The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
       Dritter Band

Author: Thomas Babington Macaulay

Translator: Wilhelm Hartwig Beseler

Release Date: October 12, 2009 [EBook #30237]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND ***




Produced by Louise Hope, richyfourtytwo and the Online
Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net





[Zeichen _wie so_ bedeuten Gesperrt; +wie so+ bedeuten Antiqua
(nicht-Fraktur); =wie so= bedeuten Fettschrift.]




  Thomas Babington Macaulay's

  Geschichte von England


  seit der

  Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.


  Aus dem Englischen.


  +Vollstndige und wohlfeilste Stereotyp-Ausgabe.+


  Dritter Band


  Leipzig, 1854.
  _G. H. Friedlein._


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *


  Fnftes Kapitel.

  Jakob II.




  =Inhalt.=

                                                               Seite
  Whiggistische Flchtlinge auf dem Festlande                      5
  Ihre Correspondenten in England                                  5
  Character der Oberhupter der Flchtlinge                        6
  Ayloffe                                                          6
  Wade                                                             7
  Goodenough                                                       7
  Rumbold                                                          7
  Lord Grey                                                        8
  Monmouth                                                         9
  Ferguson                                                        10
  Schottische Flchtlinge                                         13
  Der Earl von Argyle                                             13
  Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane                        15
  Fletcher von Saltoun                                            16
  Unverstndiges Benehmen der schottischen Flchtlinge            16
  Anstalten zu einem Unternehmen gegen England
      und Schottland                                              17
  Johann Locke                                                    19
  Vorkehrungen der Regierung zur Vertheidigung Schottlands        20
  Unterredung Jakob's mit den hollndischen Gesandten             20
  Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern          20
  Argyle's Abreise von Holland                                    22
  Argyle landet in Schottland                                     22
  Argyle's Zwistigkeiten mit seinen Begleitern                    23
  Stimmung der schottischen Nation                                24
  Argyle's Truppe zerstreut                                       27
  Argyle gefangen genommen                                        28
  Argyle's Hinrichtung                                            31
  Rumbold's Hinrichtung                                           32
  Ayloffe's Tod                                                   33
  Verwstung von Argyleshire                                      34
  Erfolglose Versuche, Monmouth's Abreise von Holland
      zu verhindern                                               35
  Monmouth's Ankunft in Lyme                                      36
  Seine Erklrung                                                 37
  Seine Popularitt im Westen Englands                            38
  Zusammensto der Rebellen mit der Miliz in Bridport             39
  Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster       41
  Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London               41
  Loyalitt des Parlaments                                        41
  Monmouth's Empfang in Taunton                                   44
  Monmouth nimmt den Knigstitel an                               46
  Sein Empfang in Bridgewater                                     49
  Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande                      50
  Sein Plan auf Bristol                                           53
  Er giebt den Plan auf Bristol auf                               53
  Gefecht bei Philip's Norton                                     54
  Monmouth's Verzagtheit                                          55
  Seine Rckkehr nach Bridgewater                                 56
  Die knigliche Armee schlgt bei Sedgemoor ein Lager auf        56
  Schlacht von Sedgemoor                                          59
  Verfolgung der Rebellen                                         63
  Militairische Hinrichtungen                                     64
  Monmouth's Flucht                                               64
  Seine Gefangennehmung                                           65
  Sein Brief an den Knig                                         67
  Er wird nach London abgefhrt                                   67
  Seine Unterredung mit dem Knige                                68
  Seine Hinrichtung                                               71
  Wie das niedere Volk sein Andenken ehrte                        73
  Grausamkeiten der Soldaten im Westen                            75
  Kirke                                                           75
  Jeffreys reist zu den westlichen Assisen ab                     79
  Proze der Alice Lisle                                          79
  Die blutigen Assisen                                            82
  Abraham Holmes                                                  85
  Christoph Battiscombe                                           85
  Die Gebrder Hewling                                            86
  Tutchin's Strafe                                                88
  Deportation von Rebellen                                        87
  Confiscationen und Erpressungen                                 88
  Habgier der Knigin und ihrer Hofdamen                          89
  Verfahren gegen Grey, Cochrane, Storey, Wade,
      Goodenough und Ferguson                                     91
  Jeffreys zum Lordkanzler ernannt                                93
  Cornish's Proze und Hinrichtung                                94
  Proze und Hinrichtung Fernley's und der Elisabeth Gaunt        95
  Proze und Hinrichtung Bateman's                                97
  Grausame Verfolgung der protestantischen Dissenters             97




[_Whiggistische Flchtlinge auf dem Festlande._] Gegen das Ende der
Regierung Karl's II. hatten einige Whigs, welche in das ihrer Partei so
verderblich gewordene Complot verwickelt waren und wuten, da man ihnen
den Untergang geschworen, in den Niederlanden eine Zufluchtssttte
gesucht.

Diese Flchtlinge waren grtentheils Leute von heibltigem
Temperament, aber schwachem Urtheile, und berdies waren sie von der
sonderbaren Tuschung befangen, die ihrer Lage eigen zu sein scheint.
Ein Politiker, welcher durch eine feindliche Partei in die Verbannung
getrieben wurde, erblickt die Gesellschaft, die er verlassen, in der
Regel in einem falschen Lichte. Jeder Gegenstand erhlt durch den
Schmerz, durch die Sehnsucht und durch den Ha eine andre Gestalt und
Frbung. Jede kleine Unzufriedenheit scheint ihm eine Revolution zu
verknden, jeder Tumult dnkt ihm ein Aufstand. Er ist nicht davon zu
berzeugen, da sein Vaterland sich nicht eben so schmerzlich nach ihm
sehnt, wie er sich nach demselben sehnt, er bildet sich ein, da alle
seine alten Gesinnungsgenossen, die noch in der Heimath und im
ungestrten Genusse ihres Vermgens sind, von den nmlichen Gefhlen
geqult werden, welche ihm das Leben zu einer Last machen. Je lnger
seine Verbannung dauert, um so grer wird diese Tuschung. Die Zeit,
welche den Feuereifer der zurckgelassenen Freunde dmpft, schrt den
seinigen nur noch mehr an. Mit jedem Monate wird sein sehnschtiges
Verlangen nach der Heimath strker, und mit jedem Monate denkt sein
Vaterland seltener an ihn und vermit ihn weniger. Diese Tuschung wird
fast zum Wahnsinn, wenn viele Verbannte, die um der nmlichen Sache
willen leiden, an einer fremden Kste beisammenwohnen. Ihre
Hauptbeschftigung ist, davon zu sprechen, was sie einst waren und was
sie vielleicht noch einmal werden knnen, einander zum Hasse gegen den
gemeinschaftlichen Feind aufzustacheln und sich gegenseitig mit
berspannten Hoffnungen auf Sieg und Rache zu nhren. So werden sie reif
zu Unternehmungen, welche Jedermann, den die Leidenschaft nicht der
Fhigkeit beraubt hat, die Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, von
vornherein fr hoffnungslos erklren wrde.


[_Ihre Correspondenten in England._] In dieser Stimmung waren viele der
Verwiesenen, die sich auf dem Continent gesammelt hatten. Der
Briefwechsel, den sie mit England unterhielten, diente grtentheils nur
dazu, ihre Gefhle noch mehr aufzureizen und ihr Urtheil irre zu fhren.
Ihre Nachrichten von dem Zustande der ffentlichen Meinung erhielten sie
hauptschlich von den schlimmsten Mitgliedern der Whigpartei, von
Mnnern, welche Verschwrer und Pasquillanten von Profession waren, die
von den Gerichten verfolgt wurden, die nur verkleidet durch abgelegene
Gassen schleichen und sich zuweilen Wochen lang auf Bden oder in
Kellern versteckt halten muten. Die Staatsmnner, welche die Zierden
der Vaterlandspartei gewesen waren, die Staatsmnner, welche spter die
Berathungen des Convents leiteten, wrden ganz andere Rathschlge
gegeben haben, als Mnner wie Johann Wildman und Heinrich Danvers sie
gaben.

Wildman hatte vierzig Jahre frher im Parlamentsheere gedient, sich aber
in dieser Stellung mehr als Whler, denn als Soldat ausgezeichnet, und
hatte das Waffenhandwerk bald wieder aufgegeben, um andere Zwecke zu
verfolgen, die seinem Character mehr zusagten. Sein Ha gegen die
Monarchie hatte ihn angetrieben, sich in eine lange Reihe von
Verschwrungen einzulassen, zuerst gegen den Protector und dann gegen
die Stuarts. Wildman verband jedoch mit seinem Fanatismus eine zrtliche
Sorge fr seine persnliche Sicherheit. Er besa eine seltene
Geschicklichkeit darin, die Schwelle des Hochverraths nicht zu
berschreiten. Niemand verstand es besser als er, Andere zu
verzweifelten Unternehmungen durch Worte anzureizen, welche vor Gericht
unschuldig, oder schlimmsten Falls doch nur zweideutig erscheinen
konnten. Seine Verschlagenheit war so gro, da er, obgleich er
bestndig complotirte, obgleich er von jeher als Verschwrer bekannt war
und obgleich ihn eine rachschtige Regierung lange Zeit mit feindseligem
Argwohn beobachtete, doch immer jeder Gefahr entging und ruhig in seinem
Bette starb, nachdem er zwei Generationen seiner Mitschuldigen am Galgen
hatte enden sehen.[1] Danvers war ein Mensch von gleichem Schlage,
heibltig, aber kleinmthig, durch glhende Begeisterung fortwhrend
bis an den Rand der Gefahr getrieben, durch die Feigheit aber immer
wieder an diesem Rande zurckgehalten. Er hatte unter einem Theile der
Baptisten groen Einflu, hatte viel zur Vertheidigung ihrer sonderbaren
Ansichten geschrieben und sich durch den Versuch, das Verbrechen des
Matthias und Johann von Leyden zu beschnigen, den strengen Tadel der
ehrenwerthesten Puritaner zugezogen. Htte er ein wenig Muth besessen,
so ist es wahrscheinlich, da er in die Futapfen der Elenden getreten
wre, die er vertheidigte. Er mute sich damals vor den Beamten der
Justiz verbergen, da wegen einer grobverleumderischen Schrift, als deren
Verfasser die Regierung ihn entdeckt hatte, Verhaftsbefehle gegen ihn
erlassen waren.[2]

    [Anmerkung 1: +Clarendon's History of the Rebellion, book XIV.+;
    +Burnet's Own Times, I. 546, 625+; +Wade's and Ireton's
    Narratives, Lansdowne M.S. 1152+; West's Anklage im Anhange zu
    +Sprat's True Account.+]

    [Anmerkung 2: +London Gazette, Jan. 4. 1684/85+; +Ferguson M.S. in
    Eachard's History, III. 764+; +Grey's Narrative+; +Sprat's True
    Account+; +Danvers's Treatise on Baptism+; +Danvers's Innocency
    and Truth vindicated+; +Crosley's History of the English
    Baptists.+]


[_Character der Oberhupter der Flchtlinge._] Man kann leicht denken,
welcher Art die Mittheilungen und Rathschlge waren, die solche Mnner
den Gechteten in den Niederlanden zukommen lieen. Nach einigen wenigen
Proben wird man sich eine Vorstellung von dem allgemeinen Character der
Letzteren bilden knnen.


[_Ayloffe._] Einer der hervorragendsten unter ihnen war Johann Ayloffe,
ein Jurist, der mit den Hyde, und durch die Hyde wieder mit Jakob
verwandt war. Er hatte sich schon frhzeitig durch eine sonderbare
Beleidigung der Regierung bemerkbar gemacht. Zu der Zeit nmlich, als
der Einflu des Hofes von Versailles allgemeinen Unwillen erregte, hatte
er einen hlzernen Schuh, bei den Englndern das feststehende Sinnbild
der franzsischen Tyrannei, auf den Prsidentenstuhl des Hauses der
Gemeinen gelegt. Spter hatte er an dem whiggistischen Complot Theil
genommen, aber man hat keinen Grund zu der Vermuthung, da er um den
Plan, die kniglichen Brder zu ermorden, gewut habe. Er war ein Mann
von Talent und Muth, sein moralischer Charakter aber stand auf keiner
hohen Stufe. Die puritanischen Theologen raunten einander zu, da er ein
gewissenloser Gallio oder etwas noch Schlimmeres sei und da bei all
seinem Eifer fr die brgerliche Freiheit die Heiligen wohl daran thun
wrden, jeden Umgang mit ihm zu vermeiden.[3]

    [Anmerkung 3: +Sprat's True Account+; +Burnet I. 634+; +Wade's
    Confession, Harl. M.S. 6845.+ Lord Howard von Escrick beschuldigte
    Ayloffe, da er die Ermordung des Herzogs von York vorgeschlagen
    habe; aber Lord Howard war ein abscheulicher Lgner und diese
    Erzhlung war kein Theil seines ursprnglichen Bekenntnisses,
    sondern wurde erst spter als Supplement hinzugefgt und verdient
    daher durchaus keinen Glauben.]


[_Wade._] Nathaniel Wade war ebenfalls Jurist, wie Ayloffe. Er hatte
lange in Bristol gewohnt und war in seiner Umgebung als ein heftiger
Republikaner gepriesen worden. Einmal hatte er sich vorgenommen, nach
New-Jersey auszuwandern, wo er Institutionen zu finden hoffte, die
seinem Geschmacke besser zusagten als die englischen. Seine Thtigkeit
bei den Parlamentswahlen hatten die Aufmerksamkeit einiger vornehmen
Whigs auf ihn gelenkt, sie bedienten sich seiner als Anwalt und zogen
ihn endlich zu ihren geheimsten Berathungen. Er war bei dem
Insurrectionsplane stark betheiligt und hatte es unternommen, sich in
seiner eignen Stadt an die Spitze eines Aufstandes zu stellen. Ebenso
war er in das verwerflichere Complot gegen das Leben Karl's und Jakob's
eingeweiht gewesen, aber er erklrte stets, da er zwar davon gewut, es
aber durchaus verabscheut und sogar versucht habe, seine Mitverschwornen
von der Ausfhrung ihres Planes abzubringen. Fr einen zu brgerlichen
Berufsgeschften herangebildeten Mann besa Wade in seltenem Mae die
Umsicht und Energie, welche die Haupterfordernisse eines guten Soldaten
sind. Leider aber erwiesen sich seine Grundstze und sein Muth nicht
stark genug, um ihn nach beendetem Kampfe, als er im Gefngni zwischen
Tod und Schande zu whlen hatte, aufrecht zu erhalten.[4]

    [Anmerkung 4: +Wade's Confession, Harl. M.S. 6845+; +Lansdowne
    M.S. 1152+; Holloway's Erzhlung im Anhange zu +Sprat's True M.S.
    Account+. Wade gestand zu, da Holloway nur die Wahrheit gesagt
    hatte.]


[_Goodenough._] Ein andrer Flchtling war Richard Goodenough, der frher
Untersheriff von London gewesen war. Diesen Mann hatte seine Partei
lange zu Dienstleistungen nicht sehr ehrenwerther Art benutzt, besonders
wenn es darauf ankam, Geschworne zu whlen, von denen man hoffen durfte,
da sie bei politischen Prozessen nicht allzu gewissenhaft sein wrden.
Er war tief verwickelt gewesen in die schwarzen und blutigen Anschlge
des Whigcomplots, welche vor den achtungswertheren Whigs sorgfltig
geheim gehalten wurden. Bei ihm konnte man nicht als mildernden Umstand
anfhren, da er durch bergroen Eifer fr das Gemeinwohl irre geleitet
worden sei, denn wir werden spter sehen, da er, nachdem er eine edle
Sache durch seine Verbrechen geschndet, sie schlielich verrieth, um
der wohlverdienten Strafe zu entgehen.[5]

    [Anmerkung 5: +Sprat's True Account+ an mehreren Stellen.]


[_Rumbold._] Ein ganz andrer Character war Richard Rumbold. Er war
Offizier in Cromwell's Leibregiment gewesen, hatte am Tage der groen
Hinrichtung das Schaffot vor dem Bankethause bewacht, bei Dunbar und
Worcester gefochten und stets in hohem Grade die Eigenschaften gezeigt,
durch welche sich das unbesiegbare Heer, in dem er diente, auszeichnete:
einen unerschtterlichen Muth, eine glhende Begeisterung, sowohl in
politischer als in religiser Hinsicht, und neben dieser Begeisterung
doch die ganze Kraft der Selbstbeherrschung, welche Mnnern eigen ist,
die in wohldisciplinirten Lagern befehlen und gehorchen gelernt haben.
Nach erfolgter Auflsung der republikanischen Armee wurde Rumbold Mlzer
und betrieb sein Geschft unweit Hoddesdon in dem Hause, von dem das
Ryehousecomplot seinen Namen hat. Bei den Berathungen der Heftigsten und
Rcksichtslosesten unter den Mivergngten war vorgeschlagen, doch nicht
definitiv beschlossen worden, da bewaffnete Mnner in das Roggenhaus
gelegt werden sollten, um die Eskorte anzugreifen, welche Karl und Jakob
von Newmarket nach London begleitete. An diesen Berathungen hatte
Rumbold einen Antheil genommen, von dem er mit Abscheu zurckgebebt sein
wrde, wre nicht durch den Parteigeist sein heller Verstand umnebelt
und sein mnnliches Herz verdorben gewesen.[6]

    [Anmerkung 6: +Sprat's True Account & Appendix+; Untersuchung
    gegen Rumbold in der +Collection of State Trials+; +Burnet's Own
    Times, I. 633+; Anhang zu +Fox's History No. IV.+]


[_Lord Grey._] Hoch erhaben ber die bis jetzt angefhrten Verbannten
war Ford Grey, Lord Grey von Mark. Er war ein eifriger Exclusionist
gewesen, hatte Antheil an dem Insurrectionsplane gehabt und war in den
Tower gesperrt worden, wo es ihm jedoch gelang, seine Wchter betrunken
zu machen und auf das Festland zu entkommen. Er besa hervorragende
Talente und gewinnende Manieren, aber ein groes husliches Verbrechen
warf einen Flecken auf sein Leben. Seine Gattin war eine Tochter des
edlen Hauses Berkeley, und ihre Schwester, Lady Henriette Berkeley,
durfte mit ihm, als mit einem Blutsverwandten, verkehren und
correspondiren. So entstand eine verhngnivolle Zuneigung. Der lebhafte
Geist und die heftige Leidenschaft der Lady Henriette durchbrach alle
Schranken der Tugend und Schicklichkeit und eine skandalse Entfhrung
enthllte dem ganzen Knigreiche die Schande zweier vornehmen Familien.
Grey nebst einigen von den Helfershelfern, die ihm bei seinem
Liebeshandel gedient hatten, wurden unter der Anklage einer Verbindung
zu gesetzwidrigem Zwecke vor Gericht gestellt und es ereignete sich vor
den Schranken der Kings Bench eine in den Annalen unsrer Justiz ohne
Beispiel dastehende Scene. Der Verfhrer erschien mit frecher Stirn in
Begleitung seiner Geliebten, und selbst in diesem unerhrten Falle
wichen die groen whiggistischen Lords nicht von der Seite ihres
Freundes. Die, welche er beleidigt, standen ihm gegenber und wurden
durch seinen Anblick zu Zornesausbrchen gereizt. Der alte Earl von
Berkeley berhufte die unglckliche Henriette mit Vorwrfen und
Verwnschungen. Die Grfin gab unter hufigem Schluchzen ihre
Zeugenaussage ab und fiel endlich in Ohnmacht. Die Geschwornen sprachen
das Schuldig aus. Als der Gerichtshof die Sitzung aufhob, forderte
Lord Berkeley alle seine Freunde auf, da sie ihm beistehen mchten,
seine Tochter zu ergreifen; die Anhnger Grey's schaarten sich um
Letztere, auf beiden Seiten wurden Schwerter gezuckt, es entspann sich
ein Gefecht in Westminster Hall und nur mit Mhe gelang es den Richtern
und Gerichtsdienern, die Streitenden zu trennen. In unsrer Zeit wrde
ein solcher Proze den Ruf eines der ffentlichkeit angehrenden Mannes
schnden; damals aber war der Mastab der Moralitt unter den Groen so
niedrig und die Parteiwuth so heftig, da Grey nach wie vor bedeutenden
Einflu hatte, wenn auch die Puritaner, welche einen ansehnlichen Theil
der Whigpartei bildeten, ihm mit einiger Klte begegneten.[7]

Eine Seite von dem Character, oder man sollte vielleicht eher sagen von
dem Schicksale Grey's verdient besondere Erwhnung: man mute
zugestehen, da er berall, auf dem Schlachtfelde ausgenommen, einen
hohen Grad von Muth bewies. Mehr als einmal zwang sein wrdevolles
Benehmen und die vollkommene Beherrschung aller seiner Fhigkeiten in
schwierigen Lagen, wo sein Leben und seine Freiheit auf dem Spiele
standen, selbst Diejenigen zu lobender Anerkennung, die ihn weder
liebten noch achteten. Als Soldat jedoch zog er sich, vielleicht weniger
durch eigne Schuld als durch unglcklichen Zufall den entehrenden
Vorwurf persnlicher Feigheit zu.

    [Anmerkung 7: +Grey's Narrative+; sein Proze in der +Collection
    of State Trials+; +Sprat's True Account.+]


[_Monmouth._] In dieser Beziehung war er ganz verschieden von seinem
Freunde, dem Herzoge von Monmouth. Monmouth war tapfer und unerschrocken
auf dem Schlachtfelde, sonst aber berall weibisch und zaghaft. Seine
Geburt, sein persnlicher Muth und sein einnehmendes uere hatten ihm
eine Stellung verschafft, fr die er sich durchaus nicht eignete.
Nachdem er den Untergang der Partei, deren nominelles Oberhaupt er
gewesen war, mit angesehen, hatte er sich nach Holland zurckgezogen.
Der Prinz und die Prinzessin von Oranien erblickten nicht mehr einen
Nebenbuhler ihn ihm, und sie gewhrten ihm daher eine gastliche
Aufnahme, denn sie hofften, sich durch freundliche Behandlung des
Herzogs Anspruch auf den Dank seines Vaters zu erwerben. Sie wuten, da
die vterliche Zuneigung noch nicht erloschen war, da Monmouth noch
immer im Geheimen Gelduntersttzungen von Whitehall erhielt und da Karl
es sehr ungndig aufnahm, wenn Jemand von seinem Sohne bles sprach, in
der Hoffnung, sich dadurch bei ihm beliebt zu machen. Man hatte den
Herzog in der Erwartung bestrkt, da er, wenn anders er keine neue
Veranlassung zu Mifallen gab, bald in sein Vaterland zurckgerufen und
in alle seine Ehrenstellen und Befehlshaberposten wieder eingesetzt
werden wrde. Von solchen Erwartungen beseelt, war er whrend des
verflossenen Winters der Lebensnerv des Haags gewesen. Auf einer Reihe
von Bllen in dem prchtigen Oraniensaale, dessen Wnde in dem
herrlichsten Farbenreichthum eines Jordaens und Hondthorst prangen,
hatte er die hervorragendste Figur gespielt.[8] Er hatte die
hollndischen Damen mit dem englischen Contretanz bekannt gemacht und
seinerseits von ihnen auf den Kanlen Schlittschuh laufen gelernt. Die
Prinzessin hatte ihn bei seinen Ausflgen auf dem Eise begleitet, und es
hatte oft die Verwunderung und die Heiterkeit der auswrtigen Gesandten
erregt, wenn sie dort, in krzeren Rcken, als sie in der Regel von so
vornehmen, das strengste Decorum beobachtenden Damen getragen wurden,
auf einem Beine dahinglitt. Der Einflu des bezaubernden Englnders
schien den dstern Ernst, der den Hof des Statthalters characterisirte,
verscheucht zu haben, und selbst der finstre, gedankenvolle Wilhelm
wurde heiterer gestimmt, wenn sein glnzender Gast erschien.[9]

Inzwischen vermied Monmouth sorgfltig Alles, was an dem Orte, von woher
er Schutz erwartete, Ansto erregen konnte. Er verkehrte berhaupt mit
wenigen Whigs und gar nicht mit den heftigen Mnnern, welche in den
schlimmsten Theil des Whigcomplots verwickelt gewesen waren. Daher
beschuldigten ihn seine ehemaligen Gesinnungsgenossen laut der
Unbestndigkeit und Undankbarkeit.[10]

    [Anmerkung 8: In der Pepys'schen Sammlung befindet sich ein
    Kupferstich, der einen der Blle darstellt, welche zu jener Zeit
    von Wilhelm und Marien im Oranje Zaal gegeben wurden.]

    [Anmerkung 9: +Avaux Neg. Jan. 25. 1685.+ Brief von Jakob an die
    Prinzessin von Oranien vom Januar 1684/85, unter Birch's Auszgen
    im Britischen Museum.]

    [Anmerkung 10: +Grey's Narrative+; +Wade's Confession, Lansdowne
    M.S. 1152.+]


[_Ferguson._] Von keinem der Verbannten wurde diese Anklage mit grerer
Heftigkeit und Bitterkeit erhoben, als von Robert Ferguson, dem Judas in
Dryden's groer Satire. Ferguson war ein Schotte von Geburt, aber er
hatte lange in England gelebt. Zur Zeit der Restauration bekleidete er
eine Pfarrstelle in Kent. Er war als Presbyterianer erzogen, die
Presbyterianer aber hatten ihn aus ihrer Mitte gestoen und er war zu
den Independenten bergegangen. Dann war er Vorsteher einer von den
Dissenters in Islington errichteten Akademie gewesen, welche mit der
Westminsterschule und dem Charterhouse concurriren sollte, und hatte bei
einer Versammlung in Moorfields vor einem groen Zuhrerkreise
gepredigt. Auch hatte er einige theologische Abhandlungen geschrieben,
die sich vielleicht noch in den staubigen Winkeln einiger alten
Bibliotheken finden; aber obgleich er bestndig Bibelstellen im Munde
fhrte, so berzeugte sich doch Jeder, der in Geldangelegenheiten mit
ihm zu thun bekam, sehr bald, da er nichts als ein Schwindler war.

Endlich entzog er der Theologie fast ganz seine Aufmerksamkeit, um sie
dem schlechtesten Theile der Politik zuzuwenden. Er gehrte zu der
Klasse, die ein Geschft daraus machen, erbitterten Parteien in
unruhigen Zeiten Dienste zu leisten, vor denen der Rechtschaffene aus
Abscheu, der Kluge aus Furcht zurckschreckt, zur Klasse der fanatischen
Schurken. Er war heftig, bsartig, unempfnglich fr die Wahrheit, ohne
Gefhl fr die Schande, von unersttlicher Ruhmsucht erfllt, fand an
Intriguen, Aufruhr und Unheil lediglich um ihrer selbst willen Vergngen
und arbeitete viele Jahre in den dunkelsten Minen des Parteiwesens. Er
lebte unter Pasquillanten und falschen Zeugen, verwaltete eine geheime
Kasse, aus welcher Agenten besoldet wurden, die zu schlecht waren, als
da man sie htte anerkennen drfen, und war Vorsteher einer geheimen
Druckerei, aus der fast tglich anonyme Pamphlets hervorgingen. Er
rhmte sich, da er Schmhschriften um die Terrasse von Windsor herum
ausgestreut und selbst unter das Kopfkissen des Knigs gebracht habe.
Bei solcher Lebensweise mute er zu allerhand Listen seine Zuflucht
nehmen, mute mehrere Namen fhren und hatte einmal in vier
verschiedenen Stadttheilen Londons vier verschiedene Wohnungen. Bei dem
Ryehousecomplot war er stark betheiligt und man hat Grund zu der
Vermuthung, da er der erste Urheber der blutigen Anschlge war, welche
die ganze Whigpartei so sehr in Micredit brachten. Als die Verschwrung
entdeckt war und seinen Genossen bange wurde, nahm er lachend Abschied
von ihnen, indem er ihnen sagte, sie wren Neulinge, er sei an Flucht,
Verstecke und Verkleidung gewhnt und werde Zeit seines Lebens nie
aufhren, zu conspiriren. Er entkam auf den Continent, aber selbst dort
schien er nicht sicher zu sein. Die englischen Gesandten an den
auswrtigen Hfen waren angewiesen, ein scharfes Auge auf ihn zu haben,
und die Regierung versprach Demjenigen, der ihn ergreifen wrde, eine
Belohnung von fnfhundert Pistolen. Es war ihm auch nicht leicht,
unbemerkt zu bleiben, denn sein breiter schottischer Accent, seine lange
und hagere Gestalt, seine hohlen Wangen, seine bestndig von der
Perrcke beschatteten stechenden Augen, sein von einem Hautausschlage
gerthetes Gesicht, sein gekrmmter Rcken und sein eigenthmlich
wiegender Gang machten ihn berall, wo er sich zeigte, zu einer
auffallenden Erscheinung. Aber obgleich er anscheinend mit ganz
besondrem Eifer verfolgt wurde, so raunte man sich doch im Stillen zu,
da dieser Eifer eben nur scheinbar sei und da die Gerichtsbeamten
geheimen Befehl htten, ihn nicht zu sehen. Es lt sich kaum
bezweifeln, da er wirklich ein erbitterter Unzufriedener war, aber man
hat starken Grund, zu vermuthen, er habe fr seine Sicherheit dadurch
gesorgt, da er in Whitehall vorgab, ein Spion gegen die Whigs zu sein
und da er der Regierung eben nur so viele Mittheilungen zukommen lie,
als zur Aufrechterhaltung seines Credits gengten. Diese Annahme erklrt
auf die einfachste Weise das, was seinen Gesinnungsgenossen als eine
unnatrliche Sorglosigkeit und Tollkhnheit erschien. Da ihm selbst
nichts geschehen konnte, stimmte er jedesmal fr den gewaltthtigsten
und gefhrlichsten Weg und lchelte mitleidig ber den Kleinmuth von
Mnnern, welche die schmachvolle Vorsichtsmaregel, auf die er sich
verlie, nicht getroffen hatten, und die sich daher zweimal besannen,
ehe sie ihr Leben und Alles, was ihnen noch theurer war als das Leben,
auf eine Karte setzten.[11]

Sobald er in den Niederlanden angekommen war, begann er ber neue Plne
gegen die englische Regierung zu brten und fand unter seinen
Mitverbannten Mnner, die seinen bsen Rathschlgen ein geneigtes Ohr
liehen. Monmouth hielt sich inde beharrlich fern von ihm, und ohne
Beihlfe der ausgedehnten Popularitt des Herzogs war unmglich etwas
auszurichten. Aber die Ungeduld und Tollkhnheit der Verbannten waren so
gro, da sie sich nach einem andren Fhrer umsahen. Sie schickten eine
Gesandtschaft an den einsamen Ort am Ufer des Genfer Sees, wo Edmund
Ludlow, einst ein ausgezeichneter Anfhrer in der Parlamentsarmee und
ein hervorragendes Mitglied des hohen Gerichtshofes, sich schon seit
vielen Jahren vor der Rache der wiedereingesetzten Stuarts verborgen
hielt. Der ernste greise Rebell weigerte sich jedoch, seine Einsiedelei
zu verlassen. Er habe das Seinige gethan, sagte er; wenn England noch zu
retten sei, so msse es durch jngere Mnner geschehen.[12]

Die unerwartete Erledigung der Krone vernderte die Gestalt der Dinge.
Jede Hoffnung auf friedliche Rckkehr in ihr Vaterland, welche die
verbannten Whigs vielleicht noch hegten, wurde durch den Tod eines
sorglosen und gutmthigen Frsten und durch die Thronbesteigung eines in
jeder Beziehung, ganz besonders aber in der Rache ungemein hartnckigen
Prinzen vernichtet. Ferguson war in seinem Elemente. So vollstndig ihm
altes Talent als Schriftsteller und Staatsmann fehlte, in so hohem Grade
besa er dagegen die nicht beneidenswerthen Eigenschaften eines
Versuchers. So eilte er jetzt mit der tckischen Geschftigkeit und
Gewandtheit eines bsen Geistes von einem Verbannten zum andren,
flsterte jedem etwas ins Ohr und erregte in jeder Brust rachschtige
Wuth und wilde Begierden.

Jetzt hoffte er auch von Neuem, da es ihm doch noch gelingen werde,
Monmouth zu verfhren. Die Lage dieses unglcklichen jungen Mannes war
eine ganz andre geworden. Whrend er im Haag tanzte und Schlittschuh
lief und jeden Tag die Einladung zur Rckkehr nach London erwartete,
strzte ihn die Nachricht von seines Vaters Tode und von seines
Oheims Thronbesteigung pltzlich ins tiefste Elend. Die in seiner
Nhe Wohnenden konnten in der Nacht nach der Ankunft dieser
Schreckensbotschaft seine Seufzer und sein lautes Jammergeschrei hren.
Er verlie am folgenden Tage den Haag, nachdem er sowohl dem Prinzen als
auch der Prinzessin von Oranien sein Ehrenwort gegeben, da er durchaus
nichts gegen die englische Regierung unternehmen werde, und nachdem sie
ihn mit Geld zur Bestreitung seiner dringendsten Bedrfnisse versehen
hatten.[13]

Monmouth's Aussichten waren nicht glnzend. Es war nicht wahrscheinlich,
da er aus der Verbannung zurckgerufen werden wrde, und auf dein
Festlande konnte er nicht lnger inmitten des Glanzes und der
Festlichkeiten eines Hofes leben. Seine Verwandten im Haag scheinen ihn
wirklich zugethan gewesen zu sein, aber sie konnten ihn fernerhin nicht
offen beschtzen, ohne ernste Gefahr, einen Bruch zwischen England und
Holland dadurch herbeizufhren. Wilhelm machte ihm einen gutgemeinten
und verstndigen Vorschlag. Der Krieg zwischen dem Kaiser und den
Trken, welcher damals in Ungarn wthete, wurde von ganz Europa mit fast
eben so groem Interesse verfolgt, als fnfhundert Jahre frher die
Kreuzzge. Viele tapfere Edelleute, Protestanten sowohl als Katholiken,
fochten als Freiwillige fr die gemeinschaftliche Sache des
Christenthums. Der Prinz rieth Monmouth, sich in das kaiserliche Lager
zu begeben, und versicherte ihn, da es ihm dann nicht an Mitteln fehlen
solle, um mit dem eines vornehmen Englnders wrdigem Glanze
aufzutreten.[14] Dies war ein vortrefflicher Rath; der Herzog aber
konnte sich nicht dazu entschlieen. Er begab sich nach Brssel,
begleitet von Henriette Wentworth, Baronesse Wentworth von Nettlestede,
einem Frulein von hoher Geburt und groem Vermgen, die ihn
leidenschaftlich liebte, ihm ihre jungfruliche Ehre und die Aussicht
auf eine glnzende Verbindung aufgeopfert hatte, ihm in's Exil gefolgt
war und die er vor Gott als seine rechtmige Gattin betrachtete. Unter
dem wohlthuenden Einflusse der weiblichen Freundschaft heilten auch bald
die Wunden seines zerrissenen Herzens. Es schien, als htte er in der
stillen Zurckgezogenheit das Glck gefunden und vergessen, da er einst
die Zierde eines glnzenden Hofes und das Oberhaupt einer mchtigen
Partei gewesen war, da er Armeen befehligt und selbst nach dem Besitze
eines Thrones gestrebt hatte.

Doch man gnnte ihm die Ruhe nicht. Ferguson wendete alle seine
Versuchungsknste an. Grey, der nicht wute, woher er noch eine Pistole
nehmen sollte und der daher zu jedem, wenn auch noch so verzweifelten
Unternehmen bereit war, untersttzte Ferguson. Man lie seinen
Kunstgriff unversucht, um Monmouth aus seiner Zurckgezogenheit
hervorzulocken. Auf die ersten Einladungen, die er von seinem ehemaligen
Bundesgenossen erhielt, antwortete er ablehnend. Er erklrte die
Schwierigkeiten einer Landung in England fr unberwindlich,
versicherte, er sei des ffentlichen Lebens berdrssig, und bat darum,
da man ihn im ungestrten Genusse seines neugefundenen Glcks lassen
mge. Doch er war nicht der Mann, der geschicktem und anhaltendem
Drngen lange widerstehen konnte. Auch sagt man, da er durch den
nmlichen mchtigen Einflu, der ihm seine Zurckgezogenheit so angenehm
machte, berredet worden sei, dieselbe wieder aufzugeben. Lady Wentworth
wollte ihn als Knig sehen. Ihre Einknfte, ihre Juwelen und ihr Credit
wurden ihm zur Verfgung gestellt, und obwohl Monmouth's Verstand nicht
berzeugt war, so hatte er doch nicht die Kraft, solchen Bitten zu
widerstehen.[15]

    [Anmerkung 11: +Burnet I. 342. Wood. Ath. Ox.+ unter dem Namen
    Owen; +Absalom and Achitophel, part II.+; +Eachard, III. 682.
    697.+; +Sprat's True Account+ an mehreren Stellen;
    +Nonconformist's Memorial+; +North's Examen, 399.+]

    [Anmerkung 12: +Wade's Confession, Harl. M.S. 6845.+]

    [Anmerkung 13: +Avaux Neg. Feb. 20. 22. 1685+; Monmouth's Brief an
    Jakob aus Ringwood.]

    [Anmerkung 14: +The History of King William the Third, 2d.
    edition, 1703, vol. I. 160.+]

    [Anmerkung 15: +Welwood's Memoirs, App. XV.+; +Burnet I. 630.+
    Grey erzhlt die Sache etwas anders, aber er erzhlte sie, um sein
    Leben zu retten. Der spanische Gesandte am englischen Hofe, Don
    Pedro de Ronquillo, spttelt in einem Briefe, den er um diese Zeit
    an den Statthalter der Niederlande schrieb, darber, da Monmouth
    von der Freigebigkeit eines verliebten Weibes lebe, und uert den
    ganz ungegrndeten Verdacht, da des Herzogs Liebe nicht
    uneigenntzig sei. +Hallandose hoy tan falto de medios que ha
    menester transformarse en Amor con Miledi en vista de la necesidad
    de poder subsistir.+ -- Ronquillo an Grana vom 30. Mrz
    (9. April) 1685.]


[_Schottische Flchtlinge._] Die englischen Verbannten empfingen ihn mit
groer Freude und erkannten ihn einhellig als ihr Oberhaupt an. Allein
es gab noch eine andre Klasse von Emigranten, welche nicht gemeint
waren, seinen Befehlen zu gehorchen. Regierungsfehler, wie der sdliche
Theil unsrer Insel sie nie gekannt, hatte viele Flchtlinge, deren
maloser politischer und religiser Eifer im Verhltni zu den
Bedrckungen stand, die sie erduldet, aus Schottland auf den Continent
getrieben. Diese Mnner aber hatten keine Lust, einem englischen
Anfhrer zu folgen. Ihr engherziger Nationalstolz verleugnete sich
selbst in Armuth und Verbannung nicht, und sie wollten es nicht zugeben,
da ihr Vaterland in ihrer Person zu einer Provinz erniedrigt wrde.


[_Der Earl von Argyle._] Sie hatten einen eignen Anfhrer in ihren
Reihen: Archibald, neunten Earl von Argyle, der als Oberhaupt des groen
Stammes der Campbell bei der Bevlkerung der Hochlande unter dem stolzen
Namen Mac Callum More bekannt war. Sein Vater, der Marquis von Argyle,
war das Haupt der schottischen Covenanters gewesen, hatte viel zum
Sturze Karl's I. beigetragen, und die Royalisten waren der Meinung, da
er dieses Verbrechen dadurch noch nicht geshnt habe, da er seine
Einwilligung dazu gab, Karl II. den leeren Knigstitel und ein
Staatsgefngni in der Form eines Palastes zu gewhren. Nach der
Rckkehr der kniglichen Familie wurde der Marquis hingerichtet und sein
Marquisat erlosch, aber sein Sohn erhielt die Erlaubni, das alte
Earlthum zu erben, und er gehrte so noch immer zu dem hchsten Adel
Schottlands. Die politische Haltung des Earl whrend der zwanzig Jahre,
welche auf die Restauration folgten, war, wie er spter meinte, sndlich
gemigt gewesen. Zwar hatte er in einigen Fllen der Regierung, unter
deren Joch sein Vaterland seufzte, opponirt; aber sein Widerstand war
schwach und vorsichtig gewesen. Seine Nachgiebigkeit in kirchlichen
Dingen hatte strenge Presbyterianer verdrossen, und er war so weit
entfernt gewesen, irgend eine Neigung zu gewaltsamem Widerstand zu
zeigen, da, als die Covenanters durch Verfolgung zum Aufstande
getrieben wurden, er eine starke Truppe von Unterthanen ins Feld
stellte, um die Regierung zu untersttzen.

Dies war seine politische Laufbahn gewesen, bis der Herzog von York, mit
der ganzen Autoritt eines Knigs bekleidet, nach Edinburg kam. Der
despotische Viceknig berzeugte sich bald, da er von Argyle keine
ungetheilte Untersttzung zu erwarten hatte. Da der mchtigste Edelmann
des Knigreichs nicht gewonnen werden konnte, hielt man es fr nthig,
ihn aus dem Wege zu rumen. Zu dem Ende wurde er auf Verdachtgrnde hin,
welche so unhaltbar waren, da der Geist der Parteilichkeit und Chikane
selbst sich ihrer schmte, wegen Hochverraths in Untersuchung gezogen,
berfhrt und zum Tode verurtheilt. Die Anhnger der Stuarts
versicherten spter, man habe nie beabsichtigt, dieses Urtheil zu
vollziehen, und die Anklage habe nur den Zweck gehabt, um ihn durch die
Angst zur Abtretung seiner ausgedehnten Jurisdiction in den Hochlanden
zu bewegen. Es lt sich jetzt nicht mehr bestimmen, ob Jakob, wie seine
Feinde argwhnten, die Absicht hatte, einen Mord zu begehen, oder nur,
wie seine Freunde behaupteten, durch die Androhung eines Mordes ein
Zugestndni zu erpressen. Ich kenne das schottische Recht nicht,
sagte Halifax zum Knig Karl; soviel aber wei ich, da wir hier in
England aus Grnden wie die, auf welche hin Mylord Argyle verurtheilt
worden ist, keinen Hund hngen wrden[16].

Argyle entkam verkleidet nach England und begab sich von da nach
Friesland. In dieser entlegenen Provinz hatte sein Vater ein kleines Gut
gekauft, das der Familie in brgerlichen Unruhen als Zufluchtsort dienen
sollte. Unter den Schotten hie es, da dieser Ankauf in Folge der
Prophezeiung eines celtischen Sehers geschehen sei, dem die Offenbarung
geworden, da Mac Callum More dereinst von seinem alten Stammsitze in
Inverary vertrieben werden wrde[17]. Es ist jedoch wahrscheinlich, da
der kluge Marquis mehr durch die Zeichen der Zeit als durch die Visionen
eines Propheten gewarnt wurde. In Friesland lebte Earl Archibald einige
Zeit so ruhig, da es nicht allgemein bekannt wurde, wohin er geflohen
war. Er unterhielt an seinem Zufluchtsorte einen regelmigen
Briefwechsel mit seinen Freunden in Grobritannien, nahm Theil an der
Whigverschwrung und entwarf mit den Oberhuptern dieser Verschwrung
den Plan zu einem Einfall in Schottland[18]. In Folge der Entdeckung des
Ryehousecomplots gab er diesen Plan auf; nach der Erledigung der Krone
aber wurde derselbe wieder ein Gegenstand seines Nachdenkens.

Whrend seines Aufenthalts auf dem Continent hatte er ber religise
Fragen mehr nachgedacht, als in den vergangenen Jahren seines Lebens.
Dieses Nachdenken hatte in einer Beziehung verderblich auf seinen Geist
eingewirkt. Seine Vorliebe fr die synodalische Form der
Kirchenverfassung stieg jetzt bis zur Bigotterie. Wenn er bedachte, wie
lange er sich dem eingefhrten Gottesdienste unterworfen hatte, ward er
von Scham und Reue ergriffen und zeigte sich nur zu sehr geneigt, seine
Abtrnnigkeit durch Gewaltschritte und Unduldsamkeit wieder gut zu
machen. Bald fand er inde Gelegenheit zu beweisen, da seine Furcht vor
einer hheren Macht und seine Liebe zu derselben ihn zu den
furchtbarsten Kmpfen gesthlt hatte, durch welche die menschliche Natur
geprft werden kann.

Fr seine Leidensgefhrten war sein Beistand vom hchsten Gewicht.
Obgleich gechtet und geflchtet, war er doch in gewissem Sinne noch der
mchtigste Unterthan des britischen Reiches. An Reichthum stand er
wahrscheinlich, selbst vor seiner Verurtheilung, nicht nur dem hohen
englischen Adel, sondern auch manchem begterten Squire von Kent und
Norfolk nach. Aber sein patriarchalisches Ansehen, ein Ansehen, das kein
Reichthum geben und keine Verurteilung entziehen konnte, machte ihn als
Oberhaupt eines Aufstandes wahrhaft furchtbar. Kein sdlicher Lord htte
darauf rechnen knnen, da wenn er es wagen wrde, sich der Regierung zu
widersetzen, auch nur seine Wildhter und Jger treu zu ihm gestanden
wren. Ein Earl von Bedford oder ein Earl von Devonshire konnte sich
nicht anheischig machen, zehn Mann ins Feld zu stellen. Mac Callum More
dagegen konnte, obgleich ohne Mittel und seines Earlthums beraubt, jeden
Augenblick einen ernsten Brgerkrieg hervorrufen. Er brauchte sich nur
auf der Kste von Lorn zu zeigen und binnen wenigen Tagen hatte er eine
Armee um sich versammelt. Die bewaffnete Macht, die er unter gnstigen
Verhltnissen ins Feld stellen konnte, belief sich auf fnftausend
Streiter, die ihm unbedingt gehorchten, an den Gebrauch des Schildes und
des breiten Schwertes gewhnt waren, einen Kampf mit regulren Truppen
selbst im offenen Felde nicht scheuten und solchen Truppen vielleicht in
den Eigenschaften berlegen waren, welche zur Vertheidigung in Nebel
gehllter und von reienden Giebchen zerklfteter rauher Gebirgspsse
erforderlich sind. Was eine solche Macht bei umsichtiger Leitung selbst
gegen kriegserfahrene Regimenter und geschickte Anfhrer auszurichten
vermochte, das zeigte sich wenige Jahre spter bei Killiecrankie.

    [Anmerkung 16: Proze gegen Argyle in der +Collection of State
    Trials+; +Burnet, I. 521+; +A true and plain Account of the
    Discoveries made in Scotland, 1684+; +The Scotch Mist cleared+;
    +Sir George Mackenzie's Vindication+; +Lord Fonntainhall's
    Chronological Notes.+]

    [Anmerkung 17: Untersuchung gegen Robert Smith im Anhange zu
    +Sprat's True Account+.]

    [Anmerkung 18: +True and plain Account of the Discoveries made in
    Scotland.+]


[_Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane._] So groen Anspruch aber
auch Argyle auf das Vertrauen der verbannten Schotten hatte, gab es doch
eine Partei unter ihnen, die ihn nicht mit wohlwollendem Auge
betrachtete und sich nur seines Namens und seines Einflusses bedienen
wollte, ohne ihn mit einer wirklichen Gewalt zu betrauen. Das Oberhaupt
dieser Partei war ein Edelmann aus dem schottischen Niederlande, der in
das Whigcomplot verwickelt gewesen und nur mit Mhe der Rache des Hofes
entgangen war: Sir Patrick Hume, von Polwart in Berwickshire. Gegen
seine Rechtschaffenheit sind starke Zweifel erhoben worden, aber ohne
haltbaren Grund. Soviel kann man jedoch nicht in Abrede stellen, da er
seiner Sache durch Verkehrtheit eben so viel schadete, als es durch
Verrath htte geschehen knnen. Er war eben so unfhig zum Fhren wie
zum Folgen, eingebildet, streitschtig und launenhaft, ein endloser
Schwtzer, zaghaft und langsam bei Unternehmungen gegen den Feind, und
nur thtig gegen seine eigenen Verbndeten. Mit Hume eng verbunden war
ein andrer schottischer Verbannter von hohem Ansehen, der viele von den
nmlichen Fehlern hatte, wenn auch nicht in gleichem Grade: Sir Johann
Cochrane, zweiter Sohn des Earl von Dundonald.


[_Fletcher von Saltoun._] Eine weit hhere Stufe gebhrte Andreas
Fletcher von Saltoun, einem Manne, der sich ebensowohl durch
wissenschaftliche Bildung und Beredtsamkeit, als durch Muth,
Uneigenntzigkeit und Gemeinsinn auszeichnete, aber ein reizbares und
unlenksames Temperament besa. Gleich vielen seiner berhmtesten
Zeitgenossen, wie Milton, Harrington, Marvel und Sidney, hatte auch ihm
die schlechte Regierung mehrerer aufeinanderfolgenden Frsten einen
entschiedenen Widerwillen gegen die erbliche Monarchie eingeflt.
Jedoch war er kein Demokrat. Er war das Oberhaupt eines alten
normnnischen Hauses und stolz auf seine Abkunft, war ein feiner Redner
und Schriftsteller und bildete sich auf seine geistige berlegenheit
etwas ein. Als Gentleman wie als Gelehrter blickte er mit
Geringschtzung auf das gemeine Volk herab und war so wenig geneigt,
demselben eine politische Macht anzuvertrauen, da er es sogar unfhig
fr den Genu der persnlichen Freiheit hielt. Merkwrdig ist der
Umstand, da dieser Mann, der rechtschaffenste, furchtloseste und
unbeugsamste Republikaner seiner Zeit, der Urheber eines Planes war,
welcher dahin zielte, einen groen Theil der arbeitenden Klassen
Schottlands zu Sklaven zu machen. Er hatte groe hnlichkeit mit jenen
rmischen Senatoren, die, whrend sie den Knigstitel haten, doch mit
unbeugsamem Stolze ihre Standesvorrechte gegen die Eingriffe der Menge
vertheidigten und ihre Sklaven und Sklavinnen durch Block und Peitsche
regierten.

Amsterdam war der Ort, wo sich die schottischen und englischen Fhrer
der Emigranten versammelten. Argyle kam aus Friesland, Monmouth aus
Brabant dahin. Es zeigte sich sehr bald, da die Flchtlinge kaum etwas
Andres gemein hatten als den Ha gegen Jakob und den ungeduldigen Drang,
aus der Verbannung in die Heimath zurckzukehren. Die Schotten waren
eiferschtig auf die Englnder, die Englnder eiferschtig auf die
Schotten. Monmouth's hohe Ansprche verdrossen Argyle, der, stolz auf
seinen alten Adel und auf seine legitime Abstammung von Knigen,
durchaus nicht geneigt war, dem Sprossen einer flchtigen und unedlen
Liebe zu huldigen.


[_Unverstndiges Benehmen der schottischen Flchtlinge._] Doch von allen
Mihelligkeiten, welche die kleine Schaar der Gechteten entzweiten, war
die ernsthafteste das Zerwrfni, welches zwischen Argyle und einem
Theile seiner eigenen Begleiter ausbrach. Durch den lang andauernden
Widerstand gegen die Tyrannei war der Geist und das Gemth einiger der
schottischen Verbannten in einen Zustand krankhafter Gereiztheit
versetzt worden, der ihnen auch die vernnftigste und nothwendigste
Beschrnkung unertrglich machte. Sie wuten, da sie ohne Argyle nichts
vermochten. Aber sie htten auch wissen sollen, da sie, wenn sie nicht
kopfber ins Verderben strzen wollten, entweder ihren Fhrer volles
Vertrauen schenken, oder jedem Gedanken an ein militairisches
Unternehmen entsagen muten. Die Erfahrung hat zur Genge bewiesen, da
im Kriege jede Operation, von der grten bis zur kleinsten, unter der
unumschrnkten Leitung Eines Geistes stehen und da jeder ihm
Untergeordnete in seiner Stellung blindlings und willig, ja sogar
solchen Befehlen anscheinend freudig gehorchen mu, die er nicht
gutheien kann oder deren Beweggrnde vor ihm geheimgehalten werden.
Reprsentative Versammlungen, ffentliche Discussionen und alle die
anderen Hemmungsmittel, durch welche die Herrscher in brgerlichen
Angelegenheiten am Mibrauch der Gewalt verhindert werden, sind in einem
Feldlager nicht angewandt. Macchiavell schrieb viele von den Unfllen,
welche Venedig und Florenz trafen, mit Recht der eiferschtigen
Einmischung dieser Republiken in alle Schritte ihrer Generle zu.[19]
Die hollndische Sitte, zu einer Armee Abgeordnete zu senden, ohne deren
Einwilligung kein entscheidender Schlag gefhrt werden durfte, war fast
eben so verderblich. Allerdings ist es keineswegs ausgemacht, da ein
Anfhrer, der im Augenblicke der Gefahr mit dictatorischer Gewalt
bekleidet worden ist, diese Gewalt nach errungenem Siege ruhig wieder
niederlegt, und dies ist einer von den zahlreichen Grnden, warum die
Menschen so lange als mglich zgern sollten, ehe sie sich entschlieen,
die ffentliche Freiheit mit dem Schwerte zu vertheidigen. Haben sie
sich aber einmal entschlossen, das Kriegsglck zu versuchen, dann werden
sie auch, wenn sie klug sind, ihrem Fhrer die unumschrnkte Gewalt
bertragen, ohne welche ein Krieg nicht gut gefhrt werden kann. Mglich
da er sich, nachdem sie ihm diese Gewalt anvertraut haben, als ein
Cromwell oder ein Napoleon erweist; aber es ist so gut als gewi, da,
wenn sie ihm seine Autoritt vorenthalten, ihre Unternehmungen enden
werden, wie die Unternehmung Argyle's endete.

Einige von den schottischen Emigranten boten, erhitzt von
republikanischer Begeisterung, und des zur Fhrung groer
Angelegenheiten erforderlichen Geschicks gnzlich bar, ihre ganze
Thtigkeit und ihren ganzen Scharfsinn auf, nicht um Mittel zu dem
Angriffe zu sammeln, den sie gegen einen furchtbaren Feind
beabsichtigten, sondern um Beschrnkungen der Macht ihres Fhrers und
Brgschaften gegen seinen Ehrgeiz zu ersinnen. Die selbstgefllige
Beschrnktheit, mit der sie darauf beharrten, eine Armee so zu
organisiren, wie eine Republik, wrde unglaublich erscheinen, wre sie
nicht von einem der Ihrigen selbst offen und sogar rhmend geschildert
worden.[20]

    [Anmerkung 19: +Discorsi sopra la prima Deca di Tito Livio, lib.
    II. cap. 33.+]

    [Anmerkung 20: Siehe +Sir Patrick Hume's Narrative+ an d. betr.
    Stellen.]


[_Anstalten zu einem Unternehmen gegen England und Schottland._] Endlich
wurde aller Zwist geschlichtet und beschlossen, da unverweilt ein
Angriff auf die Westkste Schottlands versucht werden und da demselben
eine Landung in England auf dem Fue folgen sollte.

Argyle sollte in Schottland nominell das Commando fhren, wurde aber der
Controle eines Ausschusses untergeordnet, der sich die Anordnung der
wichtigsten militairischen Maregeln vorbehielt. Dieser Ausschu war
ermchtigt zu entscheiden, wo die Expedition landen sollte, Offiziere zu
ernennen, die Oberaufsicht ber die Truppenaushebungen zu fhren und
Proviant und Munition zu vertheilen. Dem General blieb somit weiter
nichts berlassen als die Leitung der eigentlichen Kriegsoperationen im
Felde, und er mute versprechen, da er selbst im Felde, auer bei
unerwarteten berfllen, nichts ohne die Zustimmung eines Kriegsrathes
thun werde.

Monmouth sollte in England commandiren. Sein weiches Gemth hatte, wie
gewhnlich, Eindrcke von der ihn umgebenden Gesellschaft angenommen.
Ehrgeizige Hoffnungen, welche anscheinend erloschen gewesen waren,
regten sich aufs neue in seiner Brust. Er erinnerte sich der Liebe, mit
der er jederzeit in Stadt und Land von dem Volke begrt worden war, und
er erwartete, da sie sich zu Hunderttausenden erheben wrden, um ihn
willkommen zu heien. Er gedachte der Zuneigung, welche die Soldaten
stets fr ihn gehegt hatten, und schmeichelte sich mit der Hoffnung, da
sie regimenterweise zu ihm bergehen wrden. Ermuthigende Zuschriften
kamen ihm in rascher Aufeinanderfolge von London zu. Man versicherte
ihm, da die Gewaltthtigkeit und Ungerechtigkeit, mit der bei den
letzten Wahlen verfahren worden war, die Nation emprt, da nur die
Besonnenheit der Whighupter mit Mhe einen blutigen Aufstand am
Krnungstage verhindert habe und da alle die vornehmen Lords, welche
die Ausschlieungsbill untersttzt, es kaum erwarten knnten, sich um
ihn zu schaaren. Wildman, der gern in Gleichnissen Verrath predigte,
lie ihm sagen, da gerade vor zweihundert Jahren der Earl von Richmond
mit einer Handvoll Leuten in England gelandet und wenige Tage spter auf
dem Felde von Bosworth mit dem von Richard's Haupte genommenem Diademe
gekrnt worden sei. Danvers unternahm es, die City aufzuwiegeln. Man
machte den Herzog glauben, da sobald er sein Banner aufgepflanzt,
Bedfordshire, Buckinghamshire, Hampshire und Cheshire zu den Waffen
greifen wrden.[21] In Folge dessen konnte er es nicht erwarten, das
Unternehmen zu beginnen, vor dem er noch wenige Wochen vorher
zurckgeschreckt war. Seine Landsleute legten ihm keine so unsinnigen
Beschrnkungen auf, wie die schottischen Emigranten sie ausgeklgelt
hatten, man verlangte nichts weiter von ihm als das Versprechen, da er
den Knigstitel nicht eher annehmen wolle, als bis seine Ansprche dem
Urtheile eines freien Parlaments unterbreitet worden seien.

Es ward beschlossen, da zwei Englnder, Ayloffe und Rumbold, den Earl
von Argyle nach Schottland begleiten und da Fletcher mit Monmouth nach
England gehen solle. Fletcher hatte dem Unternehmen von vornherein einen
unglcklichen Ausgang prophezeit, aber sein ritterlicher Sinn gestattete
ihm nicht, ein Wagstck abzulehnen, nach welchem seine Freunde begierig
zu verlangen schienen. Als Grey die uerungen Wildman's in Bezug auf
Richmond und Richard beistimmend wiederholte, bemerkte der wohlbelesene
und denkende Schotte sehr richtig, es sei ein groer Unterschied
zwischen dem fnfzehnten und dem siebzehnten Jahrhundert. Richmond war
des Beistandes von Baronen gewi, deren Jeder ein Heer von Lehnsleuten
ins Feld stellen konnte, und Richard hatte nicht ein einziges Regiment
regulrer Soldaten.[22]

Es gelang den Verbannten, theils aus eigenen Mitteln, theils durch
Beitrge von Freunden in Holland eine fr beide Expeditionen gengende
Summe aufzubringen. Von London erhielten sie nur sehr wenig. Sie hatten
von dort sechstausend Pfund erwartet; anstatt des Geldes aber kamen
Entschuldigungen von Wildman, welche Allen, die nicht blind sein
_wollten_, die Augen htten ffnen sollen. Der Herzog deckte den
Ausfall, indem er seine eigenen Juwelen und die der Lady Wentworth
verpfndete. Es wurden Waffen, Munition und Proviant gekauft und mehrere
in Amsterdam liegende Schiffe damit befrachtet [23].

    [Anmerkung 21: +Grey's Narrative+; +Wade's Confession, Harl. MS.
    6845.+]

    [Anmerkung 22: +Burnet, I. 631.+]

    [Anmerkung 23: +Grey's Narrative.+]


[_Johann Locke._] Es ist merkwrdig, da gerade der ausgezeichnetste und
am grblichsten beleidigte Mann unter den britischen Verbannten sich von
allen diesen bereilten Beschlssen fern hielt. Johann Locke hate
Tyrannei und Verfolgung als Philosoph, aber sein Verstand und sein
Character bewahrten ihn vor der Heftigkeit eines Parteignger. Er hatte
mit Shaftesbury auf vertrautem Fue gestanden und sich dadurch das
Mifallen des Hofes zugezogen. Locke war jedoch so klug und vorsichtig
gewesen, da es wenig gentzt haben wrde, wenn man ihn vor die
damaligen Gerichte gestellt htte, so verderbt und parteiisch diese auch
waren. Nur in einem Punkte war er verwundbar. Er war Mitglied des
Christchurch-Collegiums der Universitt Oxford. Es ward beschlossen, von
diesem berhmten Collegium den grten Mann zu vertreiben, dessen es
sich je zu rhmen gehabt hatte. Dies war aber nicht leicht, denn Locke
hatte sich in Oxford sorgfltig gehtet, irgendeine Meinung ber die
Tagespolitik zu uern. Man hatte ihn mit Spionen umgeben. Doctoren der
Theologie und Magister der Philosophie hatten sich nicht geschmt, den
schimpflichsten aller Dienste zu leisten, den Mund eines Collegen zu
bewachen, um etwaige uerungen zu seinem Verderben zu hinterbringen.
Das Gesprch in der Halle war absichtlich auf verfngliche Themata
gelenkt worden, wie auf die Ausschlieungsbill und auf den Character des
Earl von Shaftesbury, aber vergebens. Locke lie sich weder ein
unbesonnenes Wort entschlpfen, noch verstellte er sich, sondern er
beobachtete ein so beharrliches Schweigen und eine so gleichgltige
Ruhe, da die Werkzeuge der Gewalt zu ihrem rger gestehen muten, nie
habe ein Mann es verstanden, seine Zunge und seine Leidenschaften so
vollkommen zu beherrschen. Als man sah, da man mit Verrath nichts
ausrichtete, brauchte man willkrliche Gewalt. Nachdem die Regierung es
umsonst versucht hatte, Locke zu einem Fehler zu verleiten, beschlo
sie, ihn ohne einen solchen zu bestrafen. Es kam Befehl von Whitehall,
ihn seines Amtes zu entsetzen, und der Dechant und die Canonici beeilten
sich, diesem Befehle nachzukommen.

Locke reiste zu seiner Erholung auf dem Continent, als er erfuhr, da er
ohne Untersuchung und selbst ohne Benachrichtigung seiner Heimath und
seines Unterhalts beraubt worden sei. Die Ungerechtigkeit, mit der man
gegen ihn verfahren war, wrde es entschuldigt haben, wenn er zu
gewaltsamen Mitteln gegriffen htte, um sich Recht zu verschaffen. Aber
persnlicher Groll konnte ihn nicht verblenden. Er erwartete nichts
Gutes von den Plnen Derer, die sich in Amsterdam versammelt hatten, und
er zog daher in aller Stille nach Utrecht, wo er sich mit der Abfassung
seines berhmten Briefes ber die Toleranz beschftigte, whrend seine
Unglcksgefhrten auf ihr eignes Verderben hinarbeiteten[24].

    [Anmerkung 24: +Le Clerc's Life of Locke+; +Lord King's Life of
    Locke+; +Lord Grenville's Oxford and Locke.+ Locke darf nicht mit
    dem Anabaptisten Nikolaus Look verwechselt werden, dessen Name in
    +Grey's Confession+ Locke geschrieben ist und der auch in den
    +Lansdowne MS. 1152+, sowie in der Erzhlung von Buccleuch im
    Anhange zu Rose's Abhandlung erwhnt wird. Ich wrde es kaum fr
    nthig gehalten haben, hierauf aufmerksam zu machen, htte nicht
    die hnlichkeit dieser beiden Namen einen mit der Geschichte jener
    Zeiten so wohlbekannten Mann wie Prsident Onslow irre gefhrt.
    Siehe seine Anmerkung ber Burnet +I. 629.+]


[_Vorkehrungen der Regierung zur Vertheidigung Schottlands._] Die
englische Regierung erhielt in Zeiten Kunde davon, da unter den
Verbannten etwas im Werke war. Einen Einfall in England scheint man
jedoch zuerst nicht erwartet zu haben; wohl aber frchtete man, da
Argyle nchstens bewaffnet unter seinen Clansmnnern erscheinen werde.
In Folge dessen erschien eine Verordnung des Inhalts, da Schottland in
Vertheidigungszustand gesetzt werden solle. Die Miliz erhielt Befehl,
sich bereit zu halten. Alle dem Namen Campbell feindlich gesinnten Clans
wurden in Bewegung gesetzt. John Murray, Marquis von Athol, wurde zum
Lordlieutenant von Argyleshire ernannt und er besetzte mit einer starken
Abtheilung seiner Untergebenen das Schlo von Inverary. Einige
verdchtige Personen wurden eingezogen, andere muten Brgschaft
leisten. Kriegsschiffe wurden abgesandt, um in der Nhe der Insel Bute
zu kreuzen, und ein Theil der irlndischen Arme wurde nach der Kste von
Ulster dirigirt.[25]

    [Anmerkung 25: +Wodrow, book III. chap. IX.+; +London Gazette, May
    11, 1685+; +Barillon, 11.(21.) Mai.+]


[_Unterredung Jakob's mit den hollndischen Gesandten._] Whrend diese
Vorkehrungen in Schottland getroffen wurden, berief Jakob den Arnold Van
Citters, der lange als Gesandter der Vereinigten Provinzen in England
zugebracht, und Everard Van Dykvelt, der nach Karl's Tode in einer
besonderen Mission zur Beileidsbezeigung und Beglckwnschung von den
Generalstaaten nach London geschickt worden war, in sein Kabinet. Der
Knig sagte ihnen, da er aus sicheren Quellen Kenntni von Anschlgen
gegen seinen Thron erhalten, welche seine verbannten Unterthanen in
Holland schmiedeten. Einige von den Verbannten seien Kehlabschneider,
welche nur die besondere Fgung Gottes verhindert habe, einen
schndlichen Mord zu begehen, und es befinde sich unter ihnen der
Eigenthmer des Ortes, an dem das Gemetzel habe vor sich gehen sollen.
Von allen Lebenden, setzte der Knig hinzu, hat Argyle die grten
Mittel in den Hnden, mir zu schaden, und Holland ist dasjenige Land,
von welchem aus am leichtesten ein Schlag gegen mich gefhrt werden
kann. Citters und Van Dykvelt versicherten Seiner Majestt, da seine
Worte der Regierung, die sie vertraten, unverzglich mitgeteilt werden
sollten, und da zuversichtlich Alles gethan werden wrde, um ihn
zufrieden zu stellen.[26]

    [Anmerkung 26: +Register of the Proceedings of the States General,
    May 5.(15.) 1685.+]


[_Vergebliche Versuche, Argyle am Absegeln zu verhindern._] Die
Gesandten waren berechtigt, dieses Vertrauen auszusprechen. Der Prinz
von Oranien sowohl als die Generalstaaten wnschten damals sehnlichst,
da ihre Gastfreundschaft nicht zu Zwecken gemibraucht werde, ber
welche die englische Regierung sich mit Recht beschweren knnte. Jakob
hatte neuerdings eine Sprache gefhrt, welche der Hoffnung Raum gab, da
er sich nicht geduldig dem Einflusse Frankreichs unterwerfen werde. Es
war daher wahrscheinlich, da er sich zu einem engen Bndnisse mit den
Vereinigten Provinzen und mit dem Hause sterreich bestimmen lassen
werde, und man vermied deshalb im Haag mit ngstlicher Sorgfalt Alles,
was irgend Ansto bei ihm erregen konnte. Auch vereinigte sich bei
dieser Gelegenheit Wilhelm's eigenes Interesse mit dem Interesse seines
Schwiegervaters.

Aber die Lage war von der Art, da sie rasches und krftiges
Einschreiten erforderte, und die Natur der batavischen Institutionen
machte ein solches Einschreiten fast unmglich. Die Union von Utrecht,
welche unter blutigen Revolutionskmpfen und zu dem Zwecke, den
dringendsten Bedrfnissen zu gengen, flchtig entworfen worden, war
niemals in ruhiger Zeit sorgfltig revidirt und vervollstndigt worden.
Jede von den sieben Republiken, weiche diese Union mit einander
verbunden hatte, besa fast noch alle Souverainettsrechte
und behauptete diese Rechte beharrlich der Centralregierung
gegenber. Gleichwie die Bundesgewalt nicht die Mittel hatte, die
Provinzialgewalten zu pnktlichem Gehorsam zu zwingen, so hatten auch
diese nicht die Mittel, die Municipalbehrden zu pnktlichem Gehorsam zu
zwingen. Holland allein enthielt achtzehn Stdte, von denen jede in
vieler Beziehung einen unabhngigen und keine Einmischung von Auen
duldenden Staat bildete. Wenn die Behrden dieser Stdte vom Haag einen
Befehl erhielten, der ihnen nicht gefiel, so ignorirten sie denselben
entweder ganz, oder kamen ihm doch nur langsam und zgernd nach. Bei
einigen Stadtrthen vermochte allerdings der Wille des Prinzen von
Oranien Alles; unglcklicherweise aber war der Ort, wo sich die
britischen Verbannten gesammelt hatten und wo ihre Schiffe ausgerstet
worden waren, das reiche und stark bevlkerte Amsterdam, und die
Magistratsbeamten von Amsterdam waren die Oberhupter der gegen die
Bundesregierung und gegen das Haus Nassau feindlich gesinnten Partei.
Die Marineverwaltung der Vereinigten Provinzen war in den Hnden fnf
verschiedener Admiralittsbehrden; eine dieser Behrden hatte ihren
Sitz in Amsterdam, wurde theilweis von der stdtischen Behrde ernannt
und scheint ganz von deren Geiste beseelt gewesen zu sein.

Alle Bemhungen der Bundesregierung, Jakob's Wnsche zu erfllen, wurden
durch die Ausflchte der Amsterdamer Beamten und durch die Fehlgriffe
des Obersten Bevil Skelton, der eben als Gesandter Englands im Haag
angekommen war, vereitelt. Skelton war zur Zeit der englischen Unruhen
in Holland geboren und man hatte ihn daher als besonders geeignet fr
diesen Posten gehalten[27]; allein er war weder fr diese noch fr
irgend eine andre diplomatische Stellung befhigt. Leute, die einen
Character gut zu beurtheilen verstanden, erklrten ihn fr den
seichtesten, unbestndigsten, leidenschaftlichsten, anmaendsten und
geschwtzigsten Menschen, den es geben knne[28]. Er kmmerte sich nicht
ernstlich um die Schritte der Flchtlinge, als bis drei fr die
Expedition nach Schottland ausgerstete Schiffe bereits glcklich aus
der Zuydersee ausgelaufen, smmtliche Waffen, Munition und Mundvorrthe
an Bord gebracht waren und die Passagiere sich eingeschifft hatten.
Anstatt sich nun, wie er htte thun sollen, an die Generalstaaten zu
wenden, welche dicht neben seiner Wohnung ihre Sitzungen hielten,
schickte er einen Boten an den Magistrat von Amsterdam mit dem Ersuchen,
die verdchtigen Schiffe nicht abfahren zu lassen. Der Magistrat von
Amsterdam antwortete, da der Eingang der Zuydersee auer dem Bereiche
seiner Jurisdiction liege, und verwies ihn an die Bundesregierung. Es
lag auf der Hand, da dies eine bloe Ausflucht war und da durchaus
keine Schwierigkeiten gemacht worden wren, wenn man im Amsterdamer
Stadthause den ernsten Willen gehabt htte, Argyle am Absegeln zu
verhindern. Jetzt wendete sich Skelton an die Generalstaaten. Sie
zeigten sich vollkommen geneigt, seinem Ansuchen zu willfahren, und da
die Zeit drngte, wichen sie von dem Verfahren ab, das sie sonst in
ihrem Geschftsgange zu beobachten pflegten. Noch denselben Tag, an
welchem der Oberst sich an sie gewendet, wurde ein in genauer
bereinstimmung mit seinem Gesuch abgefater Befehl der Admiralitt von
Amsterdam zugefertigt. In diesem Befehle aber war in Folge unrichtiger
Andeutungen von Seiten Skelton's die Lage der Schiffe nicht genau
bezeichnet. Es hie darin, sie lgen im Texel, whrend sie sich bei
Vlieland befanden. Die Admiralitt von Amsterdam nahm diesen Fehler zum
Vorwand, um nichts zu thun, und bevor er berichtigt werden konnte, waren
die drei Schiffe abgesegelt.[29]

    [Anmerkung 27: Dies wird in seinem Beglaubigungsschreiben vom 16.
    Mrz 1684/85 erwhnt.]

    [Anmerkung 28: Bonrepeaux an Seignelay vom 4.(14.) Febr. 1686.]

    [Anmerkung 29: +Avaux Neg. April 30. (May 10.), May 1.(11.), May
    5.(15.) 1685+; +Sir Patrick Hume's Narrative+; Brief von der
    Admiralitt von Amsterdam an die Generalstaaten vom 20. Juni 1685;
    Memorial Skelton's an die Generalstaaten vom 10. Mai 1685.]


[_Argyle's Abreise von Holland._] Die letzten Stunden, welche Argyle an
der Kste Hollands zubrachte, waren Stunden der grten Angst. In seiner
Nhe lag ein hollndisches Kriegsschiff, das mit einer vollen Lage in
einem Augenblicke die ganze Expedition zu Schanden gemacht haben wrde.
Auch ruderte ein Boot um seine kleine Flotte herum, in welchem sich
einige Personen mit Fernrhren befanden, die er fr Spione hielt. Es
wurde jedoch kein wirklicher Schritt gethan, um ihn zurckzuhalten, und
am Nachmittage des 2. Mai ging er mit gnstigem Winde unter Segel.

Die Fahrt war glcklich. Am Sechsten bekam man die Orkneyinseln in
Sicht. Argyle ging sehr unklugerweise auf der Hhe von Kirkwall vor
Anker und gestattete zwei von seinen Begleitern, hier ans Land zu gehen.
Der Bischof gab Befehl, sie festzunehmen. Die Flchtlinge begannen eine
lange und lebhafte Debatte ber diesen Unfall, denn zu Debatten fehlte
es ihnen vom Anfang bis zum Ende der Expedition nie an Energie und
Ausdauer, so zaghaft und unschlssig sie im brigen waren. Einige
stimmten fr einen Angriff auf Kirkwall, Andere fr unverweilte
Fortsetzung der Reise nach Argyleshire. Endlich lie der Earl einige an
der Kste der Insel wohnende Gentlemen festnehmen und schlug dann dem
Bischofe die Auswechselung der Gefangenen vor. Der Bischof gab keine
Antwort und die Flotte segelte wieder ab, nachdem sie drei Tage verloren
hatte.


[_Argyle landet in Schottland._] Diese Verzgerung war hchst
gefhrlich. Es wurde sehr bald in Edinburg bekannt, da das Geschwader
der Aufrhrer die Orkneyinseln berhrt hatte, und man setzte daher
schleunigst Truppen in Bewegung. Als der Earl seine Provinz erreichte,
fand er, da Vorkehrungen getroffen waren, um seine Landung zu
verhindern. Bei Dunstaffnage schickte er seinen zweiten Sohn Karl ans
Land, um die Campbells zu den Waffen zu rufen. Karl aber kam mit
schlimmen Nachrichten zurck. Die Hirten und Fischer waren wohl bereit,
sich um Mac Callum More zu schaaren, aber von den Huptlingen der Clans
waren einige gefnglich eingezogen, andere waren geflohen, und die
Zurckgebliebenen hielten es entweder mit der Regierung oder wollten
doch von einem Aufstande nichts wissen und weigerten sich sogar, den
Sohn ihres Stammoberhauptes nur vor sich zu lassen. Von Dunstaffnage
segelte die kleine Flotte weiter nach Campbelltown, unweit der Sdspitze
der Halbinsel Kintyre. Hier verffentlichte der Earl ein Manifest, das
in Holland unter der Leitung des Ausschusses von einem schottischen
Advokaten, Jakob Stewart, abgefat war, dessen Feder wenige Monate
darauf zu ganz anderen Dingen verwendet wurde. In diesem Erlasse waren
in einer Sprache, deren starke Ausdrcke zuweilen an possenhafte
Gemeinheit grenzten, viele wahre und einige eingebildete Beschwerden
auseinandergesetzt. Unter Andrem war darin angedeutet, der letzte Knig
sei an Gift gestorben. Fr einen Hauptzweck der Expedition wurde die
vllige Unterdrckung nicht nur des Papismus, sondern auch des
Prlatenthums erklrt, welches die bitterste Wurzel und Frucht des
Papismus genannt war, und alle guten Schotten wurden ermahnt, der Sache
ihres Vaterlandes und ihres Gottes tapfren Beistand zu leihen. So eifrig
Argyle auch fr das, was er den reinen Glauben nannte, eingenommen war,
scheute er sich doch nicht, einen halb papistischen, halb heidnischen
Gebrauch in Anwendung zu bringen. Das geheimnivolle Kreuz von
Eibenholz, das zuerst angezndet und dann in Ziegenblut gelscht wurde,
ward ausgeschickt, um alle Campbells vom sechzehnten bis zum sechzigsten
Jahre aufzurufen. Die Landenge von Tarbet war zum Sammelplatz bestimmt.
Die Truppe, die sich dort sammelte, war zwar klein im Vergleich zu der,
welche zusammengekommen sein wrde, wenn der Muth und die Kraft der
Clans noch ungebrochen gewesen wre, doch war sie noch immer
achtunggebietend. Sie erreichte die Zahl von achtzehnhundert Mann.
Argyle theilte seine Bergschotten in drei Regimenter und schritt zur
Ernennung der Offiziere.


[_Argyle's Zwistigkeiten mit seinen Begleitern._] Die schon in Holland
begonnenen Znkereien hatten zwar whrend des ganzen bisherigen Verlaufs
der Expedition noch nicht aufgehrt; in Tarbet aber wurden sie heftiger
als je. Der Ausschu wollte sich selbst in die patriarchalische
Oberherrschaft des Earl ber die Campbells einmischen und ihm nicht
einmal gestatten, den militrischen Rang seiner Stammverwandten nach
eignem Ermessen zu bestimmen. Whrend diese streitschtigen
Friedensstrer ihm seine Macht in den Hochlanden zu entreien suchten,
unterhielten sie ihre eigne Correspondenz mit dem Niederlande und
wechselten Briefe, die dem nominellen General nie mitgetheilt wurden.
Hume und seine Verbndeten hatten sich die Oberaufsicht ber die
Vorrthe vorbehalten und sie fhrten diesen wichtigen Zweig der
Kriegsverwaltung mit einer Lssigkeit, welche von Treulosigkeit kaum zu
unterscheiden war, lieen die Waffen verderben, vergeudeten die
Lebensmittel und lebten in verschwenderischer ppigkeit zu einer Zeit,
wo sie allen Untergebenen mit dem Beispiele der Migkeit htten
vorangehen sollen.

Die groe Frage war nun, ob die Hochlande oder die Niederlande[30] der
Schauplatz des Krieges sein sollten. Des Earl's Hauptziel war fr jetzt,
seine Autoritt ber sein eignes Gebiet zu befestigen, die fremden
Clans, welche aus Perthshire in Argyleshire eingedrungen waren, wieder
hinauszutreiben und seinen alten Stammsitz zu Inverary wieder
einzunehmen. Dann konnte er hoffen, vier- bis fnftausend Schwerter zu
seiner Verfgung zu haben, und mit einer solchen Streitmacht wrde er im
Stande gewesen sein, diese wilden Gegenden gegen die ganze Macht des
Knigreichs Schottland zu vertheidigen, so wie auch eine vortreffliche
Grundlage zu Angriffsoperationen gewonnen haben. Dies scheint der
vernnftigste Weg gewesen zu sein, der ihm offen stand. Rumbold, der
eine ausgezeichnete Kriegsschule durchgemacht hatte und von dem man, da
er Englnder war, erwarten konnte, da er ein unparteiischer
Schiedsrichter zwischen den schottischen Factionen sein werde, that
Alles, was in seinen Krften stand, um den Earl zu untersttzen. Hume
und Cochrane aber waren durchaus unfgsam, ihre Eifersucht auf Argyle
war in der That strker, als der Wunsch, da die Expedition gelingen
mge. Sie sahen, da er zwischen seinen Bergen und Seen und an der
Spitze eines hauptschlich aus Mitgliedern seines eignen Stammes
gebildeten Heeres im Stande sein werde, ihren Widerstand zu brechen und
die volle Autoritt eines Generals auszuben. Sie munkelten, da die
Niederlnder die Einzigen seien, denen die gute Sache wirklich am Herzen
liege, und da die Campbells weder fr die Freiheit, noch fr die Kirche
Gottes, sondern lediglich fr Mac Callum More die Waffen ergriffen
htten. Cochrane erklrte, er werde nach Ayrshire gehen, und wenn er
allein, mit nichts als einer Heugabel in der Hand gehen sollte. Nach
langem Widerstreben willigte Argyle endlich gegen seine bessere
berzeugung darein, da sein kleines Heer getheilt wurde. Er blieb mit
Rumbold in den Hochlanden und Cochrane und Hume traten an die Spitze des
Korps, das zu einem Einfall in die Niederlande absegelte.

Cochrane's Ziel war Ayrshire; aber die Kste dieser Grafschaft war von
englischen Fregatten bewacht und die Abenteurer muten daher die Mndung
des Clyde bis Greenock hinauffahren, das damals ein kleines, aus einer
einzigen Reihe von Strohhtten bestehendes Fischerdorf war, jetzt aber
ein groer, blhender Hafen ist, dessen Zolleinnahmen die
Gesammteinknfte, welche die Stuarts aus dem Knigreiche Schottland
zogen, um das Fnffache bersteigen. Bei Greenock stand eine Abtheilung
Miliz; Cochrane aber brauchte Proviant und war daher entschlossen, zu
landen. Hume machte Einwendungen, Cochrane aber bestand fest darauf und
befahl einem Offizier, Namens Elphinstone, mit zwanzig Mann in einem
Boot ans Ufer zu fahren. Aber der streitschtige Geist der Fhrer hatte
alle Reihen angesteckt. Elphinstone antwortete, er sei nur verpflichtet,
vernnftigen Befehlen zu gehorchen, dieser aber sei unvernnftig, kurz,
er werde nicht gehen. Major Fullarton, ein braver Mann, den alle
Parteien achteten, der aber ein spezieller Freund Argyle's war,
unternahm es, mit nur zwlf Mann zu landen und es gelang ihm trotz des
Feuers, das von der Kste aus auf ihn gerichtet wurde. Es entspann sich
ein kleines Gefecht und die Miliz wich zurck. Cochrane rckte in
Greenock ein, verschaffte sich Mehlvorrath, fand aber das Volk nicht
geneigt zum Aufstande.

    [Anmerkung 30: Nmlich die schottischen.      D. bers.]


[_Stimmung der schottischen Nation._] Die ffentliche Stimmung in
Schottland war in der That nicht so, wie die Verbannten, welche durch
die ihrer Klasse zu jeder Zeit eigne Verblendung bethrt waren, sie
erwartet hatten. Die Regierung war zwar gehssig und gehat, aber die
Mivergngten waren in Parteien gespaltet, welche gegen einander fast
eben so feindselig gesinnt waren, wie gegen ihre Beherrscher, und keine
von diesen Parteien zeigte sonderliche Lust, sich den Einfallenden
anzuschlieen. Viele sprachen dem Aufstande jede Aussicht auf Erfolg ab,
und der Muth vieler Anderen war durch lange und grausame Bedrckung
wirksam gebrochen worden. Allerdings gab es noch eine Klasse von
Enthusiasten, welche nicht gewohnt waren, die Aussichten des Gelingens
zu erwgen, und die der Druck nicht gezhmt, sondern im Gegentheil aufs
uerste erbittert hatte; aber diese Leute sahen keinen groen
Unterschied zwischen Argyle und Jakob. Ihr Zorn war auf einen solchen
Grad gestiegen, da das, was jeder Andere glhenden Eifer genannt haben
wrde, in ihren Augen laodicische Lauheit war. Auf der Vergangenheit
des Earl lastete ein Flecken, den sie als die schndlichste Apostasie
betrachteten. Die nmlichen Hochlnder, die er jetzt zur Ausrottung des
Prlatenthums aufrief, hatte er wenige Jahre vorher zur Vertheidigung
desselben aufgerufen. Waren Sklaven, die von Religion nichts wuten und
sich nicht um sie kmmerten, welche bereit waren, fr Synodalverfassung,
fr Episkopat und fr Papstthum zu kmpfen, wie es Mac Callum More
gerade zu befehlen geruhte, wrdige Bundesgenossen fr das auserwhlte
Volk Gottes? Das in unschicklichem und intolerantem Tone gehaltene
Manifest erschien diesen Fanatikern als ein feiges und weltliches
Machwerk. Eine Verfassung, wie Argyle sie ihnen gegeben haben wrde und
wie sie nachher ein mchtigerer und glcklicherer Befreier ihnen gab,
schien ihnen keines Kampfes werth. Sie verlangten nicht nur
Gewissensfreiheit fr sich, sondern auch unumschrnkte Herrschaft ber
die Gewissen Andrer, nicht blos presbyterianische Lehre, Verfassung und
Gottesdienst, sondern den Covenant in seiner uersten Strenge. Sie
waren nur dadurch zu befriedigen, da alle Zwecke, um deretwillen die
brgerliche Gesellschaft besteht, der Herrschaft eines theologischen
Systems aufgeopfert wurden. Wer da glaubte, da keine Form des
Kirchenregiments eine Verletzung der Nchstenliebe werth sei, wer
Verstndigung und Toleranz empfahl, der schwankte zwischen Jehova und
Baal, wie sie sich ausdrckten. Wer Handlungen, wie die Ermordung des
Kardinals Beatoun und des Erzbischofs Sharpe verdammte, verfiel in die
nmlichen Fehler, um dessentwillen Saul als Knig ber Israel verworfen
worden war. Alle Maregeln, durch welche unter civilisirten und
christlichen Menschen die Schrecken des Kriegs gemildert werden, waren
dem Herrn ein Gruel. Pardon durfte weder genommen noch gegeben werden.
Ein rasender Malaye, ein von einem Haufen verfolgter toller Hund: das
waren die Vorbilder, die sich Krieger, welche zu gerechter
Selbstvertheidigung kmpften, zum Muster nehmen sollten. Fr Grnde,
durch die sich Staatsmnner und Generle bei ihren Schritten, leiten
lassen, waren diese Zeloten durchaus unempfnglich. Wenn ein Mann es
wagte, solche Grnde anzufhren, so war dies schon ein hinreichender
Beweis, da er nicht zu den Glubigen gehrte. Wenn der gttliche Segen
fehlte, so konnten auch schlaue Politiker, kriegserfahrene Heerfhrer,
Waffenkisten aus Holland oder Regimenter nicht wiedergeborener Celten
aus den Gebirgen von Lorn wenig ausrichten. War jedoch auf der andren
Seite die Zeit des Herrn wirklich gekommen, so konnte er noch immer wie
vor Alters durch das, was thricht ist, die Weisen vor der Welt zu
Schanden machen und durch Wenige eben so gut wie durch Viele erretten.
Die breiten Schwerter Athol's und die Bajonette Claverhouse's konnten
durch eben so bescheidene Waffen wie die Schleuder David's oder die
Krge Gideon's in die Flucht geschlagen werden.[31]

Nachdem Cochrane die Unmglichkeit erkannt hatte, die Bevlkerung
sdlich vom Clyde zum Aufstande zu bewegen, kehrte er zu Argyle zurck,
der sich auf der Insel Bute befand. Der Earl schlug nun abermals vor,
einen Angriff auf Inverary zu versuchen; allein er stie abermals auf
hartnckige Opposition. Die Seeleute hielten es mit Cochrane und Hume,
die Hochlnder unterwarfen sich unbedingt den Befehlen ihres Anfhrers.
Es stand zu befrchten, da es zwischen den beiden Parteien zu
Thtlichkeiten kommen wrde, und die Besorgni vor einem solchen Unglck
bewog den Ausschu zu einigen Zugestndnissen. Das Schlo Ealan Ghierig,
an der Mndung des Loch[32] Riddan gelegen, wurde zum Hauptwaffenplatz
erwhlt. Die Kriegsvorrthe wurden dort ausgeschifft und das Geschwader
dicht an den Wllen an einer Stelle, wo es durch Felsen und Untiefen,
welche ihrer Meinung nach eine Fregatte nicht passiren konnte, geschtzt
war, vor Anker gelegt. Dann wurden Auenwerke aufgeworfen und eine
Batterie von einigen von den Schiffen genommenen kleinen Kanonen
aufgefahren. Das Commando in dem Fort ward hchst unklugerweise
Elphinstone bertragen, der schon Beweise gegeben hatte, da er weit
mehr geneigt war, sich mit seinen Vorgesetzten zu streiten, als gegen
den Feind zu kmpfen.

Jetzt wurde auf einige Stunden ein wenig Energie entwickelt. Rumbold
nahm das Schlo Ardkinggla. Der Earl scharmtzelte erfolgreich mit
Athol's Truppen und war schon im Anrcken gegen Inverary begriffen, als
er in Folge schlimmer Nachrichten von den Schiffen und durch
Parteispaltungen im Ausschusse gezwungen wurde, wieder umzukehren. Die
kniglichen Fregatten waren Ealan Ghierig nher gekommen, als man es fr
mglich gehalten, und die Herren vom Niederland weigerten sich auf das
Bestimmteste, noch weiter in's Hochland vorzurcken. Argyle eilte zurck
nach Ealan Ghierig. Dort angelangt, schlug er einen Angriff auf die
Fregatten vor. Seine Schiffe waren zwar zu einem solchen Unternehmen
nicht hinreichend, aber sie wren durch eine Flotille von dreiig groen
mit bewaffneten Hochlndern wohlbemannten Fischerbten untersttzt
worden. Der Ausschu wollte jedoch von diesem Plane nichts hren und
vereitelte denselben auch wirklich durch Anzettelung einer Meuterei
unter dem Schiffsvolke.

