kleinen Derangements konnte Mistre Brenhuter nach ihrem Eintreffen in
dem Miami-Hauptquartier noch immer mit Recht ihren Anspruch als Fhrerin
des _bon-ton_ unter den Schnen der Rothhute geltend machen. Und wirklich,
so trefflich hatte sie ihre Entfhrer zu menagiren gewut, da Tomahawk,
ihr Oberhaupt, weit entfernt, skalpirende Gedanken zu hegen, sie
geradezu unter den Schutz seiner Mutter als Ehrendame stellte. Diese
Ehrendamenschaft nun drfte allerdings nicht zu verachten gewesen sein,
wenn der Sohn Ihrer Hoheit der Prinzessin Mutter, der sie als Palastdame
beigegeben war, etwas zu beherrschen gehabt htte, das der Mhe werth
gewesen wre, sage ein dreiig oder vierzig Millionen loyaler
Unterthanen, oder wenigstens eine oder zwei; aber so war der Herrscher der
Shawneese[34], der ltere Bruder Tomahawks, blo eine kleine Espece von
Souverain, und der Einflu der _Madame la mre_ erstreckte sich daher nur
ber einige hundert Geviertmeilen. Immerhin wrde auch die nicht so
uneben gewesen sein, denn es ist hinlnglich erwiesen, da ein paarhundert
Quadratmeilen, und selbst viel weniger noch, vollkommen ausreichen, einen
Legitimen in vollkommenem Glanze zu erhalten, vorausgesetzt, da die
Leute so aufgeklrt und civilisirt seien, ihre Aecker fr die Hoheit zu
bearbeiten, und in loyaler Ergebung am Hungertuche zu nagen. Aber hier
steckte nun der Haken: die Subjekte des indischen Herrschers waren
uncivilisirte Wilde, die in ihrer Dummheit weder einen Begriff von dem
gttlichen Rechte ihres Herrschers, noch ihrer Unterthanenpflichten hatten,
das heit: fr ihn nicht arbeiten wollten, sagend, er knnte dieses selbst
thun, maen er Hnde, wie sie selbst, vom groen Geiste dazu empfangen
htte, und da er selbe rhren knnte, wenn er wollte, und es bleiben
lassen -- mit andern Worten: verhungern knnte, wenn er nicht wollte. Und,
fgten diese unaufgeklrten Menschen hinzu, wenn er verhungerte, so knnten
sie leicht einen andern Legitimaten vom Osten herber haben, wo es ihrer
erklecklich gbe, so da alle rothen Stmme leicht damit versorgt werden
knnten.

    [34]: =Shawneese=, Indianer, hatten ihren Sitz am groen Miami;
    gegenwrtig sind blo noch einige Familien daselbst, der Rest hat
    sich ber den Missisippi zurckgezogen.

Bei einem solchen Raisonniren unraisonnabler Menschen sehen unsere geehrten
Leser wohl ein, da Mistre Brenhuter, trotz ihrer ehrenvollen Anstellung
bei _Madame la mre_ nicht viel zum voraus hatte. Immerhin war es jedoch
trstlich fr sie, da die Prinzessin Mutter und ihr Herr Sohn sehr
herablassend, ja huldreich gegen sie gestimmt, und, was mehr sagen will, so
populr bei ihren Subjekten waren. Zwar gab es eine Aussicht, und das
eine glnzende dazu: Tomahawk nmlich, ihr Entfhrer, war noch jung
und unverehelicht, und fr einen indianischen Huptling gar nicht bel
anzuschauen; aber dann war ja sie verheirathet, und selbst wenn sie es
nicht gewesen wre, wie konnte sie sich es einfallen lassen, sich so hoch
zu versteigen? Zwar hatte sie ein Beispiel an einem noch Hhergeborenen,
der sich zu einer schlichten Republikanerin herabgelassen, und noch dazu
den Korb erhalten hatte; aber das war in Baltimore, und hier war sie mitten
unter den Wilden. Jammern und Wehklagen aber, das sah sie wohl ein, wrden
das Uebel nur rger gemacht, und wahrscheinlich irgend einen zartfhlenden
Wilden bewogen haben, ihr mitleidig das Messer in die Brust zu stoen, und
die wollte sie doch auch nicht. Trotz und Unbeugsamkeit lieen sich noch
weniger in Anwendung bringen; die Wilden waren keine Toffel. Zudem lag
in ihrer Situation etwas so Besonderes, ihre irischen Nerven so lebhaft
Kitzelndes, das nicht fehlen konnte, ihre Lebensgeister aufzuregen und
anzuspornen, und so ihre Gedanken von ihrer unangenehmen Lage ab-, und
auf Verbesserung derselben zuzulenken; nicht, als ob sie sich tiefen
Meditationen berlassen und zur Philosophin geworden wre, die, von
Prinzipien ausgehend, _a priori_ sich ber ihr Migeschick getrstet htte;
nein, es war natrlicher Trieb der Selbsterhaltung, der sie zwang, sich in
ihre Lage zu finden, und bald fand sie sich ganz gut darein. Sie hatte
ein treffliches Mittel, das beste in einem hnlichen Falle, nmlich
Beschftigung. Glcklicherweise war sie an diese gewohnt, da ihr Toffel
wenig Zeit gelassen hatte, Romane zu lesen, oder die _quarterlies_ zu
studiren, und sie wartete nur auf Gelegenheit, ihre Regsamkeit an den Tag
zu legen. Diese blieb natrlich nicht lange aus, und bald hatte ihr offenes
Kpfchen es heraus, sich nicht nur mit Grazie die lange Weile vom Halse
zu schaffen, sondern sich auch den Unterthanen des indianischen Herrschers
wichtig zu machen. Besagte Unterthanen waren nmlich, gleich so manchen
andern Unterthanen, jmmerlich unwissend, so unwissend, da unsere Mistre
Brenhuter etwas choquirt darber war. Aber es kam nun darauf an,
aus dieser Unwissenheit Vortheil zu ziehen, und sie sumte nicht die
Gelegenheit zu ergreifen. Mit einer Miene, in der ein Zug von Spott und
Keckheit, so wie natrlicher Ueberlegenheit nicht zu verkennen war, ergriff
sie den nchsten Morgen nach ihrer Ankunft den mit Wildpret gefllten
Kessel, und bereitete ungeheien und ohne alle andern Beistand das Mahl
selbst. Die Indianer kreuzten ihre Schenkel um den Kessel. _Whoo!_ rief
der Huptling, was haben wir da? Sein Lebelang hatte er kein so kstliches
_djener  la fourchette_, wrden wir sagen, gegessen, wren Gabeln
vorhanden gewesen. Die Mutter deutete schweigend auf die Ehrendame, die zur
Belohnung eine Rippe erhielt; Jemmy sah so stolz darein, als ob sie auf
dem groen Rosse gesessen wre. Nicht lange, so brachen die Wilden zu einem
neuen Kriegszug auf; in vierzehn Tagen waren sie wieder zurck, mit aller
mglichen Beute beladen: Weiberrcken und Rckchen, Spencers, Hten und
Hauben, Schnrbrsten und Leibchen. Dem Bruder des Huptlings, unserm
Tomahawk, war eine ganze Familiengarderobe als sein Antheil anheimgefallen;
den Morgen nach seiner Rckkehr erschien er in einer Robe von _linsey
woolsey_ rother Farbe, mit grnseidenem Hute, und darber ein Hubchen
einer Wchnerin; der Huptling selbst, etwas kleinerer Gestalt, in einem
Rckchen _ l'enfant_, mit pappelgrnem Spencer und einem Capuchon
aus _Louis-Quinze_ Zeiten. Jemmy hatte kaum ihre Augen auf ihre
metamorphosirten Gebieter geworfen, als sie den Squaws winkte, ihr in den
Wald zu folgen. Sie war noch nicht weit gegangen, als sie einen Ueberflu
wilder Hanfstauden fand, mit denen sie ihre Gefhrtinnen belud und nach
Hause zurckkehrte. Die Weiber muten nun Hanf brechen; dann wurden sie
im Spinnen unterrichtet, und in wenigen Wochen waren die Weiberrcke in
Jagdrcke verwandelt, verziert mit Calico- und Seidenbndern. Ein paar
Wochen spter brachen die Mnner neuerdings zu einem Zuge auf, auf welchem
der ltere Bruder getdtet, und Tomahawk verwundet wurde. Jemmy legte,
gleich andern loyalen Unterthanen, Trauer an, verband die Wunden des
Uebergebliebenen, und als der junge Huptling hergestellt war, prsentirte
sie ihm einen neuen Anzug, den sie whrend seines Krankenlagers fr
ihn verfertigt hatte. Sie that dieses mit so vieler Grazie, meinte der
Indianer, da er von selbiger Stunde ihr Verehrer und getreuer Paladin
ward. Als er sich den nchsten Morgen angekleidet, versichert unser
Dokument, fhlte er sich so angenehm berrascht, da er zum erstenmale jene
ihm zur Gewohnheit gewordene Ehrfurcht auf die Seite setzte, die ihn bisher
abgehalten hatte, sich Mistre Brenhuter etwas deutlicher zu erklren. Er
machte ihr seine Aufwartung. Die ganze Residenz war in Aufruhr; die rothen
Damen waren in Verzweiflung. Ein solcher Staat, das ahnten sie wohl, war
nicht ihrerwegen producirt; es galt der stolzen Amerikanerin, die natrlich
solchem Glanze nicht widerstehen konnte. Und wirklich, weder London, noch
Paris, noch Newyork konnten sich je rhmen, eine solche Verschwendung
von Herrlichkeiten in einer Person geschaut zu haben, als Tomahawk seiner
Getreuen an diesem Tage vor Augen zu legen geruhte. Aber er war auch volle
drei Stunden gesessen, seine Schenkel kreuzweis in einander geflochten,
seinen Taschenspiegel in der linken Hand, und mit freudeblitzenden Augen
seine unwiderstehlichen Reize betrachtend. Drei breite Silberspangen
umzirkelten kunstvoll seine Nase, von der noch obendrein ein spanischer
Dollar herabhing; zwei andere hingen in jedem Ohrlppchen, mit einem
sechsten war pfiffiglich die Unterlippe verziert; sein Haar strotzte
von zahllosen gefrbten Stachelschweinfedern, und vom Scheitelbschel
flatterten drei Buffaloeschwnze; ein Halsband von nicht weniger als
fnfzig Alligatorszhnen umwand seinen Nacken, eine Trophe, die er von
den Chikasaws erbeutet, und darber war ein kleinerer von ungemein groen
Glasperlen mit Chinabeeren sichtbar. Die unteren Theile seines Krpers
waren eben so wenig vergessen: seine Schenkel waren bis zu den Kncheln mit
runden Stcken von Erz und Blech und Schellen ausstaffirt, die bei jedem
Schritte eine gewaltige Musik machten. Seine brige Toilette bestand in
einem englischen dreieckigten Hute, einer amerikanischen Soldatenjacke,
roth aufgeschlagen, und dem oberwhnten Calico-Jagdhemde. Als er, im
Gefhle seiner Vollkommenheiten, sich der Residenz seiner Mutter nherte,
hob er seine Fe hoch und tanzte zweimal im Kreise herum, um seine Ohren
an der selbstgeschaffenen Musik zu laben; nochmals bersah er, vor der Thr
angelangt, im Taschenspiegel seine Person von Kopf zu den Fen, und dann
trat er ein.

