The Project Gutenberg EBook of Prosastcke, by Robert Walser

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Title: Prosastcke

Author: Robert Walser

Release Date: August 27, 2010 [EBook #33548]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                            Prosastcke von
                             Robert Walser


                             [Illustration]


                        Schriften fr Schweizer
                           Art und Kunst. 55

                     VERLAG RASCHER u. CIE, ZRICH
                                  1916




                              PROSASTCKE

                                  von

                             ROBERT WALSER

                                  1917
                   VERLAG VON RASCHER & Cie IN ZRICH




                      Erstes und zweites Tausend.


                          Nachdruck verboten.

                     bersetzungsrecht vorbehalten.

    Copyright by Rascher & Co., Verlagsbuchhandlung in Zrich 1917.


                                 Zrich

                      Buchdruckerei Zricher Post




Das Seestck.


Dieses Stck ist sehr einfach, es handelt von einem schnen Sommerabend
und von vielen Leuten, die am Seeufer hin- und herpromenierten. Die
Menschenmenge, unter der auch ich mich befand, war ausserordentlich. Die
ganze Stadt schien zu spazieren. Wenn ich sage, dass der weite,
nchtliche See einem schlummernden Helden glich, dessen Brust auch im
Schlafe noch von Angelegenheiten der Khnheit und der hohen Denkart
bewegt sei, so drcke ich mich vielleicht etwas gewagt aus. Viele
lichtergeschmckte Nachen bewegten sich im dunklen Wasser. Die Strassen
und Nebenstrassen, die zum See fhrten, schienen mir Kanle zu sein, und
ich bildete mir mit Leichtigkeit ein, dass die Nacht eine venezianische
Nacht sei. Heller Feuerschein loderte da und dort rtlich aus dem
Schwarz auf, und nchtliche Menschengestalten spazierten in die hellen
und in die dunklen Stellen. Es fehlte an Liebespaaren keineswegs, die
sich hinter allerlei Dickicht zrtlich umarmten und kssten, und ebenso
wenig fehlte es an kosender und lispelnder, an freundlich streichelnder
und gleich einem pltschernden Gewsser rieselnder Nachtmusik. Der
Halbmond in der Hhe glich, wie soll ich sagen, einer Wunde, woraus ich
folgere, dass der schne Krper der Nacht verwundet war, hnlich wie
eine schne edle Seele verletzt und verwundet sein kann, und darum ihre
Hoheit und Schnheit noch deutlicher offenbart. Im Leben, das roh und
unedel ist, macht sich mitunter die verletzte edle Seele lcherlich,
nicht aber in der Dichtkunst, und der Dichter lacht niemals ber
empfindlicher Seelen Verletzbarkeit. Da ich ber eine gebogene Brcke
ging, hrte ich von unten, aus dem Wasser, eine wundervolle Stimme zu
mir heraufdringen, es war ein hellgekleidetes Mdchen in einer hier
vorberfahrenden Gondel, und ich und vielleicht noch ein Anderer, den
die zarte Stimme ebenfalls interessierte, beugten uns ber das Gelnder,
um auf den entzckenden Gesang mit angespannter Aufmerksamkeit zu
lauschen, der im Zirkus oder im Konzertsaal, den die holde Nacht
bildete, warm und hell verhallte. Wir Zwei oder Drei, die wir lauschten,
gestanden uns, dass wir noch nie so schn singen gehrt htten, und wir
sagten uns, dass das Lied der im beinahe unsichtbaren Nachen
dahingleitenden liebenswrdigen Sngerin weniger durch Kunst und grosses
gesangliches Knnen als vielmehr nur durch eine wunderbare
Seelen-Anspannung und durch die Begeisterung eines lieben edlen Herzens
gross sei. Wir sagten uns ferner, das heisst es fiel uns ein, zu denken,
dass vielleicht, ja sogar sehr wahrscheinlich die junge Sngerin unten
im dunklen Boot ber die Khnheit und Hochherzigkeit ihres Gesanges und
wegen ihrer Fhigkeit, sich zu berauschen und zu begeistern, glhend
errte, und dass ihre reizende jugendfrohe und ssse Wange vor Scham
ber die Freiheit und ber den Enthusiasmus des himmlischen gesanglichen
Ergusses heftig brenne. Knigspalasthnlich wurde das Lied und wuchs zu
fabelhafter Grsse empor, dass man Prinzen und Prinzessinnen auf
herrlich geschmckten Pferden vorbertanzen und -galoppieren zu sehen
meinte. Alles verwandelte sich in tnendes Leben und in eine tnende
Schnheit, und die ganze Welt erschien wie die Liebenswrdigkeit selber,
und am Leben, am menschlichen Dasein gab es nichts mehr auszusetzen.
Ganz besonders anziehend und schn war, wie das Mdchen so ihre zarte
Seele singend preisgab, alle ihre Geheimnisse ffnete, hoch ber sich
selbst und ber ihre Zurckhaltung, ber alle anerzogene Sittsamkeit
hinwegdrang, alles Denken und Sehnen offen aussprach, dass es, Heldinnen
gleich, wie eine Gestalt in die Luft hinaufragte. Der Kampf, den das
zarte Wesen mit der Schchternheit und mit dem alltglichen Benehmen
kmpfte, ergab die schnste Klangfarbe, und auf den schamhaft-stolzen
Klang lauschten, wie bereits gesagt, mehr Leute, die alle bedauerten,
dass das Lied nun nach und nach in der Ferne sich verlor.




Die italienische Novelle.


Ich habe starke Ursache, mich zu fragen, ob eine Geschichte gefallen
wird, die von zwei Leuten oder Leutchen, nmlich von einem reizenden
netten Mdchen und von einem in seiner Art mindestens ebenso netten
braven guten jungen Mann berichtet, die im schnsten und innigsten
Freundschaftsverhltnis zu einander standen. Die zrtliche und
leidenschaftliche Liebe, die sie gegenseitig fhlten, glich an Hitze der
Sommersonne und an Reinheit und Keuschheit dem dezemberlichen Schnee.
Ihr beidseitiges liebenswrdiges Vertrauen schien unerschtterlich, und
die feurige unschuldige Neigung wuchs von Tag zu Tag wie eine
wundervolle farben- und duftreiche Pflanze. Nichts schien den
allerholdesten Zustand und das allerschnste Zutrauen stren zu knnen.
Alles wre schn und gut gewesen, wenn nur der brave gute liebe und
junge Mann die italienische Novelle nicht so gut gekannt htte. Die
exakte Kenntnis jedoch von der Schnheit, Pracht und Herrlichkeit der
italienischen Novelle machte ihn, wie der aufmerksame Leser sogleich
erfahren wird, zum Schafskopf, raubte ihm fr eine Zeitlang die Hlfte
des gesunden Verstandes und veranlasste, zwang und ntigte ihn eines
Tages, morgens oder abends, um acht, zwei oder sieben Uhr zu seiner
Geliebten mit dumpfer Stimme zu sagen: Du, hre, ich habe dir etwas zu
sagen, etwas, das mich schon die lngste Zeit drckt, plagt und foltert,
etwas, das uns Beide vielleicht unglcklich machen wird. Ich darf es dir
nicht verschweigen, ich muss, ich muss es dir sagen. Nimm allen deinen
Mut und alle deine Festigkeit zusammen. Es kann sein, dass dich die
Kunde von dem Schrecklichen und Furchtbaren ttet. O ich mchte mir
tausend schallende Ohrfeigen geben und mir das Haar ausraufen. Das arme
Mdchen rief angstvoll aus: Ich kenne dich nicht mehr. Was qult, was
peinigt dich. Was ist es Schreckliches, das du mir bis dahin
verheimlicht und das du mir anzuvertrauen hast. Heraus mit der Sprache
auf der Stelle, damit ich weiss, was ich zu frchten und was ich
irgendwie noch zu hoffen habe. An Mut, das Hrteste zu dulden und das
usserste zu ertragen, fehlt es mir nicht. -- Die so redete, zitterte
freilich vor Angst am ganzen Krper, und das Unbehagen verbreitete eine
tdliche Blsse ber ihr liebreizendes, sonst so frisches und hbsches
Gesicht. Vernimm, sagte der junge Mann, dass ich leider nur ein zu
grndlicher Kenner der italienischen Novelle bin und dass eben diese
Wissenschaft unser Unglck ist. -- Wieso das, um Gotteswillen?,
fragte die Bedauernswrdige, wie ist es mglich, dass Bildung und
Wissenschaft uns trostlos machen und unser Glck zerstren knnen?
Worauf es ihm beliebte, zu erwidern: Weil der Stil in der italienischen
Novelle an Schnheit, Saft und Kraft einzig dasteht, und weil unsere
Liebe keinen derartigen Stil aufzuweisen hat. Dieser Gedanke macht mich
trostlos, und ich vermag an kein Glck mehr zu glauben. Beide guten
jungen Leute liessen zirka zehn Minuten lang oder etwas lnger den Kopf
und das Kpfchen hngen und waren vllig rat- und fassungslos. Nach und
nach gewannen sie jedoch die Zuversicht und den verlorenen Glauben
wieder zurck, und sie kamen wieder zur Besinnung. Sie rafften sich aus
Trauer und Entmutigung auf, schauten einander freundlich in die Augen,
lchelten und gaben sich die Hand, schmiegten sich eng zusammen, waren
glcklicher und vertraulicher als je zuvor, indem sie sagten: Wir
wollen nach wie vor trotz allen stilvollen und prachtvollen
italienischen Novellen Freude und Genuss aneinander haben und uns
zrtlich lieben, so wie wir einmal sind. Wir wollen gengsam und
zufrieden sein und uns um keine Vorbilder kmmern, die uns nur den
Geschmack und das natrliche Vergngen rauben. Schlicht und ehrlich
aneinanderhngen und warm und gut sein ist besser als der schnste und
vornehmste Stil, der uns gestohlen sein kann, nicht wahr. Mit diesen
frhlichen Worten kssten sie sich auf das innigste, lachten ber ihre
lcherliche Mutlosigkeit und waren wieder zufrieden.




Koffermann und Zimmermann.


Ein bekannter und rhriger Verleger, unternehmungslustig wie er war,
sagte eines schnen Tages zum Schriftsteller Koffermann: Lieber
Koffermann, packen Sie sofort Ihren Koffer oder meinetwegen Kfferchen
und reisen Sie, ohne dass Sie sich vorher lange besinnen, nach Japan.
Haben Sie verstanden? Der flinke und behende Koffermann, sogleich
entschlossen, den schmeichelhaften Auftrag auszufhren, besann sich
keine zehn Minuten lang, sondern machte sich auf die Beine, packte alle
seine Gedanken und Utensilien in seinen Handkoffer, stieg in den
Eisenbahnwagen und dampfte, reiste und fuhr ab nach dem berhmten und
sehenswerten Lande Japan. Der Verleger oder Verlagsmann telephonierte
einem mchtigen Zeitungsmann, er mchte so freundlich sein und es in die
Zeitung setzen, dass Koffermann seinen Koffer gepackt habe und nach
Japan abgeflogen und fortgeflutscht sei. Das las bald ein anderer
Verleger oder Verlagsmann und er forderte den Schriftsteller Zimmermann
auf, so rasch wie mglich zu ihm zu kommen, denn er habe ihm etwas
Wichtiges zu sagen. Zimmermann war gerade damit beschftigt, eine
hfliche und weitlufige Ansprache an seine Katze zu halten, auch
schlrfte er Thee, und rauchte er eine Cigarette, als der Brief
anlangte, der ihm ankndigte, er solle zu seinem Verleger rennen, weil
ihm derselbe etwas Wichtiges zu sagen habe. Er zog seinen bessern Anzug
an, brstete, suberte, kmmte, wusch und verschnerte sich, wie es sich
schickte, und marschierte in aller Seelenruhe zu seinem Geschftsmann.
Lieber Zimmermann, sagte derselbe zu Zimmermann, ich weiss, dass Sie
ein ruhiger Mensch sind, der seine Ruhe liebt! Jetzt aber mssen Sie aus
aller Behaglichkeit heraus und mit der grssten Unruhe, Hast und
Schleunigkeit nach der Trkei fliegen. Koffermanns Verleger hat
Koffermann nach Japan entsandt, weshalb ich nun Sie, mein lieber
Zimmermann, nach der Trkei senden muss. Haben Sie begriffen?
Zimmermann aber begriff nicht so leicht; er besass keine so leichte und
flinke Auffassungsgabe wie Koffermann. Er bat sich eine Bedenkzeit von
acht Tagen aus und ging wieder in sein Zimmer zurck, wo er sich ebenso
vergnglich wie nachdenklich auf seinen alten Reisekorb setzte, der
unter der Last zu chzen und zu seufzen begann, wie Reisekrbe bei
solcher Gelegenheit zu tun pflegen. Zimmermann, der seine Ruhe und
seinen stillen Aufenthalt im Zimmer liebte, war unfhig, von demselben
Abschied zu nehmen. Ich bin unfhig, vom Zimmer Abschied zu nehmen,
auch ist mein Reisekorb alt, und es wrde mir weh tun, ihn auf eine so
weite Reise zu schicken, schrieb Zimmermann seinem Geschftsmann, ich
habe mir die Sache berlegt, und bitte Sie versichert zu sein, dass ich
nicht nach der Trkei reisen kann. Ich eigne mich nicht dafr. Ich bin
soeben in Gedanken eine halbe Stunde lang in der Trkei gewesen und habe
es dort sehr langweilig gefunden. Mit dem ehemaligen Knigreich Polen
mchte ich es wohl eher probieren. Lassen Sie mich bitte Ihre Meinung
wissen. Ich gebe Ihnen acht Tage Bedenkzeit. Nach Polen passe ich
nmlich besser als nach der Trkei. Der Verleger lachte, als er den
Brief las und sagte: Mit Zimmermann ist nichts anzufangen.