Jetzt entstand allgemeine Verwirrung und Entmuthigung. Die Mundvorrthe
waren vom Ausschusse so schlecht verwaltet worden, da es den Truppen an
Lebensmitteln fehlte. Die Hochlnder desertirten daher zu Hunderten und
der durch sein Migeschick gnzlich zu Boden gedrckte Earl gab dem
Andringen Derer nach, welche noch immer hartnckig darauf bestanden, da
er in das Niederland vorrcken solle.

Die kleine Armee brach demgem eiligst nach den Ufern des Loch Long
auf, setzte bei Nacht in Bten ber die Einfahrt und landete in
Dumbartonshire. Hier erhielten sie am folgenden Morgen die Nachricht,
da die Fregatten einen Durchgang forcirt hatten, da smmtliche Schiffe
des Earls genommen worden waren, und da Elphinstone ohne Schwertstreich
aus Ealan Ghierig geflohen sei und das Schlo mit allen Vorrthen dem
Feinde berlassen habe.

Es blieb nun weiter nichts brig, als auf jede Gefahr hin in das
Niederland vorzudringen. Argyle beschlo einen khnen Handstreich auf
Glasgow zu wagen. Sobald aber dieser Entschlu bekannt wurde, ergriff
dieselben Mnner, die ihn bis zu diesem Augenblicke gedrngt hatten, in
das Niederland zu eilen, ein panischer Schrecken, sie stritten, machten
Gegenvorstellungen, und da ihr Streiten und ihre Vorstellungen erfolglos
blieben, entwarfen sie den Plan, sich der Bte zu bemchtigen, auf eigne
Hand zu entfliehen und es ihrem General und seinen Clansleuten zu
berlassen, ohne Hlfe zu siegen oder unterzugehen. Dieser Plan schlug
jedoch fehl, und die Feiglinge, die ihn gefat hatten, waren gezwungen,
mit tapferen Mnnern die Gefahren des letzten Wagnisses zu theilen.

Auf dem Marsche durch die Gegend zwischen Loch Long und Loch Lomond
wurden die Insurgenten fortwhrend durch Abtheilungen der Miliz
beunruhigt. Es fanden einige Gefechte statt, in denen der Vortheil auf
Seiten des Earl blieb, aber die vor ihm her fliehenden Trupps
verbreiteten die Nachricht von seinem Heranrcken und bald nach seinem
bergang ber den Flu Leven stie er auf ein zahlreiches Corps
regulrer und irregulrer Truppen, welche bereit waren, sich mit ihm zu
messen.

Er war dafr, eine Schlacht anzunehmen, eben so auch Ayloffe. Hume aber
erklrte es fr Wahnsinn, mit dem Feinde anzubinden. Er sah ein Regiment
in scharlachrother Uniform, und es konnten noch mehr dahinter stehen:
eine solche Macht angreifen, hiee einem sicheren Tode in den Rachen
eilen. Das Beste sei, sich bis zur Nacht ganz still zu verhalten und
dann dem Feinde wo mglich zu entschlpfen.

Es entspann sich ein heftiger Wortwechsel, der nur mit Mhe durch
Rumbold's Vermittelung beschwichtigt wurde. Es war Abend geworden, und
die beiden feindlichen Heere lagerten in nicht groer Entfernung von
einander. Der Earl wagte es, einen nchtlichen Angriff vorzuschlagen,
wurde aber auch diesmal wieder berstimmt.

    [Anmerkung 31: Wer etwa glauben sollte, da ich die Unvernunft und
    Wildheit dieser Menschen bertreibe, dem rathe ich, zwei Bcher zu
    lesen, die ihn berzeugen werden, da ich die Farben eher
    gemildert als zu stark aufgetragen habe. Die Titel dieser beiden
    Werke sind: +Hind let loose+ und +Faithful Contendings
    displayed.+]

    [Anmerkung 32: See.    D. bers.]


[_Argyle's Truppe zerstreut._] Nachdem der Beschlu gefat war, nicht zu
kmpfen, blieb nichts weiter brig als den Schritt zu thun, den Hume
anempfohlen hatte. Es war einige Mglichkeit vorhanden, da der Earl,
wenn er in aller Stille aufbrach und die ganze Nacht durch ber Haiden
und Morste davoneilte, dem Feinde einen Vorsprung von mehreren Meilen
abgewinnen und ohne weitere Behinderung Glasgow erreichen konnte. Man
lie die Wachtfeuer brennen und setzte sich in Marsch. Doch nun folgte
ein Unglck auf das andre. Die Fhrer verfehlten den Weg durch die Moore
und fhrten die Armee in weichen Sumpfboden. Eine militairische Ordnung
konnte bei diesen undisciplinirten und entmuthigten Soldaten unter einem
stockfinstren Himmel und auf einem trgerischen, unebenen Boden nicht
aufrecht erhalten werden. Schrecken auf Schrecken verbreitete sich in
den getrennten Reihen. Was man sah und hrte hielt man fr ein Anzeichen
vom Herannahen der Verfolger. Einige von den Officieren trugen noch zur
Vermehrung der Angst bei, whrend es ihre Pflicht gewesen wre, sie zu
vermindern. Die Armee war ein demoralisirter Haufe geworden und dieser
schmolz rasch zusammen. Groe Massen entflohen unter dem Schutze der
Dunkelheit. Rumbold und einige andere Tapfere, die keine Gefahr
schrecken konnte, verirrten sich und waren nicht im Stande, das
Hauptcorps wieder aufzufinden. Als der Tag anbrach, sammelten sich nur
etwa fnfhundert erschpfte und entmuthigte Flchtlinge in Kilpatrick.


[_Argyle gefangen genommen._] An eine Fortsetzung des Kriegs war nicht
mehr zu denken und es lag klar auf der Hand, da es den Anfhrern der
Expedition schwer genug werden wrde, nur ihr Leben in Sicherheit zu
bringen. Sie entflohen in verschiedenen Richtungen. Hume erreichte
glcklich das Festland. Cochrane wurde ergriffen und nach London
gebracht. Argyle hoffte unter dem Dache eines seiner alten Diener, der
in der Nhe von Kilpatrick wohnte, ein sicheres Asyl zu finden. Allein
er sah sich in dieser Hoffnung getuscht und war gezwungen, ber den
Clyde zu gehen. Er verkleidete sich als Landmann und bernahm die Rolle
eines Fhrers des Majors Fullarton, dessen muthvolle Treue vor keiner
Gefahr zurckschreckte. Die beiden Freunde reisten mit einander durch
Renfrewshire bis Inchinnan. Hier vereinigen sich der schwarze Cart und
der weie Cart, bevor sie sich in den Clyde ergieen. Diese beiden
Strme flieen jetzt durch blhende Stdte und treiben die Rder
zahlreicher Fabriken; damals aber ging ihr ruhiger Lauf durch
Moorstrecken und Schafweiden. Die einzige Furth, durch welche die
Reisenden den Flu passiren konnten, wurde von einer Abtheilung Miliz
bewacht. Fullarton versuchte es, den Verdacht auf sich zu lenken, damit
sein Begleiter unbemerkt entschlpfen knnte; aber die Frager ahneten,
da der Fhrer nicht der ungebildete Landmann sei, der er scheinen
wollte. Sie legten Hand an ihn. Er ri sich los und sprang in's Wasser,
ward aber sofort verfolgt. Eine kurze Zeit vertheidigte er sich gegen
fnf Angreifer; aber er hatte keine anderen Waffen als seine
Taschenpistolen, und diese waren in Folge seines Sprunges ins Wasser so
na geworden, da sie versagten. Ein Schwerthieb streckte ihn zu Boden
und er wurde festgenommen.

Er gab sich nun als den Earl von Argyle zu erkennen, wahrscheinlich in
der Hoffnung, da sein angesehener Name bei denen, die ihn ergriffen
hatten, Ehrfurcht und Mitleid erwecken wrde. Sie waren auch wirklich
tief erschttert, denn sie waren einfache Schotten niederen Standes, und
obgleich im Dienste der Krone bewaffnet, hegten sie doch vielleicht
einige Vorliebe fr calvinistische Kirchenverfassung und Gottesdienst
und waren berdies gewohnt, ihren Gefangenen als das Oberhaupt eines
erlauchten Hauses und als einen Vorkmpfer des protestantischen Glaubens
zu verehren. Doch obschon sie sichtbar ergriffen waren und obschon
einige von ihnen sogar weinten, so konnten sie sich doch nicht
entschlieen, die versprochene ansehnliche Belohnung fahren zu lassen
und sich der Rache einer unerbittlichen Regierung auszusetzen. Sie
brachten daher ihren Gefangenen nach Renfrew. Der Mann, welcher bei der
Verhaftung die Hauptrolle spielte, hie Riddell. Aus diesem Grunde war
das ganze Geschlecht der Riddell ber ein Jahrhundert lang bei dem
groen Stamme der Campbell verhat. Noch Lebende knnen sich erinnern,
da ein Riddell, der einen Markt in Argyleshire besuchte, es fr rathsam
hielt, einen falschen Namen anzunehmen.

Jetzt begann der glnzendste Theil von Argyle's Laufbahn. Sein
Unternehmen hatte ihm bisher nur Tadel und Spott eingetragen. Sein
groer Fehler war, da er sich nicht entschieden geweigert hatte, den
Titel eines Generals, ohne die Macht desselben, anzunehmen. Wre er
ruhig in Friesland geblieben, so wrde er in wenigen Jahren mit Ehren in
sein Vaterland zurckgerufen worden sein und htte dann bald eine
hervorragende Zierde und Sttze der constitutionellen Monarchie erden
knnen. Htte er die Expedition nach seinen eigenen Ansichten in's Werk
gesetzt und nur solche Begleiter mitgenommen, welche bereit waren, allen
seinen Befehlen unbedingt zu gehorchen, so htte er mglicherweise etwas
Groes bewirken knnen, denn es scheint ihm zu einem Befehlshaber weder
an Muth, noch an Thtigkeit oder Geschicklichkeit gefehlt zu haben,
sondern einzig und allein an Autoritt. Er htte wissen sollen, da von
allen Mngeln dieser der verderblichste ist. Es haben schon Armeen unter
Anfhrern gesiegt, welche eben keine hervorragenden Eigenschaften
besaen. Aber welches Heer, das von einem zankschtigen Clubb commandirt
wurde, wre je der Auflsung und Schande entgangen?

Das groe Unglck, das Argyle betroffen, hatte das Gute, da es ihm
Gelegenheit verschaffte, durch unverkennbare Beweise zu zeigen, was fr
ein Mann er war. Von dem Tage, an welchem er Friesland verlie, bis zu
dem, wo seine Begleiter sich in Kilpatrick von ihm trennten, hatte er
nie frei handeln knnen. Er hatte die Verantwortlichkeit fr eine Reihe
von Maregeln auf sich nehmen mssen, die sein Verstand mibilligte.
Jetzt endlich stand er allein. Die Gefangenschaft hatte ihm die edelste
Art der Freiheit wiedergegeben, die Freiheit, sich in allen seinen
Worten und Thaten nur durch seinen eignen Sinn fr Recht und
Schicklichkeit leiten zu lassen. Von diesem Augenblick war es als ob
neue Weisheit und Tugend in ihm eingezogen wren. Sein Verstand schien
geschrft und gelutert, sein sittlicher Character gehoben und zugleich
gemildert. Der freche bermuth der Sieger unterlie nichts, was den auf
seinen alten Adel und auf sein patriarchalisches Ansehen stolzen Mann
krnken und demthigen konnte. Der Gefangene ward im Triumph durch
Edinburg geschleppt. Er ging zu Fu und entblten Hauptes die ganze
stattliche Strae entlang, welche von dsteren und riesenhaften
steinernen Gebuden beschattet wird und von Holyrood House nach dem
Schlosse fhrt. Vor ihm her schritt der Henker mit dem frchterlichen
Werkzeuge, welches zum Viertheilen auf dem Blocke gebraucht wurde. Die
siegreiche Partei hatte nicht vergessen, da fnfunddreiig Jahre frher
Argyle's Vater an der Spitze der Faction gestanden, welche Montrose dem
Tode berantwortete. Schon vor diesem Ereignisse waren die Huser Graham
und Campbell einander nicht zugethan, seitdem aber hatten sie bestndig
in blutiger Fehde gelegen. Man nahm darauf Bedacht, da der Gefangene
durch das nmliche Thor und durch die nmlichen Straen ging, durch
welche Montrose dem gleichen Schicksale entgegen gefhrt worden war. Die
Truppen, welche den Zug begleiteten, standen unter dem Commando
Claverhouse's, dem Wildesten und Hrtesten vom Geschlechte der Graham.
Als der Earl auf dem Schlosse angelangt war, wurden ihm Ketten an die
Fe geschmiedet und ihm angekndigt, da er nur noch wenige Tage zu
leben habe. Man hatte beschlossen, ihn nicht seines letzten Vergehens
wegen vor Gericht zu stellen, sondern ihn ohne weiteres hinzurichten in
Gemheit eines mehrere Jahre vorher gegen ihn gefllten Urtheils, eines
Urtheils von so emprender Ungerechtigkeit, da selbst die servilsten
und gefhllosesten Juristen jener schlimmen Zeit nicht ohne Beschmung
davon sprechen konnten.

Aber weder die schimpfliche Prozession durch High Street, noch die nahe
Aussicht auf den Tod vermochte Argyle's edle und majesttische Ruhe zu
erschttern. Seine Standhaftigkeit wurde inde auf eine noch hrtere
Probe gestellt. Auf Befehl des Geheimen Raths ward ihm ein Papier mit
Fragen vorgelegt. Von diesen Fragen beantwortete er diejenigen, die er
ohne Gefahr fr seine Freunde beantworten konnte, und weigerte sich mehr
zu sagen. Hierauf sagte man ihm, da wenn er nicht vollstndigere
Antworten gbe, er auf die Folter gespannt werden wrde. Jakob, der es
gewi sehr bedauerte, da er sich nicht persnlich an dem Anblicke
Argyle's in den spanischen Stiefeln weiden konnte, hatte die
gemessensten Befehle nach Edinburg gesandt, da nichts versumt werden
solle, was dem Verrther Aufschlu ber Alle, die bei dem Verrath
betheiligt waren, erpressen knnte. Doch alle Drohungen waren vergebens.
Trotz unmittelbarer Aussicht auf Folterqualen und Tod dachte Mac Callum
More weit weniger an sich selbst als an seine armen Clansleute. Ich
versuchte es heute, schrieb er aus seiner Zelle, fr sie zu
unterhandeln, und ich hatte einige Hoffnung. Aber diesen Abend ist der
Befehl gekommen, da ich Montag oder Dienstag sterben msse, und ich
soll auf die Folter gelegt werden, wenn ich nicht alle Fragen beantworte
und eidlich erhrte. Doch ich hoffe, Gott wird mich aufrecht erhalten.

Die Folter wurde nicht angewendet. Vielleicht hatte die Hochherzigkeit
des Opfers die Sieger zu ungewohntem Mitleid gerhrt. Er selbst
bemerkte, da sie anfangs sehr hart gegen ihn gewesen waren, aber bald
anfingen, ihn mit Achtung und Freundlichkeit zu behandeln. Gott, sagte
er, hat ihre Herzen erweicht. Es ist erwiesen, da er nicht einen seiner
Freunde verrieth, um der uersten Grausamkeit seiner Feinde zu
entgehen. Am letzten Morgen seines Lebens schrieb er die Worte: Ich
habe Niemandem zu seinem Nachtheile genannt. Ich danke Gott, da er mich
so wunderbar aufrecht erhalten hat.

Er verfate seine eigene Grabschrift, ein sinn- und geistvolles kurzes
Gedicht von einfachem und krftigem Styl und durchaus nicht zu
verachtendem Versbau. In diesen Strophen beklagte er sich, da, obgleich
seine Feinde ihn wiederholt zum Tode verurtheilt htten, seine Freunde
doch noch herzloser gewesen wren. Einen Commentar zu diesen uerungen
liefert ein Brief von ihm an eine in Holland wohnende Dame. Sie hatte
ihm eine bedeutende Summe Geldes fr seine Expedition gegeben und er
meinte, da sie deshalb gegrndeten Anspruch auf eine ausfhrliche
Darlegung der Ursachen habe, welche das Milingen derselben
herbeigefhrt. Von Verrath sprach er seine Gehlfen frei, ihre Thorheit,
Unwissenheit und Parteisucht aber schilderte er in Ausdrcken, die sie,
wie ihre eigenen Aussagen spter bewiesen, mit vollem Rechte verdienten.
Es stiegen nachher Zweifel in ihm auf, ob er fr einen sterbenden
Christen nicht eine zu harte Sprache gefhrt habe, und er bat daher
seine Freundin noch auf einem besonderen Blatte, da sie das von diesen
Mnnern Gesagte als nicht geschrieben betrachten solle. Nur dabei mu
ich bleiben setzte er mild hinzu, da sie unlenksam waren.

Den grten Theil der wenigen Stunden, die er noch zu leben hatte,
brachte er im Gebet und in liebevoller Unterhaltung mit einigen
Mitgliedern seiner Familie zu. Er legte keine Reue ber sein letztes
Unternehmen an den Tag, beklagte aber mit schmerzlicher Wehmuth seine
frhere Fgsamkeit in geistlichen Dingen gegen das Belieben der
Regierung. Er sagte, seine Strafe sei gerecht; wer so lange sich der
Feigheit und Verstellung schuldig gemacht habe, sei nicht werth, das
Rettungswerkzeug fr Staat und Kirche zu sein. Die Sache aber,
wiederholte er sehr hufig, sei Gottes Sache und werde gewi
triumphiren. Ich gebe mich nicht fr einen Propheten aus, sagte er,
aber ich habe eine bestimmte Ahnung, da die Befreiung sehr nahe ist.
Es kann nicht Wunder nehmen, da einige eifrige Presbyterianer sich
diesen Ausspruch merkten und ihn zu einer spteren Zeit gttlicher
Eingebung zuschrieben.

Frommer Glaube und Hoffnung, verbunden mit natrlichem Muthe und
stoischer Gelassenheit hatten sein Gemth so vollkommen beruhigt, da er
noch an dem Tage, an dem er sterben sollte, mit Appetit zu Mittag
speiste, sich bei Tische mit Heiterkeit unterhielt und sich dann, wie
gewhnlich, niederlegte, um einige Stunden zu schlafen, damit Leib und
Seele in voller Kraft wren, wenn er das Schaffot bestiege. Um diese
Zeit kam ein Lord des Geheimen Raths, der wahrscheinlich von Haus aus
Presbyterianer war und sich nur durch Rcksichten des Eigennutzes hatte
verleiten lassen, zur Unterdrckung der Kirche, der er frher selbst
angehrte, beizutragen, mit einer Botschaft von seinen Kollegen in das
Schlo und verlangte den Earl zu sprechen. Man antwortete ihm, da der
Earl schlafe. Der Geheimerath hielt dies fr eine leere Ausflucht und
bestand darauf, eingelassen zu werden. Die Thr der Zelle ward geffnet
und da lag der Earl auf dem Bett und schlief in seinen Ketten sanft wie
ein unschuldiges Kind. In dem Renegaten regte sich das Gewissen. Mit
zerknirschtem Herzen wendete er sich ab, eilte aus dem Schlosse und
flchtete sich zu einer dicht nebenan wohnenden Dame seiner
Verwandtschaft. Hier warf er sich auf ein Sopha und berlie sich dem
Schmerze der Beschmung und Reue. Der Ausdruck seines Blickes und seine
Seufzer beunruhigten die Dame, sie glaubte er sei pltzlich krank
geworden, und bat ihn ein Glas Sekt zu trinken. Nein, nein, erwiederte
er, das kann mir nicht helfen. Sie bat ihn nun, da er ihr sagen
mchte, was ihn so ergriffen habe. Ich war in Argyle's Gefngni߫,
sagte er, und ich habe ihn eine Stunde vor der Ewigkeit so sanft
schlafen sehen, wie nur ein Mensch schlafen kann. Aber was mich
betrifft--

Der Earl erhob sich nun von seinem Lager und bereitete sich auf den
letzten Gang vor. Er wurde zuerst die High Street hinab nach dem
Sitzungshause des Geheimen Raths gebracht, wo er die kurze Zeit bis zu
seiner Hinrichtung verweilen sollte. Whrend dieser letzten Frist bat er
um Schreibzeug und schrieb an seine Gattin: Liebes Weib, Gott ist
unvernderlich. Er ist stets gtig und gndig gegen mich gewesen und
keine Lage ndert dies. Vergieb mir alle meine Fehler und suche Trost in
Ihm, in dem allein der wahre Trost zu finden ist. Der Herr sei mit Dir,
Er segne und trste Dich. Lebe wohl.


[_Argyle's Hinrichtung._] Es war jetzt Zeit, das Haus des Geheimen Raths
zu verlassen. Die Geistlichen, welche den Gefangenen begleiteten, waren
zwar nicht seines Glaubens, aber er hrte sie artig an und ermahnte sie,
ihre Gemeinden vor denjenigen Lehren zu warnen, welche alle
protestantischen Kirchen einstimmig verdammten. Er bestieg das Schaffot,
wo die alte plumpe Guillotine Schottlands, die Jungfrau genannt, ihn
erwartete, und hielt eine Ansprache an das Volk, die mit den
eigenthmlichen Redensarten seiner Sekte durchwebt war, aber den Geist
wahrer Frmmigkeit athmete. Er sagte, er vergebe seinen Feinden, wie er
hoffe, da ihm vergeben werden wrde. Nur ein bittrer Ausdruck
entschlpfte ihm. Einer der bischflichen Geistlichen, die ihn
begleiteten, trat an den Rand des Schaffots und rief mit lauter Stimme
aus: Mylord stirbt als Protestant. -- Ja, sagte der Earl vorgehend,
und nicht nur als Protestant, sondern mit dem Hasse gegen Papismus,
Prlatenthum und jeden Aberglauben im Herzen. -- Dann umarmte er seine
Freunde, bergab ihnen einige Zeichen der Erinnerung fr seine Gattin
und seine Kinder, kniete nieder, legte das Haupt auf den Block, betete
eine Weile und gab endlich dem Scharfrichter das Zeichen. Sein Kopf
wurde auf die Spitze des Tolbooth gesteckt, wo vordem Montrose's Haupt
verwest war.[33]

    [Anmerkung 33: Die Schriftsteller, denen ich die Erzhlung von
    Argyle's Expedition entlehnt habe, sind Sir Patrick Hume, der als
    Augenzeuge spricht, und Wodrow, dem die werthvollsten Materialien,
    darunter des Earls eigene Papiere, zu Gebote standen. Wo die
    Glaubwrdigkeit Argyle's oder Hume's in Frage kommt, da zweifle
    ich nicht, da Argyle's Erzhlung die richtige ist. Siehe auch
    Burnet I. 631 und das Leben Bresson's, herausgegeben von +Dr.+ Mac
    Crie. Die Erzhlung des schottischen Aufstandes in Clarke's +Life
    of James the Second+ ist ein lcherlicher Roman, geschrieben von
    einem Jakobiten, der sich nicht einmal die Mhe nahm, eine Karte
    des Kriegsschauplatzes anzusehen.]


[_Rumbold's Hinrichtung._] Der Kopf des wackren und aufrichtigen, wenn
auch nicht tadelfreien Rumbold war bereits auf dem Westthore von
Edinburgh aufgesteckt. Umgeben von parteischtigen und feigen
Verbndeten, hatte er sich whrend des ganzen Feldzugs als ein in der
Schule des groen Protectors gebildeter Soldat gezeigt, hatte im Rathe
die Autoritt Argyle's krftig untersttzt und sich im Felde durch
ruhige Unerschrockenheit ausgezeichnet. Nachdem die Armee sich
zerstreut, wurde er von einer Abtheilung Miliz angegriffen. Er wehrte
sich mit verzweifelter Tapferkeit und wrde sich auch durchgeschlagen
haben, htte man seinem Pferde nicht die Fesseln zerschnitten. Tdtlich
verwundet wurde er nach Edinburg gebracht. Die Regierung htte ihn gern
in England hinrichten lassen, aber er war dem Tode so nahe da, wenn er
nicht in Schottland gehngt wurde, er gar nicht gehngt werden konnte,
und des Vergngens, ihn zu hngen, wollten sich die Sieger nicht
entschlagen. Es lie sich zwar nicht erwarten, da sie gegen einen Mann,
der als das Haupt des Ryehousecomplots betrachtet wurde und Eigenthmer
des Hauses war, von welchem dieses Complot seinen Namen erhielt,
besondere Milde ben wrden; aber die Rcksichtslosigkeit, mit der sie
den Sterbenden behandelten, mu unsrem humaneren Zeitalter fast
unglaublich erscheinen. Einer der schottischen Geheimrthe sagte ihm, er
sei ein verdammter Schurke. Ich bin im Frieden mit Gott, erwiederte
Rumbold gelassen, wie kann ich da verdammt sein?

Er wurde in aller Eil vor Gericht gestellt, berfhrt und verurtheilt,
nach wenigen Stunden in der Nhe des Stadtkreuzes in High Street gehngt
und geviertheilt zu werden. Obgleich er ohne die Untersttzung zweier
Mnner nicht stehen konnte, bewahrte er doch seine Seelenstrke bis zum
letzten Augenblicke und erhob unter dem Galgen seine schwache Stimme
gegen Papismus und Tyrannei mit solcher Heftigkeit, da die Offiziere
die Trommeln rhren lieen, damit das Volk ihn nicht hren konnte. Er
sagte, er sei ein Freund der beschrnkten Monarchie, aber er knne
nimmermehr glauben, da die Vorsehung einige wenige Menschen fertig
gestiefelt und gespornt zum Reiten und Millionen gesattelt und gezumt,
um geritten zu werden, in die Welt gesandt habe. Ich lobe und preise
Gottes heiligen Namen dafr, rief er aus, da ich hier stehe nicht
wegen eines begangnen Unrechts, sondern weil ich in einer schlimmen Zeit
seiner Sache treugeblieben bin. Und wre jedes Haar auf meinem Haupte
ein Mann, ich wrde sie alle in diesem Kampfe daran setzen.

Whrend der Untersuchung sowohl als noch bei der Hinrichtung sprach er
vom Meuchelmorde mit dem Abscheu, der einem guten Christen und einem
tapfren Soldaten ziemt. Er betheuerte auf das Wort eines dem Tode
verfallnen Mannes, da er nie den Gedanken gehegt habe, eine solche
Schndlichkeit zu verben. Aber er gestand offen, da er im Gesprch mit
seinen Mitverschworenen sein eignes Haus als einen Ort bezeichnet habe,
wo Karl und Jakob mit Vortheil angegriffen werden knnten, und da zwar
viel ber die Sache debattirt, doch nichts beschlossen worden sei. Es
mag auf den ersten Anblick scheinen, als ob dieses Gestndni mit seiner
Erklrung, da er den Meuchelmord stets verabscheut habe, unvereinbar
wre; aber er lie sich hierbei durch eine Unterscheidung tuschen,
welche viele seiner Zeitgenossen irre leitete. Nichts hatte ihn dazu
bewegen knnen, in die Speisen der beiden Frsten Gift zu werfen, oder
sie im Schlafe zu erdolchen; aber einen unvermutheten Angriff auf die
den kniglichen Wagen umgebenden Leibgarden zu machen, Schwerthiebe und,
Pistolenschsse zu wechseln und es darauf ankommen zu lassen, ob man
tdten oder getdtet werden wrde, dies war in seinen Augen eine
durchaus loyale militrische Operation. Hinterhalte und berrumpelungen
gehrten zu den gewhnlichen Vorfllen eines Kriegs. Jeder alte Soldat,
Kavalier oder Rundkopf, war bei solchen Unternehmungen betheiligt
gewesen. Fiel der Knig in dem Gefecht, so fiel er im ehrlichen Kampfe
und nicht durch Mrderhand. Ganz das nmliche Raisonnement stellten nach
der Revolution Jakob selbst und seine tapfersten und ergebensten
Anhnger auf, um einen ruchlosen Anschlag gegen das Leben Wilhelm's III.
zu rechtfertigen. Ein Trupp Jakobiten wurde abgesandt, um den Prinzen
von Oranien in seinem Winterquartiere anzugreifen. Der geheime Sinn
dieser ganz unverfnglich klingenden Redensart war, da dem Prinzen auf
der Fahrt von Richmond nach Kensington die Kehle abgeschnitten werden
sollte. Es mag auffallend erscheinen, da solche Trugschlsse, die Hefe
der jesuitischen Casuistik, im Stande gewesen sind, Mnner von
heldenmthigem Character, sowohl Whigs als Tories, zu einem Verbrechen
zu verleiten, welchem die gttlichen wie die menschlichen Gesetze ganz
besonders den Stempel der Verruchtheit aufgedrckt haben. Aber kein
Sophismus ist so plump, da er nicht Gemther, welche vom Parteigeist
verblendet sind, bethren knnte.[34]

Argyle, welcher Rumbold einige Stunden berlebte, gab kurz vor seinem
Tode noch ein Zeugni fr die Tugenden des tapfren Englnders. Der arme
Rumbold war mir eine groe Sttze und ein braver Mann, und er ist
christlich gestorben.[35]

    [Anmerkung 34: +Wodrow III. IX. 10.+; +Western Martyrology+;
    +Barnet, I. 633+; +Fox's History, Appendix IV.+ Ich vermag auf
    keine andre als die im Texte angegebene Weise Rumbold's
    Versicherung, da er nie den Gedanken an einen Mord gehegt habe,
    mit seinem Gestndni, da er selbst sein Haus als zu einem
    Angriff auf die kniglichen Brder passend bezeichnet habe, in
    Einklang zu bringen. Die Unterscheidung, die ich ihm zuschreibe,
    wurde auch noch von einem andren Ryehouseverschwornen gemacht, dem
    Kapitain Walcot, ebenfalls einem ehemaligen Soldaten der Republik.
    Bei Walcot's Verhr fragte der Kronzeuge: Ihr habt zugegeben,
    Kapitain, da Ihr einer von Denen waret, welche gegen die Garden
    kmpfen sollten. -- Aus welchem Grunde wollte er denn aber den
    Knig nicht umbringen? fragte hierauf der Oberrichter Pemberton.
    Er sagte, antwortete West, es sei ruchlos, einen wehrlosen
    Menschen zu tdten, und dies knne er niemals.]

    [Anmerkung 35: +Wodrow III. IX. 9.+]


[_Ayloffe's Tod._] Ayloffe zeigte keine geringere Todesverachtung als
Argyle und Rumbold, nur war sein Ende fr fromme Gemther nicht so
erbaulich wie das ihrige. Wenn auch politische Sympathie ihn zu den
Puritanern hingezogen, so hatte er doch keine religisen Sympathien fr
sie und galt auch in ihren Augen fr wenig besser als ein Atheist. Er
gehrte zu dem Theile der Whigs, der seine Vorbilder lieber unter den
Patrioten Griechenlands und Roms, als unter den Propheten und Richtern
Israels suchte. Er wurde gefangen genommen und nach Glasgow gebracht.
Hier versuchte er es, sich mit einem kleinen Federmesser zu entleiben,
aber obgleich er sich mehrer Wunden beibrachte, war doch keine davon
tdtlich, und er hatte noch Kraft genug, um eine Reise nach London
auszuhalten. Er ward vor den Geheimen Rath gestellt und vom Knige
selbst verhrt, war aber zu hochsinnig, als da er sich durch
Denuncirung Anderer htte retten sollen. Unter den Whigs erzhlte man
sich, der Knig habe zu ihm gesagt: Ihr thtet besser, wenn Ihr offen
gegen mich wret, Herr Ayloffe; Ihr wit, da es in meiner Macht steht,
Euch zu begnadigen. Der Gefangne sollte hierauf sein dstres Schweigen
gebrochen und geantwortet haben. In Ihrer Macht mag es stehen, aber in
Ihrem Character liegt es nicht. Er wurde in Gemheit seines frheren
chtungsurtheils vor dem Thore des Tempels hingerichtet und starb mit
stoischem Gleichmuth.[36]

    [Anmerkung 36: +Wade's Narrative, Harl. MS. 6845+; +Burnet I.
    634+; Citters' Depesche vom 30. Oct. (9. Nov.) 1685; +Luttrell's
    Diary+ von dem nmlichen Datum.]


[_Verwstung von Argyleshire._] Inzwischen bten die Sieger eine
erbarmungslose Rache an dem Volke von Argyleshire. Athol lie viele
Campbells ohne gerichtliche Untersuchung hngen und nur mit Mhe wurde
er durch den Geheimen Rath verhindert, noch mehr Menschenleben zu
opfern. Dreiig Meilen im Umkreise von Inverary wurde das Land
verwstet. Huser wurden angezndet, Mhlsteine zertrmmert, Obstbume
umgehauen und selbst die Wurzelstcke derselben verbrannt. Die Netze und
Fischerbte, die einzigen Mittel, durch welche viele von den
Kstenbewohnern ihren Unterhalt erwarben, wurden vernichtet, und mehr
als dreihundert Rebellen und Unzufriedene nach den Colonien
transportirt. Viele von ihnen wurden auch zur Verstmmelung verurtheilt.
An einem einzigen Tage schnitt der Henker von Edinburg fnfunddreiig
Gefangenen die Ohren ab; eine Menge Weiber wurden ber das atlantische
Meer geschickt, nachdem man sie mit einem glhenden Eisen auf der Wange
gebrandmarkt hatte.[37] Man ging sogar mit dem Plane um, von dem
Parlamente eine Acte zu verlangen, durch welche der Name Campbell
gechtet werden sollte, wie achtzig Jahre frher der Name Mac Gregor
gechtet worden war.

Argyle's Unternehmung hatte im Sden der Insel wenig Aufsehen gemacht.
Die Nachricht von seiner Landung traf unmittelbar vor dem Zusammentritt
des englischen Parlaments in London ein. Der Knig erwhnte die Sache in
der Thronrede, und die Huser versicherten ihn, da sie gegen jeden
Feind zu ihm halten wrden. Mehr wurde von ihnen nicht verlangt. ber
Schottland hatten sie keine Gewalt, und ein Krieg, dessen Schauplatz so
weit entfernt und dessen Ausgang fast von vornherein leicht
vorauszusehen war, erregte in London nur geringes Interesse.

    [Anmerkung 37: +Wodrow III. IX. 4+, und +III. IX. 10.+ Wodrow
    fhrt aus den Acten des Geheimen Rathes die Namen aller der
    Gefangenen auf, welche transportirt, verstmmelt oder gebrandmarkt
    wurden.]


[_Erfolglose Versuche, Monmouth's Abreise von Holland zu verhindern._]
Aber eine Woche vor der schlielichen Zerstreuung von Argyle's Armee
wurde ganz England durch die Nachricht erschttert, da ein weit mehr zu
frchtender Mann in feindlicher Absicht an seiner eignen Kste gelandet
sei. Die Flchtlinge waren dahin bereingekommen, da Monmouth sechs
Tage nach der Abfahrt der Schotten von Holland unter Segel gehen sollte.
Er hatte seine Expedition wahrscheinlich deshalb kurze Zeit
aufgeschoben, weil er hoffte, da, sobald der Krieg in den Hochlanden
ausbrach, die meisten Truppen nach dem Norden gesandt werden und er
daher keine zu seinem Empfange gerstete Streitmacht vorfinden wrde.
Als er endlich abzusegeln wnschte, war der Wind ungnstig und heftig
geworden.

Whrend seine kleine Flotte im Texel hin und her getrieben wurde, lagen
die hollndischen Behrden mit einander im Streit. Auf der einen Seite
standen die Generalstaaten und der Prinz von Oranien, auf der andren der
Magistrat und die Admiralitt von Amsterdam.

Skelton hatte den Generalstaaten ein Verzeichni derjenigen Flchtlinge
bergeben, deren Aufenthalt in den Vereinigten Provinzen seinem Gebieter
Besorgnisse einflte. Die Generalstaaten, welche dringend wnschten,
jedes billige Verlangen Jakob's zu erfllen, sandten Abschriften der
Liste an die Provinzialbehrden, und diese wieder an die
Municipalbehrden. Smmtlichen Stadtmagistraten wurde bedeutet, da sie
die erforderlichen Maregeln ergreifen sollten, um die gechteten Whigs
zu verhindern, die englische Regierung zu beunruhigen. Im Allgemeinen
wurde diesen Befehlen Folge geleistet, und besonders in Rotterdam, wo
der Einflu Wilhelm's Alles vermgend war, wurde eine Thtigkeit
entwickelt, welche Jakob zu dankbarer Anerkennung veranlate. Allein der
Hauptsitz der Emigranten war Amsterdam, und die Regierungsbehrde dieser
Stadt wollte nichts sehen, nichts hren und nichts wissen. Der
Schulthei, der selbst in tglichem Verkehr mit Ferguson stand,
berichtete nach dem Haag, da er nicht einen einzigen von den
Flchtlingen zu finden wisse, und die Bundesregierung mute sich mit
dieser Entschuldigung begngen. In Wirklichkeit aber waren die
englischen Verbannten in Amsterdam allgemein bekannt und wurden auf den
Straen ebenso angestaunt, als wenn sie Chinesen gewesen wren.[38]

Wenige Tage darauf erhielt Skelton von seinem Hofe den Befehl, darum
anzusuchen, da in Betracht der Gefahren, welche dem Throne seines
Gebieters drohten, die drei im Dienste der Vereinigten Provinzen
stehenden schottischen Regimenter unverzglich nach Grobritannien
zurckgesandt werden sollten. Er wendete sich an den Prinzen von
Oranien, und dieser bernahm die Erledigung dieser Angelegenheit, sagte
aber voraus, da Amsterdam einige Schwierigkeiten machen wrde. Seine
Besorgni erwies sich als gegrndet. Die Deputirten von Amsterdam
verweigerten ihre Zustimmung und es gelang ihnen, eine Verzgerung
herbeizufhren; aber die Frage war nicht eine von denen, hinsichtlich
derer nach der Verfassung der Republik eine einzelne Stadt die
Verwirklichung des Wunsches der Mehrheit verhindern konnte. Wilhelm's
Einflu berwog und die Truppen wurden mit groer Eil eingeschifft.[39]

Zu gleicher Zeit bemhte sich Skelton, allerdings mit geringer Einsicht
und Migung, die von den Flchtlingen ausgersteten Schiffe
zurckzuhalten. Er beschwerte sich in heftigen Ausdrcken bei der
Admiralitt von Amsterdam. Die Nachlssigkeit der Behrde, sagte er,
habe schon eine Horde von Rebellen in den Stand gesetzt, einen Einfall
in Grobritannien zu machen, ein zweiter derartiger Fehler sei durch
nichts zu entschuldigen, und er verlangte mit peremptorischer
Bestimmtheit, da ein groes Schiff, der Helderenbergh, zurckgehalten
werden solle. Dieses Schiff war angeblich nach den Canarischen Inseln
bestimmt, wahrend es thatschlich von Monmouth ausgerstet war,
sechsundzwanzig Kanonen fhrte und Waffen und Munition geladen hatte.
Die Admiralitt von Amsterdam erwiederte, da die Freiheit des Handels
und der Schifffahrt geringfgiger Grnde wegen nicht beschrnkt und der
Helderenbergh nicht ohne Befehl der Generalstaaten zurckgehalten
werden knnte. Skelton, dessen unvernderliche Art es gewesen zu sein
scheint, Alles beim unrechten Ende anzugreifen, wendete sich nun an die
Generalstaaten, und diese erlieen die nthigen Befehle. Jetzt aber gab
die Amsterdamer Admiralitt vor, es sei keine hinreichende Seemacht im
Texel, um sich eines so groen Schiffes, wie des Helderenbergh
bemchtigen zu knnen, und lie Monmouth ungehindert absegeln.[40]

Das Wetter war schlecht, die Reise lang und mehrere englische
Kriegsschiffe kreuzten im Kanal. Aber Monmouth entging dem Meere und dem
Feinde. Als er bei den Klippen von Dorsetshire vorberkam, wurde es fr
wnschenswerth erachtet, ein Boot mit einem der Flchtlinge, Namens
Thomas Dare, ans Ufer zu schicken. Dieser Mann hatte trotz seiner
niedrigen Denkungsart und seines gemeinen Wesens in Taunton groen
Einflu. Er erhielt die Weisung; durch das Land nach dieser Stadt zu
eilen und seinen Freunden anzukndigen, da Monmouth bald auf englischem
Boden sein werde.[41]

    [Anmerkung 38: Skelton's Schreiben ist vom 7.(17.) Mai 1686. Es
    findet sich nebst dem Briefe des Schout oder Schultheien von
    Amsterdam in einer kleinen Schrift, die einige Monate spter
    erschien unter dem Titel: +Histoire des Evnemens Tragiques
    d'Angleterre+. Die in diesem Werke angefhrten Actenstcke sind,
    so weit ich sie geprft habe, genau aus den hollndischen Archiven
    mitgetheilt, nur mit der Ausnahme, da Skelton's ziemlich unreines
    Franzsisch ein wenig verbessert ist. Siehe auch +Grey's
    Narrative+.

    Goodenough sagte in seinem Verhre nach der Schlacht von
    Sedgemoor: Der Schout von Amsterdam war ein besondrer Freund
    dieses letzten Planes. +Lansdowne MS. 1152.+

    Es ist nicht der Mhe werth, die Schriftsteller zu widerlegen,
    welche den Prinzen von Oranien als an Monmouth's Unternehmung
    betheiligt darstellen. Sie sttzen sich dabei besonders auf dem
    Umstand, da die Behrden von Amsterdam keine energischen Schritte
    thaten, um das Absegeln der Expedition zu verhindern. Dieser
    Umstand ist aber gerade der strkste Beweis, da das Unternehmen
    von Wilhelm nicht begnstigt wurde. Wer nicht gnzlich unbekannt
    ist mit den Institutionen und der Politik Hollands, wird den
    Statthalter fr die Handlungen der Oberhupter der
    Loevestein'schen Partei nicht verantwortlich halten.]

    [Anmerkung 39: +Avaux, Neg. June 7.(17.), 8.(18.), 14.(24.)
    1685.+; Brief des Prinzen von Oranien an Lord Rochester vom
    9. Juni 1685.]

    [Anmerkung 40: Citters, 9.(19.) und 12.(22.) Juni 1685. Die
    Korrespondenz Skelton's mit den Generalstaaten und der Admiralitt
    von Amsterdam befindet sich in den Archiven im Haag. Einige Briefe
    findet man in den +Evnemens Tragiques d'Angleterre+. Siehe auch
    Burnet I. 640.]

    [Anmerkung 41: Wade's Bekenntni in den +Hardwicke Papers, Harl.
    MS. 6845.+]


[_Monmouth's Ankunft in Lyme._] Am Morgen des siebenten Juni erschien
der Helderenbergh, begleitet von zwei kleineren Schiffen, vor dem
Hafen von Lyme. Diese Stadt ist ein kleiner Knuel von steilen und engen
Gassen und liegt an einer wilden, felsigen, von einer strmischen See
gepeitschten Kste. Der Ort war damals besonders wegen eines Dammes
bekannt, der aus unbehauenen und nicht durch Mrtel verkitteten Steinen
zur Zeit der Plantagenets errichtet worden war. Dieses alte, unter dem
Namen Cob bekannte Bauwerk verschlo den auf einer Strecke von vielen
Meilen einzigen Hafen, in den sich die Fischer vor den Strmen des
Kanals flchten konnten.

Das Erscheinen der drei Schiffe von fremder Bauart und ohne Flagge
machte die Bewohner von Lyme bestrzt, und die Besorgni nahm zu, als es
sich zeigte, da die Zollbeamten, welche dem Gebrauche gem an Bord
gegangen waren, nicht zurckkamen. Die ganze Bevlkerung eilte auf die
Klippen und blickte lange ngstlich hinaus, konnte aber keine Lsung des
Rthsels finden. Endlich stieen von dem grten der drei Schiffe sieben
Bte ab und ruderten ans Ufer, wo sie ungefhr achtzig wohl bewaffnete
und ausgerstete Mnner aussetzten. Unter ihnen befanden sich Monmouth,
Grey, Fletcher, Ferguson, Wade und Anton Buyse, ein Offizier, der im
Dienste des Kurfrsten von Brandenburg gestanden hatte[42].

Monmouth gebot Ruhe, kniete am Strande nieder, dankte Gott, da er die
Freunde der Freiheit und des reinen Glaubens vor den Gefahren der See
behtet, und erflehte den gttlichen Segen fr das, was noch am Lande zu
thun sei. Dann zog er sein Schwert und fhrte seine Leute ber die
Klippen in die Stadt.

Sobald es bekannt wurde, unter welchem Fhrer und in welcher Absicht die
Expedition kam, durchbrach die Begeisterung des Volks alle Schranken.
Die kleine Stadt war in der heftigsten Aufregung, die Leute liefen hin
und her und jubelten laut: Monmouth! Monmouth! die protestantische
Religion! Mittlerweile ward die Fahne der Abenteurer, eine blaue
Flagge, auf dem Marktplatze aufgepflanzt, die Kriegsvorrthe wurden im
Stadthause untergebracht und vom Kreuze herab eine Erklrung verlesen,
in der die Zwecke der Unternehmung auseinandergesetzt waren[43].

    [Anmerkung 42: Man sehe Bunse's Aussage gegen Monmouth und
    Fletcher in der +Collection of State Trials+.]

    [Anmerkung 43: +Journals of the House of Commons. June 13. 1685.
    Harl. MS. 6845+; +Lansdowne MS. 1152.+]


[_Seine Erklrung._] Diese Erklrung, das Meisterstck von Ferguson's
Genie, war nicht ein ernstes Manifest, wie es von einem Anfhrer
erlassen werden mu, der fr eine groe ffentliche Sache das Schwert
zieht, sondern es war nach Inhalt und Sprache ein Libell der gemeinsten
Art[44]. Sie enthielt zwar manche wohlbegrndete Angriffe gegen die
Regierung, aber diese Angriffe waren in dem weitschweifigen und
dnkelhaften Style eines schlechten Pamphlets abgefat und das Manifest
enthielt andere Beschuldigungen, deren ganze Schmach auf Die
zurckfllt, die sie erhoben. Es wurde mit Bestimmtheit versichert, der
Herzog von York habe London in Brand gesteckt, Godfrey erdrosselt, Esser
die Kehle abgeschnitten und den verstorbnen Knig vergiftet. Auf Grund
dieser abscheulichen und unnatrlichen Verbrechen, und hauptschlich der
letztgenannten grlichen That, des haarstrubenden, barbarischen
Brudermordes -- so wortreich und glcklich gewhlt war Ferguson's
Sprache -- wurde Jakob fr einen gefhrlichen, blutdrstigen Feind, fr
einen Tyrannen, Mrder und Usurpator erklrt. Man werde sich in keine
Unterhandlungen mit ihm einlassen und das Schwert nicht eher wieder in
die Scheide stecken, als bis er seine verdiente Strafe als Verrther
erhalten habe. Die Regierung solle auf Grundlagen basirt werden, die der
Freiheit gnstig wren; alle protestantischen Sekten sollten geduldet,
die entzogenen Freibriefe zurckgegeben, alljhrlich ein Parlament
gehalten und fernerhin nicht mehr durch knigliche Laune prorogirt oder
aufgelst werden. Das einzige stehende Heer sollte die Miliz sein, die
Miliz sollte von den Sheriffs befehligt und diese von den Freisassen
gewhlt werden. Schlielich erklrte Monmouth, er knne es beweisen, da
er in rechtmiger Ehe geboren und da er dem Geburtsrechte nach Knig
von England sei, da er aber fr jetzt auf seine Ansprche verzichten,
sie der Beurtheilung eines freien Parlaments anheim geben und bis dahin
nur als Oberbefehlshaber der gegen Tyrannei und Papismus aufgestandenen
Protestanten betrachtet sein wolle.

    [Anmerkung 44: +Burnet I. 641.+; Goodenough's Gestndni in den
    +Lansdowne MS. 1152.+ Originalabdrcke der Erklrung sind sehr
    selten; einer befindet sich im Britischen Museum.]


[_Seine Popularitt im Westen Englands._] So entehrend dieses Manifest
auch fr Die war, von denen es ausging, so war es doch zu dem Zwecke,
die Leidenschaften des groen Haufens aufzustacheln, nicht ungeschickt
abgefat. Im Westen machte es groen Eindruck. Zwar waren die Gentry und
der Klerus in diesem Theile des Landes mit wenigen Ausnahmen Tories,
aber die Freisassen, die Kaufleute in den Stdten, das Landvolk und die
Handwerker waren grtentheils von dem alten Geiste der Rundkpfe
beseelt. Viele von ihnen waren Dissenters und durch kleinliche
Verfolgungen in eine Stimmung versetzt, die sie zu einem verzweifelten
Unternehmen geneigt machte. Die groe Masse der Bevlkerung verabscheute
den Papismus und liebte Monmouth. Er war kein Fremder fr sie, seine
Reise durch Somersetshire und Devonshire im Sommer 1680 war noch bei
Jedermann in frischem Andenken. Er war bei dieser Gelegenheit von Thomas
Thynne in Longleat Hall, damals und vielleicht jetzt noch dem
prchtigsten Landsitze in England, mit verschwenderischem Aufwande
bewirthet worden. Von Longleat bis Exeter waren alle Hecken und Zune
mit jauchzenden Zuschauern bedeckt, die Landstraen mit Zweigen und
Blumen bestreut; die Menge ri in dem Eifer, ihren Liebling zu sehen und
zu berhren, die Umzunungen der Parke nieder und belagerte die
Schlsser, in denen er bewirthet wurde. Als er in Chard ankam, bestand
sein Gefolge aus fnftausend Reitern; in Exeter hatte sich ganz
Devonshire versammelt, um ihn zu begren. Ganz besonderes Aufsehen
erregte bei dem Triumphzuge eine Schaar von neunhundert jungen Mnnern
in weier Uniform, welche vor ihm her in die Stadt marschirten[45]. Der
Wechsel des Geschicks, der die Gentry seiner Sache entfremdet hatte, war
bei dem gemeinen Mann ohne Wirkung geblieben; fr diesen war er noch
immer der gute Herzog, der protestantische Herzog, der rechtmige
Thronerbe, den eine heimtckische Verschwrung seines Eigenthums beraubt
hatte. Das Volk schaarte sich in Massen um seine Fahne; alle Schreiber,
die er hatte auftreiben knnen, reichten nicht hin, um die Namen der
Rekruten niederzuschreiben, und noch ehe er vierundzwanzig Stunden auf
englischem Boden war, sah er sich schon an der Spitze von
fnfzehnhundert Mann. Dare langte mit vierzig Reitern von nicht sehr
martialischem Aussehen von Taunton an und brachte ermuthigende
Nachrichten ber die ffentliche Stimmung in Somersetshire. Bis jetzt
schien Alles einen glcklichen Erfolg zu versprechen[46].

In Bridport aber sammelte sich eine Streitmacht, um den Insurgenten
Widerstand zu leisten. Am 13. Juni rckte das rothe Regiment der Miliz
von Dorsetshire in jene Stadt ein, und das Regiment von Somersetshire
oder das gelbe Regiment, dessen Oberst, Sir Wilhelm Portman, ein
angesehener Tory war, wurde am folgenden Tage erwartet[47]. Der Herzog
beschlo, sofort loszuschlagen. Schon rstete sich eine Abtheilung
seiner Truppen zum Aufbruch nach Bridport, da brachte ein unglcklicher
Vorfall das ganze Lager in Verwirrung.

Fletcher von Saltoun war zum Befehlshaber der Reiterei unter Grey
ernannt worden. Er war schlecht beritten, wie sich berhaupt wenige
Pferde im Lager befanden, die nicht vom Pfluge genommen waren. Als er
nach Bridport commandirt wurde, glaubte er, da der Drang der Umstnde
ihn berechtige, ein Dare gehrendes schnes Pferd zu leihen, ohne erst
deshalb um Erlaubni zu fragen. Dare war entrstet ber diese
Eigenmchtigkeit und berhufte Fletcher mit groben Beleidigungen.
Fletcher blieb ruhiger als Jeder, der ihn kannte, es erwartet htte.
Endlich aber wagte es Dare, auf die Geduld, mit der seine
Unziemlichkeiten hingenommen wurden, pochend, gegen den hochadeligen und
stolzen Schotten die Reitgerte zu erheben. Dies brachte Fletcher's Blut
zum Sieden. Er zog ein Pistol hervor und scho Dare nieder. Eine so
summarische und gewaltthtige Rache wrde in Schottland nicht
aufgefallen sein, wo das Gesetz von jeher schwach gewesen war, wo
Derjenige, der sich nicht mit eigner Faust Recht verschaffte, wenig
Aussicht hatte, berhaupt Recht zu bekommen, und wo daher ein
Menschenleben fast eben so wohlfeil war, als in den am schlechtesten
regierten Provinzen Italiens. Im sdlichen Theile der Insel aber war das
Volk noch nicht gewohnt, um eines harten Wortes oder einer heftigen
Geberde willen tdtliche Waffen gebrauchen und Blut vergieen zu sehen,
auer im Zweikampf unter Gentlemen mit gleichen Waffen. So erhob sich
denn ein allgemeines Geschrei nach Rache gegen den Fremden, der einen
Englnder ermordet habe, Monmouth konnte sich dem Verlangen nicht
widersetzen und Fletcher, der, nachdem der erste Ausbruch seines Zornes
sich gelegt hatte, von Reue und Angst ergriffen wurde, flchtete sich
auf den Helderenbergh, entkam glcklich auf das Festland und begab
sich nach Ungarn, wo er tapfer gegen den gemeinsamen Feind der
Christenheit focht[48].

    [Anmerkung 45: +Historical Account of the Life and magnanimous
    Actions of the most illustrious Protestant Prince James, Duke of
    Monmouth, 1683.+]

    [Anmerkung 46: +Wade's Confession, Hardwicke Papers+; +Axe
    Papers+; +Harl. MS. 6845.+]

    [Anmerkung 47: +Harl. MS. 6845.+]

    [Anmerkung 48: Buyse's Aussage in der +Collection of State
    Trials+; +Burnet I. 642+; Ferguson's +MS.+, citirt von Eachard.]


[_Zusammensto der Rebellen mit der Miliz in Bridport._] Bei der Lage
der Insurgenten war der Verlust eines Mannes von Talent und Energie
nicht leicht zu ersetzen. Am frhen Morgen des folgenden Tages, dem 14.
Juni, brach Grey in Begleitung Wade's mit fnfhundert Mann auf, um
Bridport anzugreifen. Es fand ein verworrenes und unentschieden
bleibendes Gefecht statt, wie es zwischen zwei Haufen von Bauern, die
von Landedelleuten und Advokaten befehligt wurden, nicht anders zu
erwarten war. Eine Zeit lang drngten Monmouth's Leute die Miliz zurck;
dann aber hielt diese wieder Stand und erstere ergriffen in ziemlicher
Verwirrung die Flucht. Grey und seine Reiter hielten nicht eher an, als
bis sie in Lyme wieder in Sicherheit waren; Wade dagegen sammelte das
Fuvolk und fhrte es in guter Ordnung zurck[49].

Alles murrte laut gegen Grey, und einige von den Abenteurern drangen in
Monmouth, ein strenges Exempel zu statuiren. Monmouth aber wollte davon
nichts hren. Einige Schriftsteller haben diese Nachsicht seiner
Gutmthigkeit zugeschrieben, die allerdings oft an Schwche grenzte;
andere vermuthen, da er nicht hart gegen den einzigen Peer verfahren
wollte, der in seiner Armee diente. Es ist jedoch wahrscheinlich, da
der Herzog, der zwar kein ausgezeichneter General war, aber doch
jedenfalls vom Kriege viel mehr verstand als die Priester und Advokaten,
die ihm ihren Rath aufdringen wollten, Rcksichten nahm, an welche
Leute, die in militairischen Angelegenheiten durchaus unerfahren sind,
allerdings nie gedacht htten. Um einem Manne, der wenig Vertheidiger
gehabt hat, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, mu bemerkt werden, da
die Lord Grey whrend des ganzen Feldzugs zugetheilte Aufgabe von der
Art war, da er sie, selbst wenn er der khnste und geschickteste Soldat
gewesen wre, kaum in einer Weise htte lsen knnen, die ihm zum Ruhme
gereichte. Er stand an der Spitze der Reiterei; es ist aber eine
allbekannte Sache, da ein Kavalerist viel lngerer bung bedarf als ein
Fusoldat, und da ein Kavaleriepferd eine noch viel lngere Schule
braucht als sein Reiter. Mit einer ungebten Infanterie, wenn sie von
Begeisterung und physischem Muthe beseelt ist, kann allenfalls etwas
ausgerichtet werden; aber es kann nichts Unbeholfeneres geben als eine
aus Landwirthen und Handelsleuten auf Karrengulen und Postpferden
bestehende ungebte Reiterei; und von solcher Art war die, welche Grey
befehligte. Nicht darber mu man sich wundern, da diese Leute im Feuer
nicht entschlossen Stand hielten und da sie nicht tchtig von ihren
Waffen Gebrauch machten, sondern darber, da sie sich berhaupt nur im
Sattel zu erhalten vermochten.

Noch immer langten Rekruten zu Hunderten an, den ganzen Tag wurde
bewaffnet und einexercirt. Inzwischen hatte sich die Nachricht von dem
Aufstande rasch und weit verbreitet. Noch denselben Abend, an welchem
der Herzog gelandet war, schickte der Mayor von Lyme, Gregor Alford, ein
eifriger Tory und ungemein heftiger Verfolger der Nonconformisten, seine
Diener aus, um die Gentry von Somersetshire und Dorsetshire zu
alarmiren, whrend er selbst zu Pferde nach dem Westen eilte. Spt in
der Nacht hielt er in Honiton an und schickte von dort einige flchtig
hingeworfene Zeilen mit der schlimmen Botschaft nach London[50]. Dann
eilte er weiter nach Exeter, wo er Christoph Monk, Herzog von Albemarle
fand. Dieser Edelmann, der Sohn und Erbe Georg Monk's, des
Wiederherstellers der Stuarts, war Lordlieutenant von Devonshire und
hielt damals gerade Musterung ber die Miliz. Er hatte zur Zeit
viertausend Mann zu seiner Verfgung, und mit dieser Streitmacht glaubte
er den Aufstand mit einem Schlage unterdrcken zu knnen. Er marschirte
deshalb nach Lyme.

    [Anmerkung 49: +London Gazette, June 18. 1685+; +Wade's
    Confession+; +Hardwicke Papers.+]

    [Anmerkung 50: +Lords' Journals, June 13. 1685.+]


[_Gefecht zwischen den Rebellen und der Miliz bei Axminster._] Als er
aber am Montag Nachmittag den 15. Juni Axminster erreichte, fand er die
Insurgenten schlagfertig aufgestellt, um ihn zu empfangen. Sie zeigten
ihm eine sehr achtunggebietende Fronte; vier Feldstcke waren gegen die
kniglichen Truppen gerichtet und die dichten Hecken, welche zu beiden
Seiten die enge Strae beschatteten, waren mit Musketieren besetzt. Die
Vorkehrungen des Feindes beunruhigten jedoch Albemarle weniger als der
Geist, der sich in seinen eigenen Reihen zu uern begann. Monmouth war
bei dem gemeinen Volke von Devonshire so beliebt, da die ganze Miliz
wahrscheinlich in Masse zu ihm berging, sobald sie Monmouth's
wohlbekanntes Gesicht und seine Gestalt erblickte.

Albemarle hielt es daher trotz seiner groen bermacht an Streitkrften
fr rathsam, sich zurckzuziehen. Der Rckzug verwandelte sich bald in
wilde Flucht. Die ganze Gegend war mit den Waffen und Uniformstcken
beset, welche die Fliehenden weggeworfen hatten, und htte Monmouth die
Verfolgung mit Nachdruck betrieben, so wrde er Exeter wahrscheinlich
ohne Schwertstreich genommen haben. Aber er war mit dem errungenen
Vorteile zufrieden und hielt es fr wnschenswerth, seine Rekruten erst
besser einzuben, bevor er sie zu gewagten Unternehmungen verwendete. Er
marschirte daher nach Taunton, wo er am 18. Juni, gerade eine Woche nach
seiner Landung eintraf[51].

    [Anmerkung 51: +Wade's Confession+; +Ferguson MS.+; +Axe Papers+;
    +Harl. MS. 6845+; +Oldmixon, 701, 702.+ Oldmixon, welcher damals
    ein Knabe war, lebte in unmittelbarer Nhe des Schauplatzes der
    Ereignisse.]


[_Die Nachricht von dem Aufstande kommt nach London._] Der Hof und das
Parlament waren ber die Nachrichten aus dem Westen nicht wenig
erschrocken. Am Sonnabend den 13. Juni um fnf Uhr Morgens hatte der
Knig den Brief erhalten, den der Mayor von Lyme von Honiton an ihn
abgesandt. Der Geheime Rath wurde augenblicklich zusammenberufen; es
wurden Befehle gegeben, da die Infanterieregimenter und die
Reiterschwadronen verstrkt werden sollten, und Commissionen zur
Aushebung neuer Mannschaften ernannt.


[_Loyalitt des Parlaments._] Alford's Bericht ward den Lords vorgelegt
und der wesentliche Inhalt desselben den Gemeinen mitgetheilt. Diese
untersuchten die aus dem Westen angelangten Nachrichten und brachten
sogleich eine Bill ein, weiche Monmouth wegen Hochverraths verurtheilte.
Adressen wurden votirt, die den Knig versicherten, da seine Peers
sowohl wie auch sein Volk entschlossen seien, ihm mit Gut und Blut gegen
seine Feinde beizustehen. In ihrer nchsten Sitzung verfgten die beiden
Huser, da die Erklrung der Rebellen durch den Henker verbrannt werden
solle, und lieen die Verurtheilungsbill in allen Stadien durchgehen.
Die Bill erhielt noch denselben Tag die knigliche Genehmigung und auf
Monmouth's Ergreifung wurde eine Belohnung von fnftausend Pfund
gesetzt[52].

Die Thatsache, da Monmouth gegen die Regierung unter Waffen stand, war
so unbestreitbar, da die Verurtheilungsbill gegen den schwachen
Widerstand von nur einigen wenigen Peers zum Gesetz erhoben ward und
selbst von whiggistischen Geschichtschreibern nur selten streng getadelt
worden ist. Wenn wir indessen erwgen, wie wichtig es ist, da
gesetzgeberische und richterliche Functionen getrennt bleiben, wie
wichtig es ferner ist, da ein bloes Gercht, so stark und allgemein es
auch sein mag, nicht als gesetzlicher Schuldbeweis angenommen werde, wie
wichtig es endlich ist, die Regel festzuhalten, da Niemand zum Tode
verurtheilt werden darf, ohne ihm Gelegenheit zu seiner Vertheidigung
gegeben zu haben, und wie leicht und schnell einmal begangene
Verletzungen groer Grundstze weiter ausgedehnt werden, so drften wir
wohl zu der Ansicht geneigt sein, da sich gegen das vom Parlament
beobachtete Verfahren einige Einwendungen machen lieen. Keinem der
beiden Huser lag das Mindeste vor, was selbst ein so gewissenloser
Richter wie Jeffreys einer Jury als Beweis fr Monmouth's Schuld htte
darstellen knnen. Die von den Gemeinen verhrten Boten waren nicht
vereidigt und ihre Mittheilungen konnten daher rein aus der Luft
gegriffen sein, ohne da sie deshalb wegen Meineids htten bestraft
werden knnen. Die Lords, welche, als Gerichtshof, einen Eid htten
abnehmen knnen, examinirten keinen Zeugen und hatten keinen andren
Beweis vor sich, als den Brief des Mayors von Lyme, der in den Augen des
Gesetzes gar kein Beweis war. Die uerste Gefahr rechtfertigt
allerdings zuweilen uerste Mittel, aber die Verurtheilungsacte war ein
Mittel, das erst in Wirksamkeit gesetzt werden konnte, wenn jede Gefahr
vorber war, und das daher von dem Augenblicke an, wo es aufhrte,
wirkungslos zu sein, ganz berflssig wurde. So lange Monmouth unter
Waffen stand, war es unmglich, ihn hinzurichten, und wurde er besiegt
und gefangen genommen, so hatte es weder Gefahr noch Schwierigkeit, ihn
vor Gericht zu stellen. Spter hat man es als einen merkwrdigen Umstand
hervorgehoben, da sich unter den eifrigen Tories, welche die Bill aus
dem Hause der Gemeinen vor die Schranken der Lords brachten, Sir Johann
Fenwick, Abgeordneter fr Northumberland, befand[53]. Dieser Herr hatte
einige Jahre nachher Gelegenheit, ber die Sache nachzudenken, und er
kam zu dem Schlusse, da Verurtheilungsbills durchaus nicht zu
rechtfertigen seien.

Das Parlament gab in dieser Stunde der Gefahr noch andere Beweise von
Loyalitt. Die Gemeinen ermchtigten den Knig, zur Bestreitung
augenblicklicher Bedrfnisse eine auerordentliche Summe von
vierhunderttausend Pfund zu erheben, und damit er das Geld ohne
Schwierigkeit bekomme, sannen sie auf neue Steuern. Der Plan, die in der
Hauptstadt unlngst neuerbauten Huser zu besteuern, wurde wieder
aufgenommen und von den Landgentlemen eifrig untersttzt. Es wurde nicht
allein beschlossen, da diese Huser besteuert werden sollten, sondern
auch, da eine Bill eingebracht werden sollte, die jede neue
Grundsteinlegung innerhalb des Stadtgebiets von London verbot. Der
Beschlu kam jedoch nicht zur Ausfhrung. Einflureiche Mnner, welche
in den Vorstdten Grund und Boden besaen und hofften, da sich auf
ihren Gtern neue Straen und Pltze erheben wrden, boten Alles auf, um
diesen Plan zu vereiteln. Man sah ein, da es viel Zeit erfordern wrde,
um die Einzelnheiten eines solchen Gesetzes zu reguliren, und die
Bedrfnisse des Knigs waren so dringend, da man es fr nthig
erachtete, die Verhandlungen des Hauses durch eine hfliche Ermahnung
zur Eil zu beschleunigen. Die Idee der Huserbesteuerung wurde daher
aufgegeben und dagegen fr die nchsten fnf Jahre neue Zlle auf
auslndische Seidenstoffe, Leinenwaaren und geistige Getrnke
gelegt[54].

Die im Unterhause sitzenden Tories schritten nun zur Einbringung einer
sogenannten Bill zur Sicherung der Person und der Regierung des Knigs.
Sie schlugen vor, es solle fr Hochverrath erklrt werden, wenn Jemand
sagte, Monmouth sei legitim, oder Worte uerte, welche darauf
abzielten, die Person oder die Regierung des Souverains verhat oder
verchtlich zu machen, oder wenn Jemand im Parlament einen Antrag auf
Abnderung der Thronfolgeordnung stellte. Einige von diesen Bestimmungen
erregte allgemeinen Unwillen und Abscheu. Die Whigs versuchten es trotz
ihrer geringen Zahl und ihrer Schwche, sich zu verbinden, und sie
wurden durch eine bedeutende Anzahl gemigter und einsichtsvoller
Kavaliere verstrkt. Worte, sagte man, knnten leicht von
rechtschaffenen Mnnern miverstanden, von Schurken aber falsch
ausgelegt werden; bildliche Ausdrcke knnten wrtlich genommen und
scherzhafte uerungen als ernstlich gemeint dargestellt werden. Eine
Partikel, ein Tempus, ein Modus, die Betonung knne den ganzen
Unterschied zwischen Schuld und Unschuld begrnden. Sei ja der Erlser
selbst, in dessen reinem Lebenswandel die Bswilligkeit keinen Anhalt zu
irgend einer Beschuldigung finden konnte, wegen gesprochener Worte in
Untersuchung gezogen worden. Falsche Zeugen htten eine Sylbe
weggelassen, durch welche klar bewiesen worden wre, da jene Worte
bildlich gemeint waren, und htten so dem Sanhedrin einen Vorwand
geliefert, unter welchem der schndlichste aller Justizmorde verbt
worden sei. Wer knne, mit einem solchen Beispiele vor Augen, behaupten,
da wenn bloe Reden schon eine Anklage auf Hochverrath begrndeten, der
loyalste Unterthan sicher sei? Diese Argumente machten einen so groen
Eindruck, da im Ausschusse Verbesserungsantrge gestellt wurden, welche
die Hrte der Bill bedeutend milderten; die Klausel aber, welche es fr
Hochverrath erklrte, wenn ein Mitglied des Parlaments die Ausschlieung
eines Prinzen von Geblt vom Throne beantragte, scheint keine Debatte
hervorgerufen zu haben und wurde angenommen. Sie hatte jedoch nur
insofern eine Bedeutung, als sie ein Beweis fr die Unwissenheit und
Unerfahrenheit der heibltigen Royalisten war, welche das Unterhaus
fllten. Htten sie nur die ersten Anfangsgrnde der Gesetzgebung
gekannt, so wrden sie eingesehen haben, da die Bestimmung, auf die sie
so groes Gewicht legten, berflssig sein mute, so lange das Parlament
geneigt war, die Thronfolgeordnung aufrechtzuerhalten, und da sie
widerrufen werden wrde, sobald ein Parlament die Absicht hatte,
dieselbe abzundern[55].

Die Bill ging in ihrer verbesserten Fassung durch und wurde den Lords
berreicht, aber nicht zum Gesetz erhoben. Der Knig hatte vom Parlament
eine Gelduntersttzung erlangt, wie er sie nur erwarten konnte, und er
sah ein, da, so lange der Aufstand wthete, die loyalen Mitglieder des
Adels und der Gentry in ihren Grafschaften mehr ntzen knnten, als in
Westminster. Er drngte daher ihre Verhandlungen zu einem baldigen
Schlusse und entlie sie am 3. Juli. An dem nmlichen Tage erhielt ein
Gesetz, welches die mit dem Jahre 1679 erloschene Censur wieder
einfhrte, die knigliche Genehmigung. Dieser Gegenstand wurde mit
wenigen Worten am Ende eines gemischten Gesetzes abgethan, welches
verschiedene erlschende Gesetze verlngerte. Die Anhnger des Hofes
dachten nicht daran, da sie einen Sieg errungen htten und die Whigs
uerten durchaus keine Unzufriedenheit. Weder bei den Lords noch bei
den Gemeinen kam es zu einer Abstimmung, ja, soweit man es jetzt noch
ersehen kann, nicht einmal zu einer Debatte ber eine Frage, welche in
unsrer Zeit das ganze Gebude der Gesellschaft erschttern wrde. Die
Vernderung war auch in der That unbedeutend und kaum bemerkbar, denn
seit der Entdeckung des Ryehousecomplots hatte die Freiheit, ohne Censur
drucken zu drfen, nur dem Namen nach bestanden. Seit vielen Monaten war
kaum eine gegen den Hof gerichtete Flugschrift anders als heimlich
gedruckt worden, und heimlich konnten solche Flugschriften nach wie vor
herausgegeben werden[56].

Die Huser schlossen nun ihre Sitzungen; sie wurden nicht prorogirt,
sondern nur vertagt, damit sie bei ihrem nchsten Zusammentritt die
Geschfte genau in dem Stande wieder aufnehmen knnten, wie sie
dieselben verlassen hatten[57].

    [Anmerkung 52: +London Gazette, June 18. 1685+; +Lords' and
    Commons' Journals, June 13. & 15.+; Hollndische Depesche vom
    16.(26.) Juni.]

    [Anmerkung 53: Oldmixon hat unrecht, wenn er sagt, da Fenwick die
    Bill berreichte. Aus den Protokollen ergiebt sich, da sie durch
    Lord Ancram berreicht wurde.]

    [Anmerkung 54: +Commons' Journals, June 17, 18 & 19. 1685+;
    +Reresby's Memoirs.+]

    [Anmerkung 55: +Commons' Journals, June 19. 29. 1685+; +Lord
    Lonsdale's Memoirs. 8. 9.+; +Burnet I. 639.+ Die Bill ist in ihrer
    durch den Ausschu abgenderten Fassung in Fox' Geschichtswerke
    Anh. III. zu finden. Wenn Burnet's Bericht genau ist, so waren
    diejenigen Vergehen, welche die amendirte Bill nur als
    Civilvergehen bestraft wissen wollte, in der ursprnglichen Bill
    als Kapitalverbrechen behandelt.]

    [Anmerkung 56: +1 Jac. II. c. 17. Lords' Journals, July 2. 1685.+]

    [Anmerkung 57: +Lords' and Commons' Journals, July 2, 1685.+]


[_Monmouth's Empfang in Taunton._] Whrend das Parlament auf strenge
Gesetze gegen Monmouth und seine Anhnger sann, fand er in Taunton eine
Aufnahme, die ihn wohl zu der Hoffnung berechtigen konnten, da sein
Unternehmen gelingen werde. Taunton war wie viele andere Stdte im
sdlichen England damals viel bedeutender als gegenwrtig. Diese Stdte
sind zwar nicht kleiner und rmer geworden, im Gegentheil, sie sind mit
wenigen Ausnahmen jetzt grer und reicher, besser gebaut und besser
bevlkert als im siebzehnten Jahrhundert. Aber trotz dieser positiven
Fortschritte haben sie doch relativ an Bedeutung verloren. Sie sind von
den Fabrik- und Handelsstdten im Norden, welche zu den Zeiten der
Stuarts kaum erst anfingen, als Sitze des Gewerbfleies bekannt zu
werden, in Reichthum und Volkszahl weit berflgelt worden. Als Monmouth
in Taunton einzog, war diese Stadt ein ungemein blhender Ort; seine
Mrkte waren mit Allem reichlich versorgt und seine Wollenmanufactur
weit und breit berhmt. Die Bevlkerung rhmte sich, in einem Lande zu
leben, wo Milch und Honig flssen, und diese Sprache fhrten nicht nur
die parteiischen Eingebornen, sondern auch jeder Fremde, der den schnen
Thurm von St. Maria Magdalena bestieg, gestand es zu, da er zu seinen
Fen das fruchtbarste Thal Englands erblicke. Die Umgegend war reich an
Obstgrten und grnen Wiesen, zwischen denen in lieblicher Flle und
Abwechselung Edelhfe, Htten und Dorfkirchen zerstreut lagen. Die
Einwohner der Stadt waren schon seit langer Zeit fr die
presbyterianische Gottesverehrung und die Whigpolitik eingenommen; in
dem groen Brgerkriege hatte Taunton durch alle Wechselflle fest zum
Parlament gehalten, war zweimal von Goring hart belagert und zweimal
durch Robert Blake, den nachmaligen berhmten Admiral der Republik, mit
heldenmthiger Tapferkeit vertheidigt worden. Ganze Straen wurden durch
die Bomben und Granaten der Kavaliere in Brand geschossen; der Mangel an
Lebensmitteln wurde so gro, da der entschlossene Commandant schon die
Absicht angekndigt hatte, die Besatzung auf Pferdefleischrationen zu
setzen; aber weder Feuer noch Hunger hatten den Muth der Stadt brechen
knnen[58].

Die Restauration hatte in den Gesinnungen der Bewohner von Taunton
nichts gendert. Sie hatten nach wie vor das Jahresfest des glcklichen
Tages gefeiert, an welchem die kniglichen Truppen ihre Belagerung
aufgehoben, und ihre starre Anhnglichkeit an die alte Sache hatte in
Whitehall so groe Besorgni und so heftigen Groll erregt, da auf
kniglichen Befehl ihr Wallgraben ausgefllt und die Wlle bis auf den
Grund zerstrt worden waren[59]. Der puritanische Geist war bei ihnen
durch die Lehre und das Beispiel eines der berhmtesten
Dissentergeistlichen, Joseph Alleine's, in seiner ungeschwchten Kraft
erhalten worden. Alleine war der Verfasser eines Tractats, betitelt: +An
Alarm to the Unconverted+, das noch jetzt in England wie in Amerika
populr ist. Aus dem Kerker, in den er von den siegreichen Kavalieren
geworfen wurde, schrieb er an seine lieben Freunde in Taunton viele
Briefe, welche den Geist einer wahrhaft heldenmthigen Frmmigkeit
athmeten. Sein Leib welkte unter dem Einflusse der Studien,
Anstrengungen und Verfolgungen bald dahin; sein Andenken aber ward von
Denen, die er ermahnt und unterrichtet hatte, noch lange mit
auerordentlicher Liebe und Verehrung bewahrt[60].

Die Kinder der Mnner, welche vierzig Jahre frher auf den Wllen von
Taunton gegen die Royalisten gekmpft hatten, bewillkommneten jetzt
Monmouth mit lauten Ausbrchen der Freude und Zuneigung. Jede Thr und
jedes Fenster war mit Girlanden bekrnzt. Niemand zeigte sich auf den
Straen, ohne einen grnen Zweig, als Zeichen der Volkssache, am Hute.
Die Tchter der angesehensten Familien verfertigten Fahnen fr die
Insurgenten. Von diesen Fahnen war besonders eine mit den Zeichen der
kniglichen Wrde prchtig gestickt und wurde Monmouth durch einen Zug
junger Mdchen berreicht. Er nahm das Geschenk mit der ihm eigenen
liebenswrdigen Artigkeit an. Die Dame, welche den Zug anfhrte,
beschenkte ihn auerdem noch mit einer kostbaren kleinen Bibel, die er
mit einem Zeichen von Ehrfurcht in Empfang nahm. Ich komme, sagte er,
um die in diesem Buche enthaltenen Wahrheiten zu vertheidigen und sie,
wenn es sein mu, mit meinem Blute zu besiegeln[61].

Aber whrend Monmouth sich des Beifalls der Menge erfreute, mute er mit
Schmerz und Besorgni bemerken, da die hheren Klassen fast ohne
Ausnahme seiner Unternehmung feindlich gesinnt waren und da nur in den
Grafschaften, wo er sich persnlich gezeigt hatte, ein Aufstand erfolgt
war. Es war ihm von Agenten, welche ihre Angaben von Wildman erhalten zu
haben behaupteten, versichert worden, da der ganze whiggistische Adel
von Kampflust erfllt sei. Gleichwohl waren bereits ber acht Tage
verstrichen, seitdem die blaue Fahne in Lyme aufgepflanzt worden war.
Tagelhner, kleine Landwirthe, Krmer, Lehrlinge und Dissenterprediger
waren dem Lager der Rebellen zugestrmt, aber nicht ein einziger Peer,
Baronet oder Ritter, nicht ein einziges Mitglied des Unterhauses, und
kaum hin und wieder ein Squire, der sich eines hinreichenden Ansehens
erfreute, um einmal Friedensrichter gewesen zu sein. Ferguson, der seit
dem Tode Karl's von jeher Monmouth's bser Geist gewesen war, hatte eine
Erklrung dieses Umstandes bereit: der Herzog hatte sich durch Ablehnung
des Knigstitels in eine falsche Stellung versetzt. Htte er sich selbst
zum Knig von England erklrt, so wrde seine Sache einen Anschein von
Gesetzlichkeit gehabt haben. Jetzt aber sei es unmglich, sein Manifest
mit den Grundstzen der Verfassung in Einklang zu bringen. Es sei klar,
da entweder Monmouth oder sein Oheim der rechtmige Knig war.
Monmouth wagte es nicht, als rechtmiger Knig aufzutreten, und doch
leugnete er, da sein Oheim es sei. Diejenigen, welche fr Jakob
kmpften, kmpften fr die einzige Person, die es wagte, den Thron fr
sich in Anspruch zu nehmen, und thaten daher, den Gesetzen des Reiches
gem, offenbar ihre Pflicht; Diejenigen aber, welche fr Monmouth
kmpften, kmpften fr eine unbekannte Verfassung, welche durch eine
noch nicht vorhandene Convention erst entworfen werden sollte. Es sei
also kein Wunder, da Mnner von hohem Range und groem Vermgen sich
von einem Unternehmen fern hielten, welches dem ganzen System, an dessen
Fortbestehen sie das grte Interesse hatten, den Untergang drohte.
Beriefe sich der Herzog auf seine Legitimitt und nhme er die Krone an,
so wrde er diesen Einwurf mit einem Male entkrften; die Frage wrde
dann aufhren, eine Frage zwischen der alten und einer neuen Verfassung
zu sein, sie wrde nur eine Erbrechtsfrage zwischen zwei Prinzen werden.

    [Anmerkung 58: Savage's Ausgabe von +Toulmin's History of
    Taunton+.]

    [Anmerkung 59: +Sprat's True Account+; +Toulmin's History of
    Taunton.+]

    [Anmerkung 60: +Life and Death of Joseph Alleine, 1672+;
    +Nonconformists' Memorial.+]

    [Anmerkung 61: +Harl. MS. 7006+; +Oldmixon, 702+; +Eachard III.
    763.+]


[_Monmouth nimmt den Knigstitel an._] Mit solchen Grnden war Ferguson
fast unmittelbar nach der Landung ernstlich in den Herzog gedrungen,
sich zum Knige zu proklamiren, und Grey war derselben Meinung. Monmouth
war auch sehr geneigt, diesen Rath zu befolgen; aber Wade und andere
Republikaner hatten sich widersetzt und ihr Oberhaupt hatte mit
gewohnter Fgsamkeit ihren Grnden nachgegeben. In Taunton kam die Sache
auf's Neue in Anregung; Monmouth sprach privatim mit den
Andersdenkenden, versicherte sie, da er keinen andren Weg sehe, um die
Untersttzung eines Theils der Aristokratie zu gewinnen, und es gelang
ihm, ihre mit Widerstreben ertheilte Zustimmung zu erpressen. So wurde
er denn am Morgen des 20. Juni auf dem Marktplatze von Taunton zum Knig
ausgerufen, und seine Anhnger wiederholten seinen neuen Titel mit
theilnehmender Freude. Da indessen leicht eine Verwirrung htte
entstehen knnen, wenn er Knig Jakob II. genannt worden wre, so
bedienten sie sich gewhnlich der sonderbaren Bezeichnung Knig
Monmouth, und so wurde ihr unglcklicher Liebling in den westlichen
Grafschaften oft noch zu einer Zeit genannt, deren sich jetzt lebende
Personen noch erinnern knnen[62].

In den nchsten vierundzwanzig Stunden nach erfolgter Annahme des
Knigstitels erlie er mehrere Proklamationen, die seinen eigenhndigen
Namenszug an der Spitze trugen. In einer derselben setzte er einen Preis
auf den Kopf seines Nebenbuhlers. In einer andren erklrte er das zur
Zeit in Westminster tagende Parlament fr eine ungesetzliche Versammlung
und befahl den Mitgliedern, auseinanderzugehen. Eine dritte verbot dem
Volke, dem Thronruber Abgaben zu bezahlen. Eine vierte erklrte
Albemarle fr einen Verrther[63].

Albemarle sandte diese Proklamationen blos als Beweise von Thorheit und
Frechheit nach London. Sie machten keinen andren Eindruck als den des
Erstaunens und der Verachtung; auch hatte Monmouth keine Ursache zu
glauben, da die Annahme der Knigswrde seine Stellung verbessert habe.
Erst eine Woche war verflossen, seitdem er sich feierlich verpflichtet,
die Krone nicht eher anzunehmen, als bis ein freies Parlament seine
Rechte anerkannt habe; durch Verletzung dieses Versprechens hatte er
sich den Vorwurf des Leichtsinns, wenn nicht der Treulosigkeit
zugezogen. Die Klasse, die er zu gewinnen hoffte, hielt sich noch immer
fern von ihm. Die Grnde, welche die groen whiggistischen Lords und
Gentlemen abhielten, ihn als ihren Knig anzuerkennen, waren mindestens
eben so triftig als diejenigen, die sie verhindert hatten, sich um ihn
als Oberbefehlshaber zu schaaren. Zwar haten sie die Person, die
Religion und die Politik Jakob's; aber er war nicht mehr jung und seine
lteste Tochter mit Recht populr. Sie war dem reformirten Glauben
zugethan und mit einem Prinzen vermhlt, der das erbliche Oberhaupt der
Protestanten des Continents, der in einer Republik aufgewachsen war und
dem man solche Gesinnungen zutraute, wie sie sich fr einen
constitutionellen Knig ziemten. War es also weise, sich den Schrecken
eines Brgerkrieges auszusetzen, nur um vielleicht das sogleich zu
bewirken, was die Natur ohne Blutvergieen, ohne eine Rechtsverletzung
aller Wahrscheinlichkeit nach binnen wenigen Jahren herbeifhren wrde?
Es waren vielleicht Grnde vorhanden, um Jakob vom Throne zu strzen;
aber welche Grnde konnte man fr Monmouth's Erhebung auf denselben
anfhren? Einen Frsten wegen Unfhigkeit vom Throne auszuschlieen,
entsprach ganz den whiggistischen Grundstzen; aber nach keinem
Grundsatze konnte es gerechtfertigt erscheinen, legitime Erben
auszuschlieen, denen man nicht nur nichts vorzuwerfen hatte, sondern
die man sogar fr ausgezeichnet befhigt zu den hchsten Staatsmtern
hielt. Da Monmouth legitim sei, ja da er sich selbst nur dafr hielt,
konnten einsichtsvolle Mnner nicht glauben; er war also nicht nur ein
Usurpator, sondern ein Usurpator von der schlimmsten Sorte, ein
Betrger. Er konnte seiner Sache nur durch Flschung und Meineid einen
Schein von Recht geben. Alle rechtschaffenen und verstndigen Leute
strubten sich dagegen, da ein Betrug, der, wenn er um der Erlangung
eines brgerlichen Besitzthums verbt worden wre, Peitsche und Pranger
als Strafe nach sich gezogen htte, mit der englischen Krone belohnt
werde. Der alte Adel des Reichs konnte den Gedanken nicht ertragen, da
der Bastard der Lucie Walters hoch ber die rechtmigen Nachkommen der
Fitzalan und De Vere erhoben werden sollte. Wer nur ein wenig
politischen Scharfblick hatte, mute einsehen, da wenn es Monmouth
gelang, die bestehende Regierung zu strzen, immer noch ein Krieg
zwischen ihm und dem Hause Oranien brig blieb, ein Krieg, der lnger
dauern und mehr Unheil herbeifhren knnte, als der Krieg der Rosen, ein
Krieg, der voraussichtlich die Protestanten Europa's in feindliche
Parteien spaltete, England und Holland gegen einander bewaffnen und
beide Lnder zu einer leichten Beute fr Frankreich machen konnte. Fast
alle Whighupter scheinen daher der Ansicht gewesen zu sein, da
Monmouth's Unternehmen in jedem Falle der Nation zum Unheil gereichen
mute, da aber, Alles erwogen, seine Niederlage ein kleineres Unglck
sein werde als sein Sieg.

Die Theilnahmlosigkeit des whiggistischen Adels war es nicht allein, was
die eingefallenen Verbannten enttuschte. Der Reichthum und Einflu
Londons hatten in der vorhergehenden Generation hingereicht und konnten
auch diesmal wieder hinreichen, um in einem Brgerkriege den Ausschlag
zu geben. Die Londoner hatten frher viele Beweise von ihrem Hasse gegen
das Papstthum und von ihrer Zuneigung zu dem protestantischen Herzoge
gegeben, und er hatte daher zu bereitwillig geglaubt, da sofort nach
seiner Landung ein Aufstand in der Hauptstadt ausbrechen werde. Aber
obgleich ihm gemeldet worden, da Tausende von Brgern sich als
Freiwillige htten einzeichnen lassen, so geschah doch nichts. Die Sache
war einfach die, da den Whlern, die ihn zu einem Einfalt in England
gedrngt, die ihm versprochen, sich auf den ersten Wink zu erheben, und
die vielleicht auch, so lange die Gefahr noch fern war, geglaubt hatten,
da sie den Muth haben wrden, ihr Versprechen zu halten, der Muth sank,
als die entscheidende Stunde heranrckte. Wildman's Angst war so gro,
da er den Verstand verloren zu haben schien. Der feige Danvers
entschuldigte seine Unthtigkeit zuerst, indem er sagte, er werde nicht
eher zu den Waffen greifen, als bis Monmouth zum Knig ausgerufen sei,
und als dies geschehen war, lenkte er um und erklrte, da gute
Republikaner jeder Verpflichtung gegen einen Fhrer entbunden seien, der
so schamlos sein Wort gebrochen habe. Die gemeinsten Exemplare der
menschlichen Natur findet man zu allen Zeiten unter den Demagogen[64].

Den Tag darauf, als Monmouth den Knigstitel angenommen hatte,
marschirte er von Taunton nach Bridgewater. Er selbst befand sich, wie
man bemerkte, nicht in der heitersten Stimmung; die jauchzenden Zurufe
der ihm ergebenen Tausende, die sich allenthalben wohin er kam um ihn
drngten, vermochten nicht die dstern Wolken zu verscheuchen, die sich
auf seine Stirn gelagert hatten. Wer ihn vor fnf Jahren auf seinem
Triumphzuge durch Somersetshire gesehen, bemerkte nicht ohne Mitleid die
Spuren von Angst und Besorgni in den sanften und freundlichen Zgen,
die ihm so viele Herzen gewonnen hatten[65].

In ganz andrer Stimmung, war Ferguson. Dieser Mann verband mit seiner
Verworfenheit merkwrdigerweise eine malose Eitelkeit, die fast an
Narrheit grenzte. Der Gedanke, da er einen Aufstand herbeigefhrt und
eine Krone verliehen, hatte ihm den Kopf verrckt. Er stolzirte, das
entblte Schwert ber dem Kopfe schwingend, umher, und rief den
Zuschauern, die sich versammelt hatten, um die Armee von Taunton
abmarschiren zu sehen, in prahlerischem Tone zu: Seht mich an! Ihr habt
von mir gehrt. Ich bin Ferguson, der berhmte Ferguson, der nmliche
Ferguson, fr dessen Kopf so viele Hundert Pfund geboten worden sind.
Und dieser zugleich characterlose und halb verrckte Mensch beherrschte
den Verstand und die berzeugung des unglcklichen Monmouth[66].

