The Project Gutenberg eBook, Die Schn Magelona, by Anonymus, Translated
by Veit Warbeck


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Title: Die Schn Magelona
       eine fast lustige Historie von dem Ritter mit den silbern Schlsseln und von der Schnen Magelona gar lustig zu lesen


Author: Anonymus



Release Date: December 6, 2011  [eBook #38239]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1


***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SCHN MAGELONA***


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DIE SCHN MAGELONA

eine fast lustige Historie von dem Ritter mit
den silbern Schlsseln und von
der Schnen Magelona

gar lustig zu lesen

[Illustration]







Im Insel-Verlag zu Leipzig




          Im Namen Unsers lieben Herrn Jesu Christi fanget
          an die nach folgende Historie von dem teuern Ritter
          Peter, eines Grafen Sohn aus Provincia, und von
          der Schnen Magelona, eines Knigs Tochter aus
          Neapel. Welche Historie in die franzsische Sprach
                ist gesatzt worden, als man zhlet von
                  Christi, Unsers lieben Herrn, Geburt
                   tausend vierhundert dreiundfnfzig
                                Jahr.




Nach der Himmelfahrt Unsers lieben Herrn Jesu Christi, als Frankreich
mit anderen umliegenden Orten und Landen, Provincia, Langendoc und
Aquitania, zu Christlichem Glauben kommen waren, da war ein Graf mit
Namen Herr Johann Cerise, der htt ein Weib, die war ein Tochter des
Grafen Alvaro von Dalbara. Diese zwei htten einen einigen Sohn, genannt
Peter, der bertraf alle anderen in Waffen, Ritterspielen und anderen
Sachen, also, da er sich mehr gttlich dann menschlich erzeiget. Und
ward freundlich und lieb gehalten, nicht allein von dem Adel, sondern
auch von dem ganzen Lande. Seine Untertanen dankten GOTT dem
Allmchtigen eines solchen Oberherrn. Auch htten sein Vater, der Graf,
und die Mutter sonst kein ander Freud, dann allein in ihrem Sohn, da er
so tapfer, so freundlich, so schn und so weise war.




Wie eins mals ein Turnier geschah durch die edeln Freiherren aus Befehl
des Grafen.

                             [Illustration]


Die Freiherren und Edeln des Landes hielten eines Tags ein Turnier,
darin der Peter den Preis erlanget vor allen anderen, wie wohl viel
fremder und gebter Ritter auch darbei waren. Die wurden alle von dem
Grafen geehret von wegen seines Sohnes, und redeten alle mancherlei
unter einander, als dann sein Gercht weit erschlle, und seines
gleichen nicht wre. In Sonderheit lie sich einer vernehmen von der
Schnen Magelona, eines Knigs Tochter von Neapel, deren gleichen nicht
sollt gefunden werden von Schnheit und Tugend; und bten sich auch
viele in Ritterspielen, ihr darmit zu gefallen.

Und es begab sich eines Tags, da kam einer zu dem Peter und saget ihm
also: Ihr sollet wandern und die Welt suchen und euch ben in
Ritterspielen, damit ihr weiter erkannt wrdet. So ihr mir des folget,
werdet ihr ohn Zweifel einen schnen Buhlen berkommen. Da solches der
Peter vernahm, und htt die Weil vor auch von der Schnen Magelona
gehret, setzt er sich selber fr in seinem edeln Herzen, so er mchte
Urlaub haben von Vater und Mutter, zu folgen und die Welt zu erfahren.

                             [Illustration]

Nicht lang darnach, als der Hof vergangen war, bedacht sich Peter, wie
er es anfahen wolle, da er Urlaub erlange von Vater und Mutter, die
sich seines Hinziehens nicht versahen. Und es begab sich eines Tags, da
er Vater und Mutter fand bei einander sitzen; und gedacht, da um Urlaub
zu bitten. Fiel also auf beide seine Knie, und sprach zu ihnen:
Gndiger Herr Vater, auch gndige Frau Mutter, ich bitt euch
untertnig, mir als euerm gehorsamen Sohn, zuzuhren. Ich seh und
erkenne, wie ihr mich bisher erzogen und in groen Ehren gehalten. Hab
auch viel verzehrt von dem Euern, mich aber nicht gebraucht, Preis zu
erlangen und bekannt zu werden, als die anderen Herren. Hierum bitt ich,
so es euch nicht entgegen, mir gndiglich zu erlauben, der Welt Lauf zu
erfahren. Wann mich gedauchet gnzlich, es werd euer Ehr und mein groer
Nutz sein. Darum, mein aller liebster Herr Vater und Frau Mutter, bitt
ich euch demtiglich, ihr wollet mir gndiglich und gutwilliglich
erlauben!

Als der Graf und die Mutter solchen Willen ihres Sohns vermerkten,
wurden sie nicht klein beschwert und traurig. Doch antwortet ihm sein
Vater und sprach: Peter, lieber Sohn, du weit, da wir keinen andern
Sohn haben, dann dich einigen, auch keinen Erben, dann dich. So es dann
dir milnge (da GOTT vor sei), wrde unser Grafschaft und Herrschaft
ganz verloren werden. Auch saget ihm sein Frau Mutter: Es ist dir
nicht vonnten, die Welt zu suchen. Wann die, so die Welt suchen, tun
es, Geld und Reichtum, auch der Herren und Frsten Gnad, dardurch zu
erlangen. So hast du, GOTT Lob, von Reichtum und Ehren in Waffen und
Ritterschaft, auch Adel, Milde und Schnheit genug, als kein Frst
dieser Welt. Hast auch ein gut Gercht berall durch dein Tapferkeit
erlanget, zu dem ein schne Landschaft, GOTT Lob. Warum begehrest du
dann, ander Gut zu erlangen? Zeig doch an die Ursach, warum du willens
seiest, uns also zu verlassen! Sieh an deines Vaters und mein Alter, und
betrachte, wie wir kein ander Freud, noch Trost haben, dann allein von
dir! Und so kein ander Ursach wre, dich in deinem Frnehmen zu
verhindern, gedauchtet mich solche genugsam. Hierum bitt ich dich,
liebster Sohn, als viel ein Mutter ihr Kind bitten kann, du wollest
deines Hinziehens frder schweigen!

Als der Peter solchen Willen seines Vaters und Mutter vermerket, ist er
sehr erschrocken, jedoch hat er mit nieder geschlagenen Augen auf ein
Neues angefangen und gesaget: Ich bin der, so euch gehorsam und willig
in allen Dingen sein will. Jedoch, so es euer beider guter Willen wre,
bitt ich nochmals von euch beiden gndige Erlaubnis! In dem werdet ihr
mir einen groen Gefallen tun. Ein junger Mensch mag nichts Bessers tun,
dann sich ben und die Welt durch suchen. Derhalben ich wiederum auf das
Untertnigst bitte, meines Hinziehens kein Beschwernis zu tragen,
sondern zufrieden stehen.




Wie der Graf und die Grfin ihrem Sohn Peter erlaubten, die Welt zu
erfahren.

                             [Illustration]


Als der Graf und die Grfin solchen Frsatz und Willen ihres Sohns
vernahmen, wuten sie nicht, was ihnen darinne zu tun geziemen wlle:
ihrem Sohn sein Bitten und Begehr abzuschlagen, oder zuzusagen. Wann ihr
Sohn Peter blieb also auf den Knien, beider Antwort anzuhren. Und als
er vermerket ihr lang Stillschweigen, fing er wieder an zu bitten also:
Aller liebster Herr Vater, mein untertnigst Bitten ist nochmals, ihr
wollet mir gndiglich erlauben!

Darauf sein Vater also saget: Liebster Sohn, dieweil du also einen
groen Willen hast, die Welt zu sehen, so geben dein Frau Mutter und ich
dir ein gndige Erlaubnis. Doch gedenke, da du nichts bels handelst
und tuest, das dem Adel entgegen sei! Hab GOTT den Allmchtigen lieb vor
allen Dingen, und dien ihm alleweg! Ht dich auch vor bser
Gesellschaft, und komm, als zeitig dir mglich, herwieder! Nimm Pferd
und Harnisch, Gold und Silber von dem Meinen, als viel dir vonnten will
sein! Da solches der Peter von Vater und Mutter gehrt, danket er ihnen
beiden gar untertnig.

In dem nahm ihn sein Frau Mutter auf einen Ort und gab ihm drei
kostliche und hbsche Ringe, so eines groen Gelds geschatzt waren. Als
er die selbigen empfangen, danket er seiner Frau Mutter aufs Demtigst.
Und bereitet sich auf die Fahrt, nahm mit sich Edel und Unedel, ihm zu
dienen. Nach dem nahm er Urlaub von Vater und Mutter, die ihm befahlen,
gute Gesellschaft zu suchen, und die bse zu fliehen. Er slle auch ihr
beider eingedenk sein.

Also zog Peter hinweg, als heimlich, so ihm mglich; und ritt so lang,
bis er kam in die Stadt Neapel, da der Knig Magelon, der Schnen
Magelona Vater, Hof hielt. Und zog zur Herberg auf einen Platz, genannt
auf den heutigen Tag der Frsten Platz. Als er nun in die Herberg kam,
befraget er sich der Gewohnheit des kniglichen Hofes, und begehret von
seinem Wirt, unterrichtet zu werden, ob auch fremde namhafte Ritter am
Hof wren. Berichtet ihn sein Wirt, wie da vor kurzen Tagen einer an
Hof kommen wr, dem der Knig groe Ehr bewiese von wegen seiner groen
Mannheit, mit Namen Herr Heinrich von Crappana genannt. Dem zu Gefallen
der Knig bestallt htt ein Turnier (oder Stechen) auf den nchst
zuknftigen Sonntag. Fraget Peter weiter seinen Wirt, ob auch die
Fremden zu Turnieren zugelassen wrden. Antwortet ihm der Wirt, ja
gerne, doch da einer auf die Bahn gerstet kme nach aller Notdurft.




Wie Peter auf die Bahn kam, Ritterspiel zu ben, und stellet sich auf
den niedrigsten Ort der Bahn als ein Fremder und Auslnder.

                             [Illustration]


Den nach folgenden Sonntag stand Peter frhe auf, wann er begehret, die
Schne Magelona zu sehen, und hret Me. Und lie sich sein Pferd mit
aller Zugehr versehen, des gleichen auch sein Kleidung. Wann er war
willens, auf den Tag Ehre ein zu legen. Und lie sich machen zween
silbern Schlssel auf seinen Helm, darbei er mchte erkannt werden, in
der Ehr des Himmelsfrsten Sankt Peter; wann er liebet ihn, auch dieweil
er den Namen von ihm htt. Diese Schlssel waren sehr kostlich und eines
groen Gelds geschatzt. Lie sich auch Schlssel machen auf alle Decken
seiner Pferd.

Da sich die Zeit nahet, auf die Bahn zu ziehen, htt der Knig, samt
seinem Gemahel und Tochter, auch anderen Jungfrauen und Frauen, zu
Morgen gessen. Und stiegen auf einen Schaustuhl, dem Turnieren zu zu
sehen. Also kam Peter, samt einem Knecht und Knaben, auf die Bahn
gezogen. Und hielt am niedrigsten Ort der Bahn, wann er war fremd und
unbekannt, und kennet ihn niemand, der ihn herfr gezogen, und oben an
gestellt htte.

Als nun die Zeit kam, die Musterung zu tun, sich vor Jungfrauen und
Frauen in der Ordnung zu erzeigen, kam ein Herold, rief aus Befehl des
Knigs dieser Gestalt: wer da willens wre, von wegen Jungfrauen und
Frauen einen Spie zu brechen, der slle auf die Bahn ziehen. Als
solches geschehen, kam herfr gezogen auf die Bahn Herr Heinrich von
Crappana; gegen dem zog einer von des Knigs Dienern. Den traf Herr
Heinrich wohl, da er am Sattel hing. Brach also seinen Spie wohl. Es
begab sich aber in dem, als des Knigs Diener also getroffen war, da er
seinen Spie von sich warf. Und begab sich ohn Gefahr, da der Spie
Herrn Heinrichen von Crappana Pferd zwischen die Beine kam, darvon das
Pferd mit Herrn Heinrichen zu fallen gentiget ward. Da huben die Freund
des Kniglichen an zu sagen, Herr Heinrich wre redlich gefallen. Das
tt Herrn Heinrichen sehr verdrieen; und wollt also nicht mehr treffen.

Zum andern mal rufet der Herold aus Befehl des Knigs, so ein ander
wre, der Lust htte, einen Spie zu brechen, der slle auf die Bahn
ziehen. Als solches der Peter vernahm, zog er auf die Bahn wider den
Kniglichen, der mit Herrn Heinrichen getroffen htt, und gesaget, er
htte Herrn Heinrichen redlich herab gestochen. Von welcher Rede der
Peter zornig und beweget ward; wann solches Reden mit Gewalt geschah,
nach dem doch der Herr Heinrich ein berhmter Renner war. Und traf der
Peter mit dem Kniglichen, da Pferd und Mann sich nicht enthalten
mochten, und auf einem Haufen lagen. Also, da sich alle Umsteher und
Zuseher solches Treffens tten verwundern.

Als solches der Knig gesehen, lobet und pries er den Ritter mit den
silbern Schlsseln; und htte gerne erfahren, wer solcher fremder Ritter
gewesen wre. Schicket als bald seinen Herold zu ihm, zu erfahren, wer
er wre.

Als nun der Herold zu dem Peter kam, zeiget er an, wie er vom Knig,
seinem Herrn, zu ihm gesandt wre, zu erfahren, wer er wre, und wes
Landes. Saget der Peter dem Herold: Du sollst dem Knig sagen, deinem
Herrn, und ihn bitten von meinen wegen, er wlle kein Ungefallen darab
haben, so ich ihm meinen Namen zu wissen verhalte. Wann ich hab es
gelobet, keinem Menschen zu bekennen, wie ich heie. Doch sage dem Knig
also: ich sei ein armer Edelmann aus Frankreich und suche die Welt, von
Jungfrauen und Frauen Preis und Lob zu erlangen. Also kam der Herold
wieder zu dem Knig und zeiget ihm an, was er von dem Peter gehrt und
erfahren htt. Da solches der Knig verstund, ward er zufrieden; und zu
eignet solche Antwort seiner Hflichkeit, dieweil er nicht wollt berhmt
sein.

Darnach fing es der Peter recht an; wann ein jeder sich unterstund, das
Beste zu tun mit ganzem Flei. Jedoch, auf das Kurzest darvon zu reden,
tt der Peter das Beste, und stach die Fremden ledig alle herab. Aus
solchem der Knig und alle anderen ihm das Lob gaben, da er das Beste
getan htte. Und behielt also den Preis. Doch htte der Knig gerne
gewut, so viel ihm mglich, wer er gewesen; des gleichen auch alle
Umsteher. Das Gerchte ging auch unter den Jungfrauen und Frauen von
diesem Ritter mit den silbern Schlsseln. Auch htt die Schn Magelona
groe Acht auf den Peter und konnte sein nicht vergessen.

Da es nun an ein Ende kam, zog jedermann wieder zu Herberg. Und Peter
behielt den Preis von mnniglich. Als er von der Bahn nach seiner
Herberg zog, kamen zu ihm Herr Heinrich von Crappana, des gleichen ander
mehr, und begleiteten den Peter bis in seine Herberge. In der selbigen
Stunde berkam Herr Heinrich eine groe Liebe zu dem Ritter mit den
silbern Schlsseln, und blieben darnach gute Gesellen.




Wie viel Rennen und Stechen gehalten wurden aus Befehl des Knigs von
wegen seiner Tochter, der Schnen Magelona.

                             [Illustration]


Viel Turnieren, Rennen und Stechen befahl der Knig zu Neapel aus
Ansuchen seiner lieben Tochter, der Schnen Magelona. Die bat ihn sehr
derwegen aus Liebe, die sie zu dem Ritter mit den silbern Schlsseln
trug, doch verborgen. Wann so der Knig des Ritters mit den silbern
Schlsseln ansichtig ward, gefiel er ihm allenthalben, sonderlich von
wegen seiner Tugend, Adels und Hflichkeit. Und sprach zu Weilen wider
sich selber: Frwahr, dieser Ritter wird nicht eines kleinen
Geschlechts sein, wann all sein Wesen nicht anders anzeiget. Er ist auch
wrdig, da wir ihm mehr Ehr erzeigen, dann ihm bisher von uns
widerfahren ist. Auf das befahl der Knig etzlichen seines Hofgesindes,
sich zu befleiigen, zu erfahren, wer er wre, und ihm darnach solches
an zu zeigen. Was sie zu tun willig waren.

Also begab sich eines Tags, da ihn der Knig zum Mittagmahl fordert,
mit ihm zu essen, auf da er ehrlicher gehalten wrde. Des ward der
Ritter sehr erfreuet, der Hoffnung, des Knigs Tochter, die Schne
Magelona, ba zu besehen, und nach allem Willen, wann er vor sie nicht
wohl gesehen htt. Als Zeit war, zu essen, kam der Ritter mit den
silbern Schlsseln. Hie ihn der Knig, sein Gemahel und seine liebe
Tochter, die Schn Magelona, sich zu ihm an seinen Tisch setzen, dem
Ritter zu Gefallen und ihm darmit desto grer Ehr zu erzeigen. Da sie
nun alle zu Tische gesessen, ward der Ritter gegenber der Schnen
Magelona gesetzet. Nun war die Mahlzeit von fremden Essen aufs Beste
bestallt. Aber der Ritter achtet des Essens wenig, wann er war allein
mit seinem ganzen Herzen geflissen, die Schne Magelona genugsamlich zu
beschauen, und in sich selber zu bedenken die bertreffliche Schnheit
der Jungfrauen. Und speiset also sein Gesicht mit ihrem Anblick, und
gedacht in seinem Herzen, es wr keine schner auf Erden, dann die Schn
Magelona. Also ward er entzndt in ihrer Lieb, und gedauchet ihn der
selig, der ihre Lieb berkommen mchte. Doch schtzet er sich selber
nicht fr den, dem es widerfahren mchte, und hielt es bei sich selber
fr unmglich, da ihm solch Glck begegnen mchte. Und nicht weniger,
wie ihm ward, geschah auch der Schnen Magelona in ihrem Herzen von dem
Ritter.

Als sie nun gegessen htten, geschahen mancherlei Spiel und Kurzweil auf
dem kniglichen Saal. Und ging der Knig, samt seinem Gemahel, der
Knigin, kurzweilen; gab auch seiner lieben Tochter, der Schnen
Magelona, Macht und Urlaub, mit den Rittern auf dem Saal zu reden. Also
begab's sich, da die Schn Magelona den Ritter mit den silbern
Schlsseln freundlich zu sich rufet. Da solches der Peter vernahm, kam
er schnell und willig. Saget sie zu ihm: Edeler Ritter, mein gndiger
Herr Vater, der Knig, hat ein gro Gefallen in allem euerm zchtigen
Wesen, des gleichen auch die anderen alle, so herinne sind, auch von
wegen eurer ritterlichen Sachen, Tugenden und adeligem Gemte. Hierum,
kommt oft herein kurzweilen! Wann mein gndiger Herr Vater, des gleichen
mein gndige Frau Mutter und alle anderen, tragen ein gro Gefallen
hierinne an euch, auch ich, mit samt anderen Jungfrauen und Frauen.

Als solches der Peter von der Schnen Magelona verstanden htt,
antwortet er ihr zchtiglich: Gndiges Frulein, mir ist's allein nicht
mglich, euerm Herrn Vater, dem Knig, meinem gndigen Herrn, des
gleichen meiner gndigen Frauen, euer Gnaden Frau Mutter, und so auch
euer Gnaden, der Ehren halben zu danken, so mir von ihren Gnaden
unverdient erzeiget werden; dieweil mir, also einem armen Diener eines
kleinen niedrigen Standes, so viel Ehr erzeiget wird. Wann ich hab auch
nicht verdient, genannt zu werden der geringste Diener euer Gnaden
Hofgesinds. Jedoch tu ich, hochgeboren gndiges Frulein, euer
frstlichen Gnaden demtig Danksagung, und will mich erbieten, solches
zu verdienen. Ich will auch allwegen euer Gnaden untertniger Diener
sein, es sei, wo es wolle.