Der Flinke und der Faule.


Ich gestehe, dass mich die Erfindung der Geschichte, die ich hier
erzhle, die grsste Mhe gekostet hat, obwohl man vielleicht finden
wird, dass sie ein wenig lppisch sei. Sie handelt von einem faulen
Flinken und von einem flinken Faulen. Zu beachten ist, dass der Flinke
mit all seiner eichhornhaften Flinkheit weit hinter des Faulen grober
Faulheit zurckblieb, worber er sich nicht wenig verwunderte, was recht
sehr zu begreifen ist. Das Seltsame und Bemerkenswerte an der
einfltigen und albernen Geschichte, die glcklicherweise nicht allzu
lange und breite Umstnde macht, ist, dass der Flinke im Grunde der
Faule ist und der Faule im Grunde der Flinke, und zwar deshalb, weil der
Flinke eigentlich leider nur zu flink war und weil der Faule mit der
gesamten Summe seiner Faulheit sich glcklicher- oder unglcklicherweise
glnzend bewhrte, indem er gar nicht flink und dennoch, im Grunde, viel
flinker war als der flinkste Flinke, whrend leider der Flinke mit dem
ganzen Reichtum seiner Flinkheit und Behendigkeit zwar durchaus nicht
faul und dennoch viel fuler war als der fulste Faule, was jedenfalls
recht sehr bedauerlich ist. Der Flinke bertraf freilich den Faulen an
regelrechter Flinkheit, aber er kam dennoch zu kurz und stand zuletzt
weit hinter dem Faulen, welcher, falls wir uns nicht grblich irren,
freilich den Flinken hoch an Faulheit berragte, indem er faul war wie
die personifizierte Faulheit, dennoch aber lange nicht so faul und viel
flinker war, als der Flinke dachte, den er weit hinter sich liess und
prchtig besiegte, ber welchen ausserordentlichen Umstand der
bedauernswrdige arme Flinke fast vor Schreck umkam. Dieses, mein bester
Leser, ist die Geschichte vom Flinken und vom Faulen oder vom Faulen und
vom Flinken, je nachdem du willst und wie es dir gefllt. Beurteile sie
milde, belache sie und zrne nicht allzustark ihrem Verfasser, dem sie
so fest im Kopf sass, dass er sich gentigt sah, sie niederzuschreiben,
um sie loszubekommen.




Der Maskenball.


Einmal gab es einen Maskenball, der von vielen lebenslustigen und
vergngungsfrhlichen jungen Leuten besucht wurde, die sich alle hier
einfanden, um recht aus der Seele und aus vollem Herzen glcklich zu
sein, Sorgen und Kmmernisse auf ein paar Stunden zu vergessen, zu
lachen, zu tndeln und zu tanzen und sich frei und leicht zu fhlen wie
die ersten Menschen, die vom erbrmlichen Kampf ums Dasein und von der
traurigen Jagd nach dem Erwerb noch berhaupt nichts wussten. Herrlich
war der Anblick des von einem vorzglichen Geschmack und von einem
feinen und zarten Kunstsinn dekorierten, blumen- und bndergeschmckten
Tanzsaales, dessen hohe Wnde entzckende Wandmalereien deckten, die,
man kann sagen, von demselben Geist und von derselben Erfindung waren
wie die grazise reizende Musik, die sommerregengleich von einem Podium
herab in den Saal und in den heiteren Tanztumult niederrieselte und
suselte, damit die versammelten frhlichen Menschen sich nach dem
schmeichlerischen wellenhaften Takt ihrer sssen und angenehmen Melodien
hin und her bewegten und drehten. Das tat denn auch alle Welt und es
war ein blitzendes, geschmeidiges Gewoge, das da durcheinanderwogte. Auf
die lchelnden Gesichter herab schimmerte der Strahl der Kerzen, deren
blendendes Leuchten den Saal zu einem Zauberpalast machte. Alles war
glcklich, alles lachte und scherzte. Neid, Bosheit und Missgunst und
noch manche andere blen Eigenschaften und bsen Empfindungen hatten
keinen Einlass in das schne Lokal gefunden, das lediglich von
Heiterkeit, Behagen und Lebensfreude widerhallte und widerstrahlte.
Jedoch waren alle Gerusche der Freude und des Vergngens angenehm
gedmpft, wie wenn alle Teilnehmer lebhaft gefhlt htten, dass selbst
im Rausch und im Entzcken der Mensch sich, aus Rcksicht und aus Liebe
fr seinen Mitmenschen, Zgel auferlegen muss, um die allgemeine
Schnheit und das allgemeine Gefallen nicht zu verletzen. Gelchter
vermischte sich mit Glsergeklirr, das wie Silber an den Wnden
widertnte. Schelmische Witze wurden gerissen, die niemanden
beleidigten. Nur Dummkpfe und eitle hochmtige Menschen rgern sich
ber einen guten Witz, der so gut ein Recht zu existieren hat wie der
dstere, bittere Ernst; denn der liebe Gott gab uns nicht umsonst die
liebenswrdige Fhigkeit, zu lachen und den Dingen die heitere und
lustige Seite abzugewinnen.

Solche Paare, die von der Anstrengung des Tanzens mde waren, zogen sich
fr eine Weile, um recht behaglich auszuruhen und sich an allerlei
Erfrischungen zu erlaben, aus dem Getmmel in irgend eine reizend
versteckte grne weiche Plaudernische zurck, whrend andere Paare
frisch sich in das anmutige Gewoge strzten. Hier sah man Einen vor der
Dame seines Herzens leidenschaftlich niederknien. An einer andern
Stelle wieder suchte ein Tnzer seine entschwundene, im Gewirr
verlorengegangene Tnzerin. Andern Ortes wieder erteilte eine Schne
ihrem bisher so dienstfertigen Galan und Ritter urpltzlich den
Abschied, dass ihn die Bestrzung, in die er sich unvermuteterweise
geworfen sah, zittern machte, und ihm die grausame Enttuschung die
Gesichtszge verzerrte.

Colombine, so nannte sich eine bermtige schelmische Tnzerin, die mit
ihrer ans Unglaubliche grenzenden Tanzkunst die Bewunderung aller derer,
die sie sahen, hervorrief. Sie tanzte ganz allein, als wenn es keinen
Tnzer gegeben htte, der fhig gewesen wre, sie mit einigem
gleichmssigem Geschick zu accompagnieren. Und doch gab es einen! Aber
von diesem tollen Burschen reden wir spter. Einstweilen neigen wir uns
voll Staunen und Mitleid zu einem armen Narren herab, der, einer Statue,
einem Steinbild hnlich, in einem Winkel des Saales am Boden kauerte, wo
er sich auf die ausgiebigste Art mit dsterer Philosophie, mit
schrecklicher Betrachtung des Lebens abzugeben schien, ganz in Trauer,
in Wehmut und in tdliche Melancholie gehllt. Tausenderlei giftige
Spitzfindigkeiten schienen den armen unglcklichen Menschen in diesen
Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierot
oder Mehlmann hiess er, und er glich auf gewisse Art dem tdlich
verwundeten Helden, der das Gefhl hat, dass er verbluten muss. Sein
eigenes krankes Wesen war es vielleicht, das ihn hier im verlassenen
Winkel an den Boden niederstreckte. Des armen tragischen Narren Wangen
waren mit Mehl bestreut. Seine Lippen waren rot wie Rosen, aus seinen
jungen dunkeln Augen drang ein unnennbarer Seelenschmerz, und die
gefrbten Lippen lchelten ein grazises und verzweifeltes Lcheln.
Schade um den jungen Mann! musste der ausrufen, der ihn sah, aber es
beachtete ihn niemand, dessen Kopf ein zierliches Dummkopfkppchen
schmckte, dass der Schmerz und der Gram noch lcherlich aussahen und
der Hoffnungslosigkeit, dem Leid noch der Ausdruck frivoler Dummheit
anhaften musste. Warum kam er hierher, wo alles lachte und tanzte? Was
bezweckte er mit seinem unerfreulichen Auftreten? Was hoffte er von
seiner Erscheinung? Vielleicht war er ehmals frhlich gewesen. Jetzt
aber war er todesmd und matt. Denn von der Lebensmdigkeit, die ihn
erfllte, redete die Sterbensblsse, die ihn bedeckte, deutlich. Wer
versetzte ihm den Stoss? Sein eigener verderblicher Charakter selber?
Hm! Kann sein.

Angenehm oder unangenehm bemerkbar machte sich auf dem Maskenball durch
ein hchst lcherliches Gehaben und Gebaren, das ihn zum vollkommenen,
ganz und gar in der Schafskpfigkeit ertrunkenen Schafskopf stempelte,
ein zweiter und zwar ltlicher, sehr soignierter Narr. Vorhergehender
Narr war sozusagen ein ernster Narr. Dieser aber gehrte zu der
Kategorie der fraglos lcherlichen Narren. Himmlisch war der hohe,
steife, feierliche Hut auf seinem ausgesprochenen Pantoffelheldkopf.
Seine enorme Krawatte war grasgrn, seine gebogene lange Nase
gesprenkelt mit roten und weissen Tupfen. Fabelhaft lcherlich war sein
Beinkleid, mit welchem er offenbar zu imponieren hoffte. Die Handschuhe,
die er trug, waren knallgelb und sein ganzes Auftreten zeugte von
verblffender Geschmacklosigkeit. Der Herr hiess Pantalone oder
Hosenmann und wie es sich herausstellte, war er frchterlich verliebt,
der alte Racker, und zwar in wen?, ei ja doch, in die reizende
Colombine, fr die er ein verliebtes ssses Liebesbriefchen in der
Tasche trug, um es der Schelmin bei gnstiger Gelegenheit in der
Einbildung zu bergeben, die ihm vorschwindelte, dass das schne junge
Mdchen Gefallen am alten, aber freilich schwerreichen Gecken finden
werde, sobald der alte Torenknabe nur seine Brse ffnen wrde. Hui!
aber das Liebesbrieflein mit den blen Anspielungen flog ihm um die Nase
und wurde in tausend kleine Fetzen zerrissen, die wie Schneeflocken
herumwirbelten, und Pantalone musste mit samt seinem gravittischen
imposanten Spazierstock gtig abspazieren und noch dazu eine ganze
Salatschssel voll Gelchter und spttischer Bemerkungen aufessen.
Ausgelacht und fortgeschickt zu werden ist wahrhaftig kein Leckerbissen.
Drohungen ausstossend und Augen wild rollend verliess Hosenmann den
Tanzsaal, und die Grazien riefen ihm nach: Auf Nimmerwiedersehen.