Wir sind leider ganz im Dunkeln ber den Erfolg so vieler
Kraftanstrengungen; nur so viel ist notorisch geworden, da der hohe
Bewerber die Residenz seiner Mama weit weniger zufrieden mit sich selbst
verlie, als er dieses bei seinem Eintritte gewesen. Unsere Autoritt fgt
bei dieser Gelegenheit hinzu, da Jemmy seit jener Stunde eine eben so
vollkommene Herrschaft ber den indianischen Regenten geno, als sie je in
Bezug auf Toffel in Ausbung brachte; auch soll sie diese Oberherrlichkeit
gar nicht lange schlummern gelassen haben, wozu sie wahrscheinlich
ihre Ursachen gehabt haben mochte, maen sie manchen ziemlich starken
Versuchungen zu widerstehen hatte. Aber, fgt unser Dokument hinzu, sie
widerstand heroisch; wie konnte sie auch anders? sie, deren Sinn nach
einer so ganz verschiedenen Richtung zielte. Ja, ihr Blick war wirklich
unverrckt zur aufgehenden Sonne gerichtet, in die Weltgegend, wo ihr
lieber Toffel hauste; sie hatte ihre Gefangenschaft mit heldenmthiger,
wahrhaft irischer Standhaftigkeit volle fnf Jahre ertragen; nunmehr
jedoch begann sie jeden Tag mehr und mehr das Bittere ihrer Lage zu fhlen.
Whrend der ersten zwlf Monden war sie so ziemlich durch die Neuheit
ihrer Situation rege erhalten worden, Vieles hatte auch der Stimulus
der Selbsterhaltung beigetragen; in den folgenden Jahren fhlte sie
sich vielleicht ein bischen durch die Aufmerksamkeiten des Indianers
geschmeichelt; aber mit einem Wilden zu kokettiren, war doch nur ein
armseliger Zeitvertreib, und konnte unmglich fr die Lnge dauern. So
erwachte denn ihre Sehnsucht nach der Heimath mit jedem Tage strker und
strker. Auf eine Flucht im ersten Jahre zu denken, wre Wahnsinn gewesen;
man hatte sie mit Argusaugen whrend des Sommers bewacht, denn ihre
Geschicklichkeit in Allem machte sie den Wilden unentbehrlich; und im
Winter zu entfliehen: wo sollte sie Lebensmittel, wo ein Lager finden?
Ihre Hieherreise hatte zwanzig Tage gedauert: sie mute in einer ungeheuern
Entfernung von Hause sein, und im Falle auch nur das mindeste von ihrem
Vorhaben offenbar geworden wre, wahrlich, ihr Loos wre schrecklich
ausgefallen.

Endlich im fnften Sommer nach ihrer Entfhrung bot sich die erwnschte
Gelegenheit dar. Die Mnner waren zur Herbstjagd aufgebrochen, ihre Weiber
begleiteten sie; blo die Alten und Schwchlichen waren zurckgeblieben.
Fnf Jahre scheinbarer Zufriedenheit hatten das Mitrauen der Wilden
eingeschchtert, und ihre Wachsamkeit gemindert. Die Bevlkerung, hatte sie
gehrt, war whrend dieser Zeit stark nher gerckt; sie hoffte, wenn auch
nicht die erste, doch gewi die zweite Woche auf Landsleute zu stoen. Sie
entschlo sich zur Flucht, und fhrte ihren Entschlu auch unverzglich
aus. Ein Bndel mit Lebensmitteln war Alles, was sie mitnahm; sie hatte
lange vierhundert Meilen vom groen Miami zu dem obern Ohio, aber ihre
Seele war dem Riesenunternehmen gewachsen. Sie liebte ihren Toffel; sie
liebte ihn nun mehr, als jemals, den geduldigen, ausdauernden, und doch so
vernnftigen Jungen. Sie hatte unglaubliche Mhseligkeiten auszustehen; war
nahe daran, in den Smpfen bei Franklin zu ersticken, in groer Gefahr, im
Sciota zu ertrinken, und mehrere Tage in der Wildni zwischen Columbus
und New-Lancaster[35] verirrt, und nahe daran, von Panthern und Bren
aufgefressen zu werden; aber sie berwand glcklich Smpfe, Flsse und
Wildni. Die ersten fnf Tage lebte sie von ihrem mitgenommenen Vorrath von
gedrrtem Wildpret, dann lie sie sich Papaws, Kastanien und wilde Trauben
schmecken, und kehrte endlich, nach unseligen Leiden, am zehnten Tage
zum erstenmale in einem Blockhause ein. Doch auch da verlie sie ihr
unbezwingbarer irischer Geist nicht, und sie trat vor die Hinterwldler
mit eben der freien Stirne, als ob sie an der Spitze der Shawneese gekommen
wre, verlangte Lebensmittel in eben dem festen und zuversichtlichen Tone,
als ob Haus und Hof ihr eigen gewesen wren. Und die Hinterwldler, diese
derbe Race? Je nun, so wenig sie gewohnt sein mochten, sich auf diese Weise
begrt zu sehen, die Art war neu: sie starrten, wie leicht zu erachten;
doch gaben sie, was sie hatten, und, was das Merkwrdigste an der ganzen
Geschichte ist, sie gaben, ohne zu fragen. Wer nun wei, da dieser unser
souveraine Staat Ohio durch den Stamm der Yankees bevlkert ist, wird die
kaum glauben knnen, und wir selbst wrden Mhe haben, htten wir nicht
schwarz auf wei vor unsern Augen.

    [35]: =Columbus, New-Lancaster=, ersteres die Hauptstadt von Ohio,
    letzteres eine Countystadt.