Da antwortet ihm die Schn Magelona: Ich bedank mich euers Erbietens,
will auch hinfr euch fr meinen Diener halten. Nach diesen Worten ging
die Knigin in ihre Kammer, und die Schn Magelona mit ihr, wie wohl
ungerne. Doch am Abscheiden saget sie zu dem Ritter: Edeler Ritter, ich
bitt euch freundlich, ihr wllet oft herein kommen kurzweilen; wann ich
htte wohl etwas mit euch in geheim zu reden von Ritterspielen und
anderm, so in euer Heimat geschehen. Und beschweret mich nicht wenig,
da ich dies mals nicht Zeit habe, weiter mit euch zu reden. Und nahm
also von ihm Urlaub, und sah ihn ganz freundlich an; aus welchem Ansehen
er tiefer verwundt ward in seinem Herzen dann vormals.

Und ging also die Schn Magelona in ihre Kammer, mit samt anderen
Jungfrauen und Frauen. Doch blieb der Knig bei den Herren auf dem Saal
stehen und redet mit ihnen mancherlei. Da kam er zu dem Ritter mit den
silbern Schlsseln und bat ihn freundlich, so es ihm nicht entgegen
wre, wlle er ihm seinen Namen anzeigen, auch seinen Stand. Aber er
konnte nichts anders von ihm erfahren, dann da er ein armer Edelmann
aus Frankreich wre, und zge, die Welt zu beschauen, und Ritterspiel
ben. Als solches der Knig von ihm verstanden htt, lie er's auch
darbei bleiben und hielt ihm's fr eine groe Tugend seines adeligen
Gemts. Und wollt ihn nicht mehr fragen, wann er vermerket wohl, da es
ihm entgegen war. Also nahm der Knig Urlaub und ging zu seiner Ruhe;
des gleichen auch nahm der Ritter Urlaub von dem Knig und anderen
Herren und tt sich in seine Herberg.




Wie Peter betrachtet die bertreffliche Schne der Knigstochter.

                             [Illustration]


Da nun der Peter von dem Knig in seine Herberg kam, ging er an einen
heimlich verborgen Ort und fing an, zu betrachten und zu Herzen fhren
die freundliche Red und gndiges Ansehen, auch die bertreffliche Schne
der Knigstochter, der Schnen Magelona; mit welcher Schne sie gezieret
war also tief, da er kein Rast noch Ruhe mehr htt.

Des gleichen wiederum, als bald die Schn Magelona in ihre Kammer war
kommen, tt sie nicht viel weniger von dem Ritter gedenken, und htte
gern gewut, wer er wre, und wie er hiee. Und gedacht, so er eines
groen und hohen Geschlechts wre, wollt sie ihn desto lieber haben
angesehen, dieweil er von ihren wegen an den Hof war kommen. Und
gedauchet sie wohl, aus Anzeigen seines zchtigen und adeligen Wesens,
er wre nicht also geringe, als er sich schtzet. Und nahm sich fr,
ihre Liebe die sie zu ihm trug, in groer Geheime zu offenbaren ihrer
Ammen, die ihr sonderlich heimlich und treu war.

Eines Tags nahm sie die Amme auf einen Ort in ihrer Kammer und sprach zu
ihr: Meine liebste Amme, du hast mich allwegen lieb gehabt und mir
groe Lieb erzeiget, darum ich in kein Person dieser Welt also gro
Vertrauen setze, dann in dich. Hierum will ich dir etwas sagen auf
Vertrauen; allein, du wollest es heimlich halten, und mir deinen
getreuen Rat mit teilen. Das wollt ich dir nimmermehr vergessen. Also
hub die Amme an und sprach zu ihr: Mein aller liebste Tochter, ich wei
in dieser Welt nichts, des ihr von mir begehret, das mir mglich ist,
ich wollt es tun, und soll ich darum sterben. Derhalb, saget mir
kecklich, und erffnet mir euer Herz und Gemt ohn alle Furcht.

Da hub die Schn Magelona an, zu ihr sprechen: Ich hab mein Herz und
Liebe ganz gesetzet in diesen jungen Ritter, der den vorigen Tag den
Preis im Stechen erlanget hat. Ich kann auch oder mag darvor weder
essen, trinken noch schlafen. Und so ich erfhre, da er eines hohen
guten Herkommens wre, wollt ich all mein Hoffnung in ihn setzen und ihn
zu meinem Gemahel nehmen. Hierum begehr ich seinen Stand und Wesen zu
erfahren.

Als solches die Amme von der Schnen Magelona vernahm, erschrak sie
nicht ein wenig, und wute nicht, was sie antworten solle. Doch saget
sie wieder zu ihr: Mein aller liebste Tochter und Frulein, was saget
ihr? Euch ist wohl bewut euer hoher Stand; und so der mchtigste Herre
dieser Welt euch berkme, wrde er sich nicht klein erfreuen. Ihr
setzet euer Herz und Lieb in einen jungen fremden Ritter, der euch an
Person und Herkommen unbekannt. Vielleicht begehret er wiederum von euch
nichts mehr, dann euer Schmach und Schande, und verliee euch nach mals
gar, so er solches zuwegen gebracht htte. Darum bitt ich euch, mein
aller liebste Tochter und Frulein, ihr wollet solche Gedanken aus euerm
Herzen schlagen und nicht mehr gedenken. Wann wo solches euer Herr
Vater, der Knig, erfhre, mchte euer Lieb tricht geacht und schdlich
werden. Habet ein wenig Geduld! Wann so es GOTT geliebet, mget ihr in
Krz noch wohl ehrlich und reichlich vergeben werden.

Da dies alles die Schn Magelona von ihrer Ammen verstanden htt und
vermerket, da sie nicht nach ihrem Gefallen wollt verwilligen, ward sie
ganz traurig und betrbt in ihrem Herzen und Gemt. Wann die Liebe htt
sie also berfallen und umgeben, da sie ihrer selbst nicht mehr mchtig
war. Und saget: Ach, mein liebste Amme, ist das die Liebe, die du zu
mir getragen hast! Willst du, da ich sterbe also elendiglich, und da
ich ende mein Leben so erbrmlich aus Mangel der Hilf und guten Rats?
Ach wehe! die Arzenei ist nicht weit zu suchen, sondern ist sehr nahe
bei mir. Ich schicke dich doch nicht also ferne und weit von mir. Doch
darfst keine Sorge vor meinem Herrn Vater und Mutter, auch vor mir
haben, noch vor niemanden. Und so du tust, was ich dich heien will, so
ist mir geholfen. Wo du mir aber nicht folgest, sollst du mich in kurzer
Zeit vor deinen Augen sehen sterben vor Unmut und Schmerzen.

Da die Schn Magelona solches geredt, fiel sie in einer schweren
Ohnmacht auf ihr Bette. Als sie aber wieder zu ihr selber kam, sprach
sie: Wisse, liebste Amme, da er eines hohen Stammes und Geschlechtes
ist. Wann seine Tugend solches anzeiget, auch will er darum seinen Namen
nicht anzeigen. Ich glaub aber gnzlich, so du von meinen wegen an ihn
wrdest begehren seinen Namen und Stand, er werde ihn dir nicht
verhalten.

Als nun die Amme an der Schnen Magelona gesehen die groe Lieb, die sie
zu dem jungen Ritter trug, trstet sie die Schne Magelona und sprach:
Mein aller liebste Tochter und Frulein, dieweil es euer Begehr und
Willen ist, will ich mich also viel befleien, damit ich von euert wegen
mit ihm rede, und solches erfahre, wie ihr mir auf geleget. Seid nur
getrost, und bekummert euch nicht mehr!




Wie die Amme in die Kirchen ging zu dem Ritter, mit ihm aus Befehl der
Schnen Magelona zu reden.

                             [Illustration]


Darnach ging die Amme in die Kirchen, den Ritter zu suchen. Und fand ihn
alleine beten, und tt auch, als sie bete. Als bald sie das Gebet
vollbracht, erbot ihr der Ritter Ehre; wann er kennet sie wohl und htt
sie vormals gesehen bei der Schnen Magelona. Da fing sie zu ihm an und
sprach: Herr Ritter, ich verwunder mich euer nicht ein wenig, da ihr
euern Stand und Wesen also heimlich haltet und verberget. Ich wei wohl,
da mein Herr, der Knig, und seiner Gnaden Gemahel, und in Sonderheit
die Schn Magelona eine groe Freud htten, zu erfahren, von wann und
wer ihr wret. So ihr dann geneiget wret, der Schnen Magelona solches
zu wissen zu tun, wollt ich's ihr nicht vorhalten. Ich wei auch, ihr
ttet in solchem ihr einen groen Gefallen; wann sie begehret es
herzlich zu wissen.

Als der Ritter die Frauen also hret reden, ward er voller Gedanken,
vermeinet er doch gnzlich, solche Reden kmen von der Schnen Magelona.
Gab ihr also zur Antwort und saget: Meine liebste Frau, ich sag euch
groen Dank, da ihr mit mir also freundlich geredt habt. Des gleichen
danke ich auch allen, so meinen Namen zu wissen begehren, in Sonderheit
meinem gndigen Frulein Magelona. Und so es euch geliebet und
unbeschwerlich, wollet mich ihr befehlen, und von meinen wegen bitten,
sie wlle kein Ungefallen darinne tragen, da ich mich nicht offenbare.
Wann die Weil ich von heimen gewesen, hab ich's keinem Menschen zu
erkennen geben. Jedoch, dieweil sie die Kreatur ist auf Erden, der ich
das aller Beste gnne in dieser Welt, auch ihr zu dienen und gehorsam zu
sein erbtig, mget ihr also zu ihr sagen: nach dem sie also herzlich
begehre, zu wissen meinen Namen, solle sie wissen, da mein Geschlecht
gro und hoch geadelt sei. Und bittet sie von meinen wegen freundlich,
sie wlle an dem ein gut Begngen haben. Und euch bitte ich aufs
Freundlichst, ihr wollet von meinem kleinen Vermgen etwas nehmen und
ihr mit bringen von meinen wegen. Wann ich selber ihr solches nicht darf
berantworten. Daran tut ihr mir ein gro Gefallen. Gab ihr also der
drei Ringe einen, die ihm sein Mutter in seinem Hinziehen mit geben
htt.

Da sie solchen Ring von dem Ritter empfangen htt, sprach sie zu ihm:
Edeler Ritter, diesen Ring will ich ihr von euert wegen berantworten,
auch darneben anzeigen, was wir mit einander geredt haben. Also nahmen
sie Urlaub von einander und schieden hinweg.

Die Amme ging frhlich hinweg von dem Ritter, darum, da sie mit ihm war
also zu reden kommen. Und redet zu ihr selber also: Es mag wohl also
sein, als mir die Schn Magelona angezeiget hat, da er eines groen
Geschlechts sein soll; wann er ist aller Zucht und Tugend voll. In
diesen Gedanken ging sie, bis sie kam zu der Schnen Magelona, welche
ihrer Zukunft mit groen Freuden wartet. Da zog sie den Ring herfr und
berantwortet ihr den mit Anzeigen, was sie mit einander geredt.

Als die Schn Magelona des Ritters Erbieten htt verstanden, und sah
auch den kostlichen Ring, den ihr der Ritter berschicket htt, sprach
sie zu ihrer Ammen also: Mein liebste Amme, hab ich dir nicht vormals
gesaget, er wrde sein eines hohen Geschlechts? Wann mein Herz saget
mir's. Auch kannst du wohl gedenken, ob ein solcher kostlicher Ring mge
sein eines Armen. Sicherlich, sage ich dir, das wird mein Glcke sein,
und kann nicht anders werden. Wann ich will und begehre ihn zu haben und
liebe ihn, ich will auch keinen andern lieben noch haben. Wann von
Anbeginne, als ich ihn am ersten ersah, ergab sich mein Herze ihm
alleine. Ich erkenne auch, da er mir zu Lieb und Gefallen hieher kommen
ist. Dieweil er dann eines hohen Geschlechts ist, ich auch wei, da er
von meinen wegen hieher kommen ist, und er der schnste Ritter unter
allen dieser Welt ist, wre ich doch unhflich und eines harten
Herzens, wenn ich ihn nicht wiederum lieb htte. Ich will auch ehe vor
Schmerzen sterben, eh ich sein vergesse und ihn verlasse. Derhalb ich
dich bitt, mein liebste Amme, du wollest ihm mein Gemt und Willen zu
erkennen geben, und in dem mir treulich raten. Und damit ich meine
groen Schmerzen linder mache, bitt ich dich, du wollest mir diesen Ring
lassen, wann ich hab groe Freude, ihn an zu sehen.

Als solches die Amme von der Schnen Magelona vermerket, da sie ihr
Herze und Gemt also bald wollte entdecken, ward sie traurig und sprach
zu ihr: Mein edelstes Frulein und Tochter, auch aller freundlichstes
Herz, ich bitt euch fleiig, ihr wollet solchem Frsatz in euerm edeln
Herzen keinen Frgang lassen; wann es ja nicht loblich, noch ehrlich
wre, da ihr, als eine hochgeboren Frstin, euer Lieb also schnelle
einem fremden unbekannten Ritter gebet.

Da solche Straf die Schn Magelona von ihrer Ammen hret, mochte sie es
nicht lnger dulden noch verschweigen, sondern sprach zu ihr mit
bewegtem Gemte: Du sollst ihn hinfr nicht fr einen Fremden schelten,
wann ich auf Erdreich keinen lieber habe. Es wird mir ihn auch niemand
aus meinen Gedanken und Herzen reden. Darum bitte ich dich freundlich,
du wollest hinfr dieser Wort geschweigen, als lieb ich dir bin, und
meine Gnad.

Da die Amme das alles vermerket htt, wollt sie nichts mehr darwider
reden. Doch saget sie zu ihr: Mein liebstes Frulein, was ich sage, tu
ich von euert wegen, und euch zu Ehren. Wann alle Ding, so da
unordentlich und schnelle geschehen, kommen nicht zu Ehren denen, die es
tun; auch werden sie nicht gepriesen von denen, die es erfahren. Ich
lobe es wohl, da ihr ihn lieb habet, wann er ist es wohl wrdig. Doch
also, da solches von euch ehrlich und zchtig geschehe, wie es sich
dann gebhret. Und zweifelt gar nicht, ich will euch einen guten Rat
geben und getreulich helfen. Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem
Allmchtigen, diesen Dingen werde wohl geraten.

Als die Schn Magelona solche vernnftige Rede von ihrer Ammen vernommen
htt, ward sie ein wenig gestillet. Und saget ihr doch: Mein aller
liebste Amme, ich will alles tun, was ihr mir raten werdet.

Die selbe Nacht schlief die Schn Magelona ganz wohl mit ihrem Ring, den
sie zum ftern Mal ksset aus groer Lieb; und tt mit herzlichem
Seufzen an ihren liebsten Freund, den Ritter, gedenken bis nahe dem Tag.
Darunter entschlief sie. Und da sie entschlafen war, da kam ihr fr ein
solcher Traum: es gedauchet sie, der Ritter und sie wren allein bei
einander in einem lustigen Garten. Und sie saget zu ihm: Ich bitte euch
freundlich, von wegen der Liebe, so ihr gegen mir traget, ihr wollet mir
sagen, von wannen ihr seid, und wes Geschlechts; wann ich liebe euch vor
allen Menschen auf Erden. Darum begehre ich zu erfahren, wer der Ritter
wre, dem ich mein Lieb geben htte, und von wannen her er wre.
Gedauchet sie hernach, der Ritter antwortet ihr: Edeles Frulein, es
ist noch nicht die Zeit kommen, mich gegen euch zu erffnen. Darum, ich
bitte euch, ihr wollet mich dessen auf dies mal berheben; wann ihr
sollt es noch in kurzer Zeit erfahren. Und darnach gedauchtet sie, der
Ritter gebe ihr einen Ring, der war noch kostlicher dann der erste, den
er ihr bei der Ammen geschickt htte. Und lag also die Schn Magelona
schlafend in groem Gefallen bis auf den Morgen des Tags. Und da sie
erwachet, saget sie solchen Traum der Ammen, aus welchem Ansagen die
Amme vermerket, da sie all ihr Herze und Gedanken auf den Ritter
geworfen htt. Derhalben sie die Schne Magelona trstet auf das Beste,
so sie konnte und vermocht.




Wie eines Tags der Ritter die Amme in der Kirchen fand, und er zu ihr
ging und saget ihr was heimlich.

                             [Illustration]


Eines Tages tt der Ritter also groen Flei, da er der Schnen
Magelona Ammen in der Kirchen fand, wann er wollt heimlich mit ihr
reden. Als sie ihn vernahm, ging sie zu ihm, und zeiget an, wie die
Schn Magelona ein gro Gefallen htte an dem Ringe, den er ihr gesandt
htt, und tt ihm freundlich danken. Da antwortet ihr der Ritter und
sprach: Liebe Frau, ich habe euch den Ring geben, nicht der Schnen
Magelona. Wann ich wei wohl, da eine solche kleine Gabe nicht wrdig
ist, einer solchen mchtigen Frstin berschicket zu werden, als die
Schn Magelona, mein gndiges Frulein, ist. Jedoch alles, mein Leib,
Gut und Vermgen, ist ihr. Auch wit, liebe Frau, da ihre
bertreffliche Schne mein Herz also gefangen und verwundt hat, da
ich's euch nicht lnger verbergen kann. Darum es gar vonnten ist, euch
dieses zu erffnen als mein Anliegen. Wann so sie mir nicht Gnade
erzeiget, so bin ich der unglckseligst Ritter der ganzen Welt. Liebe
Frau, ich sage euch in groem Geheim mein Herze und Gemt; wann ich wei
und erkenne, da ihr eine groe Freundin seid der Schnen Magelona. So
es euch nun nicht entgegen wre, bitt ich freundlich, ihr wollet mein
Gemte ihr anzeigen. Wie wohl ich's um euch nicht verdient habe, bin ich
doch willens, solches treulich zu verdienen.

Sprach sie zu ihm: Ich danke euch. Ich will auch alles, so ihr mir
befohlen, treulich ihr anzeigen, verhoffe auch, eine gute Antwort euch
wiederum zu bringen. Doch kann ich nicht verstehen, wie ihr solche Lieb
vermeinet. Wann so ihr's verstndet fr eine trichte und unzchtige
Liebe, so schweiget hinfrder, und redet nichts mehr davon.

Da sprach der Ritter zu ihr: Liebe Frau, ich mt eines bsen Todes
sterben, so ich je an eine solche Lieb oder Schande gedacht habe;
sondern an eine ehrliche zchtige und treuliche Liebe, darinne ich ihr
gerne wollte dienen.

Als die Amme solches gehret, saget sie: Edeler Ritter, ich verhei
euch hiemit, die Sache gegen ihr treulich aus zu richten. Dieweil ihr
aber itzunder mir anzeiget, ihr wolltet sie lieben aus zchtiger
getreuer Liebe, warum verberget ihr dann euern Namen und Geschlecht vor
ihr? Wann ihr mget vielleicht solches Adels und Geschlechtes sein, es
wrde zwischen euch mit GOTTes Hilf eine Eh beschlossen. Wann sie liebet
euch aus ganzem Herzen, ihr hat auch getraumet von euch; und wann wir
zwei bei einander alleine sein, so redet sie und ich alleine von euch.

Da er solches hrt, sprach er zu ihr: Liebste Frau, dieweil ihr mir
also viel gesaget, bin ich erfreuet worden. Und bitte euch freundlich,
ihr wollet verhelfen, damit ich mit ihr zu reden kommen mge. So will
ich ihr sagen mein Geschlechte, und alles, so sie von mir zu wissen
begehret. Ich verhoffe auch, so sie mich gehret hat, sie werde mich
nicht verachten. Aber einem andern Menschen sage ich's nicht,
ausgenommen ihr alleine.

Da sprach die Amme zu dem Ritter: Ich will's ihr sagen, wie ihr mich
berichtet; will auch verhelfen, damit ihr mit ihr zu reden kommet.

Da ward der Ritter noch grer erfreuet ihrer Zusage und sprach:
Liebste Frau, ich danke euch eures Erbietens, und bitt euch freundlich,
so es euch geliebet, ihr wollet diesen Ring, der wenig geacht ist, ihr
von meinen wegen freundlich berantworten. Und so sie den selben von mir
wird annehmen, werde ich's fr eine sonderliche Gnade achten. Wann ich
besorge, der vorige Ring sei nicht nach dem, als ihr wohl gebhret. Ihr
wollet mich ihr auch untertniglich befehlen.