Wir haben den tiefernsten und trauervollen Narren und dann den eitlen,
albernen und spiessbrgerlichen Narren gesehen und wenn uns diese beiden
interessiert haben, so wird uns gewiss nicht minder der dritte, nmlich
der frhliche kecke und bermtige, der schne und glckliche Narr
interessieren, das Ideal des Maskenballes, Hanswurst oder Harlekin mit
der spitzbbischen frechen Pritsche, mit welcher er, leise alle Menschen
neckend, im Saal herum tanzte, indem er alle, die ihn sahen, durch seine
unschuldige antiloppenhafte Frhlichkeit und Lustigkeit in helles
Entzcken setzte. Sein leichtes Kleid oder Gewand klebte ihm nur so am
jugendlich-schnen tnzerischen und turnerischen Krper, der die
gewagtesten und zugleich anmutigsten Bewegungen ausfhrte, dass es eine
Freude war, ihn tanzen und tndeln zu sehen. Dieser Bursche war der
erklrte Liebling aller und er war im besondern der Geliebte der schnen
Colombine, die mit ihm in treuer Anhnglichkeit und Liebe starb und
lebte. Ihre Augen verfolgten jeden Augenblick seine liebenswrdige
Gestalt, die bald erzkomisch stillstand, als sei Harlekin oder Hanswurst
ein rechter Trottel, die aber bald wieder wie eine durch keinerlei
Schwergewicht gehemmte Engelsgestalt sich vom Tanzboden loslste und
alsdann Wunder der Tanzkunst verrichtete, bald einem eilfertigen artigen
Windhund, bald einem Wiesel, bald einem Eichhrnchen glich und immer
voll bildhafter Schnheit war. Flog Hanswurst am schwermtig trumenden
und kauernden armen Pierot vorbei, so versetzte er ihm mit seiner
Narrenpritsche einen leichten kameradschaftlichen Schlag auf die
Schulter und sprach flchtig zu ihm: Komm, sei doch vernnftig, du
dauerst mich. Hanswurst, dieser tolle Bursche, der mit seinen
geschmeidigen Beinen alle Schwere und allen Erdenernst verspottete, war
in seinem witzigen bermut so schn, und in all seiner Ausgelassenheit
so treuherzig, dass niemand im Saal auf den Einfall kam, ihm sein
lustiges Wesen bel zu nehmen, vielmehr befreundete sich jedermann im
Augenblick mit ihm, und es hatten ihn alle von Herzen gern. Aber der
liebe Bursche selber auch hatte ein Gefhl und ein Herz und ein Denken
fr alle, das sahen und fhlten alle. Indem er witzelte und tndelte,
blieb er immer eine freundliche und angenehme Erscheinung, und indem er
lustig war, belustigte und ergtzte er die andern. Seine bildhbsche
Gestalt und seine scherzhafte Einfalt verbreiteten tiefe Rhrung, und
wenn er in die Luft emporflog und tanzte, war er gross und bedeutend.
Sein Glck machte alle andern glcklich. Sein Anblick war zugleich
unterhaltend und wohltuend. Indem Hanswurst an sich selber und an sein
eigenes Vergngen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb, und der
eigentmliche Umstand, dass er an alle andern dachte und dass er die
Ursache vom allgemeinen Vergngen war.




Die Verlassene.


Eisig kalter Wind brllte und sauste durch die dsteren Strassen.
Unbarmherziger Wind, und alles war finster, hoffnungslos und dster.
Alle guten Eingebungen und alle guten Gedanken waren mir verloren, und
ich selbst war verloren. Alles Gute, Milde und Schne war hoffnungslos
verloren. Die Seele war verloren. Alles kalt und tot, und die Welt
gestorben. Alles Leben, alle Liebe und alles gute Denken waren wie vom
finster brllenden und tosenden Wind verschlungen, der wie ein
gefrssiges Ungeheuer durch die hoffnungslosen, den und leeren Strassen
strmte. Behaglichkeit und Geselligkeit waren wie fr immer von der Erde
verschwunden. Befriedigung und Freude schien es von nun an keine mehr
geben zu knnen. Die langen Strassen voll scheusslicher Freudlosigkeit,
voll entsetzlicher Leere zogen sich ins Ungeheure, ins Namenlose, ins
Unendliche und ins Unfassbare hinaus, und endlos schienen
Hoffnungslosigkeit und Lieblosigkeit zu sein. Kein Stern und kein
freundlicher Mond waren am Himmel, das Furchtbare und Schreckliche war
zur ghnenden Wirklichkeit geworden, und das Gerechte, Gute, Sanfte, ach
du grosser Gott im Himmel, war nur noch ein bleicher, mder,
nebelhafter Traum, wert, dass man ihn matt belchle. Und die Menschen
waren arme, bleiche, kranke, sturmgejagte, ins Entsetzen
hineingepeitschte Sklaven. Niemand traute mehr dem Andern. Nachbarliebe
und Gte waren verschwunden, verloren, und die Wohnhuser waren
Schreckens- und Entsetzenshuser, Sttten des erschtternden Hasses und
des vernichtenden Mordes. Wild strmte ich dahin, gejagt und getrieben
von wilden Gewissensbissen, von schrecklicher Vorwrfen ungeheuerlich
lodernder Feuersbrunst. Alles war verloren, ich hatte keinen einzigen
guten Gedanken mehr. Arm und elend war ich, wie nie zuvor. Zerrissen im
Innersten war ich, wie nie zuvor. Unglcklich, arm und elend, o, dass
ich es noch einmal sage, war ich, wie nie zuvor. Der Sturmwind riss mir
den Mantel empor, dass er sich ber meinem Kopfe hochauftrmte, und ich
glich auf der finstern mitternchtlichen Strasse in all der Finsternis
und Dsternis dem frchterlichen Knig Richard, dem ewigen Juden und dem
Mrder Paricida. Ich war betrogen worden und war wieder selber Betrger,
ich war belogen worden und log wieder selber. Die Menschen hassten mich
und ich hasste, verachtete die Hasser und Verchter. Sie hatten mich
verraten und an den Verrtern bte ich selber wieder traurigen Verrat.
Ein unendliches Sehnen nach Einfachheit, nach reiner Sitte, nach Treue
und Liebe, nach Treuherzigkeit und nach Vertrauen, jagte mich umher, bis
ich endlich ein trauriges verwahrlostes Armutshaus fand, in das ich
eindrang.

Obwohl das Haus einem Schlupfwinkel fr Ruber und Verbrecher glich,
trat ich dennoch ohne das geringste Zgern und mit guter Zuversicht
hinein, denn ich musste mir sagen, dass ich nichts mehr zu verlieren
hatte. Die verhrtete, eisenfeste, hoffnungsarme Seele war auf alles
Schreckliche und Hssliche nur zu lang schon gefasst. Nicht von Ferne
erwartete ich mehr irgend etwas Gutes und etwas Schnes. Klte
ringsumher und Klte mitten im eigenen Herzen. Ich stieg das armselige,
verwstete, finstere Treppenhaus empor, auf einem Treppenabsatz kauerte
ein armes junges Mdchen, dessen Haar ich mit der Hand streifte. Die
Treppe war in ihrer chzenden, sthnenden, krachenden Verlottertheit
furchtbar, denn mir war es, indem ich sie betrat, als sei sie die letzte
aller Treppen, die Treppe, die zur Vernichtung, zur Verzweiflung, zum
verzweiflungsvollen Selbstmord fhren msse. Trotzdem stieg ich empor,
und ich erinnere mich, dass mir das elende Herz vor Bangigkeit zum
Zerspringen klopfte und dass ich nach jedem kleinen Schritt innehielt,
um mit angespannter Sorgfalt in all die Leere und in all die grausame
kalte Finsternis hinein zu horchen und zu lauschen, aber es bewegte,
regte, rhrte sich in all der Entlegenheit und Einsamkeit nicht das
Mindeste. Alles war totenstill im schrecklichen Haus der Armut. Im
Bauche eines schlummernden Ungetmes konnte es nicht lautloser und
stiller sein.

ber die Wohnungstre, an die ich endlich im Dunkel tappte, muss ich
noch besonders reden, denn sie war nicht wie irgend eine andere
beliebige Tre, sie war offen! Sonst sind Tren sorgfltig verschlossen,
ja sogar manchmal oder vielmehr hufig, ngstlich zugeriegelt. Diese
Tre hier war nur nachlssig angelehnt, so als verlohne sich in der
ganzen Welt in Zukunft infolge berhandnehmender Gleichgltigkeit und
Herzlosigkeit keinerlei Treue und behutsame Aufmerksamkeit und Sorgfalt
mehr und so, als sei in Zukunft im menschlichen Leben alles, alles
gnzlich gleichgltig, und so, als sei alles, alles lebensberdrssig,
md, abgestumpft, ruchlos, kalt und gleichgltig, und so, als sei es
gleich geworden, ob noch ein Leben vorhanden sei oder ob alles tot,
nackt und zerrissen sei, und ferner so, als sei jede feinere, zartere
Gemtsbildung ein Ding der Undenkbarkeit und etwas vllig
Nebenschliches und berflssiges geworden, und zuletzt so, als freute
sich die geknickte, zertretene und entmenschte Menschheit gar noch ber
ihre Verwahrlosung, ber ihre Zerstckelung und ber die Verwstung.
Wste hier und Wste dort, doch das macht nichts. Es ist ja jetzt alles,
alles, alles gleichgltig ... So ungefhr redete die wste, mde,
traurige Tre, die ich nicht zu ffnen brauchte, weil sie bereits offen
war. Eine solche Tre hindert niemanden, in eine Wohnung einzudringen,
und so drang ich denn in den Korridor hinein, Schritt fr Schritt,
usserst behutsam und vorsichtig, und bei jedem Schritte fleissig
lauschend.

Vorhin die elende, traurige Treppe, dann die Tre, die nicht minder arm
und elend war, und jetzt der dumpfe kalte Korridor, der ebenso arm, d
und elend war wie Treppe und Tre, ich selbst angestrengt auf das
hervortretende Schrecknis lauschend, auf dessen Erscheinen ich gefasst
war, weil ich mir sagte, dass an solchem Ort nichts anderes als
Schreckliches zu erwarten sei, mein Dastehen in der entsetzlichen
Erwartung dessen, was jetzt kommen musste: Ich darf wohl sagen, dass es
einigen Mut brauchte, um den sinkenden, zusammenstrzenden Mut noch
einigermassen aufrecht zu halten und in dieser de auszuharren, in
diese Wste und de weiter einzudringen. Pltzlich jedoch zitterte ein
ssser zarter Lichtschein aus einer Ritze mir entgegen, und ich glaubte
eine schne hohe gelinde Liebesmelodie zu vernehmen von weit, weit her
und doch auch wieder aus allernchster Nhe. Ich ffnete eine Tre und
stiess einen Schrei des Entzckens, der entzckenreichen berraschung
aus. In einem lichten schnen warmen Zimmer oder Gelass sass eine Frau,
und ich kannte sie von frheren Zeiten her und jetzt tnte von allen
Seiten her frohe Freuden- und Trostmusik. Wie von allen offenen blauen
Himmeln herab rauschte und rieselte das goldene, heitere Konzert, und
Wlder, Wiesen und Felder schienen mir mit einmal nah, ich sah alle
schnen, guten, befriedigenden lieben Farben, und die schne Frau, die
wie ein Engel aussah, lchelte mich freundlich und liebreich an, als sie
mich elenden armen Wanderer, Umhergetriebenen erblickte. Alles war
pltzlich wieder gut, eine sonnige, wonnige Jugendkraft strzte ber
mein Wesen, und ich vergass mit einmal allen Gram, und alles Elend,
aller Unglauben waren mit einmal dahin. Ja doch, das war der wunderbare,
wenngleich dstere Ort, wo ich die herrliche Verlassene wiederfand, der
Ort der Einsamkeit, wo ich die schne Verlassene wiedersah. Das war sie,
die himmlische Ausgestossene, die wunderbare Verfehmte, die himmlisch
schne Einsame und Verlassene. Ich eilte, hinreissendem Antrieb
gehorchend und mich zu der schnen Bewegung beglckwnschend, zu ihr
hin, zu der Frau, die hier in der Verstossenheit und in der Verfehmtheit
hauste und kniete vor ihr nieder, und die Entzckende schaute mich gtig
an. -- Sie tat nicht fremd. Ich war ihr gut. Ich war ihr recht. Sie
zeigte sich ber meine Gegenwart erfreut, und das freute mich unendlich.




Die Mrderin.