    [Anmerkung 62: +Wade's Confession+; +Goodenough's Confession,
    Harl. MS. 1151+; +Oldmixon, 702.+ Ferguson's Ableugnung verdient
    keinen Glauben. Eine Abschrift der Proklamation befindet sich in
    den +Harl. MS. 7006.+]

    [Anmerkung 63: Abschriften von den drei letzten Proklamationen
    befinden sich im Britischen Museum, +Harl. MS. 7006.+ Die erste
    habe ich nie gesehen, aber sie wird von Wade erwhnt.]

    [Anmerkung 64: +Grey's Narrative+; +Ferguson's MS.+; +Eachard III.
    754.+]

    [Anmerkung 65: +Persecution exposed, by John Whiting.+]

    [Anmerkung 66: +Harl. MS. 6845.+]


[_Sein Empfang in Bridgewater._] Bridgewater war eine von den wenigen
Stdten, welche noch einige whiggistische Beamten hatten. Der Mayor und
die Aldermen kamen in ihrer Amtstracht, um den Herzog zu begren,
gingen in Prozession vor ihm her bis zum Hohen Kreuze und proklamirten
ihn hier zum Knig. Seine Truppen fanden vortreffliche Quartiere und
erhielten von den Bewohnern der Stadt und Umgegend Alles, was sie
brauchten, fr wenig oder gar kein Geld. Er selbst nahm seine Residenz
im Schlosse, welches vormals oft mit kniglichen Besuchen beehrt worden
war; auf der umliegenden Ebene schlug die Armee ein Lager auf. Sie
bestand jetzt aus ungefhr sechstausend Mann und htte leicht auf die
doppelte Anzahl gebracht werden knnen, wenn es nicht an Waffen gefehlt
htte. Der Herzog hatte vom Festlande nur einen geringen Vorrath von
Piken und Musketen mitgebracht; daher hatten viele von seinen Leuten
keine anderen Waffen, als solche, die sie sich aus den von ihnen beim
Acker- und Bergbau gebrauchten Werkzeugen verfertigen konnten. Die
furchtbarste von diesen rohen Kriegswaffen bestand aus einer
Sensenklinge, welche am Ende einer starken Stange der Lnge nach
befestigt war[67]. Die Unterconstabler der Umgegend von Taunton und
Bridgewater erhielten Befehl, berall nach Sensen zu suchen und was sie
davon auftreiben konnten, ins Lager zu bringen; aber selbst durch diese
Maregel war es nicht mglich, dem Bedarf zu gengen, und eine Menge
Leute, die sich einreihen lasen wollten, muten zurckgewiesen
werden[68].

Das Fuvolk wurde in sechs Regimenter eingetheilt. Eine groe Anzahl der
Freiwilligen hatten in der Miliz gedient und trugen noch ihre rothen
oder gelben Uniformen. Die Reiterei war etwa tausend Mann stark, aber
die meisten von ihnen hatten nur rohe junge Pferde, wie sie damals in
groen Heerden in den Marschen von Somersetshire gezogen wurden, um die
Hauptstadt mit Kutschpferden und Karrengulen zu versehen. Diese Thiere
waren so untauglich fr den Militairdienst, da sie noch nicht einmal
dem Zaume gehorchten und sobald sie einen Schu oder Trommelwirbel
hrten, nicht mehr zu regieren waren. Monmouth selbst hatte eine kleine
Leibgarde von vierzig wohlbewaffneten und gutberittenen jungen Mnnern,
die sich auf ihre eigenen Kosten ausgerstet hatten. Die Bewohner von
Bridgewater, welche durch einen blhenden Kstenhandel wohlhabend
geworden waren, untersttzten ihn mit einer kleinen Summe Geldes[69].

    [Anmerkung 67: Eine dieser Waffen ist noch im Tower zu sehen.]

    [Anmerkung 68: +Grey's Narrative+; Paschall's Erzhlung im Anhange
    zu +Heywood's Vindication.+]

    [Anmerkung 69: +Oldmixon+, 702.]


[_Vorkehrungen der Regierung zum Widerstande._] Whrend dieser Zeit
wurden die Streitkrfte der Regierung eiligst zusammengezogen. Westlich
von dem Rebellenheere stand Albemarle noch immer mit einer starken
Abtheilung der Miliz von Devonshire. Im Osten hatte sich die Miliz von
Wiltshire unter den Befehlen von Thomas Herbert, Earl von Pembroke,
gesammelt. Im Nordosten stand Heinrich Somerset, Herzog von Beaufort,
unter den Waffen. Beaufort's Macht hatte einige hnlichkeit mit der der
groen Barone des fnfzehnten Jahrhunderts. Er war Prsident von Wales
und Lordstatthalter von vier englischen Grafschaften. Seine amtlichen
Rundreisen durch das weite Gebiet, in welchem er die Majestt des
Thrones reprsentirte, standen an Geprnge kaum den Reisen des Knigs
nach; sein Hausstand in Badminton war nach der Sitte eines frheren
Zeitalters eingerichtet. Das Land in groer Ausdehnung um seinen
Wohnsitz bewirthschaftete er selbst, und die Arbeiter, welche es
bestellten, bildeten einen Theil seiner Familie. Neun Tafeln waren
tglich in seinem Hause fr zweihundert Personen gedeckt. Eine Menge
Gentlemen und Pagen standen unter den Befehlen seines Haushofmeisters,
ein ganzer Trupp Reiterei gehorchte dem Stallmeister. Die Kche, der
Keller, die Hunde und die Pferde des Herzogs waren in ganz England
berhmt; die Gentry viele Meilen im Umkreise war stolz auf den Glanz
ihres mchtigen Nachbarn und zugleich bezaubert von seiner Leutseligkeit
und Gutherzigkeit. Er war ein eifriger Kavalier aus der alten Schule;
daher bot er in der damaligen Krisis seinen ganzen Einflu und sein
ganzes Ansehen zur Untersttzung der Krone auf und besetzte Bristol mit
den Milizen von Gloucestershire, welche besser disciplinirt zu sein
schienen, als die meisten anderen derartigen Truppen[70].

Auch in den von Somersetshire weiter entfernten Grafschaften waren die
Anhnger des Thrones in voller Thtigkeit. Die Miliz von Sussex begann
unter dem Commando Lord Richard Lumley's, der zwar erst krzlich dem
katholischen Glauben entsagt hatte, aber seinem katholischen Knige noch
immer treu ergeben war, nach Westen zu marschiren. Jakob Bertin, Earl
von Abingdon, rief die Mannschaften von Oxfordshire zu den Waffen.
Johann Fell, Bischof von Oxford und gleichzeitig auch Dechant des
Christchurch-Collegiums, forderte die Nichtgraduirten seiner Universitt
auf, fr die Krone die Waffen zu ergreifen. Die Studenten lieen sich in
Massen einreihen, das Christchurch-Collegium allein stellte nahe an
hundert Pikenmnner und Musketiere. Junge Edelleute und studirende
Gentlemen bekleideten die Offiziersposten und der lteste Sohn des
Lordstatthalters wurde zum Obersten ernannt[71].

Hauptschlich aber verlie sich der Knig auf seine regulren Truppen.
Churchill war mit den Blauen in den Westen gesandt worden und Feversham
folgte mit allen Streitkrften, welche in der Umgegend von London
entbehrt werden konnten. Nach Holland war ein Courier mit einem Briefe
an Skelton abgegangen, worin dieser beauftragt wurde, die sofortige
Absendung der in hollndischem Dienste stehenden drei Regimenter nach
der Themse zu verlangen. Als diese Aufforderung erfolgte, versuchte es
die dem Hause Oranien feindlich gesinnte Partei, mit den Deputirten von
Amsterdam an der Spitze, abermals eine Verzgerung herbeizufhren. Aber
Wilhelm's Energie, der fast eben so viel zu verlieren hatte, als Jakob,
und der Monmouth's Fortschritte mit ernster Besorgni betrachtete,
unterdrckte die Opposition und in einigen Tagen segelten die Truppen
ab[72]. Die drei schottischen Regimenter waren schon in England; sie
waren in vortrefflichem Zustande in Gravesend angelangt, und Jakob hatte
sie bei Blackheath gemustert. Er erklrte dem hollndischen Gesandten
wiederholt, da er nie in seinem Leben schnere und besser disciplinirte
Soldaten gesehen habe und da er dem Prinzen von Oranien, sowie den
Generalstaaten fr diese werthvolle und rechtzeitige Verstrkung seinen
wrmsten Dank ausspreche. Diese Freude war jedoch nicht ganz ungetrbt.
So trefflich die Leute auch bei der Musterung bestanden, so waren sie
doch nicht ganz frei von dem Einflusse der hollndischen Politik und der
hollndischen Gottesverehrung geblieben. Einer von ihnen ward erschossen
und ein Andrer ausgepeitscht, weil er auf die Gesundheit des Herzogs von
Monmouth getrunken hatte. Man hielt es daher nicht fr rathsam, sie auf
den gefhrlichsten Posten zu stellen und behielt sie bis zur Beendigung
des Feldzugs in der Umgegend von London; aber ihre Ankunft setzte den
Knig in den Stand, einige Infanterie, die er sonst in der Hauptstadt
gebraucht haben wrde, nach dem Westen zu schicken[73].

Whrend die Regierung sich so zum Kampfe mit den Rebellen im offnen
Felde rstete, wurden auch Vorsichtsmaregeln andrer Art nicht
verabsumt. In London allein wurden zweihundert Personen, von denen man
befrchtete, da sie sich an die Spitze einer whiggistischen Bewegung
stellen knnten, verhaftet. Unter ihnen befanden sich einige sehr
angesehene Kaufleute. Jedermann, der dem Hof miliebig war, schwebte in
bestndiger Angst. Eine drckende Gewitterluft lagerte ber der
Hauptstadt. Die Brsengeschfte stockten und die Theater waren so wenig
besucht, da eine neue Oper von Dryden, welche mit noch nie dagewesener
Pracht in Scene gesetzt worden war, wieder zurckgezogen wurde, weil die
Einnahme die Kosten der Auffhrung nicht gedeckt haben wrde[74]. Die
Behrden und die Geistlichkeit waren allenthalben thtig, die Dissenters
wurden berall scharf beobachtet. In Cheshire und Shropshire wthete
eine heftige Verfolgung, in Northamptonshire wurden zahlreiche
Verhaftungen vorgenommen und das Oxforder Gefngni war mit Gefangenen
berfllt. Kein puritanischer Geistlicher, wie gemigt seine Meinung
und wie vorsichtig sein Verhalten auch sein mochte, war sicher, da er
nicht seiner Familie entrissen und, in den Kerker geworfen wurde[75].

Inzwischen zog Monmouth von Bridgewater weiter, auf dem ganzen Marsche
von Churchill beunruhigt, der Alles that, was ein tapferer und
geschickter Offizier mit einer Handvoll Leute nur irgend auszurichten
vermag. Das vom Feinde sowohl als von heftigem Regen arg belstigte
Rebellenheer machte am Abend des 22. Juni in Glastonbury Halt. Die
Huser des Stdtchens waren zur Aufnahme einer so bedeutenden
Streitmacht nicht ausreichend; daher mute ein Theil der Truppen in den
Kirchen untergebracht werden und die brigen zndeten zwischen den
Ruinen der ehrwrdigen Abtei, einst dem reichsten Kloster unsrer Insel,
ihre Wachtfeuer an. Von Glastonbury marschirte der Herzog nach Wells,
und von Wells nach Shepton Mallet.[76]

    [Anmerkung 70: +North's Life of Guildford+, 132. Berichte von
    Beaufort's Reise durch Wales und die benachbarten Grafschaften
    stehen in der London Gazette vom Juli 1684. Brief von Beaufort an
    Clarendon vorn 19. Juni 1685.]

    [Anmerkung 71: Bischof Fell an Clarendon, 20. Juni; Abingdon an
    Clarendon, 20., 25. u. 26. Juni 1685; +Lansdowne MS+, 846.]

    [Anmerkung 72: Avaux, 5.(15.) & 6.(16.) Juli 1685.]

    [Anmerkung 73: Citters, 30. Juni (10. Juli), 3.(13.) & 21.(31.)
    Juli 1685; Avaux, 5.(15.) Juli; +London Gazette, July 6.+]

    [Anmerkung 74: Barillon, 6.(16.) Juli 1685; Scotts Vorrede zu
    +Albion and Albanius+.]

    [Anmerkung 75: Abingdon an Clarendon, vom 29. Juni 1685; +Life of
    Philip Henry, by Bates+.]

    [Anmerkung 76: +London Gazette. June 22 & 25. 1685+; +Wade's
    Confession+; +Oldmixon, 703+; +Harl. MS. 6845.+]


[_Sein Plan auf Bristol._] Bis hierher scheint er zu keinem andren
Zwecke von Ort zu Ort gezogen zu sein, als um Truppen zu sammeln; jetzt
aber wurde es nthig, da er einen Plan fr seine militairischen
Operationen entwarf. Seine erste Idee war, sich Bristols zu bemchtigen,
denn viele von den angesehensten Bewohnern dieser bedeutenden Stadt
waren Whigs. Eine der Verzweigungen des Whigcomplots hatte sich bis
dahin erstreckt, und die Besatzung bestand nur aus Milizen von
Gloucestershire. Wenn Beaufort mit seiner buerlichen Mannschaft
berwltigt werden konnte, ehe die regulren Truppen ankamen, so
befanden sich die Rebellen mit einem Male im Besitz reicher Geldmittel;
dadurch mute das Vertrauen zu Monmouth's Waffen gehoben und seine
Freunde im ganzen Lande ermuthigt werden, sich fr ihn zu erklren.
Bristol hatte Befestigungen, die allerdings auf der Nordseite des Avon
gegen Gloucestershire hin schwach, im Sden gegen Somersetshire aber
weit strker waren. Es wurde daher beschlossen, den Angriff auf der
Nordseite zu unternehmen. Zu dem Ende aber mute man einen Umweg machen
und bei Keynsham ber den Avon gehen. Die Brcke bei Keynsham war jedoch
von der Miliz theilweis zerstrt worden und im Augenblicke ungangbar. In
Folge dessen wurde eine Abtheilung vorausgeschickt, um die nthigen
Reparaturen vorzunehmen. Die anderen Truppen folgten langsamer und
machten am Abend des 24. Juni in Pensford Halt, um auszuruhen. Hier
waren sie nur noch fnf Meilen von der Sdseite von Bristol entfernt;
bis zur Nordseite aber, zu der man nur auf dem Umwege ber Keynsham
gelangen konnte, war noch ein starker Tagemarsch.[77]

Diese Nacht befand sich Bristol in geruschvoller Aufregung und
gespannter Erwartung. Die Anhnger Monmouth's wuten, da er fast unter
den Mauern der Stadt war, und glaubten, da er noch vor Tagesanbruch bei
ihnen sein werde. Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang brach auf einem
am Kai vor Anker liegenden Kauffahrteischiffe Feuer aus. Ein solcher
Vorfall mute in einem mit Schiffen angefllten Hafen nothwendig groe
Bestrzung hervorrufen. Der ganze Strom war in Bewegung, das Volk wogte
durch die Straen und es lieen sich in der Dunkelheit und Verwirrung
aufrhrerische Rufe vernehmen. Whigs und Tories behaupteten nachher, das
Feuer sei von Monmouth's Freunden in der Hoffnung angelegt worden, da,
whrend die Milizen damit beschftigt waren, das Umsichgreifen des
Brandes zu verhindern, das Rebellenheer einen khnen Handstreich wagen
und von der Sdseite her in die Stadt eindringen knnten. Wenn dies
wirklich der Plan der Brandstifter war, so hatten sie sich stark
verrechnet, denn Beaufort lie seine Truppen die ganze Nacht um die
schne Kirche St. Mary Redcliff, auf der Sdseite des Avon, unter den
Waffen stehen, anstatt sie an den Kai zu senden. Er sagte, er wolle eher
ganz Bristol niederbrennen sehen, ja es selbst niederbrennen, als da er
es von Landesverrthern nehmen lie. Mit Hlfe einer regulren Reiterei,
welche vor wenigen Stunden von Chippenham aus zu ihm gestoen war,
konnte er einen Aufstand verhindern; wahrscheinlich aber wrde es seine
Krfte berstiegen haben, zu gleicher Zeit die Mivergngten in der
Stadt im Schach zu halten und einen Angriff von Auen abzuwehren. Doch
es erfolgte kein solcher Angriff. Das Feuer, welches in Bristol so groe
Aufregung hervorgerufen, wurde in Pensford deutlich gesehen. Monmouth
hielt es jedoch nicht fr rathsam, seinen Plan zu ndern; er blieb bis
Sonnenaufgang ganz ruhig und marschirte dann nach Keynsham, wo er die
Brcke bereits reparirt fand. Er beschlo, seiner Armee den Nachmittag
Ruhe zu gnnen und mit Einbruch der Dunkelheit nach Bristol weiter
vorzurcken.[78]

    [Anmerkung 77: +Wade's Confession.+]

    [Anmerkung 78: +Wade's Confession+; +Oldmixon, 703+; +Harl. MS.
    6845+; Ansprache Jeffrey's an die groe Jury von Bristol, am 21.
    Sept. 1685.]


[_Er giebt den Plan auf Bristol auf._] Aber es war zu spt. Die
kniglichen Truppen waren ganz in der Nhe. Der Oberst Oglethorpe
strmte an der Spitze von ungefhr hundert Mann Leibgarden nach
Keynsham, zerstreute zwei Reitertrupps der Rebellen, die sich ihm
entgegenwarfen, und zog sich wieder zurck, nachdem er ihnen groen
Schaden zugefgt, selbst aber nur unbedeutenden Verlust erlitten hatte.
Unter diesen Umstnden wurde es fr nthig erachtet, den Angriffsplan
auf Bristol aufzugeben.[79]

Aber was war nun zu thun? Verschiedene Plne wurden vorgeschlagen und
berathen. Es wurde beantragt, Monmouth solle nach Gloucester eilen, dort
ber den Severn gehen, die Brcke hinter sich abbrechen und so, auf der
rechten Flanke vom Flusse geschtzt, durch Worcestershire nach
Shropshire und Cheshire marschiren. Er war frher einmal durch diese
Grafschaften gereist und daselbst mit der nmlichen Begeisterung
aufgenommen worden, wie in Somersetshire und Devonshire. Sein Erscheinen
regte den Eifer seiner alten Freunde ohne Zweifel von neuem an und seine
Armee konnte binnen wenigen Tagen auf das Doppelte ihrer gegenwrtigen
Strke anwachsen.

Bei genauerer berlegung zeigte es sich jedoch, da dieser Plan, so
vortrefflich er zu sein schien, unausfhrbar war. Die Rebellen waren fr
solche Mrsche, wie die eben ausgefhrten, zu schlecht mit Fubekleidung
versorgt, und das tgliche Waten durch tiefen Schmutz unter heftigen
Regengssen hatte sie erschpft. Da sie ohne Zweifel bei jedem Haltorte
durch die feindliche Reiterei beunruhigt und aufgehalten werden wrden,
durften sie nicht hoffen, Gloucester zu erreichen, ohne von dem
Hauptcorps der kniglichen Truppen eingeholt und unter den ungnstigsten
Umstnden zu einer Hauptschlacht gezwungen zu werden.

Hierauf wurde vorgeschlagen, in Wiltshire einzurcken. Personen, welche
diese Grafschaft zu kennen behaupteten, versicherten den Herzog, es
wrden dort so ansehnliche Verstrkungen zu ihm stoen, da er
unbedenklich eine Schlacht annehmen knnte.[80]

Er befolgte diesen Rath und wendete sich nach Wiltshire. Die erste
Stadt, die er aufrief, war Bath. Aber Bath hatte eine starke knigliche
Besatzung und Feversham rckte in Eilmrschen heran. Die Rebellen
machten daher keinen Angriffsversuch auf die Wlle, sondern eilten
weiter nach Philip's Norton, wo sie am Abend des 26. Juni Halt machten.

Feversham verfolgte sie dahin, und am frhen Morgen des 27. Juni wurden
sie durch die Nachricht erschreckt, da er ihnen auf den Fersen sei. Sie
ordneten sich nun und besetzten die nach der Stadt fhrenden Hecken.

Bald darauf erschien die Vorhut der kniglichen Armee, bestehend aus
etwa fnfhundert Mann unter dem Commando des Herzogs von Grafton, eines
jungen Mannes von groer Khnheit aber rauhen Manieren, der
wahrscheinlich gern zeigen wollte, da er an den unloyalen Plnen seines
Halbbruders keinen Theil habe. Grafton befand sich bald in einer
tiefliegenden Gasse, mit Zunen zu beiden Seiten, von denen aus ein
hchst unangenehmes Musketenfeuer unterhalten wurde.

    [Anmerkung 79: +London Gazette, June 29. 1685+; +Wade's
    Confession.+]

    [Anmerkung 80: +Wade's Confession+.]


[_Gefecht bei Philip's Norton._] Er rckte indessen muthig vor bis ans
Thor von Philip's Norton. Hier fand er den Weg durch eine Barrikade
versperrt, von welcher er mit einem dritten Feuer in die volle Fronte
empfangen wurde. Setzt verloren seine Leute den Muth und ergriffen
eiligst die Flucht. Ehe sie aus dem Hohlwege herauskamen, waren mehr als
hundert von ihnen getdtet oder verwundet. Dem Herzoge von Grafton war
von einer feindlichen Reiterabtheilung der Rckzug abgeschnitten; aber
er schlug sich tapfer durch und kam glcklich davon.[81]

Die so zurckgeworfene Vorhut zog sich auf das Hauptcorps der
kniglichen Truppen zurck. Die beiden feindlichen Heere standen
einander ganz nahe gegenber und es wurden einige Schsse gewechselt,
die wenig oder gar keine Wirkung hatten. Auf keiner Seite war man zu
einer ordentlichen Schlacht geneigt. Feversham wollte erst die Ankunft
seiner Artillerie abwarten und zog sich deshalb nach Bradford zurck;
Monmouth verlie mit Einbruch der Dunkelheit seine Stellung, marschirte
sdwrts und erreichte bei Tagesanbruch Frome, wo er Verstrkung zu
finden hoffte.

Frome war seiner Sache zwar eben so eifrig zugethan als Taunton und
Bridgewater, konnte aber nichts zu seiner Untersttzung thun. Die
Bevlkerung hatte sich einige Tage zuvor erhoben und Monmouth's
Erklrung war auf dem Marktplatze angeschlagen worden; aber die
Nachricht von diesem Aufstande war dem Earl von Pembroke zugekommen, der
in geringer Entfernung mit der Miliz von Wiltshire stand; er war
augenblicklich nach Frome marschirt, hatte einen Haufen Landleute, die
sich mit Sensen und Heugabeln ihm widersetzen wollten, in die Flucht
geschlagen, war in die Stadt eingerckt und hatte die Bewohner
entwaffnet. Es gab daher dort keine Waffen mehr und Monmouth war nicht
im Stande, solche zu liefern.[82]

    [Anmerkung 81: +London Gazette, July 2. 1685+; Barillon, 6.(16.)
    Juli; +Wade's Confession+.]

    [Anmerkung 82: +London Gazette, June 29. 1685+; Citters, 30. Juni
    (10. Juli).]


[_Monmouth's Verzagtheit._] Das Rebellenheer befand sich in einer
schlimmen Lage. Der Marsch in der vergangenen Nacht war hchst
beschwerlich gewesen; es hatte in Strmen geregnet und die Wege waren
dadurch zu wahren Morsten geworden. Von der aus Wiltshire versprochenen
Verstrkung hrte man nichts mehr; ein Bote brachte die Nachricht, da
Argyle's Armee in Schottland zerstreut worden sei, ein andrer
berichtete, da Feversham, nachdem er seine Artillerie an sich gezogen,
wieder anrcke. Monmouth verstand den Krieg zu gut, als da er nicht
hatte wissen sollen, da seine Leute bei all' ihrem Muth und all' ihrem
Eifer doch regulren Truppen nicht gewachsen waren. Er hatte sich bis
jetzt noch immer mit der Hoffnung geschmeichelt, da einige von den
Regimentern, die er frher befehligt, zu ihm bergehen wrden, aber
diese Hoffnung mute er jetzt aufgeben. Da verlie ihn der Muth; er
hatte kaum noch Kraft genug, um Befehle zu geben. In seiner Noth
beklagte er sich bitter ber die bsen Rathgeber, die ihn verleitet
hatten, sein glckliches Asyl in Brabant zu verlassen, und besonders
gegen Wildman brach er in heftige Verwnschungen aus.[83] Jetzt stieg in
seiner schwachen und gengstigten Seele ein schimpflicher Gedanke auf.
Er wollte die Tausende, die auf seinen Ruf und fr seine Sache ihre
friedlichen Huser und Felder verlassen hatten, den Hnden der Regierung
preisgeben. Er wollte sich mit seinen vornehmsten Offizieren heimlich
entfernen, wollte einen Seehafen zu erreichen suchen, bevor man seine
Flucht ahnete, wollte auf das Festland entfliehen und in den Armen der
Lady Wentworth seinen Ehrgeiz und seine Schande vergessen. Diesen Plan
besprach er ganz ernstlich mit seinen hauptschlichsten Rathgebern.
Einige von ihnen, denen um ihr Leben bange war, zollten demselben
Beifall; Grey aber, dem selbst seine Verleumder es zugestehen, da er
berall unerschrocken war, wo nicht Schwertergeklirr und Kanonendonner
ihn umgaben, widersetzte sich mit groer Entschiedenheit dem feigen
Vorschlage und beschwor den Herzog, lieber jeder Gefahr Trotz zu bieten,
als die aufopfernde Anhnglichkeit des westlichen Landvolks mit Undank
und Verrath zu belohnen.[84]

Der Fluchtplan wurde aufgegeben, aber es war jetzt nicht leicht, irgend
einen Operationsplan zu entwerfen. Nach London zu marschiren, wre
Wahnsinn gewesen, denn der Weg ging ber die Ebene von Salisbury, auf
welcher groen Flche regulre Truppen, besonders Kavallerie, gegen
undisciplinirte Haufen zu sehr im Vortheil gewesen sein wrden. In
dieser kritischen Lage traf pltzlich die Nachricht ein, da die
Landbewohner der Marschen in der Umgegend von Axbridge zur Verteidigung
des protestantischen Glaubens aufgestanden seien, da sie sich mit
Dreschflegeln, Kntteln und Heugabeln bewaffnet htten und sich zu
Tausenden bei Bridgewater sammelten. Monmouth beschlo, dahin
zurckzukehren und sein Heer mit diesen neuen Verbndeten zu
verstrken.[85]

Die Rebellen marschirten demgem nach Wells, wo sie in nicht sehr
heitrer Stimmung ankamen. Sie waren, mit wenigen Ausnahmen, erbitterte
Feinde des Prlatenthums und uerten ihren Ha in einer Weise, die
ihnen wenig Ehre machte. Sie rissen nicht nur das Bleidach von der
prchtigen Kathedrale, um Kugeln daraus zu gieen, eine Handlung, die
sie allenfalls mit den Bedrfnissen des Kriegs entschuldigen konnten,
sondern zerstrten auch muthwilligerweise die Verzierungen des Gebudes.
Grey schtzte nur mit Mhe den Altar vor den Schndungen einiger Buben,
die an demselben zechen wollten, indem er sich mit gezognem Schwerte
davor stellte.[86]

    [Anmerkung 83: +Harl. MS.+ 6845; +Wade's Confession+.]

    [Anmerkung 84: +Wade's Confession+; +Eachard, III.+, 766.]

    [Anmerkung 85: +Wade's Confession+.]

    [Anmerkung 86: +London Gazette, July 6. 1685+; Citters, 3.(13.)
    Juli; +Oldmixon. 703.+]


[_Seine Rckkehr nach Bridgewater._] Am Donnerstag den 2. Juli zog
Monmouth wieder in Bridgewater ein, aber unter viel weniger erfreulichen
Umstnden, als er es vor zehn Tagen verlassen hatte. Die Verstrkung,
die er daselbst fand, war unbedeutend, und die knigliche Armee sa ihm
dicht auf den Fersen. Einen Augenblick hatte er die Idee, die Stadt zu
befestigen, und Hunderte von Arbeitern wurden aufgeboten, um Grben zu
ziehen und Schanzen aufzuwerfen, dann kehrte er wieder zu dem Plane
zurck, nach Cheshire zu marschiren, ein Plan, den er in Keynsham als
unausfhrbar verworfen und der jetzt, in Bridgewater, sich gewi nicht
gnstiger gestaltet hatte.[87]

    [Anmerkung 87: +Wade's Confession.+]


[_Die knigliche Armee schlgt bei Sedgemoor ein Lager auf._] Whrend er
so zwischen gleich hoffnungslosen Projecten schwankte, kamen ihm die
Streitkrfte des Knigs zu Gesicht. Sie bestanden aus ungefhr
zweitausendfnfhundert Mann regulrer Truppen und etwa fnfzehnhundert
Mann Miliz von Wiltshire. Sonntag, den 5. Juli, am frhen Morgen,
verlieen sie Somerton und schlugen noch denselben Tag ungefhr drei
Meilen von Bridgewater auf der Ebene von Sedgemoor ihre Zelte auf.

Doctor Peter Mew, Bischof von Winchester, begleitete sie. Dieser Prlat
hatte in seiner Jugend im Dienste Karl's I. gegen das Parlament die
Waffen getragen. Weder seine Jahre, noch sein Beruf hatten seinen
kriegerischen Eifer vllig gedmpft, und er dachte wahrscheinlich, da
die Anwesenheit eines Vaters der protestantischen Kirche im kniglichen
Lager einige rechtschaffene Mnner, welche zwischen dem Abscheu vor dem
Papstthum und dem Abscheu vor der Rebellion schwankten, in ihrer
Loyalitt befestigen knnte.

Auf dem Thurme der Pfarrkirche zu Bridgewater, welcher der hchste in
ganz Somersetshire sein soll, hat man eine weite Aussicht ber die
Umgegend. Monmouth bestieg in Begleitung einiger Offiziere die Gallerie
des viereckigen Thurmes, von wo aus die Spitze desselben sich erhebt,
und beobachtete durch ein Fernrohr die Stellung des Feindes. Unter ihm
lag eine flache Ebene, welche jetzt mit Kornfeldern und Obstpflanzungen
bedeckt ist, damals aber, wie schon ihr Name andeutet,[88] ein trauriger
Morast war. Wenn es stark geregnet hatte und der Parret mit seinen
Nebenflssen austrat, so wurde diese Ebene hufig berschwemmt. Sie
bildete in der That schon in frheren Zeiten einen Theil des groen
Sumpfes, von dem in unseren ltesten Chroniken gesagt wird, da er die
Fortschritte zweier aufeinanderfolgenden fremden Erobererstmme
aufgehalten habe. Dieser Sumpf hatte lange die Celten gegen die Angriffe
der Knige von Wessex geschtzt und hatte Alfred eine Zuflucht vor den
Verfolgungen der Dnen gewhrt. In jenen fernen Zeiten konnte diese
Gegend nur in Bten passirt werden; sie war ein groer See, in welchem
eine Menge kleiner Inseln von vernderlicher und trgerischer
Bodenbeschaffenheit zerstreut umherlagen, die mit ppigem Schilfe
bewachsen waren und auf denen es von Rothwild und wilden Schweinen
wimmelte. Noch zu den Zeiten der Tudors mute der Reisende, den sein Weg
von Ilchester nach Bridgewater fhrte, des Wassers halber einen Umweg
von mehreren Meilen machen. Als Monmouth auf Sedgemoor niederblickte,
war es durch die Kunst zum Theil entwssert und von zahlreichen tiefen
Grben durchschnitten, welche dort Rhines genannt werden. Inmitten des
Moors erhoben sich in der nchsten Umgebung die Kirchthrme einige
Drfer, deren Namen andeuten, da sie einstmals von den Fluthen besplt
wurden. In einem dieser Drfer, Weston Zoyland genannt, lag die
knigliche Reiterei und Feversham hatte daselbst sein Hauptquartier
aufgeschlagen. Viele noch lebende Personen haben die Tochter der Magd
gekannt, die ihn an jenem Tage bei Tische bediente, und eine groe
Schssel von persischem Porzellan, welche ihm vorgesetzt wurde, wird
noch immer in der Nachbarschaft sorgfltig aufbewahrt. Es mu bemerkt
werden, da die Bevlkerung von Somersetshire nicht, wie die der
Fabrikdistrikte, aus Einwanderern aus entfernten Orten besteht. Man
findet dort hufig Landwirthe, die noch den nmlichen Boden bebauen, den
ihre Vorfahren bebauten, als die Plantagenets in England herrschten. Die
Traditionen von Somersetshire sind daher fr den Geschichtsforscher von
nicht geringem Werthe.[89]

In grerer Entfernung von Bridgewater liegt das Dorf Middlezoy. In
diesem Dorfe und seiner Umgebung war die Miliz von Wiltshire unter
Pembroke's Befehlen einquartirt.

Auf offnem Moore, unweit Chozoy, lagerten mehrere Bataillone regulren
Fuvolks. Wehmthig blickte Monmouth auf sie herab, denn er erinnerte
sich unwillkrlich daran, da er vor wenigen Jahren an der Spitze einer
aus den nmlichen Leuten bestehenden Colonne die wilden Enthusiasten,
welche die Bothwelbrcke vertheidigten, in vlliger Verwirrung vor sich
her getrieben hatte. Er konnte in den feindlichen Reihen die tapfere
Schaar unterscheiden, welche damals nach dem Namen ihres Obersten
Dumbarton's Regiment hie, schon lngst aber als das erste
Linienregiment bekannt war und in allen vier Welttheilen seinen alten
Ruhm stets bewhrt hat. Ich kenne diese Leute, sagte Monmouth, die
werden tchtig kmpfen. Htte ich nur sie, so wrde Alles gut
gehen![90]

Der Anblick des Feindes war indessen nicht ganz entmuthigend. Die drei
Divisionen der kniglichen Armee lagen weit von einander entfernt, ihre
Bewegungen hatten einen Anschein von sorgloser und lauer Disciplin und
es wurde berichtet, da sie sich fortwhrend in Zoylandcyder betrnken.
Die Unfhigkeit Feversham's, der das Obercommando fhrte, war
allbekannt, und selbst in diesem kritischen Augenblicke dachte er nur an
Essen und Schlafen. Churchill dagegen war zwar ein Anfhrer, der weit
schwierigeren Aufgaben als der Zerstreuung eines Haufens schlecht
bewaffneter und ungebter Bauern gewachsen war; aber das Genie, das
spter sechs Marschlle Frankreichs demthigte, war damals noch nicht an
seinem rechten Platze. Feversham sprach wenig mit Churchill und
ermuthigte ihn nicht, Vorschlge zu machen. Aber obgleich der
Unterbefehlshaber sich seiner berlegenheit an Fhigkeiten und
Kenntnissen bewut war, obgleich er sich nur mit Unmuth den Befehlen
eines Vorgesetzten unterwarf, den er verachtete, und obgleich er fr die
Armee das Schlimmste befrchtete, so bewahrte er dennoch die ihn
auszeichnende Selbstbeherrschung und verbarg seine Gefhle so gut, da
Feversham seine folgsame Thtigkeit lobte und sich vornahm, dem Knige
davon zu berichten[91].

Nachdem Monmouth die Stellung der kniglichen Truppen beobachtet hatte
und von ihrem Zustande benachrichtigt worden war, glaubte er, da ein
nchtlicher Angriff mit Erfolg gekrnt werden knnte. Er beschlo, sein
Glck zu versuchen und traf sofort die nthigen Anstalten.

Es war Sonntag und seine Leute, welche zum grten Theile puritanisch
erzogen waten, brachten daher einen groen Theil des Tages in
Andachtsbungen zu. Das Schlogebiet, auf dem die Armee lagerte, bot ein
Schauspiel dar, wie es England seit der Auflsung von Cromwell's Heer
nicht wieder gesehen hatte. Die Dissenterprediger, welche gegen den
Papismus zu den Waffen gegriffen hatten, und von denen einige vielleicht
schon im groen Brgerkriege gekmpft hatten, beteten und predigten in
rothen Rcken und hohen Reitstiefeln, mit langen Schwertern an der
Seite. Auch Ferguson gehrte zu Denen, welche Reden hielten. Er whlte
zum Texte die furchtbare Verwnschung, durch welche die jenseits des
Jordan wohnenden Israeliten sich von der Beschuldigung reinigten, die
ihre Brder am andren Ufer des Flusses aus Unwissenheit gegen sie
erhoben: Der starke Gott, der Herr, der starke Gott, der Herr wei, so
wei Israel auch. Ist es Aufruhr oder ein Vergehen gegen den Herrn, so
helfe er uns heute nicht[92].

Da unter dem Schutze der Nacht ein Angriff versucht werden sollte, war
in Bridgewater kein Geheimni. Die Stadt war von Frauen angefllt, die
aus der Umgegend herbeigekommen waren, um ihre Gatten, Shne, Geliebten
und Brder noch einmal zu sehen. Es gab an diesem Tage manche
schmerzliche Abschiedsscene und Viele trennten sich, um einander nicht
wiederzusehen. Das Gercht von dem beabsichtigten Angriff kam auch einem
jungen Mdchen zu Ohren, die eine eifrige Anhngerin des Knigs war.
Trotz ihres schchternen Wesens fate sie den muthigen Entschlu,
Feversham selbst die Nachricht zu berbringen. Sie stahl sich heimlich
aus Bridgewater fort und begab sich in das knigliche Lager. Dieses
Lager aber war nicht der Ort, wo die weibliche Unschuld sicher war.
Selbst die Offiziere, welche die irregulre Streitmacht, der sie
gegenberstanden, und den nachlssigen General, unter dessen Befehlen
sie kmpfen sollten, in gleichem Grade verachteten, waren des sen
Weines voll und daher zu jedem Exce der Sinnlichkeit und Grausamkeit
geneigt. Einer von ihnen ergriff das junge Mdchen, weigerte sich, auf
ihre Botschaft zu hren und that ihr auf die roheste Weise Gewalt an.
Vor Scham und Wuth der Verzweiflung nahe, entfloh sie wieder und
berlie das gottlose Heer seinem Schicksale[93].

Die Zeit zum Beginn des groen Wagstcks rckte jetzt heran. Die Nacht
war nicht ungnstig fr ein solches Unternehmen. Es war zwar Vollmond
und ein glnzendes Nordlicht erschien am Horizont; aber der Sumpfnebel
lag so dicht ber Sedgemoor, da man auf funfzig Schritt die Gegenstnde
nicht unterscheiden konnte[94].

    [Anmerkung 88: +Sedgemoor+: Schilf-Moor.]

    [Anmerkung 89: +Matt. West. Flor. Hist. A.D. 788+;
    Handschriftliche Chronik, citirt von Sharon Turner in seiner
    Geschichte der Angelsachsen, Buch IV. Kap. 19; +Drayton's
    Polyolbion, III.+; +Leland's Itinerary+; +Oldmixon, 703.+ Oldmixon
    befand sich damals in Bridgewater und sah wahrscheinlich den
    Herzog auf dem Kirchthurme. Die oben erwhnte Schssel ist im
    Besitz eines Herrn Stradling, der sich die lobenswerthe Mhe
    gegeben hat, die berbleibsel und Traditionen des Aufstandes im
    Westen aufzubewahren.]

    [Anmerkung 90: +Oldmixon, 703.+]

    [Anmerkung 91: Churchill an Clarendon, vom 4. Juli 1685.]

    [Anmerkung 92: Paschall's Erzhlung in Heywood's Anhang.]

    [Anmerkung 93: +Kennet, ed. 1779, III. 432.+ Ich mu leider
    glauben, da diese traurige Geschichte wahr ist. Der Bischof
    erklrt, da sie ihm im Jahre 1718 von einem wackeren Offizier der
    Blauen mitgetheilt worden sei, der bei Sedgemoor mitgefochten und
    selbst das arme Mdchen in vlliger Verzweiflung hat fortgehen
    sehen.]

    [Anmerkung 94: Erzhlung eines Offiziers von den Gardereitern in
    Kennet, Ausg. v. +1719, III. 432+; +MS. Journal of the Western
    Rebellion, Rept. by Mr. Edward Dummer+; +Dryden's Hind and
    Panther, part. II.+ Die Zeilen von Dryden sind schn:

        Dies war des Himmels heitre Strahlenpracht
        Bei Jakob's letztem Sieg in stiller Nacht,
        Der Liebe seines mcht'gen Schutzherrn Pfand,
        Das Feuerwerk von hehrer Engel Hand.
        Ich selbst das helle Licht vergolden sah
        Die dstren ncht'gen Schatten, fern und nah'.
        Fort trug der Bote eiligst seine Kunde,
        Zu dreier Vlker Trost in banger Stunde,
        Doch berall fand er des Himmels Boten schon.]


[_Schlacht von Sedgemoor._] Es schlug elf Uhr, als der Herzog mit seiner
Leibgarde aus dem Schlosse abritt. Er befand sich durchaus nicht in der
Gemthsstimmung, wie sie einem Manne ziemt, der im Begriffe ist, einen
entscheidenden Schlag zu fhren. Selbst die Kinder, die sich
herbeidrngten, um ihn vorberreiten zu sehen, bemerkten, da sein
Aussehen traurig und voll dsterer Ahnungen war, und erinnerten sich
dessen noch lange nachher. Seine Armee marschirte auf einem fast sechs
Meilen langen Umwege gegen das knigliche Lager von Sedgemoor. Ein Theil
dieses Weges wird noch heute die Kriegsstrae genannt. Das Fuvolk
fhrte Monmouth persnlich an, und die Reiterei war trotz der
Gegenvorstellungen Derer, die sich des Unfalls bei Bridport erinnerten,
Lord Grey anvertraut worden. Es war Befehl gegeben, das strengste
Stillschweigen zu beobachten, keine Trommel zu rhren und keinen Schu
abzufeuern. Das Losungswort, an dem die Insurgenten einander im Dunkeln
erkennen sollten, war Soho. Wahrscheinlich war dieses Wort in Anspielung
auf Soho-Fields in London gewhlt, wo der Palast des Anfhrers
stand[95].

Montag den 6. Juli gegen ein Uhr in der Nacht kamen die Rebellen auf dem
offnen Moore an. Aber zwischen ihnen und dem Feinde befanden sich drei
mit Wasser und dnnem Schlamm gefllte Grben, und Monmouth wute, da
er zwei davon, den sogenannten schwarzen Graben und den
Langmoor-Rhine passiren mute. Sonderbarerweise aber hatte ihm keiner
seiner Kundschafter etwas von der Existenz des dritten Grabens gesagt,
welcher Bussex-Rhine hie und das knigliche Lager unmittelbar deckte.

Die Munitionswagen blieben am Rande des Moors zurck. Die Reiterei und
das Fuvolk gingen auf einem Damme in einer langen und schmalen Colonne
ber den schwarzen Graben. Ein hnlicher Damm war auch durch den
Langmoor-Rhine geworfen, aber der Fhrer verirrte sich im Nebel. Es
entstand einiger Aufenthalt und Tumult, ehe man den rechten Weg wieder
fand; endlich wurde der bergang noch glcklich bewerkstelligt, aber in
der Verwirrung ging ein Pistol los. Einige Wache haltende Gardereiter
hrten den Knall und bemerkten eine groe Truppenmasse, die sich im
Nebel vorwrts bewegte. Sie feuerten ihre Karabiner ab und sprengten in
verschiedenen Richtungen davon, um Lrm zu machen. Einige eilten nach
Weston Zoyland, wo die Kavallerie lag. Ein andrer Reiter galoppirte in
das Lager der Infanterie und rief aus voller Kehle, da der Feind in der
Nhe sei. Die Trommeln des Regiments Dumbarton schlugen Generalmarsch
und die Mannschaft trat sogleich unter's Gewehr. Es war die hchste
Zeit, denn Monmouth stellte seine Armee schon in Schlachtordnung auf. Er
befahl Grey, mit der Reiterei vorzugehen, und folgte selbst an der
Spitze des Fuvolks. Grey strmte vorwrts, bis er pltzlich ganz
unvermuthet durch den Bussex-Rhine aufgehalten wurde. Jenseit des
Grabens stellte sich die knigliche Infanterie eiligst in
Schlachtordnung auf.

Fr wen seid Ihr? rief ein Offizier von der Fugarde. Fr den Knig,
antwortete eine Stimme in den Reihen der Rebellen-Kavallerie. Fr
welchen Knig? wurde hierauf gefragt. Die Antwort war das
Jubelgeschrei: Fr Knig Monmouth! vermischt mit dem Feldgeschrei, das
vierzig Jahre frher auf den Fahnen der Parlamentsregimenter stand:
Gott mit uns! Die kniglichen Truppen gaben nun augenblicklich eine so
krftige Musketensalve, da die ganze Reiterei der Aufstndischen
alsbald nach allen Richtungen auseinanderstob. Die Welt schrieb diese
schmachvolle Flucht allgemein der Feigherzigkeit Grey's zu. Aber es ist
keineswegs erwiesen, ob Churchill an der Spitze von Leuten, welche noch
nie im Sattel gekmpft hatten, und deren Pferde weder ans Feuer, noch
berhaupt an den Zgel gewohnt waren, besseren Erfolg gehabt haben
wrde.

Wenige Minuten nachdem die Reiterei des Herzogs sich ber den ganzen
Moor zerstreut hatte, kam seine Infanterie, der die brennenden Lunten
des Regiments Dumbarton als Wegweiser in der Dunkelheit dienten, im
Sturmschritt heran.

Monmouth erschrak nicht wenig, als er sah, da ein breiter und tiefer
Graben ihn von dem Lager trennte, das er zu berrumpeln gehofft hatte.
Die Insurgenten machten am Rande des Grabens Halt und feuerten; ein
Theil der kniglichen Infanterie am anderen Ufer erwiederte das Feuer.
Dreiviertel Stunde lang knatterte das Kleingewehrfeuer ununterbrochen.
Die Landleute von Somersetshire benahmen sich wie alte gediente
Soldaten, nur da sie zu hoch hielten.

Jetzt aber hatten sich auch die anderen Abtheilungen der kniglichen
Armee in Bewegung gesetzt. Die Leibgarben und die Blauen kamen von
Weston Zoyland herangesprengt und zerstreuten in einem Nu die wenigen
Reiter Grey's, die sich wieder zu sammeln versucht hatten. Die
Fliehenden verbreiteten einen panischen Schrecken unter ihren Kameraden
in der Nachhut, welche die Munition zu decken hatten. Die Wagen fuhren
in hastiger Eile davon und hielten nicht eher an, als bis sie mehrere
Meilen vom Schlachtfelde entfernt waren. Bis jetzt hatte Monmouth sich
als tapfrer und befhigter Krieger gezeigt; man hatte ihn zu Fu
gesehen, wie er, mit einer Lanze in der Hand, seine Infanterie durch
Wort und Beispiel anfeuerte. Aber er war zu erfahren in militrischen
Angelegenheiten, als da er nicht htte wissen sollen, da Alles vorbei
war. Seine Leute hatten den Vortheil, den ihnen die berrumpelung und
die Dunkelheit gegeben, verloren; sie waren von der Reiterei und den
Munitionswagen im Stiche gelassen, und die kniglichen Truppen waren
jetzt in bester Ordnung beisammen. Feversham war durch das Feuer geweckt
worden, war aus dem Bett gesprungen, hatte seine Halsbinde umgelegt,
sich gebhrend im Spiegel gemustert, und war endlich herbeigekommen, um
zu sehen, was seine Leute thaten. Inzwischen hatte Churchill, was von
weit grrer Wichtigkeit war, eiligst eine ganz neue Aufstellung der
kniglichen Infanterie vorgenommen. Der Morgen brach an; der Ausgang
eines Kampfes im offnen Felde und bei hellem Tageslichte konnte nicht
zweifelhaft sein. Aber Monmouth htte fhlen sollen, da er nicht
fliehen durfte, whrend Tausende, die ihre Zuneigung zu ihm ins
Verderben gestrzt, noch immer mannhaft fr seine Sache kmpften. Aber
eitle Hoffnungen und die unberwindliche Liebe zum Leben behielten bei
ihm die Oberhand. Er sah, da, wenn er zgerte, die knigliche Reiterei
ihm den Rckzug abschneiden wrde; er stieg daher zu Pferde und ritt vom
Schlachtfelde.

Doch sein Fuvolk, obgleich von seinem Fhrer verlassen, hielt noch
tapfer Stand. Die Leibgarden griffen es von der rechten, die Blauen von
der linken Seite an; aber die Bauern von Somersetshire kmpften mit
ihren Sensen und ihren Gewehrkolben wie alte Soldaten gegen die
kniglichen Reiter. Oglethorpe machte einen ungestmen Versuch, ihre
Reihen zu durchbrechen, und wurde tapfer zurckgeschlagen. Sarsfield,
ein wackrer irlndischer Offizier, dessen Name spter eine traurige
Berhmtheit erlangte, griff auf der andren Flanke an. Seine Leute wurden
ebenfalls zurckgeworfen. Er selbst wurde zu Boden geschlagen und blieb
eine Zeit lang fr todt liegen. Der Widerstand der tapfren Landleute
konnte jedoch nicht mehr von langer Dauer sein, denn Pulver und Blei
waren vllig ausgegangen. Man hrte den Ruf: Munition! um Gottes Willen
Munition! Aber es war keine mehr zur Hand. Jetzt rckte berdies auch
die knigliche Artillerie heran, die eine halbe Meile davon auf der
Strae von Weston Zoyland nach Bridgewater gestanden hatte. Die
Ausrstung des englischen Heeres war damals noch so mangelhaft, da es
ungeheure Mhe gekostet haben wrde, die schweren Geschtze auf den
Platz zu schleppen, wo der Kampf wthete, htte nicht der Bischof von
Winchester seine Wagenpferde und seine Geschirre zu diesem Zwecke
hergegeben. Diese Einmischung eines christlichen Prlaten in eine
blutige Angelegenheit ist mit sonderbarer Inconsequenz von einigen
whiggistischen Schriftstellern verdammt worden, whrend sie nichts
Verbrecherisches in dem Benehmen der zahlreichen puritanischen
Geistlichen finden, welche damals gegen die Regierung unter Waffen
standen. Und als die Kanonen endlich angekommen waren, fehlte es so sehr
an Kanonieren, da ein Sergeant vom Regimente Dumbarton die Bedienung
mehrerer Geschtze bernehmen mute[96]. So schlecht indessen die
Geschtze auch bedient wurden, so brachten sie doch das Gefecht rasch zu
Ende. Die Lanzen der aufstndischen Bataillone begannen sich zu senken,
die Reihen wurden durchbrochen; die knigliche Reiterei machte einen
nochmaligen Angriff und warf Alles vor sich nieder, whrend zu gleicher
Zeit auch die Infanterie in groen Massen ber den Graben kam. Selbst in
dieser hchsten Bedrngni hielten die Bergleute von Menrix noch tapfer
Stand und verkauften ihr Leben theuer. Aber in wenigen Minuten war die
Niederlage vollstndig. Dreihundert knigliche Soldaten waren getdtet
oder verwundet, und von den Rebellen lagen mehr als tausend todt auf dem
Moor[97].

So endete der letzte, den Namen einer Schlacht verdienende Kampf, der
auf englischem Boden stattgefunden hat. Der Eindruck, den derselbe bei
den einfachen Bewohnern der Umgegend zurcklie, war tief und
nachhaltig. Allerdings ist dieser Eindruck auch hufig wieder
aufgefrischt worden, denn selbst noch in unseren Tagen haben Pflug und
Spaten nicht selten schauerliche Erinnerungszeichen von dem Gemetzel,
wie Schdel, Gebeine und seltsame Waffen, aus Ackergerthen verfertigt,
zu Tage gefrdert. Alte Landleute erzhlten noch vor Kurzem, da sie in
ihrer Kindheit oft auf dem Moore das Gefecht zwischen Knig Jakob's und
Knig Monmouth's Soldaten gespielt und da die letzteren stets Soho
gerufen htten[98].

Was bei der Schlacht von Sedgemoor am meisten auffllt, ist der Umstand,
da der Ausgang nur einen Augenblick zweifelhaft sein konnte und da die
Rebellen so lange Widerstand leisteten. Gegenwrtig wrde es als ein
Wunder betrachtet werden, wenn fnf- oder sechstausend Kohlengrber und
Bauern nur einer halb so groen Anzahl von regulrer Kavallerie und
Infanterie eine halbe Stunde lang Stand hielte. Unser Erstaunen wird
sich jedoch vielleicht vermindern, wenn wir bercksichtigen, da zu den
Zeiten Jakob's II. die Disciplin der regulren Armee auerordentlich
lax, und da auf der andren Seite das Landvolk daran gewhnt war, in der
Miliz zu dienen. Der Unterschied zwischen einem Regiment Fugarden und
einem Regiment eben angeworbener Bauern war daher, obwohl schon sehr
bedeutend, doch keineswegs so gro, als er jetzt ist. Monmouth fhrte
nicht bloe Pbelhaufen zum Angriff gegen gebte Soldaten; seine Leute
waren nicht ganz ohne allen militrischen Anstrich, whrend Feversham's
Truppen im Vergleich zu den englischen Truppen der Jetztzeit fast ein
Pbelhaufe genannt werden knnten.

Es war vier Uhr, die Sonne ging auf und das geschlagene Heer ergo sich
massenhaft in die Straen von Bridgewater. Das Getmmel, das Blut, die
Wunden, die geisterhaften Gestalten, welche zu Boden sanken, um nicht
wieder aufzustehen, verbreiteten Entsetzen und Bestrzung in der Stadt.
Dazu kam noch, da die Verfolger ihnen auf den Fersen waren. Die
Einwohner, welche den Aufstand begnstigt hatten, erwarteten
ausgeplndert und niedergemetzelt zu werden, und flehten ihre Nachbarn,
die sich zum rmisch-katholischen Glauben bekannten oder sich durch
toryistische Gesinnung auszeichneten, um Schutz an. Auch, die heftigsten
whiggistischen Geschichtsschreiber erkennen es an, da dieser Schutz
freundlich und hochherzig gewhrt wurde[99].

    [Anmerkung 95: Es ist von vielen Schriftstellern, unter Anderen
    auch von Penant, behauptet worden, der Soho-Bezirk in London habe
    seinen Namen von jener Parole in Monmouth's Armee bei Sedgemoor.
    Aber man findet die Soho-Fields in Bchern erwhnt, welche vor dem
    Aufstand im Westen gedruckt waren, z.B. in +Chamberlayn's State of
    England, 1684.+]

    [Anmerkung 96: Es existirt eine Verfgung von Jakob, welche
    anbefiehlt, da dem Sergeanten Weems vom Regiment Dumbarton fr
    die guten Dienste, die er in der Schlacht von Sedgemoor durch
    Abfeuern der groen Kanonen auf die Rebellen geleistet, vierzig
    Pfund Sterling ausgezahlt werden sollen. +Historical Record of the
    First of Royal Regiment of Foot+.]

    [Anmerkung 97: Jakob's II. Bericht von der Schlacht von Sedgemoor
    in Lord Hardwicke's Staatsschriften; +Wade's Confession+;
    Ferguson's handschriftliche Erzhlung in Eachard III. 768;
    Erzhlung eines Offiziers von der Leibgarde in Kennet, Ausg. v.
    1719, III. 432; +London Gazette, July 9. 1685+; +Oldmixon, 703+;
    +Paschalle's Narrative+; +Burnet, I. 643+; +Evelyn's Diary, July
    8.+; Citters, 7.(17.) Juli; Barillon 9.(19.) Juli; +Reresby's
    Memoirs+; +the Duke of Buckingham's Battle of Sedgemoor, a Farce+;
    +MS. Journal of the Western Rebellion, kept by Mr. Edward Dummer,
    then serving in the train of artillery employed by Hir Majesty for
    the suppression of the same+. Die letztgenannte Handschrift
    befindet sich in der Pepys'schen Bibliothek und ist von groem
    Werthe, nicht wegen der Erzhlung, die wenig Bemerkenswerthes
    enthlt, sondern wegen der Plne, welche die Schlacht in vier oder
    fnf verschiedenen Stadien darstellen.

    Die Geschichte einer Schlacht, sagt der grte der jetzt
    lebenden Generale, ist der Geschichte eines Balles nicht
    unhnlich. Einige mgen sich wohl noch der kleinen Vorflle
    erinnern, welche den Gewinn oder den Verlust der Schlacht
    herbeifhrten; aber kein Einzelner kann sich erinnern, in welcher
    Aufeinanderfolge oder in welchem Augenblicke sie sich ereigneten,
    und davon hngt stets ihr Werth und ihre Bedeutung ab ... Um Ihnen
    zu beweisen, wie wenig man sich auch auf die besten
    Schlachtberichte verlassen kann, will ich nur sagen, da in dem
    Berichte des Generals ** einige Umstnde erwhnt sind, die sich
    nicht so zugetragen haben, wie er sie erzhlt. Es ist unmglich zu
    sagen, wann und in welcher Ordnung jedes wichtige Ereigni
    eintrat. -- +Wellington Papers, Aug. 8. & 17. 1815.+

    Die Schlacht, in Bezug auf welche der Herzog von Wellington dies
    schrieb, war die von Waterloo, die wenige Wochen vorher am hellen
    Tage unter seinen eigenen scharfblickenden und erfahrenen Augen
    geschlagen worden war. Wie schwierig mu es daher sein, aus zwlf
    oder dreizehn Rapporten einen Bericht ber eine Schlacht zusammen
    zu stellen, die vor mehr als hundertsechzig Jahren in einer
    Dunkelheit geschlagen wurde, da man nicht fnfzig Schritt weit
    vor sich sehen konnte? Die Schwierigkeit wird dadurch noch
    vergrert, da die Augenzeugen, welche die beste Gelegenheit
    hatten, die Wahrheit zu erfahren, durchaus nicht geneigt waren,
    sie zu sagen. Das Dokument, das ich an die Spitze meiner
    Quellenverzeichnisse gestellt habe, war unverkennbar mit der
    grten Parteilichkeit fr Feversham geschrieben. Wade schrieb in
    der Angst vor dem Strange. Ferguson, der es berhaupt mit der
    Wahrheit seiner Aussagen nicht genau nahm, log bei dieser
    Gelegenheit wie Bobadil oder Parolles. Oldmixon, der zur Zeit der
    Schlacht in Bridgewater noch ein Knabe war und einen groen Theil
    seines sptren Lebens daselbst zubrachte, stand so unter dem
    Einflusse rtlicher Leidenschaften, da seine an Ort und Stelle
    vorgenommenen Forschungen ihm nichts ntzten. Der Wunsch, die
    Tapferkeit der Landleute von Somersetshire zu preisen, eine
    Tapferkeit, die selbst ihre Feinde anerkannten und welche nicht
    erst durch bertreibungen und Erdichtungen in ein glnzendes Licht
    gestellt zu werden brauchte, verleitete ihn, einen lcherlichen
    Roman zusammenzusetzen. Das Lob, welches Barillon, ein Franzos,
    der gewhnt war, ungebte Schaaren zu verachten, der besiegten
    Armee zollt, hat weit mehr Werth. +Son infanterie fit fort bien.
    On n'eut de la peine  les rompre, et les soldats combattoient
    avec les crosses de mousquet et les scies, qu'ils avoient au bout
    de grands bastons au lieu de picques.+

    Jetzt ist durch einen Besuch des Schlachtfeldes nicht viel mehr zu
    lernen, denn die Gestalt der Gegend hat sich zu sehr verndert; so
    ist der alte Bussex-Rhine, an dessen Ufern das Haupttreffen
    stattfand, lngst verschwunden. -- Von groem Nutzen ist mir
    Robert's Schlachtbericht gewesen. +Life of Monmouth chap. 22.+
    Seine Erzhlung wird in der Hauptsache durch Dummer's Plne
    besttigt.]

    [Anmerkung 98: Ich weis dies aus dem Munde von Leuten, welche
    unweit Sedgemoor wohnen.]

    [Anmerkung 99: +Oldmixon, 704.+]


[_Verfolgung der Rebellen._] Die Sieger verfolgten die Fliehenden den
ganzen Tag. Die Bewohner der umliegenden Drfer erinnerten sich noch
lange des Getses und der Verwnschungen, womit die Reiterei
vorberstrmte. Noch vor dem Abend waren fnfhundert Gefangene in der
Pfarrkirche zu Weston Zoyland eingesperrt. Achtzig von ihnen waren
verwundet und fnf starben innerhalb der heiligen Mauern. Eine groe
Menge Landleute wurde herbeigetrieben, um die Gefallenen zu begraben,
und einige, deren Parteilichkeit fr die Sache der Besiegten bekannt
war, wurden fr das grauenvolle Geschft bestimmt, die Gefangen zu
viertheilen. Die Unterconstabler der benachbarten Kirchspiele muten
Galgen aufrichten und Ketten herbeischaffen. Whrenddem luteten
frhlich die Glocken von Weston Zoyland und Chedzoy und die Soldaten
sangen und zechten auf dem Moore mitten unter den Leichen, denn die
Landwirthe der Umgegend hatten, sobald der Ausgang des Gefechts bekannt
war, sich beeilt, den Siegern ganze Fsser ihres besten Obstweines als
Friedensopfer darzubringen.[100]

    [Anmerkung 100: +Locke's Western Rebellion, Stradling's Chilton
    Priory.+]


[_Militrische Hinrichtungen._] Feversham galt fr einen gutherzigen
Mann, aber er war ein Auslnder, der die Gesetze der Englnder nicht
kannte und sich um ihre Gefhle nicht kmmerte. Er war an den
kriegerischen bermuth Frankreichs gewohnt und hatte von seinem hohen
Verwandten, dem Eroberer der Pfalz, nicht erobern, sondern nur verwsten
und zerstren gelernt. Eine betrchtliche Anzahl Gefangener wurde sofort
zur Hinrichtung ausgewhlt. Unter diesen befand sich ein junger Mann,
der wegen seiner Schnelligkeit im Laufen berhmt war. Man machte ihm
Hoffnung, da er mit dem Leben davon kommen knne, wenn er aus einem
Wettlaufe mit einem Fohlen der Marschen siegreich hervorginge. Der Raum,
den dieser Mann in gleichem Schritt mit dem Pferde durchlief, ist noch
jetzt durch wohlbekannte Markzeichen auf dem Moore angegeben und war
ungefhr dreiviertel Meile lang. Feversham schmte sich nicht, den
unglcklichen Schnelllufer nach vollbrachter Leistung dennoch an den
Galgen zu schicken. Am nchsten Morgen sah man eine lange Reihe von
Galgen auf der Strae von Bridgewater nach Weston Zoyland, und an jedem
derselben hing ein Gefangner. Vier von den Duldern lie man in ihren
Ketten verfaulen.[101]

    [Anmerkung 101: +Locke's Western Rebellion+; +Stradling's Chilton
    Priory+; +Oldmixon, 704.+]


[_Monmouth's Flucht._] Unterdessen entfloh Monmouth, begleitet von Grey,
Buyse und einigen andren Freunden, vom Schlachtfelde. In Chedzoy machte
er einen Augenblick Halt, um ein frisches Pferd zu besteigen und sein
blaues Knieband und seinen St. Georg[102] zu verbergen. Dann eilte er
weiter nach Bristol Channel. Auf den Anhhen im Norden des
Schlachtfeldes sah er noch den Blitz und den Rauch der letzten Salve,
die seine verlassenen Getreuen abfeuerten. Vor sechs Uhr war er schon
zwanzig Meilen von Sedgemoor entfernt. Einige von seinen Begleitern
riethen ihm, ber den Kanal zu setzen und in Wales eine Zufluchtssttte
zu suchen, was unzweifelhaft das Klgste gewesen wre. Er htte lngst
in Wales sein knnen, ehe die Nachricht von seiner Niederlage dahin
gelangte, und wrde in einer so unwirthbaren, vom Sitze der Regierung
weit entfernten Gegend lange unentdeckt geblieben sein. Aber er
beschlo, nach Hampshire zu eilen, in der Hoffnung, sich in den Htten
der Wilddiebe unter den Eichen des Neuen Waldes so lange verbergen zu
knnen, bis sich eine gnstige Gelegenheit zum Entkommen auf das
Festland darbot. Daher wendete er sich mit Grey und Buyse sdstlich.
Aber der Weg war voll von Gefahren, denn die Flchtlinge reisten durch
eine Gegend, wo Jedermann den Ausgang der Schlacht schon kannte und kein
Reisender von verdchtigem Aussehen sich einer genauen Untersuchung
entziehen konnte. Sie ritten den ganzen Tag, indem sie Stdte und Drfer
sorgfltig vermieden. Das war auch nicht so schwierig, als es jetzt
scheinen mag, denn damals lebende Leute konnten sich noch sehr gut der
Zeit erinnern, wo sich das Rothwild in einer Reihenfolge von Wldern von
den Ufern des Avon in Wiltshire bis zur sdlichen Kste von Hampshire in
ungestrter Freiheit tummelte.[103] Auf Cranbourne Chase konnten endlich
die Pferde vor Erschpfung nicht weiter. Man nahm ihnen daher Sattel und
Zaum ab, welche sorgfltig versteckt wurden, und lie sie laufen.
Monmouth und seine Freunde verschafften sich nun Bauernanzge, und so
verkleidet wanderten sie zu Fu durch den Neuen Wald. Sie brachten die
Nacht unter freiem Himmel zu, aber noch vor dem Morgen waren sie auf
allen Seiten umzingelt. Lord Lumley, der mit einer starken Abtheilung
der Miliz von Sussex in Ringwood stand, hatte nach allen Richtungen hin
Detaschements ausgesandt und Sir Wilhelm Portman mit der Miliz von
Somerset vom Meeresufer bis ans nrdliche Ende von Dorset eine
Postenkette aufgestellt. Am siebenten um fnf Uhr Morgens wurde Grey,
der sich von seinen Freunden entfernt hatte, von zwei Sussexer Spionen
ergriffen. Er ergab sich in sein Schicksal mit der Ruhe eines Mannes,
dem die Ungewiheit unertrglicher war als die sichere Aussicht auf
seinen Untergang. Seit unsrer Landung, sagte er, habe ich weder eine
einzige ordentliche Mahlzeit, noch eine ruhige Nacht gehabt. Man konnte
kaum daran zweifeln, da der Hauptrebell nicht weit entfernt war, und
die Verfolger verdoppelten daher ihre Wachsamkeit und Thtigkeit. Lumley
lie alle auf dem Haidelande an den Grenzen von Dorsetshire und
Hampshire zerstreut liegenden Htten genau durchsuchen, und der
Landmann, mit welchem Monmouth die Kleider gewechselt hatte, wurde
entdeckt. Portman kam mit einer starken Abtheilung Reiterei und Fuvolk,
um Lumley bei seinen Nachforschungen zu untersttzen. Bald wurde ihre
Aufmerksamkeit auf eine Stelle gelenkt, die sich zum Versteck fr
Flchtlinge vortrefflich eignete. Es war ein bedeutender Landstrich,
welcher durch ein Gehege von dem offnen Lande getrennt und durch
zahlreiche Hecken in kleine Feldparcellen abgetheilt war. Auf einigen
dieser Felder waren der Roggen, die Erbsen und der Hafer hoch genug, um
einen Menschen zu verbergen; andere waren mit Farrnkraut und
Brombeerstruchern bedeckt. Eine arme Frau berichtete, da sie in dem
Gehege zwei Fremde gesehen habe, die sich zu verbergen schienen. Die
nahe Aussicht auf eine Belohnung erhhte den Eifer der Truppen. Es wurde
verabredet, da jeder Mann, der bei der Durchsuchung seine Pflicht thue,
einen Antheil von den versprochenen fnftausend Pfund bekommen sollte.
Die uere Umzunung wurde mit Wachen besetzt und der innre Raum mit
unermdlicher Sorgfalt durchforscht; mehrere gute Sprhunde durchsuchten
das Gebsch. Der Abend brach herein, ehe das Geschft beendigt war, aber
die ganze Nacht hindurch wurde sorgfltig Wache gehalten. Wohl
dreiigmal wagten es die Flchtlinge, durch die uere Umzunung zu
blicken, aber berall fanden sie eine aufmerksam umhersphende
Schildwache. Einmal wurden sie gesehen und auf sie geschossen; dann
trennten sie sich und verbargen sich in verschiedenen Schlupfwinkeln.

    [Anmerkung 102: Die Insignien des Hosenbandordens.      D. bers.]

    [Anmerkung 103: +Aubrey's Natural History of Wiltshire, 1691.+]


[_Seine Gefangennehmung._] Am nchsten Morgen mit Tagesanbruch begann
das Suchen von neuem und Buyse wurde gefunden. Er gestand, da er sich
erst vor wenigen Stunden von dem Herzoge getrennt habe. Das Getreide und
das Gestruch wurde nun mit noch grerer Sorgfalt untersucht. Endlich
wurde eine abgezehrte Gestalt in einem Graben gefunden. Die Verfolger
strzten sich auf ihre Beute und einige von ihnen wollten feuern, aber
Portman verbot jede Gewaltthtigkeit. Der Gefangne trug die Kleidung,
eines Hirten, sein frhzeitig ergrauter Bart war seit mehreren Tagen
nicht rasirt. Er zitterte heftig und konnte nicht sprechen. Selbst
Diejenigen, die ihn oft gesehen hatten, zweifelten anfangs, ob dies
wirklich der glnzende und liebenswrdige Monmouth sei. Portman
untersuchte seine Taschen und fand darin unter grnen Erbsen, die er in
seinem qulenden Hunger abgepflckt hatte, eine Uhr, eine mit Gold
gefllte Brse, ein kleines Werk ber die Befestigungskunst, ein Album
mit Gedichten, Recepten, Gebeten und Zaubersprchen, und den St. Georg,
mit dem Knig Karl II. vor vielen Jahren seinen Lieblingssohn geschmckt
hatte. Es wurden nun sogleich Boten mit der erfreulichen Nachricht nach
Whitehall abgesandt und der Gefangene unter starker Bedeckung nach
Ringwood gebracht.[104]

So war denn Alles verloren und es blieb ihm nichts mehr brig, als da
er sich vorbereitete, dem Tode so entgegenzugehen, wie es einem Manne
ziemte, der sich nicht fr unwrdig gehalten, die Kronen Wilhelm's des
Eroberers und Richard's Lwenherz, des Helden von Cressy und des Helden
von Agincourt zu tragen. Der Gefangne htte sich leicht noch anderer
Beispiele aus seiner Familie erinnern knnen, welche auf seine
gegenwrtige Lage besser paten. In einem Zeitraume von hundert Jahren
waren zwei Souveraine, deren Blut in seinen Adern flo, darunter ein
zartes Weib, in der nmlichen Lage gewesen, in der er sich jetzt befand.
Sie hatten im Gefngni und auf dem Schaffot einen Heldenmuth gezeigt,
dessen sie in den Tagen des Glcks nicht fhig gewesen waren, und hatten
ihre groen Fehler und Verbrechen zum Theil geshnt, indem sie Alles,
was ihre siegreichen Feinde ihnen zufgen konnten, mit christlicher
Ergebung und majesttischer Wrde ertrugen. Der Feigheit war Monmouth
nie beschuldigt worden, und htte es ihm auch an natrlichem Muthe
gefehlt, so lie sich erwarten, da dieser Mangel durch den Stolz und
die Verzweiflung ersetzt werden wrde. Die Augen der ganzen Welt waren
auf ihn gerichtet; die sptesten Geschlechter sollten es erfahren, wie
er sich in dieser kritischen Lage gezeigt hatte. Er war es den wackeren
Landleuten im Westen schuldig, ihnen zu beweisen, da sie ihr Blut nicht
fr einen ihrer Aufopferung unwrdigen Fhrer vergossen hatten, und dem
Weibe, die ihm Alles geopfert, war er es schuldig, sich so zu benehmen,
da sie wohl um ihn weinen durfte, sich seiner aber nicht zu schmen
brauchte. Ihm stand es nicht an, zu jammern und um Gnade zu flehen; auch
mute ihm schon sein Verstand sagen, da er durch Klagen und Bitten
nichts erreichen wrde. Er hatte etwas gethan, was nie vergeben werden
konnte, und er war in der Gewalt eines Mannes, der nie vergab.

Aber Monmouth's Muth war nicht jener erhabne Muth, der das Resultat der
berlegung und der Selbstachtung ist; die Natur hatte ihm keines jener
starken Herzen verliehen, denen weder Migeschick noch Gefahren ein
Zeichen von Schwche entreien knnen. Sein Muth wuchs und sank nach
Magabe der auf ihn einwirkenden ueren Eindrcke. Auf dem
Schlachtfelde wurde er durch die Aufregung des Kampfes, durch die
Hoffnung auf den Sieg und durch den mchtigen Einflu der Sympathie
aufrecht erhalten. Alle diese Sttzpunkte waren ihm jetzt entzogen. Das
verwhnte Schookind des Hofes und des Volks, daran gewhnt, berall wo
er sich zeigte, geliebt und vergttert zu werden, war jetzt von
finsteren Kerkermeistern umgeben, in deren Blicken er sein Schicksal
las. Noch einige Stunden dstrer Abgeschiedenheit, und er mute eines
gewaltsamen und schimpflichen Todes sterben. Sein Muth war vllig
gebrochen. Das Leben schien ihm werth, durch jede Erniedrigung erkauft
zu werden, und sein stets schwacher, jetzt aber noch durch die Angst
verwirrter Verstand sah nicht ein, da Demthigungen ihn herabwrdigen
muten, aber nicht retten konnten.

    [Anmerkung 104: +Account of the manner of taking the late Duke of
    Monmouth, published by His Majesty's command. Gazette de France,
    July 18.(28.) 1685+; +Eachard III. 770+; +Burnet I. 644+, und
    Dartmouth's Note; Citters, 10.(20.) Juli 1685.]


[_Sein Brief an den Knig._] Sogleich nach seiner Ankunft in Ringwood
schrieb er an den Knig. Aus seinem Briefe sprach feige Angst, die kein
Ehrgefhl mehr kennt. Er versicherte in Ausdrcken der heftigsten
Verzweiflung, da er seinen Verrath bereue und da es zu der Zeit, als
er seinen Verwandten versprach, keine Unruhen in England hervorzurufen,
sein fester Vorsatz gewesen sei, sein Wort zu halten. Leider htten
nachher einige abscheuliche Menschen ihn seiner Unterthanentreue
entfremdet, indem sie sein Blut durch Verleumdungen erhitzten und seinen
Verstand durch Sophismen irreleiteten; jetzt aber verabscheue er sie
sowohl als sich selbst. In klglichen Ausdrcken flehte er um die Gunst
einer Unterredung mit dem Knige. Es handle sich um ein Geheimni, das
er dem Papiere nicht anvertrauen knne, um ein Geheimni, das in einem
einzigen Worte enthalten sei und das, wenn er es ihm mittheile, den
Thron gegen jede Gefahr sicherstellen werde. Am folgenden Tage schrieb
er auch noch an die Knigin Wittwe und an den Lordschatzmeister, die er
beide dringend bat, sich fr ihn zu verwenden.[105]

Das Erstaunen war gro, als es in London bekannt wurde, wie tief er sich
erniedrigt hatte, und Niemand wunderte sich mehr darber, als Barillon,
der zwei blutige Proscriptionen in England erlebt und zahlreiche Opfer,
sowohl von der Opposition als vom Hofe, gesehen hatte, die sich ohne
weibisches Flehen und Jammern in ihr Schicksal ergaben.[106]

    [Anmerkung 105: Der Brief an den Knig wurde damals auf besondren
    Befehl gedruckt, der an die Knigin Wittwe befindet sich unter Sir
    H. Ellis' Originalbriefen; der an Rochester in Clarendon's
    Correspondenz.]

    [Anmerkung 106: Er schrieb: +On trouve fort  redire icy qu'il
    ayt fait une chose si peu ordinaire aux Anglois.+ 13.(23.) Juli
    1685.]


[_Er wird nach London abgefhrt._] Monmouth und Grey blieben zwei Tage
in Ringwood und wurden dann unter Bedeckung eines starken Detaschements
regulrer Truppen und Milizen nach London abgefhrt. Im Wagen des
Herzogs sa ein Offizier, welcher Befehl hatte, den Gefangnen sofort
niederzustoen=, wenn er einen Fluchtversuch machen sollte. Auf dem
ganzen Wege war in jeder Stadt die Miliz der Umgegend unter dem Commando
der vornehmsten Gentry versammelt. Die Reise dauerte drei Tage und
endete zu Vauxhall, wo ein von Georg Legge, Lord Dartmouth, befehligtes
Regiment die Gefangenen in Empfang nahm. Sie wurden hierauf zu Wasser in
einer Staatsbarke nach Whitehall gebracht. Lumley und Portman hatten
abwechselnd Tag und Nacht den Herzog bewacht, bis sie ihn wohlbehalten
in den Mauern des Palastes ablieferten.[107]

Sowohl Monmouth's als auch Grey's Benehmen whrend der Reise erfllte
jeden Beobachter mit Erstaunen; Monmouth war gnzlich zu Boden
geschmettert; Grey dagegen war nicht nur gefat, sondern sogar heiter,
sprach ganz vergngt von Pferden und Hunden, von Jagd und Wettrennen,
und machte selbst scherzhafte Anspielungen auf die gefhrliche Lage, in
der er sich befand.

Man kann den Knig wegen seines Entschlusses, da Monmouth den Tod
erleiden sollte, nicht tadeln. Wer sich an die Spitze eines Aufstandes
gegen die bestehende Regierung stellt, setzt sein Leben aufs Spiel, und
Auflehnung gegen die knigliche Gewalt war nur der geringste Theil von
Monmouth's Verbrechen. Er hatte seinem Oheim einen Krieg ohne Pardon
erklrt. In dem zu Lyme erlassenen Manifeste war Jakob als Brandstifter,
als Meuchelmrder, der einen Unschuldigen erdrosselt und einem Andren
die Kehle abgeschnitten, und schlielich als Vergifter seines eignen
Bruders der ffentlichen Verwnschung preisgegeben worden. Einen Freund
zu schonen, der sich kein Gewissen daraus gemacht, zu so schndlichen
Mitteln zu greifen, wrde ein Act seltner, vielleicht tadelnswerther
Gromuth gewesen sein; ihn aber zu empfangen und dann nicht zu schonen,
dies war ein Frevel an der Humanitt und der Schicklichkeit.[108] Der
Knig beging diesen Frevel. Dem Gefangnen wurden vermittelst einer
seidnen Schnur die Hnde auf den Rcken gebunden, und nachdem man ihn
auf diese Weise unschdlich gemacht, wurde er bei dem unvershnlichen
Verwandten, den er so schwer beleidigt hatte, eingefhrt.

    [Anmerkung 107: +Account of the manner of taking The Duke of
    Monmouth+; +London Gazette, July 16. 1685+; Citters, Juli
    14.(24.)]

    [Anmerkung 108: Barillon nahm unverkennbar groes rgerni daran.
    Er schreibt: +Il se vient de passer icy une chose bien
    extraordinaire et fort oppose  l'usage ordinaire des autres
    nations.+ 13.(23.) Juli 1685.]


[_Seine Unterredung mit dem Knige._] Monmouth warf sich nieder und
kroch bis zu den Fen des Knigs. Er weinte und versuchte mit seinen
gefesselten Armen die Knie seines Oheims zu umfassen; er flehte um sein
Leben, nur um sein Leben, um sein Leben um jeden Preis. Er gestand, da
er sich eines groen Verbrechens schuldig gemacht habe, versuchte es
aber, die Schuld auf Andere zu wlzen, namentlich auf Argyle, der eher
seine Fe in die spanischen Stiefeln gesteckt, als sein Leben durch
eine solche Gemeinheit gerettet haben wrde. Bei den Banden der
Verwandtschaft, bei dem Gedchtni des verstorbnen Knigs, des besten
und aufrichtigsten Bruders, beschwor der Unglckliche den Knig, einige
Gnade walten zu lassen. Jakob erwiederte in ernstem Tone, diese Reue
komme zu spt, er bedaure das Unglck, das der Gefangne selbst ber sich
gebracht habe, aber der Fall sei nicht geeignet, zur Milde zu stimmen.
Der Herzog habe eine mit den abscheulichsten Verleumdungen angefllte
Erklrung erlassen und sich den Knigstitel angemat; fr einen unter so
erschwerenden Umstnden verbten Verrath knne es diesseit des Grabes
keine Verzeihung geben. Der unglckliche Herzog betheuerte, da er nie
nach dem Besitz der Krone getrachtet habe, sondern da er nur durch
Andere zu dem unheilvollen Beginnen verleitet worden sei. Die Erklrung
habe er nicht geschrieben, ja nicht einmal gelesen, er habe sie
unterzeichnet, ohne sie nur anzusehen, sie sei lediglich das Werk
Ferguson's, des blutdrstigen Schurken Ferguson. Ihr werdet mich doch
nicht glauben machen wollen, sagte Jakob mit nur zu wohl verdienter
Verachtung, da Ihr Euren Namen unter ein Dokument von solcher
Bedeutung setztet, ohne den Inhalt desselben zu kennen? Jetzt blieb nur
noch eine Stufe der Infamie brig, und selbst zu dieser stieg der
Gefangne herab. Er war vorzugsweise als Vertheidiger der
protestantischen Religion aufgetreten. Das Interesse dieses Glaubens war
der Vorwand gewesen, unter dem er sich gegen die Regierung seines Vaters
verschwor und die Drangsale eines Brgerkrieges ber sein Vaterland
brachte; dennoch schmte er sich nicht, anzudeuten, da er geneigt sei,
sich mit der rmischen Kirche wieder auszushnen. Der Knig bot ihm
bereitwilligst geistlichen Beistand an, sagte aber kein Wort von
Begnadigung oder Aufschub. Ich habe also keine Hoffnung? fragte
Monmouth. Jakob wendete sich schweigend von ihm ab. Der Herzog raffte
nun seinen ganzen Muth zusammen, erhob sich und verlie mit einer
Festigkeit, die er seit seinem Sturze noch nicht gezeigt hatte, das
Gemach.[109]

Nach ihm wurde Grey eingefhrt. Er benahm sich mit so edlem Anstande und
solcher Fassung, da selbst der finstre und rachschtige Knig davon
ergriffen wurde, gestand seine Schuld offen ein, versuchte es nicht,
sich zu entschuldigen, und lie sich nicht ein einziges Mal herab, um
sein Leben zu bitten. Beide Gefangene wurden zu Wasser in den Tower
geschickt. Es gab keinen Tumult, aber viele Tausende suchten mit
ngstlicher und betrbter Miene einen Blick auf die Gefangenen zu
werfen. Den Herzog verlie seine Festigkeit wieder, sobald er dem Knige
aus dem Gesicht war. Auf dem Wege in sein Gefngni bejammerte er laut
sein Geschick, klagte seine Anhnger an und bat in erniedrigender Weise
Dartmouth um seine Verwendung. Ich wei, Mylord, sagte er zu ihm, da
Sie meinen Vater liebten. Um seinetwillen und um Gotteswillen versuchen
Sie es, Gnade fr mich zu erwirken! Dartmouth antwortete ihm, der Knig
habe die Wahrheit gesagt: ein Unterthan, der sich den Knigstitel
angemat, habe sich selbst jeder Hoffnung auf Gnade begeben.[110]

Bald nach seiner Ankunft im Tower wurde Monmouth gemeldet, da seine
Gemahlin auf kniglichen Befehl zu ihm gesandt sei, um ihn zu besuchen.
Sie war begleitet vom Geheimsiegelbewahrer, Earl von Clarendon. Ihr
Gemahl empfing sie sehr kalt und sprach fast nur mit Clarendon, den er
dringend um seine Frsprache bat. Der Earl machte ihm keine Hoffnung,
und noch den nmlichen Abend kamen zwei Prlaten, Turner, Bischof von
Ely, und Ken, Bischof von Bath und Wells, mit einer feierlichen
Botschaft vom Knige in den Tower. Es war Montag Nacht. Am Mittwoch
Morgen sollte Monmouth sterben.

Er war heftig erschttert, alles Blut trat aus seinen Wangen, und es
dauerte eine Weile, ehe er sprechen konnte. Den grten Theil der kurzen
Zeit, die ihm noch vergnnt war, verschwendete er in nutzlosen
Versuchen, wenn nicht Begnadigung, doch einen Aufschub zu erlangen. Er
schrieb klgliche Briefe an den Knig und an mehrere Hflinge, aber
vergebens. Von Seiten des Hofes wurden einige katholische Geistliche zu
ihm gesandt, sie berzeugten sich jedoch bald, da er zwar gern durch
Abschwrung des Glaubens, als dessen Vertheidiger er sich ganz speciell
erklrt hatte, sein Leben erkaufen wrde, da er aber, wenn er einmal
sterben mte, eben so gern ohne ihre Absolution als mit derselben
sterben wrde.[111]

Ken und Turner waren mit seiner Gemthsverfassung nicht viel
zufriedener. Die Lehre von der Verwerflichkeit des Widerstandes war nach
ihrer eigenen wie nach der Ansicht ihrer Berufsgenossen das
unterscheidende Merkmal der anglikanischen Kirche. Die beiden Bischfe
drangen in Monmouth, er solle zugestehen, da er durch seine bewaffnete
Auflehnung gegen die Regierung eine groe Snde begangen habe; aber sie
fanden ihn in diesem Punkte entschieden heterodox. Und dies war nicht
seine einzige Ketzerei. Er behauptete, sein Verhltni mit Lady
Wentworth sei in den Augen Gottes tadellos. Er sei schon als Knabe
vermhlt worden und habe sich nie um die Herzogin gekmmert; er habe
daher das Glck, das er in seiner Huslichkeit nicht gefunden, in einer
Reihenfolge lockerer Liebschaften gesucht, welche die Religion und die
Moral verdammten. Henriette habe ihn seinem lasterhaften Lebenswandel
entrissen, ihr sei er bestndig treu geblieben. In gemeinschaftlichem
Gebet htten sie den Himmel um seine gttliche Leitung angefleht und
nach solchem Gebet htten sie ihre gegenseitige Zuneigung jedesmal
strker gefunden, so da sie nicht lnger htten zweifeln knnen, da
ihre Verbindung in den Augen Gottes so gut wie eine gesetzliche Ehe sei.
Die beiden Bischfe waren so entrstet ber diese Auffassung des
ehelichen Verhltnisses, da sie sich weigerten, dem Gefangenen das
Abendmahl zu reichen. Alles, was sie von ihm erlangen konnten, war das
Versprechen, da er in der letzten Nacht, die er noch zu leben hatte,
den Himmel um Erleuchtung bitten wolle, wenn er im Irrthum sei.

Am Mittwoch Morgen kam auf sein besonderes Ansuchen +Dr.+ Thomas
Tenison, welcher damals Vikar zu St. Martin war und sich in diesem
wichtigen Amte die hohe Achtung des Publikums erworben hatte, in den
Tower. Der Herzog erwartete von Tenison, dessen gemigte Ansichten
bekannt waren, mehr Nachsicht als Ken und Turner gegen ihn zu ben
geneigt waren. Welcher Ansicht aber Tenison auch in Betreff des
Nichtwiderstandes sein mochte, den letztem Aufstand hielt er fr
bereilt und strafbar, und Monmouth's Begriff von der Ehe betrachtete er
als einen hchst gefhrlichen Irrwahn. Monmouth blieb jedoch hartnckig
bei seiner Meinung. Er habe Gott gebeten, da er ihn erleuchten mge,
sagte er; aber seine Ansichten seien unverndert geblieben, und er knne
daher nicht zweifeln, da es die richtigen seien. Tenison's Ermahnungen
waren indessen in einem milderen Tone gehalten als die der Bischfe.
Aber auch er war, gleich ihnen, der Meinung, da er es nicht
verantworten knne, wenn er einem Manne, dessen Bufertigkeit so
unbefriedigend sei, das Abendmahl reichte.[112]

Die Stunde rckte immer nher heran, jede Hoffnung war geschwunden, und
Monmouth's kleinmthige Angst hatte sich in gefhllose Verzweiflung
verwandelt. Seine Kinder wurden in Begleitung ihrer Mutter bei ihm
eingefhrt, damit er Abschied von ihnen nehme. Er sprach freundlich,
aber ohne Rhrung mit seiner Gemahlin. Obgleich sie eine Frau von groer
Seelenstrke war und wenig Ursache hatte, ihn zu lieben, so war ihr
Schmerz doch so heftig, da keiner der Umstehenden sich der Thrnen
enthalten konnte. Er allein blieb ungerhrt.[113]

    [Anmerkung 109: +Burnet I. 644+; +Evelyn's Diary, July 15.+; +Sir
    J. Bramston's Memoirs+; +Reresby's Memoirs+; Jakob an den Prinzen
    von Oranien vom 14. Juli 1685; Barillon, 16.(26.) Juli; +Buccleuch
    MS.+]

    [Anmerkung 110: Jakob an den Prinzen von Oranien vom 14. Juli
    1685; Hollndische Depesche von dem nmlichen Datum; Luttrell's
    Tagebuch; Dartmouth's Anmerkung in Burnet I. 646.]

    [Anmerkung 111: +Buccleuch MS.+; +Clarke's Life of James the
    Second, II. 37+; +Orig. Mem.+; Citters, 14.(24.) Juli 1685;
    +Gazette de France, Aug. 1.(11.)+]

    [Anmerkung 112: +Buccleuch MS.+; +Clarke's Life of James the
    Second, II. 37. 38+; +Orig. Mem.+; +Burnet, I. 645+; Tenison's
    Bericht in Kennet III. 432, Ausg. v. 1719.]