Da sprach die Amme: Dieweil ich also erkennet habe euer edeles Herz,
will ich ihn berantworten von euert wegen. Will auch ihr befehlen und
Flei frwenden, damit ihr mit ihr zu reden kommet.

Da sprach der Ritter: Ich dank euch euers Erbietens.




Wie die Amme wieder zu der Schnen Magelona kam.

                             [Illustration]


Als die Amme also von dem Ritter aus der Kirchen ihren Abschied nahm,
ging sie des nchsten der Schnen Magelona Kammer zu. Die war sehr krank
von groer Liebe, die sie zu dem Ritter htt, und lag also zu Bette,
wann sie mocht an keinem Ende Ruh haben. Und als bald sie die Ammen
ersah, stund sie auf und sprach zu ihr: Mein aller liebste Amme, sei
mir willkommen! Ach wehe! bringest du mir nicht gute Zeitung von ihm,
den ich also liebe? Frwahr, liebe Amme, gibst du mir nicht einen
getreuen Rat, damit ich ihn sehe und mit ihm rede, so mu ich sterben.

Als die Amme solche Rede vernahm, saget sie zu ihr: Mein edeles
Frulein und aller liebste Tochter, ich will euch einen solchen Rat
geben, darvon ihr sollt frhlich werden; und, ob GOTT will, werdet ihr
erkennen und erfahren, da ich euch von Herzen lieb habe.

Da die Schn Magelona solches von ihrer Ammen hret, sprang sie vor
groen Freuden ihres Herzens aus dem Bette auf das Erdreich, halset und
ksset sie und sprach zu ihr: Mein aller liebste Amme, sage mir neue
Zeitung!

Da fing die Amme ihr an zu sagen, wie der Ritter zu ihr wre kommen, und
htte gesaget und angezeigt den groen Willen, den er zu ihr trge, da
er vor Liebe schier msse sterben. Und saget: Glaubet mir frwahr,
aller liebste Tochter, habt ihr von seinen wegen groe Schmerzen, so
trgt er von euert wegen nicht weniger Schmerzen. Und ob aller Liebe,
die er in euch gesetzt hat, ist die seine treulich und zchtig, auch
ehrlich gegen euch; darum ich gar erfreuet bin. Und wisset, mein aller
liebste Tochter, da ich nie gehret habe einen also jungen Ritter, der
so weislich redet als er. Ohn allen Zweifel wird er eines groen und
hohen Herkommens sein. Es hat auch diese Gestalt mit ihm: er begehret
auf Erden nicht mehr, dann in geheim mit euch alleine zu reden. Da will
er euch alles sein Anliegen und Wesen entdecken. Er will auch tun, was
ihr ihm gebietet, und befiehlt sich euch in aller Untertnigkeit, und
bittet, ihr wollet ihm einen Tag bestimmen und einen Ort, da er euch
sein Herz und Gemt mge erffnen; wann er keinem Menschen sonst solches
sagen will. Er bittet euch auch, ihr wollet diesen Ring gndiglich von
ihm annehmen und von seinen wegen behalten.

Da die Schn Magelona solche gute und frhlich neue Zeitung hret, auch
den Ring sah, der schner und kostlicher war, dann der erste, da
verwandelt sich ihr Farbe vor Freuden und ward rot. Und sprach zu der
Ammen: Wisse, du aller liebste Amme, da dies der Ring ist, darvon mir
getraumet hat die vorige Nacht; wann mein Herz saget mir nichts, das
nicht geschhe. Und glaub sicherlich ohn allen Zweifel, da dies der
Ritter ist, der mein Gemahel und Mann soll werden. Ohn ihn kann ich auch
kein Lust noch Freude haben. Darum ich dich freundlich bitte, du wollest
Rat suchen und erdenken auf das Beste, so dir mglich, mit ihm zu reden;
wann ich kann nicht lnger verziehen. Hierum, mein aller liebste Amme,
suche Mittel, da ich ihn sehen mge nach meinem Gefallen, und mit ihm
reden. Wann ich hab groe Hoffnung, durch solche Mittel zu kommen zu
einem seligen Ende meines Begehrens. Ich verheie dir auch hiemit, du
sollst es nicht entgelten.

Da verhie ihr die Amme, nichts zu sparen und allen mglichen Flei fr
zu wenden, damit dies alles wohl ausgerichtet wrde. Also blieb die
Schn Magelona den ganzen Tag und die Nacht frhlicher dann vorhin,
beschauet und behielt ihre Ringe, so ihr von dem Ritter geschicket
waren, und danket ihm in ihrem Herzen dieser Gaben. Itzunder stecket sie
die Ring an ihre Finger, nach mals ksset sie die, und vertrieb also
ihre Weil und Zeit darmit.




Wie die Amme wieder mit dem Ritter zu reden kam.

                             [Illustration]


Da es nun kam auf den anderen Tag, bemhet sich die Amme, den Ritter an
zu sprechen, und fand ihn in der Kapellen, in welche er pfleget zu
gehen. Und als er sie ersah, ward er fast frhlich, wann er verhoffet,
was von der Schnen Magelona zu erfahren. Stund auf und ging ihr
entgegen, gret sie gar freundlich und hflich. Da antwortet sie ihm
wieder und sprach: GOTT gebe und verleihe euch zu berkommen, was euer
Herze begehret.

Darnach fraget sie der Ritter, was die Schn Magelona begnne, und
fraget, ob er in ihren Gnaden wre. Da antwortet die Amme ihm und saget:
Edeler und aller liebster Ritter, glaubet mir sicherlich, da itzunder
in dieser Welt kein Ritter ist, der je Harnisch fhret und Ritterspiel
brauchet, der also glckselig ist als ihr. Selig ist auch gewesen die
Stunde, da ihr hieher in dies Land seid gekommen; wann durch euer
redlich Tapferkeit habet ihr erlanget und berkommen die schnste
Jungfraue dieser Welt. Euch ist auch nie kein grer Glcke widerfahren,
wann ihr habet gewonnen ihre Gnad und Liebe. Sie tut euch danksagen um
den Ring, den ihr durch mich ihr neulich berschicket, will ihn auch von
euert wegen behalten. Sie begehret auch, euch herzlich zu sehen und
freundlich mit euch zu reden. Ich bin auch wohl zufrieden, da solches
geschehe. Jedoch werdet ihr mir verheien bei Edelmanns Treue und
Glauben, da in euer Liebe nichts anders sei, dann Zucht und Ehr, wie
dann geziemet einem jeden euers hohen Standes.

Als solches der edel Ritter von der Ammen verstanden, tt er als einer,
in welchem alle Tugend waren. Und kniet nieder auf die Erden vor ein
Kruzifix, und sprach: Mein liebste Frau, ich verheie und schwre euch
hie vor GOTT, meinem Schpfer, da mein Meinung und Gemte nicht anders
ist, dann Zucht und Ehr. Ich begehre auch, nichts anders zu erlangen, so
es GOTTes Willen wre, dann die Liebe der Schnsten Magelona zum
heiligen Sakrament der Ehe, solche zu vollenden nach Gebrauch der
heiligen christlichen Kirchen. Oder GOTT helfe mir nicht in dieser
Welt! Amen.

Da die Amme solch Gelbnis von ihm hret, gab sie ihm die Hand, und zog
ihn wieder auf und sprach: Frwahr, edeler Ritter, ihr habet einen
solchen Eid getan, darum euch billig zu glauben und vertrauen ist. Ihr
sollet auch wissen, ich will solchen euern Willen der Schnen Magelona
ohnangezeiget nicht lassen. Ich bitte auch den allmchtigen ewigen GOTT,
Er wolle euch in diesem euerm Frsatze behalten. Und so es Sein
gttlicher Wille wre, mchte ich wohl sprechen, da in dieser Welt
nicht werde gefunden ein Paar bei einander, so edel und ehrlich und
zchtig, als ihr beide. Und darum, edeler Ritter, schicket euch darauf,
und kommet morgen nach Mittag durch das kleine Pfrtlin des Gartens zu
der Schnen Magelona in ihre Kammer, darinne sie wird mit mir alleine
sein. Doch will ich auch die Kammer raumen, damit ihr beide alleine bei
einander seid. Da redet und erzhlet euer Anliegen nach euers Herzens
Begier!

Als solches der Ritter vernahm von der Ammen, ward er hochlich erfreut,
und danket ihr der guten Botschaft, und schieden also von einander. Und
kam die Amme wieder zu der Schnen Magelona, und saget ihr alles, wie
sie es mit dem Ritter aus gerichtet htte und beschlossen. Da sie
solches hret, danket sie der Ammen gar freundlich, und wartet des
Ritters mit herzlicher Begierde.




Wie der Ritter zu der Schnen Magelona kam durch das kleine Pfrtlin im
Garten.

                             [Illustration]


Auf den andern Tag, als die Zeit und Stunde vorhanden war, da der
Ritter zu der Schnen Magelona sollte kommen, nahm er der Stunde fleiig
gewahr, und gedauchet ihn die Zeit lang sein. Kam doch zu dem Pfrtlin
bei dem Garten, das ihm angezeiget war, und fand es offen, wie ihm dann
die Amme gesaget htt. Also ging er hinein in die Kammer der Schnen
Magelona mit groer Begier seines Herzens, und fand da die Schne
Magelona samt der Ammen beide alleine. Und als bald ihn die Schn
Magelona ersah, verwandelt sich alles ihr Geblte, und ward rot an ihrem
Angesicht als eine Rose. Und htte guten Willen gehabt, gegen ihm auf zu
stehn, ihn in die Arme zu nehmen und zu kssen; wann die Liebe tt sie
darzu reizen. Jedoch die Vernunft, die da soll regieren das Herze eines
jeglichen adeligen Menschen, erzeiget ihm ihre Ehr, wie wohl ihr schnes
Angesicht, auch ihre lieblich und freundlichen Augen nicht verbergen
mochten die Liebe, so sie in ihrem Herzen trug gegen dem Ritter; und
das Herze sprang ihr auf im Leib vor Freuden. Also htt die Schn
Magelona in ihr selbst zween Gedanken, und sah den Ritter sehr
freundlich an.

Der edel Ritter verwandelt auch nicht weniger seine Farbe, da er vor
sich sah die aller Schnest und Liebste seines Herzens. Er wute auch
nicht, wie er an sollte fahen zu reden; wann er wute nicht, ob er in
Lften oder auf Erdreich war; als dann die Liebe ihren Untertanen
pfleget zu beweisen und tun. Jedoch kniet er nieder ganz schamhaftig vor
sie und sprach: Gromchtige hochgeboren Frstin, der allmchtige GOTT
verleihe euch Ehr und alles, das euer Herz begehret!

Als bald stund die Schn Magelona auf und nahm ihn bei der Hand, und
saget zu ihm: Edeler Ritter, seid mir willkommen! Und hie ihn, zu ihr
sitzen. Da solches die Amme vermerket, ging sie in eine ander Kammer nah
darbei. In dem fing die Schn Magelona an zu reden also: Edeler Ritter,
ich habe groen Gefallen in dem, da ihr zu mir seid kommen. Wann ich
hab groen Willen gehabt, mit euch zu reden, wie wohl es nicht geziemet
einem jungen Menschen, als ich bin, alleine mit einem Mann heimlich zu
reden, wie ich mich dann solches zu tun unterstanden habe. Jedoch habe
ich wiederum angesehen euer edels Gemte, das mich gesichert und keck
gemacht hat, solches zu tun. Wisset auch, da ich euch den ersten Tag
gesehen, hat euch mein Herze also bald Gutes gewollt. Wann alle Gutheit
und Zucht, die in einem adeligen Menschen mgen sein, die werden
vollkommenlich in euch befunden. Darum, edeler Herr, saget mir euer
Geschlechte, Namen, Wesen und Stand; und verberget mir's nicht! Wann
kein Mensch auf Erden ist, dem ich mehr Gutes gnne, dann euch. Hierum
ich gerne erfahren wollt, wer ihr wret, und aus was Landes Art, und
warum ihr hieher kommen seid.

Da stund der Ritter auf und saget: Gromchtige edelste Frstin, ich
bedanke mich des ersten untertniglich euers freundlichen Willens und
Gemts, so ihr gegen mir erzeiget habet, mich in euer Gnade zu nehmen;
wie wohl in mir kein Tugend ist, die solches um euch verdienet habe. Es
ist auch billig, da ihr von mir erfahret, wer ich sei, und warum ich
herkommen. Doch bitt ich euch aufs Untertnigst, ihr wollet es niemand
sagen, und also bei euch behalten. Wann es ist gewesen all mein Frsatz,
da ich von Heimat geritten, dies niemand zu offenbaren. Es ist auch
bisher also verschwiegen geblieben. Allermchtigste edelste Frstin,
wisset, ich bin ein einiger Sohn des Grafen zu Provincien, der da ist
ein Ohm des Knigs von Frankreich. Ich bin auch von Vater und Mutter
allein darum hinweg gezogen, euer Lieb zu erlangen. Wann ich habe hren
sagen, wie kein schner Frstin slle sein dann ihr, was dann die ganze
Wahrheit ist. Man kann auch solche Schne in euch nicht genugsam
aussprechen. So bin ich her gekommen in kleiner Gesellschaft, wo dann
sein groe Herren, Frsten und Edele, die in allen Dingen geschickter
sind dann ich, und haben sich in mancherlei Ritterspielen erzeiget von
euert wegen; und hab ich mir auch fr gesatzet in meinem Herzen, wie
wohl ich unter ihnen der wenigste, ob ich euer Gnad und Liebe mchte
erlangen. Und das ist die ganze Wahrheit, die ihr von mir begehret zu
erfahren. Ich hab auch bei mir beschlossen in meinem Herzen, niemand
lieber zu haben dann euch, bis in meinen Tod.

Da er solches geredt htt, gebot sie ihm, bei ihr nieder zu sitzen, und
saget zu ihm: Mein edeler Bruder und Herre, ich danke dem allmchtigen
GOTT, meinem Schpfer, da Er uns verliehen hat einen solchen
glckseligen Tag. Wann ich schtze mich fr die Glckseligste dieser
Welt, da ich gefunden hab einen so adeligen Menschen eines solchen
hohen und groen Geschlechtes, des gleichen nicht gefunden wird auf
Erden in Tapferkeit, Zucht, Schne und Weisheit. Dieweil dann dem also
ist, da wir zwei Liebhabende einander von Herzen lieben und geneigt
sein, und ihr, mein edelster Herre, seid von meinen wegen hieher in dies
Land kommen, und habet es ba ausgericht dann alle anderen, habet auch
den Preis und Namen aller Ritterschaft, so darf ich mich wohl glckselig
schtzen, da ihr von meinen wegen Vater und Mutter, Land und Leute
verlassen. Darum, edeler Ritter und Herre, will sich nicht geziemen, da
ihr euer Arbeit verlieret, die ihr also getreulich daran gesatzet habet.
Und die Weil ihr mir euer Herze und Gemt entdecket habet, ist es
billig, ich tue euch also. Hierum, sehet hie euer Magelona ganz und gar.
Und setze euch einen Meister und Herren meines Herzens; und bitt, ihr
wollet solches heimlich, ehrlich und verborgen halten, bis zu der Zeit
unsers Verlbnis. Und seid meines teils sicher, da ich lieber wollte
bald den Tod leiden, dann mich und mein Herz gegen einem andern
bewilligen.

In dem nahm sie eine gulden Ketten von ihrem Hals, daran hing ein
kostlich Hftlin, und henket es ihm an seinen Hals und sprach: Durch
diese Ketten, aller liebster Freund und Gemahel, setz ich euch in Besitz
meines Leibes, und verheie euch treulich, wie einer Knigstochter
geziemet, keinen andern zu nehmen dann euch.

In dem nahm sie ihn freundlich in ihre Arme. Da kniet der Peter fr sie
nieder und sprach: Mein aller liebste edelste Frstin, die schnest
unter allen dieser Welt, ich bin nicht wrdig, euch darum Danksagung zu
tun. Doch wie ihr gesaget habt, also bleib es darbei; ich bin es wohl
zufrieden. Ich verheie auch euch hiemit, euer Gebot und Befehl treulich
zu erfllen, so es GOTT gefllt. Und so es euch geliebet wre, von euerm
Gemahel zu empfahen diesen Ring, mein darbei zu gedenken. (Dieser war
der dritte Ring, welchen ihm gegeben htt sein Mutter, als er von ihr
hinweg zog; der dann kostlicher war, dann die zween anderen.)

Also empfing die Schn Magelona den Ring gutwilliglich, und wendet sich
wieder gegen ihm, ihn wieder in ihre Arme zu nehmen und zu kssen. Nach
dem allem rufet sie der Ammen wieder. Da die zwei nun lang mit einander
allein htten geredt, beschlossen sie mit einander, wie sie oft und
dicke mchten einander sehen.

Also nahm der Peter Urlaub von der Schnen Magelona, und ging stille
wieder in sein Herberge, doch frhlicher, dann er gewohnet war. Und die
Schn Magelona blieb also in ihrer Kammer bei der Ammen, und tt nichts
der gleichen, lie sichs auch gegen niemand merken.

Oft und dicke darnach redet die Schn Magelona mit ihrer Ammen von ihrem
aller liebsten Peter und sprach: Was bedunket dich von meinem getreuen
geliebten Ritter? Ich bitte dich freundlich, du wollest mir's sagen, und
ganz nichts verhalten. -- Frwahr, saget die Amme, mein liebstes
Frulein, er ist also schne, zchtig, tapfer und freundlich in allen
seinen Gebrden, da mich gedunket, es mge nicht anders sein, er msse
von einem hohen Geschlecht sein. Auf das antwortet ihr die Schn
Magelona: Habe ich dir nicht allwege recht gesaget? Wann mein Herz und
Gemte verstund es wohl. Darum ich mich begngen lasse, da ich in seine
Kundschaft kommen bin, GOTT hab Lob! Wann es ist kein Tochter also hoch
geboren auf Erden, so sie die Hlfte von ihm wte, als ich wei, sie
vermeine sich glckselig, so sie ihn mchte zu einem Liebsten haben.

Darauf antwortet ihr die Amme: Liebstes Frulein, es ist alles wahr,
wie ihr saget. Doch bitt ich euch eines freundlich: ihr wollet nicht
leichtfertig sein aus Liebe. Wann so ihr werdet zu Hofe sein bei anderen
Jungfrauen und Frauen, des gleichen der Ritter, wollet euch nichts
vernehmen, noch vermerken lassen. Wann so es von euch geschhe, wrden
euer Vater und Mutter solches leichtlich verstehen; daraus dann mchten
entspringen zweierlei bel: das erste, da ihr schamhaftig wrdet, und
verlieren euers Vaters und Mutter Gunst; das ander, so sie es inne
wrden, mchte der Ritter gettet werden, darinne ihr ein Ursach an dem
Tod eines solchen edeln Ritters wret, der euch lieber hat, dann sich
selbst. Und zum dritten, so wrde ich auch gestrafet werden. Darum ich
euch freundlich bitte, ihr wollet euch weislich halten, als einer hoch
geboren Tochter zu tun gebhret.

Da sprach die Schn Magelona wider ihre Ammen: Mein liebste Amme, in
diesem und anderm will ich folgen deinem getreuen Rat, wann ich erkenne,
da du nur allerwegen treulich geraten hast. Und bitte dich freundlich,
so du was an mir siehest, das mir nicht zu tun geziemet, du wollest
mir's untersagen, oder mit einem Zeichen anzeigen. Wann ich will dir
folgen als meiner liebsten Ammen und Mutter. Doch noch eins will ich
dich freundlich bitten: so wir zwo alleine bei einander seien, du
wollest mir vergnnen, zu reden von meinem liebsten Menschen; damit ich
meine Zeit desto leichter verbringen mge, bis da ich erkenne, wo es
endlich hinaus wolle. Und vor allen Dingen bitte ich dich, du wollest
raten und helfen, damit ich ihn oft mge sehen und mit ihm reden. Wann
ich wei kein ander Freud zu haben in dieser Welt; und so durch
Unglcke, da GOTT vor sei, ihm was widerfhre, wisse, mein liebste Amme,
da ich mir mit meiner eigenen Hand wollte den Tod tun.