Es fllt mir ein, dass ich neulich mit einem Landwirt ber den Berg
ging. Wie wir so von allerlei Dingen plauderten, trat uns auf der
Strasse, mitten im hbschen Bergdorf, eine stmmige Frau entgegen. Diese
Bauernfrau war mir durch weiter nichts als durch ihre feste kerngesunde
Erscheinung aufgefallen. Nher war mir nicht eingefallen, sie zu
betrachten. Als die Frau an uns vorbergegangen war, hielt es der Wirt
fr erlaubt (worin er ganz recht hatte) die ruhige Bemerkung zu machen:
Der Frau, die da soeben an uns vorberging, haben Sie gewiss nicht
angemerkt, dass sie fnfundzwanzig Jahre Zuchthaus hinter sich hat.
Erstaunt fragte ich: Warum? Mein Wirt beeilte sich mit Aussagen in
keiner Weise. Es verging eine Pause, nach deren Verlauf er sagte: Sie
hat einst ihren Mann totgeschlagen. Entsetzt erkundigte ich mich nach
den nheren Umstnden. Wieder schwieg der Landmann, der ber den Berg
ging, um seine Matten zu beschauen, eine kleine Weile, worauf er mit
sonderbarer Behaglichkeit, als sei er ein berlegener Erzhler, und als
erzhle er eine halbverschollene Ballade oder Schauergeschichte,
Folgendes vorbrachte: Eines Morgens trat sie mit einer Hacke oder Karst
in der Hand in das Schlafzimmer ihres Mannes, der im Bett lag. Als
derselbe die Augen aufmachte und sie so sah, fragte er, weil ihn
offenbar die Hacke erschreckte: Was willst du hier im Zimmer mit der
Hacke? Darauf erwiderte die Mrderin: Das will ich dir eben jetzt
zeigen. Mit diesen furchtbaren, gewissermassen trocken-humoristischen
Worten, holte sie zum Schlag aus und schlug ihm den Kopf ein. Ich bat
den Wirt, mir zu sagen, weshalb die Frau eine so grssliche Tat verbt
habe. Es ist nicht bekannt, antwortete er, man hat es vergessen.
Mglich ist, dass der Mann ein Trinker war, der nicht schaffen wollte
und damit seine Ehefrau in die Erbitterung trieb. Da ihn seine
Absichten einen andern Weg als den, den ich verfolgte, gehen hiessen, so
verabschiedete er sich, und ich ging allein weiter, indem ich ber das
Verbrechen noch allerlei stille Betrachtungen anstellte und mich
besonders ber das gute unbefangene Aussehen der Frau wunderte, die wir
so still und ohne alles Auffallen an uns hatten vorbeigehen sehen, als
sei sie nicht sie selbst, sondern eine beliebige Andere, nicht eine
Mrderin, sondern irgend eine wackere rechtschaffene fleissige Frau.
Erstaunliche Kraft muss jedenfalls in ihr liegen, dachte ich, eine
Untat und fnfundzwanzig Jahre Zuchthaus und von allem dem nicht das
geringste Kennzeichen zu offenbaren: Welche Summe von Unbeugsamkeit. --




Die Brder.


Darf ich dich, o du Guter, leise und gewiss ganz zaghaft an die Zeit
erinnern, wo wir Beide, du als beginnender schaffender Maler und ich als
heimlich beginnender angehender Poet, uns mit unserer jugendlich
anstrebenden Kunstburschen- oder Kunstlehrlingschaft und was alles
hbsch damit zusammenhing, zu S.... aufhielten? Meines Wissens schrieb
und schickte ich dir, bevor ich in Person bei dir anlangte und
auftauchte, ein ziemlich langes Sehnsuchts- und Freundschaftsgedicht,
das du empfingest und mit Genuss lasest. Himmlisch dnkt mich das, wenn
ich daran denke, obgleich es natrlich zum Lachen ist. Gttlich schn
und gross ist es, junge Wangen und junge Lebensanschauungen zu haben,
ein unaussprechliches Sehnen nach dem Leben zu empfinden und achtzehn
Jahre alt zu sein, denn ungefhr so alt waren wir damals beide. Herrlich
kamen mir die Residenzstadt S.... und du selbst vor; du warest in den
Augen des frischen Ankmmlings nichts geringeres als ein imposanter
Haupt- und Weltstdter. O wie sind jugendliche Unwissenheit und
Unerfahrenheit schn! Was Gutes und Schnes erwirbt man denn eigentlich
mit der Erfahrung? Sehr viel Wertvolles sicher nicht. Du geleitetest
mich freundlich durch die Strassen in eine gewisse Gerbergasse hinein
und dann hinein in die berhmte und sicher uns allen beiden
unvergessliche Herberge zur Heimat, wo wir gemeinsam ein Zelt
aufschlugen oder mit andern Worten eine Stube bezogen, um
gemeinschaftlich darin zu wohnen und zu hausen, was sicher nur unser
Vorteil und nicht unser Nachteil war. Entzckend, so schwre und
behaupte ich, sind erste khne Knstler-Flugversuche, die mit fteren
Abstrzen verbunden sind. Aber ist das Hte aus dem Fenster hinaus- und
auf Passanten in die Strasse herabwerfen nicht vielleicht noch fast
schner als alles Malen, Musizieren und Dichten? Waren wir nicht im
Hutwerfen erlesene erste Meister und wahre dmonische Virtuosen, und sah
sich der gute freundliche Wirt oder Herbergsvater nicht gentigt, uns
vor Fortsetzungen des reizenden Unfuges vterlich zu warnen? Ach es ist
vielleicht, von einem gewissen Gesichtspunkt aus gesehen, hundert-, wenn
nicht gar tausendmal schner, seinen oder seines Bruders Hut aus dem
Fenster fliegen und wirbeln zu lassen, damit Vorbergehende unten
staunen, als ein vollendetes Gedicht zu schreiben, damit das liebe
Publikum staune. Gab es nicht in unserer Kunststube eines schnen Tages
einen berraschenden Hofpredigerbesuch, ber den wir Beide einen Monat
lang lachten? Ich stand gerade nackt da, dir als Modell zu einem Csars
Leichnam beweinenden Markus Antonius dienend, als die Tre des Studier-
und Aktzimmers unerwarteterweise aufging und dicht und urpltzlich vor
uns strebenden armen Sndern wer stand? Der Herr Hofpfarrer. O Gott,
was muss ich mit meinen Augen erblicken? Was geht hier vor? rief er aus
und trat unverzglich den Rckzug an, der in wilde Flucht ausartete. Wie
gab uns das Entsetzen des guten Herrn, der knstlerischen bungen
offenbar fremd gegenberstand, zu lachen. Lebten wir zwei Jnger und
Brder, Neulinge, Anfnglinge und Novizen nicht wie auf einer reizenden
Freundschafts- und Verbrderungsinsel, auf der alles gut und schn und
sorglos ist, wo in ununterbrochenem freundlichem Gelispel und Gesusel
und in einem fortwhrenden sssen Frieden die lebendigen Geschpfe sich
des zutrauenreichen, gtigen Daseins erfreuen, Himmel und Erde und
Kreatur zusammengewachsen sind, und wo der Mensch so harmlos und
gutherzig wchst und hinlebt vom Tag in die Nacht und von der Nacht in
den Tag hinein wie die duftenden Blumen, die Pflanzen und die treuen
guten Bume. Wateten wir nicht ganze schne Sonntage und sonstige Tage
lang im ppig-grnen Landschaftsgras und in der gttlich weichen,
trumerischen Mai-Landschaft umher, um dann da und dort unter blhenden
Apfel- und Birnenbumen vom Streifen und Landschaften, vom schwierigen
Malen und Versemachen kstlich auszuruhen, wobei wir oft einzuschlummern
geruhten wie Grafen und Frsten, um spter wieder zu erwachen wie
Prinzen? Wir lasen noch nicht Verlaine, aber wir lasen dafr doch
Heinrich Heine und Uhland, und die mundeten und schmeckten uns nicht
schlecht. War nicht auch das freie gliedererfrischende Baden im Neckar
herrlich und beglckte uns nicht in Dorfgasthusern der Genuss von
Birnenmost? Wenn wir vom khnen Ausmarsch grsslich staubig und hungrig
wieder in unsere Herberge zurckkamen, so bestellten wir ja bekanntlich
jeweilen je einen Rostbraten mit gemischtem Salat fr die Wanderer und
Herren Gebrder, worber die ganze Stube hchlich staunte. Soupieren und
dinieren grosse und reiche Herren reicher und besser als wir Zwei
damals? Das finde ich sehr fraglich, denn fr uns war der Rostbraten ein
Gtterschmaus nach trefflich berstandenen Wanderanstrengungen. Wie ist
es schn, arm und jung und unbekannt zu sein. Wie gerne gbe mancher
Schwerberhmte seinen Ruhm und all sein Ansehen fr einen Achtel oder
auch nur Achtzigstel, fr einen Drittel oder Dreissigstel des
Jugendzustandes her. Die Jungen sehnen sich nach Ehre, Ruhm, Erfolg und
Ansehen, aber die Berhmten und die Mchtigen sehnen sich wieder in das
arme wilde Jugendsehnen und in das heisse beglckende Ringen mit der
Existenz zurck. Der Erfolg macht nicht glcklich, aber es muss ja eine
Arbeit und ein Streben auf dieser armen, widerspruchsvollen Erde sein.
Es muss ja einen Ruhm und einen Reichtum geben, aber Ruhm und Reichtum
vermgen nur niedrige und flache Seelen zu beglcken. Es muss auf dieser
Erde ein ewiges Auf und Ab und eine ewige Niebefriedigung sein. Ist
nicht auch dir, ganz so wie mir, die Gestalt der gtigen,
liebenswrdigen Opernsngerin B... in Erinnerung geblieben, die die hohe
Freundlichkeit hatte, uns zwei doch sicher ziemlich arme Teufel, wahre
Muster und Vorbilder an Unbeachtetheit, zu einem grazisen
schngeistigen Tee huldreich einzuladen? Sprangen und liefen wir nicht
eine Zeitlang fast allabendlich mittels uns vom gndigen und freigebigen
Freiherrn-Intendanten gtig verabreichten und freundlich gegnnten
Freikarten in das schimmernde Hoftheater, wo wir unter zahlreichen
andern reichen Stehparterregenssen den Genuss hatten, die Eysoldt als
zierliche Desdemona und den kraftvollen Matkowsky als dieselbe im Sturm
der Mohreneifersucht ttenden und abmordenden Othello zu sehen, und gab
es fr uns etwas Hheres und Schneres als das? Nicht von ferne! Und die
drren oder gedrrten Zwetschgen, die wie unglckliche arme Ertrunkene
auf dem Mittagstisch im Teller voll Wasser schwammen, knnte es denkbar
sein, dass du sie vergessen httest oder dass du sie je wrdest
vergessen knnen? Ebenso des knorrigen Betknechtes und -Bruders Knoop
schrille Andachtstimme und Worte? Was vermchtest du mir
entgegenzustellen, wenn ich auf die Tribne der Beredsamkeit stiege und
laut sagte, dass nach dem Gefhl derjenigen, die vermge einer
erreichten Altersstufe in das abendsonnen- und morgensonnenbeschienene
Land der Vergangenheit blicken, vergangene schne Stunden ein Heiligtum
seien? Ergreift nicht dich auch Rhrung bei dem Gedanken an das
frhliche Frhe, an das heitere Einst?




Schler und Lehrer.


Ein Lehrer, den seine Schler um seines lebhaften Wesens willen
hochachteten und lieb hatten, ertappte eines Tages in der Stunde einen
von denselben bei einer Schlingelei, worber er ausserordentlich zornig
wurde. Der Schler, der das Unglck hatte, seines Lehrers Unmut in so
hohem Mass auf sich zu lenken, war bis dahin der Lieblingsschler des
Mannes gewesen, den er unvorsichtigerweise tief gekrnkt hatte, aber von
nun an war er in des Lehrers Augen ein Abscheuling, den derselbe Tag fr
Tag vor der ganzen Klasse grausam herabsetzte und erbrmlich
verprgelte, eine Behandlung, die der Erzrnte dem armen Jungen
versprach pnktlich und getreulich fortzusetzen. Zweifellos hatte der
Lehrer einen persnlichen Hass auf ihn geworfen, und der Erwachsene ging
hierin dem Kleinen gegenber zu weit. Der Knabe, der sich so urpltzlich
aus dem weichen Sitz des Wohlwollens auf die harte Bank der Ungnade
herabgeworfen und sich so unvermutetermassen vom gepriesenen Schler in
einen notorischen Bsewicht verwandelt sah, wusste sich nicht zu helfen.
Nachdem er indessen durch Wochen so tapfer als er vermochte, das
traurige Los eines gesunkenen Bevorzugten und die damit verbundene
grausame und verachtungsvolle Behandlung ertragen hatte, griff er eines
Tages, vom Bedrfnis gedrngt, eine Vernderung der schier
unertrglichen Lage herbeizufhren, zur Feder und schrieb an seinen
grimmigen Verfolger und Peiniger Folgendes: Ich kann mich, da ich
meinen lieben Eltern kein Gestndnis machen darf, weil ich ihnen nicht
zu den vielen Sorgen, die sie haben, noch eine neue bereiten will, an
niemand anderes als an Sie selber wenden, um zu versuchen, ob es mir
mglich sei, wieder einige Gunst von Ihnen zu erlangen. Vielleicht wird
dieser Brief Sie veranlassen, aufzuhren, mich mit Schmach zu bedecken.
Da ich, wie ich bereits sagte, meinen Eltern mein Leid nicht klagen
kann, so klage ich es Ihnen. Da ich diejenigen nicht bitten will, mich
in Schutz zu nehmen, die mich lieben, so trage ich die Bitte dem vor,
der mich hasst und an mir seinen Zorn auslsst. Also bitte ich den um
Schutz, dem ich schutzlos preisgegeben zu sein scheine und ersuche den
um Schonung, der, weil er sich durch mein Betragen beleidigt fhlt,
schonungslos mit mir verfhrt. Ich habe den Mut, wie Sie sehen, dem mein
Leid zu klagen, der es mir zufgt und dem meinen Schmerz anzuvertrauen,
der ihn verursacht. An der Schule habe ich keine Freude mehr. Der
Lehrer, dem der Inhalt des Briefes allerlei zu betrachten und zu
bedenken gab, verhielt sich gegenber dem Schler von da an wieder
milder.