    [Anmerkung 113: +Buccleuch MS.+]


[_Seine Hinrichtung._] Es war zehn Uhr. Der Wagen des Gouverneurs vom
Tower stand bereit. Monmouth bat seine geistlichen Beistnde, da sie
ihn auf den Richtplatz begleiten mchten; sie willigten ein, sagten ihm
aber, da er, ihrer berzeugung nach, dem Tode in einem gefhrlichen
Seelenzustande entgegengehe und da es ihre Pflicht sei, bis zum letzten
Augenblicke Ermahnungen an ihn zu richten. Als er durch die Reihen der
Garden fuhr, begrte er sie mit einem Lcheln und bestieg mit festem
Schritte das Schaffot. Tower Hill war bis zu den Spitzen der
Schornsteine mit einer unzhligen Zuschauermenge bedeckt die in
ehrerbietiger, nur durch Weinen und Schluchzen unterbrochener Stille den
letzten Worten des Lieblings des Volkes lauschten. Ich werde wenig
sagen, hob er an. Ich komme hierher, nicht um zu sprechen, sondern um
zu sterben. Ich sterbe als Protestant der englischen Kirche. Die
Bischfe unterbrachen ihn, indem sie sagten, da er kein Mitglied ihrer
Kirche sei, wenn er nicht den Widerstand als sndhaft anerkenne. Er
sprach nun von seiner Henriette. Sie sei eine tugendhafte und
ehrenwerthe junge Dame, sagte er; er liebe sie bis zum letzten
Augenblicke und knne nicht sterben, ohne seine Gefhle zu uern. Die
Bischfe unterbrachen ihn abermals und baten ihn, keine solche Sprache
zu fhren. Es entspann sich ein kurzer Wortwechsel. Man hat den
Geistlichen zu groe Hrte gegen den Sterbenden vorgeworfen; aber sie
entledigten sich nur einer ihrer berzeugung nach heiligen Pflicht.
Monmouth kannte ihre Grundstze, und wenn er ihre lstige Zusprache
nicht wnschte, so htte er ihre Begleitung ablehnen sollen. Ihre
gewhnlichen Argumente fr die Verwerflichkeit des Widerstandes uerten
keine Wirkung auf ihn. Als sie ihn aber an das Unglck erinnerten, das
er ber seine wackeren und ihn liebenden Anhnger gebracht, an das
vergossene Blut und an die vielen Seelen, welche unvorbereitet vor den
hchsten Richterstuhl gesandt worden, da ward er tief ergriffen und
sagte mit sanfter Stimme: Ja, ich gestehe es, es thut mir leid, da es
geschehen ist. Sie beteten hierauf lange und inbrnstig mit ihm, und er
stimmte in ihre Gebete ein, bis sie fr den Knig des Himmels Segen
erflehten. Hier schwieg er. Betet Ihr nicht mit uns fr den Knig,
Sir? fragte einer der Umstehenden. Monmouth schwieg noch eine Weile und
nach einem heftigen inneren Kampfe sagte er: Amen. Vergebens aber
forderten die Prlaten ihn auf, an die Soldaten und das versammelte Volk
einige Worte ber die Pflicht des Gehorsams gegen die Regierung zu
richten. Ich will keine Rede halten, rief er aus; nur zehn Worte,
Mylord. Er wendete sich um, rief seinen Diener und hndigte ihm eine
Zahnstocherbchse ein, das letzte Unterpfand einer unglcklichen Liebe.
Dies gieb jener Person, sagte er zu ihm. Hierauf wendete er sich zu
Johann Ketch, dem Scharfrichter, einem Elenden, der schon manch muthiges
und edles Opfer hingeschlachtet und dessen Namen das Volk noch ein und
ein halbes Jahrhundert lang Allen, die ihm in seinem widerlichen Amte
folgten, beilegte[114]. Hier, sagte der Herzog, sind sechs Guineen
fr Euch. Aber hackt mich nicht, wie Ihr es bei Lord Russel gethan habt.
Ich habe gehrt, da Ihr drei- oder viermal nach ihm schluget. Mein
Diener soll Euch noch etwas Geld geben, wenn Ihr Eure Sache gut macht.
Er entkleidete sich sodann, untersuchte die Schneide des Beils, uerte
die Besorgni, da es wohl nicht scharf genug sei, und legte endlich das
Haupt auf den Block. Whrenddem riefen die Geistlichen bestndig mit
groem Eifer aus: Gott nehme Eure Reue an! Gott nehme Eure
unvollkommene Reue an!

Der Henker schickte sich an, sein Geschft zu verrichten; aber die Worte
des Herzogs hatten ihn aus der Fassung gebracht. Der erste Hieb brachte
ihm nur eine leichte Wunde bei. Der Herzog erhob sich schwankend von dem
Blocke und sah den Scharfrichter vorwurfsvoll an. Dann lie er das Haupt
wieder auf den Block sinken. Der Scharfrichter schlug noch einmal und
noch einmal; aber noch war der Kopf nicht vom Rumpfe getrennt, der sich
aufs neue bewegte. Ein Geschrei des Entsetzens und des Unwillens erhob
sich unter der Menge. Mit einem Fluche warf Ketch das Beil zu Boden.
Ich kann es nicht thun, sagte er, das Herz bricht mir! -- Hebe das
Beil auf, Mensch! rief der Sheriff. Werft ihn ber das Gelnder!
brllte der Pbel. Endlich wurde das Beil wieder aufgehoben und zwei
neue Schlge verlschten den letzten Lebensfunken; aber der Kopf mute
noch mit einem Messer vollends von den Schultern getrennt werden. Das
Volk war so auer sich vor Wuth, da der Scharfrichter in Gefahr war, in
Stcke zerrissen zu werden und da er unter starker Bedeckung abgefhrt
werden mute[115].

Inzwischen wurden viele Tcher in das Blut des Herzogs getaucht, denn
ein groer Theil der Menge betrachtete ihn als einen Mrtyrer, der fr
den protestantischen Glauben gestorben war. Kopf und Rumpf wurden in
einen mit schwarzen Sammet bedeckten Sarg gelegt und in aller Stille
unter dem Abendmahlstische der St. Peterskapelle im Tower beigesetzt.
Vier Jahre spter wurden die Steinplatten des Altarplatzes wieder
aufgehoben und dicht neben Monmouth's Hlle die berreste Jeffreys'
gelegt. Es giebt in Wahrheit keine traurigere Grabsttte in der Welt als
dieser kleine Platz. Die dort liegenden Todten erinnern nicht, wie in
der Westminsterabtei und in der Paulskirche, an Genie und Tugend, nicht,
wie in unseren bescheidensten Kirchen und Gottesckern, an Alles, was
der gesellschaftlichen und huslichen Liebe am theuersten ist, sondern
an die dunkelsten Seiten des menschlichen Characters und Schicksals, an
den wilden Triumph unerbittlicher Feinde, an die Unbestndigkeit,
Undankbarkeit und Feigheit treuloser Freunde, an all' das Elend
gefallener Gre und verblichenen Glanzes. Dorthin wurden Jahrhunderte
hindurch auf den Schultern rauher Kerkerknechte, ohne Trauergeleite, die
blutenden berreste von Mnnern getragen, welche Befehlshaber von
Armeen, Fhrer von Parteien, Orakel von Senaten und Zierden souverainer
Hfe gewesen waren. Dorthin wurde, unter dem Fenster vorber, an welchem
Johanna Grey betete, der zerrissene Leichnam Guildford Dudley's
getragen. Dort ruht Eduard Seymour, Herzog von Somerset und Protector
des Reiches, an der Seite des Bruders, den er ermordet. Dort modert der
kopflose Rumpf Johann Fisher's, Bischofs von Rochester und Cardinals von
St. Vitalis, eines Mannes; der zu einer besseren Zeit zu leben und fr
eine bessere Sache zu sterben verdient htte. Dort liegen Johann Dudley,
Herzog von Northumberland und Lordgroadmiral, und Thomas Cromwell, Earl
von Essex und Lordoberschatzmeister. Dort liegt auch noch ein andrer
Essex, an den die Natur und das Glck ihre herrlichsten Gaben umsonst
verschwendet hatten, den Tapferkeit, Anmuth, Genie, knigliche Gunst und
Beifall des Volks zu einem frhzeitigen und schmachvollen Untergange
fhrten. Nicht weit davon ruhen zwei Oberhupter des groen Hauses
Howard, Thomas, vierter Herzog von Norfolk, und Philipp, elfter Earl von
Arundel. Zwischen den zahlreichen Grbern unruhiger und ehrgeiziger
Staatsmnner zerstreut schlummern daselbst auch zartere Dulder:
Margarethe von Salisbury, die letzte des stolzen Namens Plantagenet, und
die beiden schnen Kniginnen, welche Heinrich's eiferschtiger Wuth zum
Opfer fielen. Mit solchem Staub ward Monmouth's Staub vermischt.[116]

Noch wenige Monate, und das friedliche Dorf Toddington in Bedfordshire
sah ein noch erschtternderes Leichenbegngni. Unweit dieses Dorfes
stand ein altes, stattliches Schlo, der Stammsitz der Wentworth. Das
Querschiff der Pfarrkirche war seit langer Zeit ihr Begrbniplatz. In
dieser Grabsttte ward im ersten Frhling nach Monmouth's Tode der Sarg
der jungen Baronesse Wentworth von Nettlestede getragen. Ihre Familie
lie ihr ein prchtiges Mausoleum errichten; aber ein viel einfacheres
Erinnerungszeichen an sie wurde lange mit weit grerer Theilnahme
betrachtet. Ihr Name, von der Hand des Mannes eingeschnitten, den sie
nur zu sehr liebte, war noch mehrere Jahre nachher an einem Baume des
anstoenden Parkes zu erkennen.

    [Anmerkung 114: Der Name Ketch's wurde in den Spottgedichten jener
    Zeit oft mit dem Namen Jeffreys' in Verbindung gebracht:

        Jeffreys sitzt auf der Bank, Ketch auf dem Galgen,

    sagt ein Dichter. Das Jahr darauf nach Monmouth's Hinrichtung
    wurde Ketch seines Amtes entsetzt, weil er einen der Sheriffs
    beleidigt hatte, und ihm folgte ein Metzger, Namens Rose. Aber
    schon nach vier Monaten wurde Rose selbst in Tyburn gehngt und
    Ketch wieder in seine Stelle eingesetzt. +Luttrell's Diary, Jan.
    20. & May 28. 1686.+ Siehe auch eine interessante Note von Dr.
    Grey im Hudibras, Th. II. Ges. 2, Zeile 1534.]

    [Anmerkung 115: Bericht ber die Hinrichtung Monmouth's,
    unterzeichnet von den Geistlichen, die ihn begleiteten. +Buccleuch
    MS.+; +Burnet, I. 646+; Citters, 17.(27.) Juli 1685; +Luttrell's
    Diary+; +Evelyn's Diary, July 15+; Barillon, 19.(29.) Juli.]

    [Anmerkung 116: Ich kann nicht umhin, hier meine Entrstung ber
    die barbarische Thorheit auszusprechen, welche diese hchst
    interessante Kirche in ein Gebude verwandelt hat, das dem
    Versammlungshause in einer Fabrikstadt hnlich sieht.]


[_Wie das niedere Volk sein Andenken ehrte._] Lady Wentworth war nicht
die Einzige, die das Andenken des Herzogs mit abgttischer Liebe ehrte.
Er lebte fort in den Herzen des Volks, bis das Geschlecht, das ihn
gesehen hatte, verschwunden war. Bnder, Schnallen und andere
geringfgige Kleinigkeiten, die er an sich getragen, wurden von Denen,
welche bei Sedgemoor unter ihm gefochten hatten, wie kostbare Reliquien
aufbewahrt. Alte Leute, die ihn lange berlebten, sprachen in ihrer
Sterbestunde den Wunsch aus, da man ihnen diese Kleinigkeiten mit in's
Grab geben mchte. Ein Knopf von Goldlahn, der mit Mhe diesem
Schicksale entging, ist noch in einem Hause zu sehen, von welchem aus
man das Schlachtfeld berblickt. Das Volk hing mit einer solchen
Zrtlichkeit an seinem unglcklichen Lieblinge, da trotz der
augenflligsten Beweise, die seinen Tod bettigten, Viele noch immer die
Hoffnung hegten, da er lebe und bald wieder bewaffnet erscheinen werde.
Es hie, ein Mann, der dem Herzoge auffallend hnlich she, habe sich
selbst aufgeopfert, um den Helden des Protestantismus zu retten. Bei
jeder politischen Krisis von einiger Wichtigkeit flsterte das gemeine
Volk sich zu, die Zeit sei nahe und Knig Monmouth werde sich bald
zeigen. Im Jahre 1686 wurde ein Betrger, der sich fr den Herzog
ausgegeben und in verschiedenen Drfern von Wiltshire Gelder
eingesammelt hatte, eingefangen und von Newgate nach Tyburn gepeitscht.
Im Jahre 1698, nachdem England schon lange unter einem neuen
Herrscherstamme constitutionelle Freiheit geno, gab sich der Sohn eines
Gastwirths bei den Freisassen von Sussex fr ihren geliebten Monmouth
aus und tuschte Viele, die keineswegs der untersten Klasse angehrten.
Es wurden fnfhundert Pfund Sterling fr ihn gesammelt, die Pchter
schenkten ihm ein Pferd, ihre Frauen schickten ihm ganze Krbe voll
Hhner und Enten und man sagte sogar, da sie auch zrtlichere
Gunstbezeigungen an ihn verschwendeten, denn im Punkte der Galanterie
wenigstens war der Doppelgnger ein nicht unwrdiger Reprsentant des
Originals. Als dieser Mensch wegen seines Betrugs in's Gefngni
geworfen wurde, verschafften ihm seine Anhnger dort alle mglichen
Gensse. Viele erschienen bei den Sitzungen der Assisen von Horsham, um
ihn durch ihre Anwesenheit zu ermuthigen. Die Tuschung whrte noch
immer fort als Georg III. bereits drei Jahre auf dem Throne sa, bis
Voltaire es endlich fr nthig hielt, allen Ernstes die Muthmaung zu
entkrften, da der Mann mit der eisernen Maske der Herzog von Monmouth
sei.[117]

Es drfte keine minder auffallende Thatsache sein, da bis auf den
heutigen Tag die Bewohner einiger westlichen Provinzen Englands, sobald
irgend eine ihre Interessen berhrende Bill im Hause der Lords zur
Verlesung kommt, sich fr berechtigt hielten, auf die Untersttzung des
Herzogs von Buccleuch, eines Nachkommen des unglcklichen Oberhauptes,
fr den ihre Vorfahren bluteten, Anspruch zu machen.

Die Geschichte Monmouth's wrde allein gengen, um den Vorwurf der
Unbestndigkeit zu widerlegen, der dem gemeinen Volke so oft gemacht
wird. Allerdings ist das niedere Volk zuweilen unbestndig, weil es eben
Menschen sind; da es aber unbestndig sei im Vergleich zu den hheren
Klassen, zu dem Adel und zu den Frsten, mu entschieden geleugnet
werden. Man knnte leicht Demagogen namhaft machen, deren Popularitt
sich nicht vermindert hat, whrend Souveraine und Parlamente einer
langen Reihe von Staatsmnnern ihr Vertrauen entzogen haben. Als Swift's
Geisteskrfte sich schon viele Jahre berlebt hatten, fuhr das irische
Volk noch immer fort, an seinem Geburtstage Freudenfeuer anzuznden, zur
Erinnerung an die Dienste, die er, wie sie glaubten, dem Vaterlande zu
der Zeit geleistet hatte, da sein Geist noch in voller Kraft war.
Whrend sieben Ministerien zur Macht erhoben und in Folge von
Hofintriguen oder Gesinnungsvernderungen der hheren Klassen der
Gesellschaft wieder vertrieben wurden, behauptete der verworfene Wilkie
seine Herrschaft ber einen Pbel, den er brandschatzte und verhhnte.
Politiker, welche 1807 sich bei Georg III. in Gunst zu setzen suchten,
indem sie Karolinen von Braunschweig vertheidigten, schmten sich nicht,
dreizehn Jahre spter die nmliche Frstin zu verfolgen, um sich bei
Georg IV. einzuschmeicheln. Die ganze Masse der arbeitenden Klassen aber
war im Jahre 1820 noch eben so fr sie begeistert wie 1807. So war es
auch mit Monmouth. Im Jahre 1680 war er in gleichem Mae von der Gentry
wie von dem Landvolke des Westens verehrt worden, und als er im Jahre
1685 wieder erschien, war er fr die Gentry ein Gegenstand der Abneigung
geworden, whrend das Landvolk ihm noch immer mit einer den Tod nicht
scheuenden Liebe zugethan war, mit einer Liebe, die weder Migeschick
und Fehler, noch die Flucht von Sedgemoor, noch der Brief von Ringwood,
noch die Thrnen und schmachvollen Bitten in Whitehall zu ersticken
vermochten. Nicht Unbestndigkeit ist es, was man dem niederen Volke zum
Vorwurf machen kann, sondern nur, da es in der Wahl seiner Lieblinge
fast stets so unglcklich ist, da seine Bestndigkeit ein Fehler und
keine Tugend wird.

    [Anmerkung 117: +Observator, Aug. 1. 1685+; +Gazette de France,
    Nov. 2. 1686+; Brief von Humphrey Wanley vom 25. Aug. 1698 in der
    Aubrey'schen Sammlung; +Voltaire, Dict. Phil.+ In der Pepys'schen
    Sammlung befinden sich mehrere nach Monmouth's Tode geschriebene
    Balladen, in denen er als noch lebend dargestellt und seine
    baldige Rckkehr prophezeit wird.]


[_Grausamkeiten der Soldaten im Westen._] Whrend Monmouth's Hinrichtung
die Gemther der Londoner beschftigte, muten die Grafschaften, die
sich gegen die Regierung erhoben hatten, alle Unbilden ertragen, die
eine zgellose Soldateska nur ersinnen kann. Feversham war an den Hof
eingeladen worden, wo ihn Ehren und Gunstbezeigungen erwarteten, die er
wenig verdiente. Er wurde zum Ritter des Hosenbandordens ernannt und
erhielt den Befehlshaberposten ber die erste und am besten besoldete
Abtheilung der Leibgarde; aber Hof und Stadt lachte ber seine
militairischen Heldenthaten und Buckingham's Witz sprhte seine letzten
schwachen Funken gegen den General aus, der im Bett eine Schlacht
gewonnen hatte.[118]

    [Anmerkung 118: +London Gazette, Aug. 3. 1685+; +The Battle of
    Sedgemoor, a Farce.+]


[_Kirke._] Feversham bertrug das Commando in Bridgewater dem Obersten
Percy Kirke, einem Abenteurer, dessen Laster in der schlechtesten aller
militairischen Schulen, in Tanger, entwickelt worden waren. Kirke hatte
einige Jahre hindurch die Besatzung dieser Stadt commandirt und war
bestndig in Feindseligkeiten mit fremden Barbarenstmmen verwickelt
gewesen, welche die Regeln und Gesetze der Kriegfhrung gebildeter und
christlicher Nationen nicht kannten. Innerhalb der Mauern seiner Festung
war er ein despotischer Frst und seine Tyrannei wurde nur durch die
Furcht, von der entfernten und sorglosen Regierung zur Verantwortung
gezogen zu werden, einigermaen in Schranken gehalten. Er konnte sich
daher ohne Gefahr die frechsten Ausschweifungen der Raubgier, der
Sittenlosigkeit und der Grausamkeit erlauben. Er lebte in zgelloser
ppigkeit und Verschwendung und verschaffte sich durch Erpressungen die
Mittel, um seinen Lsten zu frhnen. Keine Waaren konnten verkauft
werden, ohne da Kirke das Vorkaufsrecht geltend machte, keine
Rechtsfrage konnte entschieden werden, bevor Kirke bestochen war. Einst
lie er aus bloer bermthiger Laune im Keller eines Weinhndlers alten
Fssern den Boden einschlagen; ein andermal vertrieb er alle Juden aus
Tanger und berlieferte zwei von ihnen der spanischen Inquisition, die
sie ohne weiteres verbrannte. Und unter dieser eisernen Herrschaft ward
kaum eine Klage laut, da der Ha durch die Furcht wirksam niedergehalten
wurde. Zwei Personen, die sich widersetzlich gezeigt hatten, wurden
ermordet gefunden, und man war allgemein der berzeugung, da sie auf
Kirke's Befehl umgebracht worden waren. Wenn er mit seinen Soldaten
nicht zufrieden war, peitschte er sie mit schonungsloser Strenge,
entschdigte sie aber wieder dafr, indem er ihnen erlaubte, auf der
Wache zu schlafen, betrunken durch die Straen zu taumeln und Kaufleute
und Handwerker auszuplndern, zu prgeln und auf jede Weise zu qulen.

Als Tanger aufgegeben wurde, kehrte Kirke nach England zurck. Er
behielt das Commando ber seine bisherigen Soldaten, welche zuweilen als
das erste Regiment von Tanger, zuweilen auch als das Regiment der
Knigin Katharine bezeichnet wurden. Da diese Mannschaft zu dem Zwecke
ausgehoben war, um gegen eine unglubige Nation Krieg zu fhren, so
hatte sie ein christliches Emblem, das Osterlamm, auf ihrer Fahne. In
Anspielung auf dieses Zeichen und in einem bitter ironischen Sinne
wurden diese Leute, die rohesten und wildesten Soldaten der englischen
Armee, Kirke's Lmmer genannt. Das gegenwrtige zweite Linienregiment
fhrt noch heute dieses alte Fahnenzeichen, das aber durch ehrenvolle,
in gypten, Spanien und Asien verdiente Dekorationen in den Schatten
gestellt worden ist.[119]

Ein solcher Befehlshaber und solche Soldaten waren jetzt gegen die
Bevlkerung von Somersetshire losgelassen. Von Bridgewater marschirte
Kirke nach Taunton. Zwei Karren mit verwundeten Rebellen, deren Wunden
nicht verbunden waren, und ein langer Zug von Gefangenen, welche
paarweis zusammengefesselt zu Fu gingen, begleiteten ihn. Sogleich nach
seiner Ankunft in Taunton lie er mehrere von diesen ohne jede
gerichtliche Formalitt hngen; sie durften nicht einmal von ihren
nchsten Verwandten Abschied nehmen. Der Pfahl, an welchem das Schild
des Gasthofes zum weien Hirsche hing, diente als Galgen. Die
schauerliche Execution soll unter den Fenstern des Zimmers stattgefunden
haben, in welchem die Offiziere des Tanger'schen Regiments zechten, und
bei jedem Toaste soll ein Unglcklicher aufgeknpft worden sein. Whrend
die Beine des Verscheidenden im letzten Todeskampfe zuckten, lie der
Oberst die Trommeln rhren; er sagte, er wolle den Rebellen zu ihrem
Tanze Musik machen. Die Sage erzhlt, da einem der Gefangenen nicht
einmal die Vergnstigung eines schnellen Todes zu Theil wurde; zweimal
wurde er emporgezogen und zweimal wieder abgeschnitten; zweimal ward er
gefragt, ob er seinen Verrath bereue, und zweimal antwortete er, wenn es
noch einmal losginge, werde er das Nmliche thun. Dann wurde er endlich
zum letzten Male aufgeknpft. Es wurden so viele Leichname geviertheilt,
da der Henker bis an die Knchel im Blute stand. Zur Beihlfe hatte er
einen armen Mann, dessen Loyalitt verdchtig war und der sein Leben
dadurch loskaufen mute, da er die berreste seiner Freunde in Pech
sott. Dieser Mann, der sich zu einer so grauenvollen Arbeit hergegeben
hatte, kehrte nachher zu seinem Pfluge zurck. Aber er behielt fr seine
Lebenszeit ein Kainszeichen, indem er von Stund an im ganzen Dorfe Tom
Boilman (Siedemann) genannt wurde. Die Landleute der dortigen Gegend
erzhlten sich noch lange nachher, da er sich durch seine sndliche und
schndliche That zwar vor der Rache der Lmmer schtzte, aber der
Rache einer hheren Gewalt nicht entging. Bei einem starken Gewitter
trat er unter eine Eiche und wurde vom Blitze erschlagen.[120]

Die Anzahl der Menschen, welche auf solche Art hingeschlachtet wurden,
lt sich jetzt nicht mehr ermitteln; neun wurden in die Kirchenregister
von Taunton eingetragen, aber diese Register enthalten nur die Namen
Derer, welche ein christliches Begrbni erhielten. Die Zahl Derjenigen,
die in Ketten gehngt oder deren Kpfe und Glieder in die umliegenden
Drfer geschickt wurden, mu viel bedeutender gewesen sein. In London
glaubte man damals, da Kirke in der Woche nach der Schlacht hundert
Gefangene hinrichten lie.[121]

Die Grausamkeit war indessen nicht die einzige Leidenschaft dieses
Mannes; er liebte das Geld und war kein Neuling in Erpressungsknsten.
Ein sicheres Geleit mute man ihm mit dreiig bis vierzig Pfund Sterling
bezahlen, und wenn ein solcher Geleitsbrief auch keine gesetzliche
Gltigkeit hatte, so setzte er den Inhaber wenigstens in den Stand, die
Posten der Lmmer ungehindert zu passiren und einen Seehafen zu
erreichen, um ins Ausland entfliehen zu knnen. Die nach Neuengland
bestimmten Schiffe waren zu jener Zeit so mit Flchtlingen von Sedgemoor
angefllt, da sie Gefahr liefen, mit ihren Wasser- und
Lebensmittelvorrthen nicht auszureichen.[122]

Auerdem war Kirke auch in der ihm eigenen rohen und wilden Art ein
Freund der sinnlichen Gensse, und es ist sehr wahrscheinlich, da er
seine Macht zur Befriedigung seiner zgellosen Begierden anwendete. Man
erzhlte sich, da er die Tugend eines schnen Mdchens durch das
Versprechen besiegte, das Leben eines Mannes schonen zu wollen, an dem
sie mit zrtlicher Liebe hing, da er aber, nachdem sie sich ihm
hingegeben, ihr die leblose Hlle Dessen, dem sie ihre Ehre geopfert
hatte, am Galgen hngend zeigte. Diese Erzhlung kann ein unparteiischer
Richter nicht glauben, und sie wird auch durch keine Beweise
untersttzt. Die frheste Autoritt dafr ist ein Gedicht von Pomfret.
Die glaubwrdigen Geschichtschreiber jener Zeit erwhnen bei der
Schilderung der Greuelthaten Kirke's dieses scheuliche Verbrechen
entweder gar nicht, oder doch nur als unverbrgtes Gercht, und
Diejenigen, welche die Geschichte ausfhrlich erzhlen, erzhlen sie so
verschiedenartig, da sie dadurch allen Anspruch auf Glaubwrdigkeit
verliert. Nach Einigen soll sie in Taunton, nach Anderen in Exeter
geschehen sein; nach Einigen war die Heldin der Geschichte ein junges
Mdchen, nach Anderen eine verheirathete Frau, und der Verwandte, dem
sie das entehrende Opfer brachte, wird von Einigen als ihr Vater, von
Anderen als ihr Bruder, von noch Anderen als ihr Gatte bezeichnet.
Endlich ist die Anekdote schon ehe Kirke geboren war, vielen anderen
Unterdrckern zugeschrieben und ein Lieblingsthema fr Romanschreiber
und Schauspieldichter geworden. Zwei Staatsmnner des fnfzehnten
Jahrhunderts, Rhynsault, der Gnstling Karl's des Khnen von Burgund,
und Olivier le Dain, der Gnstling Ludwig's XI. von Frankreich, werden
des nmlichen Verbrechens beschuldigt. Cintio hat einen Roman daraus
gemacht, Whetstone hat Cintio's Roman als Stoff fr das rohe Schauspiel
Promos und Cassandra benutzt, und Shakespeare hat die Intrigue der
herrlichen Tragikomdie Ma fr Ma߫ von Whetstone entlehnt. Wie Kirke
nicht der Erste war, so war er auch nicht der Letzte, dem das Volk diese
haarstrubende Schndlichkeit zur Last legt. Whrend der Reaction,
welche auf die Schreckensherrschaft der Jakobiner in Frankreich folgte,
wurde eine ganz hnliche Beschuldigung gegen Joseph Lebon, eines der
abscheulichsten Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses, erhoben; nach
erfolgter Untersuchung aber gestanden selbst seine Anklger zu, da sie
ungegrndet sei.[123]

Die Regierung war mit Kirke unzufrieden, nicht wegen seiner barbarischen
Behandlung unbemittelter Gefangenen, sondern wegen der uneigenntzigen
Milde, die er gegen reiche Delinquenten bte.[124] Er wurde daher bald
aus dem Westen zurckberufen und eine regelmigere und zugleich
grausamere Metzelei veranstaltet. Die Rache ward um einige Wochen
aufgeschoben, denn man hielt es fr wnschenswerth, die Assisen im
Westen nicht eher beginnen zu lassen, bis die anderen beendigt waren.
Mittlerweile fllten sich die Gefngnisse von Somersetshire und
Dorsetshire mit Tausenden von Gefangenen. Der hauptschlichste Freund
und Beschtzer dieser Unglcklichen in ihrer Bedrngni war ein Mann,
der ihre religisen und politischen Ansichten verabscheute, dessen Stand
sie haten und dem sie ohne Veranlassung von seiner Seite Bses zugefgt
hatten, der Bischof Ken. Dieser menschenfreundliche Prlat bot seinen
ganzen Einflu auf, um die Kerkermeister zur Milde zu stimmen und
beschrnkte seinen bischflichen Aufwand, damit er im Stande war, die
schlechte und drftige Kost der Unglcklichen, die seine geliebte
Kathedrale entweiht hatten, einigermaen zu verbessern. Sein Benehmen
bei dieser Gelegenheit entsprach seinem ganzen Lebenswandel. Allerdings
war sein Verstand durch manchen Aberglauben und manche Vorurtheile
verdunkelt, sein sittlicher Character aber hlt bei unparteiischer
Betrachtung einen Vergleich mit jeder Persnlichkeit der
Kirchengeschichte aus und kommt der idealen Vollkommenheit der
christlichen Tugend so nahe, als menschliche Schwche es immer
gestattet.[125]

    [Anmerkung 119: +Pepys's Diary, kept at Tangier+; +Historical
    Records of The Second or Queen's Royal Regiment of Foot.+]

    [Anmerkung 120: +Bloody Assizes+; +Burnet, I. 647+; +Luttrell's
    Diary, July 15. 1685+; +Locke's Western Rebellion+; +Toulmin's
    History of Taunton, edited by Savage.+]

    [Anmerkung 121: +Luttrell's Diary, July 15. 1685+; +Toulmin's
    History of Taunton.+]

    [Anmerkung 122: +Oldmixon, 705+; +Life and Errors of John Danton,
    chap. VII.+]

    [Anmerkung 123: Das Stillschweigen Oldmixon's und der Herausgeber
    der +Western Martyrologie+ entscheidet meiner Ansicht nach allein
    schon die Frage. Auerdem verdient bemerkt zu werden, da die
    Geschichte von Rhynsault in Nr. 491 des Spectator von Steele
    erzhlt wird. Es ist gewi kaum anzunehmen, da wenn eine dem
    Verbrechen Rhynsault's so hnlich sehende Schandthat innerhalb
    Menschengedenkens von einem Offiziere Jakob's II. in England
    verbt worden wre, Steele, ein sehr vorlauter und ostensibler
    Whig, davon gesprochen haben sollte. In Betreff Lebon's siehe den
    Moniteur vom 4. Messidor des Jahres III.]

    [Anmerkung 124: Sunderland an Kirke vom 14. & 28. Juli 1685.
    Seine Majestt, sagte Sunderland, beauftragt mich, Ihnen sein
    Mifallen an diesem Verfahren auszudrcken und befiehlt Ihnen,
    darauf bedacht zu sein, da keine bei der Rebellion betheiligte
    Person bergangen wird. Um gerecht zu sein, mu hinzugefgt
    werden, da Kirke in dem nmlichen Schreiben getadelt wird, weil
    er seinen Soldaten erlaube, sich umsonst einzuquartieren.]

    [Anmerkung 125: Es wrde mich freuen, wenn ich der im Volke
    verbreiteten Erzhlung Glauben schenken knnte, da Ken
    unmittelbar nach der Schlacht von Sedgemoor die Befehlshaber der
    kniglichen Armee auf die Ungesetzlichkeit militairischer
    Hinrichtungen aufmerksam machte. Wre er zugegen gewesen, so wrde
    er ohne Zweifel seinen ganzen Einflu zu Gunsten des Rechts und
    der Nachsicht geltend gemacht haben; aber es giebt keinen
    glaubwrdigen Beweis dafr, da er damals berhaupt im Westen war.
    Aus den Protokollen des Hauses der Lords geht hervor, da er sich
    am Donnerstag vor der Schlacht in Westminster befand. Eben so
    gewi ist es, da er am Montag nach der Schlacht Monmouth im Tower
    besuchte.]


[_Jeffreys reist zu den westlichen Assisen ab._] Sein Liebeswerk war
jedoch nicht von langer Dauer; eine schnelle und wirksame Entleerung der
Gefngnisse stand nahe bevor. Anfangs September trat Jeffreys in
Begleitung von vier anderen Richtern die Assisen-Rundreise an, deren
Andenken so lange unter uns fortleben wird, als unsre Nation und unsre
Sprache existiren. Die commandirenden Offiziere in den Bezirken, durch
die sein Weg ihn fhrte, waren angewiesen, ihm jeden militairischen
Beistand zu leisten, den er verlangte. Obgleich sein hmischer Character
keines Spornes bedurfte, so wurde doch ein solcher angewendet. Die
Gesundheit und die Geisteskrfte des Lordsiegelbewahrers waren
geschwcht. Die Klte des Knigs und der bermuth des Lordoberrichters
hatten ihn tief gekrnkt, und der Rckblick auf seine Vergangenheit, die
zwar mit keinem abscheulichen Verbrechen geschndet, aber doch durch
Feigheit, Selbstsucht und Servilitt befleckt war, konnte ihm nur
geringen Trost gewhren. Der unglckliche Mann fhlte sich so tief
gedemthigt, da er bei seinem letzten Erscheinen in Westminsterhall
einen Blumenstrau mitgebracht hatte, um sein Gesicht dahinter zu
verbergen, weil er, wie er spter gestand, die Blicke der Richter und
der Zuhrer nicht ertragen konnte. Die Aussicht auf sein nahes Ende
scheint ihn mit ungewhnlichem Muthe erfllt zu haben. Er beschlo, sein
Herz zu erleichtern, bat den Knig um eine Audienz, sprach in ernstem
Tone von den von heftigen und unwillkrlichen Rathschlssen
unzertrennlichen Gefahren, und tadelte auf das Entschiedenste die
gesetzwidrigen Grausamkeiten, welche die Soldaten in Somersetshire
verbt hatten. Bald darauf verlie er London und starb. Er verschied
wenige Tage nach der Abreise der Richter nach dem Westen. Sofort wurde
Jeffreys gemeldet, da er als Lohn fr treue und energische Dienste das
groe Siegel erwarten drfe.[126]

    [Anmerkung 126: +North's Life of Guildford+, 260. 263. 273;
    +Mackintosh's View of the Reign of James the Second, p. 16, note+;
    Brief von Jeffreys an Sunderland vom 5. Sept. 1685.]


[_Proze der Alice Lisle._] In Winchester ffnete der Oberrichter zum
ersten Male seine richterlichen Vollmachten. Hampshire war zwar nicht
der Kriegsschauplatz gewesen, aber viele von den besiegten Rebellen
hatten sich, wie ihr Oberhaupt, dahin geflchtet. Zwei von ihnen, Johann
Hickes, ein nonconformistischer Geistlicher, und Richard Nelthorpe, ein
wegen seiner Betheiligung an dem Ryehousecomplot gechteter Advokat,
hatten in dem Hause einer gewissen Alice Lisle, der Wittwe Johann
Lisle's, eine Zufluchtssttte gefunden. Johann Lisle war Mitglied des
Langen Parlaments und des Hohen Gerichtshofes, in den Tagen der Republik
Commissar fr das Groe Siegel gewesen und war von Cromwell zum Lord
erhoben worden. Die von dem Protector verliehenen Titel waren von keiner
seit dem Sturze seines Hauses ans Ruder gekommenen Regierung anerkannt
worden, wenn sie auch, selbst von Roylisten, im gewhnlichen Gesprch
angewendet wurden. Die Wittwe Johann Lisle's wurde daher fast allgemein
Lady Alice genannt. Sie war mit mehreren angesehenen und sogar mit
einigen adeligen Familien verwandt und geno einer allgemeinen Achtung,
selbst bei den toryistischen Gentlemen ihrer Grafschaft, denn es war
ihnen wohlbekannt, da sie manche Gewaltthtigkeiten, an denen ihr Gatte
Theil genommen, schmerzlich bedauerte, da sie um Karl I. bittere
Thrnen vergossen und viele Kavaliere in ihrer Noth untersttzt und
getrstet hatte. Die nmliche weibliche Herzensgte, die sie frher
bewogen hatte, sich bedrngter Royalisten anzunehmen, gestattete ihr
nicht, auch den Unglcklichen, die sie jetzt um Schutz baten, ein Mahl
und eine Freisttte zu verweigern. Sie nahm sie in ihr Haus auf, reichte
ihnen Speise und Trank und gewhrte ihnen ein Nachtlager. Am nchsten
Morgen war ihre Wohnung von Soldaten umstellt, es wurde strenge
Haussuchung vorgenommen und Hickes im Malzhause, Nelthorpe im Kamin
versteckt gefunden. Wenn Lady Alice wute, da ihre Gste an dem
Aufstande Theil genommen hatten, so war sie allerdings im strengen Sinne
eines Kapitalverbrechens schuldig, denn das Gesetz ber die Hauptschuld
und Mitschuld beim Hochverrath war damals und ist heute noch in einem
der englischen Jurisprudenz nicht zur Ehre gereichendem Zustande. In
Fllen der Felonie wird nach vollbrachter That ein auf Recht und
Vernunft begrndeter Unterschied zwischen dem Hauptverbrecher und dem
Mitschuldigen gemacht. Wer Jemanden, den er als Mrder kennt, vor der
Justiz verbirgt, ist zwar straffllig, hat aber nicht die auf einen Mord
gesetzte Strafe verwirkt; Derjenige aber, der Jemanden bei sich
aufnimmt, den er als Hochverrther kennt, ist nach allen unseren
Juristen des Hochverraths schuldig. Es ist berflssig, die
Ungereimtheit und Grausamkeit eines Gesetzes nachzuweisen, welches
Vergehen, die an den entgegengesetzten Endpunkten der Stufenleiter der
Strafbarkeit liegen, unter der nmlichen Definition begreift und mit der
nmlichen Strafe belegt. Das Gefhl, welches auch den loyalsten
Unterthan es nicht ber sich gewinnen lt, den besiegten und halb todt
gehetzten Rebellen, der ihn um ein Stck Brod und um einen Trunk Wasser
bittet, einem schimpflichen Tode preiszugeben, mag eine Schwche sein,
aber gewi ist es eine Schwche, die mit der Tugend sehr nahe verwandt
ist, eine Schwche, die wir Menschen, wie wir nun einmal beschaffen
sind, schwerlich aus dem Herzen reien knnen, ohne zu gleicher Zeit
viele andere edle und humane Gefhle zu ersticken. Ein weiser und guter
Regent mag es nicht fr recht halten, diese Schwche zu sanctioniren;
aber er wird sie in der Regel hingehen lassen, oder sie doch nur sehr
mild bestrafen. In keinem Falle aber wird er sie als ein Verbrechen der
schwrzesten Art betrachten. Ob Flora Macdonald recht daran that, da
sie den gechteten Erben der Stuart verbarg; ob ein wackerer Soldat
unsrer Zeit recht daran that, da er Lavalette bei seiner Flucht
behlflich war, dies sind Fragen, ber welche die Casuisten
verschiedener Meinung sein knnen; solche Handlungen aber in eine
Kategorie mit den Verbrechen eines Guy Faux oder Fieschi zu werfen, ist
ein Frevel an der Humanitt und an dem gesunden Menschenverstande.
Gleichwohl sind sie in unsrem Gesetz so klassificirt. Es ist klar, da
ein solches Gesetz nur durch milde Ausfhrung desselben ertrglich
werden kann, und um gerecht zu sein, mu man sagen, da seit vielen
Menschenaltern keine englische Regierung, eine einzige ausgenommen,
gegen Personen, die sich der bloen Aufnahme geschlagener und flchtiger
Insurgenten schuldig gemacht, mit Strenge verfahren ist. Besonders den
Frauen ist durch eine Art von stillschweigender Bewilligung das Recht
zugestanden, inmitten der Zerstrung und Rache das Mitleid zu ben,
welches die schnste Zierde ihres Characters ist. Seit dem Beginn des
groen Brgerkrieges sind eine Menge Rebellen, die zum Theil viel
bedeutender waren als Hickes und Nelthorpe, durch weibliche Klugheit und
Hochherzigkeit vor der Strenge siegreicher Regierungen geschtzt worden.
Aber kein auf diese Weise hintergangener englischer Regent, mit
alleiniger Ausnahme des gefhllosen und unerbittlichen Jakob, ist so
barbarisch gewesen, nur daran zu denken, eine Dame wegen eines so
verzeihlichen und liebenswrdigen Vergehens einem schmerzvollen und
schimpflichen Tode zu berantworten.

So gehssig das Gesetz an sich schon war, es wurde auf die Spitze
getrieben, um Alice Lisle zu verderben. Sie konnte nach dem von der
hchsten Autoritt festgestellten Grundsatze erst nach erfolgter
berfhrung der Rebellen, die sie beherbergt hatte, berwiesen
werden.[127] Dennoch wurde sie vor Gericht gestellt, ehe weder Hickes
noch Nelthorpe nur verhrt waren. Es war kein leichtes Ding, in einem
solchen Falle ein Verdict im Sinne der Krone zu erlangen. Die Zeugen
machten Ausflchte und die Jury, welche aus den vornehmsten Gentlemen
von Hampshire bestand, bebten zurck vor dem Gedanken, einen
Nebenmenschen einer Handlung, die ihrer Ansicht nach eher Lob als Tadel
verdiente, auf das Schaffot zu senden. Jeffreys war wthend. Es war der
erste Fall von Hochverrath auf seiner Rundreise und es hatte ganz den
Anschein, als ob seine Beute ihm entschlpfen wrde. Er raste und
fluchte und schwur in einer Sprache, der sich ein gebildeter Mann nicht
bei einem Wettrennen oder bei einem Hahnenkampfe bedient haben wrde.
Ein Zeuge Namens Dunne verlor theils aus Mitleid mit Lady Alice, theils
aus Angst vor den Drohungen und Verwnschungen des Oberrichters vllig
den Kopf und antwortete gar nicht mehr. Wie schwer es doch hlt, sagte
Jeffreys, aus einem solchen lgenhaften presbyterianischen Schurken die
Wahrheit heraus zu bekommen! Nach einer Pause stammelte der Zeuge
einige unzusammenhngende Worte hervor. Hat die Erde jemals einen
solchen Buben getragen? rief der Oberrichter mit einem Fluche. Glaubst
Du, da es einen Gott giebt? glaubst Du an das Feuer der Hlle? Noch nie
in meinem Leben ist mir ein solcher Zeuge vorgekommen wie Du! Der arme
Mann war ganz verdutzt und schwieg noch immer. Ich hoffe, meine Herren
Geschwornen, donnerte Jeffreys weiter, da Sie sich das verruchte
Benehmen dieses Burschen merken werden. Ist es wohl anders mglich, als
da man diese Menschen und ihre Religion verabscheuen mu? Ein Trke ist
ein Heiliger gegen einen solchen Buben, ein Heide wrde sich solcher
Schurkerei schmen. Altmchtiger Jesus, unter was fr einem
Otterngezcht leben wir doch! -- Ich wei nicht, was ich sagen soll,
Mylord, stammelte Dunne. Der Richter brach aufs neue in einen Strom von
Flchen und Verwnschungen aus. Kann es wohl je einen frecheren
Hallunken gegeben haben? brllte er wieder. Haltet ihm ein Licht vor,
damit wir sein schamloses Gesicht sehen! Meine Herren Kronanwlte, Sie
werden dafr sorgen, da eine Anklage auf Meineid gegen diesen Schurken
erhoben wird. Nach einer solchen Zeugenvernehmung wurde Lady Alice
aufgefordert, sich zu vertheidigen. Sie begann mit der Versicherung, die
auch wahr sein konnte, sie habe zwar gewut, da Hickes verfolgt werde,
als sie ihn bei sich aufgenommen, aber weder gewut noch geahnet, da er
bei dem Aufstande betheiligt gewesen sei. Er sei ein Geistlicher, ein
Mann des Friedens, es sei ihr daher nicht entfernt in den Sinn gekommen,
da er gegen die Regierung die Waffen getragen haben knnte, und sie
habe geglaubt, er wolle sich deshalb verbergen, weil wegen Feldpredigens
Verhaftbefehle gegen ihn erlassen worden seien. Der Oberrichter begann
aufs neue zu donnern: Ich will's Euch besser sagen. Es ist nicht einer
unter diesen lgnerischen, nselnden, scheinheiligen Presbyterianern,
der nicht auf eine oder die andre Art bei der Rebellion die Hand im
Spiele gehabt htte. Der Presbyterianismus vereinigt alle Schurkereien
in sich, nur der Presbyterianismus hat Dunne zu einem solchen Schufte
machen knnen. Ein Presbyterianer sein heit soviel als ein lgenhafter
Bube sein. In dem nmlichen Style fate er das Resum der Anklage
zusammen, tobte noch eine Stunde lang gegen Whigs und Dissenters und gab
der Jury zu bedenken, da der Gatte der Gefangenen Antheil an der
Ermordung Karl's I. genommen habe, eine Beschuldigung, welche durch
nichts bewiesen war und die, selbst wenn dies der Fall gewesen wre, mit
der vorliegenden Sache gar nichts zu thun hatte. Die Geschwornen zogen
sich zurck und blieben lange in Berathung. Der Richter wurde
ungeduldig. Er knne nicht begreifen, sagte er, wie sie in einem so
klaren Falle nur den Gerichtssaal htten verlassen knnen. Er schickte
ihnen einen Boten und lie ihnen sagen, da, wenn sie nicht
augenblicklich zurckkmen, er die Sitzung aufheben und sie die ganze
Nacht einschlieen werde. So gedrngt, kamen sie zurck, aber nur um zu
sagen, da sie zweifelten, ob die Anklage begrndet sei. Jeffreys machte
ihnen die heftigsten Vorwrfe und nach einer nochmaligen kurzen
Berathung sprachen sie mit Widerstreben das Schuldig aus.

Am folgenden Morgen wurde das Urtheil gefllt. Jeffreys sprach sich
dahin aus, da Alice Lisle noch denselben Nachmittag lebendig verbrannt
werden sollte. Dieses berma von Barbarei erregte das Mitleid und den
Unwillen selbst derjenigen Klasse, die der Krone am ergebensten war. Die
Geistlichen der Kathedrale von Winchester machten dem Oberrichter
Vorstellungen und er wagte es bei all' seiner Brutalitt nicht, sich
ber einen solchen Gegenstand in einen Streit mit einer Krperschaft
einzulassen, die bei der Torypartei in so hohem Ansehen stand. Er
willigte ein, da die Hinrichtung fnf Tage verschoben wurde. Whrend
dieser Zeit boten die Freunde der Gefangenen Alles auf, um von Jakob
ihre Begnadigung zu erwirken; sehr vornehme Damen verwendeten sich fr
sie, und auch Feversham, dessen letzter Sieg seinen Einflu bei Hofe
vergrert hatte und der, wie man sagte, sich zum Mitleid hatte
bestechen lassen, sprach zu ihren Gunsten. Sogar Clarendon, der Schwager
des Knigs, nahm sich ihrer Sache an. Aber es war Alles vergebens. Das
Hchste, was man erlangen konnte, war die Umwandlung des Feuertodes in
Enthauptung. Auf einem auf dem Marktplatze zu Winchester errichteten
Schaffot wurde sie hingerichtet, und sie ertrug ihr Schicksal mit
heiterem Muthe.[128]

    [Anmerkung 127: Siehe die Einleitung zu der Parlamentsacte, welche
    das Urtel umstie.]

    [Anmerkung 128: Proze der Alice Lisle in der +Collection of State
    Trials+; +Stat. 1 Gul. & Mar.+; +Burnet, I. 649+; +Caveat against
    the Whigs.+]


[_Die blutigen Assisen._] In Hampshire war Alice Lisle das einzige
Opfer; aber den Tag nach ihrer Hinrichtung begab sich Jeffreys nach
Dorchester, der Hauptstadt der Grafschaft, in welcher Monmouth gelandet
war, und hier begann das richterliche Gemetzel.

Der Gerichtssaal war auf Befehl des Oberrichters mit rothem Tuche
ausgeschlagen, und die Menge erblickte in dieser Neuerung ein Anzeichen
von blutigen Absichten. Auch erzhlte man sich, Jeffreys' blutdrstiger
Mund habe sich zu einem unheilverkndenden Grinsen verzogen, als der
Geistliche, der die Assisenpredigt hielt, den Richtern die Pflicht der
Milde ans Herz legte. Alle diese Umstnde erweckten schlimme Ahnungen
hinsichtlich dessen, was folgen sollte.[129]

Es waren mehr als dreihundert Gefangene abzuurteilen. Dies schien ein
schweres Stck Arbeit, aber Jeffreys wute es sich leicht zu machen. Er
gab zu verstehen, da die Angeklagten nur dann Aussicht hatten,
Begnadigung oder Strafaufschub zu erlangen, wenn sie ihre Schuld
eingestanden. Neunundzwanzig Personen, die sich fr nicht schuldig
erklrten, aber schuldig befunden wurden, lie Jeffreys sofort
aufknpfen. Die brigen Gefangenen bekannten, sich nun massenweise fr
schuldig. Zweihundertzweiundneunzig wurden zum Tode verurtheilt. Die
Anzahl Derer, welche in Dorsetshire gehngt wurden, belief sich im
Ganzen auf vierundsiebzig.

Von Dorchester zog Jeffreys weiter nach Exeter. Der Brgerkrieg hatte
kaum die Grenzen von Dorsetshire berhrt und es wurden deshalb hier
verhltnimig nur wenige Personen mit dem Tode bestraft.
Somersetshire, der Hauptsitz des Aufstandes, war fr die letzte und
furchtbarste Rache aufgespart. In dieser Grafschaft wurden binnen
wenigen Tagen zweihundertdreiunddreiig Gefangene gehngt, geschleift
und geviertheilt. An jeder Stelle, wo zwei Straen sich kreuzten, auf
jedem Marktplatze, und auf der Gemeindewiese jedes groen Dorfes, das
Monmouth Soldaten geliefert hatte, verpesteten gefesselte Leichname, die
sich klirrend im Winde schaukelten, oder auf Pfhle gespiete Kpfe und
Glieder die Luft und erfllten den Reisenden mit Grauen und Entsetzen.
In manchen Drfern konnten die Leute sich nicht im Gotteshause
versammeln, ohne ber dem Portale das gespensterhafte Antlitz eines
Nachbarn grinsen zu sehen. Der Oberrichter war in seinem Element. Je
weiter das Mordwerk gedieh, um so heiterer und lebhafter wurde er. Er
lachte, jubelte, scherzte und schwur in solchem Mae, da viele Leute
ihn vom Morgen bis zum Abend fr betrunken hielten. Aber bei ihm war es
nicht leicht, den durch wilde Leidenschaften erregten Wahnsinn von dem
durch den Branntwein hervorgerufenen zu unterscheiden. Ein Gefangener
behauptete, die gegen ihn aufgetretenen Zeugen verdienten keinen
Glauben, indem einer von ihnen Papist, der andre prostituirt sei. Wie,
frecher Rebell? rief der Oberrichter, Du wagst es, des Knigs Zeugen
zu verwerfen? Ich sehe Dich schon mit dem Stricke um den Hals, Schurke!
Ein Andrer bewies durch Zeugnisse, da er ein guter Protestant sei.
Protestant? rief Jeffreys, Presbyterianer wollt Ihr sagen! Ich biete
Euch eine Wette darauf an, da ich einen Presbyterianer vierzig Meilen
weit wittere. Ein Unglcklicher erweckte selbst das Mitleid erbitterter
Tories. Mylord, sagten sie, dieser arme Mann wird auf Gemeindekosten
unterhalten. Seid unbesorgt, entgegnete der Oberrichter, ich will
die Gemeinde von der Last befreien. Seine Wuth richtete sich nicht
gegen die Gefangenen allein. Gentlemen und Adelige von hohem Ansehen und
fleckenloser Loyalitt, die es wagten, ihn auf einen mildernden Umstand
aufmerksam zu machen, konnten fast mit Gewiheit darauf rechnen, da sie
eine Antwort von ihm erhielten, die er in der gemeinen Sprache, welche
er sich in den Bierhusern von Whitechapel angeeignet hatte, einen
Schlag mit der rauhen Seite seiner Zunge nannte. Lord Stawell, ein
toryistischer Peer, der seinen Abscheu vor der Gewissenlosigkeit, mit
der seine unglcklichen Nachbarn hingeschlachtet wurden, nicht verhehlen
konnte, wurde dadurch bestraft, da man ber seinem Parkthore einen
Leichnam in Ketten aufhngte.[130] Aus derartigen Schauspielen
entsprangen manche schauerliche Geschichten, die sich die Landleute von
Somersetshire noch lange nachher am Weihnachtsfeuer beim pfelwein
erzhlten. Noch in den letzten vierzig Jahren kannten in einigen
Districten Manche die verwnschten Stellen genau und gingen des Abends
nur mit Widerstreben an denselben vorber.[131]

Jeffreys rhmte sich mehr Verrther gehngt zu haben, als alle seine
Vorgnger seit der Eroberung. Es ist gewi, da die Anzahl der Personen,
die er in einem Monate und in einer Grafschaft hinrichten lie, bei
weitem die Zahl aller politischen Verbrecher bersteigt, welche seit der
Revolution auf unsrer Insel hingerichtet worden sind. Die Aufstnde von
1715 und 1745 waren von lngerer Dauer, von grerer Ausdehnung und viel
drohenderem Aussehen als der, welcher bei Sedgemoor niedergeworfen
wurde, und man war nicht allgemein der Ansicht, da das Haus Hannover
sowohl nach der Rebellion von 1715 als auch nach der von 1745 in der
Milde zu weit gegangen sei. Gleichwohl mu die Anzahl der Hinrichtungen
von 1715 und 1745 zusammengenommen, im Vergleich mit denen, welche die
blutigen Assisen geschndet haben, gering erscheinen. Die Gesammtzahl
der Rebellen, welche Jeffreys auf dieser Rundreise hngen lie, belief
sich auf dreihundertzwanzig.[132]

Ein solches Gemetzel htte selbst dann Abscheu erregen mssen, wenn die
Verurtheilten im Allgemeinen hassenswerth gewesen wren. Aber sie waren
zum grten Theil Leute von tadellosem Wandel und wahrer Religiositt.
Sie betrachteten sich selbst und wurden auch von einem groen Theile
ihrer Nachbarn nicht als Missethter, sondern als Mrtyrer betrachtet,
welche die Wahrheit des protestantischen Glaubens mit ihrem Blute
besiegelten. Nur sehr wenige von den Verurtheilten legten Reue ber das,
was sie gethan, an den Tag. Viele, die von dem alten puritanischen
Geiste beseelt waren, gingen dem Tode nicht nur standhaft, sondern sogar
freudig entgegen. Vergebens hielten ihnen die Diener der Staatskirche
Sermone ber die Sndhaftigkeit des Aufruhrs und ber die Wichtigkeit
der priesterlichen Absolution. Der Anspruch des Knigs auf unbeschrnkte
Autoritt in weltlichen Dingen, und der Anspruch des Klerus auf die
geistliche Gewalt, zu verbinden und aufzulsen, erregten den bitteren
Spott der unerschrockenen Sectirer. Einige von ihnen componirten im
Gefngnisse Hymnen, die sie dann auf der verhngnivollen Schleife
sangen. Christus, riefen sie aus, whrend sie sich zu dem Gemetzel
entkleideten, werde bald kommen, um Zion zu erlsen und Babylon zu
bekriegen; er werde sein Banner aufpflanzen, in seine Trompete stoen
und seinen Feinden zehnfltig all' das Bse vergelten, das sie seinen
Dienern zugefgt. Die letzten Worte dieser Leute wurden aufgezeichnet,
ihre Abschiedsbriefe wie kostbare Schtze aufbewahrt, und so entstand
mit Hlfe einiger Erdichtung und bertreibung ein umfnglicher Nachtrag
zur Marianischen Martyrologie.[133]

    [Anmerkung 129: +Bloody Assizes.+]

    [Anmerkung 130: +Locke's Western Rebellion.+]

    [Anmerkung 131: Dies kann ich aus meinen eigenen
    Jugenderinnerungen besttigen.]

    [Anmerkung 132: Lord Lonsdale sagt siebenhundert, Burnet
    sechshundert. Ich habe die Listen zu Grunde gelegt, welche die
    Richter an das Schatzamt einsandten und die noch daselbst aus dem
    Briefbuche zu ersehen sind. Man sehe auch die +Bloody Assizes+;
    +Locke's Western Rebellion+; +the Panegyric on Lord Jeffreys+;
    +Burnet I. 648+; +Eachard III. 775+; +Oldmixon, 705.+]

    [Anmerkung 133: Einige Gebete, Ermahnungen und Hymnen dieser
    Dulder findet man in den +Bloody Assizes+.]


[_Abraham Holmes._] Einige Flle verdienen noch besondere Erwhnung.
Abraham Holmes, ein verabschiedeter Offizier von der Parlamentsarmee und
einer von den Zeloten, welche keinen andren Knig als den Knig Jesus
anerkannten, wurde bei Sedgemoor gefangen genommen. Sein Arm war in der
Schlacht furchtbar verstmmelt und zerschmettert worden, und da kein
Wundarzt zur Hand war, schnitt der muthige alte Soldat ihn sich selbst
ab. Er wurde nach London abgefhrt und vom Knige selbst im Rathe
verhrt, wollte sich aber zu keiner Demthigung erniedrigen. Ich bin
ein alter Mann sagte er, und die kurze Spanne Zeit, die ich noch zu
leben habe, ist keiner Lge oder Erniedrigung mehr werth. Ich war stets
ein Republikaner und bin es noch. Er wurde nach dem Westen
zurckgesandt und gehngt. Das Volk bemerkte mit ngstlicher Scheu und
Verwunderung, da die Thiere, die ihn zum Galgen schleppen sollten,
strrig wurden und umkehren wollten. Holmes selbst zweifelte nicht
daran, da der Engel des Herrn, wie vor alter Zeit, mit dem Schwert in
der Hand im Wege stehe, dem menschlichen Auge unsichtbar, aber dem
niederen Thiere sichtbar. Halt, Ihr Herren! rief er aus, lat mich zu
Fu gehen. Die Sache hat mehr zu bedeuten als Ihr glaubt. Erinnert Euch,
da der Esel Den sah, den der Prophet nicht sehen konnte. Mit festem
Schritte ging er zum Galgen, hielt lchelnd eine Ansprache an das Volk,
betete inbrnstig, Gott mge die Vernichtung des Antichrist und die
Befreiung Englands beschleunigen, und stieg die Leiter hinauf mit der
Entschuldigung, da er es so ungeschickt mache. Ihr seht sagte er,
da ich nur einen Arm habe.[134]

    [Anmerkung 134: +Bloody Assizes+; +Locke's Western Rebellion+;
    +Lord Lonsdale's Memoirs+; Bericht ber die Schlacht von Sedgemoor
    in den +Hardwicke Papers+.

    Die Erzhlung in +Clarke's life of James the Second+ ist nicht den
    kniglichen Handschriften entnommen und widerlegt sich selbst
    hinlnglich.]


[_Christoph Battiscombe._] Nicht weniger muthig starb Christoph
Battiscombe, ein junger Templer von guter Familie und Vermgen, der in
Dorchester, einer freundlichen Provinzialstadt, die auf ihren guten
Geschmack und auf ihre Bildung stolz war, allgemein fr das Muster eines
feinen Gentleman galt. Es wurde Alles aufgeboten, um ihn zu retten. Man
glaubte im Westen Englands, er sei mit einer jungen Dame von edlem
Geblt, der Schwester des Sheriffs, verlobt, diese habe sich Jeffreys zu
Fen geworfen und ihn um Gnade gebeten, Jeffreys aber habe sie mit
einem abscheulichen Witze von sich gestoen, den zu wiederholen eine
Verletzung des Anstandes und der Menschlichkeit sein wrde. Ihr
Geliebter erlitt in Lyme glubig und standhaft den Tod.[135]

    [Anmerkung 135: +Bloody Assizes+; +Locke's Western Rebellion+;
    +Humble Petition of Widows and fatherless Children in the West of
    England+; +Panegyric on Lord Jeffreys.+]


[_Die Gebrder Hewling._] Noch grere Theilnahme erweckte das Schicksal
zweier tapferen Brder, Wilhelm und Benjamin Hewling. Sie waren beide
jung, hbsch, gebildet und aus anstndiger Familie. Ihr Grovater von
mtterlicher Seite hie Kiffin, war einer der ersten Kaufleute in London
und wurde allgemein als das Oberhaupt der Baptisten betrachtet. Der
Oberrichter benahm sich beim Verhr gegen Wilhelm Hewling mit der ihm
eigenen Rcksichtslosigkeit. Ihr habt einen Grovater, sagte er zu
ihm, der es eben so reichlich verdiente, gehngt zu werden wie Ihr.
Der arme junge Mann, der erst neunzehn Jahr alt war, ertrug den Tod mit
solcher Ergebung und Standhaftigkeit, da ein bei der Hinrichtung
anwesender Offizier von der Armee, der sich durch Rohheit und Hrte
ausgezeichnet hatte, tief ergriffen wurde und uerte: Ich glaube
nicht, da der Lordoberrichter selbst dabei ungerhrt bleiben wrde,
Man hatte gehofft, Benjamin's Begnadigung zu erlangen. _Ein_ so
jugendliches Opfer war sicherlich genug fr eine Familie. Jeffreys
selbst war zur Milde geneigt oder stellte sich wenigstens so. Der Grund
davon war der, weil einer seiner Verwandten, von dem er viel zu erwarten
hatte und den er daher nicht so behandeln konnte, wie er derartige
Bittsteller gewhnlich behandelte, sich fr die schwergeprfte Familie
angelegentlich verwendete. Es wurde ein Aufschub bewilligt, um in London
anzufragen; und die Schwester des Gefangenen begab sich selbst mit einer
Bittschrift nach Whitehall. Viele Hofleute wnschten ihr glcklichen
Erfolg, und Churchill, zu dessen zahlreichen Fehlern wenigstens die
Grausamkeit nicht gehrte, verschaffte ihr eine Audienz. Ich wnsche
Ihnen von ganzem Herzen den besten Erfolg, sagte er, whrend sie sich
zusammen im Vorzimmer befanden, aber schmeicheln Sie sich nicht mit
Hoffnungen. Dieser Marmor, setzte er hinzu, indem er die Hand auf den
Kaminsims legte, ist nicht hrter als der Knig. Seine Vermuthung
besttigte sich, Jakob war unerbittlich. Benjamin Hewling starb mit
unerschrockenem Muthe unter lautem Wehklagen, in welches die um den
Galgen Wache haltenden Soldaten unwillkrlich einstimmten.[136]

Die zum Tode verurtheilten Rebellen waren indessen weniger zu beklagen
als manche von den berlebenden. Verschiedene Gefangene, welche Jeffreys
des Hochverraths nicht berfhren konnte, wurden geringerer Vergehen
schuldig befunden und zu nicht minder furchtbarer Auspeitschung
verurtheilt, als sie frher dem Oates zuerkannt worden war. Eine Frau
ward einiger geringfgiger Worte halber, wie sie in den Bezirken, wo der
Krieg gewthet hatte, von der Hlfte der Frauen geuert wurden, dazu
verurtheilt, durch alle Marktorte der Grafschaft Dorset gepeitscht zu
werden. Sie erlitt einen Theil ihrer Strafe noch vor Jeffreys' Rckkehr
nach London; als er aber den Westen verlassen hatte, nahmen die
Kerkerknechte unter stillschweigender Einwilligung der Behrden es auf
sich, sie mit weiteren Qualen zu verschonen.

    [Anmerkung 136: In Bezug auf die Gebrder Hewling habe ich mich an
    Kiffin's Memoiren und an Mr. Hewling Luson's Erzhlung in der
    zweiten Ausgabe der +Hughes Correspondence vol. II. Appendix+
    gehalten. Die Berichte in +Locke's Western Rebellion+ und in dem
    +Panegyric on Jeffreys+ sind voll falscher Angaben. Der Bericht in
    den +Bloody Assizes+ ist zum groen Theile von Kiffin verfat und
    stimmt wrtlich mit seinen Memoiren berein.]


[_Tutchin's Strafe._] Eine noch frchterlichere Strafe wurde ber einen
jungen Menschen, Namens Tutchin, verhngt, der ebenfalls wegen
aufrhrerischer Reden zur Untersuchung gezogen war. Er wurde, wie
gewhnlich, in seiner Verteidigung durch gemeine und rohe Scherze vom
Richterstuhle herab unterbrochen. Ihr seid ein Rebell und Eure ganze
Familie hat seit Adam's Zeiten aus Rebellen bestanden. Wie ich hre,
seid Ihr ein Dichter; ich will um die Wette Verse mit Euch machen. Das
Urtel gegen den jungen Menschen lautete auf sieben Jahr Gefngni,
whrend welcher Zeit er jedes Jahr durch alle Marktorte der Grafschaft
gepeitscht werden sollte. Die Frauen auf den Galerien brachen in Thrnen
aus; der Gerichtsschreiber erhob sich in groer Aufregung und sagte:
Mylord, der Gefangene ist noch sehr jung und es giebt viele Marktorte
in unsrer Grafschaft. Nach diesem Urtel wird er sieben Jahre lang alle
vierzehn Tage ausgepeitscht werden. Ein junger Mensch mag er sein,
erwiederte Jeffreys, aber nichts desto weniger ist er ein alter
Schurke. Meine Damen, Sie kennen den Buben nicht so wie ich. Die Strafe
ist eigentlich noch lange nicht hart genug fr ihn; keine Macht Englands
soll sie abndern. Tutchin bat in seiner Verzweiflung, und
wahrscheinlich im vollen Ernst, um die Gunst gehngt zu werden. Zu
seinem Glck erkrankte er an den Pocken und wurde von den rzten
aufgegeben. Da es sehr zweifelhaft war, ob das Urtel wrde vollzogen
werden knnen, so lie sich der Oberrichter durch eine Bestechungssumme,
die dem Gefangenen zum armen Manne machte, zur Zurcknahme desselben
bewegen. Der von Haus aus nicht sehr sanfte Character Tutchin's wurde
durch dieses Erlebni bis zur berspanntheit verbittert und er machte
sich spterhin als einer der heftigsten und unvershnlichsten Feinde des
Hauses Stuart und der Torypartei bemerkbar.[137]

    [Anmerkung 137: Siehe Tutchin's eigne Erzhlung seines Prozesses
    in den +Bloody Assizes.+]


[_Deportation von Rebellen._] Die Anzahl der Gefangenen, welche Jeffreys
zur Deportation verurtheilte, belief sich auf achthunderteinundvierzig.
Diese Leute, die noch viel unglcklicher waren als ihre dem Tode
berantworteten Leidensgefhrten, wurden in Trupps abgetheilt und
Personen verliehen, welche bei Hofe in Gunst standen. Die Bedingungen
der Verleihung waren, da die Verurtheilten als Sklaven ber's Meer
transportirt wrden, da sie vor Ablauf von zehn Jahren nicht
freigelassen werden drften, und da der Ort der Verbannung irgend eine
westindische Insel sein mte. Dieser letzte Punkt war mit raffinirter
Bosheit hinzugefgt worden, um das Elend der Gefangenen zu vermehren. In
Neuengland oder Neujersey wrden sie eine ihnen freundlich gesinnte
Bevlkerung und ein der Gesundheit nicht nachtheiliges Klima gefunden
haben. Daher beschlo man, sie nach solchen Kolonien zu senden, wo ein
Puritaner keine besondere Theilnahme erwarten durfte und ein in der
gemigten Zone geborner Arbeiter fr seine Gesundheit nicht viel Gutes
zu hoffen hatte. Der Stand des Sklavenmarktes war aber von der Art, da
diese Unglcklichen trotz der langen Seereise und obgleich sie
voraussichtlich bald krank wurden, immer noch einen bedeutenden Werth
hatten. Nach Jeffreys' Schtzung war jeder von ihnen, nach Abzug aller
Unkosten, im Durchschnitt zehn bis fnfzehn Pfund Sterling werth. Es
fanden sich daher viele Bewerber fr die Verleihung dieser Sklaven.
Einige Tories im Westen waren der Meinung, da sie sich durch ihre
Leiden und Drangsale whrend der Insurrection gegrndete Ansprche auf
einen Antheil an dem Nutzen, der ihnen von den Schmarotzern zu Whitehall
gierig weggefischt worden sei, erworben htten. Die Hflinge aber trugen
den Sieg davon.[138]

Das Elend der Verbannten kam dem der Negersklaven, welche jetzt von
Congo nach Brasilien verschifft werden, vollkommen gleich. Aus den
besten jetzt noch zugnglichen Quellen geht hervor, da mehr als ein
Fnftel von den Deportirten vor Beendigung ihrer Reise den Haifischen
vorgeworfen wurden. Die Menschenladungen waren in den Kielrumen kleiner
Schiffe dicht zusammengedrngt, und die Unglcklichen, von denen viele
noch an ungeheilten Wunden litten, hatten so wenig Spielraum, da sie
sich nicht alle zu gleicher Zeit niederlegen konnten, ohne auf einander
zu liegen. Auf das Verdeck durften sie niemals kommen; die Luken
waren bestndig von Schildwachen besetzt, die mit Seitengewehr und
Muskete bewaffnet waren. Unten im Kerker herrschte Finsterni,
pestilentialischer Geruch, Jammer, Krankheit und Tod. Von neunundneunzig
Verurtheilten, die auf einem Schiffe transportirt wurden, starben
zweiundzwanzig vor der Ankunft in Jamaika, obgleich die Reise
ungewhnlich rasch von Statten ging, und als die berlebenden den Ort
ihrer Bestimmung erreichten, waren sie nur noch Skelette. Mehrere Wochen
lang hatten sie so krgliche Rationen von grobem Schiffszwieback und
fauligem Wasser bekommen, da Einer mit leichter Mhe fnfmal so viel
htte zu sich nehmen knnen. Sie kamen daher in einem solchen Zustande
an, da der Kaufmann, an den sie consignirt waren, es fr nthig hielt,
sie erst zu msten, bevor er sie verkaufte.[139]

    [Anmerkung 138: Sunderland an Jeffreys, 14. Sept. 1685; Jeffreys
    an den Knig, 19. Sept. 1685, im Staatsarchive.]

    [Anmerkung 139: Die beste Schilderung der Leiden der zur
    Deportation verurtheilten Rebellen findet sich in einer
    interessanten Erzhlung, geschrieben von Johann Coad, einem
    rechtschaffnen und gottesfrchtigen Zimmermanne, der sich Monmouth
    angeschlossen hatte, bei Philips Norton schwer verwundet, von
    Jeffreys verurtheilt und nach Jamaika transportirt wurde. Das
    Originalmanuscript ward mir von Herrn Phippard, dem es gehrt,
    freundlichst geliehen.]


[_Confiscationen und Erpressungen._] Unterdessen wurde das Eigenthum
sowohl der hingerichteten Rebellen, als auch der noch unglcklicheren,
die unter der tropischen Sonne dahinwelkten, von einer Menge gieriger
Klger in Beschlag genommen und zerstckelt. Nach dem Gesetz ist ein
wegen Hochverraths verurtheilter Unterthan seines ganzen Vermgens
verlustig, und dieses Gesetz wurde nach Beendigung der blutigen Assisen
mit einer eben so grausamen als lcherlichen Strenge durchgefhrt. Die
gebeugten Wittwen und die verlassenen Waisen der Arbeiter, deren
Leichname noch an den Kreuzwegen am Galgen hingen, wurden von den
Agenten des Schatzamtes aufgefordert, Rechenschaft darber abzulegen,
wohin ein Korb, eine Gans, eine Speckseite, ein Fchen pfelwein, ein
Sack Bohnen oder ein Bndel Heu gekommen sei.[140] Whrend die niederen
Beamten der Regierung die Familien der hingeschlachteten Landleute
ausplnderten, sammelte der Oberrichter durch Ausplndrung einer hheren
Klasse von Whigs bedeutende Schtze. Er trieb einen ausgedehnten Handel
mit Begnadigungen. Das eintrglichste Geschft dieser Art machte er mit
einem Gentleman, Namens Edmund Prideaux. Es steht fest, da Prideaux
nicht gegen die Regierung gekmpft hatte, und sein einziges Verbrechen
bestand wahrscheinlich in der Ererbung eines groen Vermgens, das ihm
sein Vater, ein ausgezeichneter Jurist, der unter dem Protector ein
hohes Amt bekleidet, hinterlassen hatte. Der Unglckliche schmachtete
lange im Kerker und verstand sich endlich aus Furcht vor dem Galgen
dazu, fr seine Freilassung fnfzehntausend Pfund Sterling zu bezahlen.
Diese bedeutende Summe eignete sich Jeffreys zu. Er kaufte sich dafr
ein Landgut, welches das Volk nach jenem verfluchten Acker, der um den
Preis unschuldigen Blute's erkauft ward, Hakeldama nannte.[141]

In diesem Erpressungsgeschft wurde er von dem Schmarotzerschwarm, der
mit ihm zu schwelgen und zu jubeln pflegte, wacker untersttzt. Das Amt
dieser Menschen bestand darin, da sie den Verurtheilten, die von der
Angst vor dem Tode geqult wurden, und den ltern, welche fr das Leben
ihrer Kinder zitterten, als Unterhndler ansehnliche Geldversprechungen
zu erpressen suchten. Einen Theil der Beute berlie Jeffreys seinen
Agenten. Einem seiner Zechgenossen soll er, wie man sagt, die
Begnadigung eines reichen Hochverrthers bei einem Gelage ber den Tisch
zugeworfen haben. Es war nicht rathsam, sich einer andren Frsprache als
der seiner Creaturen zu bedienen, denn er war sehr eiferschtig auf die
Erhaltung seines eintrglichen Begnadigungsmonopols. Man vermuthete
sogar, da er einige Personen lediglich deshalb an den Galgen schickte,
weil sie sich auf von ihm unabhngigen Wegen an die knigliche Gnade
gewendet hatten.[142]

    [Anmerkung 140: Unter den Papieren des Schatzamtes vom Herbst 1685
    befinden sich mehrere Briefe, welche Nachforschungen nach
    derartigen Kleinigkeiten anbefehlen.]

    [Anmerkung 141: +Commons' Journals, Oct. 9., Nov. 10. & Dec. 26.
    1690+; +Oldmixon, 706+; +Panegyric on Jeffreys.+]

    [Anmerkung 142: +Life and Death of Lord Jeffreys+; +Panegyric on
    Jeffreys+; +Kiffin's Memoirs.+]


[_Habgier der Knigin und ihrer Hofdamen._] Einige Hflinge fanden
dessenungeachtet Mittel und Wege, um einen kleinen Gewinnantheil von dem
Handel zu ziehen, und ganz besonders zeichneten sich die Hofdamen der
Knigin durch ihre Geldgier und Hartherzigkeit aus. Die Schuld an dieser
Schmach fllt zum Theil auf ihre Gebieterin, denn sie wurden lediglich
durch ihre Stellung an deren Hofe in den Stand gesetzt, sich durch einen
so abscheulichen Handel zu bereichern, und es unterliegt keinem Zweifel,
da die Knigin demselben durch ein Wort oder einen Wink htte Einhalt
thun knnen. Allein sie bestrkte sie vielmehr darin durch ihr eignes
Beispiel, wenn nicht durch ausdrckliche Ermchtigung. Sie scheint der
zahlreichen Klasse von Menschen angehrt zu haben, die im Unglck besser
sind als im Glck. So lange ihr Gemahl ein Unterthan und ein Verbannter
war, von jedem Staatsamte ausgeschlossen und in dringender Gefahr,
seines Geburtsrechts beraubt zu werden, gewannen ihr die
Liebenswrdigkeit und Bescheidenheit ihres Auftretens selbst die Herzen
Derer, die ihren Glauben am meisten verabscheuten. Als aber ihr
Glcksstern aufging, verschwand ihre Gutherzigkeit. Die sanfte und
leutselige Herzogin wurde eine lieblose und hochmthige Knigin.[143]
Das Migeschick, das in der Folge ber sie kam, hat zwar einige
Teilnahme fr sie erweckt; aber diese Theilnahme wrde viel grer sein,
wenn es sich nachweisen liee, da sie in den Tagen ihrer Gre nur ein
einziges Opfer von der schrecklichsten Proscription, die England je
gesehen hat, rettete, oder nur zu retten versuchte. Leider aber that
sie, so viel bekannt ist, fr die Rebellen nichts weiter, als da sie
darum anhielt, da ihr von den zur Deportation Verurtheilten Hundert
geschenkt werden mchten.[144] Der Gewinn, den ihr diese Menschenladung
abwarf, kann nach reichlichem Abzug fr Diejenigen, welche auf der
berfahrt vor Hunger und an Krankheiten starben, auf mindestens tausend
Guineen angeschlagen werden. Wir drfen uns demnach nicht wundern, da
ihre Hofdamen das Beispiel ihrer unfrstlichen Habgier und ihrer
unweiblichen Grausamkeit nachahmten. So erpreten sie tausend Pfund von
einem Kaufmanne in Bridgewater, Namens Roger Hoare, der einen Beitrag
zur Kriegskasse der Rebellenarmee gegeben hatte. Die Beute aber, nach
der sie sich am gierigsten zeigten, war eine, von der man htte denken
sollen, da auch der unedelste Character sie verschonen wrde. Von den
Mdchen, welche Monmouth in Taunton eine Fahne berreichten, hatten
schon einige ihr Vergehen schwer ben mssen. Eine von ihnen war in ein
Gefngnis geworfen worden, in welchem eine ansteckende Krankheit
wthete. Sie ward von derselben ergriffen und starb. Eine Andre kam in
den Gerichtssaal, um Jeffreys um Gnade zu bitten. Fort mit ihr,
Kerkermeister! brllte der Richter mit seiner finstren Miene, die schon
strkere Gemther als das ihrige mit Schrecken erfllt hatte. Sie brach
in Thrnen aus, zog ihre Haube ber das Gesicht, verlie mit dem
Kerkermeister den Gerichtssaal, wurde krank von dem Schrecken und war in
wenigen Stunden eine Leiche. Die meisten der jungen Mdchen, die an dem
Zuge Theil genommen hatten, waren jedoch noch am Leben. Einige davon
waren unter zehn Jahr alt; alle hatten auf Befehl ihrer Lehrerinnen
gehandelt, ohne zu wissen, da sie etwas Unrechtes thaten. Die
Ehrendamen der Knigin baten ihre Gebieterin um die Erlaubni, den
Eltern der armen Kinder Geld erpressen zu drfen, und sie wurde ihnen
bewilligt. Es wurde der Befehl nach Taunton geschickt, alle diese jungen
Mdchen zu verhaften und ins Gefngni zu werfen. Sir Franz Warre von
Hestercombe, der toryistische Abgeordnete fr Bridgewater, wurde mit der
Eintreibung der Lsegelder beauftragt. Er sollte mit Entschiedenheit
erklren, da die Ehrenfrulein keinen Aufschub gestatten knnten,
sondern entschlossen seien, die Sache bis zur chtung zu treiben, wenn
nicht eine angemessne Summe erlegt werde, und da unter dieser
angemessnen Summe siebentausend Pfund zu verstehen seien. Warre lehnte
jedoch jede Theilnahme an einer so schmachvollen Unterhandlung ab. Die
Ehrendamen wendeten sich nun an Wilhelm Penn, und dieser bernahm den
Auftrag. Ein wenig von der starrsinnigen Scrupulositt, die er oft in
Betreff des Hutabnehmens gezeigt hatte, wrde bei dieser Gelegenheit
nicht am unrechten Orte gewesen sein. Wahrscheinlich beschwichtigte er
die Mahnungen seines Gewissens dadurch, da er sich einredete, es werde
von dem zu erpressenden Gelde nichts in seine eigne Tasche flieen, da
die Damen leicht einen weniger humanen Diener finden wrden, wenn er
sich weigerte, ihren Auftrag zu bernehmen, und da er endlich durch
Willfhrigkeit einen grren Einflu bei Hofe erlangen werde, welcher
Einflu ihn schon in den Stand gesetzt hatte und auch fernerhin in den
Stand setzen konnte, seinen unterdrckten Brdern viel zu ntzen. Die
Ehrendamen muten sich brigens schlielich mit weniger als einem
Drittel der verlangten Summe begngen.[145]

Kein andrer englischer Souverain hat so starke Beweise von einer
grausamen Natur gegeben, als Jakob II. Seine Grausamkeit war jedoch
nicht gehssiger als seine Gnade, oder vielleicht richtiger gesagt,
seine Gnade und seine Grausamkeit waren von der Art, da sie einander
gegenseitig schndeten. Unser Entsetzen ber das Schicksal der einfachen
Bauern, der jungen Burschen und zarten Frauen, gegen die er mit
unerbittlicher Strenge verfuhr, steigert sich noch, wenn wir sehen, wem
und aus welchen Rcksichten er Verzeihung gewhrte.

Das Verfahren, welches ein Frst nach Unterdrckung eines Aufstandes bei
der Auswahl der zu bestrafenden Rebellen beobachten mu, ist vollkommen
klar. Die Rdelsfhrer, die Mnner von Ansehen, Vermgen und Bildung,
welche durch ihre Macht und ihre Kunstgriffe die Menge verfhrten, sind
Diejenigen, ber welche strenges Gericht zu halten ist. Das getuschte
Volk kann, nachdem das Blutbad auf dem Schlachtfelde vorber ist, kaum
zu mild behandelt werden. Diese Regel aber, welche doch augenfllig der
Gerechtigkeit und Menschlichkeit entspricht, wurde nicht allein nicht
befolgt, sondern sogar umgekehrt. Whrend Die, welche htten verschont
werden sollen, zu Hunderten hingeschlachtet wurden, verschonte man die
Wenigen, die man gerade der uersten Strenge des Gesetzes htte
berlassen sollen. Diese verkehrte Milde hat manche Schriftsteller in
Verwunderung gesetzt, andere zu lcherlichen Lobhudeleien verleitet. Sie
war weder unerklrlich, noch lobenswerth; sie konnte in jedem einzelnen
Falle ganz leicht auf einen schmutzigen oder einen boshaften Beweggrund,
entweder auf Geldgier oder auf Blutdurst zurckgefhrt werden.

    [Anmerkung 143: +Burnet I. 368+; +Evelyn's Diary, Feb. 4.
    1684--85, July 13. 1686.+ In einer damaligen Satire kommen die
    Zeilen vor:

        Als Herzogin sie sanft und mild sich zeigte,
        Als Knigin sie einem Teufel glich.]

    [Anmerkung 144: Sunderland an Jeffreys, 14. Septbr. 1685.]

    [Anmerkung 145: +Locke's Western Rebellion+; +Toulmin's History of
    Taunton, ed. by Savage+; Briefe des Herzogs von Somerset an Sir F.
    Warre; Brief Sunderland's an Penn vom 13. Febr. 1685--86 aus dem
    Staatsarchive in Mackintosh's Sammlung.]


[_Verfahren gegen Grey, Cochrane, Storey, Wade, Goodenough und
Ferguson._] Bei Grey war kein mildernder Umstand vorhanden. Seine
Talente und Kenntnisse, der erbliche Rang, den er im Staate einnahm, und
der hohe Befehlshaberposten, den er in der Rebellenarmee bekleidet
hatte, wrden ihn einer gerechten Regierung als viel strafflliger
bezeichnet haben als Alice Lisle, Wilhelm Hewling oder irgend einen von
den Hunderten unwissender Landleute, deren Kpfe und Glieder in
Somersetshire ausgestellt wurden. Aber Grey's Besitzungen waren gro und
unveruerliches, erbliches Eigenthum seiner Familie. Er bezog nur den
Niebrauch seiner Gter auf Lebenszeit und mehr als diese Rente konnte
er nicht verwirken. Starb er, so fiel Alles seinem nchsten Erben zu.
Wenn er begnadigt wurde, konnte er ein bedeutendes Lsegeld bezahlen,
und man gestattete ihm daher, sich dadurch loszukaufen, da er dem
Lordschatzmeister eine Verschreibung auf vierzigtausend Pfund und
anderen Hflingen kleinere Summen einhndigte.[146]

Sir Johann Cochrane hatte unter den schottischen Rebellen die nmliche
Stellung eingenommen, wie Grey im Westen Englands. Es schien
unglaublich, da Cochrane von einem so beispiellos rachschtigen Frsten
Verzeihung erhalten wrde. Aber er war der jngere Sohn einer reichen
Familie, und man konnte daher nur wenn man ihn verschonte, Geld fr ihn
erlangen. Sein Vater, Lord Dundonald, bot den Priestern des kniglichen
Hauses ein Geschenk von fnftausend Pfund an und die Begnadigung wurde
ihm dafr bewilligt.[147]

Samuel Storey, ein bekannter Aufwiegler, welcher Kriegscommissar bei der
Rebellenarmee gewesen war und das unwissende Volk von Somersetshire
durch heftige Reden aufgestachelt hatte, in denen Jakob als Brandstifter
und Giftmischer dargestellt war, wurde ebenfalls begnadigt, denn Storey
konnte Jeffreys bei der Erpressung der fnfzehntausend Pfund von
Prideaux wichtige Dienste leisten.[148]

Von allen Verrthern waren Wade, Goodenough und Ferguson am wenigsten
berechtigt, Gnade zu erwarten. Diese drei Hupter des Aufstandes waren
zusammen vom Schlachtfelde von Sedgemoor geflohen und hatten glcklich
die Kste erreicht. Aber in der Nhe des Ortes, wo sie sich
einzuschiffen gedachten, hatten sie eine kreuzende Fregatte gefunden.
Sie hatten sich hierauf getrennt und Wade und Goodenough waren bald
entdeckt und nach London gebracht worden. Obgleich sie aber tief in das
Ryehousecomplot verwickelt und unter den Huptern des Aufstandes im
Westen eine hervorragende Stellung eingenommen hatten, wurde ihnen
dennoch das Leben geschenkt, weil sie Aufschlsse geben konnten, welche
den Knig in den Stand setzten, einige Personen, die er hate, die er
aber noch nie eines Verbrechens hatte bezichtigen knnen, zum Tode zu
verurtheilen und auszuplndern.[149]

Auf welche Weise Ferguson davon kam, war und ist noch jetzt ein
Geheimni. Er war von allen Feinden der Regierung ohne allen Zweifel der
strafbarste. Er war der erste Anstifter des Planes zur Ermordung der
kniglichen Brder; er hatte ferner die Erklrung verfat, die an
Frechheit, Gehssigkeit und Lgenhaftigkeit selbst unter den
Schmhschriften jener strmischen Zeit ihres Gleichen nicht hatte, und
endlich war er Derjenige, der den Herzog von Monmouth erst zu dem
Einfalle in England und dann zu der Usurpation der Krone aufreizte. Es
lie sich wohl erwarten, da man auf den Erzverrther, wie er oft
genannt wurde, mit ganz besondrem Eifer fahnden werde, und einer
sorgfltigen Nachforschung konnte ein Mann von so auffallendem ueren
und Sprachdialecte schwerlich entgehen. In den Kaffeehusern von London
erzhlte man als ganz gewi, da Ferguson festgenommen sei, und diese
Nachricht fand bei Mnnern Glauben, welche die beste Gelegenheit hatten,
die Wahrheit zu erfahren. Das Nchste was man von ihm hrte, war, da er
unangefochten auf dem Continent lebe. Man hatte ihn stark in dem
Verdachte, da er eine regelmige Verbindung mit der Regierung
unterhalten, gegen die er gleichwohl bestndig complotirte, da er von
den Unternehmungen seiner Genossen, die er fortwhrend zu den
bereiltesten Schritten drngte, gerade so viel nach Whitehall
berichtete, damit sein Hals nicht in Gefahr kam, und da daher Befehl
gegeben wurde, ihn entschlpfen zu lassen.[150]

Jetzt hatte Jeffrey's sein Werk beendigt und er kehrte zurck, um seinen
Lohn zu verlangen. Er kam wieder in Windsor an, nachdem er im ganzen
Westen Haufen von Leichen, und Trauer und Schrecken zurckgelassen
hatte. Der Ha, den die Bevlkerung von Somersetshire gegen ihn hegte,
hat in unsrer Geschichte nicht seines Gleichen. Weder die Zeit, noch
politische Vernderungen vermochten denselben zu ersticken, er pflanzte
sich fort von Geschlecht zu Geschlecht und wthete noch heftig gegen
seine unschuldigen Nachkommen. Viele Jahre nach seinem Tode, als sein
Name und Titel lngst erloschen waren, wurde seine Enkelin, die Grfin
von Pomfret, auf einer Reise im Westen vom Pbel insultirt und sah, da
sie sich nicht mit Sicherheit unter die Nachkommen Derer wagen konnte,
welche die blutigen Assisen erlebt hatten.[151]

Am Hofe aber fand Jeffreys die herzlichste Aufnahme. Es war ein Richter
ganz nach dem Sinne seines Gebieters. Jakob hatte seine Rundreise mit
Interesse und mit groem Vergngen verfolgt; in seinem Empfangzimmer und
an seiner Tafel hatte er oft von dem Gemetzel, das gegenwrtig unter
seinen mivergngten Unterthanen angerichtet wurde, mit einer
Schadenfreude gesprochen, ber welche die fremden Gesandten erstaunten.
Er hatte mit eigner Hand Berichte ber seines Lordoberrichters Feldzug
im Westen, wie er es scherzend nannte, aufgezeichnet. Einige hundert
Rebellen, schrieb Se. Majestt in den Haag, seien verurtheilt werden;
einige davon seien bereits gehngt, eine grere Anzahl sollte dies noch
werden, und der Rest solle nach den Kolonien geschickt werden. Umsonst
wendete sich Ken schriftlich an ihn, um Gnade fr das irregeleitete Volk
zu erflehen, und schilderte mit ergreifender Beredtsamkeit die
entsetzliche Lage seines Sprengels. Er sagte, man knne auf keiner
Heerstrae gehen, ohne ein schreckliches Schauspiel zu erblicken, und
die Luft von Somersetshire sei mit Todesdnsten geschwngert. Der Knig
las das Schreiben, blieb aber so hart, wie der marmorne Kaminsims in
Whitehall, wie Churchill gesagt hatte.