Nun, da der Ritter wieder heim in sein Herberge war kommen, betrachtet
er die groe Freundlichkeit, die ihm widerfahren war, und lobet GOTT,
da ihm solches begegnet. Er vermeinet auch, GOTT htte sonst keinem
Ritter eine so hohe seltsame Freundlichkeit und Ehr zu gesandt als ihm.
Er verwundert sich auch in sich selbst der bertrefflichen Schne der
Magelona. Daraus er verursacht ward, mehr zu Hof zu kommen, dann sein
Brauch war. Doch hielt er sich ganz weislich und stille gegen dem Knig
und anderen, damit er nicht vermerket wrde. Also, da ihn jedermann
lieb gewann am Hofe, nicht allein die groen Herren, sondern auch das
gemein Hofgesinde. Und wann er die Zeit vermerket, darinne er unvermerkt
sein Augen mochte speisen, sah er die Schne Magelona freundlich an.
Solches geschah alles von ihm weislich heimlich und verborgen. Wann er
dann Befehl htt von dem Knig oder der Knigin, zu reden und kurzweilen
mit der Schnen Magelona, so ging er auch hinzu. Also vertrieben die
zwei dann ihr Zeit mit einander.




Wie Herr Friedrich, von der Krone genannt, hinweg zog aus Rom, gen
Neapel zu kommen, allda Ritterspiel zu ben von wegen der Schnen
Magelona.

                             [Illustration]


Der Zeit war ein reicher und edeler Ritter aus dem Land Romania, der war
sehr mchtig, und von wegen seiner Macht und Redlichkeit ward er sehr
gepriesen, mit Namen Herr Friedrich von der Krone. Der selbe gewann eine
Lieb zu der Schnen Magelona, aber sie htt sein gar keine Gnad. Eines
mals satzet er sich fr, Ritterspiel zu ben in der Stadt Neapel; wann
er vertrauet in seine Macht und Strke, dardurch Preis und auch die Huld
der Schnen Magelona zu berkommen, die dann sein wenig achtet. Auf das
tt er eine Bitt an den Knig von Neapel, er wlle ihm Ritterspiel zu
ben vergnnen. Also ward es ihm von dem Knig zu gesaget. Und ward aus
gerufen in Frankreich und um liegenden Orten ein Stechen dieser Gestalt:
welche Ritter willens wren, zu stechen aus Liebe der Jungfrauen oder
Frauen, sollten erscheinen in der Stadt Neapel am Tage Unser Frauen
Geburt. Da wrde man sehen, wer sie lieb htte.

Aus solcher Ursach wurden viel Frsten und Herren zu erscheinen beweget,
und waren die Namen der Trefflichsten diese nach folgenden: zum ersten
kam eingezogen Herr Antoni, ein Bruder des Herzogen von Savoyen, zum
andern Herr Friedrich, ein Bruder des Markgrafen von Montferrat, zum
dritten Herr Eduard, des Herzogen von Bourbon Bruder, zum vierten Herr
Peter, ein Neff des Knigs zu Bheim, zum fnften Herr Heinrich, ein
Sohn des Knigs von Engelland, zum sechsten Herr Jacob, des Grafen von
Provincia Bruder, ein Vetter des Ritters mit den silbern Schlsseln, wie
wohl er ihn auf dies mal nicht erkennet; und viel ander mehr. In der
Stadt Neapel waren auch der edel Ritter Peter von Provincia und sein
Geselle, Herr Heinrich von Crappana, und ander, deren Namen von wegen
der Menge aus geblieben. Alle Obgenannten lagen sechs Tage stille in Ruh
in der Stadt, ehe das Stechen anfing. Es wird auch in keiner Historien
gefunden, da je also viel guter Leute wren auf einmal in dieser Stadt
gewesen. Darum der Knig Magelon ihnen allen viel Zucht und Ehr bewies.

Als nun kam der Tag Unser lieben Frauen Geburt, stunden sie frhe auf
und hrten Me. Nach dem bereiteten sie sich zu, ein jeglicher nach dem
Besten, und ritten auf einen Platz, Cathonie genannt, da der Knig auf
gestiegen war auf einen hohen Schaustuhl, samt anderen Frsten und
Herren. Und auf einem andern Stuhl stund die Knigin mit ihrer Tochter,
der Schnen Magelona, und anderen Jungfrauen und Frauen, dem Stechen zu
zu sehen. Und waren gar lustig zu sehen so viel schner Jungfrauen und
Frauen, unter welchen allen die Schn Magelona herfr leuchtet, als der
Morgenstern am Anfang des Tages.

Da verharrten die Ritter alle auf den kniglichen Befehl, und der erste,
der sich lie sehen mit der Pracht, das war Herr Friederich von der
Krone, von wes wegen das Stechen angefangen. Nach ihm kam geritten Herr
Antoni, und darnach alle anderen, ein jeglicher in seiner Ordnung. Und
die Schn Magelona htt allwegen ein Auge gewandt auf ihren freundlichen
Peter, der da kam mit den Letzten.

Als solches geschehen, befahl der Knig seinem Herold, aus zu rufen, da
das Stechen sein solle freundlich, mit Liebe, ohne Schmhung des andern;
das dann durch den Herold geschah, und da hinfr ein jeglicher das
Beste tt.

Da fing an Herr Friedrich von der Kron, zu sagen also laut, da es
jedermann wohl verstehen mocht: Ich will auf den heutigen Tag erzeigen
mein Strke und Vermgen, von wegen der edeln und schnen Magelona, aus
ganzen meinen Krften. Und zog darmit der erste auf die Bahn. Wider ihn
kam auf die Bahn Herr Heinrich, des Knigs von Engelland Sohn, ein
schner Ritter. Und trafen beide so wohl, da beider Spie brachen.
Jedoch, wre man Herrn Heinrichen nicht zu Hilfe kommen, wre er
gefallen; wann er war ein wenig taumelig. Nach diesem Herrn Heinrich kam
einer, genannt Lancelot von Valois, der vom ersten Treffen Herrn
Friederichen herab ledig stach. Da kam der edel Peter von Provincia
wider den Lancelot, wann sein edels Herz und Gemte mochte nicht lnger
verziehen. Er ward von jedermann genannt der Ritter mit den Schlsseln,
wann niemand wute seinen Namen, noch Geschlechte. Und trafen einander
also heftig, da die Pferde mit ihnen beiden zu Boden fielen. Da ward
gesaget von dem Knig und anderen, da die zween sehr stark und mchtig
wren. Und tt der Knig ihnen als bald befehlen, sie sollten ihre
Pferde verwechseln und andere nehmen, ob sie wollten, und noch einmal
mit einander treffen, damit man sehe, wer unter ihnen den Preis erlange.
Das als bald von ihnen beiden geschah, und saen wieder auf. Es darf
nicht Fragens, ob die Schn Magelona mit einem traurigen Herzen habe
GOTT gebeten fr ihren liebsten Peter, damit ihm nichts widerfhre, und
damit ihm der Preis werde.

Da nun die zween wieder auf gesessen wren, zugen sie zum andern mal
auf die Bahn, da dann ein jeglicher den Preis zu erlangen sich befli.
Und begegneten wieder einander, der Gestalt, da der Peter dem Lancelot
den Arm entzwei brach; und stie ihn also aus groen Krften zu der
Erden, da der Knig vermeinet, er wre tot. Und ward also von der Bahn
von den Seinen in sein Herberge getragen.

Da kam wider den edeln Peter Herr Antoni von Savoyen, der nicht also
stark war als der Lancelot, und den der Peter leichtlich zu Boden stie.
Nach dem kam gezogen Herr Jacob von Provincia, sein Vetter. Peter
erkennet ihn wohl, aber er ward von seinem Vetter nicht erkannt. Da nun
der edel Peter seines Vaters Bruder sah sich zu dem Spiele schicken,
saget er zu dem Herold: Gehe hin, und sage jenem Ritter, da er nicht
wider mich komme. Wann er hat mir eins mals einen Dienst getan in der
Ritterschaft, darum ich ihm schuldig, wiederum zu dienen. Ich wollte ihm
ungern einen Verdru tun. Sage ihm auch darbei, ich lasse ihn bitten, er
wlle mein verschonen. So bin ich gutwillig, offenlich zu bekennen, da
er ein besser Ritter sei dann ich.

Solches richtet der Herold aus, wie ihm dann befohlen war. Da das Herr
Jacob verstund, ward er zornig; wann er ein guter Ritter war. Er htt
auch den edeln Peter zu Ritter geschlagen mit eigener Hand, darum ihm
dann der edel Peter die Ehre gab. Da fing Herr Jacob an zu sagen zu dem
Herold: Sage dem Ritter, wer er ist, habe ich ihm je Liebs getan, ich
sage ihn hiemit frei, quitt, ledig und los. Noch mehr, so er sich gegen
mir nicht wehret, will ich ihn halten fr einen, der kleine Kraft in ihm
hat. Das dann der Herold dem edeln Peter wieder saget. Da solches der
edel Peter von seinem Vetter vernahm, ward er auch zornig. Und
beschweret ihn nicht ein wenig, da er mit seinem Vetter mute treffen.
Doch mute er es tun, damit er nicht von den Leuten erkannt werde. Als
es an ein Treffen ging, da fhret der edel Peter seine Stangen die Quere
ber, wann er wollt seinen Vetter nicht treffen. Aber sein Vetter
verschonet sein nicht, und traf ihn auf seine Brust und zerbrach seine
Stangen und fiel auf den Sattel seines Pferdes. Aber der edel Peter
verwandt sich nicht, ihn gedauchet auch, eine Feder htt ihn an
gerhret. Das nahm der Knig gewahr, und sah wohl, da solches der
Ritter mit den Schlsseln getan htt aus Hflichkeit. Doch wute er
nicht, warum es geschah; aber die Schn Magelona verstund es bald, warum
der Peter solches tt. Doch schickten sich die beiden zu dem andern
Treffen, und tt der Peter nicht anders, dann wie vor. Aber sein Vetter
sparet es nicht, und traf ihn also heftiglich, da er sich selber am
Peter ledig herab stach. Der Peter htt auch darum nie keinen Stegreif
geraumet und am Treffen beweget, darum sie sich alle verwunderten. Da
das Herr Jacob gesehen htt, und auch empfunden, da er also stark war,
und htt ihn nicht mgen bewegen, auch, da er von ihm nicht getroffen
war, tt er sich verwundern, und wollt nicht wieder kommen; also zog er
ab. Er wute auch nicht, da es sein Vetter, der edel Peter, wre
gewesen.

Darnach kam gezogen auf die Bahn Herr Eduard von Bourbon, ein tapferer
und starker Ritter. Aber des ersten Treffens stie ihn der edel Peter,
Ro und Mann, zur Erden, mit also groen Krften, da die Umsteher sich
des Peters verwunderten, und ihn hochachteten.

Nach diesem kam Herr Friederich von Montferrat und brach seine Stangen
auf dem Peter. Aber der Peter traf ihn oben an sein Gardebras bei der
Schulter und stie ihm's hinweg. Und, da ich's kurz mache: alle Ritter,
die noch vorhanden waren, stie der Ritter mit den Schlsseln herab,
und behielt also den Preis.

Da niemand mehr vorhanden war, der mit ihm wollte treffen, schlug er
sein Visier auf und ritt zum Knig. Da ihn der Knig ersah, befahl er,
durch Rat seiner Herren und Rte, dem Herold, aus zu rufen, wie da der
Ritter mit den Schlsseln den Preis und die Ehre htt erlanget, und da
er sich am besten gehalten unter allen anderen. Und dem Ritter Peter
sagten die Knigin und Schn Magelona, samt anderen Jungfrauen und
Frauen, viel Danks. Also zog ein jeglicher heim in sein Herberge und zog
sich aus. Doch lie der Knig aus rufen durch den Herold, ein jeglicher
slle gen Hof kommen, mit ihm das Morgenmahl zu empfahen; das sie dann
alle tten.

Als sie gen Hof kamen, danket ihnen der Knig und bewies ihnen allen
groe Ehre. Als sich der edel Peter htt aus gezogen, ging er auch gen
Hof. Da ihn der Knig ersah, ging er ihm entgegen, umfing ihn und
sprach: Mein liebster Freund, ich dank euch der Ehren, die ihr mir heut
bewiesen habet. Wann ich darf mich wohl beruhmen, es sei kein Frste auf
Erden, der einen solchen Ritter habe an seinem Hofe, mit Zucht und
Ehren, auch Tapferkeit gezieret, als ich an euch habe. Es ist auch nicht
vonnten, da ich euch lobe, wann euer Werk bezeuget es selber, des
gleichen alle Frsten und Herren, so itzunder hie sein. Ich bitte GOTT
den Allmchtigen, Er wolle euch zu dem verhelfen, was euer Herze
begehret; wann frwahr, ihr seid des wrdig.

Den selben Tag ward der Ritter ehrlich und wohl gehalten von dem Knig
und allen anderen; wann wer mit ihm mochte zu reden kommen, der
gedauchet sich seiner Gesellschaft erfreuet. Und je mehr man ihn sah, je
lieber man ihn sah; wann er war ein schner holdseliger junger Gesell,
darzu war er wei wie eine Lilie, und htt freundliche Augen und gelbes
Haar als Gold. Darum jedermann saget, GOTT htte ihm viel sonderlicher
Tugend verliehen.

Nach dem allem verga der Knig der Verwundeten nicht, und schicket bald
nach seinen Wundrzten, den besten; und lie den Lancelot verbinden, der
hart wundt war. Die rzte tten in kurzer Zeit also groen Flei, damit
der Lancelot wieder geheilet und gesund war. Also hielt der Knig
funfzehen Tag offenen Hof zu Ehren den Frsten, die dar kommen waren.
Und ging die Rede allein von dem Ritter mit den Schlsseln. Da solches
die Schn Magelona hret, ward sie hochlich erfreuet, lie sich's doch
nicht merken.




Wie die Frsten und Herren wieder heim zogen, doch zornig, dieweil sie
nicht erfahren mochten, wer der Ritter wre.

                             [Illustration]


Als sich das Stechen und die Freude geendet htt, zogen die Frsten und
Herren wieder heim, doch zornig; wann sie mochten nicht erfahren, wer
der Ritter war, der das Beste in dem Stechen htt getan unter so viel
Frsten und Herren. Da sie nun heim kamen, da redeten sie viel von dem
Ritter mit den Schlsseln.

Als nun solches alles sich htt verlaufen, da kam der edel Peter zu der
Schnen Magelona; wann sie mochten nicht lange von einander sein, so sie
es schicken konnten. Und als sie bei einander waren, da lobet ihn die
Schn Magelona sehr. Aber der Peter saget ihr wieder, er htte solches
getan nicht von sich selber, sondern ihre Schne htte es getan und ihn
darzu gedrungen, und von ihr kme der Preis und die Ehre.

Da sie genug mit einander htten geredet von mancherlei, da wollt der
Peter sie versuchen, und sprach zu ihr: Edelste aller liebste schnste
Magelona, ihr wisset, da ich von euert wegen lang aus bin blieben von
Vater und Mutter. Darum, aller liebstes Lieb, dieweil ihr des ein Ursach
seid, wollt ich euch bitten, ihr wollet mir erlauben, heim zu reiten, so
es euch gefiele. Wann ich bin es sicher, da sie groe Sorg und
Schmerzen fr mich tragen, dieweil sie nicht wissen, wo ich bin. Ich
mache mir auch solcher Beschwernis ein Gewissen. Solches tt der Peter
allein, zu erfahren, wie sie sich darinne wollt halten.

Als die Schn Magelona htt vernommen ihres liebsten Peters Rede,
stunden ihr alsbald die Augen voller Wassers, und begunnten die heien
Zhren, ihr das schne Angesicht na zu machen, und verwandelt sich all
ihr Farbe, und ward ganz bleich. Und sprach mit schwerem Seufzen und
Weinen zum Peter: Frwahr, aller liebster Peter, alles das, so ihr mir
gesaget, ist wahr und billig. Wann die Natur gebietet, da sich der Sohn
gebe untertan und gehorsam dem Vater und Mutter, damit er nichts wider
sie handele, das ihnen entgegen sei. Aber mich tut beschweren, da ihr
euer aller Liebste wollt hinter euch lassen, die ohn euch weder Ruh noch
Rast mag haben in dieser Welt. Ich la euch auch frwahr wissen, so ihr
von mir hin ziehet, ihr werdet balde von meinem Tod erfahren; also durch
euert wegen werde ich sterben. Darum, mein aller liebster Herr und
Freund, ich bitte euch freundlich, ihr wollet mir euer Hinziehen nicht
verbergen. Wann als bald ihr hinziehet, will ich mich auch darzu
schicken. Wann ich wei wohl, da ich nicht lang darnach werde leben;
also wret ihr ein Ursach meines Todes. So es aber vonnten ist, da ihr
hin ziehet, bitte ich euch freundlich, mein aller liebstes Lieb, ihr
wollet mich mit euch nehmen, und nicht hinter euch lassen zu meinem
groen Schaden.

Als nun der Peter die Schne Magelona klglich hret reden, ging es ihm
nahe zu Herzen, und gedauchet ihn, sein Herz wolle ihm in seinem Leibe
springen. Und saget zu ihr: Ach, Magelona, mein aller liebstes Lieb,
weinet nicht, und bekummert euch nicht mehr! Wann ich hab mir fr
gesatzet, nimmer aus diesem Lande zu ziehen, sondern das Ende zu
erharren, wie es mit uns ergehen werde. Ich wollte auch den Tod viel
lieber leiden, dann euch verlassen. So ihr aber mit mir wollet, so seid
sicher, da ich euch in aller Zucht und Ehr will fhren, und stte
halten die Zusage, die ich euch getan vor dieser Zeit.

Als die Schn Magelona solches von dem Peter verstund, ward sie wieder
erfreuet, und saget zu ihm: Mein edeler Herr und Freund, dieweil ihm
also ist, als ihr anzeiget, so rate ich, wir ziehen von dannen aufs
Krzest und Heimlichst, so es geschehen mag. Von wegen zweier Ursachen:
die erste ist, da es ist zu besorgen, ihr werdet verdrossen, lnger zu
verziehen, und da ihr endlich kein Lust mehr httet, hie zu bleiben,
und zget hin und lieet mich hinter euch. Die ander ist, da mein Vater
mich willens hat, in Krze zu verheiraten und vergeben. Daraus ich
empfinde, da er mir eher wird den Tod geben; wann ich will keinem
andern vertraut sein dann euch. Darum, mein aller liebstes Lieb, bitt
ich euch freundlich, ihr wollet aufs Krzest dartun und Mittel suchen,
damit wir mit einander hin kommen; wann hie lnger zu verziehen, mchte
uns schdlich sein. Wann ich hab mein Herze ganz in euch gesatzet, da
ich euch nimmer wollte verlassen. So habt ihr auch gesaget, ihr wollet
mich zchtiglich und ehrlich halten bis zu unserm Verlbnis.

Da fing der Peter auf ein Neues an, schwur und verhie ihr's, also zu
halten. Also beschlossen sie, den dritten Tag nach dem ersten Schlaf mit
einander hinweg zu ziehen. In dem sollt sich der Peter schicken mit
aller Notdurft, und sollte kommen mit den Pferden zu dem kleinen
Pfrtlin bei dem Garten und allda ihr harren. Sie bat ihn auch fleiig,
er wlle gute starke Pferd mitbringen, damit sie auf das Schnellest aus
dem Lande ihres Vaters kmen. Wann sie sprach: So mein Vater solches
inne wrde, so wird er uns nach folgen; und so er uns berkme, so
besorge ich, er wrde uns beide tten lassen.

Also nahm der Peter Urlaub und seinen Abschied von der Schnen Magelona,
und bat sie freundlich, sie wlle geschickt sein, und nicht lang
verziehen. Von diesem Rat und Beschlu wute die Amme gar nichts; wann
sie war nicht darbei gewesen, als sie es beschlossen htten. Auch wollte
die Schn Magelona nicht, da sie es sollte wissen. Wann sie htt groe
Sorg, sie wrde es nicht verschweigen, sondern solches verhindern; darum
hielt sie es heimlich. Der Peter ging also von ihr hinweg in seine
Herberg, und schicket alles, das ihm vonnten war, doch verborgen. Und
lie seine Pferd auf das Beste beschlagen.




Wie Peter die Schn Magelona hinweg fhret.