Sohn und Mutter.


Ein liebes, gutes Mtterchen, wahrhaftig: ich meine, man sollte ihr ein
Denkmal errichten! fhrte durch fleissige Sparsamkeit und durch
nchtelanges, emsiges Nhen die schne Mglichkeit herbei, dass ihr
Sohn, den sie fast wie einen Abgott liebte, die hohe Schule besuchen und
sich dadurch die beste Bildung erwerben konnte. Merke dir, lieber
aufmerksamer Leser, was nun geschah. Der grosse Sohn, Gegenstand der
mtterlichen Aufopferung, blitzendes Juwel und kstlicher Edelstein von
Sohn, machte freilich mit der Zeit so grosse Fortschritte, dass er in
jungen Jahren schon hoch hinaufkletterte und es zu einer Stellung
brachte, die ihm nicht nur erlaubte, die ihn vielmehr geradezu ntigte,
sich aufzublasen, hochmtiges Wesen kalt und nachlssig zur Schau zu
tragen und den grossen Herrn zu spielen, als welcher er sich rasch ber
seine arme bescheidene Herkunft hinwegsetzen lernte. Vorzglich dickes,
fettes und hochangesehenes Tier, wie man so sagt, fhlte er sich ber
alle kleinen engen Nte des tglichen Lebens erhaben, und mit der stets
hher und hher steigenden Wertschtzung der eigenen werten und
wichtigen Person vergass er den mtterlichen Menschen. Das arme gute
Mtterchen! Ei, die soll doch nur hbsch brav in ihrem Sorgen- und
Dachstbchen stillsitzen, denn derlei Personen kann man ja unmglich in
die feine Gesellschaft einfhren. In der hohen Atmosphre und in den
glnzenden Verhltnissen, in denen Emporkmmlinge leben, redet
bekanntlich niemand ein Wrtchen ber Kindesdankbarkeit und -Liebe. Von
schwler, genussreicher Liebe wird dort wohl gesprochen, aber ber
schlichte Liebe zuckt man bestenfalles mitleidig die stolze Achsel. Wenn
wir nun auch den Fall setzen und annehmen, dass der grosse Sohn sein
Mtterchen einmal habe besuchen wollen, so mssen wir doch sogleich
bedenken, dass ein solcher Besuch unmglich war, weil der Vortreffliche
ja fr den Eintritt in die Armutstube durch den engen rmlichen Rahmen
der bescheidenen Stubentre viel zu breit und breitspurig, viel zu dick
und zu geschwollen, viel zu stolz und zu reich war. Fr den Stolz und
fr den Hochmut gibt es Palast- und hohe breite Salontren. Mehr zu
sagen, ist wohl berflssig, und man wird schon verstehen, wie ich es
meine. Der Weg zum Mtterchen und damit zur menschlichen Bescheidenheit
war und blieb dem Parven versperrt, wegen des Rahmens und wegen der
kleinlichen Verhltnisse, in die er sich wieder zu schicken gehabt
htte. Vielleicht erlaubt man mir die freilich scheinbar etwas
gefhlvolle Bemerkung, dass ich grosse Lust htte, zu sagen, ich wolle
vor dem lieben alten Mtterchen niederknien und dass es mich fast
hinreissen mchte, das Geld, das die Mutter fr den stolzen Tlpel in
mhseliger Nachtarbeit zusammenrackerte, ehrfrchtig zu kssen. Der
Tlpel mag nur immerhin mit Seinesgleichen spazieren gehen, wo es ihm
beliebt. Vor ihm und Seinesgleichen beuge ich mich nicht, und ich werde
fr ihn und Seinesgleichen weder eine Artigkeit, noch irgend eine
Achtung brig haben.




Die bse Frau.


Eine Frau, die eines Tages, so wie die Dinge lagen, den Traum, den sie
sich von ihrem Leben machen zu drfen gemeint hatte, begraben musste,
weinte ganze lange Tage und Wochen lang ber den Verlust desselben. Als
sie aber endlich ihren Schmerz ausgeweint hatte, war sie, fast zu ihrem
eigenen Erstaunen, eine bse Frau geworden, die von nun an kein so
lebhaftes Bedrfnis mehr wie dieses hatte, andere Frauen recht bestrzt,
verlegen und niedergeschlagen zu sehen, indem sie sie unglcklich zu
machen versuchte. Sie fing mehr und mehr an, jedes frhliche weibliche
Gesicht zu hassen, weil sie sich durch jede glckliche Miene gekrnkt
und beleidigt fhlte. Es drngte sie, gegen jederlei Vergngen, das sie
erblickte, Rnke und Bosheitsplne zu schmieden, da jeder heitere
Anblick ihr weh zu tun schien. Darf ein unglcklicher Mensch es im
Menschenhass so weit treiben? Nun und nimmer! muss entschieden
geantwortet werden. Die durch vielerlei Leid, durch gescheitertes
Streben nach Lebensglck verdorbene bse Frau machte es sich zur
traurigen Aufgabe, junge Mdchen mit jungen Mnnern geschickt
zusammenzufhren, sie gegenseitig aufeinander aufmerksam zu machen, sie
enger und enger zusammen zu befreunden und, wenn dann die holde
Freundschaft ihr reif zu sein schien, dieselbe durch listige
Verrtereien, rohe Knste, grausame Verleumdung und Verwirrung, wieder
zu zerreissen. Der Anblick einer weinenden verratenen Angehrigen ihres
Geschlechts tat ihr dann wohl und war fr sie ein Genuss. So und hnlich
trieb sie es ziemlich lange, whrenddessen die um ihre Freude und ihre
Zufriedenheit betrogenen Mdchen sie fr eine edle und feine Frau
hielten. Nach und nach aber merkte jedermann, wie bse sie sei, und
sobald die Leute sich hierber Gewissheit verschafft hatten, so wurde
die gefhrliche Gesellschaft fortan sorgfltig vermieden, derart, dass
die bse Frau bald keinerlei Gelegenheit mehr erhielt, Unglck
anzustiften, Bses zu tun und Unfrieden und Unbehagen zu verbreiten.




Berta.


Berta arbeitet als fleissige Angestellte im Kontor einer Fabrik. Ihr
Vorgesetzter, ein allerdings leider Gottes schon etwas ltlicher Herr,
sehr galant natrlich, spielt, so ist mir neulich zuflliger Weise zu
Ohren gekommen, da er den Tag ber mit ihr in Berhrung kommt, den
Liebhaber bei ihr. Einmal tut er, als sei er verliebt in sie bis ber
die Ohren und ein anderes mal wieder gebrdet er sich wie der gestrenge
Herr und Meister und behandelt das ganz gewiss nette Mdchen mit
ausgesuchter Klte. Ist das nicht entweder ein Schlaukopf oder aber
einer, der nicht weiss, was er will. Heute ist er ein Verehrer und
morgen ist er ein Verchter des weiblichen Geschlechtes, je nachdem es
ihm zu passen scheint. Gewiss steht dieser Herr keineswegs in seiner Art
einzig da, es gibt ihrer mehr, die es genau so oder hnlich machen. Zu
der und der Stunde mchte er sie vor lauter Verliebtheit auf den Hnden
tragen, ihr vielleicht gar die Hand kniefllig kssen; zu einer andern
Zeit hingegen scheint er sich besonnen zu haben und alsdann kommt sie
ihm nicht anders als ein armes Trpfchen vor, das nicht wert ist, auch
nur flchtig mit einiger Freundlichkeit und Achtsamkeit betrachtet zu
werden. O, so ein Schurke, so ein Hauptkerl! Bald ist er Herr, und bald
ist er Diener bei ihr, bald schnauzt und knurrt er sie mit groben
Vorgesetztentnen an; bald bettelt er mit flehender Miene und Stimme
wieder um Gnade, ganz je nachdem er geruht, aufgelegt zu sein. Sollte es
nicht als Verdienst und als wichtige Aufgabe gelten, dass jemand, der
diese Art von Arbeit ber sich zu nehmen entschlossen wre, dem
wetterwendischen Halunken einen gehrigen Puff gbe. Gewiss sind
hunderte von Menschen ganz meiner Meinung, wenn ich sage, dass der
Spitzbube zehntausend Rippenstsse verdiente. Geht auf Verehrersfssen
und gleichzeitig noch auf andern Fssen. Ist er etwa ein Vierfsser? Ich
weiss es nicht genau. So viel aber weiss ich, dass ich nchstens Berta
raten werde, alles aufzubieten, damit sie sich den launenhaften Mann
unterjoche. Teufel noch einmal, so einer sollte mir, wenn ich Frau wre,
parieren!




Die Wurst.


An was denke ich? An eine Wurst denke ich. Es ist schrecklich.
Jnglinge, Mnner, die ihr dem Staate dient, auf die der Staat seine
Hoffnung setzt, betrachtet mich sorgsam und nehmt an mir ein
abschreckendes Exempel, denn ich bin tief gesunken. Ich vermag mich vom
Gedanken nicht loszureissen, dass ich soeben noch eine Wurst besass, die
nun fr immer dahin ist. Ich zog sie aus dem Kleiderschrank hervor, und
bei dieser Gelegenheit ass ich sie. Mit offenbar nur allzu aufrichtigem
Behagen habe ich verzehrt, was noch vorhanden sein knnte, wenn ich es
nicht vertilgt htte. Vor wenigen Minuten war die beste saftigste Wurst
noch leibhaftig da, doch jetzt ist durch leider nur allzu voreiliges
Verzehren die wohlschmeckendste Wurst verschwunden, worber ich
untrstlich bin. Was soeben noch da war, ist fort und niemand bringt es
mir jemals wieder. Ich ass, was ich nimmermehr so schnell htte essen,
was ich mir lieber nimmermehr so eilig htte schmecken lassen sollen.
Ich habe aufgegessen, was mir noch jetzt schmecken knnte, wenn ich der
Begierde widerstanden htte. Ich beklage tief, dass ich der Begierde
nicht widerstanden habe und dass ich verbraucht habe, was vor wenigen
Minuten noch frisch und rot zu meiner Verfgung stand, was aber nun und
nimmermehr zu meiner Verfgung stehen wird, weil ich es voreilig
verbrauchte. Ich habe Gebrauch gemacht, wovon ich noch jetzt Gebrauch
machen knnte, wenn nicht vorgefallen wre, was vorgefallen ist und was
nicht wieder gut zu machen ist. Was dahin ist, knnte noch ruhig und
friedlich da sein, und was auf Nimmerwiedersehen verloren gegangen ist,
knnte Appetit erwecken, doch das Appetit Erweckende ist dahin, und das
beklage ich ehrlich, obschon ich einsehe, dass alles Klagen wenig oder
gar nichts ntzt. Was angetastet wurde, knnte unangetastet, was
gegessen wurde, knnte unaufgegessen, was weggeschnappt wurde, knnte
unaufgeschnappt sein, wenn ich vorsichtiger und enthaltsamer gewesen
wre, aber leider war ich weder enthaltsam noch vorsichtig, und das
bedaure ich tief, obschon ich einsehe, dass Klage und Reue wenig oder
gar nichts ntzen. Was verschwunden ist, knnte vorhanden sein und was
tot ist, knnte frhlich leben. Was grausam zerbissen und zerstckt
wurde, knnte ganz sein, aber es ist leider zerstckt, da hilft keine
Klage. Was nicht mehr dient, knnte die besten Dienste leisten, und was
weg und fort ist, wrde mich noch jetzt mit seiner schnen Gegenwart
erfreuen, wenn ich das Beklagenswerte nicht getan htte, was ich mit
leider nur zu viel Grund bedaure. Was, wie gesagt, fort ist, brauchte,
wie gesagt, nicht bereits abhanden gekommen zu sein, wenn ich
widerstandsfhiger und strker gewesen wre und bsen Neigungen entsagt
htte. Schlimme Begierden, ihr habt mich meiner Wurst beraubt. Ich habe
gekostet, was als Kost noch fernerhin zu kosten wre, wenn ich es
ungekostet und ungenossen liegen gelassen htte, worber ich, wie ich
bereits mehrfach sagte, trostlos bin, was ich nur immer wiederholen
kann. Ich brachte mir eine Schlappe durch Probieren einer nur zu
vorzglichen Kost bei, die nun ausgekostet und ausprobiert ist, weil ich
nicht enthaltsam gewesen bin, was ich bereue. Reue ntzt nichts; sie
macht den Wurst-Verlust eher grsser als kleiner, ich will daher
versuchen, auf Reue zu verzichten, was aber jedenfalls sehr schwer ist,
weil die Ursache, reuig zu sein, stark und gross ist. Ich habe mir eine
Niederlage zugezogen, weil ich nicht aufgespart habe, was ich unbedingt
htte aufbewahren und in Acht nehmen sollen, was ich aber leider nicht
in Acht nahm, obschon ich es kaum glaube, da ich immer des Glaubens war,
dass ich stark und widerstandsfhig sei, worin ich mich aber scheinbar
irrte, was mich schmerzt, obschon, wie gesagt, Reue offenbar gar nichts
ntzt. O, diese Wurst, ich schwre, sie war herrlich. Wunderbar
geruchert war sie, und mit entzckenden Speckmocken war sie gespickt,
und eine durchaus stattliche, annehmbare Lnge hatte sie, und einen Duft
hatte sie, so milde, so bestrickend, und eine Farbe hatte sie, so rot,
so zart, und gekracht hatte sie, als ich sie zerbiss, ich hre noch
jetzt bestndig, wie sie krachte, und saftig war sie, etwas Saftigeres
habe ich in meinem ganzen Leben nie gegessen, und dieses Saftige und
Schmackhafte knnte noch jetzt schmackhaft und saftig sein, das Rote und
Zarte noch jetzt rot und zart, das Wohlriechende noch jetzt
wohlriechend, das Vorzgliche und Appetitliche noch jetzt vorzglich und
appetitlich, das Lngliche und Runde noch jetzt rund und lnglich, das
Gerucherte noch jetzt geruchert und das Speckgespickte noch jetzt mit
Speck gespickt, wenn ich Geduld gehabt htte. Ich knnte es noch jetzt
krachen hren, wenn ich es nicht schon krachen gemacht htte, und zu
beissen gbe es noch jetzt, was ich leider allzu schnell zerbiss.