    [Anmerkung 146: +Burnet, I. 646+, und Sprecher Onslow's Note;
    Clarendon an Rochester vom 8. Mai 1686.]

    [Anmerkung 147: +Burnet, I. 634.+]

    [Anmerkung 148: +Calamy's Memoirs+; +Commons' Journals, Dec. 26.
    1690+; Sunderland an Jeffreys vom 14. Sept. 1685; Protokolle des
    Geheimen Raths vom 26. Febr. 1685--86.]

    [Anmerkung 149: +Lansdowne MS. 1152+; +Harl. MS. 6845+; +London
    Gazette, July 20. 1685.+]

    [Anmerkung 150: Viele Schriftsteller haben ohne den mindesten
    Grund behauptet, da Ferguson von Jakob einen Pardon erhalten
    habe. Einige sind sogar so weit gegangen, diesen Pardon, der
    brigens, wenn er wirklich ertheilt worden wre, nichts weiter
    beweisen wrde, als da Ferguson ein Spion des Hofes war, als
    Beleg fr die Gromuth und Nachsicht des Frsten anzufhren,
    der Alice Lisle enthaupten und Elisabeth Gaunt verbrennen lie.
    Ferguson wurde nicht allein nicht speziell begnadigt, sondern
    sogar von der im nchsten Frhjahr verkndeten Amnestie
    ausdrcklich ausgeschlossen. (London Gazette vom 15. Mrz
    1685/86.) Wenn Jakob, wie das Publikum vermuthete und wie es
    auch wahrscheinlich ist, stillschweigend Nachsicht gegen Ferguson
    bte, so schmte er sich derselben nicht ohne Grund und hielt sie
    mglichst geheim. Die damals in London umlaufenden Gerchte werden
    im Observator vom 1. August 1685 erwhnt.

    Sir Johann Reresby, der gut unterrichtet sein konnte, behauptet
    mit Bestimmtheit, da Ferguson drei Tage nach der Schlacht von
    Sedgemoor eingefangen wurde. Aber Reresby irrte sich ganz gewi im
    Datum und er kann sich daher wohl auch in der ganzen Geschichte
    geirrt haben. Aus der London Gazette und aus Goodenough's
    Gestndni (+Lansdowne MS. 1152.+) geht klar hervor, da Ferguson
    vierzehn Tage nach der Schlacht noch nicht gefangen war und da
    man vermuthete, er halte sich noch irgendwo in England verborgen.]

    [Anmerkung 151: +Granger's Biographical History, Jeffreys'.+]


[_Jeffreys zum Lordkanzler ernannt._] In Windsor wurde das groe Siegel
den Hnden Jeffreys' bergeben, und in der nchsten Nummer der London
Gazette feierlich verkndet, da diese Ehre eine Belohnung fr die
vielen ausgezeichneten und treuen Dienste sei, die er der Krone
geleistet.[152]

Spter, als die Leute aller Parteien mit Schaudern von den blutigen
Assisen sprachen, versuchten der schndliche Richter und der gottlose
Knig sich dadurch zu rechtfertigen, da Jeder die Schuld auf den Andren
schob. Jeffreys versicherte im Tower, da er selbst bei dem grausamsten
Verfahren nie die ausdrcklichen Befehle seines Gebieters berschritten
habe, ja sogar noch hinter denselben zurckgeblieben sei. Ebenso htte
Jakob in St. Germain gern glauben gemacht, da er selbst zur Milde
geneigt gewesen sei und da die Gewaltthtigkeiten seines Dieners ihm
unverdienten Tadel zugezogen htten. Doch keiner der beiden hartherzigen
Mnner kann auf Kosten des Andren freigesprochen werden. Die
Vertheidigung Jakob's kann durch Dokumente von seiner eignen Hand als
thatschlich falsch nachgewiesen werden, und Jeffreys' Vertheidigung
ist, selbst wenn sie sich auf wahre Thatsachen grndete, vllig
werthlos.

    [Anmerkung 152: +Burnet, I. 648.+ Jakob an den Prinzen von
    Oranien, 10. u. 24. September 1685; +Lord Lonsdale's Memoirs+;
    +London Gazette, Oct. 1. 1685.+]


[_Cornish's Proze und Hinrichtung._] Das Gemetzel im Westen war
vorber; nun sollte es in London beginnen. Es war der Regierung
namentlich darum zu thun unter den groen whiggistischen Kaufleuten der
City Schlachtopfer zu finden. Diese hatten unter der letzten Regierung
einen sehr gefrchteten Theil der Opposition gebildet. Sie waren reich,
und ihr Reichthum war nicht, wie der vieler Edelleute und Landgentlemen,
durch Fideicommisse gegen Confiscation gesichert. Bei Grey und anderen
Mnnern von hnlicher Stellung war es unmglich, den Blutdurst und die
Habgier zugleich zu befriedigen; ein reicher Kaufmann konnte gehngt und
auch ausgeplndert werden. Obgleich aber die Handelsfrsten im
Allgemeinen dem Papismus und der Willkrherrschaft feind waren, so waren
sie doch zu gewissenhaft oder zu ngstlich gewesen, als da sie sich
htten des Hochverraths schuldig machen sollen. Einer der angesehensten
unter ihnen war Heinrich Cornish. Er war unter der frheren Verfassung
der City Alderman gewesen und hatte zu der Zeit, als die Angelegenheit
der Ausschlieungsbill die ffentliche Meinung beschftigte, das Amt
eines Sheriffs bekleidet. Seiner politischen Ansicht nach war er ein
Whig und in seinen religisen Ansichten neigte er sich zum
Presbyterianismus hin; aber er war uerst besonnen und gemigt. Es ist
kein irgend glaubwrdiger Beweis dafr vorhanden, da er je auch nur die
Grenze des Hochverraths berhrte. In der That hatte er als Sheriff sich
nur sehr ungern dazu verstanden, einen so heftigen und characterlosen
Menschen wie Goodenough als Bevollmchtigten zu gebrauchen. Nach der
Entdeckung des Ryehousecomplots hegte man in Whitehall groe Hoffnung,
da sich Cornish's Theilnahme an demselben herausstellen werde; aber
diese Hoffnung ging nicht in Erfllung. Einer der Mitverschworenen,
Johann Rumsey, war zwar bereit Alles zu beschwren; aber ein Zeuge
gengte nicht, und ein zweiter war nicht aufzutreiben. Seitdem waren
ber zwei Jahre vergangen. Cornish glaubte sich vollkommen sicher; aber
der Tyrann hatte ein scharfes Auge auf ihn. Goodenough, den die nahe
Aussicht auf den Tod schreckte und der noch einen Groll gegen seinen
ehemaligen Vorgesetzten hegte, weil er bei diesem nie in besondrer Gunst
gestanden hatte, erklrte sich bereit, das noch fehlende Zeugni zu
ergnzen. Cornish wurde auf der Brse, whrend er Geschfte abschlo,
verhaftet, ins Gefngni geworfen, daselbst einige Tage in Einzelhaft
gehalten und dann vllig unvorbereitet vor die Schranken der Old Bailey
gefhrt. Die Anklage gegen ihn sttzte sich lediglich auf die Aussagen
Rumsey's und Goodenough's. Beide waren eingestandenermaen in das
Complot verwickelt, als dessen Theilnehmer sie den Gefangenen
beschuldigten. Beide wurden durch die strksten Motive der Hoffnung und
Angst angetrieben, ihn als schuldig darzustellen, und auerdem lagen
Beweise dafr vor, da Goodenough auch unter dem Einflusse persnlicher
Feindschaft stand. Endlich widersprach Rumsey's Angabe der Geschichte,
die er erzhlt hatte, als er gegen Lord Russell zeugte. Aber alle diese
Umstnde wurden vergebens geltend gemacht. Auf der Richterbank saen
drei Richter, welche mit Jeffreys im Westen gewesen waren, und Leute,
die ihr Verhalten beobachteten, hatten bemerkt, da sie von dem Gemetzel
in Taunton in einer bermthigen und gereizten Stimmung zurckgekehrt
waren. Es ist in der That nur zu wahr, da die Neigung zum Blutvergieen
eine Neigung ist, die selbst solche Menschen, welche von Natur durchaus
nicht blutdrstig sind, durch die Gewohnheit sehr schnell annehmen
knnen. Anwlte und Richter vereinigten sich in dem Bemhen, den
unglcklichen Whig niederzuschmettern, die von einem hfischen Sheriff
ernannte Jury gab bereitwilligst ein Schuldig ab und trotz des
unwilligen Murrens von Seiten des Publikums erlitt Cornish am zehnten
Tage nach seiner Verhaftung den Tod. Damit kein entehrender Umstand
fehlte, wurde der Galgen an der Stelle errichtet, wo Kingstreet in
Cheapside einmndet, dem Hause gegenber, in welchem Cornish lange in
allgemeiner Achtung gelebt hatte, angesichts der Brse, an der er stets
in hohem Ansehen gestanden, und Guildhall's, wo er sich als ein Fhrer
des Volks ausgezeichnet hatte. Er starb muthig und mit vielen uerungen
von Frmmigkeit, legte aber in Blicken und Geberden eine so heftige
Entrstung ber die barbarische Ungerechtigkeit, mit der man gegen ihn
verfahren war, an den Tag, da seine Feinde ein verleumderisches Gercht
ber ihn aussprengten. Sie sagten, er sei betrunken, oder nicht bei
Sinnen gewesen, als er aufgeknpft wurde. Wilhelm Penn aber, der nahe
bei dem Galgen gestanden und der entschieden fr die Regierung
eingenommen war, versicherte nachher, er habe in Cornish's Benehmen
nichts weiter als den natrlichen Unwillen eines schuldlosen Mannes, der
unter der Form des Gesetzes ermordet wird, finden knnen. Der Kopf des
gemordeten Magistratsbeamten wurde ber Guildhall aufgepflanzt.[153]

    [Anmerkung 153: Cornish's Proze in der +Collection of State
    Trials+; +Sir J. Hawles's Remarks on Mr. Cornish's Trial+;
    +Burnet. I. 651+; +Bloody Assizes+; +Stat. 1. Gul. & Mar.+]


[_Proze und Hinrichtung Fernley's und der Elisabeth Gaunt._] So schwarz
dieser Fall auch war, es war noch nicht der schwrzeste, der die
damalige Herbstsession der Old Bailey schndete. Unter den bei dem
Ryehousecomplot Betheiligten war auch ein gewisser Jakob Burton. Er war
nach seinem eignen Gestndni dabei zugegen gewesen, als der Mordplan
von seinen Mitverschwornen berathen wurde. Nach Entdeckung des Complots
wurde auf seine Festnehmung eine Belohnung gesetzt. Eine alte Matrone,
baptistischen Glaubens, Namens Elisabeth Gaunt, rettete ihn vom Tode.
Diese Frau verband mit den eigenthmlichen Manieren und Redensarten,
durch welche sich damals ihre Secte auszeichnete, eine barmherzige
Menschenliebe. Der Zweck ihres ganzen Lebens war die Untersttzung der
Unglcklichen jedes Glaubensbekenntnisses, und sie war als eine
regelmige Besucherin der Gefngnisse allgemein bekannt. Ihre
politische und religise Meinung sowohl als ihr mitleidiges Herz trieben
sie an, Alles, was in ihren Krften stand, fr Burton zu thun. Sie
verschaffte ihm ein Boot, das ihn nach Gravesend mitnahm, wo er an Bord
eines nach Amsterdam bestimmten Schiffes ging. Im Augenblicke der
Abreise gab sie ihm noch eine fr ihre Verhltnisse sehr bedeutende
Summe Geldes. Nachdem Burton einige Zeit in der Verbannung gelebt hatte,
kehrte er mit Monmouth nach England zurck, focht bei Sedgemoor und
flchtete sich dann nach London in das Haus eines Barbiers in
Whitechapel, Namens Johann Fernley. Fernley war sehr arm, wurde von
Glubigern gedrngt und wute, da auf Burton's Einlieferung von der
Regierung hundert Pfund Sterling ausgesetzt waren. Aber der wackere Mann
war nicht im Stande, einen Menschen zu verrathen, der in der uersten
Gefahr unter sein schtzendes Dach gekommen war. Unglcklicherweise
wurde es bald ruchbar, da Jakob's Zorn weit heftiger gegen Diejenigen
entbrannt war, welche Rebellen beherbergten, als gegen die Rebellen
selbst. Er hatte ffentlich erklrt, da das Verbergen von Verrthern
vor seiner Rache die unverzeihlichste Form des Hochverraths sei. Burton
wute dies. Er stellte sich daher freiwillig der Regierung und
denuncirte Fernley und Elisabeth Gaunt. Sie wurden verhaftet, die
Untersuchung gegen sie eingeleitet, und der Schurke, dem sie das Leben
gerettet, hatte den Muth und die Frechheit, als Hauptzeuge gegen sie
aufzutreten. Sie wurden fr schuldig befunden und Fernley zum Galgen,
Elisabeth Gaunt aber zum Scheiterhaufen verurtheilt. Selbst nach all'
den Gruelscenen jenes Schreckensjahres hielten Viele es fr unmglich,
da diese Urtheile vollzogen werden knnten. Aber der Knig kannte kein
Erbarmen. Fernley wurde gehngt und Elisabeth Gaunt an dem nmlichen
Tage, an welchem Cornish in Cheapside den Tod erlitt, in Tyburn lebendig
verbrannt. Sie hinterlie einige Aufzeichnungen, die zwar nicht in einem
eleganten Style, aber doch so geschrieben waren, da viele Tausende sie
mit tiefer Rhrung und zugleich mit Entsetzen lasen. Mein Vergehen,
sagte sie, war eines, das ein Frst wohl htte verzeihen knnen. Ich
half nur einer unglcklichen Familie, und dafr mu ich nun sterben!
Sie beklagte sich ber die Rcksichtslosigkeit der Richter, ber die
Hrte des Kerkermeisters und ber die Tyrannei des Grten von Allen,
der sie und so viele Andere dem Tode berliefert. Insofern diese
Menschen nur ihr persnlich Unrecht gethan htten, vergbe sie ihnen,
als unvershnliche Feinde der guten Sache aber, die schon wieder
aufleben und gedeihen werde, berlasse sie sie dem Richterspruche des
Knigs der Knige. Sie bewahrte bis zum letzten Augenblicke eine ruhige
Fassung, welche die Zuschauer an die heldenmthigsten Beispiele von
Todesverachtung erinnerte, die sie in Fox gelesen hatten. Wilhelm Penn,
fr den Schauspiele, welche zartfhlende Menschen in der Regel meiden,
einen ganz besondren Reiz gehabt zu haben scheinen, eilte von Cheapside,
wo er Cornish hatte hngen sehen, nach Tyburn, um Elisabeth Gaunt
verbrennen zu sehen. Er erzhlte nachher, da alle Umstehenden in
Thrnen ausgebrochen seien, als sie ruhig das Stroh um sich herum so
ordnete, da ihre Leiden mglichst abgekrzt werden mchten. Es wurde
viel davon gesprochen, da, whrend der abscheulichste Justizmord verbt
ward, der jene Schreckenszeit schndete, ein Sturm losbrach, wie man ihn
seit dem groen Orkane, der um das Todesbett Oliver Cromwell's wthete,
nicht wieder erlebt hatte. Die bedrckten Puritaner zhlten nicht ohne
finstre Genugthuung die umgeworfenen Huser und verschlagenen Schiffe
zusammen und fanden einigen Trost in dem Gedanken, da der Himmel seinen
Zorn ber die Ungerechtigkeiten, unter denen die Erde seufzte, so
sprechend uere. Seit jenem frchterlichen Tage hat in England kein
Weib wieder eines politischen Verbrechens wegen den Tod erlitten.[154]

    [Anmerkung 154: Proze Fernley's und der Elisabeth Gaunt in der
    +Collection of State Trials+; +Burnet I. 649+; +Bloody Assizes+;
    +Sir J. Bramston's Memoirs+; +Luttrell's Diary, Oct. 23. 1685.+]


[_Proze und Hinrichtung Bateman's._] Man war der Meinung, da
Goodenough's Begnadigung noch nicht hinreichend geshnt sei. Die
Regierung wollte noch ein Opfer niederen Standes vernichten, einen
Wundarzt, Namens Bateman. Er war Arzt bei Shaftesbury und ein eifriger
Exclusionist gewesen; es ist mglich, da er in das Whigcomplot
eingeweiht war, so viel aber steht fest, da er nicht zu den leitenden
Huptern der Verschwrung gehrte, denn in der groen Menge von
Aussagen, welche die Regierung verffentlichte, war sein Name nur einmal
genannt, und zwar nicht in Verbindung mit irgend einem an Hochverrath
grenzenden Verbrechen. Aus seiner Anklageacte und den auf uns gekommenen
sprlichen Angaben ber seinen Proze scheint klar hervorzugehen, da er
der Betheiligung an dem Plane, die kniglichen Brder zu ermorden, nicht
einmal beschuldigt wurde. Die Gehssigkeit, mit der ein so unbedeutender
und eines so geringfgigen Vergehens schuldiger Mann dem Tode
berliefert wurde, whrend viel strafflligere und wichtigere
Hochverrther sich dadurch loskauften, da sie als Zeugen gegen ihn
auftraten, schien einer Erklrung zu bedrfen, und man fand auch eine
solche, die aber schmachvoll genug war. Als Oates nach seiner
Auspeitschung besinnungslos und Aller Meinung nach schon halb todt nach
Newgate gebracht worden war, hatte Bateman ihn zur Ader gelassen und ihn
verbunden. Das war ein unverzeihliches Verbrechen. Bateman wurde
verhaftet und in Anklagestand versetzt. Die gegen ihn auftretenden
Zeugen waren ehrlose Menschen, die jeden mglichen Eid ablegten, wenn
sie dadurch ihr Leben retten konnten. Keiner von ihnen war schon
begnadigt, und das Volk pflegte zu sagen, da sie wie abgerichtete
Seeraben mit dem Stricke um den Hals nach Beute fischten. Der durch
Krankheit geistig und krperlich angegriffene Gefangne war nicht im
Stande, vernehmlich zu sprechen, noch zu verstehen, was um ihn her
vorging. Sein Sohn und seine Tochter standen vor Gericht an seiner
Seite; sie lasen so gut sie konnten einige Angaben vor, die er
niedergeschrieben hatte, und befragten die Entlastungszeugen. Doch es
half ihnen nichts, ihr Vater wurde verurtheilt, gehngt und
geviertheilt.[155]

    [Anmerkung 155: Bateman's Proze in der +Collection of State
    Trials+; +Sir John Hawles's Remarks+. Es ist der Mhe werth,
    Thomas Lee's Aussagen bei dieser Gelegenheit mit seinem frher
    amtlich verffentlichten Gestndnisse zu vergleichen.]


[_Grausame Verfolgung der protestantischen Dissenters._] Noch nie,
selbst nicht unter Laud's tyrannischer Herrschaft, war die Lage der
Puritaner so traurig gewesen, als zu jener Zeit. Nie war so eifrig
spionirt worden, um religise Versammlungen zu entdecken, nie hatten
Behrden, Mitglieder der groen Jury, Pfarrer und Kirchenlteste eine
solche Wachsamkeit entwickelt. Viele Dissenters wurden vor die
geistlichen Gerichtshfe geladen; Andere hielten es fr nthig, die
Nachsicht der Regierungsagenten durch Geschenke zu erkaufen, welche zum
Beispiel in Fssern Wein und in mit Guineen gefllten Handschuhen
bestanden. Die Separatisten konnten nicht gemeinschaftlich beten, ohne
Vorsichtsmaregeln zu beobachten, wie sie von Falschmnzern und
Diebshehlern angewendet werden. Die Versammlungsorte wurden hufig
gewechselt; der Gottesdienst wurde zuweilen kurz vor Tagesanbruch,
zuweilen mitten in der Nacht gehalten; um das Gebude, in welchem die
kleine Heerde versammelt war, wurden Wachen ausgestellt, um sogleich
Lrm zu machen, wenn ein Unbekannter sich nherte. Der Geistliche wurde
verkleidet durch den Garten und durch eine Hinterthr eingefhrt; in
einigen Husern waren Fallthren, durch die er bei vorkommender Gefahr
verschwinden konnte. Wo Nonconformisten nebeneinander wohnten, waren oft
die Wnde durchbrochen und verborgene Communicationsthren angebracht.
Kein Psalm wurde gesungen und allerhand knstliche Mittel angewendet, um
zu verhindern, da die Stimme des Predigers in Momenten feuriger
Inbrunst auerhalb der Mauern gehrt werden konnte. Doch bei aller
dieser Vorsicht war es oft unmglich, die Wachsamkeit der Spher zu
tuschen. Besonders in den Vorstdten Londons wurde das Gesetz mit der
uersten Strenge durchgefhrt. Mehrere reiche Leute wurden angeklagt,
da sie Conventikel hielten, ihre Huser streng durchsucht und
sie mit Geldstrafen bis zu mehreren tausend Pfund belegt. Die
leidenschaftlicheren und furchtloseren Sectirer, welche so aus ihrem
schtzenden Obdache vertrieben wurden, versammelten sich dann unter
freiem Himmel, und beschlossen, Gewalt mit Gewalt zu erwiedern. Ein
Richter von Middlesex, der erfahren hatte, da in einer Sandgrube,
ungefhr zwei Meilen von London, eine nchtliche Betversammlung
stattfinden sollte, drang mit einer starken Abtheilung Constabler in die
Versammlung ein und verhaftete den Prediger. Aber die aus zweihundert
Kpfen bestehende Gemeinde befreite ihren Geistlichen wieder und schlug
den Beamten mit seinen Schergen in die Flucht.[156] Dies war jedoch ein
ungewhnlicher Fall, denn im Allgemeinen schien der puritanische Geist
damals viel wirksamer eingeschchtert, als zu irgend einer frheren oder
spteren Zeit. Die toryistischen Tagesschriftsteller rhmten sich, da
nicht ein Fanatiker zur Vertheidigung seiner religisen Ansichten die
Zunge oder die Feder zu rhren wage. Dissenterprediger vom tadellosesten
Lebenswandel und von ausgezeichneter Bildung und Gelehrsamkeit durften
es nicht wagen, auf die Strae zu gehen, wenn sie sich nicht
Beleidigungen und Mihandlungen aussetzen wollten, welche von Denen,
deren Pflicht es war, Ruhe und Frieden aufrecht zu erhalten, nicht nur
nicht verhindert, sondern sogar begnstigt wurden. Einige berhmte
Theologen saen im Gefngni, unter ihnen Richard Baxter; Andere, die
ein Vierteljahrhundert lang die Unterdrckung ertragen hatten, verloren
endlich den Muth und verlieen das Land. Unter diesen befand sich Johann
Howe. Eine Menge Leute, welche frher Conventikel zu besuchen pflegten,
gingen in die Pfarrkirchen. Man machte die Bemerkung, da die
Schismatiker, welche durch die Angst angetrieben worden waren, sich
scheinbar der Staatskirche anzubequemen, leicht an der Schwierigkeit,
mit der sie die Collecte fanden, und an der linkischen Art zu erkennen
waren, mit der sie sich bei dem Namen Jesu verneigten.[157]

Noch viele Jahre lang erinnerten sich die Nonconformisten des Herbstes
1685 als einer Zeit der Noth und des Schreckens. Dennoch waren in jenem
Herbste schon die ersten schwachen Anzeichen eines Schicksalswechsels zu
bemerken, und noch vor Ablauf von achtzehn Monaten bewarben sich der
unduldsame Knig und die unduldsame Kirche eifrigst um die Untersttzung
der Partei, welche beide so tief gekrnkt hatten.

    [Anmerkung 156: Citters, 13.(23.) Oct. 1685.]

    [Anmerkung 157: +Neal's History of the Puritans, Calamy's Account
    of the ejected ministers+, und +The Nonconformist Memorial+
    enthalten zahlreiche Beispiele von der Hrte dieser Verfolgungen.
    Howe's Abschiedsbrief an seine Gemeinde findet man in der
    interessanten Lebensbeschreibung dieses groen Mannes von Rogers.
    Howe beklagt sich darin, da er es nicht wagen drfe, sich auf den
    Straen Londons zu zeigen und da der Mangel an frischer Luft und
    Bewegung seine Gesundheit angegriffen habe. Die lebendigste
    Schilderung des Elends der Nonconformisten aber giebt ihr Todfeind
    Lestrange im Observator vom September und October 1685.]


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *


  Sechstes Kapitel.

  Jakob II.




  =Inhalt.=

                                                               Seite
  Jakob's Macht auf dem hchsten Gipfel                            5
  Seine auswrtige Politik                                         6
  Seine Plne in Betreff der inneren Verwaltung                    6
  Die Habeas-Corpus-Acte                                           6
  Das stehende Heer                                                6
  Plne zu Gunsten der rmisch-katholischen Religion               8
  Verletzung der Testacte. -- Halifax fallt in Ungnade            11
  Allgemeine Unzufriedenheit                                      12
  Verfolgung der franzsischen Hugenotten                         13
  Eindruck dieser Verfolgung in England                           15
  Zusammentritt des Parlaments, Rede des Knigs                   15
  Es bildet sich eine Opposition im Hause der Gemeinen            16
  Ansichten auswrtiger Regierungen                               17
  Comit der Gemeinen wegen der Thronrede                         18
  Niederlage der Regierung                                        21
  Zweite Niederlage der Regierung                                 22
  Der Knig giebt den Gemeinen einen Verweis                      22
  Coke wird wegen Verletzung der dem Knige schuldigen
      Achtung von den Gemeinen mit Gefngnistrafe belegt         23
  Opposition gegen die Regierung im Hause der Lords.
      Der Earl von Devonshire                                     24
  Der Bischof von London                                          25
  Viscount Mordaunt                                               25
  Prorogation des Parlaments                                      27
  Proze Lord Gerard's und Hampden's                              27
  Delamere's Proze                                               28
  Eindruck seiner Freisprechung                                   30
  Parteien am Hofe                                                31
  Stimmung der protestantischen Tories                            31
  Verffentlichung hinterlassener Papiere Karl's II.              32
  Stimmung der achtungswerthen Katholiken                         33
  Cabale heftiger Katholiken                                      34
  Castelmaine                                                     34
  Jermyne. -- White. -- Tyrconnel                                 35
  Gesinnung der fremden Gesandten                                 37
  Spaltung zwischen dem Papste und der Gesellschaft Jesu          38
  Der Jesuitenorden                                               39
  Pater Petre                                                     43
  Stimmung und Ansichten des Knigs                               43
  Sunderland bestrkt den Knig in seinen Irrthmern              45
  Treulosigkeit Jeffreys'. -- Godolphin und die Knigin           47
  Liebeshndel des Knigs                                         48
  Katharine Sedley                                                48
  Intriguen Rochester's zu Gunsten der Katharine Sedley           49
  Sinken von Rochester's Einflu                                  52
  Castelmaine wird nach Rom gesandt                               53
  Die Hugenotten werden von Jakob bel behandelt                  53
  Das Dispensationsrecht. -- Absetzung widerspenstiger
      Richter                                                     56
  Proze Sir Eduard Hales'                                        58
  Rmische Katholiken werden zum Besitz geistlicher
      Pfrnden ermchtigt                                         59
  Die Dechanei von Christchurch wird einem Katholiken
      verliehen                                                   60
  Besetzung von Bisthmern                                        60
  Entschlu Jakob's, sein kirchl. Supremat geg. die Kirche
      zu gebrauchen                                               61
  Die ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten                       51
  Er errichtet einen neuen Gerichtshof der Hohen Commission       63
  Verfahren gegen den Bischof von London                          66
  Die ffentliche Schaustellung rmisch-katholischer
      Gebruche und Trachten erregt Unzufriedenheit               67
  Tumulte                                                         68
  Es wird bei Hounslow ein Lager gebildet                         69
  Samuel Johnson                                                  70
  Hugo Speke                                                      71
  Proze gegen Johnson                                            72
  Eifer der anglikanischen Geistlichkeit gegen den Papismus       73
  Streitschriften                                                 73
  Die rmisch-katholischen Theologen besiegt                      74
  Zustand Schottlands. -- Queensberry                             76
  Abfall Perth's und Melfort's                                    77
  Begnstigung der katholischen Religion in Schottland            78
  Aufstnde in Edinburg                                           78
  Zorn des Knigs                                                 79
  Seine Plne in Betreff Schottlands                              79
  Eine Deputation schottischer Geheimrthe begiebt sich
      nach London                                                 80
  Ihre Unterhandlungen mit dem Knige                             81
  Zusammentritt der schottischen Stnde                           81
  Sie zeigen sich widerspenstig                                   81
  Sie werden vertagt. -- Willkrherrschaft in Schottland          84
  Irland. -- Zustand des irischen Rechts in Glaubenssachen        86
  Feindseligkeit der Stmme                                       86
  Das eingeborne Landvolk. -- Der eingeborne Adel                 87
  Zustand der englischen Colonie                                  89
  Verfahren, welches Jakob htte beobachten sollen                90
  Seine Fehlgriffe                                                92
  Clarendon's Ankunft in Irland als Lordlieutenant                93
  Seine Krnkungen. -- Schrecken unter den Colonisten             94
  Tyrconnel's Ankunft in Dublin als General                       96
  Seine Parteilichkeit und Willkr                                97
  Er sucht die Ansiedlungsacte aufzuheben                         98
  Er kehrt nach England zurck                                    98
  Der Knig ist unzufrieden mit Clarendon                         98
  Angriff der jesuitischen Cabale gegen Rochester                 99
  Jakob's Versuche, Rochester zu bekehren                        101
  Rochester's Entlassung                                         104
  Entlassung Clarendon's                                         105
  Tyrconnel Lordstellvertreter                                   105
  Besorgnisse der englischen Ansiedler in Irland                 107
  Eindruck des Sturzes der Hyde                                  107




[_Jakob's Macht auf dem hchsten Gipfel._] Jakob stand jetzt -- 1685 --
auf dem Gipfel der Macht und des Glcks. Er hatte seine Feinde in
England und in Schottland besiegt und sie mit einer Strenge bestraft,
die sie zwar zum bittersten Ha gereizt, aber doch zu gleicher Zeit
ihren Muth wirksam gebrochen hatte. Die Whigpartei schien erloschen zu
sein und die Bezeichnung Whig wurde nur noch in tadelndem Sinne
gebraucht. Das Parlament war dem Knige ergeben und es stand in seiner
Macht, dieses Parlament bis ans Ende seiner Regierung beizubehalten. Die
Kirche versicherte ihn lauter als je ihrer Anhnglichkeit und hatte
whrend des letzten Aufstandes diesen Versicherungen entsprechend
gehandelt. Die Richter waren seine Werkzeuge, und wollten sie es nicht
mehr sein, so konnte er sie nach Belieben absetzen. Alle
Staatskrperschaften waren mit seinen Kreaturen angefllt, seine
Einknfte berstiegen bei weitem die seiner Vorgnger. Sein Stolz hob
sich gewaltig. Er war nicht mehr der nmliche Mann, der wenige Monate
zuvor aus Besorgni, da sein Thron in einer Stunde umgestrzt werden
knnte, mit unkniglichem Flehen auswrtige Hlfe erbeten und mit
Thrnen des Dankes angenommen hatte. Visionen von Herrschaft und Ruhm
zogen an seiner Seele vorber, er sah sich schon im Geiste als den
Schiedsrichter Europa's, als Beschtzer vieler durch eine allzumchtige
Monarchie unterdrckter Staaten. Schon im Monat Juni hatte er die
Vereinigten Provinzen versichert, da, sobald die Angelegenheiten
Englands geordnet seien, er der Welt zeigen werde, wie wenig er
Frankreich frchte. In bereinstimmung mit diesen Versicherungen schlo
er kaum einen Monat nach der Schlacht von Sedgemoor mit den
Generalstaaten einen Defensivvertrag, der ganz im Geiste der
Tripelallianz gefat war. Es wurde im Haag sowohl wie in Versailles als
ein bedeutungsvoller Umstand betrachtet, da Halifax, der stete Todfeind
des franzsischen bergewichts, der seit dem Beginn der gegenwrtigen
Regierung nicht ein einziges Mal in einer wichtigen Angelegenheit zu
Rathe gezogen worden war, bei dieser Gelegenheit die Hauptrolle spielte
und das Organ des Knigs zu sein schien. Nicht minder bedeutsam war der
Umstand, da Barillon nicht vorher benachrichtigt worden war, so da
sowohl diesen als seinen Gebieter die Mittheilung nicht wenig
berraschte. Ludwig war sehr betroffen und uerte groe und
wohlbegrndete Besorgnisse wegen der ferneren Plne eines Frsten, der
noch vor Kurzem sein Sldling und Vasall gewesen war. Es ging stark die
Rede, da Wilhelm von Oranien damit beschftigt sei, ein groes Bndni
zu Stande zu bringen, welches beide Linien des Hauses sterreich, die
Vereinigten Provinzen, das Knigreich Schweden und das Kurfrstenthum
Brandenburg umfassen sollte. Jetzt schien es, als wrde der Knig und
das Parlament von England an der Spitze dieses Bndnisses stehen[1].

    [Anmerkung 1: +Avaux Neg. Aug. 6.(16.) 1685+; Depesche von Citters
    an seine Collegen vom 14.(24.) August, den Vertrag enthaltend;
    Ludwig an Barillon, 14.(24.) und 20.(30.) August.]


[_Seine auswrtige Politik._] Es wurden auch in der That Unterhandlungen
erffnet, die auf ein solches Resultat hinzielten. Spanien schlug ein
enges Bndni mit Jakob vor, und er lieh diesem Vorschlage ein geneigtes
Ohr, obwohl es auf der Hand lag, da ein solches Bndni gleichbedeutend
mit einer Kriegserklrung gegen Frankreich gewesen wre. Er verschob
jedoch seine definitive Entscheidung bis nach der Wiedereinberufung des
Parlaments. Das Schicksal der ganzen Christenheit hing von der Stimmung
ab, in der er das Haus der Gemeinen finden wrde. Waren sie geneigt auf
seine Ideen bezglich der inneren Verwaltung einzugehen, so hinderte ihn
nichts, sich mit Energie und Nachdruck in den groen Streit zu mischen,
der auf dem Continent bald zur Entscheidung kommen mute; zeigten sie
sich dagegen widerspenstig, so mute er jeden Gedanken daran, als
Schiedsrichter zwischen streitende Nationen zu treten, aufgeben, mute
aufs neue den Beistand Frankreichs erbitten und sich dessen Vorschriften
unterwerfen, mute zu einem Potentaten dritten oder vierten Ranges
herabsinken und sich fr die Verachtung, mit der das Ausland auf ihn
niederblickte, durch Triumphe ber das Gesetz und die ffentliche
Meinung im eigenen Lande entschdigen.


[_Seine Plne in Betreff der inneren Verwaltung._] Es hatte in der That
den Anschein, als ob es nicht leicht sein wrde, mehr zu verlangen, als
die Gemeinen zu bewilligen geneigt waren. Sie hatten schon genugsam
bewiesen, da sie seine Prrogative ungeschmlert aufrecht zu erhalten
wnschten und da sie es mit seinen Eingriffen in die Rechte des Volks
nicht so genau nehmen wrden. Elf Zwlftel der Mitglieder waren entweder
vom Hofe abhngig oder eifrige Kavaliere vom Lande. Es gab nur Weniges,
was eine solche Versammlung dem Souverain beharrlich verweigern konnte,
und zum Glck fr die Nation war dieses Wenige gerade das, auf was Jakob
sich capricirte.


[_Die Habeas-Corpus-Acte._] Einer seiner Hauptzwecke war die Aufhebung
der Habeas-Corpus-Acte, die er hate, wie ein Tyrann naturgem den
strksten Zgel hassen mute, den je eine Gesetzgebung der Tyrannei
anlegte. Dieser Gedanke beschftigte seinen Geist bis zum letzten
Augenblicke und ist auch in den Instructionen ausgesprochen, die er in
der Verbannung fr seinen Sohn niederschrieb[2]. Aber obgleich die
Habeas-Corpus-Acte whrend der Herrschaft der Whigs erlassen war, so war
sie doch den Tories nicht weniger theuer als jenen. Es ist auch in der
That nicht zu verwundern, da dieses groe englische Gesetz von allen
Englndern ohne Unterschied der Partei hoch geschtzt wird, denn es ist
ein Gesetz, das nicht auf Umwegen, sondern unmittelbar die Sicherheit
und das Glck jedes Bewohners des Knigreichs erhht[3].

    [Anmerkung 2: Instructionen mit der berschrift: Fr meinen Sohn,
    den Prinzen von Wales, 1692 in den Stuart-Papieren.]

    [Anmerkung 3: Die Habeas-Corpus-Acte, sagte Johnson, der
    eingefleischteste Tory, zu Boswell, ist der einzige Vorzug, den
    unsre Verfassung vor den Verfassungen anderer Staaten hat.]


[_Das stehende Heer._] Jakob hatte noch einen andren Plan, welcher der
Partei, die ihn auf den Thron erhoben und auf demselben erhalten hatte,
verhat war: die Bildung eines groen stehenden Heeres. Er hatte den
letzten Aufstand benutzt, um die ihm von seinem Bruder hinterlassene
Streitmacht bedeutend zu verstrken. Die Truppentheile, welche jetzt
als die sechs ersten Regimenter Gardedragoner bezeichnet werden,
so wie das dritte und vierte Dragonerregiment und die neun
Linieninfanterieregimenter, vom siebenten bis fnfzehnten
einschlielich, waren eben erst errichtet worden[4]. Durch diese
Vermehrungen, verbunden mit der Zurckberufung der Garnison von Tanger,
war die Strke der regulren Truppen Englands binnen wenigen Monaten
von sechstausend auf nahe an zwanzigtausend Mann gestiegen. Noch kein
englischer Knig hatte in Friedenszeiten ber eine solche Heeresmacht zu
verfgen gehabt, dennoch aber war Jakob noch nicht damit zufrieden. Er
uerte sehr oft, da man sich auf die Treue der Milizen nicht verlassen
knne, da sie mit allen Leidenschaften des Standes, dem sie angehrten,
sympathisirten, da bei Sedgemoor in dem Rebellenheere sich mehr Miliz
als im kniglichen Lager befunden htte und da, wenn der Thron nur
durch das Aufgebot der Grafschaften vertheidigt worden wre, Monmouth im
Triumph von Lyme nach London marschirt sein wrde.

So gro auch die Einknfte im Vergleich mit denen frherer Knige waren,
so reichten sie doch kaum hin, um diesen neuen Mehraufwand zu
bestreiten. Ein groer Theil des Ertrags der neuen Abgaben wurde durch
den Bedarf der Flotte absorbirt. Am Ende der vorigen Regierung hatte der
Gesammtaufwand fr die Armee, mit Einschlu der in Tanger stehenden
Regimenter, nicht ganz dreihunderttausend Pfund betragen; jetzt wollten
dazu sechshunderttausend noch nicht ausreichen[5]. Sollte eine weitere
Vermehrung erfolgen, so mute man einen neuen Credit vom Parlament
verlangen, und es war nicht wahrscheinlich, da dieses sich dazu geneigt
zeigte. Schon der Ausdruck stehendes Heer war der ganzen Nation
verhat, und Niemandem mehr als den Kavalieren, welche das Unterhaus
fllten. Nach ihren Begriffen war das stehende Heer gleichbedeutend mit
Rumpfparlament, mit Protector, mit Beraubung der Kirche, Suberung der
Universitten, Abschaffung der Pairie und der Ermordung des Knigs, mit
dem unheimlichen Regimente der Heiligen, mit Frmmelei und Ascetik, mit
Geldstrafen und Sequestrationen, mit den Insulten, die sich
Generalmajore, welche aus der Hefe des Volks hervorgegangen waren, gegen
die ltesten und vornehmsten Familien des Reichs erlaubt hatten.
berdies gab es kaum einen Baronet oder Squire im Parlamente, der nicht
einen Theil des Ansehens, das er in seiner Grafschaft geno, seiner
Stellung in der Miliz verdankt htte. Wenn diese Nationalstreitmacht
beseitigt wurde, so mute die englische Gentry nothwendig viel von ihrem
Ansehen und ihrem Einflusse verlieren. Es war daher wahrscheinlich, da
es dem Knige schwerer werden wrde, die Mittel zum Unterhalt seiner
Armee, als die Aufhebung der Habeas-Corpus-Acte zu erlangen.

    [Anmerkung 4: Siehe die +Historical Records of Regiments+,
    herausgegeben unter der Oberleitung des Generaladjutanten.]

    [Anmerkung 5: Barillon, 3.(13.) Dec. 1685. Er hatte den Gegenstand
    grndlich studirt. +C'est un detail,+ schreibt er, +dont j'ai
    connoissance.+ Aus den Rechnungsbchern des Schatzamts ergiebt
    sich, da der Aufwand fr die Armee auf das Jahr 1687 am 1. Januar
    auf 623,104 L. 9 s. 11 d. angeschlagen war.]


[_Plne zu Gunsten der rmisch-katholischen Religion._] Die beiden
erwhnten Plne waren jedoch einem andren untergeordnet, an dem der
Knig mit ganzer Seele hing, der aber sowohl den Torygentlemen, welche
bereit waren, fr seine Rechte mit ihrem Blute einzustehen, als auch der
Kirche, welche seit drei unter brgerlichen Unruhen verflossenen
Menschenaltern in der treuen Anhnglichkeit an sein Haus nie gewankt
hatte, und selbst der Armee verhat war, auf die er im uersten
Nothfalle rechnen mute.

Seine Religion war noch immer gechtet, manch' strenges Gesetz gegen die
rmischen Katholiken stand im Gesetzbuche und war vor nicht gar langer
Zeit mit rcksichtsloser Hrte angewendet worden. Die Testacte schlo
alle der anglikanischen Kirche nicht Angehrenden von jedem brgerlichen
und militairischen Amte aus, und eine sptere Verordnung, welche
erlassen worden war, als die Erdichtungen des Oates die Nation wthend
gemacht hatten, bestimmte, da in keinem der beiden Parlamentshuser
Jemand sitzen drfe, der nicht die Lehre von der Transsubstantiation
feierlich abgeschworen hatte. Es war natrlich und recht, da der Knig
fr die Kirche, der er angehrte, vollstndige Duldung wnschte, und man
hat keinen Grund daran zu zweifeln, da er mit ein wenig Geduld,
Klugheit und Billigkeit diese Duldung auch erlangt haben wrde.

Der heftige Widerwille und die Furcht, womit das englische Volk den
Glauben des Knigs betrachtete, durfte nicht ausschlielich und nicht
hauptschlich theologischer Erbitterung zugeschrieben werden. Da man
auch in der rmischen Kirche selig werden knne, ja da einzelne
Mitglieder dieser Kirche zu den ausgezeichnetsten Vorbildern
christlicher Tugend gehrten, wurde von allen Theologen der
anglikanischen Kirche wie von den angesehensten Nonconformisten
zugegeben. Dagegen ist es notorisch, da die Strafgesetze gegen den
Papismus von Vielen, welche Arianismus, Qukerthum und Judenthum vom
geistlichen Gesichtspunkte betrachtet fr gefhrlicher hielten als den
Papismus, deshalb aber doch nicht geneigt waren, hnliche Gesetze gegen
Arianismus, Qukerthum und Judenthum zu erlassen, energisch vertheidigt
wurden.

Es lt sich leicht erklren, warum der rmische Katholik mit weniger
Nachsicht behandelt wurde als Leute, die von der Lehre der nicischen
Vter nichts wissen wollten, ja selbst als solche Leute, welche nicht
einmal durch die Taufe in den christlichen Bund aufgenommen waren. Es
herrschte unter den Englndern die feste berzeugung, da der rmische
Katholik, sobald die Interessen seiner Religion im Spiele waren, sich
aller gewhnlichen Regeln der Moral entbunden glaube, ja da er es sogar
fr verdienstlich halte, diese Regeln zu verletzen, wenn er dadurch eine
Benachtheiligung oder eine Schmach von der Kirche, deren Mitglied er
war, abwenden knnte. Diese Ansicht hatte auch wirklich einen Schein von
Begrndung. Man konnte es unmglich leugnen, da ausgezeichnete
rmisch-katholische Casuisten zur Verteidigung der Doppelsinnigkeit, des
stillschweigenden Vorbehalts, des Meineides und selbst des Mordes
geschrieben hatten. Auch waren, wie man sagte, die Theorien dieser
abscheulichen Sophistenschule nicht ohne praktische Resultate geblieben.
Das Blutbad der Bartholomusnacht, die Ermordung des ersten Wilhelm von
Oranien, die Ermordung Heinrich's III. von Frankreich, die zahlreichen
Verschwrungen gegen das Leben der Knigin Elisabeth und ganz besonders
die Pulververschwrung wurden bestndig als Beweise fr die enge
Beziehung zwischen verderblicher Theorie und verderblicher Praxis
angefhrt. Man behauptete, da jedes dieser Verbrechen von
rmisch-katholischen Priestern angestiftet oder doch gebilligt worden
sei. Die Briefe, welche Eberhard Digby im Tower mit Citronensaft an
seine Gattin geschrieben, waren unlngst verffentlicht worden und
wurden hufig angefhrt. Er war ein Gelehrter und ein Gentleman, im
gewhnlichen Leben durchaus rechtschaffen und von dem Gefhle der
Pflichten gegen Gott durchdrungen. Dennoch, war er tief in den Anschlag
verwickelt, den Knig, die Lords und die Gemeinen in die Luft zu
sprengen, und hatte am Rande der Ewigkeit erklrt, da es ihm
unbegreiflich sei, wie ein rmischer Katholik einen solchen Plan fr
sndhaft halten knne. Aus allen diesen Dingen zog das Volk den Schlu,
da der allgemeine Character eines Papisten noch so tadellos sein knne,
er doch jeder Arglist und Grausamkeit fhig sei, wenn das Wohl und die
Ehre seiner Kirche in's Spiel komme.

Der auerordentliche Erfolg der Fabeln des Oates ist namentlich dem
Vorherrschen dieser Ansicht zuzuschreiben. Umsonst berief sich der
angeklagte rmische Katholik auf die Rechtschaffenheit,
Menschenfreundlichkeit und Loyalitt, die er whrend seines ganzen
Lebens bewiesen habe; umsonst berief er sich auf zahlreiche achtbare
Zeugen seines Glaubens, um die abenteuerlichen Romane zu widerlegen,
welche der ehrloseste aller Menschen erdichtet; umsonst rief er noch mit
dem Stricke um den Hals die ganze Rache des Gottes, vor dem er in
wenigen Augenblicken erscheinen sollte, auf sich herab, wenn er irgend
etwas Bses gegen seinen Frsten oder seine protestantischen Landsleute
beabsichtigt htte. Die Zeugen, die er zu seiner Entlastung aufrief,
bewiesen nur, wie wenig ein Papisteneid werth war; gerade seine Tugenden
erweckten den Verdacht seiner Schuld, und der Umstand, da er den Tod
und das jngste Gericht vor Augen sah, machte es nur um so
wahrscheinlicher, da er leugnen werde, was er nicht gestehen konnte,
ohne der heiligsten Sache zu schaden. Unter den Unglcklichen, die wegen
der Ermordung Godfrey's verurtheilt wurden, befand sich auch ein
Protestant von nicht sehr achtungswerthem Character, Namens Heinrich
Berry. Es ist ein bedeutungsvoller und authentisch erwiesener Umstand,
da Berry's letzte Worte mehr dazu beitrugen, den Glauben an das Complot
zu erschttern, als die Erklrungen, welche die frommen und ehrenwerthen
rmischen Katholiken, die das nmliche Loos traf, in der Todesstunde
abgaben[6].

Und nicht allein von dem unwissenden Pbel, nicht allein von den
Eiferern, in denen der Fanatismus alle Vernunft und Menschenliebe
erstickt hatte, wurde der Katholik als ein Mensch betrachtet, den gerade
die Zartheit seines Gewissens zum falschen Zeugen, zum Brandstifter und
zum Mrder machen konnte, als ein Mensch, der vor keiner Schandthat
zurckbebte und sich durch keinen Eid gebunden glaubte, sobald seine
Kirche im Spiele war. Wenn es damals zwei Mnner gab, die ihr Verstand
wie ihr Gemth zur Duldsamkeit geneigt machte, so waren es gewi
Tillotson und Locke. Dennoch sagte Tillotson, den seine Nachsicht gegen
verschiedene Klassen von Schismatikern und Ketzern den Vorwurf der
Heterodoxie zugezogen hatte, dem Hause der Gemeinen auf der Kanzel, da
es ihre Pflicht sei, wirksame Maregeln gegen die Verbreitung einer
Religion zu treffen, welche verderblicher sei als vllige
Irreligiositt, einer Religion, die von ihren Bekennern Dienste fordere,
welche den ersten Grundstzen der Moral zuwiderliefen, sein Herz,
versicherte er aus aufrichtiger berzeugung, sei zur Milde geneigt, aber
seine Pflicht gegen die Gesammtheit zwinge ihn, in diesem einen Punkte
streng zu sein. Er erklrte, da seiner Ansicht nach Heiden, welche den
Namen Christi nie gehrt htten und nur durch das Licht der Natur
geleitet wrden, vertrauenswrdigere Mitglieder der brgerlichen
Gesellschaft seien, als Menschen, die in der Schule der papistischen
Casuisten gebildet wren[7]. Locke behauptete in der berhmten Schrift,
durch die er zu beweisen versuchte, da selbst die rohesten Formen des
Gtzendienstes nicht durch Strafbestimmungen verboten werden drften,
da eine Kirche, welche die Menschen lehre, Ketzern gegenber ihr Wort
nicht zu halten, keinen Anspruch auf Duldung habe[8].

Unter solchen Umstnden konnte ein englischer Katholik seinen
Glaubensgenossen gewi keinen greren Dienst erzeigen, als wenn er das
Publikum berzeugte, da seine Kirche, was auch einige heftige Mnner in
Zeiten strmischer Aufregung geschrieben oder gethan haben mochten,
keineswegs der Ansicht huldige, da irgend ein Zweck mit der
Sittlichkeit unvereinbare Mittel heiligen knne. Und es stand in Jakob's
Macht, diesen groen Dienst zu leisten. Er war Knig und mchtiger als
irgend ein englischer Knig, dessen sich die ltesten Leute erinnern
konnten, gewesen war. Von ihm hing es ab, ob der Vorwurf, der auf seiner
Religion haftete, beseitigt oder verewigt werden sollte.

Htte er sich den Gesetzen gefgt, htte er seine Versprechungen
erfllt, htte er sich der Anwendung jedes unrechtmigen Mittels zur
Verbreitung seiner eigenen religisen Glaubensstze enthalten, htte er
die Wirkung der Strafbestimmungen durch einen ausgedehnten Gebrauch
seines unbestreitbaren Begnadigungsrechtes aufgehoben, zu gleicher Zeit
aber sich sorgfltig vor jeder Verletzung der brgerlichen oder
kirchlichen Verfassung des Reiches gehtet, so wrde in den Gesinnungen
seines Volkes bald ein Umschwung eingetreten sein. Ein so sprechender
Beweis gewissenhafter Redlichkeit von Seiten papistischer Frsten,
gegenber einer protestantischen Nation, wrde die allgemeinen
Befrchtungen bald beschwichtigt haben. Wenn das Volk gesehen htte, da
man einem Katholiken ohne alle Gefahr die Leitung der ganzen ausbenden
Verwaltung, den Oberbefehl ber Armee und Flotte, die Einberufung und
Auflsung der gesetzgebenden Versammlung, die Ernennung der Bischfe und
Dechanten der englischen Kirche anheim geben konnte, so wrde es bald
von der Befrchtung zurckgekommen sein, da Unheil daraus entstehen
knne, wenn ein Katholik als Hauptmann einer Compagnie oder als Alderman
eines Stadtbezirks fungirte. Es ist sehr wahrscheinlich, da binnen
wenigen Jahren die von der Nation so lange verabscheute Secte mit
allgemeinem Beifall zu Staatsmtern wie in's Parlament zugelassen worden
wre.

Versuchte es dagegen Jakob, das Interesse seiner Kirche durch Verletzung
der Grundgesetze seines Reiches und der feierlichen Versprechungen, die
er wiederholt im Angesicht der ganzen Welt gegeben, zu frdern, so stand
kaum zu bezweifeln, da die Beschuldigungen, welche gegen die
rmisch-katholische Religion an der Tagesordnung waren, von allen
Protestanten fr vollkommen begrndet gehalten werden wrden. Denn wenn
je ein rmischer Katholik Ursache hatte, Ketzern sein Wort zu halten, so
hatte Jakob Ursache, der anglikanischen Geistlichkeit sein Wort zu
halten. Ihr verdankte er seine Krone, ohne ihre beharrliche Opposition
gegen die Ausschlieungsbill wrde er ein Verbannter gewesen sein. Er
hatte wiederholt und feierlich seine Verpflichtungen gegen sie anerkannt
und gelobt, da er sie in allen ihren gesetzlichen Rechten schtzen
werde. Wenn er sich durch solche Verpflichtungen nicht gebunden
erachtete, so war es klar, da keine Pflicht der Dankbarkeit oder der
Ehre ihn binden konnte, wenn sein Aberglaube in's Spiel kam. Es war dann
unmglich, da sein Volk ihm traute, und wenn es ihm nicht trauen
konnte, welchem Mitgliede seiner Kirche sollte es dann trauen? Man hielt
ihn nicht fr heimtckisch von Natur oder aus Gewohnheit. Seinem
gedankenlosen Wesen und seiner Rcksichtslosigkeit gegen die Gefhle
Anderer verdankte er einen viel hheren Ruf von Aufrichtigkeit, als er
ihn irgendwie verdiente. Seine Lobhudler pflegten ihn gern Jakob den
Gerechten zu nennen. Wenn es sich nun aber zeigte, da er, indem er
Katholik wurde, zu gleicher Zeit auch ein Heuchler und Wortbrchiger
geworden war, welche Folgerungen mute dann wohl aus dem Allen eine
Nation ziehen, die ohnehin schon zu dem Glauben geneigt war, da der
Papismus einen verderblichen Einflu auf den sittlichen Character
ausbe?

    [Anmerkung 6: +Burnet I. 447.+]

    [Anmerkung 7: Tillotson's Predigt vor dem Hause der Gemeinen am 5.
    Nov 1678.]

    [Anmerkung 8: +Locke, First Letter on Toleration.+]


[_Verletzung der Testacte._] Aus diesen Grnden waren viele der
vornehmsten Katholiken jener Zeit, unter ihnen der Papst selbst, der
Meinung, da das Interesse ihrer Kirche auf unsrer Insel durch eine
gemigte und der Verfassung entsprechende Politik am wirksamsten
gefrdert werden wrde. Aber solche Argumente machten keinen Eindruck
auf den beschrnkten Verstand und den herrschschtigen Character des
Knigs. In seinem Eifer, die gesetzlichen Ausschlieungen aufzuheben,
unter denen die Bekenner seiner Religion litten, schlug er ein Verfahren
ein, welches die aufgeklrtesten und tolerantesten Protestanten seiner
Zeit berzeugte, da solche Ausschlieungen fr das Wohl des Staates
nothwendig waren. Die englischen Katholiken verdankten seiner Politik
drei Jahre eines rechtswidrigen und bermtigen Triumphes, und
hundertvierzig Jahre der Unterjochung und Erniedrigung.

Viele Mitglieder seiner Kirche bekleideten Offiziersstellen in den neu
errichteten Regimentern. Diese Verletzung des Gesetzes lie man eine
Zeit lang ungergt hingehen, weil man nicht Lust hatte, jede
Regelwidrigkeit von Seiten eines Knigs zu moniren, der sich pltzlich
genthigt sah, seine Krone und sein Leben gegen Rebellen zu
vertheidigen. Jetzt aber war die Gefahr vorber, die Aufrhrer waren
besiegt und bestraft, ihr milungener Versuch hatte die Regierung, die
sie zu strzen hofften, nur noch mehr gekrftigt. Dennoch vergab Jakob
noch immer Stellen an unbefhigte Personen, und bald ging die Rede, da
er beschlossen habe, sich nicht mehr an die Testacte zu binden, da er
hoffe, das Parlament zur Aufhebung dieses Gesetzes zu bewegen, da er
aber, wenn das Parlament sich widerspenstig zeigen sollte, dennoch
seinen Willen durchsetzen werde.


[_Halifax fllt in Ungnade._] Sobald dies bekannt wurde, mahnte ihn ein
dumpfes Murren, der Vorlufer eines Gewittersturmes, da der Geist, dem
sein Grovater, sein Vater und sein Bruder hatten weichen mssen, nur
schlummere, aber noch nicht erloschen sei. Der Widerstand zeigte sich
zuerst im Kabinet. Halifax versuchte es gar nicht, seinen Unmuth und
seine Besorgni zu verhehlen; im geheimen Rathe sprach er furchtlos die
Gefhle aus, von denen, wie es sich sehr bald zeigte, die ganze Nation
durchdrungen war. Da keiner seiner Collegen ihn untersttzte, lie man
den Gegenstand fallen. Nach der Sitzung aber wurde er in's knigliche
Kabinet berufen und er hatte zwei lange Conferenzen mit seinem Gebieter.
Jakob versuchte die Wirkung von Schmeicheleien und Complimenten, aber
vergebens, Halifax weigerte sich auf das Bestimmteste zu versprechen,
da er im Hause der Lords fr die Abschaffung der Testacte oder der
Habeas-Corpus-Acte stimmen werde.

Einige Mnner aus der Umgebung des Knigs riethen ihm, am Vorabende der
Einberufung des Parlaments nicht den beredtesten und vollendetsten
Staatsmann des Jahrhunderts in das Lager der Opposition zu treiben. Sie
stellten ihm vor, da Halifax die Ehre und das Einkommen seines Amtes
liebe, da, so lange er Lordprsident sei, er schwerlich mit seiner
ganzen Kraft gegen die Regierung auftreten werde, da aber die
Entlassung von seinem hohen Posten so viel heie, als ihn aller
Rcksichten entbinden. Der Knig aber beharrte auf seinem Vorsatze,
Halifax wurde benachrichtigt, da man seiner Dienste nicht mehr bedrfe,
und sein Name in dem Geheimrathsbuche gestrichen[9].

    [Anmerkung 9: Geheimrathsbuch. Der Name wurde gestrichen am 21.
    Oct. 1685. Halifax an Chesterfield; Barillon, 19.(29.) Oct.]


[_Allgemeine Unzufriedenheit._] Seine Entlassung machte nicht allein im
England, sondern in Paris, in Wien und im Haag groes Aufsehen, denn es
war wohl bekannt, da er stets darauf hingearbeitet hatte, den Einflu
des Hofes von Versailles auf die Angelegenheiten Englands zu
neutralisiren. Ludwig freute sich ber die Nachricht; die Gesandten der
Vereinigten Provinzen und des Hauses sterreich dagegen priesen die
Weisheit und die Tugenden des entlassenen Staatsmannes in einer Weise,
welche in Whitehall groes rgerni erregte. Ganz besonders aufgebracht
war Jakob gegen den Sekretr der kaiserlichen Gesandtschaft, der sich
nicht scheute zu sagen, da die wichtigen Dienste, welche Halifax in der
Debatte ber die Ausschlieungsbill geleistet habe, mit grobem Undanke
vergolten wrden[10].

Es zeigte sich bald, da Halifax viele Nachfolger haben werde. Ein Theil
der Tories, mit ihrem alten Fhrer Danby an der Spitze, begann eine
whiggistische Sprache zu fhren; selbst die Prlaten gaben nicht
undeutlich zu verstehen, da es einen Punkt gebe, wo die dem Frsten
schuldige Loyalitt hheren Rcksichten weichen msse. Die
Unzufriedenheit der Generle war noch grer und besorgnierregender.
Schon zeigten sich die ersten Symptome jener Stimmung, welche drei Jahre
spter so viele hohe Offiziere antrieb, die knigliche Fahne zu
verlassen. Mnner, welche sich sonst aus nichts ein Gewissen machten,
wurden jetzt mit einem Male auffallend bedenklich. Churchill uerte
schchtern, da der Knig doch etwas zu weit gehe. Kirke, der eben von
seiner Schlchterei im Westen zurckgekehrt war, schwur, da er am
protestantischen Glauben festhalten werde, und selbst wenn er den
Glauben, in welchem er erzogen worden, abschwren sollte, so werde er
doch nie ein Papist werden. Er habe sich bereits vergeben; wenn er
berhaupt seinem Glauben je entsage, so sei er durch ein dem Kaiser von
Marokko gegebenes feierliches Versprechen verbunden, Muselmann zu
werden[11].

    [Anmerkung 10: Barillon, 26. Oct, (5. Nov.) 1685; Ludwig an
    Barillon 27. Oct, (6. Nov.) und 6/16. Nov.]

    [Anmerkung 11: Ein interessanter Bericht ber das erste Erscheinen
    der Symptome von Unzufriedenheit unter den Tories findet sich in
    einem Briefe von Halifax an Chesterfield, geschrieben im October
    1635. +Burnet I. 684.+]


[_Verfolgung der franzsischen Hugenotten._] Whrend die schon in
mannichfacher Beziehung aufgeregte Nation mit ngstlicher Spannung dem
Wiederzusammentritt der Parlamentshuser entgegensah, kamen Nachrichten
aus Frankreich, welche die Aufregung noch vermehrten.

Der lange und heldenmthige Kampf, den die Hugenotten gegen die
franzsische Regierung bestanden hatten, war durch Richelieu's
Geschicklichkeit und Energie zu einem endlichen Schlusse gebracht
worden. Dieser groe Staatsmann besiegte sie, sicherte ihnen aber die
ihnen durch das Edict von Nantes verliehene Gewissensfreiheit zu. Es
wurde ihnen unter einigen leichten Beschrnkungen gestattet, Gott nach
ihrem Ritual zu verehren und zur Vertheidigung ihrer Lehre zu schreiben.
Alle Civil- und Militairmter standen ihnen offen und geraume Zeit
hindurch war ihre Ketzerei kein praktisches Hinderni fr sie, um sich
in der Welt emporzuschwingen. Einige von ihnen befehligten Armeecorps,
Andere standen an der Spitze wichtiger Zweige der Civilverwaltung.
Endlich aber trat eine Vernderung ein. Ludwig XIV. hegte schon seit
langer Zeit eine politische und religise Abneigung gegen die
Calvinisten. Als eifriger Katholik verabscheute er ihre theologischen
Dogmen, und als Frst, der die Willkrherrschaft liebte, verabscheute er
die republikanischen Theorien, welche in die Genfer Theologie verwoben
waren. Er verkrzte nach und nach alle Rechte, welche die Schismatiker
genossen. Er mischte sich in die Erziehung der protestantischen Kinder,
confiscirte Besitzungen, welche protestantischen Consistorien durch
Erbschaft zugefallen waren, und schlo unter nichtigen Vorwnden
protestantische Kirchen. Die protestantischen Geistlichen wurden von den
Steuereinnehmern geqult, den protestantischen Magistratspersonen die
Adelstitel entzogen, und den protestantischen Hofbeamten angekndigt,
da Seine Majestt ihrer Dienste nicht mehr bedrfe. Es wurde Befehl
gegeben, da kein Protestant mehr im Justizfache angestellt werden
solle. Die unterdrckte Secte lie einige schwache Anzeichen von dem
Geiste blicken, der im vorhergehenden Jahrhundert der ganzen Macht des
Hauses Valois Trotz geboten hatte. Es erfolgten Metzeleien und
Hinrichtungen. In die Stdte, wo sich viele Ketzer befanden und auf die
Gter des ketzerischen Adels wurden Dragoner gelegt, und die Grausamkeit
und Zgellosigkeit dieser rohen Missionare wurde von der Regierung
gutgeheien oder doch nur sehr mild getadelt. Indessen war das Edict von
Nantes, obgleich es in seinen wesentlichsten Punkten factisch verletzt
wurde, nicht frmlich aufgehoben, und der Knig erklrte wiederholt in
feierlichen ffentlichen Erlassen, da er entschlossen sei, es aufrecht
zu erhalten. Aber die Fanatiker und Schmeichler, denen er ein geneigtes
Ohr lieh, gaben ihm Rathschlge, die er zu befolgen nur zu bereit war.
Sie stellten ihm vor, da seine strenge Politik auerordentlich
erfolgreich gewesen sei, da sein Wille wenig oder gar keinen Widerstand
gefunden habe, da schon Tausende von Hugenotten bekehrt worden seien,
und wenn er noch den letzten entscheidenden Schritt thue, so wrden sich
die bis jetzt noch hartnckig Widerstrebenden bald fgen, Frankreich von
dem Flecken der Ketzerei vollkommen gereinigt sein und sein Beherrscher
sich eine himmlische Krone verdienen, nicht minder ruhmvoll als die des
heiligen Ludwig. Diese Grnde schlugen durch. Der letzte Streich wurde
gefhrt, das Edict von Nantes wurde widerrufen und eine Menge
Verordnungen gegen die Sectirer erschienen in rascher Aufeinanderfolge.
Knaben und Mdchen wurden ihren Eltern entrissen und in Klster
geschickt, um dort erzogen zu werden. Alle calvinistischen Geistlichen
wurden aufgefordert, entweder ihren Glauben abzuschwren, oder binnen
vierzehn Tagen das Land zu verlassen. Den anderen Bekennern, des
reformirten Glaubens wurde verboten, das Knigreich zu verlassen, und um
ihre Flucht zu verhindern, wurden die Hfen und Grenzen streng bewacht.
Man glaubte, da die auf solche Art von ihren gefhrlichen Hirten
getrennten Heerden bald in ihre wahre Hrde zurckkehren wrden. Aber
trotz aller Wachsamkeit der militairischen Polizei fand eine bedeutende
Auswanderung statt; es wurde berechnet, da binnen wenigen Monaten
funfzigtausend Familien Frankreich fr immer verlieen. Auch waren diese
Flchtlinge keineswegs Leute, die ein Land leicht entbehren kann, denn
die Mehrzahl von ihnen waren Personen von aufgeklrter Bildung, von
groer Betriebsamkeit und von strengen Sitten. Es befinden sich Namen
darunter, die in Krieg, Wissenschaft, Literatur und Kunst eine
hervorragende Stellung einnahmen. Einige von den Verbannten boten
Wilhelm von Oranien ihre Schwerter an und zeichneten sich durch die
Erbitterung aus, mit der sie nachher gegen ihren Unterdrcker kmpften.
Andere rchten sich durch noch furchtbarere Waffen und reizten durch die
hollndische, englische und deutsche Presse dreiig Jahre lang die
ffentliche Meinung Europa's gegen die franzsische Regierung auf. Ein
friedlicher gesinnter Theil errichtete in der stlichen Vorstadt Londons
Seidenmanufacturen; ein andrer Theil unterrichtete die Sachsen in der
Verfertigung von Stoffen und Hten, fr welche Frankreich bis dahin das
Monopol gehabt hatte. Noch Andere pflanzten die ersten Weinstcke in der
Nhe des Caps der guten Hoffnung[12].

Unter gewhnlichen Umstnden wrden die Hfe von Spanien und Rom einem
Frsten, der so nachdrcklich gegen die Ketzerei zu Felde zog, den
lebhaftesten Beifall gezollt haben. Aber die Ungerechtigkeit und der
Hochmuth Ludwig's hatten einen solchen Ha erregt, da, als er zum
Verfolger wurde, die Hfe von Spanien und Rom fr die religise Freiheit
Partei nahmen und laut die Grausamkeit mibilligten, eine wilde und
freche Soldateska gegen ein harmloses Volk zu hetzen[13]. Das ganze
protestantische Europa brach in einen Schrei des Schmerzes und der Wuth
aus. Nach England kam die Nachricht von der Zurcknahme des Edicts von
Nantes ungefhr eine Woche vor dem Tage, bis zu welchem das Parlament
vertagt war. Es wurde nun klar, da der Geist Gardiner's und Alba's noch
immer der Geist der rmisch-katholischen Kirche war. Ludwig stand Jakob
an Hochherzigkeit und Humanitt nicht nach und war ihm in allen
Fhigkeiten und Kenntnissen eines Staatsmannes jedenfalls weit
berlegen. Wie Jakob, hatte auch Ludwig zu wiederholten Malen
versprochen, die Rechte seiner protestantischen Unterthanen zu achten.
Dennoch trat Ludwig jetzt ganz offen als Verfolger des reformirten
Glaubens auf. Konnte man wohl zweifeln, da Jakob nur auf eine gnstige
Gelegenheit wartete, um dieses Beispiel nachzuahmen? Schon bildete er,
dem Gesetz zum Hohn, eine Militairmacht, die zum groen Theile von
rmisch-katholischen Offizieren befehligt ward. Lag wohl etwas
Unvernnftiges in der Befrchtung, da diese Armee zu gleichen Zwecken
verwendet werden sollte, wie die frnzsischen Dragoner?

    [Anmerkung 12: Die damals in verschiedenen Sprachen erschienenen
    Schriften ber diese Verfolgung sind unzhlig. Eine ungemein
    klare, elegante und geistvolle bersicht findet sich in Voltaire's
    Zeitalter Ludwigs XIV.]

    [Anmerkung 13: +Misionarios embotados+, sagt Ronquillo.
    +Apostoli armati+, sagt Innocenz. In der Mackintosh-Sammlung
    befindet sich ein interessanter Brief ber diesen Gegenstand von
    Ronquillo, d. d. 26. Mrz (5. April) 1686. Siehe +Venior,
    Relatione di Francia+, 1689, angefhrt von Prof. Ranke in seinen
    Rmischen Ppsten, Buch VIII.]


[_Eindruck dieser Verfolgung in England._] Jakob war ber das Verfahren
des Hofes von Versailles fast eben so erstaunt als seine Unterthanen. Es
schien in der That als htte dieser Hof es darauf abgesehen gehabt, ihn
in Verlegenheit zu setzen und ihm zu schaden. Er war eben im Begriff,
von einer protestantischen gesetzgebenden Versammlung volle Duldung fr
die Katholiken zu verlangen, und es konnte ihm daher nichts
unwillkommener sein, als die Nachricht, da die Regierung eines
Nachbarstaates so eben den Protestanten die Duldung entzogen habe. Sein
Verdru wurde noch vermehrt durch eine Rede, die der Bischof von Valence
zur selben Zeit im Namen der gallikanischen Geistlichkeit an Ludwig XIV.
richtete. Der gottesfrchtige Souverain von England, sagte der Redner,
blicke auf den allerchristlichsten Knig und hoffe auf seine
Untersttzung gegen eine ketzerische Nation. Es wurde bemerkt, da
namentlich die Mitglieder des Hauses der Gemeinen sich bemhten,
Exemplare dieser Rede zu erlangen und da sie von alten Englndern mit
Unwillen und Besorgni gelesen wurde[14]. Jakob wnschte sehr, den
Eindruck, den diese Dinge gemacht hatten, zu verwischen und ebenso wre
es ihm durchaus nicht unlieb gewesen, wenn er bei dieser Gelegenheit
Europa htte zeigen knnen, da er nicht der Sklave Frankreichs sei. Er
erklrte daher ffentlich, da er das Verfahren gegen die Hugenotten
mibillige, gewhrte den Verbannten eine Untersttzung aus seiner
Privatchatoulle und forderte durch ministerielle Ausschreiben seine
Unterthanen auf, seine Freigebigkeit nachzuahmen. In wenigen Monaten
zeigte es sich schon, da all' dieses Mitleid nur erheuchelt war, um dem
Parlamente zu schmeicheln, da er die Flchtlinge mit tdtlichem Hasse
betrachtete und da er nichts mehr bedauerte, als da er nicht das
Nmliche thun konnte, was Ludwig gethan hatte.

    [Anmerkung 14: +Mi dicono che tutti questi parlamentarii ne hanno
    voluto copia, il che assolutamente avr causate pessime
    impressioni.+ Adda v. 9.(19.) Nov. 1685, Siehe auch +Evelyn's
    Diary, Nov. 3.+]


[_Zusammentritt des Parlaments, Rede des Knigs._] Am 9. November traten
die Huser zusammen. Die Gemeinen wurden vor die Schranken der Lords
beschieden und der Knig hielt eine Thronrede, die er selbst verfat
hatte. Er wnschte seinen getreuen Unterthanen zu der Unterdrckung des
Aufstandes im Westen Glck, setzte aber hinzu, da die Schnelligkeit,
mit der dieser Aufstand zu einer furchtbaren Ausdehnung angewachsen sei,
wie die lange Dauer desselben Jedermann berzeugen msse, wie wenig man
sich auf die Miliz verlassen knne. Er habe daher die regulre Armee
vergrert, die Unterhaltungskosten derselben wrden hinfro mehr als
das Doppelte der bisherigen betragen und er hoffe, da die Gemeinen ihm
die Mittel zur Bestreitung dieses Mehraufwandes bewilligen wrden.
Hierauf kndigte er der Versammlung an, da er einige Offiziere
angestellt habe, welche zwar den Testeid nicht geleistet htten, die er
aber als des ffentlichen Vertrauens wrdige Mnner kenne. Er frchte,
da rnkeschtige Menschen diese Unregelmigkeit benutzen mchten, um
das gute Einvernehmen zwischen ihm und seinem Parlamente zu stren; aber
er wolle ihnen offen sagen, da er entschlossen sei, sich nicht von
Mnnern zu trennen, auf deren Treue er sich verlassen knne und deren
Hlfe er vielleicht bald bedrfen werde[15].

    [Anmerkung 15: +Lords' Journals, Nov. 9. 1685. Vengo
    assicurato+, sagt Adda, +che S. M. stessa abbia composto il
    discorso.+ -- Depesche vom 16.(26.) Nov. 1685.]


[_Es bildet sich eine Opposition im Hause der Gemeinen._] Diese
deutliche Erklrung, da er die Gesetze verletzt habe, welche die Nation
als die Hauptbollwerke der Staatsreligion betrachtete, und da er
entschlossen sei, in der Verletzung dieser Gesetze zu beharren, war
nicht geeignet, die aufgeregte Stimmung seiner Unterthanen zu
beschwichtigen. Die Lords, welche selten geneigt sind, in der Opposition
gegen eine Regierung voranzugehen, beschlossen, ihm ihren frmlichen
Dank fr die gesprochenen Worte auszudrcken; die Gemeinen aber zeigten
eine minder willfhrige Stimmung. Als sie in ihren Saal zurckgekehrt
waren, trat eine lange andauernde Stille ein und tiefe Betrbni sprach
aus den Zgen vieler der ehrenwerthesten Mitglieder. Endlich erhob sich
Middleton und trug darauf an, da sich das Haus augenblicklich zu einem
Comit zur Berathung ber die Thronrede constituiren solle; aber Sir
Edmund Jennings, ein eifriger Tory von Yorkshire, von dem man
vermuthete, da er die Gesinnungen Danby's aussprach, protestirte gegen
diesen Schritt und verlangte Zeit zur berlegung. Sir Thomas Clarges,
der Oheim des Herzogs von Albemarle von mtterlicher Seite und seit
langer Zeit im Parlament als geschftskundiger Mann und wachsamer
Aufseher ber die Verwendung der ffentlichen Gelder bekannt, trat auf
die nmliche Seite. Die Stimmung des Hauses war nicht zu verkennen. Sir
Johann Ernley, Kanzler der Schatzkammer, bestand darauf, da der
Aufschub zweimal vierundzwanzig Stunden nicht bersteigen drfe, aber er
wurde berstimmt und man beschlo, die Berathung drei Tage zu
verschieben[16].

Die Zwischenzeit wurde von den leitenden Gegnern des Hofes wohl
angewendet. Sie hatten in der That kein leichtes Stck Arbeit zu
bewltigen: in drei Tagen sollte eine Vaterlandspartei organisirt
werden. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe kann in unsrer Zeit nicht
gehrig gewrdigt werden, denn man darf sagen, da in unsrer Zeit die
ganze Nation bei jeder Berathung der Lords wie der Gemeinen zugegen ist.
Was die Hupter der Ministerialpartei und der Opposition nach
Mitternacht sagen, wird von der ganzen Hauptstadt bei Tagesanbruch, von
den Bewohnern von Northumberland und Cumberland am Nachmittag und in
Irland und den schottischen Hochlanden am andren Morgen gelesen. Daher
sind in unseren Tagen die Stadien der Gesetzgebung, die Regeln der
Debatte, die Taktik der Factionen, die Ansichten, der Character und die
Ausdrucksweise jedes thtigen Mitgliedes der beiden Huser
Hunderttausenden bekannt. Jeder, der jetzt ins Parlament kommt, besitzt,
was man im siebzehnten Jahrhundert einen reichen Schatz
parlamentarischer Kenntnisse genannt haben wrde. Diese Kenntnisse
konnte man sich damals nur durch praktische parlamentarische Thtigkeit
erwerben. Der Unterschied zwischen einem alten und einem neuen Mitgliede
war daher eben so gro als zwischen einem Veteranen und einem eben vom
Pfluge kommenden Rekruten, und Jakob's Parlament enthielt eine ganz
ungewhnliche Menge neuer Mitglieder, welche keine politische
Kenntnisse, wohl aber eine Menge leidenschaftlicher Vorurtheile von
ihren Landsitzen mit nach Westminster gebracht hatten. Diese Herren
haten die Papisten, aber nicht minder haten sie die Whigs und
betrachteten den Knig mit einer aberglubischen Ehrfurcht. Aus solchen
Elementen eine Opposition zu bilden, war eine Aufgabe, welche die grte
Geschicklichkeit und zarteste Schonung erforderte. Einige Mnner von
groem Gewicht nahmen jedoch das schwierige Werk in Angriff und fhrten
es mit gutem Erfolge durch. Mehrere erfahrene whiggistische
Staatsmnner, welche keinen Sitz in diesem Parlamente hatten, gaben
ntzliche Winke und Rathschlge; an dem Tage vor der Erffnung der
Debatte wurden viele Versammlungen gehalten, in denen die Leiter die
Neulinge instruirten, und es zeigte sich bald, da diese Bemhungen
nicht vergebens gewesen waren[17].

    [Anmerkung 16: +Commons' Journals+; +Bramston's Memoirs+; Jakob
    von Leeuwen an die Generalstaaten, 10.(20.) Nov. 1685. Leeuwen war
    Sekretr bei der hollndischen Gesandtschaft und fhrte in
    Citters' Abwesenheit die Correspondenz. In Betreff Clarges' siehe
    Burnet I. 98.]

    [Anmerkung 17: Barillon, 16.(26.) Nov. 1685.]


[_Ansichten auswrtiger Regierungen._] Die fremden Gesandtschaften waren
alle in heftiger Aufregung. Sie erkannten sehr wohl, da wenige Tage die
groe Frage entscheiden wrden, ob der Knig von England der Vasall des
Knigs von Frankreich war oder nicht. Die Gesandten des Hauses
sterreich wnschten sehnlich, da Jakob sein Parlament zufrieden
stellen mchte. Innocenz hatte zwei Mnner nach London geschickt, welche
beauftragt waren, durch Zureden und gutes Beispiel auf Migung zu
dringen. Einer von diesen war Johann Leyburn, ein englischer
Dominikaner, der Sekretr beim Cardinal Howard gewesen war und der bei
einiger Gelehrsamkeit und einem reichen Schatze natrlichen Verstandes
der besonnenste, geschickteste und verschwiegenste Mann war, den es
geben konnte. Er war unlngst zum Bischof von Adrumetum geweiht und zum
apostolischen Vikar in Grobritannien ernannt worden. Ferdinand, Graf
von Adda, ein Italiener von nicht gerade ausgezeichneten Geistesgaben,
aber von sanftem Character und einnehmendem Wesen, war zum Nuntius
ernannt worden. Jakob nahm diese Wrdentrger sehr freundlich auf. Seit
mehr als einem halben Jahrhundert hatte kein rmisch-katholischer
Bischof geistliche Functionen auf der Insel verwaltet, und whrend der
hundertsiebenundzwanzig Jahre seit dem Tode Maria's war kein ppstlicher
Nuntius bei uns empfangen worden. Leyburn erhielt eine Wohnung in
Whitehall und einen Jahrgehalt von tausend Pfund. Adda nahm noch keinen
ffentlichen Character an, galt fr einen vornehmen Fremden, der zu
seinem Vergngen nach London gekommen war, erschien tglich bei Hofe und
wurde mit groer Auszeichnung behandelt. Beide ppstliche Gesandte
thaten ihr Mglichstes, um das Gehssige, das von ihrer amtlichen
Stellung unzertrennlich war, zu mildern und den unbesonnen Eifer Jakob's
zu dmpfen. Der Nuntius insbesondere erklrte, da nichts der rmischen
Kirche nachtheiliger sein knne, als ein Bruch zwischen dem Knige und
dem Parlamente[18].

Barillon war auf der entgegengesetzten Seite thtig. Die Instructionen,
welche er bei dieser Gelegenheit von Versailles erhielt, verdienen
aufmerksam studirt zu werden, denn sie geben den Schlssel zu der
Politik, die sein Gebieter whrend der letzten zwanzig Jahre vor unsrer
Revolution systematisch gegen England verfolgte. Die Nachrichten von
Madrid, schrieb Ludwig, lauteten sehr beunruhigend; man hege dort die
sichere Hoffnung, da Jakob sich mit dem Hause sterreich eng verbinden
werde, sobald er die Gewiheit habe, da sein Parlament ihm nicht zu
schaffen machen werde. Unter diesen Umstnden lag es augenscheinlich im
Interesse Frankreichs, da das Parlament sich widerspenstig zeigte, und
Barillon erhielt daher Befehl, mit aller mglichen Vorsicht gegen
etwaige Entdeckung die Rolle eines Friedensstrers zu spielen. Bei Hofe
sollte er keine Gelegenheit vorbergehen lassen, um den religisen Eifer
und den Herrscherstolz Jakob's aufzustacheln, zu gleicher Zeit aber
drfte es auch wnschenswerth sein, da er geheime Verbindungen mit den
Mivergngten unterhalte. Allerdings seien diese Verbindungen gefhrlich
und erforderten die uerste Gewandtheit; aber es werde dem Gesandten
auf diese Weise vielleicht gelingen, ohne sich und seine Regierung zu
compromittiren, den Eifer der Opposition fr die Gesetze und Freiheiten
Englands zu beleben und dabei zu verstehen zu geben, da diese Gesetze
und Freiheiten von seinem Gebieter nicht mifllig betrachtet
wrden[19].

    [Anmerkung 18: +Dodd's Church History+; Leeuwen, 17.(27.) Nov.
    1685; Barillon, 24. Dec. 1685. Barillon sagt von Adda: +On
    l'avoit fait prvenir que la suret et l'avantage des Catholiques
    consistoient dans une runion entire de Sa Majest Britannique et
    de son parlement.+ Briefe von Innocenz an Jakob vom 27. Juli
    (6. Aug.) und 23. Sept. (3. Octbr.) 1685; Depeschen von Adda vom
    9.(19.) u. 16.(26.) Nov. 1685. Die hchst interessante
    Correspondenz Adda's, aus den ppstlichen Archiven abgeschrieben,
    befindet sich im Britischen Museum, nachtrgliche Handschriften
    Nr. 15395.]

    [Anmerkung 19: Diese hchst merkwrdige Depesche trgt das Datum
    vom 9.(19.) Nov. 1685 und findet sich im Anhange zu Fox'
    Geschichte.]


[_Comit der Gemeinen wegen der Thronrede._] Als Ludwig diese
Instructionen ertheilte, ahnete er gewi nicht, wie bald und vollstndig
seine Befrchtungen durch Jakob's Hartnckigkeit und Dummheit gehoben
werden wrden. Am 12. November trat das Haus der Gemeinen zu einem
Comit zur Berathung der Thronrede zusammen. Der Staatsanwalt Heneage
Finch nahm den Prsidentenstuhl ein. Die Debatte wurde von den
Oberhuptern der neuen Vaterlandspartei mit seltenem Takt und Geschick
geleitet. Niemandem entschlpfte ein Ausdruck, der Mangel an Achtung vor
dem Souverain oder Sympathie fr die Rebellen verrathen htte. Der
Aufstand im Westen wurde stets mit Abscheu erwhnt und von Kirke's oder
Jeffreys' Grausamkeiten kein Wort gesagt. Es wurde zugegeben, da die
durch die letzen Unruhen verursachten bedeutenden Ausgaben den Knig
berechtigten, eine fernerweite Creditbewilligung zu verlangen, gegen die
Vermehrung der Armee und die Verletzung der Testacte aber wurden sehr
ernste Einwrfe erhoben.

Den Gegenstand der Testacte bergingen die Hflinge mit geflissentlichem
Stillschweigen, dagegen aber hoben sie mit ziemlichem Nachdrucke die
groen Vorzge eines stehenden Heeres vor einer Miliz hervor. Einer von
ihnen fragte hhnisch, ob die Vertheidigung des Knigs etwa den
Rindfleischessern berlassen bleiben solle. Ein Andrer uerte, da er
wohl wissen mchte, wie sich die Milizen von Devonshire, welche vor
Monmouth's Sensenmnnern in wilder Verwirrung geflohen seien, den
Haustruppen Ludwig's gegenber Stand gehalten haben wrden. Diese
Argumente aber machten auf Kavaliere, die sich noch immer mit bittrem
Grolle des strengen Regiments des Protectors erinnerten, wenig Eindruck.
Der vornehmste toryistische Landedelmann Englands, Eduard Seymour, gab
dem allgemeinen Gefhle energischen Ausdruck. Er gestand zu, da sich
die Miliz nicht in einem befriedigenden Zustande befinde, behauptete
aber, da sie reorganisirt werden knne. Allerdings wrde diese
Reorganisation Geld kosten, aber er fr seine Person wolle lieber eine
ganze Million zum Unterhalte eines Heeres geben, von dem er nichts zu
frchten habe, als eine halbe Million fr eine Armee, von der er
jederzeit Schlimmes befrchten msse. Fhre man eine gute Disciplin bei
der Miliz ein und verstrke die Flotte, so werde das Land vollkommen
geschtzt sein. Ein stehendes Heer sei im besten Falle nichts als ein
Blutegel der Staatseinknfte, der Soldat werde jeder ntzlichen Arbeit
entzogen, er producire nichts, sondern verzehre nur die Frchte des
Gewerbfleies Anderer und dominire dabei ber Diejenigen, die ihn
erhalten mten. Unter jetzigen Umstnden aber drohe der Nation nicht
nur ein stehendes Heer, sondern ein papistisches stehendes Heer, ein
stehendes Heer, das von Mnnern commandirt werde, welche sehr
liebenswrdige und achtbare Leute sein knnten, aber grundstzlich
Feinde der Verfassung des Reiches seien. Sir Wilhelm Twisden,
Abgeordneter fr die Grafschaft Kent, sprach in gleichem Sinne mit
groer Energie und unter lautem Beifalle. Sir Richard Temple, einer von
den wenigen Whigs, die in jenem Parlamente saen, pate seine Rede
geschickt der vorherrschenden Stimmung seiner Zuhrer an und machte sie
darauf aufmerksam, da ein stehendes Heer nach den gemachten Erfahrungen
der rechtmigen Autoritt der Frsten eben so gefhrlich sei als der
Freiheit der Vlker. Sir Johann Maynard, der gelehrteste Jurist der
damaligen Zeit, nahm ebenfalls an der Debatte Theil. Er war jetzt ber
achtzig Jahre alt und konnte sich noch sehr gut der politischen
Zwistigkeiten unter der Regierung Jakob's I. erinnern. Er hatte im
Langen Parlamente gesessen und auf der Seite der Rundkpfe gestanden,
hatte aber stets zur Milde und Migung gerathen und sich bemht, eine
allgemeine Ausshnung herbeizufhren. Seine vom Alter noch nicht
geschwchten ausgezeichneten Fhigkeiten und seine juristischen
Kenntnisse, durch die er lange Zeit ganz Westminsterhall imponirt hatte,
sicherten ihm eine sehr gewichtige Stimme im Hause der Gemeinen. Auch er
erklrte sich gegen die Vermehrung des stehenden Heeres.

Nach lebhaften Debatten wurde beschlossen, der Krone einen Credit zu
bewilligen, zu gleicher Zeit aber auch eine Bill zur zweckmigeren
Organisirung der Miliz einzubringen. Dieser letzte Beschlu war
gleichbedeutend mit einer Erklrung gegen das stehende Heer. Der Knig
war hchst unzufrieden, und man sprach schon davon, da, wenn es so
fortgehe, die Session nicht von langer Dauer sein werde[20].

Am nchsten Morgen begann der Kampf von neuem. Die Sprache der
Vaterlandspartei war auffallend khner und schrfer als am vorigen Tage.
Der die Geldbewilligung betreffende Paragraph in der Thronrede des
Knigs ging dem auf den Test bezglichen voraus. Aus diesem Grunde
schlug Middleton vor, den auf die Geldbewilligung bezglichen zuerst im
Comit zu berathen. Die Opposition verlangte die umgekehrte Reihenfolge;
sie behauptete, das vernnftige, und verfassungsmige Verfahren sei,
erst dann Geld zu bewilligen, wenn den Beschwerden abgeholfen worden,
diesem Gebrauche aber wrde man untreu, wenn man sich sklavisch an die
Reihenfolge binde, in der der Knig die Gegenstnde in der Thronrede
erwhnt habe.