                             [Illustration]


Nun, da es kam um die bestimmte Zeit auf den ersten Schlaf, kam der
Peter zu dem Pfrtlin des Gartens mit dreien Pferden, unter welchen
eines war geladen mit Wein und Brot und ander Speise auf zween Tage,
damit sie nicht durften Essen suchen oder Trinken in den Herbergen. Er
fand die Schne Magelona ganz alleine, die htt zu sich genommen Gold
und Silber, was ihr vonnten war. Und sa auf ein schnes gutes englisch
Zelterlin, das da sanft ging von Vorteil. Darnach sa der Peter auf ein
schnes gutes Pferd, und ritten beide eilends ohn Abstehn die ganz Nacht
ber, bis da der Tag anbrach.

Da nun der Tag kam, suchet der Peter die Hlzer gegen dem Meer zu,
damit sie nicht gesehen wrden von jemand, und damit man von ihnen
nichts mchte erfahren. Und da sie nun tief genug im Holz waren, da hub
der Peter die Schne Magelona von dem Pferde herunter, und zog hernach
den Pferden ihre Zume ab und lie sie weiden und grasen. Und ging er
und sie sitzen auf das grne Gras unter einen Schatten. Und sagten von
ihrer Abenteuer, und baten GOTT fleiig, da Er sie wolle beschtzen und
endlich fhren, da sie hin begehrten, ihr Frnehmen zu verbringen. Und
als sie beide lang mit einander htten geredt, da berkam die Schn
Magelona groen Willen, zu schlafen und ein wenig zu ruhen, wann sie
htt die ganze Nacht nicht geschlafen, auch war sie mde worden von dem
Reiten. Also leget sie ihr Haupt in des Peters Scho und fing an zu
schlafen.




Wie man das Hinwegziehen des Ritters und der Schnen Magelona erfuhr,
und wie sie an allen Orten gesucht wurden.

                             [Illustration]


Als es nun Tag worden, kam die Amme in die Kammer der Schnen Magelona,
und tt allda lange Zeit verharren, wann sie vermeinet, sie schliefe
noch. Und da sie sah, da die Zeit vorber war, in der sie gewohnet war,
auf zu stehen, gedachte sie, dieweil sie also lang verzge, sie wrde
schwach sein. Also ging sie fr das Bette, da fand sie niemand, sondern
das Bette war noch unzerbrochen, daran man kein Zeichen finden mochte,
da etwann wer darinne gelegen. Des erschrak sie sehr, und gedacht in
ihr selber, da sie der Peter htte hin gefhret. Und ging als bald in
die Herberg des Peter, und fraget nach ihm; da erfuhr sie, da er hin
war. Da fing die Amme an, sich so jammerlich zu stellen, da sie
vermeinet zu sterben. Und ging als bald in der Knigin Kammer, und saget
ihr, wie sie die Schne Magelona htte gesuchet in ihrem Bette, aber
htte sie nicht gefunden, sie wte auch nicht, wo sie wre.

Als solches die Knigin von der Ammen hret, erschrak sie und ward
zornig, lie sie berall suchen, so lang, bis solches der Knig erfuhr.
Und kam das Geschrei, der Ritter mit den Schlsseln wre hinweg. Da
gedacht sich der Knig, der Ritter htte sie mit sich hin gefhret. Und
lie der Knig als bald mit Macht auf bieten, nach zu folgen und zu
suchen; und so man den Ritter berkme, gebot er, man slle ihm ihn
lebendig bringen. Wann er wollt ihn strafen, damit die ganze Welt darvon
wte zu sagen.

Da nun die Untertanen htten verstanden den Willen ihres Herren, gingen
sie heim. Und nahmen ihr Harnisch und Waffen, zerteilten sich hin und
wieder auf dem Wege und suchten mit groem Flei. Und blieben der Knig
und die Knigin unmutig bei einander; wann der ganze Hof ward betrbet,
in Sonderheit die Knigin; die wollt verzweifeln und schrie und weinet
gar jammerlich.

In dem schicket der Knig nach der Ammen, und saget ihr: Es mag nicht
gesein! Du mut etwas darvon wissen, da dann kein Mensch! Da fiel die
gute Amme dem Knig zu Fen und sprach: Aller gndigster Herr, so ihr
in mir mget finden, da ich in dieser Sachen einerlei schuldig bin, so
bin ich zufrieden, da ihr mich lasset tten eines grausamen Todes, wie
ihn euer Hof erkennen wird. Dann als bald ich solches erfahren, hab
ich's meiner gndigen Frauen, der Knigin, angezeiget.

Da ging der Knig in sein Gemach, a und trunk nichts den ganzen Tag vor
Trauern. Es war auch erbarmlich, zu sehen der Knigin Wesen, samt
anderen Jungfrauen und Frauen des Hofes, auch durch die ganze Stadt
Neapel.

Nun suchten die Untertanen hin und her treulich, aber sie konnten nichts
finden, noch erfahren von den Zweien. Und kamen also eines teils in
sechs Tagen wieder, die anderen in fnfzehen Tagen. Erfuhren und funden
nichts, darum der Knig fast zornig ward.

Nun wollen wir hie verlassen, weiter von dem Knig zu sagen; und wollen
uns wenden, zu sagen von der Schnen Magelona, die da lag im Holze und
schlief.




Wie die Schn Magelona entschlief in dem Schoe des Peter, und wie er
groe Lust htt, sie schlafend an zu schauen, doch zu Ende zornig ward,
als ihr hernach hren werdet.

                             [Illustration]


Wie ihr oben gehrt habt, da die Schn Magelona in dem Schoe des Peter
entschlief, da htt der Peter keine grer Lust, dann im Anschauen
seiner aller Liebsten; er kunnt sich auch nicht ersttigen der Schne,
die er da vor sich sah. Und da er sie genug besehen htt, ihren schnen
roten Mund, auch das Angesicht, da kunnt er sich nicht enthalten,
schnret auf ihre Brust, zu beschauen auch ihre schneeweie Brust, die
weier war zu sehen, dann ein Kristall; griff an ihre schnen Brstlin.
Als er solches tt, ward er in der Liebe ganz entzundet und verzucket.
Gedauchet ihn, er wre im Himmel, gedacht auch, Unglcke mchte ihm
nichts schaden. Doch diese Lust blieb ihm nicht lang; wann darnach
erlitt er unbertreffliche Pein, als ihr hernach werdet vernehmen.

Da nun der Peter die Schne Magelona wohl besehen htt, da sah er
ungefhr einen roten Zendel zusammen gewickelt zwischen ihren Brstlin
liegen. Da berkam ihn groe Lust, zu erfahren, was es wre, und nahm es
heraus und wickelt es auf. Da fand er darinnen liegen die drei schnen
Ringe, die er ihr geben, und die sie also lieb htt und auf hub von
seinen wegen. Da sie nun der Peter gesehen htt, wickelt er's wieder in
den Zendel wie vor und leget sie neben sich auf die Seiten auf einen
Stein und begunnt, die Schne Magelona wieder an zu sehen, und ward also
verzucket in der Liebe, da er nicht wut, wo er war.

Aber GOTT der Allmchtig erzeiget ihm, wie da in dieser Welt kein
Freude wre ohn Traurigkeit, und schicket darhin einen Vogel, der da
lebet von dem Raub. Der ersah den Zendel, und vermeinet, es wre
Fleisch, erwischet ihn und flog darvon.




Wie Peter dem Vogel nach folget und warf zu ihm mit Steinen, aber der
Vogel lie den Zendel ins Meer fallen.

                             [Illustration]


Da der Peter solches ersah, da ihm der Vogel die Ringe htt hinweg
gefhret, ward er zornig; wann er gedacht, so es die Schn Magelona, die
er dann ungerne erzrnen wollt, erfhre, es wrde ihr nicht gefallen. Er
leget seinen Mantel suberlich unter ihr Haupt, damit sie nicht erwache,
und folget dem Vogel nach, warf mit Steinen nach ihm; wann er verhoffet,
er wlle die Ringe ihm wieder ab jagen. Und trieb es so lang, bis der
Vogel den Zendel mit den Ringen lie in das Meer fallen. Dann sa er auf
einen kleinen Felsen nahe bei dem Erdreich. Jedoch zwischen dem Felsen
und Erdreich war eine groe Menge des Wassers, es mochte keiner hinber
kommen, von Sorge wegen, da er nicht ersaufe. Auf dem Felsen sa der
Vogel, und wurf der Peter mit Steinen zu ihm, und drnget ihn also sehr,
da er die Ringe lie ins Meer fallen, und flog darvon.

Da mochte der Peter nicht hinber vor Wasser, er wre sonst ersoffen,
wie wohl es nicht weit war von dem Lande. Da fing der Peter an, hin und
her zu suchen, ob er mchte was finden, darinne er sicher hinber kommen
mchte. Und sprach wider sich selber: O mein GOTT, was habe ich getan!
Htte ich die Ringe liegen lassen an ihrem Orte, da sie wohl und sicher
lagen! Ich meine, sie werden mir wohl bezahlt, des gleichen der Schnen
Magelona. Wann ich lang aus bleibe, wird sie mich suchen.

Also suchet der Peter so lang am Gestad, bis er fand einen kleinen alten
Kahn, welchen die Fischer verlassen htten, dieweil er nichts nutze mehr
war. Der Peter stieg hinein und ward wieder erfreuet; aber sein Freude
whret nicht lang. Wann er nahm einen Stecken in die Hnde, den er
ohngefhr htt gefunden, und leitet sich darmit hinber gegen dem
Felsen.

Aber GOTT der Allmchtig, der alle Ding machet nach Seinem Gttlichen
Willen, schicket, da ein groer Wind auf stund; der nahm den Peter mit
Gewalt und fhret ihn auf das hohe Meer ber seinen Willen. Da er sah,
da er je lnger, je mehr von dem Erdreich kam, und wute ihm nicht
wider zu stehn, und tt betrachten die groe Gefhrlichkeit des Todes,
darinne er war, und da er htte die Schne Magelona, die er mehr liebet
dann sich selbst, also verlassen in dem Holze liegen schlafen, und
besorget, sie wrde sterben eines bsen Todes, und wrde verzweifeln
ohne Hilf und Rat, gedachte er, sich selber in das Meer zu werfen. Wann
sein edels Herze mochte nicht mehr dulden, noch erleiden solchen
Schmerz. Doch der, so da versuchet, die Menschen dieser Welt durch
mancherlei Trbsal und Leiden zu leiten zu der Geduld, wollte nicht ber
ihn verhngen, da ihm was an seinem Leib widerfhre.

Da kam der Peter wieder zu sich selber als ein rechter christlicher
Mensch, und rief an GOTT den Allmchtigen und sprach wider sich selber
also: Ach, bse bin ich! Warum will ich mich selbst tten, die Weil ich
dem Tod also nahe bin, der da zu mir laufet, mich zu fahen! Ich darf ihn
nicht suchen. O allmchtiger, ewiger, gtiger GOTT, ich bitte Dich, Du
wollest mir vergeben alle meine Snde, und was ich je wider Dich
gehandelt habe. Wann wider Dich, o allmchtiger GOTT, habe ich
gesndiget, da ich wohl eines rgern Todes schuldig wre dann dieses. O
GOTT, erbarme Dich mein! Ich will ihn auch gerne leiden, ich wollte ihn
auch lieber leiden, so ich wte, da mein aller liebster Gemahel keinen
Schmerz leiden sollt. Aber es kann nicht gesein. Ach wehe, ach wehe,
mein aller liebste und schnste Magelona, ein Tochter eines mchtigen
Knigs, wie wird euer Leib und Herze erleiden mgen, sich alleine in
der Wsten zu finden, dieweil er also zrtlich erzogen ist! Ach wehe und
aber wehe, bin ich nicht ein falscher und ungetreuer Mensch, da ich
euch hab aus gefhret aus dem Hause euers Vaters und Mutter, da ihr also
reichlich und zrtlich gehalten waret! Ach wehe, mein aller liebster und
edelster Gemahel, nun bin ich des Todes, wann ich kann ihm nicht
entgehn. Um mich ist es ein kleiner, aber um euch ein groer Schaden;
wann frwahr, ihr seid die schnest auf Erden. O allmchtiger, ewiger,
gtiger GOTT, ich befehle sie Dir in Deinen Schutz und Schirm! Du
wollest sie bewahren vor allem bel! Du weit wohl, da zwischen uns
beiden ist kein unordentlich Lieb gewesen. Darum, o GOTT, aller
betrbten Menschen ein Zuflucht, ich bitte Dich, Du wollest ihr helfen,
und sie nicht verlassen; wann sie hat einen guten reinen Frsatz gehabt.
Du wollest sie nicht lassen verderben, und meine Seele lassen zu Deiner
Seligkeit kommen, aus Deiner grundlosen Barmherzigkeit Dich ber mich
erbarmen! O aller liebste Magelona, ich werde euch nicht mehr sehen,
noch ihr mich, unser Verlbnis und Ehe hat ein kurze Zeit gewhret. Ach,
wollt GOTT, ich wre tot vor zweien Tagen vergangen gewesen, und ihr
wret wieder in euers Vaters Hause!

Also weinet und beklaget der edel Peter mehr die Schne Magelona dann
sich selber. Er sa in der Mitten des Schifflins und wartet des Todes,
wo ihn das Meer hin wrf; wann er lie es frei gehen, wo es hin wollten
fhren die Wellen des Meers. Er htt auch Wassers genug bei sich in dem
Kahn und ward gar na. In dieser Gefhrlichkeit blieb der Peter von
Morgen an bis auf den Mittag.

Es begab sich auch, da ein Raubschiff kam der Mohren, die sein
ansichtig wurden, und sahen ihn alleine darher fahren, wie ihn der Wind
fhret. Sie zogen ihm zu, fingen ihn und satzten ihn in ihr Schiff. Aber
der Peter war vor Leid halb tot, er erkennet sich selber nicht wohl und
wute nicht, wo er war. Da nun der Patron des Schiffes den Peter recht
an sah, gefiel er ihm wohl; wann er war wohl gekleidet und schn. Und
gedacht in sich selber, er wlle ihn dem Sultan schenken. Sie schifften
so viel Tagreisen, bis sie kamen gen Alexandria.

                             [Illustration]

Als sie darhin kamen, da schenket der Patron den Peter dem Sultan. Da
ihn der Sultan ersehen htt, da gefiel er ihm wohl, und danket dem
Patron. Der Peter trug die gulden Ketten allwegen an seinem Halse, die
ihm die Schn Magelona htt geben; darum gedauchet den Sultan, da er
eines groen Geschlechts wre. Er lie ihn auch fragen durch einen
Dolmetschen, ob er zu Tische dienen knne. Da antwortet ihm der Peter,
ja. Also befahl der Sultan, man slle ihn der Weise unterrichten. Der
Peter lernet also wohl, da er's ihnen allen vor tt. Auch gab GOTT der
Allmchtige dem Sultan die Gnade, da er den Peter lieb gewann, und
also sehr, als wre er sein eigener geborener Sohn gewesen.

Der Peter war auch nicht ein ganzes Jahr bei ihm, so unterstund er sich,
aus Gnaden GOTTes des Allmchtigen, die Sprache wohl zu lernen, und
redet gut mohrisch und griechisch. Und war also zchtig und freundlich,
da ihn jedermann am Hofe lieb gewann, als wre er ihr eigener Sohn
gewesen, oder Bruder. Es war auch seines gleichen nicht am Hofe mit
aller Geschicklichkeit, da alles durch ihn geschehen mute bei dem
Sultan. Das, was ihm befohlen war, zu tun und aus zu richten, das tt er
mit ganzem Flei, derhalben er herfr gezogen ward. In dieser Ehren war
der Peter bei dem Sultan.

Jedoch mochte er nie frhlich werden, wann sein Herze war ihm allwegen
schwere, so er gedacht an seine aller liebste Magelona; und htte
gewollt, er wre in dem Meer ersoffen, darmit er solcher Schmerzen
erlediget wre worden. Also gedacht der Peter an sein traurig Leben,
doch lie er sich nichts merken, wie wohl sein Herze allwegen bei GOTT
wre; und tt ihn oft bitten, dieweil er ihm geholfen htte aus der
groen Fhrlichkeit des Meers, da er ihm auch helfe und Gnad verliehe,
damit er das heilige Sakrament der Ehe mchte empfahen, eh er strbe. Er
gab auch viel Almosen den armen Christen von wegen seiner aller liebsten
Magelona, und verhoffet, GOTT werde sie nicht verlassen.

Nun wollen wir von ihm lassen zu reden, und von der Schnen Magelona
sagen.




Wie die Schn Magelona lag auf des Peters Mantel und schlief, und da sie
erwachet, da fand sie sich alleine in dem Holz.

                             [Illustration]


Als nun die Schn Magelona nach Lust htt geschlafen, (wann sie war mde
und htt die ganze Nacht gewachet, des sie nicht gewohnet war), wachet
sie auf, und gedacht, sie wre bei ihrem aller liebsten Peter, und
vermeinet, sie htte ihr Haupt in seinem Schoe. Da sa sie auf und
saget: Mein aller liebster Peter, ich habe wohl geschlafen, ich glaube
gnzlich, ich habe euch verdrielich gemachet. Und sah um sich, so fand
sie niemand. Sie stund auf und erschrak sehre, fing an, mit lauter
Stimme zu rufen durch das Holz: Peter! Peter! Aber niemand wollte ihr
antworten.

Da sie niemand hret noch sah, wre nicht Wunder gewesen, da sie von
allen ihren Sinnen kommen wre. Da fing sie an zu weinen, und ging also
durch das Holz rufen: Peter! Peter! als laut sie immer rufen mochte.
Da sie nun lang htt gerufen und gesuchet, da ward sie heiser im Halse
von dem Rufen, und stieg ihr ein Schmerz und Wehe in das Haupt, da sie
vermeinet, allda zu sterben. Und fiel also in einer Ohnmacht auf die
Erden, als wre sie tot.

Darinne blieb sie eine lange Zeit, und als sie wieder zu ihr selber kam,
da setzet sie sich nieder, und fing an die jammerlichsten Klagen, die je
ein Mensch gehret. Und saget: Ach, mein aller liebster Peter, mein
liebstes Lieb und Hoffnung, wo hab ich euch verloren! Warum seid ihr von
mir geschieden, und habt mich also verlassen, euer getreue Gesellin? Ihr
wisset doch wohl, da ich ohn euch nicht habe wollen leben in meines
Vaters Hause, da ich also reichlich gehalten ward. Ach wehe und aber
wehe, wie mget ihr gedenken, da ich mge leben in dieser Wildnis und
Wsten! Ach wehe, mein edelster Herre, in welcher Irrung gehet ihr um,
da ihr mich also verlassen habet in diesem rauhen Busch, darinne ich
eines jammerlichen Todes sterben werde! Ach wehe und aber wehe, was habe
ich euch zu Mifallen getan, da ihr mich habt gefhret aus meines
Vaters Haus, des Knigs von Neapel, mich also in groen ngsten und
Schmerzen zu tten! Habt ihr doch mir also groe Liebe erzeiget! Ach,
mein aller liebster Peter, habt ihr an mir etwas gefunden, das euch
nicht htte gefallen? Frwahr, ich hab mich zu viel gegen euch
entdecket. Ich hab solches getan aus groer Liebe, die ich zu euch
getragen habe; wann nimmer mehr kommet mir ein Mensch also tief in mein
Herze als ihr. Ach, edelster Peter, wo ist euer Adel, wo ist euer edels
Herze, wo ist euer Glauben und Zusage! Frwahr, ihr seid der greulichste
Mensch auf Erden, der je von einer Mutter geboren ward, wie wohl mein
Herze nichts Bses von euch kann und vermag zu sagen. Ach wehe, was kann
ich mehr fr euch tun! Frwahr, ihr seid der ander Jason, und ich die
ander Medea.