Der Junggeselle.


Letzthin, beim Mittagessen, sagte mir mein tglicher Tischgenosse, der
Herr Doktor G..., dass er soeben auf gewisse Art und Weise seinen
liebsten Freund verloren habe. Auf meine Frage, wie das gekommen sei,
antwortete und erzhlte er, dass er soeben die Einladung zu seines
Freundes Hochzeitsfeier erhalten habe, und er fgte mit gewissermassen
traurig verschleierter Stimme bei, dass er mir eigentlich nichts weiter
mehr zu sagen brauche, da damit schon alles gesagt sei. Er lchelte sein
eigentmliches, sehr feines und gescheites Lcheln und machte eine
kleine Pause, whrend deren er bestimmte aufdringliche Gedanken
verdrngen zu wollen schien. Ich kannte den Doktor G... als eine zarte
und, wie ich sagen mchte, empfindsame und poetische Natur. Er ist
ausserordentlich gebildet und dazu ausserordentlich ungeschickt,
weswegen ich ihn sehr hoch achte und sehr gern habe. An gewandten Leuten
bemerkt man stets irgend etwas Gemeines. Doktor G... liest die Memoiren
des Herzogs von Saint Simon und er begeistert sich fr die majesttische
Gestalt Ludwigs des Vierzehnten. Er schwrmt fr Alexander den Grossen,
und er findet den Emporkmmling Napoleon unertrglich. Die Frauen
schtzen ihn, wie ich lngst gemerkt habe, ziemlich gering, weil er
nicht den Eindruck eines energischen Mannes macht. Ich dagegen, der ich
ein Mann bin, finde ihn beachtenswert, weil er eine weiche Seele ist,
und ich schtze ihn hher als zweitausend Energische, denn die Energie
ist durch die Verbreitung von Bchern wie z.B. das Buch: Wie werde ich
energisch ganz gemein geworden. Nachdem er, wie gesagt, eine Weile
geschwiegen hatte, gestand er mir, dass er sich fast frchte, bei der
Hochzeit seines Freundes zugegen zu sein, dass er nichtsdestoweniger
selbstverstndlich der Einladung folgen werde, die ihm peinlich sei,
weil er so wenig Ursache habe, sich ber das Ereignis zu freuen. Er
komme sich wie aus einer traulichen warmen Stube auf die kalte Strasse
hinausgestellt vor, und er habe sich weniger auf eine Lustbarkeit als
auf den Umstand gefasst zu machen, dass er auf unerfreuliche Weise mit
seinem Innern werde kmpfen mssen. Er fhle sich so arm wie noch nie,
es sei ihm zu Mut, als habe ihm irgend jemand einen rcksichtslosen
Stoss versetzt, wodurch er sich in das traurige Bewusstsein geworfen
sehe, das ihm sage, dass er sehr einsam geworden sei. Im brigen sei ihm
das alles sehr klar, und er verstehe alles sehr gut, weil sich alles
ganz von selbst verstehe. Alter, trockener Junggeselle, murmelte er
vor sich hin, und ich sah deutlich, wie seine Augen mit einmal voll
Trnen waren. Ich muss gestehen, dass ich mich tchtig ber seine Trauer
lustig machte, und ich gebe gern zu, dass das nicht sehr zart war.




Zahnschmerzen.


Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Zeitlang heftige Zahnschmerzen
hatte. Um die Qualen zu betuben, lief ich ins Feld hinaus und brllte
dort wie Knig Lear. Zu Hause beliebte es mir, gegen die Wand zu rennen
und im Grimm einige wertvolle Sthle aus der Biedermeierzeit zu
zerschlagen, aber das Zahnweh hrte deswegen keineswegs auf, vielmehr
wurde das bel von Stunde zu Stunde rger. Des Nachts weckten die
Schauderszenen, die ich veranstaltete, smtliche Hausbewohner, es war
ein Skandal. Der hufige Genuss von feinstem Cognac half wenig. Ich
versetzte mir Hiebe ins Gesicht, hnlich wie Sancho Panza, als er den
Verlust seines Esels wahrnahm. Einmal brachte ich mir mit einem Messer
eine allerdings glcklicherweise durchaus nicht lebensgefhrliche Wunde
bei, aber diese grobe Massnahme besserte an meinem Zustand nicht das
Geringste, sondern schien die Folter nur noch zu verstrken. Endlich
ging ich zum Zahnarzt, und zwar der lieben Billigkeit halber in eine
zahntechnische Klinik, wo ich mich mit Vergngen zu Studienzwecken
hergab. Mein Mund wurde von der Hand eines Lehrfruleins sorgfltig
untersucht und hierauf begannen die Operationen. Ich darf wohl mit
einiger Berechtigung sagen, dass ich Vieles sanft ber mich ergehen
liess und dass ich Allerlei mit starker Fassung hinnahm. Manches ertrug
ich geduldig, doch von Zeit zu Zeit fand ich es fr angebracht, einen
ziemlich lauten Schrei auszustossen, was ich absichtlich tat, denn
dadurch erreichte ich, dass der Meister herbeisprang, um mit seinem
meisterlichen Knnen helfend einzugreifen, was fr mich keine
unerhebliche Wohltat war. In solchen Fllen zrnte mir freilich das
Frulein, und sie fand, dass es sehr unartig von mir sei, so starkes
Gerusch zu verursachen. Ich erlaubte mir, ihr zu sagen, dass ich noch
fters schreien wolle, sobald man mir berflssige Pein zufge. Das sei
gar nicht hbsch von mir, so zu reden, gab sie zurck. Ich kam nach und
nach in einen ganz frhlichen Verkehr mit ihr und einmal hatte sie den
Einfall, mich zu fragen, was ich sei. Ich sei etwas wie Schriftsteller,
erwiderte ich bescheiden. Sie rief laut in die zahnrztliche Stube
hinaus: Ich habe einen Schriftsteller, worauf smtliche Herren und
Damen, darunter auch der Meister, herbeigeeilt kamen, um den
eigenartigen Patienten behaglich zu betrachten. Ich wurde einer genauen
Besichtigung unterworfen. Wenn Sie Schriftsteller sind, sagte der
Meister, dann sind Sie sicher einer von den rmern, einer von denen,
die ihr Leben lang erfolglos bleiben, denn das sieht man Ihnen deutlich
an. Ich musste ber die feine Bemerkung lachen und erwiderte: Ich bin
allerdings arm und an Erfolglosigkeit hat es mir bis heute nie gefehlt,
aber das Leben kann auch ohne Erfolg hbsch sein. Wenn ich nur wieder
gesunde und schne Zhne habe, was ich lebhaft hoffe, so springe ich
herum, wie ein Hirsch und bin frhlicher als mancher sogenannte
Glckspilz.




Der andere Junggeselle.


Ein anderer Junggeselle, einer der hartnckigsten, die es je gab, ein
Frauenfeind erster Gte und doch wieder absolut kein Frauenfeind,
sondern ein ganz netter, artiger Mensch, der keinem weiblichen Wesen nur
ein Haar krmmte, tat seine Sache, erfllte auf das Eifrigste seine
Obliegenheiten und war ehrlich, solid und lebensfrhlich. Das aber war
es ja gerade, das Schurkische, nmlich, dass er frhlich war, denn es
gab Leute, die das unverzeihlich fanden. Es gab ehrenwerte und nette
Leute, die der Meinung waren, dass der gute Junggeselle verpflichtet
sei, sich unglcklich zu fhlen. Das war er jedoch keineswegs, sondern
er lebte, wie gesagt, ganz vergngt dahin und von Verzweifeln wegen
seines Junggesellentums war bei ihm keine Spur. Der Junggeselle ahnte,
dass er einige nette und achtenswerte Leute mit seiner Vergngtheit und
Zufriedenheit beleidige, und dass seine heitere unbefangene Existenz fr
diejenigen fast ein rgernis sei, die lebhaft wnschten, dass der
Junggeselle an seinem Junggesellenwesen zerschelle. Allerlei nette und
achtenswerte Leute trafen allerlei gefhrliche kriegerische
Vorkehrungen, um dem Unhold sanft oder unsanft auf den Leib zu rcken,
ihm das edle Gleichgewicht zu rauben, die Seele zu erschttern, den
guten Glauben an sich selbst zu untergraben und seine Charakterfestigkeit
zu nichte zu machen. Zahlreiche, wohlvorbereitete Angriffe wurden ins
Werk gesetzt, um des Junggesellen zhes Selbstbewusstsein zu
zerschmettern, doch es wurde nichts erreicht, denn der Schreckliche
blieb unerschtterlich. Unerhrte Leckerbissen wurden der grausamen
Bestie mit wir mchten sagen vollendeter Kunst vorgeworfen, aber das
Ungeheuer verzichtete mit diebischem Vergngen auf alle dargebotenen
Gensse, recht wohl wissend, dass es die liebliche Kost mit dem Verlust
von Freiheit und Unabhngigkeit bezahlen msse. Fallstricke wurden
gelegt, Schlingen und Angeln suberlich und appetitlich dargehalten,
Fallgruben vorbereitet, schn mit Hflichkeiten und Artigkeiten
zugedeckt, Netze wurden ausgestreckt, doch der Junggeselle fiel nicht in
die Falle und strzte nicht in die Grube, ging nicht in die Schlinge
und rannte nicht ins Netz. Eine Dame, die sich besonders Mhe gegeben
hatte, unsern guten und muntern Junggesellen zu entjunggesellen, schrieb
ihm eines Tages voll Unmut und Ungnade: Wissen Sie, dass Sie sehr
unhflich sind? Wissen Sie, dass es scharmante Leute gibt, die
berechtigt sind, von Ihnen zu sagen, dass mit Ihnen nichts anzufangen
sei? Wissen Sie, dass man allgemein ber Ihr Betragen, das sehr
absonderlich ist, die Achsel zuckt und den Kopf schttelt? Man glaubte
sich einreden zu drfen, dass Sie unglcklich seien, nun sind Sie aber
scheinbar ganz glcklich und vergngt. Statt herzlich froh zu sein, dass
reizende und nette Leute Sie aus dem Kerker des Junggesellenstandes zu
erlsen versuchten, sptteln und lcheln Sie wohl gar noch! Das ist
nicht fein, leben Sie wohl. Ich berlasse Sie der Menge von Vorwrfen,
die Sie sich zu machen haben. Ihr Betragen muss von niemand anderem so
aufrichtig bedauert werden, wie von Ihnen selber. -- Gndige Frau,
schrieb der standhafte Junggeselle anmutig und manierlich zurck: Ich
vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend einen Vorwurf zu machen
htte. Gndige Frau werden mir gtig erlauben, zu bemerken, dass ich mir
unmglich einreden darf, es habe irgend jemand an der rein menschlichen
Verfassung, die ich vergegenwrtige, ein Interesse. Ich beklage die sehr
unangenehme und bedauerliche Tatsache, dass sich nette und scharmante
Leute meinethalb umsonst angestrengt haben; verantwortlich kann ich mich
jedoch hiefr ganz unmglich fhlen. Ich bin so frei, Sie daran zu
erinnern, dass ich als Mann von einiger Bildung entschlossen sein muss,
zu denken, ich sei fhig, fr mein Wohlergehen jederzeit selber zu
sorgen.