Nach einer langen, mden Fahrt von vollen vier Wochen kam unsere liebe
Jemmy endlich in die Nhe des Ohio, und die lieblichen Bergesrcken, die
ihre glckliche Heimath bargen, traten allmlig aus dem blauen Dunkel
hervor. Sie verdoppelte ihre Schritte, sie langte auf den ersten Hgeln
an. Zum erstenmale in ihrem Leben schlug ihr Herz lauter; sie konnte nicht
vorwrts; sie setzte sich, ber die Vergangenheit nachzudenken; das groe
Ro kam ihr in den Sinn. Das unglckliche groe Ro, murmelte sie, die
Faust ballend, und auf sprang sie, und fort lief sie, als wollte sie es dem
Unheilbringer entgelten lassen. Nun war sie auf dem Vorsprunge angelangt,
wo sie vor fnf Jahren abgesattelt und zur Gefangenen gemacht worden war.
Das verwnschte groe Ro! wisperte sie nochmals, und dann rannte sie die
Schlangenwindungen hinab. Da lag er nun vor ihr, der prachtvolle Ohiostrom,
sich in zwei ungeheuern Streifen fortbewegend: die Gewsser des Alleghany,
klar und krystallen, gleich dem Bergquelle, und die des Monongehala,
trb und schlammig, gleich einem mrrischen Ehemanne, dem ein zartes und
munteres Weib angefesselt ist. Nun stand sie an der letzten sanften Anhhe,
von wo aus sie die ganze Herrlichkeit bersehen konnte, die sie als Herrin
erkannte; da lag die prchtige Thalweite, der ppigste aller Bottoms,
auf zwei Seiten von dem Vorgebirge eingeschlossen; da stand die steinerne
Scheune: das Dach und die Jalousien waren frisch angestrichen. Ihre Augen
funkelten vor Freude; Toffel war noch immer der gute, getreue, treuherzige
Hauswirth. Dorthin erstreckte sich der alte Obstgarten, beinahe unter der
Last von Aepfeln und Birnen zusammenbrechend; auf der andern Seite lag
der neuangelegte; auch dieser bog sich unter den Frchten, und doch war es
nicht lnger als sechs Jahre, da ihn Toffel gepflanzt hatte. Sie selbst
hatte mitgeholfen im Frhjahre nach ihrer Verehelichung, -- Himmel, welch
eine lange Zeit! Sie schaute, sie traute kaum mehr ihren Augen, sie schaute
wieder, -- Gott! es war keine Tuschung, es war Toffel, ihr lieber Toffel,
der just aus dem Hause kam; hinter ihm her ein kleiner flachshaariger
Schelm, der sich fest an seinen Rockscho anhielt. Ja, in seinen ledernen
Inexpressibles, blauen Strmpfen mit rothen Zwickeln, und Schuhen und
Schnallen von so erklecklicher Gre, da sie sie von ihrem Observatorium
aus wahrnehmen konnte; -- sie vermochte es nicht lnger auszuhalten, ihr
Herz war zu voll; aber zugleich erwachte auch ihr ganzes Selbstgefhl, das
Bewutsein der schlummernden Autoritt kehrte zurck. Nein, ein weibisch
furchtsames, zagendes Wesen durfte sie ihren Mann nicht merken lassen; er
wrde sie als ausgeartet betrachtet haben. Festen Schrittes trat sie von
der Anhhe herab, ging den Weg hinab, schritt durch die eingezunte Gasse,
die Wiese, eilte durch den Gemsegarten, und stand mit einemmale vor --
Toffel.

Alle guten Geister loben Gott den Herrn! rief dieser, in der Angst seines
Herzens die legale Formel gebrauchend, mittelst welcher ehrsame Deutsche
von undenklichen Zeiten her die zahllosen Gespenster, Hexen, Nixen und
Elfen, und alle die Wesen bannen, mit denen sie, oder vielmehr ihre
Gehirne, von Alters her geplagt sind.

Und wirklich knnen wir es dem guten Toffel nicht ganz so bel deuten, wenn
ihm der Blocksberg einfiel. Fnf Jahre Abwesenheit und Aufenthalt unter
den wilden Freibeutern hatten mit der heillosen Reise eben nicht sehr
beigetragen, ihre Gestalt in die Schnheitslinie abzurunden, oder ihrem
Anzuge einen besondern Reiz zu verleihen. Selbst er, der allerunmodischste
unter seinen Nachbarn, konnte es kaum begreifen, wie die seine Jemmy, die
Fhrerin des guten Geschmacks in Allem, sein knne. Das Pltzliche ihres
Erscheinens nun gab ihrer etwas fleischlosen Form einen so ber- oder
unterirdischen Ausdruck, da wir uns gar nicht wundern, wenn Toffels
vier Gehirnkammern pltzlich in Aufruhr geriethen, und ihm der Blocksberg
einfiel, von dem ihm sein seliger Vater so oft erzhlt hatte. Jemima,
schien es, fhlte sich nicht absonderlich bei diesem Stutzen, Staunen,
Ausrufungen und Schrecken geschmeichelt, und bemerkte in einem Tone so
sanft, wie es ihr nur immer mglich war: Wohl, Toffel, bist du verrckt?
Kennst du mich nicht mehr? mich, deine Jemmy?

Toffel ffnete seine Augen so weit er konnte, und allmlig, als er die
krumme Nase, das funkelnde Auge, das unverhohlen keck, wie immer, blitzte,
und nur ganz wenig ins Grne zu schillern schien, als er, sagt unser
Dokument, diese Merkmale so deutlich wieder sah, dann, und erst dann fing
er zu glauben an. Schlielich machte er auch die Erfahrung, da sie noch
immer aus Fleisch und Beinen bestand, und nun wurde seine Freude wirklich
gro, denn auch er hatte sie von Herzen geliebt. Er umhalste sie, drckte
einen Bu auf ihre Wangen, umhalste sie wieder, und vergo selbst zwei
Freudenthrnen, eine in jedem Auge. Jemmy nun war nicht weniger gerhrt;
sie liebte wie wir bereits erwhnt, ihren Mann, trotz ihres irischen
Temperamentes; ihr gesunder Menschenverstand lie sie auch begreifen, da
Toffel allerdings einige Ursache hatte, mit ihr nicht ganz so zufrieden zu
sein, da sein husliches Glck durch ihren Trotz so sehr erschttert
worden war. Sie war daher selbst ein wenig berrascht, als er sie nun so
pltzlich, so unerwartet gleichsam mit Liebkosungen berschttete. Eine
Zeitlang ertrug sie diese auch mit wahrer christlicher Geduld, so wenig sie
sonst an derlei unfruktusen Zrtlichkeitsverschwendungen Gefallen fand, da
sie denn doch mehr das Reelle liebte.

Mein Gott! rief er aus, mein Schatz! -- er hatte sein Englisch, wie es
schien, beinahe rein vergessen -- und wieder schlang er seine langen Arme
um sie herum.

Jemmy nun war wirklich herzensfroh, ihren Toffel in so excellenter Laune zu
sehen. Doch zuviel ist ungesund, sagt das Sprichwort, und unserer Jemmy
war es, allem Anscheine nach, ziemlich zuviel; ihr schien Toffel in seinen
Liebkosungen unerschpflich zu sein, so da sie bereits die Geduld zu
verlieren, und sich nach Toffel dem jngern zu sehnen begann, auch zu
wissen verlangte, wie es mit dem Hauswesen stnde; und indem sie sich
sothanermaen uerte, wand sie sich von ihm los, und schritt auf die
Hausthre zu. Toffel fing sie bei einem ihrer Rocksche, und vertrat ihr
den Weg.

Mein Schatz, sprach er, warte noch ein wenig, bis ich dir gesagt habe----

Gesagt habe? fiel sie ungeduldig ein, was giebt's da zu sagen? Ich will
meinen Buben sehen und wie du gewirthschaftet hast; ich hoffe, Alles ist in
Ordnung, wo nicht, so----

Ihr Auge fiel prfend auf den armen Toffel, dem nichts weniger als wohl zu
sein schien.

Mein Herz! fuhr er fort, meine Frau! Habe nur ein klein wenig Geduld.

Ich will keine Geduld haben, versetzte sie. Warum willst du nicht ins Haus?
Und mit diesen Worten schritt sie nher der Thre zu. Toffel, in uerster
Verwirrung, vertrat ihr nochmals den Weg, ihre beiden Hnde erfassend.

Nun, bei Jasus[36] und allen Gewalten! schrie sie erstaunt ber ein so
sonderbares Benehmen. Beinahe sollte ich glauben, es sei nicht Alles
richtig, und du shest mich nicht gerne.

    [36]: =_By Jasus!_= Bei Jesus! eine irische Betheurung.

Dich nicht gerne sehen, mein Herz, mein Schatz? Ja, ja, du sollst wieder
meine Frau sein, versetzte der gute Junge.

Wieder deine Frau sein? Wieder deine Frau sein? wiederholte sie, und
ihre Augen blitzten und ihr Nschen krmmte sich. Wieder seine Frau sein!
murmelte sie, und ri sich mit Gewalt von ihm los, rannte die Stiegen
hinan, strzte auf die Thre los, hob die Klinke, ffnete, und erblickte
-- erblickte, sich auf einem Armsessel wiegend, Dorothea Heumacher, die
hbscheste Blondine der ganzen Niederlassung, weiland ihre Rivalin, und nun
die glckliche Usurpatorin ihrer ehelichen Gerechtsame.