Es wurde nun ber die Frage abgestimmt, ob Middleton's Antrag angenommen
werden solle. Der Prsident ersuchte die mit Nein Stimmenden, sich in
das Vorzimmer zu begeben. Dies verdro sie heftig und sie beschwerten
sich laut ber seine Servilitt und Parteilichkeit, da sie wuten, da
sie nach der damals geltenden verwickelten und subtilen Regel, welche in
unsrer Zeit durch einen verstndigeren und zweckmigeren Gebrauch
ersetzt worden ist, berechtigt waren, auf ihren Pltzen zu bleiben. Auch
waren berhaupt alte parlamentarischen Taktiker jener Zeit der Ansicht,
da die im Saale zurckbleibende Partei einen Vortheil gegen die sich
entfernende voraus hatte, denn die Einrichtung mit den Bnken war damals
noch so mangelhaft, da Niemand, der so glcklich gewesen war, einen
guten Platz zu erlangen, ihn gern einbte. Trotzdem sah man zum groen
rger der Minister viele Mitglieder, auf deren Stimme der Hof
zuversichtlich gerechnet hatte, auf die Thr zu gehen. Unter ihnen
befand sich der Kriegszahlmeister Karl Fox, Sohn des Sekretrs beim
Hofmarschallgericht, Sir Stephan Fox. Der Zahlmeister hatte sich durch
seine Freunde berreden lassen, whrend eines Theils der Debatte
hinauszugehen; aber es qulte ihn eine unertrgliche Angst. Er kehrte
daher in das Prsidentenzimmer zurck, hrte einen Theil der Debatte mit
an, entfernte sich dann wieder, und nachdem er eine oder zwei Stunden
zwischen seinem Gewissen und seinem Jahrgehalt von fnftausend Pfund
geschwankt hatte, fate er einen mannhaften Entschlu und eilte gerade
noch zur rechten Zeit, um seine Stimme abzugeben, in den Saal zurck.
Zwei Offiziere von der Armee, der Oberst Johann Darey, Sohn des Lord
Conyers, und der Hauptmann Jakob Kendall, begaben sich ebenfalls ins
Vorzimmer. Middleton ging an die Schranke hinab und setzte sie heftig
zur Rede, wobei er sich vorzugsweise an Kendall wendete, einen
unbemittelten Anhnger des Hofes, der auf Befehl des Knigs von einem
bestochenen Wahlkrper in Cornwall ins Parlament geschickt worden war
und krzlich hundert zur Deportation verurtheilte Rebellen zum Geschenk
erhalten hatte. Sir, fragte Middleton, commandiren Sie nicht eine
Abtheilung Reiterei in Seiner Majestt Diensten? -- Allerdings,
Mylord, antwortete Kendall, aber mein lterer Bruder ist eben
gestorben und hat mir siebenhundert Pfund jhrlich hinterlassen.

    [Anmerkung 20: +Commons' Journals, Nov. 12. 1685+; Leeuwen,
    13.(23.) Nov.; Barillon, 16.(26.) Nov.; +Sir John Bramston's
    Memoirs+. Der beste Bericht ber die Verhandlungen des Hauses der
    Gemeinen vom Nov. 1685 hat eine ziemlich merkwrdige Geschichte.
    Es befinden sich zwei geschriebene Copien davon im Britischen
    Museum (Harl. 7187 & Lansd. 253). In diesen Copien sind die Namen
    der Sprecher ausgeschrieben. Der Verfasser der 1702 erschienenen
    Lebensbeschreibung Jakob's, nahm diesen Bericht auf, gab aber nur
    die Anfangsbuchstaben der Redner an. Die Herausgeber von
    +Chandler's Debates+ und der +Parliamentary History+ riethen von
    diesen Anfangsbuchstaben auf die Namen und riethen zuweilen
    falsch. So schreiben sie eine ausgezeichnete Rede, welche spter
    erwhnt werden wird, Waller zu, whrend sie von Windham, dem
    Abgeordneten von Salisbury, gehalten wurde. Zu meinem Bedauern
    sah ich mich gezwungen, die Meinung aufzugeben, da die letzten
    ffentlich gesprochenen Worte Wallers so ehrenvoll fr ihn waren.]


[_Niederlage der Regierung._] Als die Stimmenzhler ihr Geschft beendet
hatten, ergaben sich hundertzweiundachtzig bejahende und
hundertdreiundachtzig verneinende Stimmen. Also in einem Unterhause,
welches durch gewissenlose Anwendung von Rnken, Bestechungen und
Gewaltmaregeln zusammengebracht war und von dem Jakob gesagt hatte, da
elf Zwlftel der Mitglieder so seien, wie er sie selbst gewhlt haben
wrde, in einem solchen Unterhause erfuhr der Hof in einer Lebensfrage
eine Niederlage[21].

In Folge dieser Abstimmung wurden die Ausdrcke, deren sich der Knig
rcksichtlich des Testes bedient hatte, am 13. November in Erwgung
gezogen. Nach einer langen Discussion wurde beschlossen, ihm eine
Adresse zu berreichen, worin er erinnert werden sollte, da er dem
Gesetze nach hinfro keine Beamten mehr anstellen drfe, welche den
Zulssigkeitseid verweigerten und durch die er zugleich aufgefordert
werden sollte, Verfgungen zu treffen, welche geeignet wren, die
Besorgnisse und das Mitrauen seines Volks zu zerstreuen[22].

Dann wurde der Antrag gestellt, da die Lords ersucht werden sollten,
sich der Adresse anzuschlieen. Ob dieser Antrag ehrlicherweise von der
Opposition gestellt wurde, in der Hoffnung, da der Anschlu der Peers
der Gegenvorstellung mehr Gewicht geben werde, oder ob er
arglistigerweise von der Hofpartei ausging, welche hofften, dadurch
einen Bruch zwischen den beiden Husern herbeizufhren, lt sich nicht
mehr ermitteln. Der Antrag wurde indessen verworfen.[23]

Das Haus constituirte sich hierauf zu einem Comit, um ber den Betrag
des zu bewilligenden Credits zu berathen. Der Knig brauchte
vierzehnhunderttausend Pfund, aber die Minister sahen wohl ein, da sie
eine so groe Summe vergebens fordern wrden. Der Kanzler der
Schatzkammer sprach von zwlfhunderttausend Pfund. Die Hupter der
Opposition erwiederten, da sie durch Bewilligung eine solchen Summe die
bestndige Dauer des gegenwrtigen Militairetats votiren wrden; sie
seien nicht geneigt, mehr zu geben, als hinreiche, um die regulren
Truppen so lange auf dem Kriegsfue zu erhalten, bis die Miliz neu
organisirt werden knne, und schlgen deshalb vierhunderttausend Pfund
vor. Die Hflinge waren entrstet ber diesen Vorschlag, den sie als
unwrdig des Hauses und respectwidrig gegen den Knig bezeichneten; aber
sie stieen auf nachdrcklichen Widerstand. Einer der Abgeordneten aus
dem Westen, Johann Windham, der Salisbury vertrat, zeichnete sich
besonders aus. Er sagte, er habe die stehenden Heere von jeher mit
Besorgni und Widerwillen betrachtet, und neuerdings gemachte
Erfahrungen htten ihn in dieser Ansicht bestrkt. Dann wagte er es, ein
Thema zu berhren, das bis jetzt geflissentlich umgangen worden war. Er
schilderte die traurige Lage der westlichen Grafschaften. Das Volk,
sagte er, sei mde der Bedrckungen durch die Truppen, mde der freien
Einquartierungen, der Rubereien und der noch ruchloseren Vergehen,
welche das Gesetz Felonien nenne, gegen die man aber, wenn sie von
dieser Klasse von Verbrechern begangen wrden, keine Abhlfe erlangen
knne. Die Diener des Knigs htten zwar dem Hause gesagt, da
vortreffliche Verordnungen in Betreff des Benehmens der Armee erlassen
worden seien, allein Niemand knne behaupten, da diese Verordnungen
auch befolgt wrden. Was msse man nothwendig daraus schlieen? Beweise
nicht der Widerspruch zwischen den vterlichen Verordnungen des Thrones
und der unertrglichen Tyrannei der Soldaten, da die Armee schon jetzt
fr den Frsten sowohl als fr das Volk zu stark sei? Die Gemeinen
knnten also sicherlich, ohne sich selbst zu wiedersprechen, ihr volles
Vertrauen in die guten Absichten Seiner Majestt ausdrcken und dennoch
jede Vermehrung einer Armee verweigern, die Seine Majestt offenbar
nicht zu zgeln vermchte.

    [Anmerkung 21: +Common's Journals, Nov. 13. 1685+; +Bramston's
    Memoirs+; +Reresby's Memoirs+; Barillon, 16.(26.) Nov.; Leeuwen,
    13.(23.) Nov.; +Memoirs of Sir Stephen Fox, 1717+; +The Case of
    the Church of England fairly stated+; +Burnet I. 666+, und
    Prsident Onslow's Note.]

    [Anmerkung 22: +Commons' Journals, Nov. 1685+; +Harl. MS. 7187+;
    +Lansd. MS. 253.+]

    [Anmerkung 23: Der Widerspruch zwischen den Zeugnissen ber diesen
    Gegenstand ist auffallend und nach reiflicher Erwgung mu ich
    gestehen, da sie einander die Wage zu halten scheinen. In Jakob's
    Lebensbeschreibung (1702) wird der Antrag als vom Hofe ausgegangen
    dargestellt, und diese Ansicht wird durch eine bemerkenswerthe
    Stelle in den Stuart-Papieren besttigt, welche von dem
    Prtendenten selbst corrigirt wurde. (+Clarke's Life of James the
    Second, II. 55.+) Dagegen stellen Reresby, der anwesend war, und
    Barillon, der gut unterrichtet sein konnte, den Antrag als von der
    Opposition ausgegangen dar. Die Harley- und Lansdowne-Manuscripte
    differiren gerade in dem einzigen Worte, auf das Alles ankommt.
    Bramston war leider an jenem Tage nicht in der Sitzung. Jakob Van
    Leeuwen erwhnt zwar des Antrags und der Abstimmung, setzt aber
    kein Wort hinzu, das auf den Stand der Parteien das mindeste Licht
    werfen knnte. Auch mu ich gestehen, da ich nicht im Stande bin,
    aus den Namen der Stimmenzhler, Sir Joseph Williamson und Sir
    Franz Russell fr die Majoritt, Lord Ancram und Sir Heinrich
    Goodricke fr die Minoritt, einen irgend zuverlssigen Schlu zu
    ziehen. Ich mchte es fr wahrscheinlich halten, da Lord Ancram
    mit dem Hofe und Sir Heinrich Goodricke mit der Opposition
    gegangen sind.]


[_Zweite Niederlage der Regierung._] Der Antrag, da die zu bewilligende
Summe vierhunderttausend Pfund nicht bersteigen solle, fiel mit zwlf
Stimmen durch. Dieser Sieg der Minister war jedoch nicht viel besser als
eine Niederlage. Die Hupter der Vaterlandspartei, durchaus nicht
entmuthigt, zogen sich ein wenig zurck, hielten dann wieder Stand und
schlugen siebenhunderttausend Pfund vor. Das Comit schritt zur
Abstimmung und die Hofpartei wurde mit zweihundertzwlf Stimmen gegen
hundertsiebzig geschlagen[24].

    [Anmerkung 24: +Commons' Journals, Novbr. 16, 1685+; +Harl. MS.
    7187+; +Lansd. MS. 235.+]


[_Der Knig giebt den Gemeinen einen Verweis._] Am folgenden Tage
begaben sich die Gemeinen mit ihrer Adresse in Bezug auf den Test in
Prozession nach Whitehall. Der Knig empfing sie auf dem Throne. Die
Adresse war in ehrerbietiger und herzlicher Sprache abgefat, denn die
groe Mehrheit Derer, die dafr gestimmt hatten, war eifrig und sogar
aberglubisch loyal und hatte schon zur Einflechtung einiger
schmeichelhaften Redensarten und zur Vermeidung jedes von den Hflingen
fr anstig gehaltenen Wortes bereitwilligst ihre Zustimmung gegeben.
Jakob's Antwort war ein kalter und mrrischer Verweis. Er sprach sein
entschiedenes Mifallen und Erstaunen aus, da die Gemeinen die
Ermahnungen, die er ihnen gegeben, so wenig bercksichtigt htten. Doch
was Sie auch thun mgen, setzte er hinzu, ich werde alle Ihnen
gegebenen Versprechungen unverbrchlich halten.[25]

Mivergngt, aber auch ein wenig eingeschchtert, versammelten sich die
Gemeinen wieder in ihrer Kammer. Fr die meisten von ihnen war der Knig
noch immer ein Gegenstand kindlicher Verehrung. Drei weitere Jahre voll
Ungerechtigkeiten und voll Beleidigungen, welche noch krnkender waren
als Ungerechtigkeiten, reichten kaum hin, das Band zu zerreien, welches
die Kavaliergentry an den Thron fesselte.

Der Sprecher wiederholte den wesentlichen Inhalt der kniglichen
Antwort. Es trat eine feierliche Stille ein, dann wurde, wie gewhnlich,
die Tagesordnung verlesen und das Haus bildete sich zum Comit behufs
der Berathung der Bill wegen Reorganisation der Miliz.

    [Anmerkung 25: +Commons' Journals, Nov. 17, 18. 1685.+]


[_Coke wird wegen Verletzung der dem Knige schuldigen Achtung von den
Gemeinen mit Gefngnistrafe belegt._] In wenigen Stunden aber lebte der
Oppositionsgeist wieder auf. Als gegen das Ende der Sitzung der Sprecher
seinen Stuhl wieder eingenommen hatte, stellte Wharton, der khnste und
thtigste der Whigs, den Antrag, da ein Tag bestimmt werden solle, um
die Antwort Seiner Majestt in Erwgung zu ziehen. Johann Coke,
Abgeordneter fr Derby, untersttzte Wharton, obgleich er ein bekannter
Tory war. Ich hoffe, sagte er, da wir alle Englnder sind und uns
durch einige hohe Worte nicht von unsrer Pflicht zurckschrecken lassen
werden.

Das war mnnlich, aber nicht klug gesprochen. Das ganze Haus gerieth in
strmische Aufregung. Schreibt seine Worte nieder! Vor die Barre!
In den Tower! erscholl es von allen Seiten. Die Nachsichtigsten
schlugen vor, dem Beleidiger einen Verweis zu geben; die Minister aber
bestanden mit Heftigkeit darauf, da er in Haft geschickt werden solle.
Das Haus, sagte er, mge Beleidigungen gegen sich selbst verzeihen, habe
aber nicht das Recht, eine Beleidigung der Krone zu vergeben. Coke wurde
in den Tower geschickt. Die bereilung eines Einzelnen zerstrte das
ganze von den Huptern der Opposition so geschickt entworfene
Operationssystem. Umsonst versuchte es in diesem Augenblicke Eduard
Seymour, seine Anhnger wieder zu sammeln, forderte sie auf, einen Tag
zur Berathung ber die knigliche Antwort zu bestimmen und sprach die
zuversichtliche Erwartung aus, die Discussion werde mit derjenigen
Achtung gefhrt werden, welche Unterthanen ihrem Herrscher schuldig
seien. Die Mitglieder waren durch das Mifallen des Knigs so sehr
eingeschchtert und ber Coke's Rcksichtslosigkeit so aufgebracht, da
eine Abstimmung nicht rathsam gewesen wre[26].

Das Haus vertagte sich und die Minister schmeichelten sich mit der
Hoffnung, da der Geist der Opposition bezwungen sei. Aber am
nchstfolgenden Tage, dem 19. November, zeigten sich neue beunruhigende
Symptome. Die Zeit war gekommen, um die aus allen Theilen Englands
eingegangenen Petitionen gegen die letzten Wahlen in Erwgung zu ziehen.
Als Seymour sich in der ersten Zusammenkunft des Parlaments ber die
Gewalt und Hinterlist beschwert, wodurch die Regierung die Wahlkrper in
dem freien Ausdrucke ihrer Meinung behindert habe, hatte er keine
Untersttzung gefunden. Viele aber, welche damals von seiner Seite
gewichen waren, hatten sich spter ein Herz gefat und hatten mit Johann
Lowther, dem Abgeordneten von Cumberland, an der Spitze, vor dem
Auseinandergehen auf Untersuchung der Mibruche angetragen, welche das
Volk so heftig aufgeregt htten. Jetzt war das Haus in einer viel
mimuthigeren Stimmung und es erhoben sich zahlreiche Stimmen mit khnen
Drohungen und Anklagen. Man sagte den Ministern, die Nation erwarte
krftige Abhlfe und werde sie erlangen. Inzwischen wurde geschickt
darauf hingedeutet, da die beste Genugthuung, welche ein durch
ordnungswidrige Mittel ins Parlament gewhlter Gentleman dem Publikum
geben knne, darin bestehe, da er seine bel erworbene Macht zur
Verteidigung der Religion und der Freiheiten seines Vaterlandes anwende.
Kein Mitglied, das in dieser Krisis seine Pflicht thue, habe etwas zu
frchten. Es knne sein, da man ihm seinen Sitz im Hause vorenthalten
msse, aber der ganze Einflu der Opposition werde dann aufgeboten
werden, um seine Wiedererwhlung durchzusetzen.[27]

    [Anmerkung 26: +Commons' Journals, Nov. 18. 1685+; +Harl. MS.
    7187+; +Lansd. MS. 253+; +Burnet I. 667.+]

    [Anmerkung 27: +Lonsdale's Memoirs.+ Burnet sagt uns (I. 667), da
    nach Coke's Verhaftung im Hause der Gemeinen eine heftige Debatte
    ber die Wahlen stattgefunden habe. Dies mu also am 19. November
    gewesen sein, denn Coke wurde am Abend des 18. in den Tower
    geschickt und am 20. wurde das Parlament prorogirt. Burnet's
    Angabe wird auch durch die Protokolle besttigt, aus denen
    hervorgeht, da am 19. ber mehrere Wahlen debattirt wurde.]


[_Opposition gegen die Regierung im Hause der Lords. Der Earl von
Devonshire._] An dem nmlichen Tage zeigte es sich auch klar, da der
Oppositionsgeist sich von den Gemeinen in das Haus der Lords und selbst
bis auf die Bank der Bischfe verbreitet hatte. Wilhelm Cavendish, Earl
von Devonshire, stellte sich im Oberhause an die Spitze, und er war ganz
dazu geeignet. In Reichthum und Einflu stand er keinem andren
englischen Edelmanne nach, und er galt allgemein fr den feinsten
Gentleman seiner Zeit. Seine Prachtliebe, sein ausgezeichneter
Geschmack, seine Talente, seine klassische Bildung, seine Hochherzigkeit
und sein liebenswrdiges, herablassendes Benehmen wurden selbst von
seinen Feinden anerkannt; leider aber konnten seine Lobredner nicht
behaupten, da seine Sittlichkeit von der damals so weit verbreiteten
Ansteckung frei geblieben sei. Obwohl ein Feind des Papismus und der
willkrlichen Gewalt, hegte er doch eine entschiedene Abneigung gegen
jede berstrzung, war, als die Ausschlieungsbill fiel, zu einem
Vergleiche bereit gewesen und hatte sich nie an den gesetzwidrigen und
bereilten Plnen betheiligt, welche die Whigpartei in einen so blen
Geruch gebracht hatten. Aber wenn er auch das Verfahren seiner Freunde
zum Theil mibilligte, so erfllte er deshalb doch mit gewissenhaftem
Eifer die schwierigsten und gefhrlichsten Pflichten der Freundschaft.
Er hatte neben Russell an den Schranken gestanden, hatte an dem
schauerlichen Morgen der Hinrichtung mit innigen Umarmungen und unter
heien Thrnen von ihm Abschied genommen und sich sogar erboten, ihm mit
Gefahr seines eignen Lebens zur Flucht zu verhelfen.[28] Dieser groe
Edelmann trug jetzt darauf an, da ein Tag zur Berathung ber die
Thronrede festgesetzt werden sollte. Auf der andren Seite wurde
behauptet, die Lords htten sich durch ihr Dankvotum fr die Thronrede
bereits jede Mglichkeit, Beschwerden dagegen zu erheben, abgeschnitten.
Aber dieser Einwand wurde von Halifax mit Verachtung zurckgewiesen.
Solche Dankesbezeigungen, sagte er mit dem sarkastischen Scherze,
durch den er sich auszeichnete, schlieen keine Billigung in sich. Wir
sind unsrem gndigen Herrn und Gebieter stets dankbar, wenn er mit uns
zu sprechen geruht, und ganz besonders dankbar sind wir ihm, wenn er,
wie im vorliegenden Falle, gerade heraus spricht und uns offen sagt, was
wir zu gewrtigen haben.[29]

    [Anmerkung 28: +Burnet, I. 560+; +Funeral Sermon of the Duke of
    Devonshire, preached by Kennet, 1708+; +Travels of Cosmo III. in
    England.+]

    [Anmerkung 29: +Bramston's Memoirs+. Burnet irrt sich sowohl in
    der Zeit, wo diese Bemerkung gemacht wurde, als auch in der
    Person, von der sie herrhrt. In Halifax' Brief an einen Dissenter
    findet sich eine interessante Anspielung auf diese Discussion.]


[_Der Bischof von London._] Doctor Heinrich Compton, Bischof von
London, sprach nachdrcklich zu Gunsten des Antrags. Obgleich dieser
Mann nicht mit ausgezeichneten Fhigkeiten begabt, noch in seinen
Berufswissenschaften grndlich bewandert war, so wurde er doch stets
mit Ehrerbietung von dem Hause angehrt, denn er war einer der wenigen
Geistlichen jener Zeit, die sich adeligen Blutes rhmen konnten. Er
selbst und seine ganze Familie hatten ausgezeichnete Beweise ihrer
Loyalitt gegeben. Sein Vater, der zweite Earl von Northumberland, hatte
fr Knig Karl I. tapfer gefochten und war, von Parlamentssoldaten
umzingelt, mit dem Schwerte in der Hand gefallen, weil er sich weigerte,
Pardon zu geben oder anzunehmen. Der Bischof selbst hatte vor seiner
Ordination in der Garde gedient, und obgleich er sich im Allgemeinen
nach Krften bemhte, die einem Prlaten ziemende Wrde und Ruhe zu
bewahren, so zuckten doch gelegentlich einige Blitze seines
militairischen Geistes hervor. Er hatte die religise Erziehung der
beiden Prinzessinnen geleitet und diese wichtige Aufgabe in einer Weise
gelst, die alle guten Protestanten zufrieden stellte und ihm einen
bedeutenden Einflu auf die Gemther seiner Zglinge, namentlich der
Prinzessin Anna sicherte. Jetzt erklrte er, er sei ermchtigt, die
Gesinnung seiner Amtsbrder auszusprechen und ihrer wie seiner eignen
Ansicht nach sei die ganze brgerliche und kirchliche Verfassung des
Reiches in Gefahr.[30]

    [Anmerkung 30: +Wood, Ath. Ox.+; +Gooch's Funeral Sermon on Bishop
    Compton.+]


[_Viscount Mordaunt._] Eine der merkwrdigsten Reden jenes Tages wurde
von einem jungen Manne gehalten, dessen excentrische Laufbahn spter
ganz Europa in Erstaunen setzen sollte. Es war Karl Mordaunt, Viscount
von Mordaunt, viele Jahre spter weit und breit bekannt als Earl von
Peterborough. Er hatte schon zahlreiche Beweise seines Muthes, seiner
Befhigung und jener sonderbaren Verschrobenheit des Geistes gegeben,
durch welche sein Muth und seine Fhigkeiten fr sein Vaterland vllig
nutzlos wurden. Schon hatte er sich als Schngeist und Gelehrter, als
Soldat und als Seemann ausgezeichnet, und er hatte sich sogar
vorgenommen, mit Bourdaloue und Bossuet in die Schranken zu treten.
Obgleich ein erklrter Freidenker, hatte er doch auf der See ganze
Nchte durchwacht, um Predigten auszuarbeiten, und war nur mit groer
Mhe daran gehindert worden, die Mannschaft eines Kriegsschiffes durch
seine frommen Vortrge zu erbauen.[31] Er sprach jetzt zum ersten Male
mit der ihm eigenen Beredsamkeit, Lebhaftigkeit und Keckheit zu den
Lords. Er tadelte die Gemeinen, da sie nicht khner aufgetreten seien.
Sie haben nicht den Muth gehabt, mit der Sprache herauszugehen, sagte
er. Sie haben von Besorgnissen und Mitrauen gesprochen. Was haben
Besorgni und Mitrauen hiermit zu thun? Besorgni und Mitrauen sind
Gefhle, mit denen wir zuknftigen und noch ungewissen beln
entgegensehen. Das bel aber, mit dem wir es hier zu thun haben, ist
weder ein zuknftiges, noch ein ungewisses. Ein stehendes Heer existirt,
und es ist von Papisten befehligt. Wir haben keinen auswrtigen Feind,
auch keinen Aufstand im Lande. Wozu wird also diese Streitmacht anders
unterhalten als zu dem Zwecke, unsere Gesetze umzustoen und jene
Willkrherrschaft einzufhren, welche die Englnder mit Recht
verabscheuen?[32]

Jeffreys sprach gegen den Antrag in der rohen und gemeinen Sprache, in
der er Meister war; aber er berzeugte sich bald, da es nicht so leicht
war, die stolzen und mchtigen Barone Englands in ihrem eigenen Saale
einzuschchtern, als Advokaten, deren Existenz von seiner Gunst abhing,
und Gefangene, deren Kopf in seiner Gewalt war, niederzudonnern. Ein
Mann, der sein ganzes Leben damit hingebracht hat, anzugreifen und zu
dominiren, spielt in der Regel eine jmmerliche Figur, wenn er mit
energischem Nachdruck angegriffen wird, mgen seine Talente und sein
Muth noch so gro sein, denn da er nicht gewohnt ist, sich vertheidigen
zu mssen, wird er verlegen, und das Bewutsein, da Alle, die er
gekrnkt und beleidigt hat, sich ber seine Verlegenheit freuen,
verwirrt ihn immer mehr. Jeffreys wurde jetzt zum ersten Male, seit er
ein groer Mann war, auf gleichem Fue von Gegnern angegriffen, die ihn
nicht frchteten. Zum allgemeinen Ergtzen sprang er pltzlich vom
hchsten bermuth zur tiefsten Erniedrigung ber und konnte sich nicht
enthalten, aus Wuth und rger zu weinen.[33] Es fehlte in der That
nichts zu seiner Demthigung, denn das Haus war mit etwa hundert Peers
gefllt, eine grere Anzahl, als selbst an dem hochwichtigen Tage der
Ausschlieungsbill abgestimmt hatten. Auch der Knig war anwesend. Sein
Bruder pflegte seiner Zeit den Sitzungen der Lords zum Vergngen
beizuwohnen und sagte oft, eine parlamentarische Debatte sei eben so
unterhaltend wie eine Komdie. Jakob kam jedoch nicht, um sich zu
amsiren, sondern in der Hoffnung, da die Discussion durch seine
Anwesenheit in den Schranken der Migung zurckgehalten werden wrde.
Er sah sich aber getuscht. Das Haus sprach seine Meinung so krftig
aus, da die Hflinge nach einer beraus khnen Schlurede von Halifax
es nicht wagten, eine Abstimmung zu verlangen. Einer der nchsten Tage
wurde zur Erwgung der Thronrede festgesetzt und der Wunsch
ausgesprochen, da jeder nicht zu weit von Westminster entfernt wohnende
Peer auf seinem Platze sein mchte.[34]

    [Anmerkung 31: +Teonge's Diary.+]

    [Anmerkung 32: Barillon giebt uns die beste Auskunft ber diese
    Debatte. Ich will seinen Bericht ber Mordaunt's Rede hier im
    Auszuge anfhren. +Milord Mordaunt, quoique jeune, parla avec
    loquence et avec force. Il dit que la question n'toit pas
    rduite, comme la Chambre des Communes le prtendoit,  gurir des
    jalousies et dfiances, qui avoient lieu dans les choses
    incertaines; mais que ce qui se passoit ne l'toit pas, qu'il y
    avoit une arme sur pied qui subsistoit, et qui toit remplie
    d'officiers Catholiques, qui ne pouvoit tre conserve, que pour
    le renversement des loix, et que la subsistance de l'arme, quand
    il n'y a aucune guerre ni au dedans ni au dehors, toit
    l'tablissement du gouvernement arbitraire, pour lequel les
    Anglois ont une aversion si bien fonde.+]

    [Anmerkung 33: Er war sehr leicht zu Thrnen zu rhren. Wenn er
    khn angegriffen wurde, sagt der Verfasser der +Panegyric+, kann
    er sich der Thrnen nicht enthalten. An einer andren Stelle heit
    es: Man spricht immer von seinem trotzigen und anmaenden Wesen;
    konnte ein so hochstehender Mann seine Demuth besser beweisen als
    durch Weinen und Schluchzen? In der Antwort auf die Lobrede wird
    gesagt: Der Umstand, da er seine Thrnen nicht zurckhalten
    konnte, machte ihn unfhig zum Heuchler.]

    [Anmerkung 34: +Lords' Journals, Nov. 19. 1685+; Barillon, 23.
    Nov. (3. Dec.); Hollndische Depesche vom 20.(30.) Nov.;
    +Luttrell's Diary, Nov. 19.+; +Burnet, I. 665.+ Halifax'
    Schlurede wird von dem Nuntius in seiner Depesche vom 16.(26.)
    Nov. erwhnt. Etwa einen Monat spter stellt Adda dem Talent
    Halifax' ein glnzendes Zeugni aus: +Da questo uomo che ha gran
    credito nel parlamento, e grande eloquenza, non si possono
    attendere che fieri contradizioni, e nel partito Regio non vi  un
    uomo da contrapporsi.+ 21.(31.) Dec.]


[_Prorogation des Parlaments._] Am folgenden Morgen kam der Knig in
seinen Staatskleidern in das Haus der Lords. Der Thrsteher mit dem
schwarzen Stabe beschied die Gemeinen vor die Schranken und der Kanzler
kndigte ihnen an, da das Parlament bis zum 10. Februar prorogirt
sei.[35] Die Mitglieder, welche gegen den Hof gestimmt hatten, wurden
aus dem Staatsdienste entlassen; Karl Fox ward seines Zahlmeisteramtes
enthoben; der Bischof von London hrte auf, Dechant der kniglichen
Kapelle zu sein und wurde aus der Liste der Geheimen Rthe gestrichen.

Durch diese Prorogation wurde ein Proze von der hchsten Wichtigkeit
beendigt. Thomas Grey, Earl von Stamford, der Sprosse eines der
vornehmsten Huser Englands, war unlngst unter einer auf Hochverrath
lautenden Anklage verhaftet und im Tower in strenges Gewahrsam gebracht
worden. Er war der Betheiligung an dem Ryehousecomplot angeklagt. Die
groe Jury der City von London hatte die Anklage begrndet gefunden und
sie vor die Schranken der Lords gebracht, der einzige Gerichtshof, bei
dem ein weltlicher Peer whrend der Parlamentssession wegen eines
Verbrechens, das ber einem gewhnlichen Vergehen steht, angeklagt
werden kann. Der 1. December war zur Verhandlung anberaumt und schon
Befehl gegeben, da Westminster mit Sitzen und Behngen versehen werden
sollte. In Folge der Prorogation aber wurde dieser Proze auf
unbestimmte Zeit vertagt und Stamford erlangte bald seine Freiheit
wieder.[36]

Auerdem waren beim Schlusse der Session noch drei andere hochangesehene
Whigs in Haft. Karl Gerard, Lord Gerard von Bramdon, der lteste Sohn
des Earl von Macclesfield, Johann Hampden, Enkel des berhmten Fhrers
des Langen Parlaments, und Heinrich Booth, Lord Delamere. Gerard und
Hampden waren der Theilnahme an dem Ryehousecomplot, Delamere der
Untersttzung des Aufstandes im Westen angeklagt.

    [Anmerkung 35: +Lords'+ und +Commons' Journals, Nov. 20. 1685.+]

    [Anmerkung 36: +Lords' Journals. Nov. 11, 17, 18. 1685.+]


[_Proze Lord Gerard's und Hampden's._] Es war nicht die Absicht der
Regierung, Gerard oder Hampden mit dem Tode zu bestrafen. Grey hatte
sich Schonung ihres Lebens ausbedungen, ehe er einwilligte, als Zeuge
gegen sie aufzutreten.[37] Aber man hatte einen noch gewichtigeren
Grund, um Nachsicht gegen sie zu ben. Sie waren die Erben groer
Besitzungen, aber ihre Vter lebten noch. Der Hof konnte daher durch
Confiscation sehr wenig gewinnen, um so mehr aber durch Auflegung eines
Lsegeldes. Gerard wurde verhrt, und nach den drftigen Nachrichten,
welche auf uns gekommen sind, scheint er sich mit viel Geist und
Nachdruck vertheidigt zu haben. Er berief sich auf die Anstrengungen und
Opfer, die seine Familie zu Gunsten Karl's I. aufgewendet habe und
bewies, da Rumsey durchaus keinen Glauben verdiene, da er Russell und
Cornish durch zwei ganz von einander abweichende Aussagen gemordet habe.
Die Jury gab nach einigem Zgern ihr Schuldig ab. Nach langer Haft
durfte Gerard sich loskaufen.[38] Hampden hatte die politische Meinung
und einen groen Theil der Fhigkeiten seines Grovaters geerbt, in
Betreff der Biederkeit und des Muthes aber, durch welche Letzterer sich
ausgezeichnet hatte, war er aus der Art geschlagen. Man lie den
Gefangenen mit raffinirter Grausamkeit lange in qulender Ungewiheit,
um seine Familie zur Bezahlung einer groen Summe fr seine Begnadigung
zu bewegen. Die bestndige Todesangst hatte seinen Muth vllig
gebrochen, und als er vor den Schranken der Old Bailey erschien,
bekannte er sich nicht nur fr schuldig, sondern entehrte auch seinen
berhmten Namen durch kriechende Unterwrfigkeit und demthige Bitten.
Er versicherte, da er in den Mordplan nicht eingeweiht gewesen sei,
gestand aber, da er Revolutionsideen gehegt habe, uerte tiefe Reue
ber sein Vergehen, erflehte die Frsprache der Richter und gelobte,
da, wenn die knigliche Gnade ihm zu Theil wrde, er whrend seines
ganzen Lebens seine Dankbarkeit fr diese groe Gte an den Tag legen
wolle. Die Whigs waren emprt ber seinen Kleinmuth und erklrten laut,
da er weit mehr Tadel verdiene als Grey, der, obgleich er als
Knigszeuge aufgetreten sei, doch einen gewissen Anstand dabei
beobachtet habe. Hampden's Leben wurde geschont, aber seine Familie
bezahlte dem Kanzler mehrere Tausend Pfund, und einige Hflinge niederen
Ranges erpreten kleinere Summen von ihm. Der unglckliche Mann hatte
noch Ehrgefhl genug, um die Erniedrigung, zu der er sich herabgelassen,
schmerzlich zu empfinden. Er berlebte den Tag seiner Schande mehrere
Jahre. Er lebte noch so lange, um seine Partei triumphiren zu sehen,
noch einmal ein einflureiches Mitglied derselben zu werden, eine hohe
Stellung im Staate einzunehmen und seine Verfolger vor sich zittern zu
sehen. Aber sein Glck wurde durch eine qulende Erinnerung verbittert.
Er erlangte nie seinen heiteren Sinn wieder und starb endlich von seiner
eignen Hand.[39]

    [Anmerkung 37: +Burnet, I. 646.+]

    [Anmerkung 38: +Bramston's Memoirs+; +Luttrell's Diary.+]

    [Anmerkung 39: Der Proze in der +Collection of State Trials+;
    +Bramston's Memoirs+; +Burnet, I. 647+; +Lords' Journals, Dec. 20.
    1689.+]


[_Delamere's Proze._] Es ist nicht sehr wahrscheinlich, da Delamere
die knigliche Gnade erlangt haben wrde, wenn er ihrer bedurft htte.
Soviel ist wenigstens gewi, da jeder Vortheil, den der Buchstabe des
Gesetzes der Regierung gewhrte, ohne Bedenken und ohne Scham gegen ihn
benutzt wurde. Er befand sich in einer ganz andren Lage als Stamford.
Die Anklage gegen Letzteren war whrend der Parlamentssession vor die
Schranken der Lords gebracht worden und konnte daher vor dem
Wiederzusammentritt des Parlaments nicht weiter verfolgt werden; dann
konnten alle Peers ihre Stimmen abgeben, um sowohl ber das Rechtliche
als ber das Thatschliche zu entscheiden. Delamere's Anklage aber war
erst nach der Prorogation als begrndet erkannt worden.[40] Er stand
daher unter der Jurisdiction des Gerichtshofes des Lordgrorichters.
Dieser Gerichtshof, welcher, so lange das Parlament nicht versammelt
ist, ber alle von weltlichen Peers begangenen Kapitalverbrechen
(+treasons and felonies+) zu erkennen hat, war damals so
zusammengesetzt, da kein Gefangener, der eines politischen Vergehens
angeklagt war, ein unparteiisches Urtel zu erwarten hatte. Der Knig
ernannte den Lordgrorichter und dieser ernannte nach seinem Gutdnken
gewisse Peers, welche ber ihren angeklagten Collegen richten sollten.
Die Zahl derselben war unbestimmt und eine Appellation gegen ihren
Ausspruch nicht statthaft. Eine einfache Majoritt, vorausgesetzt, da
sie aus zwlf Personen bestand, gengte zur Schuldigerklrung. ber die
Rechtsfrage entschied nur der Lordgrorichter, und die beisitzenden
Lords bildeten eine bloe Jury, die ber den Thatbestand zu entscheiden
hatte. Jeffreys wurde zum Lordgrorichter ernannt. Er whlte dreiig
Peers und seine Wahl war fr den Mann wie fr seine Zeit bezeichnend.
Alle Dreiig waren entschiedene politische Gegner des Gefangenen.
Fnfzehn davon waren Regimentsobersten und konnten vom Knige nach
Belieben ihres eintrglichen Commando's enthoben werden. Unter den
brigen Fnfzehn befanden sich der Lordschatzmeister, der erste
Staatssekretr, der Obersthofmeister, der Haushofmeister, der Hauptmann
der kniglichen Leibgarde, der Kammerherr der Knigin und andere
Personen, welche durch starke Bande des Interesses an den Hof geknpft
waren. Dessenungeachtet hatte Delamere einige groe Vortheile ber die
untergeordneteren Angeklagten, welche vor die Old Bailey gefordert
waren. Hier waren die Geschwornen heftige Parteignger, welche von
hfischen Sheriffs auf einen Tag aus der Masse der Gesellschaft genommen
wurden, um sogleich darauf wieder unter dieser Masse zu verschwinden,
durch keine Rcksichten des Schamgefhls gebunden, und da sie wenig
daran gewhnt waren, Beweise sorgfltig zu erwgen, so folgten sie
unbedenklich den Weisungen der Richter. Beim Gerichtshofe des
Lordgrorichters dagegen war jeder beisitzende Lord ein Mann von einiger
Geschftserfahrung. Jeder von ihnen nahm eine hohe Stellung in der
Gesellschaft ein, jeder mute einzeln aufstehen und vor einem
zahlreichen Zuhrerkreise auf Ehre und Gewissen sein Urtheil abgeben,
und dieses Urtheil wurde mit seinem Namen versehen, der ganzen Welt
bekannt gemacht und lebte in der Geschichte fort. Dazu kam noch, da,
obgleich die ausgewhlten Adeligen smmtlich Tories und fast
durchgehends ffentliche Beamte waren, doch schon viele von ihnen
angefangen hatten, mit Besorgni die Schritte des Knigs zu betrachten
und zu frchten, da sie wohl bald in den nmlichen Fall kommen knnten
wie Delamere.

Jeffreys benahm sich wie gewhnlich bermthig und ungerecht. Allerdings
hatte er einen alten Groll, der seinen Eifer aufstachelte. Er war
Oberrichter von Chester gewesen, als Delamere, damals Mr. Booth, diese
Grafschaft im Parlamente vertrat. Booth hatte sich bei den Gemeinen
bitter beschwert, da die theuersten Interessen seiner Whler einem
trunkschtigen Narren anvertraut seien.[41] Der rachschtige Richter
schmte sich nun nicht, Kunstgriffe zu Hlfe zu nehmen, die selbst bei
einem gewhnlichen Advokaten strafbar gewesen wren. Er erinnerte die
beisitzenden Lords in sehr bezeichnender Sprache daran, da Delamere im
Parlamente sich der Verurtheilungsbill gegen Monmouth widersetzt habe,
eine Beschuldigung, die weder bewiesen war, noch bewiesen werden konnte.
Doch Jeffreys war nicht der Mann, der eine Versammlung von Peers
einschchtern konnte, wie er gewhnliche Geschworne einzuschchtern
pflegte. Der Beweis fr die Krone wrde auf der Rundreise im Westen oder
in den Assisenverhandlungen der City wahrscheinlich fr vollkommen
gengend erachtet worden sein, konnte aber nicht einen Augenblick
Mnnern imponiren wie Rochester, Godolphin und Churchill, die berdies
auch, bei allen ihren Fehlern, noch nicht so verdorben waren, da sie
den einfachsten Regeln der Gerechtigkeit zuwider einen Nebenmenschen
htten zum Tode verurtheilen knnen. Grey, Wade und Goodenough wurden
als Zeugen vorgefhrt, konnten aber nur das wiederholen, was sie
Monmouth und Wildman's Emissren hatten sagen hren. Der Hauptzeuge fr
die Anklage, ein Schurke, Namens Saxton, der an dem Aufstande Theil
genommen hatte, und sich jetzt bemhte, seine Begnadigung zu erlangen,
indem er gegen alle der Regierung miliebige Personen eidliches Zeugni
ablegte, war durch eine Menge unverwerflicher Beweise berfhrt, eine
Reihe von Lgen ausgesagt zu haben. Smmtliche beisitzende Lords, von
Churchill an, der als jngster Baron zuerst sprach, bis hinauf zu dem
Lordschatzmeister, erklrten bei ihrer Ehre, da Delamere nicht schuldig
sei. Der Ernst und das Geprnge des ganzen Gerichtsverfahrens machte
selbst auf den Nuntius, der an die Ceremonien Roms gewhnt war, welche
an Feierlichkeit und Glanz Alles bertreffen, was die brige Welt
aufweisen kann, einen tiefen Eindruck.[42] Der Knig, welcher anwesend
war und gegen ein so offenbar gerechtes Urtheil nichts einwenden konnte,
gerieth in Wuth gegen Saxton und gelobte, da der Schurke zuerst wegen
Meineids vor Westminsterhall an den Pranger gestellt und dann in den
Westen geschickt werden solle, um wegen Verraths gehngt, gcschleift und
geviertheilt zu werden.[43]

    [Anmerkung 40: +Lords' Journals, Nov. 9, 10, 16. 1685.+]

    [Anmerkung 41: Siehe ber die Verderbtheit der Richter in Lord
    Delamere's Werken, 1694.]

    [Anmerkung 42: +Fa una funzione piena di gravit, di ordine, e di
    gran speciosit.+ Adda vom 15.(25.) Jan. 1686.]

    [Anmerkung 43: Der Proze in der +Collection of State Trials+.
    Leeuwen, 15.(25.) und 19.(29.) Januar 1686.]


[_Eindruck seiner Freisprechung._] Die Freude des Publikums ber
Delamere's Freisprechung war gro. Die Schreckensherrschaft war also
vorber, die Unschuldigen begannen wieder freier zu athmen und die
falschen Anklger zu zittern. Einen bei dieser Gelegenheit geschriebenen
Brief kann man kaum lesen, ohne zu Thrnen gerhrt zu werden. Russell's
Wittwe erfuhr in ihrer Abgeschiedenheit die frohe Nachricht mit
verschiedenartigen Gefhlen. Ich danke Gott, schrieb sie, da er dem
Blutvergieen in diesem unglcklichen Lande Einhalt gethan hat. Aber
whrend ich mich mit den Frhlichen freuen sollte, suche ich einen
einsamen Winkel auf, um darin zu weinen. Ich fhle, da ich keiner
Freude mehr fhig bin, denn jeder neue Umstand, und gerade die
Vergleichung meiner kummervollen Nacht nach solch' einem Tage, mit ihren
Tagen der Freude, zerreit mein gebrochenes Herz, ich mag die Sache
betrachten, von welcher Seite ich will. Obwohl ich weit entfernt bin,
ihren Tagen ein Ende zu wnschen, wie das der meinigen, so kann ich doch
nicht umhin, es zuweilen zu beklagen, da das meinige nicht war wie das
ihrige.[44]

Jetzt trat ein entscheidender Wendepunkt ein. Der Tod Stafford's, den
das gemeine Volk, dessen Wuth er geopfert worden war, mit uerungen der
innigsten Theilnahme und Reue angesehen hatte, bezeichnet das Ende der
einen Proscription, die Freisprechung Delamere's bezeichnet das Ende der
andren. Die Verbrechen, welche Shaftesbury's strmisches Tribunat
geschndet hatten, waren furchtbar geshnt, das Blut unschuldiger
Papisten war mehr als zehnfltig durch das Blut eifriger Protestanten
gercht. Auch eine andre groe Reaction hatte begonnen. Die Parteien
erfuhren eine schnelle Umgestaltung, alte Verbndete trennten sich und
alte Feinde verbanden sich. Unzufriedenheit verbreitete sich rasch durch
alle Reihen der unlngst noch herrschenden Partei; eine allerdings noch
schwache und unbestimmte Hoffnung auf Sieg und Rache beseelte die andre,
welche kurz zuvor schon vernichtet zu sein schien. Unter solchen
Umstnden ging das ereignivolle und sturmbewegte Jahr 1685 zu Ende und
das Jahr 1686 begann.

    [Anmerkung 44: Lady Russell an +Dr.+ Fitzwilliam vom 15. Jan.
    1686.]


[_Parteien am Hofe._] Die Prorogation hatte den Knig von den sanften
Vorstellungen der beiden Huser befreit, aber er mute noch andere
Vorstellungen anhren, welche hnliches bezweckten, wenn sie auch in
einem noch vorsichtigeren und unterwrfigeren Tone ausgesprochen wurden.
Einige Mnner, die ihm mit einem nur zu groen, ihrem eigenen Rufe wie
dem ffentlichen Wohle nachtheiligen Eifer gedient hatten, begannen von
schlimmen Ahnungen ergriffen zu werden und wagten es bei Gelegenheit,
einen kleinen Theil ihrer Gefhle schwach anzudeuten.


[_Stimmung der protestantischen Tories._] Seit vielen Jahren waren der
Eifer des englischen Tory fr die erbliche Monarchie und sein Eifer fr
die Staatskirche nebeneinander aufgewachsen und hatten sich gegenseitig
gekrftigt. Nie war es ihm in den Sinn gekommen, da diese beiden
unzertrennlich und sogar identisch scheinenden Gefhle sich eines Tages
nicht nur als verschieden, sondern sogar als unvertrglich erweisen
knnten. Seit dem Beginn des Streites zwischen den Stuarts und den
Gemeinen waren die Sache der Krone und die Sache der Hierarchie allem
Anscheine nach Eins gewesen. Die Kirche hatte Karl I. als ihren Mrtyrer
betrachtet. Wenn Karl II. gegen sie complottirt hatte, so hatte er es
nur im Geheimen gethan. ffentlich hatte er sich stets als ihren
dankbaren und ergebenen Sohn erklrt, hatte an ihren Altren gekniet und
es war ihm bei aller seiner Sittenlosigkeit gelungen, der groen Masse
ihrer Anhnger einzureden, da er eine aufrichtige Vorliebe fr sie
hege. Welche Kmpfe der ehrliche Kavalier daher auch gegen Whigs und
Rundkpfe zu bestehen gehabt hatte, er war bisher wenigstens nicht durch
Kmpfe in seiner eigenen Brust beunruhigt worden. Er hatte den Pfad der
Pflicht klar vor sich gesehen. Er mute im Glck wie im Unglck der
Kirche und dem Knige treu bleiben. Wenn nun aber diese beiden erhabenen
und ehrwrdigen Mchte, welche bisher so eng mit einander verbunden zu
sein schienen, da wer der einen treu war, der andren nicht untreu
werden konnte, durch tdtliche Feindschaft getrennt wurden, welchen Weg
sollte dann der orthodoxe Royalist gehen? Konnte es eine schwerere
Prfung fr ihn geben, als die ihm dann bevorstehende: zwischen zwei
gleich heiligen Pflichten, zwischen zwei gleich starken Sympathien hin
und her geworfen zu werden? Wie sollte er dem Kaiser geben was des
Kaisers war, ohne Gott einen Theil dessen zu entziehen, was Gottes war?
Wer diese Gefhle hegte, konnte den Streit zwischen dem Knige und dem
Parlamente in der Testfrage nicht ohne tiefe Betrbni und dstere
Ahnungen verfolgt haben. Wenn Jakob wenigstens jetzt noch bewogen werden
konnte, sein Verfahren zu berlegen, die Huser wieder einzuberufen und
sich ihren Wnschen zu fgen, so konnte noch Alles gut gehen.

Dies waren die Gedanken zweier Verwandten des Knigs, der Earls von
Clarendon und von Rochester. Die Macht und die Gunst dieser beiden
Edelleute schienen in der That gro zu sein. Der jngere Bruder war
Lordschatzmeister und Premierminister, der ltere war, nachdem er einige
Monate das Geheimsiegel verwahrt hatte, zum Lordlieutenant von Irland
ernannt worden. Der ehrwrdige Ormond trat auf die nmliche Seite.
Middleton und Preston, welche als Fhrer des Hauses der Gemeinen
neuerdings aus Erfahrung gelernt hatten, wie theuer die Staatskirche der
loyalen Gentry Englands war, stimmten ebenfalls fr gemigte
Beschlsse.

Gleich zu Anfang des neuen Jahres erfuhren diese Staatsmnner und die
groe Partei, die sie reprsentirten, eine tiefe Krnkung. Da der
verstorbene Knig im Herzen ein Katholik gewesen, war zwar seit einigen
Monaten vermuthet und leise angedeutet, aber doch noch nicht frmlich
angekndigt worden. Allerdings mute diese Erffnung auch groes
rgerni erregen. Karl hatte sich unzhlige Male fr einen Protestanten
erklrt und hatte das Abendmahl stets von Bischfen der Staatskirche
empfangen. Diejenigen Protestanten, die im Unglck treu zu ihm gehalten
und ihm noch immer ein liebevolles Andenken bewahrten, muten mit Scham
und Unwillen erfllt werden, wenn sie erfuhren, da sein ganzes Leben
eine Lge gewesen war, da er, whrend er vorgab, ihrem Bunde
anzugehren, in Wirklichkeit sie als Ketzer betrachtete, und da die
Demagogen, die ihn als einen verkappten Papisten dargestellt, die
Einzigen gewesen waren, die seinen Character richtig beurtheilt hatten.
Selbst Ludwig begriff den Stand der ffentlichen Meinung Englands
hinreichend, um einzusehen, da die Enthllung der Wahrheit schaden
knne und hatte daher aus eigenem Antriebe versprochen, Karl's bertritt
streng geheim zu halten.[45] So lange Jakob's Macht noch neu war, hatte
er es fr rathsam gehalten, in diesem Punkte vorsichtig zu sein, und es
nicht gewagt, seinen Bruder nach dem Gebrauche der rmischen Kirche
begraben zu lassen. Eine Zeit lang stand es daher einem Jeden frei, zu
glauben, was er wollte. Die Papisten nahmen den verewigten Frsten als
ihren Proselyten in Anspruch, die Whigs verwnschten ihn als einen
Heuchler und Renegaten, die Tories hielten das Gercht von seinem Abfall
fr eine Verleumdung, deren Verbreitung aus verschiedenen Grnden im
gemeinschaftlichen Interesse der Papisten und der Whigs lag.

    [Anmerkung 45: Ludwig an Barillon, 10.(20.) Febr. 1685/86.]


[_Verffentlichung hinterlassener Papiere Karl's II._] Jakob that nun
einen Schritt, der die ganze anglikanische Partei bestrzt machte. In
Karl's Cassette hatten sich zwei Aufstze gefunden, in denen in
gedrngter Krze die Grnde entwickelt waren, welche die Katholiken in
ihrer Polemik gegen die Protestanten geltend zu machen pflegten, und sie
waren als von Karl eigenhndig geschrieben erkannt worden. Diese Papiere
zeigte Jakob triumphirend mehreren Protestanten und erklrte, da seines
Wissens sein Bruder als Katholik gelebt habe und gestorben sei.[46]
Einer der Mnner, denen die Handschriften vorgelegt wurden, war der
Erzbischof Sancroft. Er las sie tief bewegt und sagte nichts. Dieses
Stillschweigen war einzig und allein die natrliche Wirkung eines
Kampfes zwischen Respect und Verdru. Jakob aber glaubte, der Primas sei
vor der unwiderstehlichen Gewalt der angefhrten Grnde verstummt und
forderte Se. Gnaden dringend auf, mit Hlfe der ganzen Bischofsbank eine
befriedigende Antwort zu entwerfen. Legen Sie mir eine grndliche, in
schicklichem Tone gehaltene Antwort vor, sagte er, und sie kann die
von Ihnen so sehr gewnschte Wirkung haben, mich zum bertritt in den
Schoo Ihrer Kirche zu bestimmen. Der Erzbischof entgegnete gelassen,
da seiner Meinung nach eine solche Antwort leicht zu schreiben sei,
lehnte aber die Polemik unter dem Vorwande der Ehrfurcht vor dem
Gedchtni seines entschlafenen Gebieters ab. Diesen Grund hielt der
Knig fr die Ausflucht eines geschlagenen Disputanten.[47] Wre er mit
der polemischen Literatur der letzten hundertfnfzig Jahre vertraut
gewesen, so wrde er gewut haben, da die Aufstze, auf die er so
groes Gewicht legte, von jedem fnfzehnjhrigen Knaben des Gymnasiums
von Douay htten verfat werden knnen, und da sie nichts enthielten,
was nach der berzeugung aller protestantischen Geistlichen nicht schon
zehntausendmal widerlegt und entkrftet war. In seinem unwissenden
Enthusiasmus befahl er, da diese Abhandlungen mit der prchtigsten
typographischen Ausstattung gedruckt werden sollten, und fgte
denselben, eine durch seine eigenhndige Unterschrift bekrftigte
Erklrung bei, da die Originale von seines Bruders eigener Hand seien.
Er vertheilte die ganze Auflage unter seine Hflinge und unter die
geringeren Leute, die sich um seinen Wagen drngten. Ein Exemplar
schenkte er einem jungen Frauenzimmer niederen Standes, von der er
glaubte, da sie seine religise berzeugung theile, und versicherte
sie, da sie durch die Lectre hchlich erbaut und getrstet werden
wrde. Zum Lohn fr seine Gte berreichte sie ihm einige Tage darauf
einen Brief, durch den sie ihn beschwor, das mystische Babylon zu
verlassen und den Becher der Hurerei von seinen Lippen zu stoen.[48]

    [Anmerkung 46: +Evelyn's Diary, Oct. 2. 1685.+]

    [Anmerkung 47: +Clarke's Life of James the Second, II. 9. Orig.
    Mem.+]

    [Anmerkung 48: Leeuwen, vom 1.(11.) und 12.(22.) Jan. 1686. So
    lang und abgeschmackt der Brief auch war, hielt man ihn doch fr
    werth, als ein Zeichen der Zeit den Generalstaaten bersandt zu
    werden.]


[_Stimmung der achtungswerthen Katholiken._] Diese Dinge machten die der
Staatskirche angehrenden Tories sehr besorgt; nicht weniger unzufrieden
damit war der achtungswerthere Theil des katholischen Adels. Es wre in
der That zu entschuldigen gewesen, wenn die Leidenschaft sie bei dieser
Gelegenheit taub gemacht htte gegen die Stimme der Klugheit und
Gerechtigkeit, denn sie hatten viel gelitten. Die Eifersucht der
Protestanten hatte sie des Ranges entsetzt, zu dem sie geboren waren,
hatte den Erben von Baronen, welche die Magna Charta unterzeichnet die
Thren des Parlamentshauses verschlossen, hatte das Commando ber eine
Compagnie Infanterie als einen zu hohen Posten fr die Nachkommen von
Generlen erklrt, welche bei Flodden und Saint-Quentin gesiegt hatten.
Es gab kaum einen dem alten Glauben anhngenden vornehmen Peer, dessen
Ehre, Vermgen und Leben nicht in Gefahr gewesen wre, der nicht Monate
lang im Tower zugebracht, der nicht oft das Schicksal Stafford's fr
sich selbst gefrchtet htte. Mnnern, die so lange und so herzlos
unterdrckt worden waren, htte man es wohl verzeihen knnen, wenn sie
die erste Gelegenheit, um zu gleicher Zeit Ansehen zu erlangen und Rache
zu ben, begierig ergriffen htten. Aber weder Fanatismus, noch Ehrgeiz,
weder der Groll wegen frher erlittenen Unrechts, noch der durch
pltzliches Glck verursachte Rausch konnte den ausgezeichnetsten
Katholiken die Einsicht nehmen, da das Glck, dessen sie sich endlich
erfreuten, nur vorbergehend war und da es ihnen verderblich werden
knnte, wenn sie nicht einen weisen Gebrauch davon machten. Schmerzliche
Erfahrungen hatten sie belehrt, da die Abneigung der Nation gegen ihren
Glauben nicht eine bloe Laune sei, die der Befehl eines Frsten
vertreiben knne, sondern vielmehr ein tiefwurzelndes Gefhl, das
Erzeugni von fnf Generationen, durch alle Klassen und Parteien
verbreitet und mit den Grundstzen der Tories nicht minder eng
verflochten, als mit denen der Whigs. Allerdings lag es in der Macht des
Knigs, durch Ausbung seines Begnadigungsrechts die Wirkung des
Strafgesetzes zu suspendiren. Es konnte ihm durch behutsames Verfahren
mit der Zeit gelingen, vom Parlamente die Aufhebung der Gesetze zu
erwirken, welche die Bekenner seines Glaubens fr nicht zulssig zu
ffentlichen mtern erklrten. Aber wenn er es versuchte, die
protestantische Gesinnung Englands durch rohe Gewaltmittel zu ersticken,
so lie sich leicht voraussehen, da dem heftigen Drucke auf eine so
starke und elastische Feder ein eben so heftiger Rckschlag folgen
werde. Durch voreilige Versuche, den Weg in den Geheimen Rath und in das
Haus der Lords zu erzwingen, konnten die katholischen Peers ihre
Schlsser und ihre groen Besitzungen verlieren und in die Lage kommen,
da sie ihr Leben als Verrther auf Towerhill oder als Bettler an den
Thren italienischer Klster enden muten.

So dachte Wilhelm Herbert, Earl von Powis, welcher damals allgemein als
das Haupt der rmisch-katholischen Aristokratie betrachtet wurde und
der, nach Oates' Aussage, fr den Fall des Gelingens der papistischen
Verschwrung zum Premierminister bestimmt war. Johann Lord Bellasyse
hatte ganz die nmliche Ansicht von der Sache. Er hatte in seiner Jugend
tapfer fr Karl I. gefochten, war nach der Restauration mit hohen
Ehrenstellen und Commandos belohnt worden und hatte diese nach Erlassung
der Testacte niedergelegt. Mit diesen ausgezeichneten Fhrern stimmten
alle vornehmsten und reichsten Mitglieder ihrer Kirche berein,
ausgenommen Lord Arundell von Wardour, ein alter Mann, der schon anfing
kindisch zu werden.


[_Cabale heftiger Katholiken._] Es gab jedoch am Hofe eine kleine Anzahl
Katholiken, an deren Herzen vergangene Unbill nagte, denen ihre
neuerliche Erhebung den Kopf verrckt hatte, die es nicht erwarten
konnten, die hchsten Ehrenstufen im Staate zu erklimmen und denen der
Gedanke an einen Tag der Wiedervergeltung wenig Sorge machte, da sie
nicht viel zu verlieren hatten.


[_Castelmaine._] Einer von diesen war Roger Palmer, Earl von Castelmaine
in Irland, Gemahl der Herzogin von Cleveland. Es war notorisch, da er
seinen Titel mit seiner eignen und seiner Gemahlin Entehrung erkauft
hatte. Er besa nur ein unbedeutendes Vermgen und sein von Natur
unfreundlicher Character war durch husliche Zwistigkeiten, durch
ffentliche Vorwrfe und durch die in den Tagen des papistischen
Complots erduldeten Leiden noch mehr verbittert worden. Nachdem er lange
in Gefangenschaft zugebracht, war ihm endlich der Proze auf Tod und
Leben gemacht worden. Zu seinem Glck wurde er erst als die Wuth des
Volks sich einigermaen gelegt hatte und der Credit der falschen Zeugen
erschttert war, vor Gericht gestellt. So war er mit knapper Noth dem
Tode entgangen.[49]

    [Anmerkung 49: Siehe seinen Proze in der +Collection of State
    Trials+ und sein 1681 gedrucktes merkwrdiges Manifest.]


[_Jermyn._] Mit Castelmaine eng befreundet war einer der bevorzugtesten
von den hundert Liebhabern seiner Frau, Heinrich Jermyn, den Jakob
krzlich mit dem Titel Lord Dover zum Peer erhoben hatte. Jermyn hatte
sich vor mehr als zwanzig Jahren durch seine Liebeshndel und
verzweifelten Duelle ausgezeichnet, war jetzt durch das Spiel zu Grunde
gerichtet und strebte eifrig danach, seinen zerrtteten Finanzen durch
eintrgliche Stellen, von denen ihn das Gesetz ausschlo, wieder
aufzuhelfen.[50]

    [Anmerkung 50: +Mmoires de Grammont+; +Pepys's Diary, Aug. 19.
    1662+; Bonrepaux an Seignelay, 1.(11.) Febr. 1686.]


[_White._] Zu der nmlichen Partei gehrte ein rnkevoller
unternehmender Irlnder, Namens White, der viel im Auslande zugebracht,
dem Hause sterreich als ein Zwitterding von Gesandten und Spion gedient
hatte und fr seine Dienste mit dem Titel eines Marquis von Albeville
belohnt worden war.[51]

    [Anmerkung 51: Bonrepaux an Seignelay, 1.(11.) Febr. 1686.]


[_Tyrconnel._] Bald nach der Prorogation erhielt diese verwegene Partei
eine wichtige Verstrkung. Richard Talbot, Earl von Tyrconnel, der
Heftigste und Unbeugsamste von Allen, welche die Freiheiten und die
Religion Englands haten, kam von Dublin am Hofe an. Talbot stammte aus
einer alten normnnischen Familie, die lange in Leinster ansssig
gewesen, dort in Verfall gerathen war, die Sitten der Celten angenommen
hatte, gleich diesen der alten Religion anhing und sich bei dem
Aufstande von 1641 denselben angeschlossen hatte. In seiner Jugend war
er einer der bekanntesten Schwindler und Raufbolde Londons gewesen. Als
Karl und Jakob in Flandern in der Verbannung lebten, war er ihnen als
ein Mann vorgestellt worden, der zu dem abscheulichen Dienste, den
Protector zu ermorden, geschickt und bereit war. Bald nach der
Restauration versuchte es Talbot, durch einen noch schndlicheren Dienst
die Gunst der kniglichen Familie zu erlangen. Man bedurfte eines
Vorwandes, um den Herzog von York deshalb zu rechtfertigen, da er das
Eheversprechen brach, durch welches er von Anna Hyde den hchsten Beweis
von weiblicher Liebe erlangt hatte. Talbot unternahm es in Verbindung
mit einigen seiner ausschweifenden Genossen, einen solchen Vorwand zu
liefern. Es wurde verabredet, die junge Dame als ein Geschpf ohne
Tugend, Scham und Ehrgefhl darzustellen und einen langen Roman von
zrtlichen Zusammenknften und heimlichen Gunstbezeigungen zu erdichten.
Talbot insbesondere erzhlte, wie er bei einem seiner heimlichen Besuche
so unglcklich gewesen sei, das Dintenfa des Kanzlers ber einen Sto
von Papieren zu schtten und wie geschickt sie der Entdeckung dadurch
vorgebeugt habe, da sie die Schuld an dem Unfalle auf ihren Affen
schob. Diese Geschichten, die, selbst wenn sie wahr gewesen wren, nur
ber die Lippen des gemeinsten Menschen htten kommen knnen, waren
reine Erfindungen. Talbot war auch bald genthigt, dies einzugestehen,
und er that es ohne zu errthen. Die verleumdete Dame wurde Herzogin von
York. Wre ihr Gemahl ein wirklich rechtschaffener und ehrenwerther Mann
gewesen, so wrde er die Schurken, die sie verleumdet hatten, mit
Entrstung und Verachtung aus seiner Nhe verbannt haben. Aber es war
eine characteristische Eigenheit Jakob's, da er eine auch noch so
schndliche und gemeine Handlung nicht fr verwerflich hielt, wenn sie
in der Absicht begangen war, seine Gunst zu gewinnen. Talbot hatte nach
wie vor Zutritt bei Hofe, erschien tglich mit frecher Stirn vor der
Frstin, die er hatte ins Verderben strzen wollen und erhielt bald den
eintrglichen Posten eines Hauptkupplers ihres Gemahls. Nicht lange
darauf wurde Whitehall pltzlich durch die Nachricht erschreckt, da
Dick Talbot, wie er gewhnlich genannt wurde, einen Plan zur Ermordung
des Herzogs von Ormond geschmiedet habe. Der Bravo wurde in den Tower
geschickt, aber schon nach wenigen Tagen stolzirte er wieder in den
Galerien umher und befrderte Briefchen zwischen seinem Gebieter und den
schamlosesten Hoffruleins. Vergebens drangen ergraute und besonnene
Rathgeber in die kniglichen Brder, diesen abscheulichen Menschen nicht
zu begnstigen, dessen einzige Empfehlung sein einnehmendes uere und
sein guter Geschmack in der Kleidung sei; Talbot war nicht nur
willkommen im Palaste, wenn die Flasche oder der Wrfelbecher die Runde
machten, sondern er wurde auch in Staatsangelegenheiten aufmerksam
angehrt. Er spielte die Rolle eines irischen Patrioten und vertheidigte
mit groer Unverschmtheit und zuweilen mit Erfolg die Sache seiner
Landsleute, deren Vermgen confiscirt worden war, lie sich aber
jederzeit seine Dienste gut bezahlen und erwarb sich theils durch den
Handel mit seinem Einflusse, theils durch das Spiel, theils durch
Kuppelei ein Vermgen von dreitausend Pfund jhrlicher Einknfte. Denn
unter dem ueren Scheine des Leichtsinns, der Verschwendung, der
Sorglosigkeit und der malosesten Unverschmtheit, war er der feilste
und schlaueste Mensch, den es geben konnte. Jetzt war er nicht mehr jung
und bte mit schweren krperlichen Leiden die Ausschweifungen seiner
Jugend; aber weder Alter noch Krankheit hatten eine wesentliche nderung
in seinem Character und in seinen Sitten hervorgebracht. So oft er den
Mund ffnete, tobte, fluchte und schwur er noch immer mit so rasender
Heftigkeit, da flchtige Beobachter ihn fr den unbndigsten Wstling
hielten. Der groe Haufe begriff nicht, da ein Mann, der selbst im
nchternen Zustande sich prahlerischer und wthender geberdete, als
Andere in der Trunkenheit, und der vollkommen unfhig zu sein schien,
irgend eine Gefhlsregung zu verbergen oder ein Geheimni zu bewahren,
in der Wirklichkeit ein kaltherziger, weitsehender und wohlberechnender
Speichellecker sein knne. Gleichwohl war Talbot solch ein Mensch. Seine
Heuchelei war von weit hherer und seltenerer Art als die, welche in
Barebone's Parlament florirt hatte. Denn nicht Derjenige ist ein
vollendeter Heuchler, der seine Lasterhaftigkeit hinter einem Schein von
Tugend zu verbergen wei, sondern Der, welcher das Laster, das er sich
nicht scheut offen zur Schau zu tragen, als Larve zur Verhllung
schwrzerer und eintrglicherer Laster benutzt, welche zu verbergen in
seinem Interesse liegt.

Nachdem Talbot von Jakob zum Earl von Tyrconnel erhoben war, hatte er
whrend der neun Monate zwischen dem Tode Karl's und dem Beginn der
Lordstatthalterschaft Clarendon's die Truppen in Irland befehligt. Als
der neue Lordlieutenant im Begriff war, sich von London nach Dublin zu
begeben, wurde der General von Dublin nach London berufen. Dick Talbot
war lange Zeit wohlbekannt gewesen auf dem ganzen Wege, den er
zurckzulegen hatte; es gab zwischen Chester und der Hauptstadt kein
Gasthaus, in welchem er nicht Hndel gehabt htte. Wohin er kam, prete
er dem Gesetze zum Hohn Pferde, fluchte ber die Kche und Postillone,
und veranlate durch seine unverschmten Rodomontaden fast Auflufe. Die
Reformation, sagte er zu dem Volke, habe Alles ruinirt, aber es wrden
schon wieder gute Zeiten kommen, die Katholiken wrden bald wieder
obenauf sein und dann sollten die Ketzer fr Alles bezahlen. So
unaufhrlich tobend und lsternd wie ein Besessener kam er am Hofe
an.[52] Sobald er angelangt war, verband er sich auf das Engste mit
Castelmaine, Dover und Aldeville. Diese Leute schrieen einstimmig nach
Krieg gegen die Kirchen- und Staatsverfassung. Sie sagten ihrem
Gebieter, da er es seiner Religion und der Wrde seiner Krone schuldig
sei, sich durch das Geschrei der ketzerischen Demagogen nicht irre
machen zu lassen und dem Parlament gleich anfangs zu verstehen zu geben,
da er trotz aller Opposition der Herr zu bleiben gedenke und die
Opposition nichts Andres bewirken werde, als ihn zu einem harten Herrn
zu machen.

    [Anmerkung 52: +Mmoires de Grammont+; +Life of Edward, Earl of
    Clarendon+; Correspondenz Heinrich's Earl von Clarendon an
    mehreren Stellen, besonders der Brief vom 29. Dec. 1685; Sheridan
    Mspte. unter den Stuart-Papieren; Ellis' Correspondenz vom 12.
    Jan. 1686.]


[_Gesinnung der fremden Gesandten._] Jede der beiden Parteien, in die
der Hof gespalten war, hatte eifrige auslndische Verbndete. Die
Gesandten Spaniens, des deutschen Reichs und der Generalstaaten waren
jetzt eben so eifrig bemht, Rochester zu untersttzen, wie sie frher
Halifax untersttzt hatten. Barillon bot seinen ganzen Einflu in
entgegengesetzter Richtung auf, und er wurde darin von einem im Range
unter ihm stehenden, in Talenten aber ihm weit berlegenen andren
franzsischen Agenten untersttzt: von Bonrepaux. Barillon war zwar
nicht ohne diplomatische Befhigung und besa in hohem Grade die
Liebenswrdigkeit und die feine Bildung, durch die sich der damalige
franzsische Adel auszeichnete. Aber sein Verstand war den Anforderungen
seines wichtigen Postens nicht gewachsen. Er war phlegmatisch und bequem
geworden, liebte gesellige Vergngungen und Tafelfreuden mehr als die
Geschfte und entwickelte bei wichtigen Vorgngen gewhnlich erst dann
eine energische Thtigkeit, wenn er Ermahnungen und selbst Verweise aus
Versailles erhalten hatte.[53] Bonrepaux hatte sich durch die Umsicht
und Thtigkeit, die er als Sekretr bei der Marineverwaltung gezeigt,
aus der Dunkelheit emporgeschwungen und er galt fr eingeweiht in die
Geheimnisse der Handelspolitik. Zu Ende des Jahres 1685 wurde er mit
mehreren besonderen Auftrgen von hoher Wichtigkeit nach London
geschickt. Er sollte einen Handelsvertrag anbahnen, sollte den Zustand
der englischen Flotten und Werfte ermitteln und darber berichten, und
endlich den hugenottischen Flchtlingen, von denen man voraussetzte, sie
wrden durch Mangel und Verbannung so zahm geworden sein, da sie fast
jede Bedingung der Wiederausshnung dankbar annehmen wrden, gewisse
Vorschlge machen. Der neue Gesandte war plebejischen Ursprungs, seine
Gestalt war zwergartig, sein Gesicht lcherlich hlich und sein Dialect
der seiner gascognischen Heimath; aber sein heller Verstand, sein
seltener Scharfblick und sein witziger Geist befhigten ihn ganz
vorzglich fr seinen Posten. Trotz seiner niederen Herkunft und seines
abstoenden ueren war er sehr bald als ein hchst angenehmer
Gesellschafter und gewandter Diplomat bekannt. Whrend er mit der
Herzogin von Mazarin scherzte, mit Waller und St. Evremond
wissenschaftliche Fragen errterte und mit La Fontaine correspondirte,
wute er sich eine genaue Kenntni der englischen Staatsangelegenheiten
zu erwerben. Seine Geschicklichkeit im Seewesen empfahl ihn Jakob, der
schon seit vielen Jahren den Geschften der Admiralitt eine groe
Aufmerksamkeit zugewendet hatte und diese Geschfte so gut verstand, als
er berhaupt etwas zu verstehen fhig war. Sie unterhielten sich Tag fr
Tag offen ber den Zustand der Schiffe und der Werfte. Das Resultat
dieses intimen Verkehrs war, wie es sich erwarten lie, da der kluge
und wachsame Franzose Jakob's Fhigkeiten und Character grndlich
verachten lernte. Er sagte, die Welt habe seine Grobritannische
Majestt weit berschtzt, denn sie besitze weniger Befhigung und nicht
mehr Tugenden als Karl.[54]

Obgleich die beiden Gesandten Ludwig's den nmlichen Zweck verfolgten,
so schlugen sie doch wohlweislich verschiedene Wege ein. Sie theilten
sich in den Hof; Bonrepaux verkehrte hauptschlich mit Rochester und
dessen Umgebungen, Barillon stand namentlich mit der entgegengesetzten
Partei in Verbindung. Die Folge davon war, da sie zuweilen das nmliche
Ereigni von verschiedenen Gesichtspunkten betrachteten. Die besten
Aufschlsse, die es ber den Streit giebt, welcher damals Whitehall
bewegte, findet man in ihren Depeschen.

    [Anmerkung 53: Siehe seine sptere Correspondenz an mehreren
    Stellen; St. Evremond desgl.; die Briefe der Frau von Svign zu
    Anfang des Jahres 1689. Auch vergleiche man die Instructionen fr
    Tallard nach dem Frieden von Ryswick, in den franzsischen
    Archiven.]

    [Anmerkung 54: Memoiren St. Simon's, 1697, 1719; St. Evremond; La
    Fontaine; Bonrepaux an Seignelay, 28. Jan. (7. Febr.) und 8.(18.)
    Febr. 1686.]


[_Spaltung zwischen dem Papste und der Gesellschaft Jesu._] Wie jede der
beiden Parteien am Hofe Jakobs an auswrtigen Frsten eine Sttze hatte,
so wurde auch jede von ihnen durch eine kirchliche Autoritt, vor der
Jakob groe Achtung hatte, untersttzt. Der Papst war fr ein
gesetzliches und gemigtes Verfahren und die Organe seiner Ansichten
waren der Nuntius und der apostolische Vikar.[55] Auf der andren Seite
stand eine Krperschaft, deren Gewicht sogar dem Gewichte des Papstthums
gleichkam: der mchtige Jesuitenorden.

Da sich bei dieser Gelegenheit diese beiden groen geistlichen Mchte,
welche einst untrennbar verbunden zu sein schienen, feindlich
gegenberstanden, ist ein sehr wichtiger und bemerkenswerther Umstand.
Whrend eines Zeitraums von mehr als tausend Jahren war die
Ordensgeistlichkeit die Hauptsttze des heiligen Stuhles gewesen. Dieser
Stuhl hatte sie gegen bischfliche Einmischung beschtzt und den ihnen
gewhrten Schutz hatten sie reichlich vergolten. Ohne ihre Anstrengungen
wre der Bischof von Rom wahrscheinlich nur das Ehrenoberhaupt einer
groen Prlaten-Aristokratie gewesen. Mit Hlfe der Benedictiner war
Gregor VII. im Stande, zu gleicher Zeit die frnkischen Kaiser und die
weltliche Priesterschaft zu bekmpfen. Mit Hlfe der Dominikaner und
Franziskaner vernichtete Innocenz III. die albigensischen Sectirer.

    [Anmerkung 55: Adda, 16.(26.) Nov., 7.(17.) Dec. und 21.(31.) Dec.
    1685. Adda giebt in diesen Depeschen gewichtige Grnde fr einen
    Vergleich durch Abschaffung der Strafgesetze und Beibehaltung des
    Eides. Er nennt den Streit mit dem Parlamente eine +gran
    disgrazia+, und deutet wiederholt an, der Knig habe durch ein
    verfassungsgemes Verfahren fr die Katholiken viel erlangen
    knnen, der Versuch aber, ihre Lage durch gesetzwidrige Mittel zu
    verbessern, werde wahrscheinlich groes Unheil ber sie bringen.]


[_Der Jesuitenorden._] Im sechzehnten Jahrhundert wurde das Papstthum,
das damals von neuen und furchtbareren Gefahren als je zuvor bedroht
war, durch einen neuen religisen Orden gerettet, der mit glhender
Begeisterung erfllt und mit auerordentlichem Geschick organisirt war.
Als die Jesuiten zur Rettung des Papstthums erschienen, schwebte es in
der grten Gefahr, aber von diesem Augenblicke an wendete sich das
Glck. Der Protestantismus, der whrend eines ganzen Menschenalters
Alles mit sich fortgerissen hatte, wurde in seinem Fortschreiten
gehemmt, und mit reiender Schnelligkeit vom Fue der Alpen bis an die
Ksten der Ostsee zurckgetrieben. Der Orden bestand noch keine hundert
Jahre, so hatte er schon die ganze Welt mit Denkmalen groer Thaten und
Leiden fr den Glauben erfllt. Keine religise Gemeinschaft konnte eine
Liste so mannigfach ausgezeichneter Mnner aufweisen, keine andre hatte
das Feld ihrer Thtigkeit zu solchem Umfange erweitert und doch hatte in
keiner jemals eine so vollkommene Einheit des Denkens und Handelns
geherrscht. Es gab keine Gegend des Erdballs, kein Gebiet des
wissenschaftlichen oder praktischen Lebens, auf dem nicht Jesuiten zu
finden waren. Sie leiteten die Beschlsse der Knige; sie entzifferten
lateinische Inschriften; sie beobachteten die Bahnen der Trabanten des
Jupiter; sie gaben ganze Bibliotheken heraus: Polemik, Casuistik,
Geschichte, Werke ber Optik, alcische Oden, Ausgaben der Kirchenvter,
Madrigals, Katechismen und Libelle. Die hhere Erziehung der Jugend fiel
fast ausschlielich in ihre Hnde und wurde von ihnen mit
ausgezeichnetem Geschick geleitet. Sie hatten genau den Punkt entdeckt,
bis zu welchem man mit der geistlichen Bildung gehen kann, ohne geistige
Emancipation frchten zu mssen. Selbst ihre Feinde muten zugestehen,
da sie in der Kunst, das jugendliche Gemth zu leiten und zu bilden
nicht ihres Gleichen hatten. Daneben pflegten sie auch mit groem Eifer
und Erfolg die Kanzelberedtsamkeit. Mit noch grerem Eifer und noch
grerem Erfolge aber widmeten sie sich dem Dienste des Beichtstuhls.
Durch das ganze katholische Europa waren sie im Besitz der Geheimnisse
jeder Regierung und fast jeder hochstehenden Familie. Unter zahllosen
Gestalten, als elegante Kavaliere, als einfache Landleute und als
puritanische Prediger, schlichen sie aus einem protestantischen Lande in
das andre. Sie wanderten nach Lndern, zu deren Erforschung weder
merkantilische Habsucht noch wissenschaftliche Neugierde je einen
Fremden veranlat hatte. Man fand sie in Mandarinentracht in Peking als
Aufseher der Sternwarte; man fand sie mit dem Spaten in der Hand in
Paraguay, wo sie den Wilden in den Anfangsgrnden des Ackerbaues
unterrichteten. Doch wo sie auch sein und was sie auch treiben mochten,
ihr Geist war stets und berall der nmliche: unbegrenzte Hingebung fr
die gemeinsame Sache und unbedingter Gehorsam gegen die Centralgewalt.
Keiner von ihnen hatte seinen Aufenthaltsort oder seinen Beruf selbst
gewhlt. Ob der Jesuit unter dem Polarkreis oder unter dem quator
leben, ob er seine Tage damit hinbringen sollte, im Vatikan Gemmen zu
ordnen und Handschriften zu vergleichen, oder damit, die Wilden der
sdlichen Hemisphre zu bitten, da sie einander nicht auffressen
mochten, dies waren Fragen, deren Entscheidung er mit tiefster
Unterwrfigkeit Anderen berlie. Brauchte man ihn in Lima, so schwamm
er mit der nchsten Flotte auf dem Atlantischen Meere; wurde er in
Bagdad gebraucht, so watete er mit der nchsten Karawane durch den Sand
der Wste. Bedurfte man seiner Dienste in einem Lande, wo sein Leben
unsicherer war als das eines Wolfes, wo es ein Verbrechen war, ihn zu
beherbergen, und wo die auf den ffentlichen Pltzen aufgesteckten Kpfe
und Glieder seiner Brder ihm sagten, was er zu gewrtigen habe, so ging
er ohne Murren und ohne Zaudern seinem Schicksale entgegen. Dieser
heldenmthige Geist der Aufopferung ist noch jetzt nicht erloschen. Als
in unseren Tagen eine neue und furchtbare Seuche die Runde um die Welt
machte, als in mehreren groen Stdten die Furcht alle Bande, die eine
Gesellschaft zusammenhalten, zerrissen, als die weltlichen Geistlichen
ihre Heerden verlassen hatten, als rztlicher Verstand nicht mit Geld zu
erkaufen war und selbst die strksten natrlichen Neigungen der Liebe
zum Leben gewichen waren, fand man den Jesuiten an dem Krankenlager, das
Bischof und Pfarrer, Arzt und Wrterin, Vater und Mutter verlassen
hatten, zu den verpesteten Lippen herabgeneigt, um den schwachen Hauch
der letzten Beichte zu erhaschen und dem verscheidenden bufertigen
Snder das Bild des sterbenden Erlsers bis zum letzten Augenblicke
vorzuhalten.

Aber mit der der Gesellschaft Jesu eigenen bewundernswerthen Energie,
Uneigenntzigkeit und Selbstverleugnung waren groe Fehler vermischt. Es
wurde, und nicht ohne Grund, behauptet, da der glhende Gemeinsinn, der
den Jesuiten gleichgltig gegen seine Ruhe, seine Freiheit und sein
Leben machte, ihn auch eben so gleichgltig gegen Wahrheit und Mitleid
mache, da kein Mittel ihm unerlaubt scheine, wenn es das Interesse
seiner Religion frdern konnte, und da er unter dem Interesse seiner
Religion nur zu oft das Interesse seines Ordens verstehe. Es wurde
behauptet, da seine Mitwirkung bei den abscheulichsten Intriguen und
Verschwrungen, von denen die Geschichte erzhlt, deutlich zu erkennen
sei, da er, nur in der Anhnglichkeit an seine Gesellschaft
unwandelbar, in manchen Lndern der gefhrlichste Feind der Freiheit, in
anderen der gefhrlichste Feind der Ordnung gewesen sei. Die groen
Siege, die er in der Sache der Kirche errungen zu haben sich rhmte,
waren nach der Meinung vieler ausgezeichneter Mitglieder dieser Kirche
mehr scheinbar als wirklich. Er hatte sich zwar mit anscheinend
wundervollem Erfolge bemht, die Welt ihren Gesetzen zu unterwerfen,
aber indem er dies gethan, hatte er zugleich die Gesetze gelockert, um
sie dem Geiste der Welt anzupassen. Anstatt sich zu bestreben, die
menschliche Natur auf die hohe, durch gttliche Lehre und gttliches
Beispiel bezeichnete Stufe zu erheben, hatte er diese Stufe erniedrigt,
bis sie sich unter dem Durchschnittsniveau der menschlichen Natur
befand. Er prahlte mit Massen von Bekehrten, welche in den fernen
Gegenden des Ostens getauft worden waren; aber es wurde berichtet, da
Vielen dieser Bekehrten die Facta, auf die sich die ganze Glaubenslehre
des Evangeliums grndet, arglistig verschwiegen worden seien und da
Andere sich dadurch vor Verfolgung schtzen knnten, da sie vor den
Bildern falscher Gtter niederknieten, whrend sie im Stillen
Paternosters und Ave-Marias beteten. Und solche Kunstgriffe sollten
nicht blos in heidnischen Lndern angewendet worden sein. Es war kein
Wunder, da Leute aller Stnde, und besonders die der hchsten, sich zu
den Beichtsthlen der jesuitischen Tempel drngten, denn Niemand verlie
diese Beichtsthle unbefriedigt. Hier war Allen der Priester Alles. Er
zeigte eben nur so viel Strenge, damit die vor seinem geistlichen
Richterstuhle Knieenden nicht in eine Dominikaner- oder
Franziskanerkirche getrieben wurden. Wenn er ein wahrhaft frommes Gemth
vor sich hatte, sprach er in dem heiligen Tone der ersten Kirchenvter;
aber bei dem sehr groen Theile der Menschen, welche Religion genug
haben, damit sie sich ngstigen, wenn sie etwas Bses gethan haben, aber
nicht genug, um das Bse zu meiden, befolgte er ein ganz andres System.
Da er sie nicht von der Schuld freisprechen konnte, so war es sein
Geschft, sie vor der Reue zu bewahren. Er verfgte ber einen
unerschpflichen Vorrath schmerzstillender Mittel fr verwundete
Gewissen. In den casuistischen Werken, die von seinen Brdern
geschrieben und mit Bewilligung seiner Vorgesetzten gedruckt waren,
fanden sich Trstungen fr Snder jeder Gattung. Der Bankerottirer wurde
belehrt, wie er, ohne eine Snde zu begehen, sein Vermgen vor seinen
Glubigern verheimlichen knne. Der Dienstbote wurde belehrt, wie er,
ohne eine Snde zu begehen, mit dem Silberzeuge seines Herrn durchgehen
knne. Der Kuppler wurde versichert, da ein Christ sich ohne Schuld
seinen Lebensunterhalt verschaffen knne, indem er zwischen einer
verheiratheten Frau und ihren Liebhabern Briefe und Auftrge befolgte.
Der stolze und empfindliche franzsische Edelmann wurde durch eine
Entscheidung zu Gunsten des Zweikampfes beruhigt. Der an eine gemeinere
und mehr im Dunklen schleichende Rache gewhnte Italiener erfuhr zu
seiner Freude, da er, ohne ein Verbrechen zu begehen, aus dem
Hinterhalte auf seinen Feind schieen knne. Dem Betruge war ein
Spielraum gelassen, der gro genug war, um den ganzen Werth menschlicher
Vertrge und menschlichen Zeugnisses zu vernichten. In der That, die
menschliche Gesellschaft hielt nur deshalb noch zusammen, das Leben und
Eigenthum geno nur deshalb noch einige Sicherheit, weil die gesunde
Vernunft und das natrliche Humanittsgefhl die Menschen abhielt, das
zu thun, was sie nach den Versicherungen der Gesellschaft Jesu mit gutem
Gewissen htte thun knnen.

Der Character dieser berhmten Brder war ein wunderliches Gemisch von
Gutem und Bsem und in dieser Mischung lag das Geheimni ihrer
gigantischen Macht. Eine solche Macht htten bloe Heuchler eben so
wenig als strenge Moralisten je erlangen knnen. Sie war nur Mnnern
erreichbar, die fr die Verfolgung eines groen Zieles wahrhaft
begeistert und dabei gewissenlos in der Wahl der Mittel waren.

Anfangs waren die Jesuiten zu besondrem Gehorsam gegen den Papst
verpflichtet gewesen. Es war nicht weniger ihre Aufgabe gewesen, jede
Emprung im Schooe der Kirche zu unterdrcken, als die Angriffe ihrer
erklrten Feinde abzuwehren. Ihre Lehre war im hchsten Grade das, was
diesseits der Alpen ultramontan genannt worden ist und wich von der
Lehre Bossuet's eben so sehr ab, wie von der Lehre Luther's. Sie
verdammten die gallikanischen Freiheiten, den Anspruch cumenischer
Concile auf die Beaufsichtigung des rmischen Stuhles und den Anspruch
der Bischfe auf unabhngigen Auftrag von Oben. Lainez erklrte in
Trient im Namen der ganzen Brderschaft unter dem Beifalle der Creaturen
Pius' IV. und dem Murren der franzsischen und spanischen Prlaten, da
Christus die Herrschaft ber die Glubigen dem Papste allein bertragen
habe, da in dem Papste allein alle priesterliche Autoritt vereinigt
sei und da er allein den Priestern und Bischfen eine geistliche
Autoritt verleihen knne.[56] Viele Jahre lang hatte die Einigkeit
zwischen den Ppsten und dem Orden ungeschwcht fortbestanden. Wre
diese Einigkeit zu der Zeit, als Jakob II. den Thron bestieg, noch nicht
zerrissen gewesen, htten die Jesuiten sowohl als der Papst ihren
Einflu zu Gunsten einer gemigten und verfassungtreuen Politik
aufgeboten, so wrde die groe Revolution, welche in kurzer Zeit die
ganze Gestalt der europischen Angelegenheiten vernderte,
wahrscheinlich nicht stattgefunden haben. Aber schon vor der Mitte des
siebzehnten Jahrhunderts war die auf ihre Dienste stolze und auf ihre
Macht bauende Gesellschaft des Joches berdrssig geworden. Es stand
eine Generation von Jesuiten auf, die lieber von dem franzsischen als
von dem rmischen Hofe Schutz und Leitung annehmen wollte, und diese
Stimmung gewann nicht wenig an Strke, als Innocenz XI. den ppstlichen
Thron bestieg.