Schwendimann.


Einmal war ein sonderbarer Mann. Hallo, hallo, was denn fr ein
sonderbarer Mann? Wie alt war er, und woher kam er? Das weiss ich nicht.
So kannst du mir vielleicht sagen, wie er hiess? Er hiess Schwendimann.
Aha, Schwendimann! Gut, sehr gut, trs bien, trs bien. Fahre also fort,
wenn es dir gefllt und sage uns: was wollte denn der Schwendimann? Was
er wollte? Hm, das wusste er wohl selber nicht recht. Er wollte nicht
viel, aber er wollte etwas Rechtes. Was suchte, nach was forschte
Schwendimann? Er suchte nicht viel, aber er suchte etwas Rechtes.
Zerfahren, verloren in weiter Welt war er. So, so? Verloren? Aha,
zerfahren! Grosser Gott, wo hinaus soll es denn mit dem armen Mann? Ins
Nichts, ins All oder in was sonst? Bange Frage! Alle Leute schauten ihn
fragend an, und er die Leute. O wie ngstlich, wie klglich! Er ging so
dahin, matt und schwerfllig, mit wankenden unsicheren Schritten, und
die Schulkinder liefen ihm mutwillig nach und neckten und fragten ihn:
Was suchst du, Schwendimann? Er suchte nicht viel, aber er suchte das
Rechte. Mit der Zeit hoffte er das Rechte schon zu finden. Das wird
sich finden, murmelte er in seinen zerzausten schwarzen Bart.
Schwendimanns Bart war ganz struppig. So, so? Struppig? Sessa! Voil!
Ausgezeichnet. In der Tat! Hochinteressant! Mit eins und so stand er vor
dem Rathaus. Mir ist weder zu helfen noch zu raten, sagte er, und da
er seines Wissens im Rathaus nicht das geringste zu suchen hatte, so
ging er sachte weiter und kam vor das Armenhaus. Ich bin wohl arm,
aber ich gehre nicht ins Armenhaus, dachte er und ging fleissig
weiter, und nach einer Weile kam er unvermutet vor das Spritzenhaus. Es
brennt nirgends! machte er und ging mrrisch weiter. Einige Schritte
weiter kam das Pfandhaus. Ich habe in Gottes weiter Welt nichts zu
pfnden, und eine kleine Strecke weiter das Badhaus. Ich brauche nicht
zu baden! Als er nach einiger Zeit vor das Schulhaus kam, sagte er:
Die Zeiten, wo ich zur Schule gegangen bin, sind vorber, und ging
leise weiter, indem er den sonderbaren Kopf schttelte. Mit der Zeit
komme ich schon vor das rechte Haus, sagte er. Nicht lange und so stand
Meister Schwendimann vor einem grossen, finstern Gebude. Es war das
Zuchthaus. Ich verdiene nicht Strafe, ich verdiene etwas Anderes,
sprach er dunkel vor sich hin und marschierte weiter und gelangte bald
vor ein anderes Haus, nmlich vor das Krankenhaus, wo er sagte: Ich bin
nicht krank, ich bin anders. Ich habe keine Krankenpflege ntig, ich
habe etwas ganz Anderes ntig. Schwankend ging er weiter, heller,
heiterer Tag war's, die Sonne blitzte und die hbschen Strassen waren
voll Leute, und das Wetter war so suberlich, so freundlich, aber
Schwendimann achtete nicht auf das schne Wetter. Da kam er vor das
Elternhaus, vor das liebe Haus der Kindheit, vor sein Geburtshaus. Ich
mchte wohl wieder ein Kind sein und Eltern haben, aber die Eltern sind
gestorben und die Kindheit kommt nicht wieder zurck. Zgernd mit
bedchtigen Schritten ging er weiter und sah das Ballhaus und nachher
das Kaufhaus. Vor dem Tanzhaus sagte er: Ich mag nicht tanzen, und vor
dem Kaufhaus: Ich kaufe und verkaufe nichts. Da wurde es allmhlich
Abend. Wohin gehrte denn eigentlich Schwendimann? Ins Arbeitshaus? Er
hatte keine Lust mehr, zu arbeiten. Oder ins Freudenhaus? Lust und
Freude sind mir vergangen. Nicht lange ging es und so stand er vor dem
Gerichtshaus, und da sagte er: Ich brauche keinen Richter, ich brauche
etwas Anderes. Vor dem Schlachthaus meinte er: Ich bin kein
Schlchter. Im Pfarrhaus hatte er seines Bednkens nichts zu schaffen,
und im Schauspielhaus haben Leute wie Schwendimann kaum etwas zu suchen,
auch ins Konzerthaus treten solche Leute nicht. Still und mechanisch
ging er weiter, vermochte kaum die Augen offen zu behalten, so mde war
er. Es war ihm, als schlafe er, als marschiere er im Schlafe. Wann
kommst du wohl vor das rechte Haus, Schwendimann? -- Geduld, das wird
sich finden. Er kam vor ein Trauerhaus. Ich bin wohl traurig, aber ich
gehre nicht ins Trauerhaus und ging weiter; kam vor das Gotteshaus und
ging wortlos weiter und kam vor ein Gasthaus, wo er sprach: Ich bin
kein guter Gast, und niemand sieht mich gern, und ging seinen Weg
weiter. Endlich, nach beschwerlicher Wanderung, nachdem es schon dunkel
geworden war, kam er vor das rechte Haus, und sobald er es sah, sagte
er: Endlich habe ich gefunden, was ich suche. Hier hinein gehre ich.
Ein Gerippe stand an der Tre, er fragte: Darf ich wohl hier eintreten,
um auszuruhen? Das Gerippe grinste auf das freundlichste und sagte:
Guten Abend, Schwendimann. Ich kenne dich wohl. Komm nur herein. Du
bist willkommen. Er trat in das Haus hinein, das am Ende jeder findet,
und wo nicht nur fr ihn, sondern fr Alle Platz vorhanden ist, und wie
er hineingekommen war, sank er um und war tot, denn er war ins
Totenhaus gekommen, und hier hatte er Ruhe.




Ich habe nichts.


Sorglos und heiter, wie nur ein rechter Habenichts sein kann, wanderte
eines Tages durch das schne grne Land ein guter Bursche mit einer
dummen Nase. An Busch und Baum, an Haus und Hof vorbei, durch Wald und
Feld ging er vergngt, leicht, froh und nett dahin, und weil er ein so
gutmtiges Gesicht hatte, so grssten ihn alle Leute beraus freundlich,
und das war natrlich dem Burschen nichts als recht. Er war aber auch
einer, der es mit allen Geschpfen, sei's Mensch, sei's Tier, herzlich
gut meinte, und hold gesinnt war er der ganzen Welt, und das sahen ihm
die Leute an, die ja immer sogleich alles von Weitem merken. Ehrbar und
leise sagte er jedermann sein: Guten Abend, denn der schne Edelknabe
Abend schlich mit Goldhnden und Goldaugen bereits zwischen den Husern
und Bumen herum, und aus nah und fern tnte der Klang der Glocken. Wie
nun der Bursche an einer Wiese vorbeiging, streckte ihm ein Klbchen
seinen Kopf dar und gab ihm zu verstehen, dass es etwas von ihm haben
wolle. Oder vielleicht wollte es Freundschaft mit ihm schliessen, ihm
etwas sagen, ihm etwas von seinem Klbchenleben erzhlen. Ich habe
nichts, du gutes Tier. Gern gbe ich dir etwas, wenn ich etwas htte,
sagte der Bursche und ging weiter, aber im Weitergehen musste er
immerfort an das Klbchen denken, das etwas von ihm haben wollte. Etwas
spter ging er an einem prchtigen Bauernhaus vorbei, das am Waldrand
lag. Da rannte mit lautem Gebell ein grosser Hund gegen ihn los, dass er
ganz ngstlich wurde. Aber die ngstlichkeit war berflssig; der Hund
sprang wohl hoch an ihm auf, aber nicht zornig, sondern freundlich, und
das Gebell war die deutliche Kundgebung der Freude, und die gute Buerin
htte nicht ntig gehabt, dem Tier von weit her zuzurufen, es solle
nicht Leute so unmanierlich anfallen. Was willst du von mir, du gutes
Tier? Ich sehe wohl, dass du etwas von mir haben mchtest, aber ich habe
leider Gottes nichts. Gerne gbe ich dir etwas, wenn ich etwas htte,
sagte der Bursche, den der grosse Hund in den Buchenwald
hineinbegleitete, als wolle er Freundschaft mit ihm schliessen und ihm
von seinem Tierdasein allerlei erzhlen. Als indessen der Hund sah, dass
sein Freund weiter und weiter ging, hielt er mit Begleiten inne und
kehrte wieder zum Bauernhaus und zu seiner Pflicht zurck, und der
Bursche wanderte weiter, aber im Weiterwandern musste er immerfort an
den Hund denken, der sich so zutraulich an ihn anschloss und der gewiss
etwas von ihm haben wollte. Nach einer guten Weile, unten im Tale, traf
der Bursche auf der schnen breiten Landstrasse eine Ziege an, die, als
sie ihn sah, sogleich auf ihn zukam und sich ihm freundlich zugesellte,
wie wenn sie ein freundschaftsbedrftiger Mensch wre und ihm Vielerlei
aus ihrem armen Ziegenleben htte anvertrauen wollen. Du mchtest wohl
etwas von mir haben, aber ich habe nichts. Gerne gbe ich dir etwas,
wenn ich etwas htte, du gutes Tier, sagte er voll Mitleid und ging
weiter, aber im Weitergehen musste er immerfort an die Tiere denken, die
etwas von ihm haben wollten, an die Ziege, an den Hund und an das
Klbchen, die da Freundschaft mit ihm hatten schliessen und ihm von
ihrem stummen, geduldigen, dumpfen Dasein hatten erzhlen wollen, die
keine Sprache haben und nicht reden knnen, die zum Nutzen der Menschen
gefangen und geknechtet in der Welt stehen, denen er gut war, wie auch
sie ihm wieder gut waren, die er von Herzen gern mit sich genommen
htte, die ihn vielleicht gerne weithin begleitet htten, die er gerne
aus dem engen armen Tierreich in eine freiere, bessere Existenz htte
hinberziehen helfen mgen. Aber ich bin ja nichts, kann ja nichts,
habe in Gottes Namen nichts, und in dieser weiten grossen Welt bin ich
nur ein armer, schwacher, machtloser Mensch, sprach er, und wie er die
Welt so schn sah, und wie er so an die Tiere dachte, und daran, dass er
und alle seine Freunde, Menschen und Tiere, so hilflos seien, konnte er
unmglich weitergehen. Er legte sich, unweit von der Strasse, in die
Wiese, um sich satt zu weinen, so ein dummer Bursche!




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aus Japan (mit Abbildungen) - CARL FRIEDRICH WIEGAND, Trauermarsch
(Gedicht) - ROBERT FAESI, Alfred Kerrs Theaterkritik - ADOLF FREY,
Bergaufenthalt (Gedicht) - DOMINIK MLLER, Feliza (Novelle) - OSCAR
WETTSTEIN, Bundespolitik - JOSEF VICTOR WIDMANN, Berner Geschichtli
(3 Gedichte) - HANS SCHULER, Die Frderung des schweizer. Aussenhandels
- CARL ALBERT LOOSLI, Der Hubbauer (Novelle) - JULIUS FREY, Die
finanzielle Kriegsbereitschaft der Schweiz - ALFR. HUGGENBERGER, Das
Hflein (Gedicht) - OTTO KOLLBRUNNER, Paraffinprothesen - GOTTFRIED
BOHNENBLUST, Weltensturm (Gedicht) - MARIA WASER, Knstlerische
Handschrift (mit Abbild.) - HANS MHLESTEIN, Wieder klar (Gedicht) -
EDUARD FUETER, Eine natrliche Weltsprache - EMANUEL VON BODMANN,
Herbstlicher Garten (Gedicht) - CARL ALBRECHT BERNOULLI, Nietzsches
Lou-Erlebnis - MAX GEILINGER, berraschung (Gedicht) - CARL FRIEDRICH
WIEGAND, Detlev von Liliencron - HERMANN HESSE, Trauer (Gedicht) -
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STRASSER, Hochzeitscarmen (Gedicht) - etc. etc.