Der eingefleischteste Legitimat, den je die Gnade Gottes, oder, was
dasselbe ist, die Bajonette seiner Herren Gebrder, in sein verlorenes
Dominium wieder einsetzten, kann unmglich mit grerer Verachtung
und Abscheu auf die plebejischen Eindringlinge herabblicken, die sein
gttliches Recht usurpirt haben, als unsere _de jure_ Mistre Brenhuter
auf die _de facto_ that, und, das Ma der Unbilden zu fllen, so war
diese Usurpatorin eine Deutsche! -- Es wrde eine psychologischere Feder
erfordern, als die, so unser Dokument geschrieben, die Symptome der
verschiedenen Leidenschaften auch nur oberflchlich anzudeuten, die auf dem
Gesichte unserer Heldin so stark hervorbrachen. Hohn, Wuth, Rache waren die
geringsten; ihre Augen sprhten so frchterlich, da es, eine Yankeephrase
zu gebrauchen, in der Stube zu rauchen anfing; ihre Fuste ballten sich,
ihre Zhne knirschten, und, gleich der Katze, die ihr Territorium von dem
Erzfeinde ihres Geschlechtes besetzt und eingenommen sieht, schickte sie
sich an, auf diesen Feind loszustrzen; was bei dem Umstande, da sie seit
einem Monate ihre Ngel nicht beschnitten, leicht sehr bedenkliche Folgen
fr die holden Gesichtszge der besagten Dorothea Heumacher htte haben
knnen.

Toffel gewahrte mit gerechtem Entsetzen die schrecklichen Symptome, und
warf sich in ganzer Lnge und Breite zwischen die beiden kriegfhrenden
Mchte. Der Schrecken hatte ihm pltzlich wieder sein Englisch gegeben:
_Bray!_ rief er, _dont fighd wid each oder!_ (~Pray dont fight with each
other!~)[37]

    [37]: Um's Himmelswillen, balgt euch nicht!

Und wirklich, die Vermittlung war nicht berflssig, und immer blieb es
noch unentschieden, ob sie auch angenommen werden wrde. Aber gerade als
Jemmy auf ihre Gegnerin heranrckte, oder vielmehr strzte, ffnete sich
die Thr, und herein zappelte der junge Toffel mit einer ganzen Schar
junger Brenhuter. Fnf Jahre waren verflossen, seit sie ihren Buben in
ihren Armen gehabt: Hader, Streit und Feindin vergessend, sprang sie auf
ihr Kind los, um es in ihre Arme zu fassen. Der Bube erschrak, schrie laut
auf, ri sich mit Gewalt von ihr los, und rannte zu seiner Stiefmutter.
Die arme Jemmy stand, als ob ein Zuber kalten Wassers ber sie ausgegossen
worden wre; Wuth und Rache waren vergessen, namenloser Schmerz erfate
sie; ihre Kraft verlie, sie; sie taumelte der Thre zu, fate zitternd
die Klinke, und war im Begriffe zu sinken. Das arme Weib litt nun wirklich
schrecklich; sie war ein Fremdling ihrem eigenen Kinde geworden, ein
Fremdling in ihrem Hause, in der ganzen weiten Welt. Es dauerte eine
geraume Zeit, ehe sie sich erholte; endlich jedoch erholte sie sich.
Seelen, wie die ihrige, sind nicht leicht gebeugt. Wie geht es dem Vater?
fragte sie kurz.

Todt, erwiederte Toffel.

Und der Mutter?

Todt, war dieselbe Antwort.

Und den Schwestern und Brdern?

Sind zerstreut in der weiten Welt.

So sind sie denn alle hin! murmelte sie mit kaum hrbarer Stimme.

Ich habe, sprach Toffel leiser, ein ganzes langes Jahr auf dich gewartet,
und dich in allen Zeitungen, deutschen und englischen, auskndigen lassen,
und als du nicht kamst, setzte er noch leiser hinzu, so nahm ich Dora.

So behalte sie, erwiederte Jemmy mit fester Stimme und einem
unbeschreiblichen Blick der tiefsten Verachtung; dann lief sie nochmals auf
ihren Buben los, fate ihn, trotz alles Strubens, und kte ihn heftig.
Und nun, sprach sie zu ihrer Rivalin gewendet, wenn du es je wagst, diesem
meinem Buben etwas zu Leide zu thun, oder deinen deutschen Rachen auf
seinen Mund zu legen, so----

Mit diesen Worten, die wir ihrer Zierlichkeit wegen zum Theil mit
Stillschweigen zu bergehen fr gut finden, ffnete sie die Thre.

Halt! halt! um Gotteswillen, halt! rief Toffel mit einer Stimme, die
genugsam bewies, da er beinahe so viel gelitten habe, wie seine
weiland Frau. Er hatte sie immer, trotz ihres bissig starren,
znkisch-herrschschtigen Wesens geliebt, herzlich geliebt, ja vielleicht
aus eben dieser Ursache geliebt, da sie zur Wrze seines Lebens, zum ewigen
Stachel seiner phlegmatischen Deutschheit so trefflich geeignet war. Oft
hatte er an Jemmy zurckgedacht; denn die Willigkeit der gutmthigen,
phlegmatischen Dora hatte sein trges Vegetiren nur noch trger gemacht; er
war nun einmal ein Deutscher, die bekanntermaen nie glcklicher sind, als
wenn sie wie die Schafe geschoren und wie die Hunde getreten werden. Oft
wrde er einen blaugewirkten Strumpf, und selbst zwei gegeben haben, wenn
er sich dadurch htte einen sanften Rippensto von Jemmy erwerben knnen.
Wirklich hatte er auch keine Mhe gespart; war der Spur der Indianer
mehrere hundert Meilen nachgejagt, hatte sie auch bereits mit seinen
Nachbarn erjagt, aber es zeigte sich ungeschickter Weise, da es nicht
Indianer, sondern Yankee-Uebersiedler waren. Auch auf Zeitungsankndigungen
hatte er so manchen Dollar verwendet; unglcklicherweise zirkulirten diese
jedoch im Osten, whrend Jemmy im Westen als Ehrendame figurirte, und
noch unglcklicher hielt Herr Caspar Ledermaul nach einem Jahre solchen
Cirkulirens und Wartens eine gewichtige Rede ber den schnen Text: _Melius
est nubere quam uri_, einen Text, den er gar zierlich und erbaulich ins
Deutsche verdeutschte. Toffel hatte bereits lange ber dieses nmliche
Thema nachgedacht, als ihm so auf einmal die Augen geffnet wurden; und so
ergab er sich denn in sein Geschick, und nahm ein Weib, und zwar ein gutes
Weib, ein liebes Weib; aber die Hauptsache fr unsern Deutschen, die Wrze,
die Kniffe, die Tritte, das Scheeren fehlte.

So war nun die Lage unsers Toffels beschaffen, des Mannes zweier Weiber,
zwischen denen er nun gewaltig zu schwanken schien. Zu der einen zog ihn
Achtung, Gewohnheit, Neigung, zur andern ein gewisser Kitzel, oder vielmehr
das Bedrfni, gekitzelt zu werden. Zuletzt rief er aus: Halt! ich bitte
dich; wir wollen zum Squire gehen, und was der und Pfarrer Ledermaul sagen,
das wollen wir thun, und wie es immer ausfalle, ich will dir sechshundert
Silberdollars und mein schnstes groes Ro geben. La uns hren, was das
Gesetz Gottes und des Menschen sagt.

Auch darin bewies sich Toffel als ein ehrlicher, guter Deutscher, der
nie selbst dachte und handelte, sondern diese Mhe der gttlichen und
menschlichen Obrigkeit, wie er meinte, auf die Schultern zu laden fr's
Beste erachtete.

Jemmy nun zuckte, das Gesetz, oder vielmehr das, was aus der Auslegung
des Gesetzes folgt, ein Proze, war Musik fr ihre Ohren, so wie es die
lieblichste Musik fr Irinnen ist. Sie hielt inne; vielleicht mchte sie
sich auch wirklich haben erweichen lassen, aber in diesem entscheidenden
Augenblicke kam ihre Rivalin, die sich in die Nebenstube retirirt hatte,
wieder in Vorschein, ihr jngstes Kind im Arme und zwei gewichtige Strmpfe
in der Hand haltend.

Nimm sie, sprach das gute Weib, wir haben noch sechs brig, wir haben
Ueberflu. Nimm sie, und Jeremias Hawthorn ist noch ledig; sei glcklich,
gute Jemmy.