Die Jesuiten waren damals in einen erbitterten Kampf gegen einen Feind
verwickelt, den sie anfangs verachtet hatten, endlich aber mit Achtung
und Furcht zu betrachten genthigt worden waren. Gerade als sie sich auf
dem Gipfel des Glcks befanden, wurden sie von einer Handvoll Gegner
herausgefordert, welche zwar keinen Einflu auf die Beherrscher dieser
Welt ausbten, aber stark an religisem Glauben und an geistiger Energie
waren. Es folgte ein langer, denkwrdiger und ruhmvoller Kampf des
Geistes gegen die Macht. Die Jesuiten riefen Kabinette, Tribunale und
Universitten zu ihrem Beistande auf und sie gaben dem Rufe Gehr. Port
Royal appellirte nicht umsonst an die Herzen und an den Verstand von
Millionen. Die Dictatoren der Christenheit sahen sich pltzlich in der
Lage von Angeklagten. Sie wurden beschuldigt, den Mastab der
evangelischen Sittlichkeit systematisch zu dem Zwecke herabgedrckt zu
haben, um ihren eigenen Einflu zu erhhen, und diese Beschuldigung
wurde in einer Weise hingestellt, welche mit einem Male die
Aufmerksamkeit der ganzen Welt fesselte, denn der Hauptanklger war
Blaise Pascal. Er besa Geistesgaben, wie sie selten einem Menschenkinde
verliehen worden sind, und die Heftigkeit seines Feuereifers hatte sich
in grausamen Kasteiungen und Nachtwachen, unter denen sein erschpfter
Leib in ein frhes Grab sank, nur zu wohl erprobt. Sein Geist war der
Geist des heiligen Bernhard, aber die Feinheit seines Witzes, die
Reinheit, Kraft und Einfachheit seiner Rhetorik haben nie ihres Gleichen
gehabt, auer unter den groen Meistern der attischen Beredtsamkeit.
Ganz Europa las und staunte, lachte und weinte. Die Jesuiten versuchten
zu antworten, aber ihre schwachen Entgegnungen wurden vom Publikum mit
Hohngeschrei aufgenommen. Es fehlte ihnen allerdings an keinem der
Talente und an keiner der Fertigkeiten, die dem Menschen durch
ausgezeichneten Unterricht eingelernt werden knnen; aber ein solcher
Unterricht kann wohl die Anlagen gewhnlicher Kpfe entwickeln, das
angeborne Genie aber wird er eher ersticken, als entfalten. Es ward
allgemein anerkannt, da in dem wissenschaftlichen Streite die
Jansenisten den vollstndigsten Sieg davongetragen hatten. Den Jesuiten
blieb nichts weiter brig, als die Secte zu unterdrcken, die sie nicht
widerlegen konnten. Ludwig XIV. war jetzt ihre Hauptsttze; sie hatten
seine berzeugungen von Jugend auf nach ihren Willen geleitet und er
hatte von ihnen gelernt, den Jansenismus eben so sehr wie den
Protestantismus und noch weit mehr als den Atheismus zu verabscheuen.
Innocenz XI. dagegen neigte sich zu den jansenistischen Ansichten. Die
Folge von dem Allen war, da sich die Gesellschaft Jesu in einer Lage
erblickte, an die ihre Grnder nie gedacht hatten. Die Jesuiten waren
dem Papste entfremdet und eng verbunden mit einem Frsten, der sich zum
Beschtzer der gallikanischen Freiheiten und zum Feinde der
ultramontanen Forderungen erklrte. So wurde der Orden in England ein
Werkzeug fr Ludwig's Plne und arbeitete mit einem Erfolge, den die
Katholiken nachher lange und bitter bereuten, darauf hin, die Kluft
zwischen dem Knige und dem Parlamente zu erweitern, die Thtigkeit des
Nuntius zu durchkreuzen, die Macht des Lordschatzmeisters zu untergraben
und die verzweifelten Plne Tyrconnel's zu untersttzen.

So standen denn auf der einen Seite die Hyde mit der ganzen
Masse der toryistischen Anhnger der Staatskirche, Powis mit den
achtungswerthesten Edelleuten und Gentlemen von des Knigs Glauben, die
Generalstaaten, das Haus sterreich und der Papst; auf der andren Seite
einige rmisch-katholische Abenteurer mit zerrttetem Vermgen und
beflecktem Rufe, untersttzt von Frankreich und den Jesuiten.

    [Anmerkung 56: +Fra Paolo, lib. VII.+; +Pallavicino, lib. XVIII.
    chap. 15.+]


[_Pater Petre._] Der Hauptreprsentant der Jesuiten in Whitehall war ein
englischer Ordensbruder, der eine Zeit lang als Viceprovinzial gedient
hatte, von Jakob mit besonderer Gunst beehrt und erst krzlich noch zum
Kabinetssekretr ernannt worden war. Dieser Mann, Namens Eduard Petre,
stammte aus einer achtbaren Familie. Er besa einnehmende Manieren, eine
gewandte und zum Herzen dringende Redeweise, war aber schwach und eitel,
habschtig und ehrgeizig. Von allen bsen Rathgebern, denen der Knig
ein geneigtes Ohr lieh, hatte er vielleicht den grten Antheil am
Untergange des Hauses Stuart gehabt.


[_Stimmung und Ansichten des Knigs._] Der starrsinnige und
herrschschtige Character des Knigs kam Denjenigen, die ihm riethen
fest zu bleiben, in nichts nachzugeben und sich gefrchtet zu machen,
sehr zu Statten. In seinem beschrnkten Kopfe hatte sich eine
Staatsmaxime eingenistet, die durch keine Vernunftgrnde daraus zu
vertreiben war. Er war berhaupt nicht gewohnt, auf Vernunftgrnde zu
hren. Seine Methode der Beweisfhrung, wenn man es so nennen darf, war
von der Art, wie man sie bei beschrnkten und eigenwilligen Personen,
welche nur Untergebene um sich zu haben gewohnt sind, sehr hufig
findet. Er stellte eine Behauptung auf, und wenn verstndigere Leute
sich herausnahmen, ihm zu beweisen, da er im Irrthum war, so
wiederholte er seine Behauptung mit den nmlichen Worten und glaubte auf
diese Weise alle Einwendungen entkrftet zu haben.[57] Ich mag keine
Zugestndnisse machen, sagte er oft: mein Vater machte auch
Zugestndnisse und er wurde enthauptet.[58] Wenn es auch wahr gewesen
wre, da Karl I. sich durch seine Nachgiebigkeit ins Verderben
gestrzt, so wrde doch jeder verstndige Mann eingesehen haben, da
eine einzige Erfahrung selbst in viel weniger verwickelten
Wissenschaften als die Staatswissenschaft ist, nicht gengt, um eine
allgemeine Regel festzustellen, da seit Erschaffung der Welt nicht zwei
politische Experimente unter vllig gleichen Bedingungen gemacht worden
sind und da man auf keinem andren Wege aus der Geschichte
Staatsklugheit schpfen kann, als indem man eine groe Anzahl Flle
prft und mit einander vergleicht. Wenn indessen der einzelne Fall, auf
den der Knig sich sttzte, berhaupt etwas bewies, so bewies er nur,
da der Knig Unrecht hatte. Es drfte kaum einem Zweifel unterliegen,
da, wenn Karl dem Kurzen Parlamente, welches im Frhjahr 1640
zusammentrat, aus freiem Antriebe nur die Hlfte der Zugestndnisse
gemacht htte, die er wenige Monate spter dem Langen Parlamente machte,
er als ein mchtiger Knig gelebt haben und gestorben sein wrde. Auf
der andren Seite kann es nicht im geringsten bezweifelt werden, da,
wenn er sich geweigert htte, dem Langen Parlamente irgend ein
Zugestndni zu machen, und er zur Vertheidigung des Schiffsgeldes und
der Sternkammer die Waffen ergriffen htte, er Hyde und Falkland neben
Hollis und Hampden in den feindlichen Reihen gesehen haben wrde. In
Wahrheit aber wrde er gar nicht im Stande gewesen sein zu den Waffen zu
greifen, denn es wrden sich keine zwanzig Kavaliere seiner Fahne
angeschlossen haben. Nur seinen ausgedehnten Zugestndnissen verdankte
er die Untersttzung der groen Masse von Kavalieren und Gentlemen, die
so lange und so tapfer fr seine Sache fochten. Doch es wre ganz
umsonst gewesen, Jakob diese Dinge vorzustellen.

Auerdem war sein Geist noch in einem andren unseligen Irrthum befangen,
den er sich nicht nehmen lie, bis er ihn ins Unglck gestrzt hatte. Er
glaubte steif und fest er knne thun was er wolle, die Mitglieder der
Staatskirche wrden nach ihren Grundstzen handeln. Es war, wie er
wute, von zehntausend Kanzeln herab gepredigt und von der Universitt
Oxford feierlich erklrt worden, da selbst eine so frchterliche
Tyrannei wie die der verderbtesten Csaren den Widerstand der
Unterthanen gegen die knigliche Autoritt nicht rechtfertige, und er
war schwach genug, hieraus den Schlu zu ziehen, da die ganze
Hauptmasse der toryistischen Gentlemen und Geistlichen sich geduldig von
ihm ausplndern, bedrcken und verhhnen lassen wrde, ohne nur die Hand
gegen ihn zu erheben. Man sollte es kaum fr mglich halten, da ein
Mann, der sein fnfzigstes Lebensjahr zurckgelegt hatte, noch nicht
dahinter gekommen war, da die Menschen zuweilen etwas thun, obgleich
sie es als unrecht erkennen. Jakob brauchte nur in sein eignes Herz zu
blicken, um hinreichende Beweise dafr zu erhalten, da selbst ein
starkes religises Pflichtgefhl den schwachen Menschen nicht immer
abhlt, trotz aller gttlichen Gebote und auf die Gefahr der
furchtbarsten Strafen hin, seinen Leidenschaften zu frhnen. Er mute
wissen, da er, obgleich er den Ehebruch fr eine Snde hielt, dennoch
ein Ehebrecher war; aber nichts vermochte ihn zu berzeugen, da ein
Mensch, der den Aufruhr laut fr sndlich erklrte, je einmal im
Nothfalle selbst ein Aufrhrer werden konnte. Die Kirche Englands war
seiner Ansicht nach ein passives Opfer, das er ohne die mindeste Gefahr
nach Gutdnken mihandeln und qulen konnte, und er sah seinen Irrthum
nicht eher ein, als bis die Universitten Anstalt trafen, aus ihrem
Silbergeschirr Geld schlagen zu lassen, damit sie die Kriegskasse seiner
Feinde untersttzen konnten, und bis ein lange Zeit durch seine
Loyalitt ausgezeichneter Bischof den Priesterrock abwarf, das Schwert
um die Lenden grtete und das Commando eines Insurgentenregiments
bernahm.

    [Anmerkung 57: Ganz dieselbe Methode befolgte auch seine Tochter
    Anna, und Marlborough sagt, sie habe das von ihrem Vater gelernt.
    -- +Vindication of the Duchess of Marlborough.+]

    [Anmerkung 58: Wie zur Zeit des Prozesses der Bischfe sagte Jacob
    bestndig zu Adda, alles Unglck Karl's I. sei +per la troppa
    indulgenza+ ber ihn gekommen. Depesche vom 29. Juni (9. Juli)
    1688.]


[_Sunderland bestrkt den Knig in seinen Irrthmern._] In diesen
unseligen Tuschungen wurde der Knig arglistigerweise durch einen
Minister bestrkt, der Exclusionist gewesen war und sich noch immer
einen Protestanten nannte, den Earl von Sunderland. Die Beweggrnde und
die Handlungsweise dieses grundsatzlosen Staatsmannes sind oft irrig
dargestellt worden. Er wurde bei seinen Lebzeiten von den Jakobiten
beschuldigt, da er schon vor dem Regierungsantritte Jakob's eine
Revolution zu Gunsten des Prinzen von Oranien hervorzurufen beabsichtigt
und da er zu dem Ende eine Reihe von Gewaltmaregeln gegen die
staatliche und kirchliche Verfassung des Reichs anempfohlen habe. Diese
grundlose Fabel ist bis auf unsere Tage von unwissenden Schriftstellern
nacherzhlt worden. Aber kein gut unterrichteter Geschichtsforscher,
welches auch seine vorgefate Meinung sein mochte, hat sich entschlieen
knnen, daran zu glauben, denn es liegt durchaus kein Beweis dafr vor,
und einsichtsvolle Mnner wrden sich kaum durch irgend einen Beweis
berzeugen lassen, da Sunderland absichtlich Schuld und Schande auf
sich lud, um eine Vernderung herbeizufhren, durch die er offenbar
unmglich etwas gewinnen konnte und durch die er in der That nachher
unermelichen Reichthum und Einflu verlor. Auch ist nicht der mindeste
Grund zu einer so sonderbaren Annahme vorhanden, denn das Wahre liegt
klar auf der Hand. So krumm auch die Wege dieses Mannes waren, das
Gesetz, welches sie ihm vorzeichnete, war sehr einfach. Sein Verfahren
mu dem abwechselnden Einflusse der Habgier und der Furcht auf einen fr
diese beiden Leidenschaften sehr empfnglichen und mehr scharfsichtigen
als weitsehenden Geist zugeschrieben werden. Er wollte mehr Macht und
mehr Geld haben. Mehr Macht konnte er nur auf Unkosten Rochester's
erlangen, und das klar vorliegende Mittel zur Erreichung dieses Zweckes
war, da er das Mifallen des Knigs an Rochester's gemigten
Rathschlgen nhrte. Geld war am leichtesten und am reichlichsten vom
Hofe von Versailles zu erlangen, und Sunderland eilte, sich diesem Hofe
zu verkaufen, er hatte keine heiteren und anstndigen Laster, gegen Wein
und Frauenschnheit war er sehr gleichgltig; aber er besa eine
zgellose, unersttliche Begierde nach Reichthum. Eine malose Spielwuth
beherrschte ihn und war durch ungeheure Verluste nicht vermindert
worden. Er war der Erbe eines groen Vermgens, hatte lange Zeit
eintrgliche mter bekleidet und kein Mittel gescheut, wodurch er sie
noch eintrglicher machen konnte; aber sein Unglck am Spieltisch war so
gro, da seine Gter von Tag zu Tag mit immer neuen Schulden belastet
wurden. In der Hoffnung, sich aus seinen Verlegenheiten zu reien,
verrieth er Barillon alle gegen Frankreich gerichteten Plne, die im
englischen Kabinet geschmiedet worden waren, und gab zu verstehen, da
in solchen Zeiten ein Staatssekretr Dienste leisten knne, welche gut
zu bezahlen von Ludwig sehr weise gehandelt sein wrde. Der Gesandte
sagte seinem Gebieter, da sechstausend Guineen die kleinste
Gratification sei, die man einem so einflureichen Minister anbieten
knne. Ludwig willigte ein bis zu fnfundzwanzigtausend Kronen zu gehen,
was ungefhr so viel als fnftausendsechshundert Pfund Sterling war. Man
kam berein, da Sunderland jhrlich diese Summe erhalten und dagegen
seinen ganzen Einflu aufbieten sollte, um die Wiedereinberufung des
Parlaments zu hintertreiben.[59]

Er trat deshalb der jesuitischen Cabale bei und wute den Einflu
derselben so geschickt zu benutzen, da er zum Nachfolger Halifax' in
der hohen Stellung eines Lordprsidenten ernannt wurde, ohne deshalb den
viel einflureicheren und eintrglicheren Posten als Staatssekretr
aufgeben zu mssen.[60] Er sah jedoch wohl ein, da er nie hoffen konnte
einen berwiegenden Einflu bei Hofe zu erlangen, so lange er noch fr
ein Mitglied der Staatskirche galt. Ihm war jede Religion gleich, und er
pflegte in Privatzirkeln oft von den heiligsten Dingen mit einer
emprenden Geringschtzung zu sprechen. Er beschlo daher, dem Knige
das Vergngen und den Ruhm zu verschaffen, eine Bekehrung zu Stande
gebracht zu haben. Die Sache mute indessen mit Vorsicht und Geschick
angegriffen werden. Niemand ist vllig gleichgltig gegen die Meinung
seiner Nebenmenschen, und wenn sich auch Sunderland aus der Schande
wenig machte, so frchtete er doch das Schimpfliche eines ffentlichen
Abfalles. Er spielte seine Rolle mit seltener Gewandtheit. Der Welt
zeigte er sich als Protestanten; im kniglichen Kabinet nahm er die
Miene eines ernsten Wahrheitsforschers an, der schon fast dahin gebracht
war, sich fr rmisch-katholisch zu erklren, und in Erwartung weiterer
Erleuchtung vorlufig schon geneigt war, den Bekennern des alten
Glaubens jeden in seiner Macht stehenden Dienst zu leisten. Jakob, der
nie sehr scharfsichtig, in religisen Dingen aber vllig blind war, lie
sich trotz Allem, was er von menschlicher Schurkerei, der Schurkerei der
Hflinge im Allgemeinen und der Schurkerei Sunderland's im Besonderen
erfahren hatte, zu dem Glauben verlocken, da die gttliche Gnade das
falscheste und verstockteste aller menschlichen Herzen gerhrt habe.
Viele Monate lang wurde der schlaue Minister am Hofe fr einen
hoffnungsvollen Katechumenen gehalten, ohne da er deshalb in den Augen
des Publikums als Renegat erschien.[61]

Er machte den Knig in Zeiten darauf aufmerksam, da es zweckmig sein
drfte, einen geheimen Ausschu von Katholiken zu bilden, der in allen
die Interessen ihres Glaubens berhrenden Angelegenheiten Rath zu
ertheilen habe. Dieser Ausschu versammelte sich bald in Chiffinch's
Privatwohnung, bald in den amtlichen Gemchern Sunderland's, der,
obgleich dem Namen nach noch Protestant, an allen ihren Berathungen
Theil nahm und bald ein entschiedenes bergewicht ber die anderen
Mitglieder erlangte. Jeden Freitag speiste die jesuitische Cabale bei
dem Staatssekretr. Bei Tafel herrschte eine sehr freie Unterhaltung und
die Schwchen des Frsten, den die Verbndeten zu leiten hofften, wurden
dabei nicht geschont. Dem Petre versprach Sunderland den Cardinalshut,
Castelmaine eine glnzende Gesandtschaft in Rom, Dover ein eintrgliches
Commando in der Garde und Tyrconnel eine hohe Stellung in Irland. So
durch die strksten Bande des Interesses mit einander verbunden, gingen
diese Mnner ans Werk, die Macht des Schatzmeisters zu strzen.[62]

    [Anmerkung 59: Barillon, 16.(26.) Nov. 1685; Ludwig an Barillon,
    26. Nov. (6. Dec.) In einem hchst interessanten Schriftstck, das
    1687 so gut als gewi von Bonrepaux verfat wurde und sich jetzt
    in den franzsischen Archiven befindet, wird Sunderland
    folgendermaen geschildert: +La passion qu'il a pour le jeu, et
    les pertes considrables qu'il y fait, incommodent fort ses
    affaires. Il n'aime pas le vin; et il hat les femmes.+]

    [Anmerkung 60: Aus dem Geheimrathsbuche geht hervor, da er seinen
    Prsidentenposten am 4. Dec. 1685 antrat.]

    [Anmerkung 61: Bonrepaux lie sich nicht so leicht tuschen als
    Jakob: +En son particulier il (Sunderland) n'en professe aucune
    (religion), et on parle fort librement. Ces sortes de discours
    seroient en excration en France. Ici ils sont ordinaires parmi un
    certain nombre de gens du pais.+ Bonrepaux an Seignelay, 25. Mai
    (4. Juni) 1687.]

    [Anmerkung 62: +Clarke's Life of James the Second, II. 74, 77.
    Orig. Mem.+; +Sheridan MS.+; +Barillon, March 19.(29.) 1686.+]


[_Treulosigkeit Jeffreys'._] Es waren im Kabinet zwei protestantische
Mitglieder, welche an dem Kampfe keinen thtigen Antheil nahmen.
Jeffreys wurde um diese Zeit von einer schmerzhaften inneren Krankheit
geqult, die sich durch Unmigkeit verschlimmert hatte. Bei einem
Gastmahle, das ein reicher Alderman einigen Regierungshuptern gab,
waren der Lordschatzmeister und der Lordkanzler dermaen betrunken, da
sie sich fast splitternackt auskleideten und nur mit Mhe abgehalten
werden konnten, auf einen Schildpfahl zu klettern, auf dem sie die
Gesundheit Sr. Majestt ausbringen wollten. Der fromme Schatzmeister kam
mit dem bloen Skandale davon, der Kanzler aber bekam einen heftigen
Anfall seines bels. Eine Zeit lang glaubte man sein Leben sei in
ernster Gefahr. Jakob zeigte sich sehr beunruhigt durch den Gedanken an
den Verlust eines Ministers, der sich so gut in ihn zu schicken wute,
und sagte, in gewissem Sinne mit Recht, da ein solcher Mann nicht
leicht zu ersetzen sei. Als Jeffreys wieder genesen war, versprach er
beiden streitenden Parteien seine Untersttzung und wartete es ab,
welche von ihnen sich als siegreich erweisen wrde. Einige merkwrdige
Beweise von seiner Doppelzngigkeit sind noch vorhanden. Wir haben schon
erwhnt, da die ehemals in London sich aufhaltenden zwei franzsischen
Agenten sich in den englischen Hof getheilt hatten. Bonrepaux verkehrte
bestndig mit Rochester, Barillon mit Sunderland. In einer und derselben
Woche erfuhr Ludwig durch Bonrepaux, der Kanzler sei ganz befreundet mit
dem Schatzmeister, und durch Barillon, der Kanzler habe sich mit dem
Sekretr[63] verbndet.

    [Anmerkung 63: +Reresby's Memoirs+; +Luttrell's Diary, Feb. 2.
    1685/86+; Barillon, 4.(14.) Feb., 28. Jan. (7. Feb.); Bonrepaux,
    25. Jan. (4. Feb.)]


[_Godolphin und die Knigin._] Der vorsichtige und schweigsame Godolphin
that sein Mglichstes, um neutral zu bleiben. Seine Ansichten und
Wnsche waren allerdings fr Rochester; aber sein Amt nthigte ihn,
bestndig in der Nhe der Knigin zuzubringen, und daher wollte er
natrlich nicht gern auf gespanntem Fue mit ihr stehen. Man hat in der
That Grund zu glauben, da er mit einer romantischeren Zuneigung an ihr
hing, als sie gewhnlich in dem Herzen ergrauter Staatsmnner Platz
findet, und Umstnde, deren Erwhnung jetzt nthig wird, hatten sie
gnzlich der jesuitischen Cabale in die Arme geworfen.[64]

    [Anmerkung 64: Dartmouth's Note zu Burnet I. 621. In einer
    zeitgenssischen Satyre heit es von Godolphin:

        Mit staatsklugem Kopf er sich in Alles schickte,
        Wenn man ihm Muff und Handschuh nicht entrckte.]


[_Liebeshndel des Knigs._] Der Knig stand trotz seines unfreundlichen
Charakters und seiner ernsten Haltung doch nicht viel weniger unter der
Herrschaft weiblicher Reize, als ehedem sein lebhafterer und
liebenswrdigerer Bruder. Allerdings fragte Jakob nicht viel nach der
Schnheit, durch die sich die begnstigten Damen Karl's auszeichneten.
Barbara Palmer, Eleonore Gwynn und Louise von Qurouaille gehrten zu
den schnsten Frauen ihrer Zeit. Jakob hatte schon in frher Jugend um
der unschnen Gesichtszge der Anna Hyde willen seiner Freiheit entsagt,
war unter seinen Rang herabgestiegen und hatte sich dadurch das
Mifallen seiner Familie zugezogen. Zum groen Ergtzen des Hofes hatte
er sich bald von seiner simplen Gemahlin durch eine noch simplere
Geliebte, Arabella Churchill, abziehen lassen. Seine zweite Gemahlin
hatte hufig Ursache, sich ber seine Unbestndigkeit zu beklagen,
obgleich sie zwanzig Jahr jnger als er und von Gesicht wie von Gestalt
nicht hlich war. Aber die strkste von allen seinen unerlaubten
Neigungen war die, welche ihn an Katharine Sedley fesselte.


[_Katharine Sedley._] Diese Dame war die Tochter des Sir Karl Sedley,
eines der glnzendsten aber sittenlosesten Schngeister der
Restauration. Die Schamlosigkeit seiner Schriften wird nicht durch
besondere Eleganz und Lebendigkeit der Sprache aufgewogen; aber der
Zauber seiner Conversation wurde selbst von ernsten Mnnern, die seinen
Character nicht achteten, anerkannt. Es wurde als eine besondere Gunst
betrachtet, im Theater neben ihm zu sitzen und sein Urtheil ber ein
neues Stck zu hren.[65] Dryden hatte ihm die Ehre erzeigt, ihn zu
einer Hauptperson in dem Gesprch ber dramatische Dichtkunst zu machen,
Sedley's Lebenswandel war von der Art, da er selbst zu jener Zeit
rgerni erregte. Einmal zeigte er sich nach einem schwelgerischen
Gelage ohne eine Spur von Kleidungsstck auf dem Balcon eines Gasthauses
unweit Coventgarden und haranguirte das vorbergehende Volk in einer so
unanstndigen und gottlosen Sprache, da er deshalb gerichtlich
verfolgt, zu einer schweren Geldbue verurtheilt wurde und vom
Gerichtshofe der Kings Bench einen sehr nachdrcklichen Verweis
erhielt.[66] Seine Tochter hatte seine Talente und seine Schamlosigkeit
geerbt. Krperliche Reize besa sie nicht, auer einem Paar blitzender
Augen, deren Glanz jedoch Mnnern von wirklich feinem Geschmack frech
und unweiblich vorkam. Von Gestalt und Gesicht war sie hager. Karl fand
zwar Gefallen an ihrer Unterhaltung, lachte aber ber ihre Hlichkeit
und sagte die Priester mten sie seinem Bruder als Bumittel empfohlen
haben. Sie wute sehr wohl, da sie nicht hbsch war und scherzte selbst
ber ihre Hlichkeit. Sonderbarerweise aber schmckte sie sich trotzdem
sehr gern und machte sich oft lcherlich, wenn sie mit Schnpflsterchen
beklebt, geschminkt, in brsseler Spitzen gekleidet, von Diamanten
strahlend und alle Reize eines achtzehnjhrigen Mdchens affectirend, im
Theater erschien.[67]

Welcher Art ihr Einflu auf Jakob war, ist nicht leicht zu erklren. Er
war nicht mehr jung und ein religiser Mann, oder wenigstens bereit, fr
seine Religion Anstrengungen und Opfer aufzuwenden, vor denen die
meisten von Denjenigen, die man religis nennt, zurckschrecken wrden.
Es mu auffallend erscheinen, da irgend welche Reize im Stande waren,
ihn zu einem Lebenswandel zu verleiten, den er als hchst strafbar
betrachtet haben mu; und in diesem Falle konnte man nicht einmal
begreifen, wo der Reiz lag. Katharine selbst war erstaunt ber die
Heftigkeit seiner Leidenschaft. Meine Schnheit kann es nicht sein,
sagte sie, denn er mu doch sehen, da ich eben nicht schn bin; und
mein Geist kann es auch nicht sein, denn er hat nicht genug, um zu
bemerken, da ich welchen habe.

Zur Zeit seines Regierungsantritts machte das Gefhl der auf ihn
lastenden neuen Verantwortlichkeit den Knig besonders empfnglich fr
religise Eindrcke. Er fate und uerte viele gute Vorstze, sprach
ffentlich mit groer Strenge von den gottlosen und ausschweifenden
Sitten der Zeit und versprach privatim der Knigin und seinem
Beichtvater, da er Katharine Sedley nicht mehr sehen wolle. Er ersuchte
seine Maitresse schriftlich, die Gemcher, die sie in Whitehall
bewohnte, zu verlassen und ein Haus am St. James Square zu beziehen, das
auf seine Kosten prachtvoll fr sie eingerichtet worden war. Zu gleicher
Zeit versprach er ihr einen hohen Jahrgehalt aus seiner Chatulle. Die
kluge, energische, unerschrockene und sich ihrer Macht bewute Katharine
aber weigerte sich das Feld zu rumen. Schon nach wenigen Monaten raunte
man sich zu, da Chiffinch's Dienste wieder in Anspruch genommen wrden
und da die Maitresse hufig durch die verborgene Thr aus- und eingehe,
durch welche Pater Huddleston die Hostie an Karl's Bett gebracht hatte.
Die protestantischen Minister des Knigs hofften wahrscheinlich, die
Verblendung ihres Gebieters fr dieses Weib knne ihn von der weit
gefhrlicheren Verblendung heilen, die ihn antrieb, ihre Religion
anzugreifen. Sie besa alle die Talente, die sie befhigen konnten, mit
seinen Gefhlen und seinen Gewissensscrupeln Scherz zu treiben und ihm
die Schwierigkeiten und Gefahren, in die er sich kopfber strzte, mit
den grellsten Farben auszumalen.

    [Anmerkung 65: Pepys, 4. Oct. 1664.]

    [Anmerkung 66: Pepys, 1. Juli 1663.]

    [Anmerkung 67: Siehe Dorset's satyrische Verse auf sie.]


[_Intriguen Rochester's zu Gunsten der Katharine Sedley._] Rochester,
der Vorkmpfer der Kirche, bemhte sich, ihren Einflu zu vergrern.
Ormond, der gewhnlich als die personificirte Sittenreinheit und
Hochsinnigkeit des englischen Kavaliers betrachtet wird, untersttzte
ebenfalls diesen Plan. Selbst Lady Rochester schmte sich nicht, das
Ihrige dazu beizutragen und zwar in der abscheulichsten Weise. Ihre
Aufgabe bestand darin, die Eifersucht der beleidigten Gemahlin auf eine
ganz unschuldige junge Dame zu lenken. Dem ganzen Hofe fiel die Klte
und Hrte auf, mit der die Knigin dem armen Mdchen begegnete, auf
welche der Verdacht geworfen war, aber die Ursache der blen Laune Ihrer
Majestt war ein Geheimni. Eine Zeit lang wurde die Intrigue glcklich
und unentdeckt fortgesponnen. Katharine sagte dem Knige oft keck ins
Gesicht, was die protestantischen Lords des Geheimen Raths nur in den
zartesten Ausdrcken leise anzudeuten wagten. Seine Krone, sagte sie,
sei in Gefahr, der alte kindische Arundell und der grosprecherische
Tyrconnel wrden ihn ins Verderben fhren. Es ist leicht mglich, da
sie durch ihre Liebkosungen noch das erreicht haben wrde, was dem
vereinten Zureden der Lords und Gemeinen, des Hauses sterreich und des
heiligen Stuhles nicht gelingen wollte, htte nicht ein sonderbarer
Unfall die ganze Gestalt der Dinge verndert. Jakob beschlo in einem
Anfalle von Zrtlichkeit, seine Geliebte zur Grfin von Dorchester zu
erheben. Katharine erkannte die ganze Gefhrlichkeit eines solchen
Schrittes und lehnte die gehssige Ehre ab. Ihr Geliebter aber beharrte
darauf und drckte ihr selbst das Diplom in die Hand. Endlich nahm sie
es unter einer Bedingung an, welche ihr Vertrauen auf ihre Macht und
seine Schwche beweist. Er mute ihr das feierliche Versprechen geben,
nicht da er sie nie verlassen, sondern nur da er ihr in diesem Falle
seinen Entschlu selbst ankndigen und ihr eine Abschiedszusammenkunft
gewhren wolle.

Sobald die Nachricht von ihrer Erhebung bekannt wurde, kam der ganze
Palast in Aufruhr. Das heie italienische Blut kochte in den Adern der
Knigin. Stolz auf ihre Jugend und ihre Reize, auf ihren hohen Rang und
ihre makellose Tugend konnte sie sich nicht ohne tiefen Schmerz und Zorn
um einer solchen Nebenbuhlerin willen verlassen und beleidigt sehen.
Rochester, der sich vielleicht erinnerte, wie geduldig sich Katharine
von Braganza nach kurzem Widerstreben darein gefgt hatte, die Maitresse
Karl's hflich zu behandeln, hatte erwartet, da auch Marie von Modena
nach ein wenig Murren und Schmollen so fgsam sein werde. Aber dem war
nicht so. Sie versuchte es gar nicht, die Heftigkeit ihrer emprten
Gefhle vor den Augen der Welt zu verbergen. Tag fr Tag bemerkten die
Hflinge, welche herbeikamen, um sie speisen zu sehen, da die Schsseln
unberhrt von ihrer Tafel wieder abgetragen wurden. Im Beisein
smmtlicher Minister und Gesandten lie sie ihren Thrnen freien Lauf,
und zum Knige sprach sie mit wilder Heftigkeit. Lassen Sie mich! rief
sie aus, Sie haben Ihre Dirne zur Grfin gemacht, machen Sie sie auch
zur Knigin, setzen Sie ihr meine Krone aufs Haupt. Nur gestatten Sie
mir, mich in einem Kloster zu verbergen, damit ich sie nicht mehr sehe.
Dann fragte sie ihn ein wenig ruhiger, wie er sein Benehmen mit seinen
religisen Ansichten vereinigen knne. Sie sind bereit, sagte sie, um
Ihres Seelenheils willen Ihr Knigreich aufs Spiel zu setzen, und doch
werfen Sie Ihre Seele um eines solchen Geschpfes willen weg. Pater
Petre stimmte auf den Knieen liegend in diese Vorstellungen ein. Dies
war seine Pflicht, und er erfllte sie nur um so eifriger, da sie mit
seinem Interesse zusammenfiel. Der Knig fuhr noch eine Zeit lang fort
zu sndigen und zu bereuen. In seinen Stunden der Zerknirschung legte er
sich strenge Bubungen auf. Marie bewahrte die Geiel, mit der er das
ihr zugefgte Leid an seinen eigenen Schultern schonungslos gercht
hatte, sorgfltig auf bis an ihr Ende und vermachte sie dem Kloster von
Chaillot. Nur Katharinen's Entfernung konnte diesem Kampfe zwischen
schmachvoller Liebe und schmachvollem Aberglauben ein Ziel setzen. Jakob
bat sie und befahl ihr schriftlich, abzureisen. Er leugnete es nicht,
da er ihr versprochen habe, persnlich Abschied von ihr zu nehmen.
Aber, setzte er hinzu, ich wei nur zu gut, welche Gewalt sie ber
mich ausben. Ich werde nicht Seelenstrke genug haben, um meinen
Vorsatz auszufhren, wenn ich Sie sehe. Er bot ihr eine Yacht an, damit
sie mit allen Ehren und Bequemlichkeiten nach Flandern gehen knne, und
drohte ihr, da er sie mit Gewalt entfernen lassen werde, wenn sie nicht
gutwillig gehe. Einmal suchte sie ihn dadurch zu erweichen, da sie sich
krank stellte. Dann nahm sie die Miene einer Mrtyrin an und nannte sich
unverschmterweise eine Dulderin fr die protestantische Religion. Dann
sprach sie wieder in dem Style Johann Hampden's. Sie forderte den Knig
heraus, sie fortbringen zu lassen, sie werde den Rechtsweg gegen ihn
einschlagen, so lange die Magna Charta und die Habeas-Corpus-Acte im
Lande Gesetzeskraft htten, werde sie leben, wo es ihr gefalle. Und
vollends nach Flandern! rief sie, dahin gehe ich nimmermehr! Eines
habe ich von meiner Freundin, der Herzogin von Mazarin gelernt, und das
ist, mich nie einem Lande anzuvertrauen, wo es Klster giebt. Endlich
whlte sie Irland als Verbannungsort, wahrscheinlich, weil der Bruder
ihres Gnners Rochester dort Viceknig war. Nach langem Zgern reiste
sie endlich ab und rumte so der Knigin das Feld.[68]

Die Geschichte dieser merkwrdigen Intrigue wrde unvollstndig sein,
wenn wir nicht hinzusetzten, da noch eine religise Betrachtung
existirt, die der Lordschatzmeister mit eigner Hand an dem Tage
niederschrieb, an welchem sein Versuch, den Knig durch eine Concubine
am Gngelbande zu fhren, von Bonrepaux nach Versailles berichtet wurde.
Kein Werk Ken's oder Leighton's athmet den Geist einer glhenderen und
exaltirteren Frmmigkeit als diese Herzensergieung. Heuchelei kann man
hier nicht vermuthen, denn der Aufsatz war offenbar nur fr den
Verfasser selbst bestimmt und wurde erst verffentlicht, als dieser
schon ber hundert Jahre im Grabe lag. So viel wunderbarer als Dichtung
ist oft die Geschichte, so wahr ist es, da die Natur Launen hat, welche
die Kunst nicht nachzuahmen wagt. Ein dramatischer Dichter wrde es
schwerlich wagen, einen am Abend seines Lebens stehenden ernsten Frsten
auf die Bhne zu bringen, der bereit wre, seine Krone den Interessen
seines Glaubens zu opfern, der unermdlich dahin wirkte, Proselyten zu
machen, und der bei alledem eine Gemahlin, mit Jugend und Schnheit
begabt, um einer verworfenen Maitresse willen, die keines von beiden
besitzt, verliee und beleidigte. Womglich noch weniger wrde ein
dramatischer Dichter es wagen, einen Staatsmann auf der Bhne
darzustellen, der sich zu dem gemeinen und entehrenden Amte eines
Kupplers hergbe, sich in diesem schmachvollen Geschft durch seine
Gattin untersttzen liee und sich dabei doch in seinen Muestunden in
ein stilles Kmmerlein zurckzge, um hier im Verborgenen sein Herz in
reuigen Thrnen und frommen Stoseufzern gegen Gott auszuschtten.[69]

    [Anmerkung 68: Die Hauptquellen fr die Geschichte dieser Intrigue
    sind die Depeschen von Barillon und Bonrepaux vom Anfang des
    Jahres 1686. Siehe Barillon, 25. Jan. (4. Febr.), 28. Jan. (7.
    Febr.), 1.(11.) Febr., 8.(18.) Febr. u. 19.(29.) Febr., und
    Bonrepaux unter den vier erstgenannten Daten. Ferner +Evelyn's
    Diary, Jan. 19+; +Reresby's Memoirs+; +Burnet, I. 682+; +Sheridan
    MS.+; +Chaillot MS.+ und Adda's Depeschen vom 22. Jan. (1. Febr.)
    u. 29. Jan. (8. Febr.) 1686. Adda schreibt wie ein frommer, aber
    schwacher und unwissender Mann. Er kannte jedenfalls Jakob's
    vergangenes Leben nicht.]

    [Anmerkung 69: Die Betrachtung ist datirt vom 25. Jan. (4. Febr.)
    1685/86. Bonrepaux sagt in seiner Depesche von dem nmlichen Tage:
    +L'intrigue avoit t conduite par Milord Rochester et sa femme
    ... Leur projet toit de faire gouverner le Roy d'Angleterre par
    la nouvelle comtesse. Ils s'toint assurs d'elle.+ Whrend
    Bonrepaux dies schrieb, schrieb Rochester Folgendes: O Gott,
    lehre mich meine Tage so zhlen, da ich mein Herz zur Weisheit
    lenke. Lehre mich die Tage zhlen, die ich in Eitelkeit und
    Miggang vergeudet, und lehre mich die zhlen, die ich in Snde
    und Schmach verbracht habe. O Gott, lehre mich auch die Tage
    meiner Trbsal zhlen und Dir fr Alles danken, was mir von Deiner
    Hand zugekommen ist. Lehre mich aber auch die Tage der irdischen
    Gre zhlen, von der mir ein so groes Theil geworden ist, und
    lehre mich sie als Tage der Eitelkeit und der Seelenpein
    betrachten.]


[_Sinken von Rochester's Einflu._] Der Schatzmeister berzeugte sich
bald, da er durch Anwendung schimpflicher Mittel zur Erreichung eines
lobenswerthen Zweckes nicht nur ein Verbrechen, sondern auch einen
Fehler begangen hatte. Die Knigin war jetzt seine Feindin. Sie stellte
sich zwar als hre sie die Hyde, die ihr Benehmen so gut als mglich zu
entschuldigen suchten, freundlich an und behauptete sogar, da sie zu
Gunsten derselben ihren Einflu verwende; aber sie htte mehr als ein
Weib oder weniger sein mssen, um wirklich die Verschwrung verzeihen zu
knnen, welche die Familie der ersten Gemahlin ihres Gatten gegen ihre
Ehre und ihr husliches Glck angestiftet hatte. Die Jesuiten stellten
dem Knige auf das Eindringlichste vor, welcher Gefahr er mit genauer
Noth entgangen war. Sie sagten, sein Ruf, sein Frieden, sein Seelenheil
sei durch die Rnke seines Premierministers gefhrdet worden. Der
Nuntius, welcher gern dem Einflusse der heftigen Partei
entgegengearbeitet und sich den gemigten Mitgliedern des Kabinets
angeschlossen htte, konnte sich ehrenhafter und schicklicher Weise bei
dieser Gelegenheit nicht von Pater Petre trennen. Jakob selbst konnte,
als das Meer zwischen ihm und den Reizen lag, die ihn so unwiderstehlich
bezaubert hatten, nur mit Unwillen und Verachtung auf Diejenigen
blicken, die ihn vermittelst seiner Laster hatten leiten wollen. Das
Geschehene mute nothwendig die Wirkung haben, seine eigne Kirche in
seiner Achtung zu erhhen, die englische Kirche dagegen zu erniedrigen.
Die Jesuiten, die man als die unsichersten aller geistlichen Fhrer
darzustellen gewohnt war, als Sophisten, welche das ganze System der
evangelischen Moral hinweg philosophirten, als Speichellecker, die ihren
Einflu hauptschlich der Nachsicht verdankten, mit der sie die Snden
der Groen behandelten, hatten ihn durch so scharfen und khnen Tadel,
wie ihn David von Nathan, und Herodes von dem Tufer hren mute, von
einem schuldvollen Leben zurckgebracht. Dagegen hatten eifrige
Protestanten, deren Lieblingsthema die Lockerheit der papistischen
Casuisten und die Verwerflichkeit des Grundsatzes war, Bses zu thun,
damit Gutes daraus hervorgehe, es versucht, auf einem Wege, den alle
Christen fr hchst strafbar hielten, Vortheile fr ihre Kirche zu
erlangen. Der Sieg der Cabale und der bsen Rathgeber war daher
vollkommen. Der Knig wurde kalt gegen Rochester; die Hflinge und die
fremden Gesandten bemerkten bald, da der Lordschatzmeister nur noch dem
Namen nach Premierminister war. Er bot nach wie vor noch tglich seinen
Rath an, und erfuhr die Krnkung, ihn tglich zurckgewiesen zu sehen.
Dennoch konnte er sich nicht entschlieen, den ueren Schein von Macht
und die Einknfte, welche er unmittelbar und mittelbar aus seinem hohen
Amte zog, aufzugeben. Er bemhte sich daher nach Krften, seinen Verdru
vor den Blicken des Publikums zu verbergen. Aber seine heftigen
Leidenschaften und seine Unmigkeit machten ihn fr die Rolle eines
Heuchlers untauglich. Sein finstres Gesicht, wenn er aus dem
Geheimrathszimmer kam, verrieth deutlich seine Unzufriedenheit mit dem,
was in der Sitzung vorgegangen war, und wenn die Flasche einigemale die
Runde gemacht hatte, entschlpften ihm Worte, aus denen man seinen rger
leicht errathen konnte.[70]

Er hatte auch in der That Ursache, sich unbehaglich zu fhlen.
Unbesonnene und unpopulre Maregeln folgten rasch auf einander, jeder
Gedanke, zur Politik der Tripleallianz zurckzukehren, war aufgegeben.
Der Knig erklrte den Gesandten der Continentalmchte, mit denen er
sich noch krzlich zu verbinden beabsichtigt hatte, ausdrcklich, da
alle seine Ansichten sich gendert htten und da England auch
fernerhin, wie unter seinem Grovater, seinem Vater und seinem Bruder,
von keiner Bedeutung fr das brige Europa sein solle. Ich bin nicht in
der Lage, sagte er zu dem spanischen Gesandten, mich um das, was
auswrts vorgeht, zu kmmern. Ich habe beschlossen, die fremden
Angelegenheiten ihren eigenen Gang gehen zu lassen, meine Macht im
Inlande zu befestigen und etwas fr meine Religion zu thun. Einige Tage
darauf kndigte er die nmlichen Entschlieungen auch den Generalstaaten
an.[71] Von diesem Augenblicke an bis ans Ende seiner schmachvollen
Regierung machte er keinen ernsten Versuch mehr, sich der Abhngigkeit
zu entreien, obgleich er bis zuletzt jedesmal in Wuth gerieth, wenn man
ihn einen Vasallen nannte.

Die beiden Ereignisse, welche dem Publikum bewiesen, da Sunderland und
seine Partei gesiegt hatten, waren die Prorogation des Parlaments vom
Februar bis zum Mai und die Abreise Castelmaine's nach Rom mit dem
Gehalte eines Gesandten ersten Ranges.[72]

Bisher waren alle Geschfte der englischen Regierung am ppstlichen Hofe
von Johann Caryl versehen worden. Dieser Gentleman war unter seinen
Zeitgenossen als ein vermgender und fein gebildeter Mann, so wie als
Verfasser zweier beifllig aufgenommenen Schauspiele bekannt, einer
Tragdie in Versen, welche durch Betterton's Spiel und Vortrag beliebt
geworden war, und eines Lustspiels, das seinen ganzen Werth einigen von
Molire entlehnten Scenen verdankt. Diese Stcke sind lngst vergessen;
aber was Caryl selbst nicht fr sich thun konnte, das hat ein
gewaltigeres Genie fr ihn gethan. Eine halbe Zeile im Lockenraub hat
seinen Namen unsterblich gemacht.

    [Anmerkung 70: +Je vis Milord Rochester comme il sortoit du
    conseil fort chagrin; et, sur la fin du souper, il lui en
    chappe quelque chose.+ Bonrepaux, 18.(28.) Febr. 1686. Siehe
    auch Barillon, 1.(11.) u. 4.(14.) Mrz.]

    [Anmerkung 71: Barillon, 22. Mrz (1. April) u. 12.(22.) April
    1686.]

    [Anmerkung 72: +London Gazette, Feb. 11. 1685/86+; +Luttrell's
    Diary, Feb. 8.+; Leeuwen, 9.(19.); +Clarke's Life of James the
    Second, II. 75. Orig. Mem.+]


[_Castelmaine wird nach Rom gesandt._] Caryl, der wie alle brigen
achtbaren Katholiken, ein Feind aller Gewaltmaregeln war, hatte seine
schwierige Aufgabe in Rom mit groer Einsicht und richtigem Takt gelst.
Er besorgte die ihm bertragenen Geschfte vortrefflich, bekleidete aber
keine ffentliche Stellung und vermied sorgfltig allen Aufwand. Sein
Posten brdete daher der Regierung fast gar keine pekunire Last auf und
erregte fast gar kein Murren. Jetzt wurde seine Stelle hchst
unklugerweise durch eine kostspielige und glnzende Gesandtschaft
ersetzt, die dem englischen Volke ein Dorn im Auge und dem rmischen
Hofe durchaus nicht willkommen war. Castelmaine hatte den Auftrag, fr
seinen Verbndeten Petre einen Cardinalshut zu verlangen.


[_Die Hugenotten werden von Jakob bel behandelt._] Um die nmliche Zeit
begann der Knig in unzweideutiger Weise seine wirklichen Gesinnungen
gegen die verbannten Hugenotten zu zeigen. So lange er noch gehofft
hatte, sein Parlament in Fgsamkeit hineinzuschmeicheln und das
Oberhaupt einer europischen Coalition gegen Frankreich zu werden, hatte
er sich gestellt, als ob er die Widerrufung des Edicts von Nantes
tadelte und er die Unglcklichen bemitleidete, welche durch Verfolgung
aus ihrem Vaterlande vertrieben worden waren. Er hatte bekannt machen
lassen, da mit seiner Genehmigung in allen Kirchen des Reichs eine
Collecte fr sie veranstaltet werden solle. Die betreffende Ankndigung
war in Ausdrcken abgefat, die den Stolz eines weniger empfindlichen
und eitlen Frsten als Ludwig verletzt haben wrden. Aber jetzt war
Alles anders. Die Grundstze des Vertrags von Dover waren wieder die
Grundstze der auswrtigen Politik Englands. Man entschuldigte sich
demthig wegen der Unhflichkeit, der sich die englische Regierung durch
Begnstigung der verbannten Franzosen gegen Frankreich schuldig gemacht.
Der Aufruf, welcher Ludwig mifallen hatte, ward widerrufen[73], und den
hugenottischen Geistlichen eingeschrft, in ihren ffentlichen Vortrgen
mit Ehrerbietung von ihrem Unterdrcker zu sprechen, indem man sie
widrigenfalls zur Verantwortung ziehen werde. Jakob zeigte nicht nur
keine Theilnahme mehr fr die Dulder, sondern erklrte sogar, da er
ihnen die schlimmsten Plne zutraue und gestand, da er sich durch
Untersttzung derselben eines Fehlers schuldig gemacht habe. Einer der
ausgezeichnetsten unter den Flchtlingen, Namens Johann Claude, hatte
auf dem Festlande ein kleines Buch drucken lassen, in welchem er die
Leiden seiner Glaubensbrder mit ergreifender Beredtsamkeit schilderte.
Barillon verlangte, da diesem Buche irgend ein Schandmahl aufgedrckt
werde. Jakob willigte ein und erklrte in voller Staatsrathssitzung, es
sei sein Wille, da Claude's Libell vor der kniglichen Brse durch
Henkershand verbrannt werden solle. Darber erschrak sogar Jeffreys und
wagte es, dem Knige vorzustellen, da ein solches Verfahren ohne
Beispiel sei, da das Buch in einer fremden Sprache geschrieben und auf
einer fremden Presse gedruckt sei, da es lediglich Vorgnge bespreche,
die sich in einem fremden Lande zugetragen, und da noch nie eine
englische Regierung von derartigen Schriften Notiz genommen habe. Jakob
wollte jedoch von einer weitlufigen Errterung der Frage nichts wissen.
Mein Entschlu steht fest, sagte er. Es ist Mode geworden, die Knige
unehrerbietig zu behandeln, und sie mssen einander beistehen. Ein Knig
sollte stets fr den andren Partei nehmen, und ich habe besondere
Grnde, dem Knige von Frankreich diesen Beweis von Achtung zu geben.
Die Rthe schwiegen nun still. Der Befehl wurde unverzglich erlassen
und Claude's Flugschrift nicht ohne lautes Murren Vieler, welche stets
fr unerschtterlich loyal gegolten hatten, den Flammen bergeben[74].

Die verheiene Collecte wurde unter verschiedenen Vorwnden lange
hinausgeschoben. Der Knig htte gar zu gern sein Wort gebrochen, aber
es war so feierlich gegeben, da er sich doch schmte, es
zurckzunehmen[75]. Es wurde indessen nichts versumt, was den Eifer der
Gemeinden abkhlen konnte. Man hatte erwartet, da das Volk, wie es in
solchen Fllen blich ist, von den Kanzeln herab zur Mildthtigkeit
aufgefordert werden wrde; aber Jakob war entschlossen, keine
Demonstrationen gegen seinen Glauben und gegen seinen Verbndeten zu
dulden. Der Erzbischof von Canterbury erhielt daher Befehl, die
Geistlichen in Kenntni zu setzen, da sie den Erla einfach vorzulesen
und sich alles Predigens ber die Leiden der franzsischen Protestanten
zu enthalten htten[76]. Dessenungeachtet gingen so reiche Beitrge ein,
da nach Abzug aller Kosten die Summe von vierzigtausend Pfund Sterling
in die Londoner Kammer bezahlt wurde. Es hat vielleicht keine der
groartigen Sammlungen unsrer Zeit in einem hnlichen Verhltni zu dem
Nationalvermgen gestanden[77].

Der Knig rgerte sich heftig ber das glnzende Ergebni der Sammlung,
die in Folge seines eignen Aufrufs veranstaltet worden war. Er sagte, er
wisse wohl, was diese Freigebigkeit zu bedeuten habe, es sei nichts als
whiggistischer Trotz gegen ihn und seine Religion[78]. Er hatte bereits
beschlossen, da das Geld Denen, welche die Geber untersttzen wollten,
nicht zu Gute kommen solle. Schon seit mehreren Wochen verhandelte er
ber diesen Gegenstand mit der franzsischen Gesandtschaft und hatte
sich unter Genehmigung des Hofes von Versailles zu einem Verfahren
entschieden, welches mit den Grundstzen der Toleranz, deren Freund er
spter zu sein behauptete, nicht wohl in Einklang zu bringen ist. Die
Flchtlinge waren eifrig der calvinistischen Kirchenzucht und
Gottesverehrung zugethan. Jakob befahl daher, da Keiner ein Stck Brod
oder einen Korb Kohlen erhalten solle, der nicht zuvor das Abendmahl
nach anglikanischem Ritus empfangen habe[79]. Es ist sonderbar, wie ein
Frst, welcher vorgab, da er die Testacte als eine gewaltsame
Verletzung der Gewissensfreiheit betrachte, eine so inhumane Verordnung
ersinnen konnte; denn so wenig es zu rechtfertigen sein mag, das
Sakrament zum Prfstein der Tauglichkeit fr Civil- und Militairmter zu
machen, ist es doch jedenfalls noch viel weniger zu rechtfertigen, eine
solche Bedingung vorzuschreiben, um danach zu bestimmen, wer in der
uersten Bedrngni der Mildthtigkeit wrdig ist. Auch konnte Jakob
nicht den Grund fr sich anfhren, der zur theilweisen Entschuldigung
fast aller anderen Verfolger geltend gemacht werden kann, denn der
Glaube, dessen Bekenntni er den Flchtlingen bei Strafe des Verhungerns
anbefahl, war nicht sein eigner Glaube. Sein Verfahren gegen sie war
daher viel weniger zu rechtfertigen als das des Knigs von Frankreich,
denn dieser unterdrckte sie in der Hoffnung, sie von verdammenswerther
Ketzerei zum wahren Glauben zurckzubringen, whrend Jakob sie nur in
der Absicht unterdrckte, um sie zum bertritt von einer
verdammenswerthen Ketzerei zur andren zu zwingen.

Zur Vertheilung der eingegangenen Untersttzungsgelder wahren mehrere
Commissare ernannt worden, unter denen sich auch der Kanzler befand. Als
sie zum ersten Male zusammenkamen, kndigte ihnen Jeffreys den
kniglichen Entschlu an. Die Flchtlinge, sagte er, seien in zu groer
Mehrzahl Feinde der Monarchie und des Episcopats. Wenn sie Untersttzung
wnschten, so mten sie Mitglieder der englischen Kirche werden und das
Abendmahl aus den Hnden seines Kaplans empfangen. Viele Verbannte,
welche mit Gefhlen des innigsten Dankes und der Hoffnung gekommen
waren, um eine Untersttzung zu erbitten, vernahmen das harte Urtheil
und gingen mit gebrochenem Herzen wieder von dannen[80].

    [Anmerkung 73: Leeuwen, 23. Febr. (5. Mrz) 1686.]

    [Anmerkung 74: Barillon, 26. April (6. Mai) u. 3.(13.) Mai 1686;
    Citters, 7.(17.) Mai; +Evelyn's Diary, May 5+; +Luttrell's Diary+
    unter demselben Datum; Geheimrathsbuch unterm 2. Mai.]

    [Anmerkung 75: Lady Russell an Dr. Fitzwilliam, 22. Jan. 1686;
    Barillon, 15.(25.) Febr. u. 22. Febr. (4. Mrz) 1686. Barillon
    sagt: +Ce prince tmoigne une grande aversion pour eux, et aurait
    bien voulu se dispenser de la collecte, qui est ordonne en leur
    faveur: mais il n'a pas cru que cela ft possible.+]

    [Anmerkung 76: Barillon, 22. Febr. (4. Mrz) 1686.]

    [Anmerkung 77: Bericht der Commissare v. 15. Mrz 1688.]

    [Anmerkung 78: +Le Roi d'Angleterre connait bien que les gens mal
    intentionns pour lui sont les plus prompts et les plus disposs 
    donner considrablement... Sa Majest Britannique connoit bien
    qu'il auroit t  propos de ne point ordonner de collecte, et que
    les gens mal intentionns contre la rligion Catholique et contre
    lui se servent de cette occasion pour tmoigner leur zle.+
    -- Barillon, 19.(29.) April 1686.]

    [Anmerkung 79: Barillon, 15.(25.) Febr., 22. Febr. (4. Mrz),
    19.(29.) April 1686; Ludwig an Barillon, 5.(15.) Mrz.]

    [Anmerkung 80: Barillon, 19.(29.) April 1686; Lady Russell an Dr.
    Fitzwilliam, 14. April. Er schickte Viele mit gebrochenem Herzen
    wieder fort, schreibt sie.]


[_Das Dispensationsrecht._] Jetzt rckte der Monat Mai heran, der zum
Wiederzusammentritt der Kammern festgesetzt war; aber sie wurden aufs
neue bis zum November prorogirt[81]. Es war kein Wunder, da der Knig
nicht wieder mit ihnen zu thun haben wollte, denn er hatte beschlossen,
hinfro eine Politik zu befolgen, von der er wohl wute, da sie ihnen
im hchsten Grade zuwider war. Er hatte von seinen Vorgngern zwei
Hoheitsrechte geerbt, deren Grenzen nie mit strenger Genauigkeit
bestimmt worden waren und die, wenn sie unbeschrnkt ausgebt worden
wren, schon an sich hingereicht haben wrden, die ganze Verfassung des
Staates und der Kirche umzustrzen. Dies waren das Dispensationsrecht
und das kirchliche Supremat. Kraft des Dispensationsrechts beabsichtigte
der Knig, rmische Katholiken nicht allein zu brgerlichen und
militairischen, sondern auch zu kirchlichen mtern zuzulassen; vermge
des kirchlichen Supremats hoffte er die anglikanische Geistlichkeit zu
Werkzeugen der Vernichtung ihrer eigenen Religion zu machen.

Dieser Plan entwickelte sich ganz allmlig. Es wurde nicht fr rathsam
gehalten, von allem Anfang an den Katholiken insgesammt eine
Dispensation von allen den Gesetzen, welche Strafen und Eide
auferlegten, zu gewhren, denn da eine solche Dispensation gesetzwidrig
war, stand zu fest. Die Cabale hatte 1672 eine allgemeine
Indulgenzerklrung erlassen, gegen welche die Gemeinen bei ihrem
Zusammentritt sofort protestirt hatten. Karl II. hatte sie in seiner
Gegenwart kassiren lassen und die Huser sowohl mndlich als durch eine
schriftliche Botschaft versichert, da der Schritt, der zu so vielen
Klagen Anla gegeben habe, nie als geschehen betrachtet werden solle.
Man wrde schwerlich an irgend einem Gerichtshofe einen renommirten
Anwalt gefunden haben, der die Vertheidigung eines Hoheitsrechtes
bernommen htte, auf welches der Souverain wenige Jahre zuvor im vollen
Parlament auf seinem Throne feierlich verzichtet hatte. Weniger klar
aber war es, da der Knig nicht aus besonderen Grnden Einzelnen eine
ausnahmsweise Dispensation bewilligen knne. Jakob strebte daher
zunchst danach, von den Gerichtshfen des gemeinen Rechts die
Anerkennung zu erlangen, da er wenigstens das Dispensationsrecht in
diesem Umfange besitze.

    [Anmerkung 81: +London Gazette, May 13. 1685.+]


[_Absetzung widerspenstiger Richter._] Aber obwohl seine Forderungen im
Vergleich zu denen, die er wenige Monate spter stellte, mig waren, so
sah er doch bald, da er die Meinung von beinahe ganz Westminsterhall
gegen sich hatte. Vier von den Richtern gaben ihm zu verstehen, sie
knnten in diesem Falle seinen Wnschen nicht dienen, und es ist
bemerkenswerth, da alle vier heftige Tories waren und da sich Mnner
unter ihnen befanden, welche Jeffreys auf seiner blutigen Rundreise
begleitet und fr die Hinrichtung Cornish's und der Elisabeth Gaunt
gestimmt hatten. Jones, der Oberrichter der Common Pleas, ein Mann, der
noch nie vor irgend einer, wenn auch noch so grausamen und servilen
Beihlfe zurckgeschreckt war, fhrte jetzt im kniglichen Kabinet eine
Sprache, deren sich die Lippen des makellosesten Magistratsbeamten
unsrer Geschichte nicht htten zu schmen brauchen. Es wurde ihm kurz
und bndig erklrt, da er entweder seine Ansicht oder seine Stelle
aufgeben msse. An meiner Stelle, antwortete er, ist mir wenig
gelegen. Ich bin im Dienste der Krone alt und schwach geworden, aber ich
sehe zu meiner tiefen Betrbni, da Eure Majestt mich fr fhig
halten, ein Urtheil abzugeben, das nur ein unwissender oder ein ehrloser
Mann abgeben knnte. -- Ich bin berzeugt, sagte der Knig, da ich
zwlf Richter finde, die in dieser Angelegenheit ganz meines Sinnes
sind. -- Zwlf Richter Ihres Sinnes mgen Eure Majestt wohl finden,
erwiederte Jones, schwerlich aber zwlf Rechtsgelehrte[82]. Er wurde
nebst Montague, erstem Baron der Schatzkammer, und zwei jngeren
Richtern, Neville und Charlton, entlassen. Einer der neuen Richter war
Christoph Milton, der jngere Bruder des groen Dichters. Man wei von
diesem Christoph Milton wenig mehr, als da er zur Zeit des
Brgerkrieges Royalist gewesen war und sich jetzt auf seine alten Tage
zum Papismus hinneigte. Es ist nicht erwiesen, da er sich je mit der
rmischen Kirche vllig ausshnte; gewi aber ist es, da er Bedenken
trug, sich der anglikanischen Kirche anzuschlieen, weshalb er ein
starkes Interesse an der Aufrechthaltung des Dispensationsrechts
hatte[83].

Der Knig fand seine Rechtsbeistnde ebenso widerspenstig als seine
Richter. Der erste Anwalt, welcher erfuhr, da man von ihm die
Vertheidigung des Dispensationsrechts erwarte, war der Staatsprokurator
Heneage Finch. Er weigerte sich entschieden und wurde am folgenden Tage
seines Amtes entsetzt[84]. Der Generalfiskal Sawyer erhielt Befehl,
Vollmachten auszufertigen, kraft deren Mitglieder der rmischen Kirche
Pfrnden inne haben durften, welche der englischen Kirche gehrten.
Sawyer war bei einigen der hrtesten und am wenigsten zu
rechtfertigenden Verfolgungen der damaligen Zeit stark betheiligt
gewesen, und die Whigs verabscheuten in ihm einen Mann, der sich mit dem
Blute Russell's und Sydney's befleckt hatte; bei dieser Gelegenheit aber
bewies er keinen Mangel an Ehrenhaftigkeit oder Characterstrke. Sire,
sagte er, dies heit nicht blos von einem Gesetze dispensiren, sondern
das ganze von der Thronbesteigung der Knigin Elisabeth bis auf den
heutigen Tag gltige Gesetzbuch umstoen. Ich darf es nicht thun und
bitte Eure Majestt zu erwgen, ob solch ein Angriff auf die Rechte der
Kirche mit Ihren neulichen gndigen Versprechungen im Einklange
steht[85]. Sawyer wrde so gut wie Finch augenblicklich entlassen
worden sein, wenn die Regierung einen Nachfolger fr ihn htte finden
knnen; allein dies war kein leichtes Ding. Es war fr den Schutz der
Rechte der Krone nthig, da wenigstens einer ihrer Anwlte ein
gelehrter, fhiger und erfahrener Mann war; aber kein solcher lie sich
bereit finden, das Dispensationsrecht zu vertheidigen. Der Generalfiskal
durfte daher seinen Posten noch einige Monate beibehalten. Thomas Powis,
ein unbedeutender Mann, der sich nur durch seine Servilitt zu einem so
hohen Posten empfahl, wurde zum Staatsprokurator ernannt.

    [Anmerkung 82: +Reresby's Memoirs+; +Eachard, III. 797+; +Kennet,
    III. 451.+]

    [Anmerkung 83: +London Gazette, Apr. 22. & 29. 1686+; Barillon,
    19.(29.); +Evelyn's Diary, June 2.+; +Luttrell, June 8.+; +Dodd's
    Church History.+]

    [Anmerkung 84: +North's Life of Guildford, 288.+]

    [Anmerkung 85: +Reresby's Memoirs.+]


[_Proze Sir Eduard Hales'._] Die einleitenden Anstalten waren nun alle
getroffen. Man hatte einen Generalprokurator, der das Dispensationsrecht
zu vertheidigen bereit war, und zwlf Richter, die sich zu Gunsten
desselben aussprechen wollten. Die Frage wurde daher eiligst zur
Verhandlung gebracht. Sir Eduard Hales, ein Gentlemen aus Kent, war zu
einer Zeit, da es fr einen nur einigermaen bekannten Mann nicht
gerathen war, sich offen fr einen Papisten zu erklren, zum Papismus
bergetreten. Er hatte die Sache geheim gehalten, und, wenn er gefragt
wurde, stets mit einer Feierlichkeit, die seinem Character wenig Ehre
machte, versichert, da er Protestant sei. Nachdem Jakob den Thron
bestiegen, war Verstellung nicht mehr nthig. Sir Eduard Hales erklrte
ffentlich seinen bertritt und wurde mit dem Commando eines
Infanterieregiments belohnt. Diese Stelle bekleidete er bereits drei
Monate, ohne den Eid geleistet zu haben, und er hatte dadurch eine
Geldstrafe von fnfhundert Pfund verwirkt, die ein Klger durch eine
Schuldklage eintreiben konnte. Ein Bedienter wurde veranlat, eine Klage
auf diese Summe beim Gerichtshofe der Kings Bench anhngig zu machen.
Sir Eduard leugnete die ihm zur Last gelegten Facta nicht, berief sich
aber darauf, da er Patente habe, die ihn zur Bekleidung seines Postens
trotz der Testacte ermchtigten. Der Klger erhob dagegen einen
Rechtseinwand, das heit, er gab die factische Richtigkeit von Sir
Eduard's Vertheidigungsgrund zu, leugnete aber, da dies eine gengende
Antwort sei. So entstand eine einfache Rechtsfrage, welche der
Gerichtshof zu entscheiden hatte. Ein Advokat, der anerkanntermaen ein
Werkzeug der Regierung war, trat fr den Scheinklger auf und erhob
einige schwache Einwendungen gegen den Vertheidigungsgrund des
Angeklagten. Der neue Generalprokurator replicirte. Der Generalfiskal
nahm keinen Theil an der Verhandlung. Das Urteil wurde von dem
Lordoberrichter, Sir Eduard Herbert, gefllt. Er erklrte, da er die
Frage allen zwlf Richtern vorgelegt habe und da nach der Meinung von
elfen der Knig in besonderen Fllen und aus besonderen hochwichtigen
Grnden von Strafgesetzen dispensiren drfe. Der Einzige, welcher nicht
dieser Ansicht war, Baron Street, wurde seines Amtes nicht entsetzt. Er
war ein Mann von so schlechten Sitten, da seine eigenen Verwandten
jeden Umgang mit ihm vermieden und da dem Prinzen von Oranien zur Zeit
der Revolution gerathen wurde, ihn nicht vor sich zu lassen. Nach
Street's Character kann man unmglich glauben, da er gewissenhafter
gewesen sei als seine Collegen, und nach Jakob's Character kann man
unmglich glauben, da er einen widerspenstigen Baron der Schatzkammer
auf seinem Posten gelassen haben wrde. Es kann also kaum einem Zweifel
unterliegen, da der andersstimmende Richter ebenso wie der Klger und
dessen Rechtsbeistand im Einverstndni mit der Regierung handelte. Es
war nthig, ein groes bergewicht an Autoritt zu Gunsten des
Dispensationsrechts zu erlangen; nicht minder wichtig aber war es auch,
da das fr diesen Fall sorgfltig auserwhlte Richtercollegium als
unabhngig erschien. Einem Richter, den am wenigsten achtungswerthen von
den zwlfen, gestattete man daher, oder befahl man wahrscheinlich, seine
Stimme gegen das Hoheitsrecht abzugeben.[86]

Die auf solche Weise von den Gerichtshfen anerkannte Befugni der Krone
durfte nun auch nicht mig liegen. Innerhalb eines Monats nach
erfolgter Entscheidung der Kings Bench wurden vier rmisch-katholische
Lords als Mitglieder des Geheimen Raths vereidigt. Zwei davon, Powis und
Bellasyse, gehrten zur gemigten Partei und nahmen ihre Sitze
wahrscheinlich mit Widerstreben und mit schlimmen Vorahnungen ein. Die
anderen beiden, Arunell und Dover, hegten keine derartigen
Besorgnisse.[87]

    [Anmerkung 86: Siehe die Erzhlung des Falles in der +Collection
    of State Trials+; Citters, 4.(14.) Mai und 22. Juni (2. Juli)
    1686; +Evelyn's Diary, June 27.+; +Luttrell's Diary, June 21.+
    Hinsichtlich Street's sehe man +Clarendon's Diary, Dec. 27.
    1688.+]

    [Anmerkung 87: +London Gazette, July 19. 1686.+]


[_Rmische Katholiken werden zum Besitz geistlicher Pfrnden
ermchtigt._] Das Dispensationsrecht wurde zu gleicher Zeit auch zu dem
Zwecke benutzt, um rmische Katholiken zu kirchlichen mtern zuzulassen.
Der neue Prokurator fertigte bereitwilligst die Vollmachten aus, von
denen Sawyer nichts hatte wissen wollen. Eine dieser Vollmachten wurde
zu Gunsten eines Elenden, Namens Eduard Sclater, ausgestellt, welcher
zwei Pfrnden hatte, die er um jeden Preis und unter allen Umstnden
behalten wollte. Am Palmsonntage des Jahres 1686 reichte er das
Abendmahl seinen Pfarrkindern nach dem Ritus der anglikanischen Kirche,
und am Ostersonntage, also nur sieben Tage spter, war er in der Messe.
Die knigliche Dispensation ermchtigte ihn, die Einknfte seiner
Pfrnden fortzubeziehen. Auf die Vorstellungen der Gnner, denen er
seine Anstellung verdankte, antwortete er mit frechem Trotze, und
whrend der Katholicismus noch die Oberhand hatte, lie er eine
abgeschmackte Schrift zur Rechtfertigung seines Abfalls erscheinen. Doch
wenige Wochen nach der Revolution sah eine zahlreiche Versammlung in der
Marienkirche im Savoy ihn wieder in den Schoo der verlassenen Kirche
aufnehmen. Er las seinen Widerruf unter strmenden Thrnen ab und hielt
eine heftige Schmhrede gegen die papistischen Priester, deren
Kunstgriffe ihn verfhrt htten.[88]

Nicht weniger schmachvoll war das Verfahren Obadja Walker's. Er war ein
bejahrter Priester der anglikanischen Kirche und an der Universitt
Oxford als gelehrter Mann bekannt. Unter der vorigen Regierung hatte man
ihn in dem Verdachte gehabt, da er sich zum Papismus hinneige, er hatte
sich aber uerlich der Staatsreligion gefgt und war daher endlich zum
Rector des Universitycollegiums ernannt worden. Bald nach Jakob's
Thronbesteigung entschlo sich jedoch Walker, die bisher getragene Maske
abzulegen. Er besuchte den ffentlichen anglikanischen Gottesdienst
nicht mehr und hrte mit einigen Fellows und Untergraduirten, die er
bekehrt hatte, tglich in seiner Privatwohnung die Messe. Eine der
ersten Amtshandlungen des neuen Staatsprokurators war die Ausstellung
einer Urkunde, welche Walker und seine Proselyten ermchtigte, ihre
Pfrnden trotz ihres Abfalles beizubehalten. Es wurden sogleich
Bauhandwerker bestellt, um zwei Reihen Zimmer in eine Betkapelle
umzuwandeln, und nach wenigen Wochen wurde am Universitycollegium
ffentlich katholischer Gottesdienst gehalten. Ein Jesuit wurde als
Kaplan angestellt und mit kniglicher Genehmigung eine Druckerei zur
Herausgabe katholischer Tractate errichtet. Zwei und ein halbes Jahr
lang fuhr Walker fort, mit der ganzen Erbitterung eines Renegaten gegen
den Protestantismus zu Felde zu ziehen; als sich aber das Glck wendete,
bewies er, da er nicht den Muth eines Mrtyrers besa. Er wurde vor die
Schranken des Hauses der Gemeinen gestellt, um sich wegen seines
Benehmens zu verantworten, und war schamlos genug zu erklren, da er
nie seinen Glauben gewechselt, da er im Herzen die Glaubenslehren der
rmischen Kirche nie gebilligt und nie den Versuch gemacht habe, irgend
einen Andren in den Schoo dieser Kirche zu ziehen. Es war gewi nicht
der Mhe werth, die heiligsten Verpflichtungen und Versprechungen mit
Fen zu treten, um solche Convertiten zu machen.[89]

    [Anmerkung 88: Siehe die offenen Briefe in Gurch's +Collectanea
    Curiosa+. Das Datum ist der 3. Mai 1686. +Sclater's Consensus
    Veterum+; Gee's Erwiederung, betitelt: +Veteres Vindicati+; +Dr.+
    Anton Horneck's Bericht ber Sclater's Widerruf der Irrthmer des
    Papismus vom 5. Mai 1689; +Dodd's Church History VIII. II. 3.+]

    [Anmerkung 89: +Gutch's Collectanea Curiosa+; +Dodd, VIII. II.
    3.+; +Wood, Ath. Ox.+; +Ellis's Correspondence, Feb. 27. 1686+;
    +Commons' Journals, Oct. 26, 1689.+]


[_Die Dechanei von Christchurch wird einem Katholiken verliehen._] Bald
ging der Knig noch einen Schritt weiter. Sclater und Walker war nur
gestattet worden, die ihnen zu der Zeit, als sie noch fr Protestanten
galten, verliehenen Anstellungen beizubehalten, nachdem sie Papisten
geworden waren. Aber ein hohes Amt der Staatskirche einem erklrten
Feinde derselben zu verleihen, war eine noch viel frechere Verletzung
der Gesetze und des kniglichen Wortes. Jakob war aber nichts zu frech.
Die Dechanei des Christchurchcollegiums war erledigt. Dieses Amt war in
Rang und Einknften eines der hchsten an der Universitt Oxford. Der
Dechant hatte unter seiner Leitung eine grere Anzahl junger Leute mit
vornehmen Verbindungen und glnzenden Aussichten, als in irgend einem
andren Collegium zu finden waren. Auerdem war er erster Geistlicher an
einer Kathedrale. In beiden Eigenschaften htte er nothwendig ein
Mitglied der Staatskirche sein sollen. Trotzdem wurde kraft des
Dispensationsrechts Johann Massey ernannt, der notorisch ein Mitglied
der rmischen Kirche war und der keine andre Empfehlung fr sich hatte
als eben diese. Bald war in den Rumen des Christchurchcollegiums ein
Altar errichtet, an welchem tglich Messe gelesen wurde.[90] Der Knig
sagte dem Nuntius, was in Oxford geschehen sei, solle bald auch in
Cambridge geschehen.[91]

    [Anmerkung 90: +Gutch's Collectanea Curiosa+; +Wood's Athenae
    Oxonienses+; +Dialogue between a Churchman and a Dissenter,
    1689.+]

    [Anmerkung 91: Adda, 9.(19.) Juli 1686.]


[_Besetzung von Bisthmern._] Doch selbst dies war nur ein kleines bel
im Vergleich zu dem, welches die Protestanten mit gutem Grunde
befrchteten. Es war nur zu wahrscheinlich, da die ganze Oberleitung
der anglikanischen Kirche binnen Kurzem in die Hnde ihrer Todfeinde
bergehen werde. Drei wichtige Bischofssitze, der von York, der von
Chester und der von Oxford, waren unlngst zur Erledigung gekommen. Das
Bisthum von Oxford erhielt Samuel Parker, ein Schmarotzer, dessen
Glaube, wenn er berhaupt einen hatte, der rmische war und der sich nur
deshalb einen Protestanten nannte, weil er eine Frau auf dem Halse
hatte. Ich mchte einen erklrten Katholiken ernennen, sagte der Knig
zu Adda; aber es ist noch nicht die Zeit dazu. Parker ist uns zugethan,
seiner Gesinnung nach ist er einer der Unsrigen, und nach und nach wird
er seine Geistlichen herumbringen.[92] Das Bisthum von Chester, welches
durch den Tod Johann Pearson's, eines in der Philologie und in der
Theologie berhmten Mannes, erledigt worden war, bekam Thomas
Cartwright, ein noch viel niedrigerer Schmarotzer als Parker. Das
Erzbisthum von York blieb mehrere Jahre unbesetzt. Da kein triftiger
Grund zu finden war, warum ein so wichtiger Posten unbesetzt gelassen
wurde, so argwhnte man, da der Knig die Ernennung nur bis zu einer
Zeit verschieben wolle, wo er es wagen durfte, die Mitra einem erklrten
Papisten aufs Haupt zu setzen. Es ist in der That sehr wahrscheinlich,
da die anglikanische Kirche nur durch die Einsicht und den richtigen
Takt des Papstes vor dieser Schmach bewahrt wurde. Ohne besonderen
Dispens von Rom konnte kein Jesuit Bischof werden und Innocenz war durch
nichts zu bewegen, dem Pater Petre einen solchen Dispens zu ertheilen.

    [Anmerkung 92: Adda, 30. Juli (9. Aug.) 1686.]


[_Entschlu Jakob's, sein kirchliches Supremat gegen die Kirche zu
gebrauchen._] Jakob machte gar kein Geheimni aus seiner Absicht, alte
Befugnisse, die er als Oberhaupt der Staatskirche besa, energisch und
systematisch zur Vernichtung derselben anzuwenden. Er sprach es
unverhohlen aus, da nach einer weisen Fgung der Vorsehung die
Suprematsacte das Mittel sein werde, um den Bruch, den sie
herbeigefhrt, wieder zu heilen. Heinrich und Elisabeth htten sich eine
Herrschaft angemat, welche von Rechtswegen dem heiligen Stuhle zukomme.
Diese Herrschaft sei durch Erbfolge auf einen rechtglubigen Frsten
gekommen und dieser werde sie als ein anvertrautes Gut dem heiligen
Stuhle aufbewahren. Das Gesetz ermchtige ihn, kirchliche Mibruche zu
beseitigen, und der erste kirchliche Mibrauch, den er beseitigen wolle,
sei die Freiheit, die sich die anglikanische Geistlichkeit anmae, ihre
eigne Religion zu vertheidigen und die rmischen Glaubenslehren
anzugreifen.[93]

    [Anmerkung 93: +Ce prince m'a dit que Dieu avoit permis que
    toutes les loir qui ont t faites pour tablir la rligion
    Protestante, et dtruire la rligion Catholique, servent
    prsentement de fondement  ce qu'il veut faire pour
    l'tablissement de la vraie rligion, et le mettent en droit
    d'exercer un pouvoir encore plus grand que celui qu'ont les rois
    Catholiques sur les affaires ecclsiastiques dans les autres
    pays.+ -- Barillon, 12.(22.) Juli 1686. Zu Adda sagte Seine
    Majestt einige Tage spter: +Che l'autorit concessale dal
    parlamento sopra l'Ecclesiastico senza alcun limite con fine
    contrario fosse adesso per servire al vantaggio de' medesimi
    Cattolici.+ -- 23. Juli (2. Aug.).]


[_Die ihm entgegenstehenden Schwierigkeiten._] Dabei stie er jedoch auf
eine groe Schwierigkeit. Die durch Erbschaft auf ihn gekommene
kirchliche Oberhoheit war keineswegs die groe und furchtbare
Prrogative, welche Elisabeth, Jakob I. und Karl I. besessen hatten. Die
Verordnung, welche der Krone ein fast unbeschrnktes Oberaufsichtsrecht
ber die Kirche ertheilte, war zwar niemals frmlich aufgehoben worden,
hatte aber doch einen groen Theil ihrer Kraft verloren. Das Gesetz
selbst bestand noch, aber es war nicht mehr von einer achtunggebietenden
Sanction oder von einem wirksamen Procedursystem begleitet, und daher
war es wenig mehr als ein todter Buchstabe.

Das Gesetz, welches Elisabeth die geistliche Oberherrschaft wieder
verlieh, die ihr Vater sich angemat und ihre Schwester niedergelegt
hatte, enthielt eine Klausel, durch welche der Regent ermchtigt wurde,
ein Tribunal einzusetzen, das alle kirchlichen Vergehen untersuchen,
abstellen und bestrafen sollte. Kraft dieser Klausel war der Gerichtshof
der Hohen Commission errichtet worden. Dieser Gerichtshof war viele
Jahre lang der Schrecken der Nonconformisten und wurde unter Laud's
Verwaltung ein Gegenstand der Furcht und des Hasses selbst fr
Diejenigen, welche die Landeskirche am meisten liebten. Als das Lange
Parlament zusammentrat, wurde die Hohe Commission allgemein als das
drckendste der vielen Joche betrachtet, unter denen die Nation seufzte.
Es wurde daher etwas hastig ein Gesetz erlassen, welches der Krone nicht
allein die Befugni entzog, Visitatoren zur Beaufsichtigung der Kirche
zu ernennen, sondern auch alle geistlichen Gerichte ohne Unterschied
abschaffte.

Nach der Restauration erinnerten sich die Kavaliere, welche das
Unterhaus fllten, trotz ihrer Begeisterung fr die Hoheitsrechte, doch
mit Bitterkeit der Tyrannei der Hohen Commission und waren durchaus
nicht geneigt, eine so verhate Einrichtung wieder ins Leben zu rufen.
Zu gleicher Zeit aber waren sie nicht ohne Grund der Meinung, da das
Gesetz, das alle christlichen Gerichtshfe beseitigt hatte, ohne etwas
Andres an deren Stelle zu setzen, doch ernste Einwendungen zulasse. Sie
hoben daher dieses Gesetz, mit Ausnahme des auf die Hohe Commission
bezglichen Theiles, wieder auf. So wurden die Archidiakonalgerichte,
die Consistorialgerichte, der erzbischfliche Gerichtshof, der
Gerichtshof der Privilegirten und der Gerichtshof der Delegirten wieder
eingefhrt; das Gesetz aber, welches Elisabeth und ihre Nachfolger
ermchtigt hatte, Commissare mit visitatorischer Gewalt ber die Kirche
zu ernennen, wurde nicht allein nicht wieder hergestellt, sondern sogar
in den bestimmtesten Ausdrcken fr gnzlich abgeschafft erklrt. Es ist
daher so klar, als nur irgend ein Punkt des Verfassungsrechts sein kann,
da Jakob II. nicht befugt war, eine Commission mit Visitations- und
Regierungsgewalt ber die Kirche Englands zu ernennen.[94] Wenn dem aber
so war, so half es ihm wenig, da die Suprematsacte ihn in hochtrabenden
Worten ermchtigte, vorhandene Mngel dieser Kirche zu verbessern. Nur
eine so gewaltige Maschine, wie die vom Langen Parlamente zerstrte war,
konnte die anglikanische Geistlichkeit zwingen, sein Werkzeug zur
Vernichtung der anglikanischen Glaubenslehre und Kirchenzucht zu werden.
Daher nahm er sich schon im April 1686 vor, einen neuen Gerichtshof der
Hohen Commission zu errichten. Der Plan wurde jedoch nicht sogleich
verwirklicht. Er stie auf den Widerspruch jedes Ministers, der nicht
Frankreich und den Jesuiten ergeben war. Die Rechtsgelehrten
betrachteten ihn als eine rcksichtslose Verletzung des Gesetzes und die
Theologen als einen offnen Angriff auf die Kirche. Der Streit wrde
vielleicht noch lnger gedauert haben, wre nicht ein Ereigni
eingetreten, das den Stolz des Knigs krnkte und seinen Zorn
entflammte. Er hatte als erster Bischof Verordnungen erlassen, die es
den Geistlichen der Landeskirche zur Pflicht machten, sich in ihren
Vortrgen jeder Berhrung der streitigen Lehrpunkte zu enthalten. Also
whrend an jedem Sonn- und Festtage in allen kniglichen Palsten zur
Vertheidigung des katholischen Glaubens gepredigt wurde, war es der
Landeskirche, der Kirche der groen Mehrheit der Nation, verboten, ihre
Grundstze zu errtern und zu vertheidigen. Der Geist des gesammten
Klerus emprte sich gegen diese Ungerechtigkeit. Wilhelm Sherlock, ein
ausgezeichneter Theolog, der mit scharfer Feder gegen die Whigs und
Dissenters geschrieben hatte und dafr von der Regierung mit dem
Vorsteheramte des Tempels und mit einem Jahrgehalte belohnt worden, war
einer der Ersten, der sich das knigliche Mifallen zuzog. Sein Gehalt
wurde ihm entzogen und er erhielt einen strengen Verweis.[95] Johann
Sharp, Dechant von Norwich und Rector von St. Giles in the Fields,
erregte bald darauf noch greres rgerni. Er war ein gelehrter und
wahrhaft gottesfrchtiger Mann, ein berhmter Kanzelredner und ein
musterhafter Seelenhirt. Seiner politischen Meinung nach war er, wie die
meisten seiner Amtsbrder, ein Tory und war eben erst zum kniglichen
Kaplan ernannt worden. Er erhielt einen anonymen Brief, dessen Schreiber
eines seiner Pfarrkinder zu sein vorgab und sagte, er sei durch die
Beweisgrnde der katholischen Theologen so schwankend geworden, da er
gern Gewiheit darber erlangen mchte, ob die anglikanische Kirche
wirklich ein Zweig der wahren Kirche Christi sei. Kein Geistlicher, in
dem nicht jedes Gefhl fr religise Pflicht und Amtsehre erstickt war,
konnte eine solche Anfrage unbeantwortet lassen. Am nchstfolgenden
Sonntage hielt Sharp eine lebendige Predigt gegen die hohen Prtensionen
des rmischen Stuhles. Einige seiner uerungen wurden bertrieben und
verdreht von Ohrenblsern nach Whitehall berichtet; es wurde flschlich
behauptet, er habe verchtlich von den theologischen Untersuchungen
gesprochen, die in der Geldkasse des verstorbenen Knigs gefunden und
von dem gegenwrtigen Knige verffentlicht worden waren. Compton, der
Bischof von London, erhielt von Sunderland den Befehl, Sharp bis auf
weitere knigliche Entschlieung zu suspendiren. Der Bischof war in der
grten Verlegenheit. Sein krzliches Auftreten im Hause der Lords hatte
ihm das entschiedene Mifallen des Hofes zugezogen; schon war sein Name
aus der Liste der Geheimen Rthe gestrichen, schon war er seines Amtes
an der kniglichen Kapelle entsetzt. Er wollte nicht gern neuen Ansto
geben; aber der Act, der ihm anbefohlen wurde, war ein gerichtlicher
Act. Er erkannte die Ungerechtigkeit desselben, und die besten Rathgeber
versicherten ihm, da es auch ungesetzlich sei, eine Strafe zu
verhngen, ohne da dem Betroffenen Gelegenheit zu seiner Vertheidigung
gegeben worden war. Er stellte daher dem Knige diese Bedenken in den
bescheidensten Ausdrcken vor und ersuchte Sharp privatim, vorlufig
nicht zu predigen. So vernnftig jedoch Compton's Bedenken und so
demthig seine Entschuldigungsgrnde gehalten waren, Jakob war hchlich
entrstet. Welche Unverschmtheit, die natrliche Gerechtigkeit und das
positive Gesetz einem ausdrcklichen Befehle des Souverains
gegenberzustellen! Sharp wurde vergessen und die ganze Rache der
Regierung fiel auf den Bischof.[96]

    [Anmerkung 94: Diese ganze Frage ist ausgezeichnet klar und
    unwiderlegbar in einer damals unter dem Titel: +The King's Power
    in Matters Ecclesiastical fairly stated+ erschienenen kleinen
    Schrift abgehandelt. Siehe auch die kurze, aber krftige
    Beweisfhrung des Erzbischofs Sancroft in seiner Biographie von
    Doyle, I. 229.]

    [Anmerkung 95: Brief von Jakob an Clarendon v. 18. Febr. 1685/86.]

    [Anmerkung 96: Den besten Bericht ber diesen Vorgang findet man
    in Sharp's Lebensbeschreibung, herausgegeben von seinem Sohne.
    Citters, 29. Juni (9. Juli) 1686.]