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unser Gestaltungsverdienst - C.F. WIEGAND, Sechs Gedichte - H.G.
PRECONI, Posten Vier - P. KAEGI, Das hohe Lied - Liebessang und -Spiel
aus der Knigswoche - Dr. E. ZIEGLER, Casanovas Bekehrung - R. FAESI,
Drei Gedichte - K. FALKE, Grostadt - FR. CHIESA, Preghiera - Prof. Dr.
W. WYSSLING, Die Elektrifikation der schweizerischen Bahnen - DOM.
MLLER, Hhnersalon - J. BOSSHART, Im Rotbuchenlaub - CH. STRASSER,
Vulkan Yzalco - H. GANZ, Reiseblatt - Prof. C. MOSER, Das Zrcher
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Wenks Heimsuchung - K. FALKE, Trilogie der Liebe - FR. HOFER,
Alpenmrchen - A. CASTELL, Der hohe Tag - G. RODENBACH, Das Kstchen -
J.V. WIDMANN, Der Katechet - C.A. BERNOULLI, Boromus-Enzyklika - P.
ALTHEER, Erwartung - A. BAUR, Die wirtschaftliche Bedeutung der Form -
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Raschers Jahrbuch fr Schweizer Art und Kunst III

Herausgegeben von KONRAD FALKE

Illustriert. Preis broschiert Fr.5.35, gebunden Fr.6.70

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CHRISTOPH HEER, Gedichte - GRETHE AUER, Das Antlitz der Hatschepsut -
FRIDOLIN HOFER, Im Mondlicht lesend (Gedicht) - JOSEF VICTOR WIDMANN,
Der Gorilla - JOHANNA SIEBEL, Ein neues Sein (Gedichte) - KONRAD FALKE,
Drei Essays - MAX NUSSBERGER, Elegie - HECTORG. PRECONI, Der Mann mit
den sieben Seelen - ALFRED HUGGENBERGER, Die drei Wlfe (Gedicht) -
WALTHER KHLER, Die Trennung von Staat und Kirche - ROBERT FAESI,
Abendlieder - MARIA WASER, Unter dem Quittenbaum - PAUL ALTHEER, Krnze
(Gedicht) - HERM. KURZ, Kapitalanlagen im Ausland - KONRAD FALKE, Im
Reiche des Phlegethon - JAKOB SCHAFFNER, Der Fuchs (Novelle) - ROBERT
JAKOB LANG, Jugend (Gedichte) - C.G. JUNG, Neue Bahnen der Psychologie
- ALBERT FISCHLI, Abend im Walde (Gedicht) - SCHLER ALS DICHTER (Zwei
Aufstze) - CHARLOT STRASSER, Das Narrenhaus (Gedicht) - EMIL HGLI,
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NIGGLI und EDUARD KORRODI, Zwei Siebzigjhrige (Friedrich Hegar und
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Schriften fr Schweizer Art und Kunst


Unter diesem Titel verffentlicht der unterzeichnete Verlag eine
Sammlung von Schriften in Broschren- oder Buchform, in welcher vor
allem nationale Fragen, die in der jetzigen Zeit das grsste Interesse
beanspruchen, behandelt werden. Doch sollen auch rechtswissenschaftliche,
nationalkonomische, philosophische, geschichtliche und
literarisch-knstlerische Abhandlungen, Novellen und Gedichte in
dieselbe aufgenommen werden, sofern ihnen allgemein schweizerische
Bedeutung zukommt. Fr die einzelnen Hefte ist kein einheitlicher Preis
festgesetzt, damit nicht der Verfasser an einen bestimmten Umfang der
Schrift gebunden ist. Die Redaktion der Sammlung bernimmt der Verleger,
ohne jedoch zum Inhalt der einzelnen Broschren Stellung zu nehmen.

Heft 1 =KONRAD FALKE=, =Der schweizerische Kulturwille=. Ein Wort an die
Gebildeten des Landes. Fr.1.--

Heft 2 =CARL SPITTELER=, =Unser Schweizer Standpunkt=. Vortrag, gehalten
in der Neuen Helvet. Gesellschaft, Gruppe Zrich. 60Cts.

Heft 3 =Dr. EUGEN GROSSMANN=, Professor der Finanzwissenschaft an
der Universitt Zrich, =Die Deckung der schweizerischen
Mobilisationskosten=. 80Cts.

Heft 4 =OSKAR HHN, Ingenieur=, =Ratschlge zur Berufswahl=. Eine
nationale Frage, 60Cts., billige Volksausgabe 30Cts.

Heft 5 =J.C. BLUNTSCHLI=, =Die schweizerische Nationalitt=. Eine
politische Studie, 60Cts.

Heft 6 =Professor Dr. LAUR=, =Industrie und Landwirtschaft=.

Heft 7 =Dr. C.A. SCHMID=, =Internationale Armenfrsorge=. Eine
nationale Frage, 50Cts.

Heft 8 =Professor Dr. LAUR=, =Die Wehrkraft des Schweizervolkes und der
Bauernstand=. 60Cts.

Heft 9 =Dr. HANS TNDURY=, Professor an der Universitt Genf,
=Wirtschaftliche Unabhngigkeit=, 60Cts.

Heft 10 =Dr. ERNST GAGLIARDI=, =Die Entstehung der schweizerischen
Neutralitt=, 60Cts.

Heft 11/13 =Dr. ROBERT FAESI=, =Carl Spitteler=, eine Darstellung seiner
dichterischen Persnlichkeit, Fr.1.70.

Heft 14/15 =Professor Dr. M. GROSSMANN=, =Nationale Forderungen an die
schweizerische Mittelschule=. Fr.1.--

Heft 16/17 =KONRAD FALKE=, =Das demokratische Ideal und unsere nationale
Erziehung=. Fr.1.--

Heft 18/19 =Dr. C.A. SCHMID=, =Unsere Fremdenfrage=, Fr.1.20.

Heft 20 =ED. BOOS-JEGHER=, =Unsere Absatzverhltnisse=, 80Cts.

Heft 21/23 =HELVETICUS=, =Die Schweizer. Bahnen, Posten und
Telegraphen=, Fr.2.--.

Heft 24/25 =Dr. ROBERT DURRER=, =Kriegsbetrachtungen=, Fr.1.--.

Heft 26/27 =RAPPARD=, Professor an der Universitt Genf, =Zur nationalen
Verstndigung=, Fr.1.--.

Heft 28 =KELLER, ADOLF=, Pfarrer, =Von der innern Erneuerung=, 60Cts.

Heft 29 =HUBER, Prof. Dr. Max=, =Der schweiz. Staatsgedanke=, 40Cts.

Heft 30 =FEDERER, Heinrich=, =Unser Herrgott u. der Schweizer=, 70Cts.

Heft 31/34 =MAEDER, Dr. ALPHONSE=, =Ferdinand Hodler=. Eine Skizze
der seelischen Entwicklung des Knstlers und seine Bedeutung fr die
schweizerisch-nationale Kultur, mit 8 ganzseitigen Illustrationen,
ca. Fr.2.--

Heft 35 =KARL SCHEURER u. Prof. Dr. LUCIEN GAUTIER=, =Pflicht und Wille=
- =Devoir et Volont= -- =Zofinger Stimmen= - =Paroles Zofingiens=,
80Cts.

Heft 36/37 =Dr. HEINRICH FLACH=, Professor am kantonalen Lehrerseminar
in Ksnacht-Zrich, =Die Bestrebungen der Helvetischen Gesellschaft des
XVIII. Jahrh.= Fr.1.20.

Heft 38 =STOCKER O.=, Sekretr fr Lehrstellenvermittlung in Basel,
=Erfahrungen in der Berufsberatung=, 60Cts.

Heft 39/40 =Dr. C. BENZIGER-Bern=, =Schweiz. Verkehrsprobleme=, Fr.1.

Heft 41/42 =Dr. ERNST RST=, Professor an der kant. Handelsschule in
Zrich, =Eine schweizerische Versuchssttte und Beratungsstelle fr
Industrie und Gewerbe=, ca. Fr.1.20.

Heft 43 =Lieut. OSCAR BOSSHARDT=, Stabssekretr des Generals,
=Durchhalten!= Schweizerpflichten -- Soldatenpflichten. 60Cts.

Heft 44/45 =GOTTFR. KELLER=, =Der Landvogt von Greifensee=, kart. ca.
Fr.1.--, in Geschenkband ca. Fr.2.--

Heft 46 =R. VON TAVEL=, =D'Glogge vo Nechterswyl=, kart. ca. Fr.--.80,
in Geschenkband ca. Fr.1.60

Heft 47/48 =KONRAD FALKE=, =Der Marienmaler=, kart. ca. Fr.--.80, in
Geschenkband ca. Fr.1.60

Heft 49 =CHARLOT STRASSER=, =In Vlker zerrissen=, kart. ca. Fr.--.80,
in Geschenkband ca. Fr.1.60

Heft 50 =JAKOB BOSSHART=, =Das Erbteil=, kart. ca. Fr.--.80, in
Geschenkband ca. Fr.1.60

Heft 51/52 =HELVETICUS=, =Aktuelle Fragen des Schweizerischen
Gewerbestandes=, ca. Fr.1.20

Heft 53/54 =Prof. Dr. PAUL SEIPPEL=, =Helvetische Wahrheiten=, ca.
Fr.1.20

Heft 55 =ROBERT WALSER=, =Prosastcke=, mit Umschlagzeichnung von =Karl
Walser=, kart. ca. Fr.--.80, in Geschenkband ca. Fr.1.60

Heft 56/57 =CHARLES GOS=, =Ausgewhlte Skizzen von der Grenzwacht=,
kart. ca. Fr.--.80, in Geschenkband ca. Fr.1.60

Heft 58 =MARIA WASER=, =Das Jtvreni=, kart. ca. Fr.--.80, in
Geschenkband ca. Fr.1.60

Preis fr 10 verschiedene Hefte bei =gleichzeitigem= Bezug Fr.5.--

=Abonnementspreis fr je 10 Hefte Fr.5.--=

                   *       *       *       *       *

Spittelers Sprachkunst

von

=Dr. phil. A. STEIGER, Professor an der Kantonsschule in Zrich.= Preis
80Cts.

                   *       *       *       *       *

Paul Seippel

=Die heutigen Ereignisse vom Standpunkte der romanischen Schweiz.=
60Cts.

                   *       *       *       *       *

=Das Vlkerrecht und der Krieg 1914/15= von =Dr. jur. OTTO ZOLLER.=
10 Druckbogen, Fr.2.--

                   *       *       *       *       *

=PAUL SEIPPEL=, =Les Evnements actuels vus de la Suisse Romande=,
60Cts.

                   *       *       *       *       *

=PAUL WERNLE=

=Gedanken eines Deutsch-Schweizers=, 60Cts.

                   *       *       *       *       *

=Zwei Jahre Zivil-Gesetzbuch=

=Entscheide und Erfahrungen aus der Praxis einer ersten Instanz von Dr.
jur. HANS FRITZSCHE, Gerichtschreiber am Bezirksgericht Horgen.=

Preis Fr.2.--

                   *       *       *       *       *

=Die geschichtlichen Grundlagen des Weltkrieges von Dr. HERMANN BCHTOLD,
Privatdozent der Geschichte an der Universitt Basel=

Preis Fr.1.--




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

  Koffermann, packen Sie sofort ihren Koffer oder meinetwegen Kfferchen
  Koffermann, packen Sie sofort Ihren Koffer oder meinetwegen Kfferchen

  Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierrot
  Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierot

  eigenes Vergngen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb und der
  eigenes Vergngen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb, und der

  habe. Es ist nicht bekannt, antwortete er man hat es vergessen.
  habe. Es ist nicht bekannt, antwortete er, man hat es vergessen.

  vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend ein Vorwurf zu machen
  vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend einen Vorwurf zu machen

  - ALBERT FISCHLI, Abend im Walde - (Gedicht) - SCHLER ALS DICHTER (Zwei
  - ALBERT FISCHLI, Abend im Walde (Gedicht) - SCHLER ALS DICHTER (Zwei

  RASCHERS JAHRBUCH fr Schweizer Art und Kunst, Bd.IV: Schweizer.
  RASCHER'S JAHRBUCH fr Schweizer Art und Kunst, Bd.IV: Schweizer.

  ]





End of the Project Gutenberg EBook of Prosastcke, by Robert Walser

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Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
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remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
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approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
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