Die sanfte, beinahe demthig bittende Dora war wirklich rhrend
anzuschauen, als sie, Thrnen im Auge, die halbwilde Irin anflehte, ihre
sechshundert Silberdollars anzunehmen. Jedes andere Herz mute erweichen,
ausgenommen das, an welches die Bitte gerichtet war; die Erscheinung
der Glcklichen schien sie in frische Wuth zu versetzen. Einen Blick der
tiefsten Verachtung ihr zuwerfend, trat sie an Toffel heran, schttelte ihm
die Hand, bot ihm ein Lebewohl, und verlie die Stube.

Renn', lauf', lieber Toffel, was du kannst! bat, beschwor ihn Dora. Lauf',
um's Himmelswillen! sie mchte sich sonst ein Leid anthun.

Toffel war seiner selbst unbewut da gestanden; es war, als ob das
Ganze ihm ein Traum gewesen; die Stimme seines Weibes rief ihn in die
Wirklichkeit zurck. Denk nur, Toffel! bat sie nochmals, ihre Hnde
faltend. Und Toffel lief aus Leibeskrften der Armen nach; sie war jedoch
schon weit vorausgeeilt. Seine langen Schritte verdoppelnd, hatte er sie
beinahe eingeholt, als sie sich umwandte, und ihm befahl, umzukehren. Einem
krftig ausgesprochenen Befehle kann ein deutsches Blut nie widerstehen,
und so kehrte denn Toffel um, und ging zu seinem Weibe. Einige Minuten
starrte er ihr noch nach, bis sie in den Windungen des Berges verschwunden
war, und dann schttelte er seinen Kopf und dachte -- was? knnen wir
unmglich sagen.

Jemmy lief nun wie ein gescheutes Reh den Berg hinan; wieder war sie
auf dem fatalen Vorsprunge angekommen, wo ihr irdisches Glck einen so
schrecklichen Sto, sie konnte es sich nicht verhehlen, durch ihre eigene
Schuld erlitten. Noch einmal berblickte sie ihre vorige friedlich-ruhige
Heimath; da lag sie mit Allem, was ihr werth und theuer war: das
substantielle Wohnhaus mit seinen beiden Toffeln; dort weideten ihre Khe
und Klber, und ein halbes Dutzend der grten Rosse, die sie je gesehen;
da stand die Ciderpresse; -- und Allem, Allem sollte sie nun entsagen:
ihrer Butter und ihrem Kse, ihrer Wohnung und ihrem Throne. Der Gedanke
schnitt in's Innerste ihres Herzens; sie weinte bitterlich. Allein stand
sie da, verlassen auf der weiten Gotteswelt; Vater und Mutter todt, Brder
und Schwestern in der weiten Welt; ihre Bekannten und Freundinnen wrden
lachen und spotten der Jemima, der indianischen Squaw. Ihr ungebeugter Sinn
emprte sich bei diesem Gedanken; allmlig wurde ihr Gemth ruhiger, ihre
Miene zuversichtlicher. Ein Entschlu schien in ihr aufzukeimen, der
mit jeder Sekunde an Strke zunahm. Als wollte sie der Mglichkeit einer
Gesinnungsnderung entwischen, sprang sie vom Boden, rannte dem Walde zu,
und drang tiefer und tiefer ein.




Drittes Capitel,

welches da zeigt, wie die zwei rothen Kolben doch eine Vorbedeutung
gewesen.


Es war im Jahre 1796, im Anfang des indianischen Sommers, als Jemmy zum
zweitenmale ihren langen Weg antrat. Der Himmel begnstigte diesmal ihr
Unternehmen. Sie kehrte auf demselben Wege zurck, den sie, freilich unter
lieblichern Auspicien, gekommen war. Sie hatte sich nun an das Wandern in
den Wldern so ziemlich gewhnt; mit demselben ungebeugten Muthe trat
sie wieder in die Wohnungen der zerstreuten Ansiedler im damaligen
nordwestlichen Territorium[38], und forderte mit derselben
Unerschrockenheit Trank und Speise und Nachtherberge. Keiner wagte sie zu
fragen, keiner sie auszuholen; der schmerzhafte Blick der Entsagung und
des Muthes schreckte alle zurck, und wenn es ja einer wagte, sie forschend
anzublicken, so erstarb ihm das Wort auf der Zunge. Fest und entschlossen
barg sie ihren Schmerz im eigenen Busen, zu stolz, um berflssiges Mitleid
zu erbetteln, zu klug um zum Theegesprche werden zu wollen. Als die
Wohnungen aufhrten, nahm sie wieder zu wilden Trauben, Papaws und
Kastanien ihre Zuflucht, und wanderte so die vierhundert Meilen zu den
Quellen des groen Miami zurck, wo sie sich acht Wochen nach ihrer Flucht
eben so khn und unverzagt prsentirte, als ob sie von einem Morgenbesuche
zurckgekehrt wre.

    [38]: Dem heutigen Staate Ohio.

Nie war der Jubel im Hauptquartier der Shawneese grer gewesen, als wie
Jemmy in die Htte der Mutter Tomahawks eintrat. Die ganze Bevlkerung der
Wigwams war rege; Tomahawk war auer sich vor Freude. Er war ihr Bewunderer
und Verehrer volle fnf Jahre gewesen, und hatte sich, was bei einem Wilden
nicht wenig bedeuten will, die ganze Zeit hindurch auch nicht die mindeste
Freiheit erlaubt. Sie hatte nicht geringen Einflu auf das Vlkchen sich
erworben; sie war die Lehrerin der Weiber, die Schneiderin, Kchin der
Mnner, das Factotum Aller gewesen; da die Letztern, wenigstens zum Theil,
menschlichen Wesen in ihrem Aeuern und nicht Orang-Outangs hnlich sahen,
war ganz ihr eigenes Werk. Tomahawk tanzte und sprang vor Freuden: Weie
Mnner nicht gut! Rothe Mnner gut! rief er jubelnd, und in seinen Jubel
stimmten Mutter, Squaws und Mnner sammt und sonders mit ein. Es war mit
einem Worte ein Freudenfest fr den armen Huptling, das noch glnzender
ausgefallen wre, htten er und die Seinigen mehr Feuerwasser gehabt.

Fest und bestimmt jedoch, als der Entschlu Jemima's war, lie es ihre
Klugheit nicht zu, dem verliebten Wilden sein Spiel allzu leicht zu
machen; nein, sie erholte sich lange Zeit Rathes, ehe sie ihm auch nur die
entfernteste Hoffnung machte. Zwanzig Tage war sie bereits mit Tomahawks
Mutter eingeschlossen, whrend welcher Zeit der arme Huptling sie nur
zweimal zu sehen bekam. Endlich am ein und zwanzigsten Morgen wurde er in
die Gegenwart der Souverainin seines Herzens berufen. Er kam, wo mglich
noch bunter herausstaffirt, als bei seiner ersten Bewerbung; stammelnd trug
er ihr seine Wnsche vor. Jemima hrte ihn ernst, wie ein Oberrichter, an;
nachdem er seine Rede geendigt hatte, wies sie schweigend auf den Tisch
hin, auf welchem ein vollstndiger Anzug von amerikanischer Kleidung lag.
Tomahawk kehrte jauchzend in seine Htte zurck, und erschien nach einer
halben Stunde, ein ganz anderer Mensch, vor seiner Gebieterin. Er sah
wirklich nicht uneben aus; ein wohlgestalteter Junge von krftig schlankem
Wuchse -- Toffel war nichts dagegen; -- zudem Huptling von mehrern
hundert Familien, hatte er seit seiner Bekanntschaft so viele Proben von
Anhnglichkeit, Ehrfurcht und Lenksamkeit gegeben, die ihn zu einem gar
nicht verwerflichen Ehemanne in den Augen Jemmy's qualificiren mochten.
Sie reichte ihm nun gndigst ihre Hand; es galt eine fernere Probe. Bereits
standen auf Gehei seiner Mutter zwei Pferde vor der Htte; sie befahl
Tomahawk, selbe zu satteln. Er gehorchte schnell und schweigend. Sie
bestieg das eine, und winkte ihm bedeutsam, ein gleiches zu thun und ihr
zu folgen. Der Wilde staunte, starrte, folgte jedoch unwillkrlich seiner
geliebten Herrin, die das Wigwam verlie, und in der Richtung nach Sden
forttrabte; einige Male erkhnte er sich zu fragen, aber sie winkte, zeigte
bedeutsam hinab in die Ferne, und er schwieg und folgte. Der Friede war
whrend ihrer Gefangenschaft wieder hergestellt, und ihre Reise hatte
fr sie wenigstens Ein Gutes zur Folge gehabt. Sie hatte vernommen, da
beilufig vierzig Meilen in sdlicher Richtung von den Quellen des Miami
eine amerikanische Niederlassung entstanden; nach dieser ging nun ihre
Reise. Als sie in derselben angelangt war, fragte sie sogleich nach dem
Friedensrichter. Das Staunen des werthen Squire war nicht gering, als er
pltzlich ein junges, hbsches Weib -- Jemmy hatte sich in den zwanzig
Tagen ihrer Zurckgezogenheit wieder abgerundet -- und einen krftig
blhenden Wilden, wie ein Gentleman gekleidet, in seine Stube treten sah.
Jemmy jedoch lie ihm nicht lange Zeit zur Verwunderung, sondern wandte
sich ohne weitere Umschweife zu ihrem Begleiter und sprach: Tomahawk! du
hast whrend der fnf Jahre meiner Bekanntschaft mit dir so viel gesunden
Menschenverstand an den Tag gelegt, da ich alle Hoffnung habe, aus dir
einen Mann zu bilden, und so habe ich mich denn entschlossen, aus dir einen
Mann zu machen.