Ging also verzweifelt hin und her und suchet den Peter durch das Holz,
und kam, da sie die Pferde fand. Als sie die Pferde ersah, da fing sie
an, auf ein Neues zu klagen und weinen. Und saget: Frwahr, mein aller
liebster Peter, ich erkenne itzt, da ihr nicht mit Willen seid von mir
geschieden; des bin ich ganz sicher. Ach wehe, mein getreuer Liebhaber,
und ich Ungetreue, da ich euch also geschmhet habe! Darum mein Herze
betrbet ist bis in den Tod. Ach, welch Abenteuer hat uns von einander
geschieden? Seid ihr tot, warum bin ich mit euch auch nicht tot!
Frwahr, es ist keiner armen Tochter nie ein so gro Unglcke wider
fahren als mir. Ach Glcke, du verfolgest itzunder nicht die Getreuen
und Frommen, und je hher die Personen sein, je mehr du mit ihnen zu
kriegen hast. O gtiger GOTT, der Du bist ein Licht aller Ungetrosten
und Verlanen, ich bitte Dich, Du wollest mich arme Jungfrauen trsten.
Behalte und behte mir meine Sinne, meinen Verstand und Vernunft, damit
ich nicht verliere Leib und Seele! Lasse mich sehen meinen aller
liebsten Herrn und Gemahel zuvor, ehe ich sterbe! Ach wehe, mchte ich
erfahren, wo er wre. Und so ich ihn wte zu Ende der Welt, ich wollte
ihm nach folgen. Ohn allen Zweifel glaube ich, diese Widerwrtigkeit hat
uns geben der Bse Geist, dieweil unser Lieb ist nicht gewesen
unordentlich noch zerbrochen, und dieweil wir nicht haben willigen
wllen in seine bse Anfechtung. Und halte es darfr, da er ihn darum
gefhret habe in ein fremd Land, unser beider guten Willen zu brechen.

Solche Wort saget die Schn Magelona in ihr selbst und beklaget ihr
Unglcke und ihren aller liebsten Peter. Ging also hin und her durch das
Holz wie eine verlassene Frau, und horchet, ob sie etwas mchte hren
nah oder weit. Darnach stieg sie auf einen Baum und sah sich um, ob sie
mchte etwas sehen und erkennen, und sah nichts auf Erdreich, dann Holz
am Land und Port des Meers, und auf der andern Seiten sah sie nichts
anders, dann das tiefe Meer.

Also blieb die Schn Magelona ganz traurig und beschwert diesen ganzen
Tag ohn Trinken und Essen. Da nun die Nacht kam, suchet sie einen groen
Baum, auf den stieg sie mit groer Marter und Pein. Darauf blieb sie die
ganze Nacht sitzen, aber sie ruhet und schlief wenig; wann sie htt
groe Sorge vor den wilden Tieren, die wrden ihr einen Schaden zu
fgen. Und also vertrieb sie die ganze Nacht: itzt weinet sie, darnach
gedacht sie, wo er mchte hin kommen sein, und darnach gedacht sie, was
sie tun wlle, oder wo hinaus. Wann sie htt sich in ihrem Herzen fr
gesatzet, sie wlle nicht wieder heim ziehen zu Vater und Mutter, wann
sie forcht den Zorn ihres Vaters. Und beschlo endlich bei ihr selbst,
sie wlle ihren aller liebsten Peter suchen durch die Welt.




Wie die Schn Magelona herab stieg von dem Baum und kam, da sie die
Pferde fand, band sie auf und lie sie laufen.

                             [Illustration]


Als nun der Tag herfr brach, da stieg sie vom Baum und ging an den Ort,
da sie die Pferde fand, die da noch angebunden waren, band sie auf mit
weinenden Augen und saget: Als ich in mir gedenke, wie euer Herr ist
verloren und mich in der Welt tut suchen, also will ich auch, da ihr in
die Welt laufet, wo ihr hin wollet. Und zog ihnen die Zume ab, und
lie sie also laufen durch das Holz, wo sie hin wollten. Und ging
darnach also lang im Holze, und suchet einen Weg, bis sie fand die
Landstrae, die da ging gen Rom.

Und da sie sich auf der Landstraen fand, wandt sie sich wieder bald dem
Holze zu und suchet einen Ort, wo es dichte war, und setzet sich hinein.
Der Ort war hoch gelegen, darum sie mchte sehen, wer hin und wider
ginge; aber sie mochte man nicht sehen. Da sie nun eine Zeit lang da
blieb, da sah sie auf dem Wege eine Pilgerin kommen.

Der rufet sie zu ihr; die kam als bald und fraget, was sie begehre. Da
bat sie die Pilgerin, sie wlle ihr geben ihren Rock und die anderen
Kleider um ihre schnen Kleider. Da solches die Pilgerin hret, gedacht
sie bei sich selber, sie wre nicht alleine im Holz ohn Leute, und
vermeinet, die Schn Magelona spotte ihr. Und sprach: Gndige liebe
Frau, so ihr wohl bekleidet seid, sollt ihr darum der armen Leute
Christi nicht spotten! Wann solcher schner Rock, den ihr an traget,
zieret euch den Leib; aber mein Rock, hoffe ich, werde mir meine Seel
zieren. Da sprach die Schn Magelona zu ihr: Mein liebe Schwester, ich
bitte dich, du wollest keinen Verdru haben. Wann ich sag es aus gutem
Herzen, und will gerne mit dir frei markten.

Nun, als solches die Pilgerin verstund, da sie redet aus einem guten
Herzen ohn allen Spott, da zog sie sich aus und gab ihr die Kleider, des
gleichen die schn Magelona die ihren; und bekleidet sich mit den
Kleidern der Pilgerin also wohl, da man ihr nicht viel von dem
Angesicht mochte sehen. Und was sie nicht verbergen mocht, da nahm sie
einen nassen Speichel und Erdreich und beschmieret sich, damit sie nicht
erkannt wrde.




Wie die Schn Magelona gen Rom kam in der Pilgerin Kleidern, und wie sie
ihr Gebet tt vor dem Hohen Altar von St.Peters Kirchen.

                             [Illustration]


Die Schn Magelona nahm ihren Weg gen Rom in diesen Kleidern, und ging
also lang, bis sie in die Stadt kam. Als bald sie dar kam, ging sie des
ersten Gangs in Sankt Peters Kirchen. Und kniet fr den Hohen Altar und
fing an, inniglich zu weinen und seufzen. Verbracht also ihr Gebet, und
saget: O allmchtiger ewiger GOTT, Jesu Christe, der mich hast aus
Deiner Mildigkeit gesatzet in groe Lust, und hast mich zu gesellet dem
Edelsten dieser Welt, den ich mehr geliebet habe dann kein Mensch, und
durch Dein Macht und Gewalt hast verschaffet, da wir von einander sein
geschieden durch Abenteuer; mein GOTT, es ist unser Snden Schuld,
dieweil wir Snder sein. Jedoch, o allmchtiger, ewiger GOTT, es
gednket mich, Du solltest ihn mir nicht geben haben, dieweil Du mir ihn
wieder httest also wollen nehmen. Hierum bitte ich Dich aufs Demtigest
bei Deiner Menschwerdung, als Du uns gleich bist worden, doch ohn alle
Snde, und durch Dein milde Barmherzigkeit, es sei Dein Willen und
Gefallen, Du wollest mir meinen aller liebsten Peter und Gemahel wieder
geben, dem ich durch Dein Gttliche Schickung bin verehlicht worden. O
Du gtiger Jesu Christe, der Du bist ein Trster aller Betrbten, ich
bitte Dich, Du wollest diese, Deine arme Tochter, trsten! Wann ich
wende mich zu Dir aus gutem Herzen und Willen. Ach, Du gtiger und
getreuer GOTT, ich bitte Dich, Du wollest behten meinen aller liebsten
und getreuesten Gemahel Peter, der Dich in allem seinem Tun und Wesen
hat geehret. So er lebendig ist, Du wollest verhelfen, da er zu mir
komme, und ich zu ihm! Und da wir hinfr mgen unser Leben enden in
gutem Frieden und getreuem Sakrament der Ehe! Hilf, da wir nicht also
verloren um ziehen in dieser Welt! Hilf, da unser getreue Lieb nicht
also schndiglich verloren werde! Erzeige uns beiden Dein milde
Barmherzigkeit!

Als sie ihr Gebet htt also vollendet, da stund sie auf, und wollt in
ein Herberg gehn. Da ersah sie ihren Vetter in die Kirchen treten, der
da war ihrer Mutter Bruder, und sie tt suchen in groer Ehr und
Gesellschaft. Darob sie sehr erschrak, doch nahmen sie ihr nicht wahr;
wann es kunnt sie unter ihnen keiner erkennen in dieser Kleidung. Und
ging also wie eine Pilgerin in das Spital. Darinne blieb sie fnfzehen
Tage wie eine arme Pilgerin, und ging alle Tag in die Kirchen Sankt
Peters und verbracht allda ihr Gebet in groer Traurigkeit und groem
Weinen. Und verhoffet, GOTT der Allmchtig wrde sie endlich erhren.

In dem, als sie allda blieb, da fiel ihr zu, sie wlle in das Land
Provincia ziehen; wann sie verhoffet, da von ihrem aller liebsten Peter
desto eher etwas zu hren. Und beschlo also bei sich, und machet sich
auf den Weg, und zog also lang, bis sie kam in ein Stadt, genannt Genua.
Da erfraget sie den Weg gen Provincia, welcher der kurzest und sicherst
wre. Und ward ihr geraten, sie slle auf dem Meer fahren; der Weg wre
der kurzest und sicherst.

Und als sie an den Port des Meeres ging, da fand sie zu allem Glcke ein
Schiff ganz zubereit, das wollt gehn zu einem Port, genannt
Toten-Wasser. Sie berkam mit dem Patron und zog mit ihm darhin. Als sie
nun darhin kam, da ging sie eines Tags durch die Stadt wie eine arme
Pilgerin. Da rufet ihr eine fromme Frau und nahm sie in ihr Haus um
GOTTes willen. Und aen und tranken miteinander den selben Tag. Da
fraget die gute Frau die Schne Magelona viel von ihrer Wallfahrt. Also
saget sie ihr, wie sie kme von Rom wallfahrten. Darnach fraget sie
wieder die Schn Magelona von der Gewohnheit und Eigenschaft des Landes,
und ob fremde Leute mchten sicher wandern.

Da saget sie ihr: Wisset, liebe Pilgerin, da wir haben einen Herrn
dieses Landes von hinnen bis gen Aragonia, und heiet unser Herr der
Graf von Provincia. Er ist mchtig und hlt sein Land in gutem Fried,
also, da nie kein Mensch vernommen hat, da jemand wre ein Verdru
geschehen; wann er befiehlt, Sicherheit und Gerechtigkeit zu halten in
seinem Lande. Er und die Grfin sein also freundlich und holdselig gegen
den armen Leuten, da es Wunder ist. Aber sie sein sehr betrbt und
zornig, und wir alle mit ihnen, als die Untertanen, von ihres Sohns
wegen, der Peter genannt, der da ist der edelst Ritter dieser Welt; wann
er ist bei zwei Jahren von hinnen gezogen, sich zu ben in der Welt in
Ritterspielen, und seit dieser Zeit ist nichts mehr von ihm gehrt
worden. Sie besorgen alleine, er sei tot, oder ihm sei ein groes
Unglck wider fahren, was dann ein groer Schaden wre. Und fing an
also zu erzhlen die Guttaten und Tugend des edeln Ritters.

Als solches die Schn Magelona vermerket, und hret von dem Grafen und
der Grfin, und da der Peter nicht heim kommen war, da erkennet sie,
da der Peter nicht williglich von ihr kommen war, und da solches htte
ein bses Unglcke getan. Und fing an, aus Mitleiden zu weinen. Und die
gute Frau, da sie bei war, vermeinet, sie weine aus Mitleiden, und hielt
sie desto lieber; und mute die Nacht bei ihr schlafen.




Wie die Schn Magelona sich fget auf einen Port der Heiden, zu dienen
den armen Leuten in einem kleinen Spital, und wartet, ob sie von ihrem
lieben Peter was mchte erfahren.

                             [Illustration]


Die selbe Nacht setzet sich die Schn Magelona im Herzen fr, dieweil
der Peter nicht heim kommen war, sie wlle sich an einen Ort wenden, da
sie dem allmchtigen GOTT andchtiglich mchte dienen, damit sie ihr
Jungfrauschaft desto ba mchte unbeflecket behalten. Und verhoffet, da
sie da von ihrem aller liebsten Peter eher etwas mchte erfahren, dann
anders wo. Und tt also fragen, ob in dem Lande wre ein Ort, da man
andchtiglich mchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin, saget, da
nahe wre ein Insel des heidnischen Ports, dar alle Schiff und
Kaufmannschaft hin kmen aus allen Landen. Darhin kmen auch viel armer
Menschen, krank und schwach.

Also ging die Schn Magelona, den Ort zu beschauen, und gefiel ihr wohl.
Lie von dem Geld, das sie htt, ein klein Kirchlein bauen und ein klein
Spital mit dreien Betten. In der Kirchen lie sie machen einen Altar in
der Ehre Sankt Peters, ihrem aller liebsten Peter zu Gefallen, und gab
der Kirchen den Namen: St.Peter von Magelon.

Da nun die Kirche, auch das Spital gebauet war, da tt sie sich hinein
und dienet den armen kranken Menschen mit groer Andacht; und fhret
also ein scharfes Leben, da die Leute der Insel und auch die
Umliegenden sie hielten fr eine heilige Fraue; man nennet sie auch die
heilige Pilgerin. Es kam gro Opfer von viel Leuten in das Kirchlein.
Und ward also weit bekannt, da der Graf und die Grfin, des Peters
Vater und Mutter, selber in groer Andacht kamen, die Kirchen zu
besuchen.

Also begab sich eines Tags, da sie alle beide dar kamen, die Kirchen
und Spital zu besuchen, und sahen der Spitalerin Wesen. Sagten wider
einander, sie msse eine heilige Frau sein. Als die Spitalerin die zwei
ersah, ging sie zu ihnen als eine, die sich wohl zu halten wute, und
erbot ihnen Ehr und befahl sich ihnen beiden. Ob dem empfingen der Graf
und die Grfin ein gro Gefallen, und gefiel ihnen ihre Weise wohl.

Darnach zog die Grfin die Spitalmeisterin auf einen Ort, und redeten
viel mit einander von mancherlei Dingen, und kam also weit, da die
Grfin ihr saget, wie sie betrbet wre um ihren Sohn, und fing also an,
herzlich zu weinen. Die Spitalerin trstet sie auf das Beste, so sie
mocht, wie wohl ntiger wre gewesen, sich selber zu trsten, dann die
Grfin. Jedoch ward die Grfin durch die Spitalerin gar gestillet, und
saget zu ihr, sie htte ein gro Gefallen in ihren Reden, und sprach,
sie wlle oft zu ihr kommen; und alles, was sie bedrfe, das slle sie
begehren, das wlle sie ihr nicht versagen. Darum saget ihr die
Spitalerin groen Dank.

Also zog die Grfin wieder heim, und bat die Spitalerin, sie wlle GOTT
treulich bitten, damit sie erfhre, wo ihr Sohn wre. Das zu tun verhie
ihr die Spitalerin mit gutem Herzen, und schieden also von einander. Und
die Spitalerin ging hin und wartet der armen Leute, wie sie dann
Gewohnheit htt, und fhret ein hart Leben.




Wie die Fischer an dem Ort eines Tags fischeten und fingen einen schnen
Fisch, Meerwolf geheien, und von wegen seiner Schne schenkten sie ihn
dem Grafen und der Grfin.

                             [Illustration]


Eines Tages begab es sich, da die Fischer des selben Ortes fischten in
dem Meer, und fingen einen Fisch, Meerwolf genannt, der sehr schn war,
darum schenkten sie ihn dem Grafen und der Grfin, die ihn mit groem
Dank empfingen.

Als nun der Fisch durch die Diener in die Kchen ward getragen, ihn zu
zu bereiten, da fand der, so ihn bereitet, in des Fisches Bauch einen
Zendel, der war rot, in Gestalt eines Ballen oder Apfels. Und da sie
solches sahen, da nahm's eine Maid und bracht's der Grfin zu besehen,
und saget: Gndige Frau, wir haben das gefunden in dem Fische.

Das nahm die Grfin und wickelt es auf und fand darinne liegen die drei
Ringe, die sie ihrem liebsten Sohn Peter gegeben htt, als er von ihr
war gezogen. Und als sie die gesehen htt, da kannt sie die Ringe, fing
an, inniglich zu weinen und groen Unmut und Trauern zu fhren. Und
sprach: Ach wehe, allmchtiger ewiger GOTT, nun bin ich sicher und
genugsamlich berichtet, da mein aller liebster Sohn tot ist. Nun bin
ich aller meiner Hoffnung beraubt, ich werde ihn nimmer mehr sehen. O
allmchtiger ewiger gtiger GOTT, was hat diese unschuldige Kreatur
verwirket, da ihn der Fisch hat verschlucket!

Da die Grfin also heulet und schrie, in dem kam der Graf, und als er
das Geschrei erhret, erschrak er sehr, und fraget, was das wre, und
ging also in ihre Kammer zu ihr. Als ihn die Grfin ersah, saget sie zu
ihm klglich und weinend: Ach wehe, wehe, wie bringet uns ein
unvernnftig Tier also bse Mr von unserem liebsten Sohn Peter, die
nicht rger sein mchten! Und fing an, ihm zu sagen, wie sie htten
gefunden einen Zendel, darinne waren gelegen die drei Ringe, die sie ihm
htt gegeben, als er hinweg von ihnen zog. Und zeiget die Ringe dem
Grafen.

Als er die ersah, da erkennet er sie als bald; und ward also betrbet,
da er sein Haupt leget auf das Bette, und fing an, klglich zu weinen,
wohl eine halbe Stunde. Darnach, als ein tugendreicher und beherzter
Herre, kam er zu der Grfin und trstet sie auf das Beste, als er
vermocht. Und sprach zu ihr: Wisse, liebe Hausfrau, da dieser Sohn
nicht unser, sondern GOTT des Allmchtigen gewesen; wann Er hat ihn uns
geben. Nun itzunder hat es Ihm wieder gefallen, mit ihm zu schaffen nach
Seinem Gttlichen Willen, als mit Seinem eigenen Dinge. Darum sllen wir
nicht zornig oder traurig sein. Hierum bitte ich dich, du wollest ab
stellen deinen Unmut und Schmerz, und GOTT loben, da Er ihn uns hat
geschicket und geben. Und so du das wirst tun, so tust du ein Gefallen
GOTT dem Allmchtigen und mir.

Also bald befahl er seinen Dienern, hinweg zu nehmen die kostlichen
schnen Teppich seines Palastes, und hie, dar henken schwarzes Tuch
durch sein ganzes Haus. Als solches die Untertanen erfuhren, wurden sie
all traurig; wann sie htten den jungen Grafen sehr lieb.

Nicht lang darnach htt die Grfin Willen, zu ziehen zu der Spitalerin,
die Kirchen und Spital zu besuchen, und der Spitalmeisterin ihr Not zu
klagen. Als sie zu ihr kommen und ihr Gebet in der Kirchen verbracht
htt, nahm sie die Spitalerin bei der Hand und fhrte sie in einen
Betstuhl. Fing an, mit groem Seufzen und Schmerz ihr zu sagen, wie es
ergangen wre, und zu erzhlen, wie da sie kein Hoffnung mehr htte,
ihren liebsten Sohn zu sehen.

Als die Spitalerin solches von der Grfin verstanden htt, fing sie an,
inniglich mit ihr zu weinen, und sprach: Gndige Frau, ich bitte euch,
so ihr die Ringe habet, ihr wollet mich sie sehen lassen.

Die Grfin zog's herfr und gab's ihr zu besehen. Da sie die Ringe
ersah, erkennet sie die selben balde. Und wre nicht Wunder gewesen, da
ihr Herz vor Leide wre zerbrochen in ihrem Leibe. Jedoch, wie eine
tugendreiche und weise Tochter, die ihre Hoffnung alleine in GOTT
setzet, saget sie: Gndige Frau, ihr sollet euch nicht bekummern; wann
die Dinge, so nicht gewi sein, sollen anders verhoffet werden. Wie wohl
das die Ringe sein, die ihr eueren liebsten Sohn geben habet, so kann
und mag es doch wohl sein, da er sie verloren hat, oder einer andern
Person geben. Darum ich euch bitte, ihr wollet euch nicht mehr betrben
oder bekummern. Darinne werdet ihr euerem Herrn zu Gefallen tun; wann
ihr mehret ihm seine Schmerzen, als bald er euch siehet betrbet und
traurig. Und kehret euch gegen GOTT dem Allmchtigen, und danket Ihm um
alles, das Er euch erzeiget!

Also trstet die Spitalmeisterin die Grfin auf das Beste, so sie
vermocht, wie wohl ihrer Schmerzen nicht weniger waren, dann der Grfin;
sie wre auch wohl Trostes notdrftiger gewesen.