Tomahawk wute nicht, ob er wache oder trume, und so ging es dem Squire;
aber das ausdrckliche Verlangen, sie, Jemima O'Dougherty, ehelich mit
Tomahawk, dem Huptling der Shawneese, zu verbinden, und zwei blanke
Silberdollars beseitigten alle Zweifel, und der Friedensrichter sprach
die Eheformel ber sie aus, und vereinte ihre Hnde. Der Segen war bereits
gesprochen, und noch immer begriff der arme Wilde nicht, was das Ganze zu
bedeuten habe; als aber Jemmy seine Hand fate, und ihm erffnete, sie
sei nun sein Weib und er ihr Mann, da war ihm, als wre er so eben aus
den Wolken gefallen. Er tanzte im Zimmer herum, er sprang, er jubelte, er
lachte, er weinte, Alles vor Freude. Der Friedensrichter selbst war nicht
weniger berrascht, und zwar so sehr, da er ein treffliches Abendessen
den Beiden zum Besten gab, sie bei ihm zu bernachten nthigte, und Jemmy
selbst die zwei Thaler zurckgab, wie seine Bcher noch heutiges Tages
ausweisen. Und gewi mute es fr den guten Mann und die Ansiedler nicht
von geringer Bedeutung sein, den unbndigen Tomahawk, der im letzten Kriege
so viel Unheil durch seine Excursionen angerichtet hatte, unter einer,
allem Anscheine nach, so entschlossenen, muthigen Direction zu wissen.

Tomahawk und sein Weib kehrten den folgenden Tag in ihre Heimath zurck,
und vom Tage der Rckkehr begannen auch seine Honigmonde. Mistre Tomahawk
nmlich war kaum in ihre neue Wohnung installirt, als sie auch ausfand,
da die erbrmliche Htte viel zu klein und enge und unsauber fr sie beide
sei. Und wirklich, sie war eher einer Brenhhle, als einer menschlichen
Wohnung zu vergleichen. Tomahawk und seine Leute hatten nun Bume zu
fllen, wozu sie sich nur gegen ein gewisses Honorar von Whiskyflaschen,
die Jemmy fr die zwei Dollars mitzunehmen fr gut befunden hatte,
herbeilieen. Mehrere von ihren Landsleuten waren von der Niederlassung
heraufgekommen, und halfen das Gebude aufzimmern. Tomahawk sprang
freilich, als er vierzehn Tage hindurch die Axt handhaben mute, jedoch
nicht mehr vor Freuden; er schnitt Gesichter; aber all sein Springen und
Gesichterschneiden half zu nichts: er mute daran und darauf. In vier
Wochen schlief er im bequemen Wohnhause, so bequem, so wohnlich, wie
Toffels. Tomahawk hatte nun ganze vier Wochen Ruhe, aber das Frhjahr
meldete sich an, und das Kornfeld war offenbar zu klein, ja es hatte nicht
einmal eine Umzunung, und Schweine und Pferde fraen den grten Theil der
Saat, ehe sie noch in den Samen schieen konnte. Mistre Tomahawk bedurfte
eines grern, und ihre wilde Ehehlfte hatte daher ein paartausend Bume
zu ringeln und umzuhauen, und einige Dutzend Aecker zu umzunen. Ihr
Freund, der Friedensrichter, hatte bei dieser Zeit wahrgenommen, da sie
eine wackere junge Frau und treffliche Haushlterin, unternehmend, thtig
war, die es wohl verdiente, auf allen Wegen ermuthigt zu werden. Er war
Amerikaner im ganzen Sinne des Wortes, der half, wo es etwas half; er
sandte ihr sofort einige Hundert Aepfel- und Pfirsichbume, die sie
pflanzte und pflanzen lie. Wiederum hatte Tomahawk einige Wochen Ruhe;
aber es war bse Wirthschaft, und zwar seit undenklichen Zeiten, mit den
Fuchs-, Hirsch-, Biber- und Brenfellen getrieben worden. Tomahawk war ein
berhmter Schtze und Jger, aber er verhandelte den Preis wochenlangen
Jagens nicht selten fr einige Gallons Whisky. Gleich den brigen seiner
rothen Brder, hatte er die schwache Seite, einen Schluck, oder vielmehr
deren viele zu thun, wenn es Gelegenheit dazu gab. So gro war jedoch die
Furcht vor seiner Ehehlfte, da er die Branntweinflaschen pfiffiglich in
hohle Bume versteckte. Mistre Tomahawk fand jedoch den Snder bald aus,
und um knftig allen Versuchungen vorzubeugen, befahl sie ausdrcklich, da
alle Felle heimgebracht, und ihrer Disposition berlassen werden sollten.
Nun nahm sie den Fellhandel auf sich. In kurzer Zeit wackelten mehrere
Khe durch das ellenhohe Gras an den Miamiufern, und Tomahawk kostete zum
erstenmale in seinem Leben Kaffee und Wlschkornkuchen. Aber es kam noch
schlimmer. Ein junger Tomahawk erblickte das Licht der Welt, und die
alten Squaws zgerten nicht, ausgerstet mit Brenfett und Kuhmist, ihre
Aufwartung zu machen, willens, den neuen Stammhalter feierlich in ihre
religise und politische Gemeinschaft einzuweihen. Allein Jemmy sah so
bitterbse darein, und ergriff, als dieses nicht helfen wollte, ihren
Scepter, den Besen, so wacker, da Alt und Jung heulend zum Hause
hinausstrzte, gleich als ob sie vom wilden Jger verfolgt wrden. Als sie
von ihrem Kindbette sich erholt hatte, befahl sie wieder Tomahawk, zwei
Rosse zu satteln. Natrlich gehorchte er ohne zu mucksen, und nahm ohne
Widerrede seinen Sohn auf den Arm. Auch dieses Mal ging ihre Reise auf die
erwhnte Niederlassung, aber nicht dem Hause des Friedensrichters, sondern
des Predigers zu. Tomahawk lie sich Alles ruhig gefallen; als er aber den
Prediger seinen Sohn mit Wasser begieen sah, verging ihm alle Geduld.
Er sprang nicht blo, er tobte, er wthete, er nannte Mistre Tomahawk --
stellen Sie sich nur vor, schne Leserinnen, der Ungezogene! -- eine
Hexe, eine Teufelin, eine Medizin[39]. Jemmy, ohne ein Wort zu verlieren,
runzelte ihre Stirne, warf ihr Nschen auf, und der junge Tomahawk ward
getauft, wie andere Christenkinder.

    [39]: =Medizin= werden von den Indianern Aerzte, Hexenmeister,
    Zauberer, berhaupt alle diejenigen genannt, die sie wegen ihrer
    Kenntnisse in Verbindung mit ber- oder unterirdischen Wesen
    whnen.

Als einige Jahre spter die Shawneese-Indianer mit der Regierung der
Staaten in Unterhandlungen wegen Abtretung ihrer Lndereien traten, war
die Farm Tomahawks zu mehrern hundert Ackern blhender Fruchtgrten und
herrlicher Wiesen und Felder angewachsen. Mistre Tomahawk wies natrlich
jede Zumuthung, ihr Land abzutreten, mit Standhaftigkeit zurck, und
vertheidigte ihre und ihres Mannes Rechte, wobei ihr der Friedensrichter
hlfreiche Hand bot, so wacker, da die Commissaire noch froh waren,
mit einigen tausend Ackern davon zu kommen. Schwerer hielt es, dieselbe
Ausnahme mehrern Indianerfamilien auszuwirken; doch auch dies gelang ihr,
und einige zwanzig dankbare Familien segnen noch heute ihr Andenken. Und
ihr Wohlstand und ihre Zufriedenheit nahmen mit jedem Jahre zu; sie sandte
ihre Kinder in die Schule der Missionaire an den Maumeefllen, wo sie
zu Christen und Brgern gebildet wurden, und sie lebt nun, das
sichtbare verehrte und werkthtige Oberhaupt ihrer rothen Mitbrger und
Mitbrgerinnen.

Der Reisende, den sein Weg ber die Haide zwischen Columbus und Dayton
nordwrts fhrt, wird unter und zunchst den Quellen des Miami ein
gewaltiges, aus gehauenen Baumstmmen aufgezimmertes Wohnhaus mit Scheunen
und Stllen finden, umringt von ppigen Waizen- und Wlschkornfeldern, und
auf den Wiesen an die sechzig der schnsten Melkkhe, mit Klbern, Pferden
und Fllen, nicht zu gedenken der Fruchtgrten, die unter der Last von
Aepfeln, Birnen und Pfirsichen zu brechen drohen. Um das Haus herum tummeln
sich ein halbes Dutzend Jungens und Mdchen von hellrother Gesichtsfarbe,
und herausgeputzt, als wren sie so eben aus Stubbs Laden zu Philadelphia
gekommen. Am Sonntage lesen sie ihre Bibel, oder satteln sich ihre Pferde,
und begleiten Mistre Tomahawk zur Kirche; dem Huptlinge, der ziemlich
behaglich und comfortabel aussieht, lesen und erklren sie die Zeitungen,
und der alte Tomahawk rhmt sich, da seine Buben bessere Mediciner
geworden sind, als die der Weien. Und er ist noch stark in Zweifel, ob
seine zwei ltesten Shne Advokaten oder Doktoren werden sollen. Zweimal
jedes Jahr macht Mistre Tomahawk eine Tour nach Cincinnati auf ihrem
sechsspnnigen Wagen, der, mit Butter, Ahorn-Zucker, Kse, Mehl und
Frchten beladen, einen Zug darbietet, den kein Gouverneur aufweisen kann.
Sie hat stets zwei ihrer Shne als Vorreiter bei sich. Und sie ist eben so
sehr das Schrecken der Marktinspectoren allda geworden, als sie das Orakel
und der Liebling aller Marktweiber -- und Mnner ist.




Nachwort an den geneigten Leser

von den Verlegern.


Es ist wohl selten der Fall, da Buchhndler es unternehmen, zu ihren
Verlagswerken Nachworte oder Nachreden zu schreiben; die Gelegenheit dazu
aber bietet dasjenige Buch des Verfassers der Reiseskizzen dar, welches wir
voriges Jahr als eine hchst merkwrdige Erscheinung unter dem Titel:

  =Der Legitime und die Republikaner=.

  Eine Geschichte aus dem letzten amerikanisch-englischen Kriege.

  mit dem Motto:

    Ich zittere fr mein Volk, wenn ich der Ungerechtigkeit gedenke,
    deren es sich gegen die Ureinwohner schuldig gemacht hat.

                                                  =Jefferson=.

  3 Bde. in 8., thlr. 4, oder fl. 6 rheinisch.

in die deutsche Literatur einfhrten. Wir machten damals aufmerksam, da
in diesem Werk nicht ein gewhnlicher Roman, sondern ein Kunstwerk hherer
Gattung, voll Originalitt und Leben, von ganz eigenthmlichem Gehalt und
Schlag zu finden sei. Solche Versicherungen aus dem Munde der Verleger
finden nicht immer glubige Leser; man ist es zu sehr gewhnt, diese als
bliche, zum Geschft und Vertrieb gehrige Redensarten zu betrachten;
in den meisten Fllen bleiben auch derlei Empfehlungen ohne Wirkung, bis
endlich irgend eine akkreditirte literarische Anstalt es der Mhe werth
findet, ein solches Werk mit ihrer Kritik zu beehren. Das ist nun, in
Bezug auf den Legitimen, bereits in mehrern Blttern, und namentlich in den
allgemein geachteten Blttern fr literarische Unterhaltung, Leipzig,
bei Brockhaus, vom 7.Mrz, Nr.66, geschehen, und der geneigte Leser der
Reiseskizzen, der, angezogen von der hchst originellen Schreibart unsers
unbekannten Verfassers, auch sein frheres Geistesprodukt gerne kennen
lernen mchte, wird ohne Zweifel unsere Empfehlung durch diese Recension
gerechtfertigt finden. Sie lautet wrtlich wie folgt:

Mag es nun wahr sein, oder die Herren Verleger es blo affektiren, da
dieser Roman aus einer amerikanischen Feder englisch geflossen und von
einer deutschen Hand aus der Handschrift bersetzt worden sei; so viel ist
gewi, er mu von Jemand geschrieben sein, der Nordamerika, der die beiden
darin noch kmpfenden Nationen, der die amerikanische Denkweise beider
Parteien bis in ihre Nuancen, der die Sprache und die Idiotismen derselben,
der den sittlichen und politischen Gehalt der neuen Welt recht grndlich
kennt.

Nach europischen Begriffen knnten ber die Richtigkeit des Titels
Bedenklichkeiten entstehen; wir wollen daher bemerken, da der Legitime
ein Huptling, Knig oder Miko der Mascogee- oder Oconee-Indianer, der
Republikaner aber der grte Kopf seines Volkes, der General Jackson
ist, obgleich dieser, gleichsam auf den Kpfen von 100 andern kleinern
Republikanern getragen, erst ganz zuletzt erscheint. Sollte der Verf.
den im Titel liegenden scharfen Gegensatz nicht aus diesen beiden
Hauptcharakteren herzunehmen gemeint gewesen sein, so mten wir ihn aus
dem Inhalt des ganzen Werkes herleiten, und dann scheint uns der Titel noch
weniger passend gewhlt, da in Amerika der Republikanismus legitim ist.[40]

    [40]: Uns scheint im Gegentheile, die Absicht des Verfassers sei
    es, die letzten Kmpfe der Ureinwohner, die durch den
    Legitimen, das heit den Miko, reprsentirt werden, mit den
    Amerikaner-Republikanern, die collectiv dargestellt werden, dem
    Leser vor Augen zu bringen.

                                                  =Die Verleger=.

Die Absicht des Verf. reiht sich an den Titel, wie wir ihn erklren, sehr
schn an. Er will nmlich durch einen historischen Roman die Nation auf
die Ungerechtigkeit aufmerksam machen, mit welcher sie die Ureinwohner des
Landes aus den Wohnsitzen ihrer Vter treibe, obgleich die Thorheit
der Indianer, sich einzubilden, da der groe Schpfer wenigen tausend
Stammgenossen ein Land, so gro und oft grer als Deutschland, zum
Jagdrevier angewiesen habe, auf welchem Millionen fleiiger Landbauer
wohnen knnen, unlugbar diese Ungerechtigkeit herbeigefhrt habe.

Zu diesem Zwecke lt er einen Indianerhuptling Louisianas, welcher lange
mit den Weien gekmpft, der selbst ihre Sprache und Schrift erlernt hat,
um ihre Feinheit und Ueberlegenheit daraus zu entnehmen, des ungleichen
Kampfes mde und von einem Theil der Seinigen verrathen und verkauft,
seine Heimath verlassen und sich an der Grnze von Texas, ohne da er
die Uebersiedlung nach Mexiko gewahr wird, mit einem Haufen Getreuer neue
Wohnsitze whlen. Mit sich nimmt er ein kleines weies Mdchen, dem seine
treffliche, heldenmtige Tochter Mutter wird. Er selbst hat das Kind aus
den Hnden seiner Krieger gerettet, die es zu tdten im Begriff standen,
nachdem sie so eben die Mutter scalpirt. Trefflich zeichnet der Verf. die
Sitten dieses und ihm gegenber eines mexikanischen Stammes und seines
Huptlings, und man erkennt in dem letztern den Verwandten jenes Volks
wieder, welches die Spanier bei der Eroberung von Mexiko so schndlich
mihandelten.

Vergeblich wrden wir versuchen, einen kurzen Begriff von den Reizen der
Schilderungen zu geben, zu welchen indianisches Leben und amerikanische
reiche Natur Gelegenheit bieten, vergebens die zarten Nuancen der edelsten
weien und rothen Menschen und ihrer bald rohen, bald wilden Charaktere und
Sitten zusammenstellen, um eine Anschauung von dem Inhalte dieses Werkes zu
geben, das eine geistreiche Belehrung ber die so eben angedeuteten Punkte
enthlt. Wir wollen nur die beiden grten Abtheilungen desselben einander
gegenberstellen, um den reichen Inhalt zu charakterisiren und dasselbe
Interesse dafr zu erregen, mit welchem wir dasselbe gelesen haben.

Die ersten anderthalb Theile nmlich sind fast ausschlielich den Indianern
gewidmet, whrend die Weien nur einzeln, und gleichsam um den Zusammenhang
mit ihnen zu erhalten, darin auftreten; die letzten anderthalb Theile
dagegen zeichnen das nordamerikanische Leben, die wunderbare Republik,
und hier spielen die Indianer wieder dieselbe Rolle, wie die Weien in der
ersten Hlfte des Werkes.