Die Grfin gab groe Gaben in das Spital, GOTT fr die Seele ihres Sohns
zu bitten, so er tot wre; so nicht, da sie etwas Guts von ihm erfhre,
und zog also wieder heim. Und die Spitalerin blieb also fast traurig,
und fiel auf ihre Knie fr den Altar Sankt Peters und bat GOTT, so er
lebendig wre, ihn zu fhren in aller Sicherheit zu seinen Freunden. Wo
er aber tot wre, wolle sich GOTT seiner armen Seelen erbarmen und ihr
gndig sein. Und blieb also lang in ihrem Gebete.

Nun wollen wir auf hren, zu reden von dem Grafen, der Grfin und der
Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da war am Hofe des
Sultans.




Wie der Peter eine lange Zeit blieb an dem Hofe des Sultans, und durch
seine Geschicklichkeit regieret er den Sultan und den ganzen Hof; wann
jedermann htt ihn lieb.

                             [Illustration]


Der Peter blieb eine Zeit lang an dem Hofe des Sultans zu Babilonien,
und ward von ihm geliebet, als wre er gewesen sein eigener Sohn. Der
Sultan mochte auch kein Freude haben, der Peter wre dann bei ihm. Doch
htt der Peter allwegen sein Herze zu der Schnen Magelona; wann er
wute nicht, wo sie hin war kommen. Also nahm er sich eines Tags fr,
Erlaubnis zu nehmen von seinem Herrn, seinen Vater und Mutter zu
besuchen.

Und begab sich eins mals, da der Sultan ein gro Feste hielt; und war
frhlich und gab vielen Menschen groe Gaben. Da ersah der Peter die
Zeit, und fiel fr ihm auf seine Knie und sprach also: Herr, ich bin
lange Zeit gewesen an euerm Hofe, und durch euer sonderliche Gnade bin
ich in viel Sachen, so ich euch fr getragen, von euch erhrt worden.
Hab auch viel anderen Leuten ihre Sachen aus gerichtet, aber mir meiner
halben zu geben, habe ich euch noch nie gebeten. Darum ich auf dies mal
euer Gnaden bitten wollte, mir etwas zu geben, so ich nun begehren
werde, und mir solches nicht ab zu schlagen.

Als ihn der Sultan sah also demtiglich bitten, sprach er zu ihm:
Lieber Peter, es ist nicht weniger: was du fr einen andern begehret
hast, habe ich dir gtlich bewilliget; wie viel mehr, so du fr dich
selber willst bitten, will ich mit einem frhlichen Herzen dir geben,
was du begehrest. Darum begehre, was du willst; es soll dir von mir
nicht ab geschlagen werden.

Solcher gndigen Vertrstung ward der Peter herzlich erfreuet, und saget
zu ihm: Gndiger Herre, ich begehre nicht mehr von euch, dann ihr
wollet mir gndiglich heim zu ziehen erlauben, Vater und Mutter, auch
andere meine Freund zu besuchen! Wann die Weil ich bin an diesem Hofe
gewesen, habe ich nichts von ihnen mgen erfahren. Darum bitte ich euch,
mir gtlich und gndiglich zu erlauben, und meiner Bitten keine
Beschwerung zu haben!

Als der Sultan solches vom Peter vernahm, ward er unwillig, und saget zu
ihm: Lieber Peter, guter Freund, ich bitte dich, du wollest deines
Hinziehens nicht mehr gedenken. Wann du magst nirgend hin kommen, da du
ba gehalten wrdest, dann bei mir. Du wirst auch keinen Freund finden,
der dir also viel Gutes erweiset, als ich. Wann ich will dich nach mir
machen den Gewaltigsten meines ganzen Landes. Und so es mir bewut
gewesen wre, da du willens gewesen, solches von mir zu begehren, ich
htte dir's nicht zu gesaget, sondern dein Begehren ab geschlagen; wann
dein Hinziehen wird mich unwillig machen. Jedoch, dieweil ich dir
solches habe zu gesaget, will ich's halten. Willst du von mir ziehen, so
zeuch hin! Doch wirst du mir verheien, so du Vater und Mutter besucht
hast, du wollest wieder zu mir her kommen. Und so du also tust, wirst du
tun als ein Weiser.

Das verhie ihm dann der Peter zu halten. Nach dem lie der Sultan einen
Befehlbrief durch sein Land aus gehen und gab ihn dem Peter. Darin stund
geschrieben, in welchen Ort des Mohrenlandes er kme, sollte man den
Peter halten als ihn selber, und da man ihm in allem behilflich wre,
des er begehre. Und mit dem gab ihm der Sultan Gold und Silber in
groer Menge und ander Kleinod.

Also nahm der Peter, da es ihm gelegen war, Urlaub von dem Sultan und
zog hinweg, und von seinem Abziehen weineten viele, die ihn lieb htten.
Er kam in kurzer Zeit gen Alexandria. Da er dar kam, zeiget er seinen
Brief allda dem Statthalter des Sultans. Als er den Brief verlesen htt,
da erbot er dem Peter groe Ehr, und fhret ihn in eine kostliche
Herberge, die mit allem, so man haben wollt, versehen war. Da versah er
sich mit allem dem, so ihm vonnten war. Und nahm den Schatz, den ihm
der Sultan geben htt, und lie sich vierzehen Lgel machen, die auf
beiden Seiten gefllet mochten werden mit Salz, und in die Mitten leget
er den Schatz. Als sie zu gericht waren, ging er an den Port des Meeres
und fand zu Glcke allda ein Schiff, das wollte gehen in Provincien, und
war mit allem bereit, als bald darvon zu fahren.

                             [Illustration]

Da redet der Peter mit dem Patron des Schiffes, ob er ihn wlle mit ihm
nehmen mit den vierzehen Lgeln. Und saget, er wlle sie in ein Spital
geben; des wlle er ihm seinen Willen sagen. Als der Patron des Schiffes
den Peter htt vernommen, antwortet er ihm und saget, er wre des wohl
zufrieden, da er mit ihm zge; aber der vierzehen Lgel halben wlle er
ihm raten, er liee sie hinter sich und fhre sie nicht mit. Wann so er
in Provincia kme, fnde er allwegen Salz in gutem Kauf. Doch antwortet
ihm wieder der Peter, er solle sich darum nicht bekummern; wann er wlle
ihn gut bezahlen, alleine, da er's ihm fhre; wann er wollt's darhin
fhren, wo es ihm gut gedunket. Als der Patron die Antwort des Peter
gehrt, schwieg er stille und war darmit zufrieden. Der Peter bezahlet
den Patron wohl. Da saget ihm der Patron, er slle sein Salz in das
Schiff legen, und was er mit sich gedchte zu fhren. Wann mit GOTTes
Hilfe wollt er bald hinweg fahren, so guter Wind auf stnde.

Diese Nacht htten sie guten Wind, und lieen die Segel auf ziehen und
kamen glcklich in eine Insel, Sagona geheien. Und funden allda s
Wasser. Der Peter war mde, stieg auf das Land, wollt nicht auf dem Meer
bleiben. Da er auf das Land kam, ging er auf der Insel hin und wieder,
und als er ging, da fand er die schnsten Blumen. Also setzet er sich
mitten hinein und verga also sein Leides ein Teil. Da fand er unter den
Blumen eine, die war die schnste ob allen, von Farben und Geschmack. Er
brach sie ab, und als bald kam ihm in Sinn die Schn Magelona. Da fing
er an zu sagen: Wie diese Blume bertrifft alle anderen Blumen, also
auch bertrifft die Schn Magelona alle anderen Jungfrauen und Frauen
mit Schne. Und fing also an, herzlich zu weinen und zu empfinden
groen Schmerz in seinem Herzen; und gedacht, wo sie hin wre kommen.
In diesen Gedanken ward er schlfrig und leget sich schlafen.

Die Weil stund auf ein guter Wind. Da lie der Patron rufen, jedermann
solle zu Schiff gehen. Da der Patron sah, da der Peter nicht vorhanden
war, befahl er, ihn zu suchen; aber man konnte ihn nicht finden. Sie
riefen laut, aber er schlief zu hart, da er's nicht hret. Als sie ihn
nicht funden, da wollt der Patron, dieweil er guten Wind htt, die Zeit
nicht versaumen, und hie, die Segel auf spannen; und fuhren also
darvon. Der Peter aber blieb liegen schlafen.

Sie schifften also lange, bis sie kamen an den Port, so Port der Heiden
genannt ist, und da luden sie das Schiff ab. Als sie nun die vierzehen
Lgel funden, sagten sie zu dem Patron: Was sllen wir tun mit den
Lgeln des Edelmanns, der auf der Insel Sagona ist hinter uns geblieben,
dieweil er gesaget, er wlle sie in ein Spital geben. Da wurden sie
eins unter einander, die Lgel zu geben in das Spital Sankt Peters; wann
sie vermeinten, sie knnten es nicht ba anlegen. Da ging der Patron zu
der Spitalmeisterin und saget ihr, da der Herr der Lgel wre verloren
worden, darum er sie wlle geben in das Spital, sie slle GOTT fr seine
Seele bitten.




Wie die Spitalmeisterin einen groen Schatz fand von Gold, Silber und
Kleinoden in den Lgeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital
gegeben wurden.

                             [Illustration]


Es begab sich eines Tages, da die Spitalmeisterin Salzes notdrftig
war. Also nahm sie ein Lgel, machte es auf, da fund sie in der Mitte
einen groen Schatz von Gold. Darvon erschrak sie, und nahm ein
anderes, brach es auch auf, da fund sie auch, wie in dem ersten. Da
saget sie bei ihr selber: Ach, armer Mensch, GOTT der Allmchtig hab
dein arme Seel! Wann ich sehe wohl, da ich nicht alleine mit Schmerzen,
Unmut und Trbsal umgeben bin. Darnach nahm sie die anderen Lgel alle
und schlug sie auf, da fand sie einen groen Schatz.

Als bald lie sie Maurer und ander Werkleut berufen und fing an, die
Kirchen grer zu machen; und machet also ein schne Kirchen und ein
Spital, darinne der Dienst GOTTes fleiig bestellet ward. Und kam das
Geschrei so weit, da viel Volkes dar kam. Und brachten gro Almosen und
Opfer, und verwunderten sich darob, da die Spitalerin also kostlich
wute zu bauen; wann man htt sich bei ihr keines Geldes versehen.




Wie der Graf und die Grfin kamen, zu besuchen die Kirchen, Sankt Peters
von Magelon genannt.

                             [Illustration]


Der Graf und die Grfin kamen auch, die Kirchen zu besuchen in groer
Andacht und hrten allda Me, darnach redeten sie mit der Spitalerin.
Die Spitalerin trstet sie beide auf das Beste, so sie vermocht, und
sprach, sie sollten nicht zweifeln ob den Geschicken GOTTes, wann GOTT
der Allmchtig mchte sie wohl noch erfreuen mit ihrem Sohn Peter, wie
wohl sie selber des Trostes notdrftiger gewesen. Wann die zwei htten
alleine einen Schmerz ob des Verlusts ihres lieben Sohnes, was da
menschlich ist. Aber die Schn Magelona htt verloren ihr Knigreich und
htt auch kein Hoffnung mehr darzu. Des gleichen war sie kommen in
Ungnaden ihres Vaters und Mutter, zu dem htt sie verloren ihren aller
liebsten Gemahel Peter, darum sie dann wohl billig betrbt war. Nach dem
zogen der Graf und die Grfin wieder heim. Nun wllen wir schweigen des
Grafen, auch der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da lag
in der Inseln und schlief.




Wie der Peter entschlafen in der Inseln liegen blieb, da er seiner
liebsten und getreusten Magelona gedacht.

                             [Illustration]


Der Peter blieb also eine gute Zeit schlafend in der Inseln liegen,
darnach wachet er auf. Da sah er, da es Nacht war. Des verwundert er
sich und stund bald auf, ging zu dem Meer, da er das Schiff htt
verlassen. Als er das Schiff nicht sah, da gedacht er, die Nacht betrge
ihn, da er's nicht sehen mchte. Und fing an, laut zu rufen, aber
niemand antwortet ihm.

Da berkam er also einen groen Schmerz in seinem Herzen, da er aufs
Erdreich hernieder fiel, als wre er ganz tot, und verlor ganz sein
Vernunft. Und fing darnach an, herzlich zu weinen, und sprach: O
allmchtiger ewiger gtiger GOTT, werde ich nicht eins mals meiner Tage
erledigt! Kann ich nicht sterben! Welcher Mensch ist auf Erden, den das
Unglcke also verfolget, als ich verfolget werde! O allmchtiger ewiger
GOTT, ist es nicht genug gewesen, da ich also erbrmlich hab verloren
die aller schnest Magelona, meinen getreusten Gemahel! Darnach ward
ich durch Glcke gesatzet in Dienstbarkeit eines Heiden, eines Feindes
des Christlichen Glaubens, dem ich gedient habe ohn meinen Dank eine
lange Zeit. Itzunder vermeinet ich, zu trsten Vater und Mutter, so bin
ich hieher in diese Wsten kommen, darinne ich keinen menschlichen Trost
finde. Darum mir der Tod nutzer wre dann das Leben. Jedoch,
allmchtiger GOTT, dieweil Du mir solches zu schickest, will ich's
williglich von Dir empfahen, und verhoffe, durch diesen Tod werden sich
alle meine Schmerzen leichtern und mindern.

                             [Illustration]

In solcher Weise weinet und beklaget sich der Peter die ganze Nacht bis
an den Tag, und suchet in der Inseln, ob er mchte ersehen ein Schiff,
das ihm aus der Inseln mchte helfen. Aber er mochte nichts ersehen. Da
er sich mit dieser Trbsal umgeben sah, da gedachte er an GOTT; wann er
vermeinet sich nahe zu seinem Ende, und bat Ihn, Er mge sich erbarmen
ber seine arme Seele.

In dem, da schicket GOTT der Allmchtig, der die Seinen nicht verlasset,
da ein Fischerschiff kam, darauf man ses Wasser holen wollte. Als
die Fischer in die Insel kamen, fanden sie den Peter gestrackt liegen,
als ob er tot wre. Also sie solches ersahen, htten sie ein Mitleiden
mit ihm, und gaben ihm zu essen Spezerei und Konfekt und zu trinken. Und
legten ihn auf ihr Bette, und deckten ihn warm zu aufs Beste, als sie
mochten.

Da er nun ein wenig wieder zu sich selber kam, da trugen sie ihn in das
Schifflein und fuhren in eine Stadt, Crapona genannt. Da halfen sie ihm
in das Spital und gingen also von ihm, und befahlen ihn dem
Spitalmeister.

                             [Illustration]

Nach dem er eine Zeit lang in dem Spital war und mochte wieder essen und
trinken, sein Sach auch von Tag zu Tag besser ward, da wandert er in der
Stadt um hin und wieder, ob er mchte gesunder werden. Aber die groen
Schmerzen seines Herzens mochten solches nicht leiden und betrbten ihn
zu sehr, da er in der Stadt krank liegen blieb bei neun Monaten, und
war auch dannoch nicht heil und gesund.

Eines Tags begab es sich, da er spazieren ging an das Meer, wie er
gewohnet war, und sah ein Schiff am Port, zu dem ging er. Da hret er
die Schiffleut die Sprach seines Vaterlands reden. Da fraget er sie,
wann sie heim wieder wollten fahren. Sagten sie ihm, auf das Lngste in
zweien Tagen. Da kam der Peter zu dem Patron und bat ihn um GOTTes
willen, er wlle ihn mit ihm fhren; er wre auch aus dem Lande und wre
lange Zeit krank gelegen. Antwortet ihm der Patron, er wre es willig zu
tun um GOTTes willen, dieweil er ein Landsmann wre, jedoch mte er mit
ihm fahren gen Toten-Wasser in der Inseln, genannt der Heiden Port. Da
war er wohl zufrieden, und stieg also zu Schiffe.

In dem begab es sich eins mals, da die Gesellen des Schiffs redeten von
der Kirchen Sankt Peters von Magelon und dem Spital. Da der Peter hret
reden und nennen Magelon, verwundert er sich und fraget, wo solche
Kirche wre an welchem Ende. Also sagten sie ihm, es wre eine
andchtige Statt und lge in der Insel, genannt der Heiden Port, da dann
eine schne Kirchen gebauet wre und ein Spital, darinne GOTT viel
Mirakel bewiese. Und sagten dem Peter: Wir raten euch, da ihr euch
darhin verheiet, wann ohn allen Zweifel werdet ihr Gesundheit erlangen,
so ihr euch gelobet von Grund euers Herzens.

Als solches der Peter von den Schiffgesellen gehret htt, da verhie er
GOTT, er wlle in dem Spital einen ganzen Monat bleiben, eh er sich zu
erkennen gebe Vater und Mutter, bis er gesund wrde von seiner Krankheit
und was hre von seiner liebsten Magelona, wie wohl er glaubet, sie wre
tot vor dieser Zeit.

Die Schiffleute schifften also lang, bis sie sicher kamen an den Port
der Heiden, und luden den Peter allda ab. Als nun der Peter auf dem
Lande war, ging er als bald in die Kirchen und danket GOTT dem
Allmchtigen, da Er ihm geholfen, bis darhin sicher zu kommen. Da er
nun gebetet htt, da ging er, sich zu legen in das Spital als ein
Kranker, damit er seinem Verheien genug tt.

Als nun die Spitalerin nach ihrem Gebrauch um ging, die Kranken zu
besuchen, da ersah sie ihn, da er neulich war kommen. Und hie ihn auf
stehen, wusch ihm seine Hnd und Fe und ksset ihn, wie sie gewohnt
war, und bracht ihm zu essen. Darnach leget sie ihm schne weie Tcher
unter und hie ihn, sich darein legen. Und sprach zu ihm: Alles, was
ihr notdrftig seid, das begehret! Soll euch gegeben werden, damit ihr
bald gesund werdet. Also pfleget sie allen Kranken zu tun, die zu ihr
kamen.




Wie der Peter lag in einem Spital in der Inseln, der Heiden Port
genannt, des die Schn Magelona ein Stifterin war.

                             [Illustration]


Als der Peter in diesem Spital ein Zeit lang ruhet, nahm er an seiner
Gesundheit sehr zu, wann die Spitalerin tt sein wohl warten. Er
verwundert sich auch ihrer groen Mhe und Arbeit, die sie ihm tt, und
saget in seinem Herzen: Ohn Zweifel soll diese Frau eine heilige Person
sein.

Nun begab sich eines Tages, da der Peter gedacht an seine aller liebste
Magelona, und fing an, bitterlich zu seufzen und weinen, und sprach: O
allmchtiger ewiger GOTT, so Du mich durch Deine Mildigkeit lieest
wissen von meinem aller liebsten Gemahel, der Schnen Magelona, wollte
ich meines Leides alles vergessen und geduldiglich getragen haben. Wie
wohl, allmchtiger GOTT, ich verdient und verschuldet habe, rgers zu
leiden. Wann ich bin gewesen ein Ursach ihres Hinziehens von Vater und
Mutter und ihrem Knigreich. Auch bin ich ein Ursach, da die wilden
Tier sie haben gefressen, die doch also hbsch und schn war, und so
GOTT sie aus sonderer Gnaden nicht hat behtet. Und ob sie tot wre, so
bitte ich Dich, Du wollest mich auch nicht lang in dieser Welt lassen
leben; wann ohn sie wird mein Leben aller Schmerzen voll sein. Ich
begehre lieber, zu sterben als zu leben ohn sie. Als er solches saget,
da lie er einen groen Seufzer.

Nun ging die Magelona von einem Kranken zum andern, wie sie gewohnet
war, und als sie kam zum Peter und solches Seufzen von ihm vernahm, da
gedacht sie, ihm fehle was, oder wre wieder schwach geworden. Und
sprach zu ihm: Lieber guter Freund, was fehlet euch? So ihr was wollt
haben, zeiget es an! Es soll euch werden, und da will ich kein Geld
sparen.

Da danket ihr der Peter und antwortet, es fehle ihm gar nichts. Und wie
der Kranken und Betrbten Gewohnheit ist, wann sie gedenken an ihr
Unglcke, so beklagen sie sich und haben kein grer Leichterung ihres
Herzens, dann also zu betrachten. Als die Spitalerin ihn hret reden von
dem Unglcke, da fing sie an, ihn freundlich zu trsten, und fraget ihn
um sein Trbsal.