Wir verkennen nicht, da uns der Verf. manche Erklrung schuldig bleibt,
manche Unwahrscheinlichkeit auftischt und manchen Fehler gegen die Kunst
der classischen Schriftstellerei begeht; allein wir knnen ihm das Lob
nicht versagen, da im Wesentlichen sein Plan meisterhaft angelegt und
ausgefhrt sei[41]. Die Breite der Erzhlung und der Schilderung sind wir
von den historischen Romanschreibern der Scott'schen Schule gewohnt und
mssen sie uns nun schon gefallen lassen. Es ist diesen Herren so bequem,
ihre Einbildungskraft in Naturscenen oder huslichen Einrichtungen sich
ergehen, wir mchten sagen, sich erholen zu lassen von den Anstrengungen
der Darstellung berraschender Begebenheiten. Zur Sittenzeichnung sind
diese Spaziergnge sehr gelegen, und wo sie dem Zwecke redlich dienen, kann
man ihre Weitlufigkeit schon ertragen. Auch versteht bei uns schon jede
Dame, das Entbehrliche beim Lesen wegzulassen oder Seiten mit einem Blicke
zu bersehen.

    [41]: Wir bemerken, da fr viele deutsche Leser manches
    unwahrscheinlich ist, was fr den amerikanischen der hchste Genu
    ist. Wir sind nur zu wenig mit dem Leben der Amerikaner bekannt,
    wie dieses tagtglich offenbarer wird.

                                                  =Die Verleger=.

Htte Cooper's gebildetere Feder diesen Plan ausgefhrt, so drfte die
Ausfhrung mancherlei gewonnen haben. Im Ganzen aber mssen wir, Cooper's
Talent in Ehren, dieser Conception vor der Cooper'schen den Vorzug geben,
weil sie geistreicher und groartiger ist. Der Verfasser drfte wohl ein
Mann sein, welcher als Staatsmann einen bedeutenden Platz in der Republik
schon einnimmt, oder gewi noch einnehmen wird. Wer die Interessen seiner
Nation so genau studirt hat, wie er, ist berufen, Theil an ihrer Leitung zu
nehmen[42]. Hchst anziehend haben wir treffende Bemerkungen ber den Geist
des Soldatenlebens und ber die Landesvertheidigung der Republik gefunden.
Vielleicht bezeichnet nichts so scharf die Ursachen, weshalb Amerika
der Entwickelung loyaler Freiheit des Brgerthums mit festem Schritte
entgegengeht. Wir sehen berall einen gewissen Optimismus, nirgends aber
einen Aristokratismus an die Spitze treten. Der Brger wird selbst unter
den Waffen seine Rechte als solche nie verlieren, und nur Die knnen seine
wahren Fhrer sein, die unter allen Verhltnissen das Brgerthum zu ehren
wissen. Jackson, der Diktator zur Zeit des englischen Einfalls, wird nach
seinen groen Siegen ber das englische Heer vor Gericht gestellt und um
2000 Dollars gestraft, weil er die Freiheit der Brger im Augenblicke der
Noth nicht geachtet hatte. Er zahlt die Strafe willig aus eigenen Mitteln,
obgleich Tennessee und Kentucky sie zu bernehmen sich erbieten, und die
ganze Nation feiert nun in dem Helden zugleich den guten Brger.

    [42]: Hierber knnen wir keine Aufschlsse geben. Das Werk ist
    uns von geachteter Hand zugekommen, und der Verfasser mag, so wie
    Walter Scott und andere Autoren, die anonym geschrieben,
    seine Ursache haben, auf den Schriftstellerruhm einstweilen zu
    verzichten. Diese Anonymitt ist bekanntlich in Amerika und England
    eine hergebrachte Sache. Walter Scott, Washington, Irving und
    viele andere haben dasselbe gethan, ganz das Gegentheil von unsern
    Autoren, die, lcherlich genug, als Uebersetzer ihre Namen auf ein
    Werk setzen, dem der Autor den seinigen noch nicht beizudrucken fr
    gut befunden.

                                                  =Die Verleger=.

Der Uebersetzer hat das Verdienst, alle Idiotismen der
englisch-amerikanischen Sprache getreulich nachgebildet zu haben, und
nur wenige dieser Nachbildungen werden fr den, der englischen Sprache
unkundigen Leser ungeniebar sein.

Auf jeden Fall ist dieser Roman bei weitem lehrreicher, als irgend ein
Scott'scher oder Cooper'scher und verdient von den Deutschen besonders
beachtet zu werden, die schon mit einem Fue aus ihrer heimathlichen Htte
getreten sind, um die groe Auswanderung zu beginnen. Begreifen wird ein
solcher daraus, mit welchem Volke er zu thun bekomme, und da er deutsche
und europische Engherzigkeit aus seiner Seele treiben msse, um drben
nicht wie ein elenderer Philister betrachtet und verachtet zu werden, als
er hier vielleicht schon war. Er wird sich berzeugen, da er mit solcher
Ausstattung dort nicht weiter kommt, als er hier war -- zur Tagelhnerei
und Plackerei. Leider bringen die Deutschen am hufigsten noch die geistige
Aermlichkeit ihrer Begriffe von Brgerthum und Staat mit nach Amerika, und
dafr werden sie auch in diesem Werke gelegentlich gezchtiget.[43]

    [43]: Diese Stelle zeuget vom trefflichen Urtheil des Recensenten.
    Unstreitig giebt es deutsche Auswanderer, die, weder dem
    Vaterlande, das sie verlassen, noch dem Lande, wo sie
    hinkommen, groe Ehre machen, und die allerdings durch frhere
    Vernachlssigung, blen Haushalt und schlechte Gewohnheiten oft
    kaum ber der Race der Rothhute oder ihrer afrikanischen Brder
    stehen, und in ihrer moralischen Versunkenheit das elendste Dasein
    nur kmmerlich fristen.

                                                  =Die Verleger=.

Wer mchte nach diesem Urtheil nicht versucht werden, das treffliche Buch
zur Hand zu nehmen? Mehr als ein Leser wird es billigen, da wir unter dem
Spreuer der deutschen Romanenliteratur einige chte Goldkrner als solche
anempfehlen.

  =Zrich=, im Mai 1832.

          =Orell, Fli und Compagnie=.




Druckfehler.

Band II.


  Seite. Zeile.

    59      8 [von unten,] statt: Don Senor Manuel,
                           lies: =Senor Don Lopez=.

    59      6 [v. u.,] st. _Allate_, l. =_Callate_= (schweigt.)

    77      6   st. Wir reficiren, l. =Wir referiren=.

   160      8 v. u., st. zwei blinde Silberdollars,
                     l. =zwei blanke Silberdollars=.




[ Hinweise zur Transkription


Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. In dieser Transkription
wird gesperrt gesetzte Schrift "=gesperrt=" wiedergegeben, und Textanteile
in Antiqua-Schrift sind "_hervorgehoben_".

Im Rahmen der Transkription

- wurde der Halbtitel entfernt;

- wurde das Druckfehlerverzeichnis, das im Original am Ende von BandI
eingelegt ist, auf die Bnde I und II aufgeteilt, und alle Berichtigungen
entsprechend eingearbeitet (Seiten- und Spaltenangaben beziehen sich auf
den Originaltext einschlielich der Funoten).

Hinweis: "Red-River" (auch: "Redriver") bezeichnet sowohl den Flu als auch
das gleichnamige Dampfschiff.

Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, einschlielich
uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Capitain"/"Kapitain",
"ODougherty"/"O'Dougherty",

mit folgenden Ausnahmen,

  Seite 5:
  "," eingefgt
  (Papa, riefen die beiden Mdchen)

  Seite 17:
  "gue" gendert in "gute"
  (Es sind gute Menschen diese Creolen)

  Seite 17:
  "," eingefgt
  (Und da ist er selbst, der leibliche Mister Bleaks)

  Seite 19:
  "Sybille" gendert in "Sibylle"
  (Ah! die alte Sibylle!)

  Seite 29:
  "." eingefgt
  (Die beiden Eheleute fingen an ihre Farbe zu verlieren.)

  Seite 48:
  "," eingefgt
  (Monsieur Menou also auch ein _haut-ton_-Mann, sprach ich)

  Seite 62:
  "Himmmel" gendert in "Himmel"
  (zum Himmel, da ich wahrlich den Heiligen beneidete)

  Seite 133:
  "quarterlics" gendert in "quarterlies"
  (oder die _quarterlies_ zu studiren)

  Seite 175:
  "zn" gendert in "zu"
  (wie ein elenderer Philister betrachtet und verachtet zu werden)]

       *       *       *       *       *





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Christophorus Brenhuter. Zweites Bndchen., by Charles Sealsfield

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both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

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effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit www.gutenberg.org/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:  www.gutenberg.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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