Da saget ihr der Peter alles sein Anliegen, doch nennet er niemand und
sprach: Es ist gewesen ein reicher Sohn, der hret reden von einer
schnen Jungfrauen in fremden Landen; der verlie Vater und Mutter und
zog hin, sie zu sehen. Also gab ihm das Glcke, da er ihr Lieb erlanget
ganz heimlich, da es niemand vernahm. Er nahm sie zu der Ehe und fhret
sie heimlich hinweg von Vater und Mutter. Darnach verlie er sie, in
einem wilden Walde schlafend liegen, zu berkommen seine Ringe. Und
zeiget ihr alles seine Geschichte an bis auf die Zeit, da er kommen war
in das Spital. Durch solche Wort die Schn Magelona wohl verstund, da
er der Peter, ihr aller liebster Gemahel, war, den sie so oft zu sehen
begehret htt; und erkennet ihn in allen seinen Gebrden. Und von groer
Freude fing sie an zu weinen. Doch wollte sie sich zur Zeit noch nicht
gegen ihm entdecken; aber aufs Freundlichste, so sie zu tun vermochte,
fing sie da an, mit ihm also zu reden:




Wie die Schn Magelona mit ihrem aller liebsten Gemahel Peter redet und
ihn trstet in seiner Widerwrtigkeit.

                             [Illustration]


Aller liebster Freund, ihr sollet euch nicht mitrsten, sondern sollet
euch zu GOTT dem Allmchtigen wenden; wann, ohn allen Zweifel, so ihr
GOTT werdet an rufen, werdet ihr nicht verlassen, sondern erhrt von
Ihm werden, und alles das erlangen, so ihr begehret. Ihr werdet auch,
ohn allen Zweifel, euern liebsten Gemahel, wieder berkommen, die ihr
also herzlich und getreulich geliebet habt. Wann glaubet mir frwahr,
wie euch GOTT der Allmchtig hat beschtzet vor dem Tode in euern groen
Fhrlichkeiten, die ihr erlitten habt, also wird Er euch auch wiederum
helfen. Und dieweil Er euch hat zu geschicket Anfechtung und
Widerwrtigkeit, also wird Er euch auch geben alle Freude, so ihr Ihm
vertrauet. Darum bittet GOTT von Grund euers Herzens, da Er solches tu!
Ich will auch von euert wegen GOTT selber bitten.

Als der Peter solche Trstung gehrt htt, da stund er auf und danket
ihr. Also ging die Spitalerin in die Kirchen und kniet fr den Altar und
fing an zu weinen aus groen Freuden, die sie in ihrem Herzen htt. Und
danket GOTT dem Allmchtigen, da Er ihr solche Gnade mit geteilet, da
sie erlebet htt, ihren aller liebsten Gemahel vor ihrem Ende zu sehen.

Und als sie ihr Gebet geendet, da lie sie sich knigliche Kleider
machen, wann sie htt Geldes genug und htt auch wohl gelernt, solche an
zu geben zu machen, wie ihr dann zu tragen gebhret. Und lie darnach
ihre Kammer schn zu richten und schmcken auf das Kostlichest.

Und da alle Ding bereit waren, da ging sie zu dem Peter und saget zu
ihm: Mein liebster Freund, kommet mit mir! Ich hab euch bestallt ein
Bad, euch zu waschen euer Fe und Bein, das euch hilflich sein soll.
Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem Allmchtigen, meinem
Schpfer, Er werde euch gndiglich erhren, frisch und gesund machen.

Er ging mit ihr in die Kammer. Da hie sie ihn, nieder sitzen und
verziehen, bis sie wieder zu ihm kme. Also ging sie in ihre kostliche
Kammer und bekleidet sich ganz in die kniglichen Kleider und setzet
doch den Schleier wieder auf wie vor, als sie gewohnet war zu tragen,
und daraus man ihr nichts mochte sehen dann alleine die Augen und die
Nasen. Aber unter dem Schleier htt sie ihr schnes Haar, das ihr ging
bis auf das Erdreich und das da leuchtet als das Gold, schn zu
gerichtet.

Ging also zum Peter und sprach: Edeler Ritter Peter, seid frhlich!
Wann sehet hie vor euch stehen euern aller liebsten Gemahel und treue
Freundin, die Magelona, von deren wegen ihr also viel erlitten habt. Ich
hab auch nicht weniger erlitten von euert wegen. Ich bin die, so ihr,
allein schlafend liegen, verlassen habet in dem Holze und wilden Walde;
und ihr seid der, so mich hat heraus gefhret aus dem Hause meines
Vaters, des Knigs von Neapel. Ich bin die, der ihr verheien habt alle
Ehr und Zucht bis zu Beschlu unserer Ehe. Ich bin auch die, so euch
diese gulden Ketten an euern Hals hat gehenket, und euch die Gewalt
bergeben ber meinen Leib. Ich bin die, der ihr gegeben habt die drei
Ringe, die also kostlich sein gewesen. Hierum, mein aller liebster Herr
und Gemahel, sehet mich an, ob ich die sei, oder nicht, die ihr tut von
Herzen begehren.

In dem warf sie ihren Schleier von ihrem Haupt auf die Erden, da fiel
ihr schnes Haar herab als das Gold.




Wie der Peter erkennet die Schne Magelona, seinen getreuen Gemahel.

                             [Illustration]


Nun, da der Peter von Provincia sah die Schne Magelona ohn einen
Schleier, da erkennet er sie erst recht, da sie die war, die er also
lang gesuchet htt. Und stund auf, fiel ihr um den Hals und tt sie
freundlich kssen in rechter guter Liebe; und fingen an, beide zu weinen
vor Freuden. In solcher Gestalt blieben sie lang bei einander, und kunnt
keins kein Wort reden vor groen Freuden.

Doch nach mals setzten sich die zwei zusammen, und erzhlet eines dem
andern sein Unglck. Ich wei die Hlfte nicht zu erzhlen der Freuden,
die sie htten, und geb solches einem jeglichen selber zu bedenken.
Solche Ding lassen sich auch ba bedenken, dann schreiben. Jedoch
mochten sie sich nicht ersttigen ihres Kssens und Erzhlens und
richteten den ganzen Tag nichts aus, dann kssen und einander zu klagen.
Es begab sich auch, da die Schn Magelona ihm an zeiget, wie sie die
vierzehen Lgel htt empfangen mit dem Schatz, die er verloren htt; und
saget ihm, wie sie die Hlfte htt verbauet an dem Gotteshaus, was zu
hren der edel Peter erfreuet war.

Nach dem beschlossen sie mit einander, wie sie diese Sachen dem Grafen
und der Grfin wollten zu wissen tun. Doch saget der Peter der Schnen
Magelona, er htte gelobet, einen Monat in dem Spital zu bleiben, und
die Zeit wre noch nicht vergangen. Saget ihm die Schn Magelona: Mein
aller liebster Herr und Gemahel, wann es euch gefiele, wollte ich zu dem
Grafen und der Grfin gehen und freundlich bitten, sie wollten zu mir
kommen auf den Tag, so euer Gelbnis sich endet. Und so sie dann kmen,
wollte ich sie fhren in diese Kammer; da wollten wir uns ihnen zu
erkennen geben.

Da solches der Peter hret, gefiel es ihm wohl. Also verschaffet die
Schn Magelona, da der Peter mute schlafen in ihrer Kammer, aber sie
lag in einer andern und dienet ihm wohl. In dieser Nacht schlief die
Schn Magelona nicht viel vor Freuden, die sie in ihrem Herzen trug. Und
begehret, da bald Tag wrde, damit sie den Grafen trsten mchte seines
Leidens; wann sie wute wohl, da sie sehr betrbt waren, das sie dann
beschweret. Es waren auch an dem Monat, den der Peter htt gelobet,
nicht mehr vorhanden dann vier Tage, da er sich gegen Vater und Mutter
nicht wollte zu erkennen geben.

Da nun der Tag kam, da sein Gelbnis aus ging, da kleidet sich die
Schn Magelona wieder mit ihren Kleidern, die sie zu tragen gewohnet war
in dem Spital; und ging darnach in die Kammer zu dem Peter, der dann
auch vor groen Freuden die Nacht htt wenig schlafen mgen, und nahm
Urlaub von ihm. Zog also zu dem Grafen und der Grfin, die ihr viel Ehr
erboten und sie freundlich empfingen, wann sie htten sie sehr lieb. Und
hieen die Spitalerin, zu ihnen nieder sitzen in der Mitten ihrer
beiden.

Da fing die Spitalerin an zu sagen: Gndiger Herr, auch gndige Frau,
ich bin zu euch kommen, euch ein Gesicht zu erffnen, das ich gesehen
habe die vergangen Nacht; das soll euch erfreuen, da ihr mget in
Hoffnung leben, wann kein Mensch soll verzweifeln an GOTT. Es gedauchet
mich, da Christus, unser Erlser, zu mir kam und fhret einen schnen
jungen Ritter bei seiner Hand und sprach zu mir: 'Dieser ist der, darum
du, auch dein Herr und Fraue, so lang haben gebeten.' Solches hab ich
euch nicht wollen verhalten, wann ich wei wohl, da ihr betrbt seid um
euern Sohn. Aber glaubet sicherlich, ihr werdet ihn sehen in kurzer
Zeit, lebendig und gesund. Darum bitte ich euch, ihr wollet hinweg
lassen nehmen euer schwarzen Trauerkleider und auf lassen hngen die
Kleider der Freuden.

Da solches der Graf und die Grfin von der Spitalerin htten verstanden,
da wurden sie frhlich, wie wohl ihnen schwer ward zu glauben, da der
Peter noch lebe. Doch der Spitalerin zu Gefallen befahlen sie, die
schwarzen Trauerkleider hinweg zu nehmen. Und baten die Spitalerin, sie
slle mit ihnen zu Morgen essen. Aber ihr Herze vermocht ihnen solches
nicht zu zu sagen; darum sprach sie, sie htte darheim zu tun; und bat
sie freundlich, sie beide wollten auf den nchsten Sonntag bei Sankt
Peter in ihrer Kirchen erscheinen; wann sie htt gnzlich gute Hoffnung
zu GOTT dem Allmchtigen, da sie wrden erfreuet werden, ehe sie von
einander ab schieden. Und nahm also Urlaub von ihnen; und sie verhieen
ihr, zu ihr zu kommen.

Nach dem kam die Magelona wieder zu dem Peter, der ihrer harret mit
groer Begier; und zeiget ihm an, wie sie es htte aus gerichtet. Sie
versehe sich gnzlich, Vater und Mutter wrden nicht auen bleiben.
Darnach lie die Schn Magelona viel Kleider machen fr den Peter und
sie.




Wie der Graf mit der Grfin kam in das Spital Sankt Peters auf den
angezeigten Tag.

                             [Illustration]


Als nun der Sonntag kam, da nahm der Graf die Grfin und sein Gesinde,
und zogen zu Sankt Peter von Magelon und hrten da Messe. Als die Messe
ein Ende htt, nahm die Spitalerin den Graf und die Grfin ein jegliches
auf ein Seiten und sprach zu ihnen, sie wlle gerne mit ihnen etwas in
geheim reden, doch mten sie mit ihr in ihre Kammer kommen; darein sie
dann gerne bewilligten.

Als sie zu der Kammer kamen, da sprach die Spitalerin zu ihnen:
Gndiger Herr, auch gndige Fraue, so ihr euern Sohn shet, mchtet ihr
ihn erkennen? Da sprachen sie, ja.

Als sie in die Kammer kamen und der Peter sein Vater und Mutter ersah,
da kniet er fr sie nieder. Da sie ihn sahen und erkannten, da liefen
sie zu ihm und fielen ihm um den Hals und kten ihn freundlich; doch
vermochten sie ein lange Zeit kein Wort zu sprechen.

Also ging das Geschrei aus, wie des Grafen Sohn wieder kommen wre. Da
kamen Edel und Unedel und empfingen ihn und erboten ihm groe Ehre, und
ward jedermann frhlich. Nach dem allem redeten der Graf, sein Vater,
und Mutter mit dem Peter und fragten ihn mancherlei, wie es ihm ergangen
wre. In mittler Zeit ging die Schn Magelona in ihre Kammer und
bekleidet sich auf das Kostlichest, als ihr dann zu tun wohl gebhret.
Und kam darnach also gekleidet, so balde sie mocht, wieder zu ihnen.

Als sie die Schn Magelona ersahen, verwunderten sich der Graf und die
Grfin, wo her die schne Jungfrau kme, die ihnen unbekannt war. Also
stund der Peter auf, umfing sie freundlich und ksset sie. Da solches
die Leute ersahen, da verwunderten sich alle. Nach dem nahm sie der
Peter bei ihrem Arme und sprach zu Vater und Mutter: Gndiger Herr
Vater, auch Frau Mutter, diese Jungfrau ist die, von deren wegen ich von
euch bin gezogen, und wisset, da sie ist ein Tochter des Knigs von
Neapel.

Da gingen sie ihr entgegen und umfingen sie freundlich und dankten GOTT
dem Allmchtigen.




Wie das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, da der Peter wre
wieder heim kommen, und wie sie ein Fest hielten vierzehen Tage lang.

                             [Illustration]


Das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, wie da der Peter
wieder heim kommen wre, und wie er wre in der Kirchen Sankt Peters von
Magelon. Da sah man Edel und Unedel zu Ro und Fue kommen, und geschah
also ein Turnier von dem Adel des Landes, dem Peter zu Gefallen; die
anderen tanzten und waren frhlich.

Da nun Vater und Mutter gehrt htten das Unglck ihres Sohns und der
Schnen Magelona, daraus ihnen GOTT der Allmchtig htt geholfen, da
nahm der Graf seinen Sohn Peter bei der Hand und fhret ihn fr den
Altar Sankt Peters in die Kirchen. Des gleichen tt auch die Grfin der
Schnen Magelona, und knieten nieder und dankten GOTT dem Allmchtigen.
Da sie ihr Gebet verbracht htten, sprach der Graf zu seinem Sohn Peter
also: Ich will, dieweil die Jungfrau von deinen wegen hat also viel
erlitten, du wollest sie zu der Ehe nehmen. Antwortet ihm der Peter:
Aller liebster Vater, da ich sie fhret aus dem Hause ihres Vaters, war
es mein Wille, sie zu ehelichen. Doch aus Befehl eurer und meiner Frau
Mutter, bin ich zufrieden, sie itzunder offenlich zur Kirchen zu
fhren.

                             [Illustration]

Also gab sie ein Bischof zusammen. Und die Grfin gab dem Peter einen
schnen Ring, darmit er sie ehelicht. Also hielt sich gro Fest und
Freude durch das ganze Land vierzehen Tag lang, und gefiel jedermann die
Schn Magelona wohl. Sie sagten auch, es mchte in keinem Menschen also
viel Tugend erfunden werden, als in ihr. Da richtet man mancherlei
Kurzweil an, und unterstund ein jeglicher sich, das Beste zu tun, damit
er die Liebe gegen seinem Herrn beweiset.




Wie nach diesem ehelichen Beilager der Graf und die Grfin lebten zehen
Jahr und darnach starben.


Als nun das ehelich Beilager ganz vergangen war, da lebten der Graf und
die Grfin zehen Jahr in gutem Frieden. Da sie nun gestorben waren, lie
der Peter sie beide ehrlich begraben in die Kirchen Sankt Peters zu
Magelon.

Nach ihnen lebten der Peter und die Schn Magelona acht Jahr und zeugten
einen schnen Sohn mit einander, der da tapfer und keck war. Und als die
Historien an zeigen, ward er darnach Knig zu Neapel und Graf zu
Provincien.

Der Peter und die Schn Magelona fhrten bei einander ein freundlich und
glckselig Leben; und als sie starben, da wurden sie auch begraben in
die Kirchen Sankt Peters. Und noch auf den heutigen Tag stehet, da die
Schn Magelona ein Spital htt gestiftet, eine schne Kirche in der Ehr
der Heiligen Dreifaltigkeit, die uns wlle erfreuen in unseren
Anfechtungen in dieser Welt, und endlich uns fhren zu besitzen das
Ewige Leben. Amen.

                    *       *       *       *       *

Hie endet sich das Buch und die Historia von dem Peter, der ein Sohn
gewesen des Grafen von Provincia, und der Schnen Magelona, die da ist
gewesen ein Tochter des Knigs zu Neapel.




Nachwort


Das Motiv des Magelona-Romans ist orientalischen Ursprungs und auch aus
einer Erzhlung der Tausend und einen Nchte bekannt. Wahrscheinlich ist
es auf dem Wege mndlicher Tradition aus den sarazenischen Siedelungen
am Nordrand des Mittelmeers in Sdfrankreich eingedrungen und dann
nordwrts gewandert. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde es
als Mrchen aus dem Volksmund aufgezeichnet[A].

  Funote A: Cosquin, _Contes populaires de la Lorraine_, Paris _s.a._,
  Nr.40.

Ob der Geschichte in der vorliegenden Gestalt eine langsame Entwicklung
voraus ging, ist unbekannt. Dem ersten Lyoner Druck von 1480 gehen nur
einige, wenige Jahre ltere Handschriften vorauf. Die Geschichte datiert
sich selbst aus dem Jahr 1453; und aus demselben Satz des Eingangs
glaubt man, auf eine ltere, wohl provenzalische Form zurckschlieen zu
drfen.

Veit Warbeck, der Verdeutscher der Magelona, war ein Schwabe,
brgerlichen Herkommens, hatte mehrere Jahre an der Pariser Hochschule
studiert und war mit franzsischer Art und Literatur wohl vertraut
geworden. Als Prinzenerzieher und vielgewandter Diplomat stand er in
kurschsischen Diensten und wute sich in einer Zeit, als bei den
mitteldeutschen Frstenhusern politische und verwandtschaftliche
Beziehungen nach Frankreich sich anknpften, gut geschtzt zu machen.
Die Magelona bersetzte er wahrscheinlich zum Vergngen seines
Landesherrn, fr den er auch eine ziemliche franzsische Bcherei
zusammenbrachte. Erst 1535, nach dem Tode seines Freundes, lie Spalatin
die Magelona mit einer Vorrede drucken zu Augsburg, durch Heinrich
Steiner. Fr die Verbreitung des Romans in Deutschland zeugen, neben
den zahlreichen Drucken, viele Erwhnungen bei den Schriftstellern des
16. Jahrhunderts. Schon 1539 hat ein Ungenannter die Magelona
dramatisiert, Hans Sachs bearbeitete sie in Jahresfrist dreimal, und der
Frankfurter Buchfhrer Michael Harder verkaufte von dem Buch in einer
Fastenmesse 176Stck.

                    *       *       *       *       *

Dieser Ausgabe liegt die Originalhandschrift Warbecks vom Jahre 1527
zugrunde, welche Johannes Bolte 1894 zu Weimar herausgegeben hat. Bei
den geringen Umgestaltungen, die dieser Text erfahren hat, wurde der
Nrnberger Druck von 1744 (Bolte Nr.23) mit zu Rate gezogen.

Die Holzschnitte sind einem Leipziger Druck von 1598 (Bolte Nr.15)
entnommen. Sie wurden spter immer wieder verwandt und stehen noch,
recht abgebraucht oder durch schlechte Kopien (fr verlorene Stcke)
ergnzt, in den Nrnberger Drucken von 1678 und 1744. Da aber auch die
Leipziger Ausgabe die Ordnung schon verwirrt hat, mu man einen ihr
vorausgehenden, heute verlorenen Druck annehmen. Sie mgen zuerst um
1580 in einem Frankfurter Druck fr Feyrabend oder Jobin gestanden
haben. Etliche Stcke tragen das Zeichen des um diese Zeit fr
Frankfurter Verleger ttigen Tobias Stimmer. Die frheren Einzeldrucke
der Magelona sind mit Holzschnitten aus anderen Bchern illustriert.


                          =Druck von Breitkopf=
                          =und Hrtel in Leipzig=




                    *       *       *       *       *




Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
steht.

Zuseher solches Teffens tten verwundern.
Zuseher solches Treffens tten verwundern.

andchtiglich mchte Gott dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin
andchtiglich mchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin

worden, darum er sie wlle geben in das Spital, sie slle Gott
worden, darum er sie wlle geben in das Spital, sie slle GOTT

Kleinoden in den Lgeln des Peter, die um Gottes willen in das Spital
Kleinoden in den Lgeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital

Spital, darinne der Dienst Gottes fleiig bestellet ward. Und kam das
Spital, darinne der Dienst GOTTes fleiig bestellet ward. Und kam das



***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SCHN MAGELONA***


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Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://www.gutenberg.org/about/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit:
http://www.gutenberg.org/fundraising/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