[_Er errichtet einen neuen Gerichtshof der Hohen Commission._] Der Knig
vermite schmerzlicher als je das gefrchtete Zwangsmittel, welches
ehedem die widerspenstigen Geistlichen gebndigt hatte. Er wute
wahrscheinlich, da der Bischof Williams wegen einiger Worte des
Unwillens gegen die Regierung seines Vaters durch die Hohe Commission
aller seiner kirchlichen Wrden und mter enthoben worden war. Der Plan,
dieses furchtbare Tribunal wieder ins Leben zu rufen, wurde eifriger als
je betrieben. Im Juli wurde London pltzlich durch die Neuigkeit
erschreckt, da der Knig in offenem Widerspruch mit zwei in den
bestimmtesten Ausdrcken abgefaten Parlamentsverordnungen, das ganze
Kirchenregiment in die Hnde von sieben Commissaren gelegt habe.[97] Die
Worte, in denen der Umfang der Gerichtsbarkeit dieser Beamten bezeichnet
war, waren unbestimmt und lieen sich fast zu jeder beliebigen Tragweite
ausdehnen. Alle Collegien und Bildungsanstalten, selbst die durch
Privatwohlthtigkeit gegrndeten, wurden unter die Oberaufsicht dieser
neuen Behrde gestellt. Alle Diejenigen, deren Lebensunterhalt von
Stellen bei der Kirche oder an akademischen Anstalten abhing, vom
Erzbischof bis herab zum jngsten Curaten, vom Vicekanzler von Oxford
und Cambridge bis herab zum bescheidensten Lehrer, der den Corderius
las, waren nun der kniglichen Gnade preisgegeben. Stand einer von
diesen vielen Tausenden in dem Verdacht irgend einer der Regierung
miflligen Handlung oder uerung, so konnte die Commission ihn vor
sich laden. Ihr Verfahren gegen ihn war durch keine Vorschriften
geregelt, sie war zu gleicher Zeit Anklger und Richter. Der Angeklagte
erhielt keine Abschrift von der Anklage, er wurde nur verhrt, und waren
seine Antworten nicht befriedigend, so konnte er seines Amtes entsetzt,
davon vertrieben und zu jeder ferneren Anstellung unfhig erklrt
werden. Zeigte er sich widerspenstig, so konnte er excommunicirt, das
heit mit anderen Worten aller brgerlichen Rechte beraubt und auf
Lebenszeit eingesperrt werden. Auch konnte er nach Belieben des
Gerichtshofes in alle Kosten des Prozesses verurtheilt werden, der ihn
zum Bettler machte. Von einer Appellation war keine Rede. Die Commission
hatte Befehl, sich bei der Ausbung ihrer Functionen durch kein Gesetz,
das mit diesen Anordnungen unvereinbar war oder zu sein schien, irre
machen zu lassen. Damit endlich Niemand zweifeln konnte, da man
beabsichtigte, den gefrchteten Gerichtshof wieder einzufhren, von dem
das Lange Parlament die Nation befreit hatte, sollte das neue Tribunal
sich eines Siegels bedienen, das genau die nmliche Devise und die
nmliche Umschrift hatte wie das Siegel der ehemaligen Hohen
Commission.[98]

Der oberste Commissar war der Kanzler. Seine Anwesenheit und seine
Zustimmung waren zu jedem gerichtlichen Schritte erforderlich. Jedermann
wute, wie ungerecht, rcksichtslos und unmenschlich er sich bei
Gerichtshfen gezeigt hatte, wo er bis zu einem gewissen Grade durch die
bekannten Gesetze Englands beschrnkt worden war. Es war daher unschwer
vorauszusehen, wie er sich in einer Stellung zeigen wrde, in der es ihm
vllig freistand, sich seine eigenen Procedurformen und Beweisregeln
nach Belieben zu bilden.

Von den anderen sechs Commissaren waren drei Prlaten und drei Laien.
Obenan stand der Name des Erzbischofs Sancroft. Dieser war jedoch der
festen berzeugung, da das ganze Gericht ungesetzlich sei, da alle
Aussprche desselben nichtig seien und da er sich durch Theilnahme an
demselben eine schwere Verantwortlichkeit aufbrden werde. Er beschlo
daher, dem kniglichen Rufe nicht Folge zu leisten. Allerdings handelte
er bei dieser Gelegenheit nicht mit dem Muthe und der Aufrichtigkeit,
die er zwei Jahre spter bewies, als er aufs uerste getrieben wurde.
Er entschuldigte sich mit Geschften und angegriffener Gesundheit und
setzte hinzu, die brigen Mitglieder des Collegiums seien zu tchtige
Mnner, als da sie seines Beistandes bedrfen knnten. Diese leeren
Ausflchte ziemten sich in einer so hochwichtigen Angelegenheit nicht
fr den Primas von ganz England; auch schtzten sie ihn nicht vor der
kniglichen Ungnade. Sancroft's Name wurde zwar nicht aus der Liste der
Geheimen Rthe gestrichen, aber zum groen Verdru der Freunde der
Kirche wurde er nicht mehr zur Teilnahme an den Staatsrathssitzungen
aufgefordert. Wenn er zu krnklich oder zu beschftigt ist, um in die
Commission gehen zu knnen, sagte der Knig, so ist es nicht mehr als
billig, ihn auch von dem Besuche des Geheimen Raths zu befreien.[99]

Auf keine derartigen Schwierigkeiten stie die Regierung bei Nathaniel
Crewe, Bischof des groen und reichen Bisthums Durham, ein Mann von
adeliger Abkunft, der in seinem Berufe so hoch gestiegen war, da er
kaum wnschen konnte, noch hher zu steigen, aber gemeinen Sinnes, eitel
und feigherzig. Er war zum Dechant der kniglichen Kapelle ernannt
worden, als der Bischof von London aus dem Palaste verbannt wurde. Die
Ehre, ein Mitglied der Hohen Commission zu werden, verrckte Crewe den
Kopf. Umsonst machten ihn einige seiner Freunde darauf aufmerksam,
welchen Gefahren er sich durch Betheiligung an einem gesetzwidrigen
Gerichtshofe aussetzte. Er schmte sich nicht zu antworten, da er ohne
das knigliche Lcheln nicht leben knne, und sprach frohlockend die
Hoffnung aus, sein Name werde in der Geschichte fortleben, eine
Hoffnung, die allerdings zum Theil in Erfllung gegangen ist.[100]

Der dritte geistliche Commissar war Thomas Sprat, Bischof von Rochester.
Er war ein Mann, dessen Talenten die Nachwelt kaum hat Gerechtigkeit
widerfahren lassen. Zum Unglck fr seinen Ruhm sind seine Verse
gewhnlich in die Sammlungen britischer Dichter aufgenommen worden,
und wer ihn nach seinen Versen beurtheilt, mu ihn fr einen
sklavischen Nachbeter halten, der, ohne einen Funken von Cowley's
bewunderungswrdigem Genie zu besitzen, gerade das in Cowley's Manier
am wenigsten Empfehlenswerthe nachahmte; wer aber Sprat's prosaische
Schriften kennt, wird eine ganz andre Meinung von seinem Talent haben.
Er war in der That ein groer Meister unsrer Sprache und besa zu
gleicher Zeit die Beredtsamkeit des Redners, des Polemikers und des
Historikers. Sein sittlicher Character wrde wenig Tadel erfahren haben,
htte er einem weniger heiligen Stande angehrt; aber das Schlimmste,
was man ihm nachsagen kann, ist, da er gleichgltig, genuschtig und
weltlich war. Doch solche Fehler werden zwar bei Mnnern weltlichen
Berufs gewhnlich nicht fr so schlimm gehalten, sind aber bei einem
Prlaten sehr anstig. Das Erzbisthum York war erledigt; Sprat hoffte
es zu erhalten, und dies bewog ihn, einen Sitz bei der neuen geistlichen
Behrde anzunehmen. Aber er war viel zu gutherzig, um Hrte zu ben, und
viel zu klug, um nicht einzusehen, da ihn in Zukunft ein Parlament zur
ernsten Rechenschaft ziehen konnte. Er nahm daher die Stelle an, bemhte
sich aber, so mild als mglich aufzutreten und sich so wenig als mglich
Feinde zu machen.[101]

Die anderen drei Commissare waren der Lordschatzmeister, der
Lordprsident und der Oberrichter der Kings Bench. Rochester mibilligte
die Sache und murrte dagegen, verstand sich aber dennoch zur Mitwirkung,
so viel er auch am Hofe ertragen mute, konnte er sich doch nicht
entschlieen, denselben zu verlassen. So sehr er der Kirche zugethan
war, konnte er es doch nicht ber sich gewinnen, ihr seinen weien Stab,
sein Patronat, seinen Gehalt von achttausend Pfund und die noch viel
bedeutenderen Nebeneinknfte seines Amtes aufzuopfern. Er entschuldigte
sein Benehmen gegen Andere und vielleicht auch gegen sich selbst damit,
da er sagte, er knne als Mitglied der Hohen Commission viel Schlimmes
verhten und es werde sich, wenn er die Stelle ablehne, anstatt seiner
leicht ein der protestantischen Kirche weniger ergebener Mann finden.
Sunderland war der Reprsentant der jesuitischen Cabale. Herbert's
krzlicher Ausspruch in der Frage des Dispensationsrechts lie erwarten,
da er sich keiner Dienstleistung, die der Knig von ihm verlangen
knnte, entziehen werde.

    [Anmerkung 97: Barillon, 21. Juli (1. Aug.) 1686; Citters,
    16.(26.) Juli; +Privy Council Book, July 17.+; +Ellis
    Correspondence, July 17.+; +Evelyn's Diary, July 14.+; +Luttrell's
    Diary, Aug. 5. 6.+]

    [Anmerkung 98: Die Devise war eine Rose und eine Krone. Vor der
    Devise stand der Anfangsbuchstabe des kniglichen Namens, dahinter
    der Buchstabe +R.+ Die Umschrift lautete: +Sigillum
    commissariorum regiae mejestatis ad causas ecclesiasticas.+]

    [Anmerkung 99: Anhang zu Clarendon's Tagebuch; Citters, 8.(18.)
    Oct. 1686; Barillon, 11.(21.) Oct.; +Doyle's Life of Sancroft.+]

    [Anmerkung 100: +Burnet, I. 676.+]

    [Anmerkung 101: +Burnet, II. 629+; Sprat's Briefe an Dorset.]


[_Verfahren gegen den Bischof von London._] Sobald die Commission
erffnet war, wurde der Bischof von London vor das neue Tribunal
geladen. Er erschien. Ich bitte Sie, sagte Jeffreys, um eine directe
und bestimmte Antwort: warum haben Sie +Dr.+ Sharp nicht suspendirt?

Der Bischof verlangte die schriftliche Vollmacht der Commission zu
sehen, um zu erfahren, auf welche Autoritt hin er so gefragt werde.
Wenn Sie unsre Autoritt in Zweifel ziehen, erwiederte Jeffreys, so
werde ich einen andren Weg mit Ihnen einschlagen. Was unsre Vollmacht
betrifft, so bin ich berzeugt, da Sie dieselbe bereits gesehen haben.
Jedenfalls knnen Sie sie im ersten besten Kaffeehause fr einen Penny
lesen. Diese unverschmte Antwort des Kanzlers erregte den Unwillen der
anderen Commissare und er war genthigt, einige ungeschickte
Entschuldigungen vorzubringen. Dann kehrte er zu dem Punkte zurck, von
dem er ausgegangen war. Dies, sagte er, ist kein Gerichtshof, bei dem
schriftliche Anklagen niedergelegt werden. Unser Verfahren ist
summarisch und mndlich. Die Frage ist einfach die: warum haben Sie dem
Knige nicht gehorcht? Nicht ohne Schwierigkeit erlangte Compton einen
kurzen Aufschub und die Gestattung eines Rechtsbeistandes. Nachdem der
Fall vorgetragen war, sah Jedermann ein, da der Bischof nur seine
Pflicht gethan hatte. Der Schatzmeister, der Oberrichter und Sprat waren
fr die Freisprechung. Darber gerieth der Knig in Zorn. Es schien, als
ob die Hohe Commission ihn ebenso im Stiche lassen werde, wie ihn sein
toryistisches Parlament im Stiche gelassen hatte. Er stellte daher
Rochester die einfache Alternative, da er entweder den Bischof fr
schuldig zu erklren oder das Schatzamt zu verlassen habe. Rochester war
erbrmlich genug nachzugeben. Compton wurde aller seiner geistlichen
Functionen entsetzt und die Verwaltung seines groen Sprengels seinen
Richtern, Sprat und Crewe, bertragen. Er bewohnte jedoch nach wie vor
seinen Palast und bezog seine Einknfte fort, denn man wute sehr wohl,
da, wenn man den Versuch gemacht htte ihn seiner Emolumente zu
berauben, er sich unter den Schutz des gemeinen Rechts begeben haben
wrde, und Herbert selbst erklrte, da nach diesem Rechte das Urtheil
gegen die Krone ausfallen mte. Diese Erwgung bestimmte den Knig inne
zu halten. Nur wenige Wochen waren verflossen, seitdem er die
Gerichtshfe von Westminsterhall neu zusammengesetzt hatte, um eine
Entscheidung zu Gunsten seines Dispensationsrechts zu erlangen, und er
berzeugte sich jetzt, da er ohne eine nochmalige Sichtung nicht im
Stande sein wrde, einen Ausspruch zu Gunsten des Verfahrens seiner
kirchlichen Commission zu erlangen. Er beschlo daher, die Einziehung
der Revenuen widerspenstiger Geistlicher kurze Zeit aufzuschieben.[102]

    [Anmerkung 102: +Burnet I. 677.+; Barillon, Sept. 6.(16.) 1686.
    Der ffentliche Proze befindet sich in der +Collection of State
    Trials+.]


[_Die ffentliche Schaustellung rmisch-katholischer Gebruche und
Trachten erregt Unzufriedenheit._] Die Stimmung der Nation war
allerdings auch von der Art, da sie ihn wohl zum Einhalten bestimmen
konnte. Seit einigen Monaten war die Unzufriedenheit in fortwhrendem
und reiend schnellem Wachsen begriffen. Die Feier des katholischen
Gottesdienstes war lange Zeit durch eine Parlamentsacte verboten
gewesen. Seit mehreren Generationen hatte kein rmisch-katholischer
Geistlicher es wagen drfen, sich mit den Zeichen seines Amtes
ffentlich blicken zu lassen. Gegen die Ordensgeistlichen und
insbesondere gegen die nie ruhenden und verschmitzten Jesuiten war eine
Reihe strenger Verordnungen erlassen worden. Jeder Jesuit, der dieses
Land betrat, setzte sich der Gefahr aus, gehngt, geschleift und
geviertheilt zu werden. Auf seine Entdeckung war eine Belohnung
ausgesetzt; auf ihn fand die allgemeine Regel, da Niemand sein eigner
Anklger sein knne, keine Anwendung. Wer in dem Verdachte stand, ein
Jesuit zu sein, konnte befragt, und wenn er sich zu antworten weigerte,
auf Lebenszeit eingesperrt werden.[103] Obgleich nun diese Gesetze nur
in solchen Fllen, wo man eine besondere Gefahr vermuthete, streng
gehandhabt worden waren und die Jesuiten keineswegs von England fern
gehalten hatten, so hatten sie doch die grte Vorsicht nthig gemacht.
Jetzt aber wurde jede Verstellung bei Seite geworfen. Unverstndige
Mitglieder der Kirche des Knigs suchten, durch ihn ermuthigt, etwas
darin, Gesetzen, welche noch unbestreitbare Gltigkeit hatten, und
Gefhlen, welche jetzt im Geiste der Nation tiefer wurzelten als je
zuvor, Hohn zu sprechen. In allen Gegenden des Landes entstanden
rmisch-katholische Kapellen; Mnchskutten, Grtelschnuren und
Rosenkrnze zeigten sich fortwhrend auf den Straen und setzten eine
Bevlkerung in Erstaunen, deren lteste Leute noch nie eine
Klostertracht, auer auf der Bhne, gesehen hatten. In Clerkenwall wurde
auf der Stelle des ehemaligen Klosters St. Johann ein neues Kloster
erbaut; die Franziskaner bezogen ein Haus in Lincoln's Inn Fields, die
Carmeliter eins in der City; eine Gesellschaft Benedictinermnche
quartierte sich im St. Jamespalast ein und im Savoy wurde ein gerumiges
Haus mit Kirche und Schule fr die Jesuiten erbaut.[104] Die
Geschicklichkeit und Sorgfalt, mit der diese Vter seit mehreren
Generationen die Erziehung, der Jugend geleitet, hatte selbst die
weisesten Protestanten wider ihren Willen zu lobender Anerkennung
genthigt. Bacon hatte die in den Jesuitencollegien angewendete
Unterrichtsmethode fr die beste erklrt, die man bis jetzt kenne und
sein lebhaftes Bedauern darber ausgesprochen, da ein so vorzgliches
System geistiger und sittlicher Erziehung den Interessen einer
verderbten Religion diene.[105] Es war nicht unwahrscheinlich, da die
neue Akademie im Savoy unter kniglichem Patronate eine gefhrliche
Nebenbuhlerin fr die groen Anstalten von Eton, Westminster und
Winchester wurde. In der That zhlte die Schule kurz nach ihrer
Erffnung bereits vierhundert Knaben, von denen ungefhr die Hlfte
Protestanten waren. Die protestantischen Zglinge hatten nicht nthig
die Messe zu besuchen, aber es unterlag keinem Zweifel, da der Einflu
tchtiger, der rmisch-katholischen Kirche ergebener und mit allen
Knsten, welche das Vertrauen und die Zuneigung der Jugend gewinnen,
vertrauter Lehrer viele Convertiten machen werde.

    [Anmerkung 103: +27 Eliz. c. 2.+; +2 Jac. 1. c. 4.+; +3 Jac. 1. c.
    5.+]

    [Anmerkung 104: +Clarke's Life of James the Second, II. 79, 80.
    Orig. Mem.+]

    [Anmerkung 105: +De Augmentis, I. VI. 4.+]


[_Tumulte._] Diese Dinge riefen eine groe Aufregung unter dem niederen
Volke hervor, auf welches sinnliche Wahrnehmungen stets einen greren
Eindruck machen als Einwirkungen auf den Verstand. Tausende von
einfachen und unwissenden Leuten, fr welche die Dispensationsgewalt und
die kirchliche Commission Worte ohne Bedeutung waren, sahen mit
Besorgni und Unwillen an den Ufern der Themse ein Jesuitencollegium
sich erheben, Mnche in Kutte und Kaputze am Strande umhergehen und
Schaaren von Andchtigen nach den Tempeln strmen, in denen geschnitzte
Bilder angebetet wurden. Es brachen in verschiedenen Gegenden des Landes
Aufstnde aus. In Coventry und Worcester wurde der katholische
Gottesdienst gewaltsam unterbrochen.[106] In Bristol fhrte der
angeblich von der Behrde untersttzte Pbel ein gottloses und
unschickliches Schauspiel auf, in welchem die Jungfrau Maria durch einen
Hanswurst dargestellt und eine karrikirte Hostie in Prozession
umhergetragen wurde. Die Garnison mute ausrcken, um den Pbel zu
zerstreuen. Dieser aber, schon damals, wie noch heute einer der
wildesten des ganzen Reichs, leistete Widerstand, so da es zu
Thtlichkeiten kam und schwere Verletzungen vorfielen.[107] In der
Hauptstadt war die Aufregung gro, und in der eigentlichen City grer
als in Westminster, denn die Bewohner von Westminster waren an den
Anblick der Privatkapellen der rmisch-katholischen Gesandten gewhnt,
die City aber war seit Menschengedenken durch keine gtzendienerische
Schaugebung befleckt worden. Jetzt aber errichtete der Gesandte des
Kurfrsten von der Pfalz auf Anregung des Knigs in Lime Street eine
Kapelle. Die Oberhupter der Korporation, obgleich Mnner, die wegen
ihres bekannten Toryismus zu ihren mtern erwhlt waren, protestirten
gegen dieses Verfahren, das, wie sie sagten, von den gelehrtesten Herren
von der langen Robe fr ungesetzlich erklrt wrde. Der Lordmayor wurde
vor den Geheimen Rath gefordert. Bedenkt wohl was Ihr thut, sagte der
Knig zu ihm: gehorcht mir und kmmert Euch weder um die Herren von der
langen Robe noch um die Herren von der kurzen Robe. Hierauf nahm der
Kanzler das Wort und gab dem unglcklichen Mayor mit der chten
Beredtsamkeit der Old-Bailey-Barre einen Verweis. Die Kapelle wurde
geffnet, und bald gerieth die ganze Nachbarschaft in Aufruhr. Groe
Volkshaufen rotteten sich in Cheapside zusammen, um das neue Mehaus
anzugreifen. Die Priester wurden insultirt, ein Kruzifix wurde aus der
Kapelle geholt und auf den Gemeindebrunnen gepflanzt. Der Lordmayor kam
herbei, um den Aufstand zu dmpfen, wurde aber mit dem Geschrei: Keine
hlzernen Gtter! empfangen. Jetzt wurde die Miliz aufgeboten, um den
Haufen zu zerstreuen, aber sie theilte die Ansichten des Volks und man
hrte in ihren Reihen uerungen wie diese: Wir knnen mit gutem
Gewissen nicht fr den Papismus kmpfen.[108]

Der Kurfrst von der Pfalz war, wie Jakob, ein eifriger Katholik und,
ebenfalls wie Jakob, Beherrscher eines protestantischen Volks; aber in
Character und Verstand glichen sie einander nur wenig. Der Kurfrst
hatte versprochen, die in seinen Besitzungen anerkannte Landeskirche zu
achten. Er hatte gewissenhaft Wort gehalten und sich durch die
bereilten Reden von Predigern, welche in ihrem Ha gegen seinen Glauben
gelegentlich die seiner Person schuldige Achtung aus den Augen setzten,
nie zu irgend einer Gewaltthtigkeit hinreien lassen.[109] Er vernahm
mit Bedauern, da die unverstndige Handlungsweise seines Vertreters die
Londoner heftig verdrossen hatte, und erklrte, was ihm sehr zur Ehre
gereichte, da er lieber dem ihm als souverainen Frst zustehenden
Vorrechte entsagen, als den Frieden einer groen Stadt gefhrden wolle.
Auch ich, schrieb er an Jakob, habe protestantische Unterthanen, und
ich wei, wie vorsichtig und rcksichtsvoll ein katholischer Frst in
solcher Stellung handeln mu. Anstatt dieses menschenfreundliche und
besonnene Benehmen lobend anzuerkennen, spttelte Jakob in Anwesenheit
des Gesandten ber den Brief. Es wurde beschlossen, da der Kurfrst in
der City eine Kapelle haben solle, mochte er wollen oder nicht, und da,
wenn die Milizen sich weigerten ihre Pflicht zu thun, sie durch die
Garden ersetzt werden sollten.[110]

Diese Ruhestrungen bten einen ernsten Einflu auf den Handel aus. Der
hollndische Gesandte schrieb an die Generalstaaten, da die
Brsengeschfte stockten. Die Zollcommissare berichteten dem Knige, da
in dem auf die Erffnung der Kapelle in Lime Street folgenden Monate die
Einnahme im Themsehafen sich um einige tausend Pfund verringert
habe.[111] Mehrere Aldermen, welche zwar entschiedene Royalisten und
unter der neuen Gemeindeverfassung angestellt, aber an der commerciellen
Wohlfahrt ihrer Vaterstadt ein starkes Interesse hatten und weder den
Papismus noch das Kriegsgesetz liebten, reichten ihre Entlassung ein.
Aber der Knig war entschlossen nicht nachzugeben.

    [Anmerkung 106: Citters, 14.(24.) Mai 1686.]

    [Anmerkung 107: Citters, 18.(28.) Mai 1686; Adda, 19.(29.) Mai.]

    [Anmerkung 108: +Ellis Correspondence, April 27. 1686+; Barillon,
    19.(29.) April; Citters, 20.(30.) April; +Privy Council Book,
    March 26.+; +Luttrell's Diary+; Adda, 26. Feb. (8 Mrz), 26. Mrz
    (5. April), 2.(12.) April u. 23. April (3. Mai).]

    [Anmerkung 109: +Burnet's Travels.+]

    [Anmerkung 110: Barillon, 27. Mai (6. Juni) 1686.]

    [Anmerkung 111: Citters, 25. Mai (4. Juni) 1686.]


[_Es wird bei Hounslow ein Lager gebildet._] Er bildete auf der Haide
von Hounslow ein Lager und zog daselbst auf einem Umkreis von ungefhr
dritthalb Meilen vierzehn Infanteriebataillone und zweiunddreiig
Reiterschwadronen, in Summa etwa dreizehntausend Mann, zusammen.
Sechsundzwanzig Geschtze und eine Menge mit Waffen und Munition
beladene Wagen fuhren vom Tower durch die City nach Hounslow.[112] Die
Londoner betrachteten diese in ihrer Nhe versammelte groe Truppenmacht
anfangs mit Entsetzen, das sich jedoch bei genauerem Bekanntwerden mit
derselben bald verminderte. Ein Ausflug nach Hounslow wurde ihr
Lieblingsvergngen an Sonn- und Feiertagen. Das Lager gewhrte den
Anblick eines groen Jahrmarkts. In buntem Gemisch mit den Musketieren
und Dragonern wogten eine Menge eleganter Herren und Damen von Soho
Square, Gauner und geschminkte Dirnen von Whitefriars, Kranke in
Snften, Mnche in Kutte und Kaputze, Lakaien in glnzenden Livreen,
Hausirer, Apfelsinenmdchen, muthwillige Lehrbuben und gaffende Bauern
bestndig in den langen Zeltgassen auf und ab. In einigen Zelten hrte
man den Lrm wster Trinkgelage, in anderen die Flche von Spielern. Der
Platz war eigentlich nur eine heitere Vorstadt von London. Der Knig
hatte sich, wie es sich zwei Jahre spter genugsam zeigte, vollstndig
verrechnet. Er hatte vergessen, da die Nachbarschaft verschiedene
Wirkungen ausbt. Er hatte gehofft, seine Armee werde London Schrecken
einjagen, und das wirkliche Resultat seiner Maregel war, da die
Gefhle und Ansichten der Londoner sich vollstndig auch seiner Armee
bemchtigten.[113]

Das Lager war in der That kaum gebildet, so hrte man auch schon von
Schlgereien zwischen den protestantischen und papistischen
Soldaten.[114] Eine kleine Schrift, betitelt: Ergebene und herzliche
Ansprache an alle englischen Protestanten in der Armee, war eifrig in
den Reihen verbreitet worden. Der Verfasser ermahnte die Truppen auf das
Nachdrcklichste, da sie ihre Waffen nicht zur Vertheidigung des
Mebuches, sondern der Bibel, der Magna Charta und der Bitte um Recht
gebrauchen sollten. Er war ein Mann, der schon dem Zorne der Gewalt
anheim gefallen war. Sein Character war interessant und seine Geschichte
ziemlich lehrreich.

    [Anmerkung 112: +Ellis Correspondence, June 26. 1686+; Citters,
    2.(12.) Juli; +Luttrell's Diary, July 19.+]

    [Anmerkung 113: Siehe die damals erschienenen Gedichte: +Hounslow
    Heath+ und +Caesar's Ghost+; +Evelyn's Diary, June 2. 1686.+ Eine
    Ballade in der Pepys'schen Sammlung enthlt folgende Zeilen:

        Der Platz gefiel mir gar zu schn,
        Nie sah ein Lager ich so fein,
        Kein Mdchen durft' vorbergeh'n,
        Gleich schenkt' man ihr ein Glschen Wein.]

    [Anmerkung 114: +Luttrell's Diary, June 18. 1686.+]


[_Samuel Johnson._] Er hie Samuel Johnson, war Priester der
anglikanischen Kirche und Kaplan bei Lord Russell gewesen. Johnson
gehrte zu den Leuten, die von ihren Gegnern tdtlich gehat und von
ihren Verbndeten mehr geachtet als geliebt werden. Seine Sitten waren
tadellos, seine Religiositt tief und glhend, seine Gelehrsamkeit und
seine Talente nicht zu verachten, sein Urtheil schwach und sein
Character gallig, unruhig und unbeugsam starrsinnig. Er war den eifrigen
Anhngern der Monarchie besonders seines Standes wegen verhat, denn ein
republikanischer Geistlicher war ein seltsames, fast unnatrliches
Wesen. Unter der vorigen Regierung hatte Johnson ein Werk herausgegeben,
betitelt: +Julian the Apostate+. Der Zweck dieses Buches war zu
beweisen, da die Christen des vierzehnten Jahrhunderts den Grundsatz
der Verwerflichkeit des Widerstandes nicht befolgten. Es lieen sich
leicht aus Chrysostomus und Hieronymus Stellen anfhren, die in einem
von dem Geiste der gegen die Ausschlieungsbill predigenden
anglikanischen Theologen vllig verschiedenen Sinne geschrieben waren.
Johnson ging indessen noch weiter. Er suchte die gehssige Beschuldigung
wieder hervor, welche Libanius aus leicht erklrlichen Grnden gegen die
Soldaten Julian's erhoben hatte, und gab zu verstehen, da der
Wurfspie, der den kaiserlichen Renegaten tdtete, nicht von einem
Feinde, sondern von einem Rumbold oder Ferguson aus den eigenen Reihen
der Rmer geschleudert worden sei. Dies fhrte eine heftige Polemik
herbei. Whiggistische und toryistische Disputanten stritten sich heftig
ber eine dunkle Stelle, in der Gregor von Nazianz einen frommen Bischof
lobt, der im Begriff stand, Jemanden zu prgeln. Die Whigs behaupteten,
der heilige Mann habe den Kaiser schlagen wollen, die Tories meinten, er
habe es hchstens auf einen Hauptmann der Garde abgesehen gehabt.
Johnson schrieb nun eine Replik gegen seine Angreifer, worin er eine
sehr geistreich durchgefhrte Parallele zwischen Julian und Jakob,
welcher damals Herzog von York war, zog. Julian hatte sich mehrere Jahre
gestellt als ob er den Gtzendienst verabscheute, whrend er im Herzen
selbst ein Gtzendiener war. Julian hatte, wenn es seinem Interesse
entsprach, gelegentlich Achtung vor den Rechten der berzeugung
geheuchelt. Julian hatte Stdte, welche der wahren Religion aufrichtig
zugethan waren, durch Entziehung ihrer Municipalfreiheiten bestraft. Und
Julian war von seinen Schmeichlern der Gerechte genannt worden. Jakob
fhlte sich schwer beleidigt. Johnson wurde als Pasquillant verfolgt,
schuldig befunden und zu einer Geldbue verurtheilt, die er nicht
bezahlen konnte. Er wurde daher eingesperrt und es hatte ganz den
Anschein, als ob seine Haft nur mit seinem Leben enden werde.[115]

    [Anmerkung 115: Siehe Johnson's Denkwrdigkeiten als Einleitung zu
    der Folioausgabe seiner Lebensbeschreibung, seinen Julian und
    seine Antworten an seine Gegner. Auerdem auch +Hickes's Jovian+.]


[_Hugo Speke._] ber der Zelle, die er im Kingsbenchgefngnisse
bewohnte, sa ein andrer Verbrecher, dessen Character wohl verdient
studirt zu werden. Dies war Hugo Speke, ein junger Mann aus guter
Familie, aber von merkwrdig verderbten und gemeinem Character. Seine
Neigung zu Unfug und zu dunklen, krummen Wegen war fast eine krankhafte
Manie. Unheil zu stiften, ohne entdeckt zu werden, war sein Geschft und
sein Vergngen, und er besa ein seltenes Geschick darin, ehrliche
Fanatiker zu Werkzeugen seiner kaltbltigen Bosheit zu benutzen. So
hatte er vermittelst einer seiner Strohmnner den Versuch gemacht, Karl
und Jakob des Verbrechens zu beschuldigen, Essex im Tower ermordet zu
haben. Bei dieser Gelegenheit war man dem Treiben Speke's auf die Spur
gekommen, und obgleich es ihm gelang, den grten Theil der Schuld auf
den von ihm Bethrten zu wlzen, kam er doch nicht ungestraft davon. Er
sa jetzt im Gefngni, aber sein Vermgen erlaubte ihm anstndig zu
leben und seine Haft war so mild, da er mit einem seiner Genossen, der
eine geheime Druckerei betrieb, einen regelmigen Verkehr unterhalten
konnte.

Johnson war ganz der Mann, wie Speke ihn fr seine Zwecke brauchen
konnte: eifrig und furchtlos, ein gelehrter und gewandter Polemiker, und
dabei einfltig wie ein Kind. Es bildete sich ein intimes
Freundschaftsverhltni zwischen den beiden Gefangenen. Johnson schrieb
eine Reihe bitterer und heftiger Artikel, welche Speke zum Druck
befrderte. Als das Lager von Hounslow gebildet war, drang Speke in
Johnson, eine Ansprache zu schreiben, welche die Truppen zur Meuterei
reizen knne. Die Schrift wurde sogleich verfat und in vielen tausend
Exemplaren gedruckt, welche in Speke's Zelle gebracht wurden, der sie
von hier aus durch das ganze Land und namentlich unter die Soldaten
verbreitete. Eine solche Herausforderung wrde selbst eine mildere
Regierung als die damals in England herrschende war, zu heftigem Zorne
gereizt haben. Es wurde eine strenge Untersuchung eingeleitet und ein
untergeordneter Agent, der zur Verbreitung der Ansprache verwendet
worden war, rettete sich dadurch, da er Johnson denuncirte, der aber
nicht der Mann war, sich durch Denuncirung Speke's zu retten.


[_Proze gegen Johnson._] Man machte Johnson den Proze und erlangte
ohne Schwierigkeit seine Schuldigerklrung. Julian Johnson, wie er
gewhnlich genannt wurde, ward verurtheilt, dreimal am Pranger
ausgestellt und von Newgate nach Tyburn gepeitscht zu werden. Der
Richter, Sir Franz Withins, sagte dem Verurtheilten, er solle dem
Generalfiskal fr seine groe Nachsicht danken, denn er habe das
Vergehen als einen Hochverrath behandeln knnen. Ich bin ihm keinen
Dank schuldig, erwiederte Johnson furchtlos. Soll ich, dessen einziges
Verbrechen darin besteht, die Kirche und die Gesetze vertheidigt zu
haben, mich noch dafr bedanken, da ich wie ein Hund gepeitscht werden
soll, whrend papistische Scribenten tglich ungestraft die Kirche
beleidigen und die Gesetze bertreten drfen? Er sprach mit einer
solchen Energie, da die Richter sowohl als die Kronanwlte es fr
nthig hielten, sich zu vertheidigen, indem sie versicherten, sie wten
von keinen solchen papistischen Schriften, deren der Gefangene erwhnt
habe. Augenblicklich brachte er einige rmisch-katholische Bcher und
Zierrathen zum Vorschein, welche damals mit kniglicher Bewilligung
berall frei verkauft wurden, las die Titel der Bcher laut vor und warf
dem Kronanwalt einen Rosenkranz ber den Tisch zu. Und jetzt, rief er
dann mit lauter Stimme, erhebe ich diese Anklage vor Gott, vor diesem
Gerichtshofe und vor dem englischen Volke. Wir werden bald sehen, ob der
Herr Generalfiskal seine Pflicht thut.

Es wurde beschlossen, da Johnson vor der Vollziehung der Strafe seiner
Priesterwrde entkleidet werden sollte. Die Prlaten, denen die
Verwaltung der Londoner Dicese von der hohen Commission bertragen war,
forderten ihn vor sich in das Kapitelhaus der St. Paulskathedrale. Sein
Benehmen whrend der Ceremonie machte einen tiefen Eindruck auf alle
Anwesenden. Als ihm sein heiliges Gewand ausgezogen wurde, rief er aus:
Ihr nehmt mir meinen Rock, weil ich mich bemht habe, Euch den Eurigen
zu erhalten. Das Einzige was ihn bei der ganzen Ceremonie wirklich zu
betrben schien, war der Augenblick als man ihm die Bibel aus der Hand
ri. Er strubte sich schwach das heilige Buch herzugeben, kte es und
brach in Thrnen aus. Die Hoffnungen, die ich ihm verdanke, sagte er,
knnt Ihr mir nicht rauben. Es wurden einige Versuche gemacht, um den
Erla der Peitschenstrafe fr ihn zu erwirken. Ein rmisch-katholischer
Priester bot fr die Summe von zweihundert Pfund seine Frsprache an.
Das Geld wrde aufgebracht und der Priester that sein Mglichstes, aber
vergebens. Mr. Johnson, sagte der Knig, hat den Muth eines
Mrtyrers, und er soll deshalb auch einer werden. Wilhelm III. sagte
einige Jahre spter von einem der giftigsten und unerschrockensten
Jakobiten: Er hat sich vorgenommen ein Mrtyrer zu werden, und ich habe
mir vorgenommen, seine Hoffnung zu vereiteln. Diese beiden uerungen
wrden allein hinreichen, um den groen Unterschied in dem Geschick der
beiden Frsten zu erklren.

Der fr die Auspeitschung festgesetzte Tag erschien. Man bediente sich
einer neunschwnzigen Katze und der Verurtheilte erhielt mit derselben
dreihundertsiebzehn Hiebe, ohne eine Miene zu verziehen. Er sagte
nachher, der Schmerz sei frchterlich gewesen, aber er habe sich,
whrend er von dem Karren fortgezogen wurde, der Geduld erinnert, mit
der das Kreuz einst den Calvarienberg hinauf getragen ward, und dieser
Gedanke habe ihn so gestrkt, da er, wenn er nicht befrchtet htte,
sein Benehmen knnte als eitle Prahlerei ausgelegt werden, mit eben so
fester und freudiger Stimme als ob er sich im Kreise seiner Gemeinde
befnde, einen Psalm gesungen haben wrde. Man kann sich des Wunsches
nicht enthalten, da ein solcher Heldenmuth weniger mit
Leidenschaftlichkeit und Unduldsamkeit htte gepaart sein sollen.[116]

    [Anmerkung 116: Johnson's Lebensbeschreibung als Einleitung zu
    seinen Werken; +Secret History of the happy Revolution+, von Hugo
    Speke; +Collection of State Trials+; Citters, 23. Nov. (3. Dec.)
    1686. Citters giebt die beste Darstellung des Prozesses. Ich habe
    einen Bogen gesehen, der seine Erzhlung besttigt.]


[_Eifer der anglikanischen Geistlichkeit gegen den Papismus._] Unter den
anglikanischen Geistlichen fand Johnson keine Theilnahme. Er hatte den
Aufruhr zu rechtfertigen versucht, er hatte sogar eine Billigung des
Knigsmordes angedeutet, und so viel sie auch beleidigt und gereizt
wurden, hielten sie doch noch immer fest an der Lehre vom
Nichtwiderstande. Aber sie sahen mit Schmerz und Besorgni die
Fortschritte der Religion, die sie als einen schdlichen Aberglauben
betrachteten, und whrend sie jeden Gedanken an eine Vertheidigung ihres
Glaubens durch das Schwert aufgaben, griffen sie mannhaft zu Waffen
andrer Art.


[_Streitschriften._] Gegen die Irrthmer des Papstthums zu predigen,
betrachteten sie jetzt als eine Pflicht und eine Ehrensache. Die
Londoner Geistlichkeit, welche damals in Hinsicht des Talents und des
Einflusses obenan stand, gab ein Beispiel, das von ihren weniger
gebildeten Amtsbrdern im ganzen Lande wacker nachgeahmt wurde. Htten
nur einzelne khne Mnner sich diese Freiheit herausgenommen, so wrden
sie wahrscheinlich sofort vor die kirchliche Commission citirt worden
sein; aber es war kaum mglich ein Vergehen zu bestrafen, das jeden
Sonntag von Tausenden von Geistlichen, von Barwick bis Penzance,
begangen wurde. Die Pressen von London, Oxford und Cambridge ruhten
keinen Augenblick. Das Gesetz, welches die literarischen Erscheinungen
einer Censur unterwarf, war kein ernstes Hinderni fr die Anstrengungen
der protestantischen Polemiker, denn es enthielt eine Ausnahmsbestimmung
zu Gunsten der beiden Universitten und gestattete die Verffentlichung
aller theologischen Werke, die der Erzbischof von Canterbury genehmigt
hatte. Es stand daher nicht in der Macht der Regierung, den
Vertheidigern der Staatskirche Schweigen zu gebieten. Sie bildeten eine
zahlreiche, unerschrockene und wohlgeordnete Schaar von Streitern und es
befanden sich unter ihnen ausgezeichnete Redner, erfahrene Dialectiker
und in den Schriften der Kirchenvter wie in allen Theilen der
Kirchengeschichte grndlich bewanderte Gelehrte. Einige von ihnen
kehrten spter die furchtbaren Waffen, die sie gegen den gemeinsamen
Feind geschwungen hatten, gegen einander und brachten durch ihr heftiges
Streiten und ihr bermthiges Triumphiren Schmach ber die Kirche, die
sie gerettet hatten. Gegenwrtig aber bildeten sie eine fest
zusammenhaltende Phalanx. In erster Linie erblickte man eine Reihe
standhafter und geschickter Veteranen: Tillotson, Stillingfleet,
Sherlock, Prideaux, Whitby, Patrick, Tenison und Wake. Die
ausgezeichnetsten Baccalaureen der Philosophie, deren Studienziel die
Diakonatsweihe war, bildeten die Nachhut. Unter den Kmpfern, welche
Cambridge ins Feld stellte, ragte einer der vorzglichsten Schler des
groen Newton hervor, Heinrich Wharton, der einige Monate frher der
beste Disputant seines Jahrescursus gewesen war und dessen bald darauf
erfolgender frhzeitiger Tod von allen Parteien als ein unersetzlicher
Verlust fr die Wissenschaft beklagt wurde.[117] Oxford war nicht minder
stolz auf einen jungen Mann, der sein groes Talent in diesem Streite
zum ersten Male versuchte und der nachher vierzig ereignisvolle Jahre
hindurch Kirche und Staat beunruhigte: Franz Atterbury. Von solchen
Mnnern wurde jede Streitfrage zwischen den Papisten und den
Protestanten bald in einem populren Style, den jeder Knabe und jede
Frau verstehen konnte, bald mit der scharfsinnigsten Logik, bald mit
einem ungeheuren Aufwand von Gelehrsamkeit errtert. Die Anmaungen des
heiligen Stuhles, die Autoritt der berlieferungen, das Fegefeuer, die
Transsubstantiation, das Meopfer, die Anbetung der Hostie, die
Verweigerung des Kelches an Laien, die Beichte, die Bue, der Abla, die
letzte lung, die Anrufung der Heiligen, die Anbetung von Bildern, der
Clibat der Geistlichen, die Klostergelbde, die Anwendung einer dem
Volke nicht verstndlichen Sprache beim ffentlichen Gottesdienste, die
Verderbtheit des rmischen Hofes, die Geschichte der Reformation, der
Character der wichtigsten Reformatoren: dies Alles wurde ausfhrlich
errtert. Eine groe Anzahl abgeschmackter Sagen von Wundern, welche
Heilige und Reliquien bewirkt, wurden aus dem Italienischen bersetzt
und als Belege fr den Pfaffentrug, der den grten Theil der
Christenheit genarrt, verffentlicht. Von den Schriften, welche von
anglikanischen Geistlichen whrend der kurzen Regierung Jakob's II.
erschienen, sind wahrscheinlich viele verloren gegangen. Diejenigen, von
denen sich in unseren groen Bibliotheken noch Exemplare befinden,
bilden eine Masse von nahe an zwanzigtausend Seiten.[118]

    [Anmerkung 117: Siehe die Vorrede zu Heinrich Wharton's
    hinterlassenen Predigten.]

    [Anmerkung 118: Dies kann ich aus meinen eigenen Nachforschungen
    besttigen. Im Britischen Museum befindet sich eine vorzgliche
    Sammlung. Birch sagt uns in seiner Lebensbeschreibung Tillotson's,
    da der Erzbischof Wake nicht einmal im Stande gewesen sei, einen
    vollstndigen Katalog aller in dieser Streitsache erschienenen
    Schriften anzufertigen.]


[_Die rmisch-katholischen Theologen besiegt._] Die rmischen Katholiken
lieen sich nicht ohne Widerstand besiegen. Einer von ihnen, Namens
Heinrich Hill, war zum Buchdrucker des kniglichen Hauses und der
Hofkapelle ernannt und vom Knige an die Spitze einer groen Officin in
London gestellt worden, aus der Hunderte von theologischen Abhandlungen
hervorgingen. Obadja Walker's Presse in Oxford war nicht weniger thtig.
Aus diesen Anstalten ging jedoch auer einigen schlechten bersetzungen
der herrlichen Werke Bossuet's nichts hervor, was nur den geringsten
Werth gehabt htte. Kein verstndiger und wahrheitsliebender Katholik
konnte in der That leugnen, da die Vorkmpfer seiner Kirche in jedem
Talent und Wissen vollstndig besiegt waren. Den fhigsten von ihnen
wrde von der andren Seite kaum der dritte Rang eingerumt worden sein.
Viele von ihnen wuten das was sie sagen wollten, nicht auf die rechte
Weise zu sagen. Sie waren wegen ihres Glaubens von den englischen
Schulen und Universitten ausgeschlossen gewesen und hatten bis zur
Thronbesteigung Jakob's England nie als einen angenehmen oder auch nur
sicheren Aufenthalt betrachtet. Daher hatten sie den grten Theil ihres
Lebens auf dem Continente zugebracht und ihre Muttersprache fast vllig
verlernt. Wenn sie predigten, erregte ihr auslndischer Accent das
spttische Lcheln der Zuhrer und ihre Orthographie glich der der
Waschweiber. Ihre Sprache war durch auslndische Redensarten entstellt
und wollten sie einmal recht beredtsam sein, so ahmten sie so gut sie
konnten den Styl nach, der auf den italienischen Akademien, deren
Rhetorik den hchsten Grad der Verderbtheit erreicht hatte, fr schn
galt. Disputanten, welche mit solchen Nachtheilen zu kmpfen hatten,
wrden selbst wenn sie die Wahrheit auf ihrer Seite gehabt htten, kaum
im Stande gewesen sein, Mnnern die Spitze zu bieten, deren Styl sich
durch einfache Reinheit und Eleganz in hohem Grade auszeichnete.[119]

Die Lage Englands im Jahre 1686 kann nicht besser geschildert werden,
als mit den Worten des franzsischen Gesandten. Die Unzufriedenheit,
schrieb er, ist gro und allgemein, aber die Furcht vor noch
schlimmeren beln hlt Jeden zurck, der etwas zu verlieren hat. Der
Knig uert unverhohlen seine Freude darber, da er sich in der Lage
befindet, khne Streiche fhren zu knnen. Er hrt es gern, wenn man ihm
dazu gratulirt. Er hat mit mir darber gesprochen und mir versichert,
da er nicht nachgeben wird.[120]

    [Anmerkung 119: Kardinal Howard sprach sich in Rom gegen Burnet
    sehr streng ber diesen Gegenstand aus. (Burnet I. 662.) Eine
    interessante Stelle hnlichen Inhalts findet sich auch in einer
    Depesche von Barillon, aber ich habe die Nachweisung verlegt.

    Einer der katholischen Geistlichen, die an dieser Polemik Theil
    nahmen, ein Jesuit, Namens Andreas Pulton, den Oliver in seiner
    Geschichte des Ordens fr einen Mann von ausgezeichneter
    Befhigung erklrt, gesteht seine Mngel selbst offen ein: Da
    A.P. achtzehn Jahre auerhalb seines Vaterlandes zugebracht hat,
    so macht er auf Vollkommenheit in der englischen Ausdrucksweise
    und Rechtschreibung noch keinen Anspruch. Seine Orthographie ist
    in der That erbrmlich; in einem seiner Briefe schreibt er
    +wright+ fr +write+ und +woed+ fr +would+. Er forderte Tenison
    auf, lateinisch mit ihm zu diputiren, damit sie mit gleichen
    Waffen kmpften. In einer zeitgenssischen Satire, betitelt +The
    Advice+ finden sich folgende zwei Zeilen:

      Lat Pulton in Busby's Schule die Ruthe geben,
      Damit er sich im Druck nicht mehr zum Narren macht.

    Ein andrer rmischer Katholik, Namens Wilhelm Clench, schrieb eine
    Abhandlung ber die Suprematie des Papstes und widmete sie der
    Knigin in italienischer Sprache. Folgende Probe seines Styls mag
    gengen: +O del sagro marito fortunata consorte! O dolce
    alleviamento d'affari alti! O grata ristoro di pensieri noiosi,
    nil cui pello latteo, lucente specchio d'illibata matronal
    pudicizia, nil cui seno odorato, como in porto d'amor, si ritira
    il Giacomo! O beata regia coppia! O felice incerto tra
    l'invincibil iconi e le candide aquile!+

    Clench's Englisch ist nicht besser wie sein Toskanisch. Zum
    Beispiel: +Peter signifies an inexpugnable rock, able to evacuate
    all the plots of hell's divan, and naufragate all the lurid
    designs of empoisoned heretics.+ Eine andre katholische Schrift,
    betitelt: +The Church of England truly represented+, beginnt damit
    uns zu sagen, da das Irrlicht der Reformation, das durch viele
    Plnderungen und Rubereien zu einem Kometen angewachsen,
    gereinigt von dem Schmutze, den es zwischen den Alpenseen
    angenommen habe, in England eingefhrt worden sei.]

    [Anmerkung 120: Barillon, 19.(29.) Juli 1686.]


[_Zustand Schottlands._] Mittlerweile waren in anderen Theilen des
Reichs Ereignisse von ernster Wichtigkeit eingetreten. Die Lage der
bischflichen Protestanten Schottlands war von der ihrer englischen
Glaubensbrder weit verschieden. Im Sden der Insel war die
Staatsreligion auch die Volksreligion und besa eine von der
Untersttzung der Regierung vllig unabhngige Kraft. Die aufrichtigen
Conformisten waren viel zahlreicher als die Papisten und die
protestantischen Dissenters zusammengenommen. Die Landeskirche
Schottlands war die Kirche einer kleinen Minoritt. Die Bevlkerung des
Niederlandes hielt zum grten Theil fest an der presbyterianischen
Kirchenverfassung. Die groe Masse der schottischen Protestanten
verabscheute das Prlatenthum als eine schriftwidrige und zugleich
auslndische Einrichtung. Die Schler Knox' betrachteten es als ein
berbleibsel von den Grueln des groen Babylon. Es erinnerte ein auf
das Andenken Wallace's und Bruce's stolzes Volk schmerzlich daran, da
Schottland, seitdem seinen Herrschern ein schneres Erbtheil zugefallen,
nur noch dem Namen nach unabhngig sei. Auch stand die bischfliche
Verfassung in den Augen des Volks mit allen den beln, welche eine
fnfundzwanzigjhrige schlechte und grausame Verwaltung heraufbeschworen
hatte, in der engsten Verbindung. Dennoch erhielt sich diese Verfassung,
wenn auch auf einer schmalen Grundlage und unter furchtbaren Strmen,
noch immer aufrecht; sie schwankte zwar zuweilen, wurde aber durch die
weltliche Obrigkeit gesttzt und verlie sich bei eintretender ernster
Gefahr auf die Macht Englands. Die Archive des schottischen Parlaments
wimmeln von Gesetzen, welche Denen mit Strafe drohen, die in irgend
einer Richtung die vorgezeichnete Grenze berschritten. Nach einem zu
Knox' Zeiten erlassenen Gesetze, das ganz seinen Geist athmete, war es
ein schweres Vergehen, die Messe zu hren und im zweiten
Wiederholungsfalle war es ein Kapitalverbrechen.[121] Eine neuerdings
auf Andringen Jakob's erlassene Verordnung setzte die Todesstrafe auf
das Predigen in irgend einem presbyterianischen Conventikel und sogar
auf den bloen Versuch eines solchen unter freiem Himmel abgehaltenen
Conventikels.[122] Das heilige Abendmahl war zwar nicht, wie in England,
zu einem brgerlichen Prfstein herabgewrdigt worden; aber es konnte
Niemand ein Amt bekleiden, im Parlament sitzen, oder nur an der Wahl
eines Mitgliedes theilnehmen, ohne an Eidesstatt eine Erklrung zu
unterschreiben, welche in den strksten Ausdrcken die Grundstze der
Papisten wie der Covenanters verdammte.[123]

    [Anmerkung 121: Parlamentsacten vom 24. Aug. 1560 u. 15. Dec.
    1567.]

    [Anmerkung 122: Desgl. vom 8. Mai 1685.]

    [Anmerkung 123: Desgl. vom 31. Aug. 1681.]


[_Queensberry._] Im schottischen Geheimen Rathe gab es zwei Parteien,
welche Denen entsprachen, die in Whitehall einander kmpfend
gegenberstanden. Wilhelm Douglas, Herzog von Queensberry, war
Lordschatzmeister und wurde seit einigen Jahren als erster Minister
betrachtet. Er war durch Verwandtschaft, durch hnlichkeit der Meinungen
und durch hnlichkeit des Characters mit dem Schatzmeister Englands eng
verbunden. Beide waren Tories; Beide hatten ein heibltiges Temperament
und starke Vorurtheile; Beide waren bereit, ihren Gebieter bei jedem
Angriff auf die brgerlichen Freiheiten seines Volks zu untersttzen;
Beide waren aufrichtige Anhnger der Staatskirche. Queensberry hatte dem
Hofe in Zeiten angekndigt, da er sich an keiner Neuerung betheiligen
knne, die etwa in Betreff dieser Kirche beabsichtigt werden drfte.
Dagegen befanden sich unter seinen Collegen einige ebenso grundsatzlose
Mnner als Sunderland. Der Geheime Rath von Edinburg war in der That ein
Vierteljahrhundert lang eine Pflanzschule aller ffentlichen und
Privatlaster und einige von den Staatsmnnern, deren Character dort
gebildet war, besaen eine Hartherzigkeit und einen Starrsinn, von denen
Westminster selbst in jener schlimmen Zeit kaum hnliche Beispiele
aufweisen konnte.


[_Abfall Perth's und Melfort's._] Der Kanzler, Jakob Drummond, Earl von
Perth, und sein Bruder, der Staatssekretr Johann Lord Melfort, suchten
Queensberry zu verdrngen. Der Kanzler hatte bereits ein unbestreitbares
Recht auf die knigliche Gunst. Er hatte eine kleine sthlerne
Daumenschraube eingefhrt, welche so frchterliche Schmerzen
verursachte, da sie schon Mnnern, bei denen Seiner Majestt
Lieblingsinstrument, der spanische Stiefel, vergebens angewendet worden
war, Gestndnisse abgepret hatte.[124] Aber es war wohl bekannt, da
selbst die Grausamkeit kein so sicherer Weg zu Jakob's Herzen war als
Abfall vom Glauben. Zu diesem nahmen daher Perth und Melfort mit einer
frechen Gemeinheit, der kein englischer Staatsmann gleichzukommen hoffen
durfte, ihre Zuflucht. Sie erklrten, da die in der Cassette Karl's II.
gefundenen Papiere sie Beide zum wahren Glauben bekehrt htten und sie
begannen zu beichten und die Messe zu hren.[125] Wie wenig die
berzeugung mit Perth's Religionswechsel zu thun hatte, bewies er
deutlich, indem er wenige Wochen spter in directem Widerspruch mit den
Vorschriften der Kirche, in deren Schoo er eben erst bergetreten war,
seine leibliche Cousine zur Gattin nahm, ohne eine Dispensation
abzuwarten. Als der gute Papst dies erfuhr, sagte er mit wohlbegrndeter
Verachtung und Entrstung, dies sei eine sonderbare Bekehrung.[126]
Jakob aber war leichter zufrieden zu stellen. Die beiden Renegaten
stellten sich ihm in Whitehall vor und empfingen so warme Versicherungen
seiner Gunst, da sie es wagten, directe Beschuldigungen gegen den
Schatzmeister zu erheben. Die Grundlosigkeit dieser Beschuldigungen war
jedoch so in die Augen springend, da Jakob sich genthigt sah, den
verklagten Minister freizusprechen, und Viele waren der Meinung, da der
Kanzler durch seinen boshaften Eifer, seinen Nebenbuhler zu strzen,
sich selbst gestrzt habe. Einige Andere urtheilten richtiger. Halifax,
gegen den Perth einige Besorgni uerte, antwortete spttisch lchelnd,
es habe keine Gefahr. Sei guten Muths, Mylord, setzte er hinzu; Dein
Glaube hat Dir geholfen. Die Prophezeiung besttigte sich, Perth und
Melfort kehrten als die wahren Oberhupter der Regierung ihres
Vaterlandes nach Edinburg zurck.[127] Noch ein andres Mitglied des
schottischen Geheimen Rathes, Alexander Stuart, Earl von Murray,
Nachkomme und Erbe des Regenten, schwor ebenfalls den Glauben ab, dessen
erster Vorkmpfer sein erlauchter Ahnherr gewesen war, und erklrte sich
zum Mitgliede der rmischen Kirche. So ergeben Queensberry von jeher der
Sache der Hoheitsrechte gewesen war, gegen Nebenbuhler, welche bereit
waren, die Gunst des Hofes um solchen Preis zu verkaufen, konnte er sich
nicht behaupten. Er mute eine Reihe von Krnkungen und Demthigungen
ertragen, hnlich denen, welche um die nmliche Zeit seinem Freunde
Rochester das Leben zu verbittern begannen.

    [Anmerkung 124: +Burnet, I. 584.+]

    [Anmerkung 125: +Ibid. I. 652, 653.+]

    [Anmerkung 126: +Ibid. I. 678.+]

    [Anmerkung 127: +Burnet, I. 653.+]


[_Begnstigung der katholischen Religion in Schottland._] Es erschienen
knigliche Erlasse, welche die Papisten ermchtigten, mter zu
bekleiden, ohne den Testeid zu leisten, und die Geistlichkeit erhielt
strengen Befehl, sich in ihren Predigten aller Reflexionen ber den
rmisch-katholischen Glauben zu enthalten. Der Kanzler nahm es auf sich,
zu den wenigen Buchdruckern und Buchhndlern, die sich damals in
Edinburg befanden, die Diener des Geheimen Raths mit dem Befehle zu
senden, kein Werk ohne seine Genehmigung zu verffentlichen. Man wute
sehr wohl, da dieser Befehl bezweckte, die Verbreitung protestantischer
Schriften zu verhindern. Ein achtbarer Buchhndler sagte den Boten, da
er in seinem Laden ein Buch habe, das sich in sehr harten Worten ber
den Papismus uere, und fragte, ob er es verkaufen drfe. Sie
verlangten es zu sehen, und er zeigte ihnen eine Bibel.[128] Eine ganze
Schiffsladung Heiligenbilder, Rosenkrnze, Kreuze und Rauchfsser
langten unter der Adresse des Lord Perth in Leith an. Die Einfuhr
solcher Artikel war seit geraumer Zeit verboten gewesen; jetzt aber
lieen die Zollbeamten diese Zierrathen und Geschirre des Aberglaubens
passiren.[129]

    [Anmerkung 128: Fountainhall, 28. Jan. 1685/86.]

    [Anmerkung 129: +Ibid. 11. Jan. 1685/86.+]


[_Aufstnde in Edinburg._] Bald darauf erfuhr man, da im Hause des
Kanzlers eine papistische Kapelle eingerichtet worden war und da
regelmig Messe darin gelesen wurde. Der Pbel stand auf und griff das
Gebude an, in welchem der Gtzendienst gefeiert ward. Die eisernen
Fenstergitter wurden herausgerissen und Lady Perth nebst einigen
Freundinnen wurden mit Koth beworfen. Einer der Ruhestrer wurde
ergriffen und der Geheime Rath befahl, ihn auspeitschen zu lassen. Seine
Kameraden aber befreiten ihn und prgelten den Henker. Die Stadt war die
ganze Nacht in Aufruhr. Die Studenten der Universitt mischten sich
unter den Haufen und reizten ihn zum Tumult auf. Eifrige Brger tranken
auf die Gesundheit der studirenden Jugend und auf den Untergang der
Papisten und ermuthigten einander zum Widerstand gegen die Truppen.
Diese standen bereits unter den Waffen. Unter ihnen zeichnete sich
besonders aus das Dragonerregiment Claverhouse's, der Schrecken und
Abscheu von ganz Schottland. Sie wurden mit einem Steinhagel empfangen,
der einen Offizier verwundete. Alsbald erfolgte der Befehl zum Feuern,
und es fielen mehrere Brger. Der Aufruhr war ernst; aber die von
Rachsucht und Ehrgeiz entflammten Gebrder Drummond schilderten ihn
malos bertrieben. Queensberry bemerkte, da ihre Berichte einen Jeden,
der nicht Augenzeuge gewesen war, zu dem Glauben bringen muten, es habe
in Edinburg ein eben so furchtbarer Aufstand wie der des Masaniello
gewthet. Sie dagegen beschuldigten ihn nicht nur, da er das Verbrechen
der Aufrhrer zu gering anschlage, sondern sogar, da er es gefrdert
habe, und boten Alles auf, um einen Beweis fr seine Schuld zu erlangen.
Einem der verhafteten Rdelsfhrer wurde seine Begnadigung angeboten,
wenn er gestehen wolle, da Queensberry ihn aufgehetzt habe; aber die
nmliche religise Begeisterung, welche den unglcklichen Gefangenen zu
verbrecherischer Gewaltthat getrieben, hielt ihn ab, sein Leben durch
eine Verleumdung zu erkaufen. Er und mehrere seiner Mitschuldigen wurden
gehngt. Ein Soldat, der whrend des Kampfes ausgerufen haben sollte, er
mchte sein Schwert lieber einem Papisten durch den Leib stoen, wurde
erschossen. So war die Ruhe in Edinburg wieder hergestellt, aber die
Verurtheilten wurden als Mrtyrer betrachtet und der papistische Kanzler
wurde der Gegenstand eines tdtlichen Hasses, der in nicht langer Zeit
reichliche Befriedigung finden sollte.[130]

    [Anmerkung 130: Fountainhall, 31. Jan. u. 1. Feb. 1685/86;
    +Burnet, I. 678+; Prozesse David Mowbray's und Alexander Keith's
    in der +Collection of State Trials+; Bonrepaux, 11.(21.) Feb.]


[_Zorn des Knigs._] Der Knig war hchlich entrstet. Er erhielt die
Nachricht von dem Aufstande in dem Augenblicke, als es der Knigin mit
Hlfe der Jesuiten eben gelungen war, ber Lady Dorchester und ihre
protestantischen Verbndeten zu triumphiren. Er sagte, die Unzufriedenen
sollten erfahren, da die Auflehnung gegen seinen Willen keine andre
Wirkung habe, als ihn noch entschlossener zu machen.[131] Er sandte an
den schottischen Geheimen Rath den Befehl, die Schuldigen mit der
uersten Strenge zu bestrafen und mit der Anwendung des spanischen
Stiefels nicht sparsam zu sein.[132] Er stellte sich als ob er von der
Unschuld des Schatzmeisters vollkommen berzeugt sei und schrieb einen
sehr freundlichen Brief an ihn; aber die freundlichen Worte waren von
unfreundlichen Handlungen begleitet. Die Verwaltung des schottischen
Schatzamts wurde trotz der ernsten Gegenvorstellungen Rochester's, der
das Schicksal seines Verwandten wahrscheinlich fr einen Vorlufer
seines eignen hielt, einer Commission bertragen.[133] Allerdings wurde
Queensberry zum ersten Commissar und zum Prsidenten des Geheimen Raths
ernannt, aber sein Fall blieb trotz dieses lindernden Balsams immer ein
Fall. Auch wurde er seines Postens als Commandant des Schlosses von
Edinburg enthoben und sein Nachfolger in diesem Vertrauensposten war der
Herzog von Gordon, ein rmischer Katholik.[134]

    [Anmerkung 131: Ludwig an Barillon, 18.(28.) Febr. 1686.]

    [Anmerkung 132: Fountainhall, 16. Feb.; +Wodrow, III. X. 3.+ Wir
    verlangen, geruhten Seine Majestt zu schreiben, da Sie kein
    gesetzliches Verhrmittel, wie Folter und andere, sparen.]

    [Anmerkung 133: Bonrepaux, 18.(28.) Feb. 1686.]

    [Anmerkung 134: Fountainhall, 11. Mrz 1686; Adda, 1.(11.) Mrz.]


[_Seine Plne in Betreff Schottlands._] Jetzt kam ein Schreiben aus
London, welches dem schottischen Geheimen Rathe die Absichten des Knigs
klar vor Augen legte. Es war sein Wille, da alle rmischen Katholiken
von der Wirkung der Gesetze, welche wegen Nichtconformitt Strafen und
Ausschlieungen verhngten, befreit sein und da dagegen die
Verfolgungen gegen die Covenanters ohne Milderung fortgesetzt werden
sollten.[135] Dieser Plan stie im Geheimen Rathe auf krftigen
Widerstand. Einige Mitglieder wollten von einer Lockerung der
bestehenden Gesetze nichts wissen. Andere waren zwar einer solchen
Lockerung nicht abgeneigt, aber sie sahen doch ein, da es unerhrt sein
wrde, rmische Katholiken zu den hchsten Ehrenmtern zuzulassen und
dabei das Gesetz aufrecht zu erhalten, welches den Besuch
presbyterianischer Conventikel mit dem Tode bestrafte. Die Antwort des
Raths lautete daher nicht so unterwrfig als gewhnlich. Der Knig gab
in seiner Rckuerung seinen pflichtvergessenen Rthen einen scharfen
Verweis und entbot drei von ihnen, den Herzog von Hamilton, Sir Georg
Lockhardt und General Drummond, zu sich nach Westminster.

    [Anmerkung 135: Dieser Brief ist vom 4. Mrz 1686.]


[_Eine Deputation schottischer Geheimrthe begiebt sich nach London._]
Hamilton's Talente und Kenntnisse waren zwar keineswegs so bedeutend,
da sie einem Unbekannten gengt haben wrden, um sich zu einer hohen
Stellung emporzuschwingen, erschienen aber immerhin bei einem Manne, der
erster Peer von Schottland war, sehr achtungswerth. Lockhardt hatte
lange fr einen der ersten Juristen, Logiker und Redner gegolten, die
sein Vaterland hervorgebracht, und geno dabei das Ansehen, welches
groe Besitzungen verleihen, denn er hatte ein so bedeutendes Vermgen,
wie es damals nur sehr wenige schottische Edelleute besaen.[136] Er war
unlngst zum Prsidenten des Sessionsgerichtshofes[137] ernannt worden.
Drummond, ein jngerer Bruder Perth's und Melfort's, war Commandant der
in Schottland stehenden Truppen. Er war ein leichtfertiger und weltlich
gesinnter Mann, aber ein gewisses Ehrgefhl, das seinen beiden Brdern
fehlte, hielt ihn vom ffentlichen Glaubensabfall zurck. Er lebte und
starb -- wie einer seiner Landsleute sich sehr bezeichnend ausdrckt --
als ein schlechter Christ, aber als guter Protestant.[138]

Jakob gefiel die ehrerbietige Sprache der drei Rthe, als sie zuerst vor
ihm erschienen. Er uerte sich gegen Barillon sehr gnstig ber sie und
rhmte besonders Lockhardt als den talentvollsten und beredtesten aller
lebenden Schotten. Doch bald zeigten sie sich minder gefgig, als man
von ihnen erwartet hatte, und es hie bei Hofe, da sie durch die
Gesellschaft, mit der sie in London verkehrt hatten, verdorben worden
seien. Hamilton ging viel mit eifrigen Anhngern der Staatskirche um,
und es stand zu befrchten, da Lockhardt in Folge seiner Verwandtschaft
mit der Familie Wharton in noch schlimmere Gesellschaft gerathen sei. Es
war in der That wohl natrlich, da die ernste und beharrliche, aber
dabei Ma haltende Unzufriedenheit, welche England durchdrang, auf
Staatsmnner, welche eben aus einem Lande kamen, wo die Opposition in
andrer Form als in der des Aufruhrs seit langer Zeit fast unbekannt und
wo Alles entweder gesetzlose Wuth oder kriechende Unterwrfigkeit war,
einen tiefen Eindruck machte und da sie ermuthigt werden muten, es mit
dem verfassungsmigen Widerstande gegen den kniglichen Willen zu
versuchen. Zwar erklrten sie sich bereit, den rmischen Katholiken
groe Erleichterungen zu gewhren, aber nur unter zwei Bedingungen:
erstens da eine hnliche Nachsicht auch auf die calvinistischen
Sectirer ausgedehnt werde, und zweitens da sich der Knig durch ein
feierliches Versprechen verpflichte, nichts zum Nachtheile der
protestantischen Religion zu unternehmen.

    [Anmerkung 136: Barillon, 19.(29.) April 1686; +Burnet, I. 370.+]

    [Anmerkung 137: +Court of session+, der hchste schottische
    Civilgerichtshof, dem englischen +Court of Chancery+ und +Court of
    Common Pleas+ entsprechend.      D.bers.]

    [Anmerkung 138: Die Worte finden sich in einem Briefe von
    Johnstone an Waristoun.]


[_Ihre Unterhandlungen mit dem Knige._] Beide Bedingungen waren
durchaus nicht nach Jakob's Sinne. Nach einem mehrtgigen Streite
verstand er sich indessen mit Widerstreben dazu, den Presbyterianern
einige Duldung zu gewhrleisten; die volle Freiheit aber, die er fr
Mitglieder seiner Kirche beanspruchte, wollte er ihnen unter keinen
Umstnden bewilligen.[139] Auf die zweite Bedingung, welche die
schottischen Rthe stellten, weigerte er sich entschieden einzugehen. Er
sagte, die protestantische Religion sei eine falsche und er knne
durchaus nicht versprechen, da er seine Macht nicht zum Nachtheile
einer falschen Religion anwenden werde. Die Unterhandlungen ber diesen
Punkt dauerten lange und fhrten zu keinem fr irgend eine der beiden
Parteien befriedigenden Ergebnisse.[140]

    [Anmerkung 139: Einige Worte von Barillon verdienen angefhrt zu
    werden. Sie wrden allein schon gengen, um eine Frage zu
    entscheiden, zu deren Verwirrung Unwissenheit und Parteigeist viel
    beigetragen haben. +Cette libert accorde aux nonconformistes a
    faite une grande difficult, et a t dbattue pendant plusieurs
    jours. Le Roy d'Angleterre avoit fort envie que les Catholiques
    eussent seuls la libert de l'exercice de leur rligion.+
    19.(29.) April 1686.]

    [Anmerkung 140: Barillon, 19.(29.) April; Citters, 13.(23.),
    20.(30.) April u. 9.(19.) Mai.]


[_Zusammentritt der schottischen Stnde._] Inzwischen rckte die zum
Zusammentritt der schottischen Stnde festgesetzte Zeit heran, und die
drei Rthe muten daher London verlassen, um ihren parlamentarischen
Pflichten in Edinburg nachzukommen. Bei dieser Gelegenheit erfuhr
Queensberry eine neue Krnkung. In der letzten Session hatte er als
Lordobercommissar fungirt und als solcher die Majestt des abwesenden
Knigs vertreten. Diese Wrde, die hchste, nach der ein schottischer
Edelmann streben konnte, wurde jetzt dem Renegaten Murray bertragen.


[_Sie zeigen sich widerspenstig._] Am 29. April erffnete das Parlament
in Edinburg seine Sitzungen. Es wurde ein Schreiben des Knigs verlesen,
worin er die Stnde ermahnte, seinen rmisch-katholischen Unterthanen
Erleichterungen zu verschaffen, und ihnen dafr freien Handel mit
England und eine Amnestie fr politische Vergehen anbot. Es wurde ein
Ausschu ernannt, um die Antwort zu entwerfen. Dieser Ausschu, obgleich
von Murray selbst ernannt und aus Geheimen Rthen und Hflingen
zusammengesetzt, entwarf eine Erwiederung, die zwar voll Versicherungen
der Pflichttreue und Ehrerbietung war, aber bei alledem unverkennbar den
Entschlu verrieth, dem Verlangen des Knigs nicht zu entsprechen. Die
Stnde, hie es darin, wrden, so weit als ihr Gewissen es ihnen
gestatte, den Wnschen Seiner Majestt in Betreff seiner
rmisch-katholischen Unterthanen entgegenkommen. Diese Ausdrcke
befriedigten den Kanzler durchaus nicht, aber er mute sich damit
begngen und es kostete ihm sogar einige Mhe, das Parlament zur Annahme
derselben zu berreden. Einige eifrige Protestanten erhoben Einwrfe
gegen die Erwhnung des rmisch-katholischen Glaubens. Es gebe gar keine
solche Religion, meinten sie, sondern es gebe nur einen
gtzendienerischen Abfall, den die Gesetze mit dem Stricke bestraften
und dem christliche Mnner keinen beschnigenden Namen geben drften.
Einen solchen Afterglauben Katholicismus nennen, hiee die ganze Frage,
welche zwischen Rom und der reformirten Kirche schwebe, aufgeben. Das
Anerbieten des freien Handelsverkehrs mit England wurde als eine
schimpfliche Beleidigung angesehen. Unsere Vter, sagte einer der
Redner, verkauften ihren Knig fr sndliches Gold und die Schmach
jenes abscheulichen Handels ist noch nicht verwischt. Man soll nicht von
uns sagen, da wir unsren Gott verschachert haben! Sir Johann Lauder
von Fountainhall, einer der Senatoren des Justizcollegiums, schlug die
Worte vor: die Personen, welche gewhnlich rmische Katholiken genannt
werden. -- Wollen Sie Seiner Majestt einen Spottnamen geben? rief
der Kanzler. Die vom Ausschu entworfene Antwort wurde angenommen, aber
eine bedeutende und achtbare Minoritt stimmte gegen die vorgeschlagenen
Worte als zu hfisch.[141] Es wurde bemerkt, da die Abgeordneten der
Stdte fast einhellig gegen die Regierung waren. Bisher waren, diese
Mitglieder im Parlament von geringer Bedeutung gewesen und nur als der
Schweif mchtiger Edelleute betrachtet worden. Jetzt zeigten sie zum
ersten Male eine Unabhngigkeit, eine Entschiedenheit und einen
Gemeingeist, welche den Hof beunruhigten.[142]

Die Antwort mifiel Jakob dermaen, da er den Abdruck derselben in der
Gazette nicht gestattete. Er sollte bald erfahren, da ein Gesetz, wie
er es angenommen zu sehen wnschte, nicht einmal vorgeschlagen werden
wrde. Die Artikel-Lords, denen es oblag, die Gesetze zu entwerfen, ber
welche die Stnde nachher zu berathen hatten, waren thatschlich von ihm
selbst ernannt, aber sogar sie zeigten sich widerspenstig. Als sie sich
versammelten, traten die krzlich von London zurckgekommenen drei Rthe
an die Spitze der Opposition gegen den kniglichen Willen. Hamilton
erklrte geradezu, er knne nicht thun, was verlangt werde; er sei ein
treuer und loyaler Unterthan, aber das Gewissen ziehe eine Grenze.
Gewissen? rief der Kanzler; Gewissen ist ein unbestimmtes Wort, das
Alles und auch Nichts bedeutet. -- Wenn das Gewissen, fiel Lockhardt
ein, der als Abgeordneter der groen Grafschaft Lanark im Parlamente
sa, ein leeres Wort ist, so wollen wir es mit einem andren Ausdruck
vertauschen, der hoffentlich etwas bedeutet. Lassen Sie uns dafr sagen;
Die Grundgesetze Schottlands. Diese Worte veranlaten eine heftige
Debatte. General Drummond, welcher Perthshire vertrat, erklrte sich mit
Hamilton und Lockhardt einverstanden, und die meisten der anwesenden
Bischfe traten auf die nmliche Seite.[143]

Es war klar, da Jakob selbst im Artikel-Ausschu ber keine Majoritt
zu gebieten hatte. Die Nachricht verdro und reizte ihn. Er fhrte eine
heftige und drohende Sprache und bestrafte einige seiner widerspenstigen
Diener in der Hoffnung, da die brigen es sich wrden zur Warnung
dienen lassen. Mehrere Mitglieder des Raths wurden entlassen und
mehreren wurden Gehalte entzogen, welche einen groen Theil ihres
Einkommens bildeten. Das ausgezeichnetste Opfer war Sir Mackenzie von
Rosehaugh. Er hatte lange das Amt des Lordadvokaten bekleidet und an den
Verfolgungen der Covenanters einen solchen Antheil genommen, da er noch
heutigen Tages in den Augen des ernsten und gottesfrchtigen
schottischen Landvolks eine Stelle einnimmt, welche von der nicht
beneidenswerthen Hhe Claverhouse's nicht weit entfernt ist. Mackenzie's
juristische Kenntnisse waren nicht die glnzendsten, aber als Gelehrter,
als Schngeist und als Redner stand er bei seinen Landsleuten in hohem
Ansehen, und sein Ruf hatte sich in die Londoner Kaffeehuser und in
die Oxforder Kreuzgnge verbreitet. Die noch vorhandenen gerichtlichen
Vortrge von ihm beweisen, da er ein talentvoller Mann war; nur
werden sie durch etwas beeintrchtigt, was er wahrscheinlich fr
ciceronischen Schwung hielt, durch Interjectionen, welche mehr Kunst
als Leidenschaft verrathen, und durch weitschweifige Umschreibungen,
in denen sich Epipheta ber Epipheta zu einem ermdenden Klimax
aufeinanderhufen. Jetzt hatte er sich zum ersten Male bedenklich
gezeigt und wurde deshalb trotz seiner Ansprche auf den Dank der
Regierung seines Amtes entsetzt. Er zog sich aufs Land zurck und ging
bald darauf nach London, um sich zu rechtfertigen, wurde aber vom Knige
nicht vorgelassen[144]. Whrend der Knig es auf diese Weise versuchte,
die Artikel-Lords durch Einschchterung zum Gehorsam zu zwingen,
ermuthigte sie die ffentliche Meinung zur Beharrlichkeit. Die uersten
Anstrengungen des Kanzlers konnten es nicht verhindern, da das
Nationalgefhl sich auf der Kanzel und durch die Presse uerte. Eine
Abhandlung, die in so khnem und scharfem Tone gehalten war, da kein
Buchdrucker den Druck derselben zu bernehmen wagte, wurde im Manuscript
weitverbreitet. Die auf der entgegengesetzten Seite erscheinenden
Schriften hatten bei weitem geringere Wirkung, obgleich sie auf
Staatskosten verbreitet wurden und obgleich den schottischen
Vertheidigern der Regierung ein sehr einflureicher englischer
Bundesgenosse zur Seite stand: Lestrange, der nach Edinburg geschickt
worden war und Gemcher in Holyrood House bewohnte.[145]

Nach einer dreiwchentlichen Debatte kamen die Lords der Artikel endlich
zu einem Entschlusse. Sie schlugen vor, da es den rmischen Katholiken
erlaubt sein sollte, ihren Gottesdienst in Privathusern abzuhalten;
aber es zeigte sich bald, da selbst diese Maregel, soweit sie auch
hinter den Forderungen und Erwartungen des Knigs zurckblieb, von den
Stnden entweder gar nicht oder doch nur mit starken Beschrnkungen und
Modificationen angenommen werden wrde.

Whrend der Dauer dieses Kampfes herrschte in London eine ngstliche
Spannung. Jeder Bericht, jede Zeile von Edinburg wurde begierig gelesen.
Einmal ging das Gercht, Hamilton habe nachgegeben und die Regierung
werde jeden Punkt durchsetzen. Dann kam wieder die Nachricht, da die
Opposition sich aufs neue gesammelt habe und hartnckiger sei als je. In
dem kritischesten Augenblicke erhielt das Postamt den Befehl, alle
Briefbeutel aus Schottland nach Whitehall zu senden, und eine ganze
Woche lang wurde nicht ein einziger Privatbrief, der von jenseit des
Tweed kam, in London ausgegeben. In unsrer Zeit wrde eine solche
Unterbrechung des schriftlichen Verkehrs die ganze Insel in Verwirrung
bringen; damals aber war der Handel und die Correspondenz zwischen
England und Schottland so gering, da die Nachtheile wahrscheinlich viel
unbedeutender waren als die, welche gegenwrtig durch eine kurze
Verzgerung in der Ankunft der indischen Post entstehen. Whrend so die
gewhnlichen Wege, auf denen man Nachrichten erhalten konnte,
verschlossen waren, beobachtete die Menge in den Galerien von Whitehall
mit gespannter Aufmerksamkeit die Mienen des Knigs und seiner Minister,
und man bemerkte mit groer Befriedigung, da nach jedem aus dem Norden
kommenden Expressen die Feinde des protestantischen Glaubens immer
finsterer aussahen.

    [Anmerkung 141: Fountainhall, 6. Mai 1686.]

    [Anmerkung 142: +Ibid.+ 15. Juni 1686.]

    [Anmerkung 143: Citters, 11.(21.) Mai 1686. Citters versicherte
    die Generalstaaten, da er seine Mittheilungen aus bester Quelle
    habe. Ich will einen Theil davon hier anfhren. Es ist zugleich
    ein ergtzliches Prbchen von dem buntscheckigen Style der
    damaligen hollndischen Diplomaten.

    +Des konigs missive, boven en behalven den Hoog Commissaris
    aensprake, aen het parlement afgesonden, gelyck dat altoos
    gebruyckelyck is, waerby Syne Majesteyt nu in genere versocht
    hieft de mitigatie der rigoureuse ofte sanglante wetten van het
    Ryck jegens het Pausdom, in het Generale Comite des Articles
    (soo men hat daer naemt) na ordre gestelt en gelesen synde, in 't
    voteren, den Hertog van Hamilton onder anderen klaer nyt seyde dat
    hy daertoe niet soude verstaen, dat hy anders genegen was den
    Konig in allen voorval getrouw te dienen volgens het dictamen
    syner conscientie: 't gene reden gaf aen de Lord Cancelier de
    Grave Perts te seggen dat het woort conscientie niets en beduyde,
    en alleen een individuum vagum was, waerop der Chevalier Lockhardt
    dan verder gingh; wil man nit verstaen de betyckenis van het
    woordt conscientie, soo sal ik in fortioribus seggen dat wy meynen
    volgens de fondamentale welten van het ryck.+

    In dem +Hind Let Loose+ kommt eine interessante Stelle vor, der
    ich ohne jene Depesche von Citters keinen Glauben geschenkt haben
    wrde. Sie knnen das Wort Gewissen nicht einmal aussprechen
    hren. Jemand, der die Ansicht des Geheimen Raths ber diesen
    Punkt genau kannte, sagte zu einem Herrn, der vor demselben
    erscheinen wollte: Sprecht um des Himmels willen vor den Lords
    nicht vom Gewissen, denn sie knnen dieses Wort nicht hren.]

    [Anmerkung 144: Fountainhall, 17. Mai 1686.]

    [Anmerkung 145: +Wodrow, III. X. 3.+]


[_Sie werden vertagt._] Endlich kam zur allgemeinen Freude die
Nachricht, da der Kampf zu Ende sei, da die Regierung mit ihren
Maregeln nicht habe durchdringen knnen und da der Lordobercommissar
das Parlament vertagt habe.[146]

    [Anmerkung 146: Citters, 28. Mai (7. Juni), 1.(11.) u. 4.(14.)
    Juni 1686; Fountainhall, 15. Juni; +Luttrell's Diary, June 2.
    16.+]


[_Willkrherrschaft in Schottland._] Wre Jakob nicht gegen alle
Warnungen taub gewesen, so wrden diese Ereignisse gengt haben, ihn zu
warnen. Wenige Monate frher hatte das fgsamste aller englischen
Parlamente sich geweigert, seinem Willen zu gehorchen. Aber das
willfhrigste englische Parlament konnte im Vergleich mit jedem
schottischen Parlamente aus irgend einer Zeit eine unabhngige und
muthige Versammlung genannt werden, und der knechtische Sinn der
schottischen Parlamente war stets in hchster Potenz bei den Lords der
Artikel zu finden. Doch selbst die Artikel-Lords zeigten sich
widerspenstig. Es war klar, da alle diejenigen Klassen, alle diejenigen
Institutionen, welche bis dahin fr die krftigsten Sttzen der
monarchischen Gewalt gegolten hatten, als Elemente der Opposition
betrachtet werden muten, wenn der Knig auf seiner wahnsinnigen Politik
beharrte. Aber alle diese Warnungszeichen gingen spurlos an ihm vorber;
auf jede Beschwerde hatte er nur die eine Antwort: er werde niemals
nachgeben, denn Zugestndnisse htten seinen Vater ins Verderben
gestrzt, und sein unbeugsamer Starrsinn wurde von der franzsischen
Gesandtschaft und der jesuitischen Cabale laut gepriesen.

Er erklrte jetzt, da er schon zu gendig gewesen sei, indem er sich
herabgelassen habe, die Zustimmung der schottischen Stnde zu seinen
Wnschen zu verlangen. Sein Hoheitsrecht werde ihn nicht nur in den
Stand setzen, Diejenigen zu beschtzen, denen er gewogen sei, sondern
auch Die zu bestrafen, die sich gegen ihn aufgelehnt htten. Er war fest
berzeugt, da seine Dispensationsgewalt von keinem schottischen
Gerichtshofe in Zweifel gezogen werden wrde. Es gab damals eine
schottische Suprematsacte, welche dem Souverain eine Gewalt ber die
Kirche verlieh, welche selbst Heinrich VIII. befriedigt haben wrde. In
Folge dessen wurden Papisten in Menge zu mtern und Ehrenstellen
zugelassen. Der Bischof von Dunkeld, der als Lord des Parlaments der
Regierung opponirt hatte, wurde willkrlich von seinem Sitze vertrieben
und ein Nachfolger fr ihn ernannt. Queensberry wurde aller seiner mter
entsetzt und ihm befohlen, da er so lange in Edinburg bleiben msse,
bis die Rechnungen des Schatzamts aus der Zeit seiner Verwaltung geprft
und richtig befunden worden seien.[147] Da die Abgeordneten der Stdte
als der unlenkbarste Theil des Parlaments erkannt worden waren, beschlo
man, in jedem Wahlorte des ganzen Landes eine vllige Umgestaltung
vorzunehmen. Eine hnliche Vernderung war erst krzlich in England
durch richterliche Erkenntnisse bewirkt worden; in Schottland aber wurde
ein bloer Befehl des Frsten fr gengend erachtet. Alle Wahlen der
Magistratsbeamten und der Stadtrthe wurden untersagt und der Knig
mate sich das Recht an, die wichtigsten Municipalbehrden selbst zu
ernennen.[148] In einem formellen Schreiben an den Geheimen Rath
kndigte er seine Absicht an, in seinem Holyroodpalaste eine
rmisch-katholische Kapelle einzurichten, und er gab Befehl, da die
Richter angewiesen werden sollten, alle gegen die Papisten gerichteten
Gesetze, bei Strafe seines allerhchsten Mifallens, fr null und
nichtig zu erklren. Indessen beruhigte er die protestantischen
Episcopalen durch die Zusicherung, da er zwar entschlossen sei, die
rmisch-katholische Kirche gegen sie in Schutz zu nehmen, sich aber
ebenso auch vorgenommen habe, sie gegen jeden bergriff seitens der
Fanatiker zu beschtzen. Perth schlug eine in den kriechendsten
Ausdrcken abgefate Antwort auf diese Mittheilung vor. Der Geheime Rath
enthielt jetzt viele Papisten; die noch darin sitzenden protestantischen
Mitglieder waren durch des Knigs Hartnckigkeit und Strenge
eingeschchtert worden, und nur ein schwaches Murren lie sich dann und
wann noch vernehmen. Hamilton lie sich einige Andeutungen gegen die
Dispensationsgewalt entschlpfen, die er aber schleunigst wieder
wegerklrte. Lockhardt sagte, er wolle eher seinen Kopf verlieren, als
einen Brief wie der vom Kanzler entworfene unterschreiben, aber er sagte
dies wohlweislich so leise, da es nur von Freunden gehrt wurde.
Perth's Worte wurden mit unbedeutenden Abnderungen angenommen und den
kniglichen Befehlen Folge geleistet; aber eine dumpfe Unzufriedenheit
verbreitete sich unter jener Minoritt der schottischen Nation, mit
deren Hlfe die Regierung bisher die Majoritt niedergehalten
hatte.[149]

    [Anmerkung 147: Fountainhall, 12. Juni 1686]

    [Anmerkung 148: +Ibid.+ 16. Sept. 1686.]

    [Anmerkung 149: Fountainhall, 16. Sept.; +Wodrow, III. X. 3.+]


[_Irland._] Wenn der Geschichtsschreiber dieser unruhigen Regierung den
Blick nach Irland wendet, wird seine Aufgabe ganz besonders schwierig
und kitzlig. Er schreitet -- um mich des schnen Bildes zu bedienen, das
ein rmischer Dichter in hnlichem Falle gebraucht hat -- auf einer
dnnen Schicht Asche dahin, unter der die Lava noch glht. Das
siebzehnte Jahrhundert hat in jenem unglcklichen Lande dem neunzehnten
ein verhngnivolles Erbtheil schlimmer Leidenschaften hinterlassen. Das
Unrecht, das die schsischen Vertheidiger von Londonderry und die
celtischen Vertheidiger von Limerick einander angethan, hat keiner der
beiden genannten Stmme dem andren jemals aufrichtig verziehen. Bis auf
den heutigen Tag sind die vielen edlen Eigenschaften, welche die Kinder
der Sieger auszeichnen, mit einem mehr als spartanischen Trotze
vermischt, whrend bei den Kindern der Besiegten nur zu oft ein als
Furcht und Ha zusammengesetztes Zelotengefhl zu erkennen ist. Keiner
der beiden feindlichen Stmme kann von jedem Tadel freigesprochen
werden; der Hauptvorwurf aber trifft den kurzsichtigen und starrkpfigen
Frsten, der in einer Lage, wo er sie htte vershnen knnen, seine
ganze Macht aufbot, ihren gegenseitigen Ha noch mehr zu schren, bis er
sie endlich zu einem Kampf auf Leben und Tod zwang.


[_Zustand des irischen Rechts in Glaubenssachen._] Die Mistnde, unter
denen die Mitglieder seiner Kirche in Irland litten, waren von denen,
welche er in England und Schottland abzustellen versuchte, weit
verschieden. Das irische Gesetzbuch, welches spter durch eine ebenso
barbarische Unduldsamkeit wie die der grauesten Vorzeit befleckt wurde,
enthielt damals kaum eine einzige Bestimmung und nicht eine einzige
bindende Bestimmung, welche ber die Papisten als solche irgend eine
Strafe verhngt htte. Auf unsrer Seite des St. Georgskanals drohte
jedem Priester, der einen Neubekehrten in den Schoo der rmischen
Kirche aufnahm, die Strafe, gehngt, geschleift und geviertheilt zu
werden. Jenseit des Kanals war er keiner solchen Gefahr ausgesetzt. Ein
Jesuit, der in Dover landete, setzte sein Leben aufs Spiel; in Dublin
ging er vollkommen sicher einher. Bei uns konnte Niemand ein Amt
bekleiden, oder sich nur als Advokat oder als Schullehrer seinen
Unterhalt erwerben, wenn er nicht zuvor den Suprematseid leistete; in
Irland war kein ffentlicher Beamter verbunden, diesen Eid zu leisten,
wenn derselbe nicht ausdrcklich von ihm verlangt wurde.[150] Es war
daher Niemand, den die Regierung anstellen wollte, dieses Grundes wegen
von irgend einem Amte ausgeschlossen. Die Abendmahlsprobe und die
Erklrung gegen die Transsubstantiation waren unbekannt und das
Parlament keiner Religionssecte verschlossen.

    [Anmerkung 150: Die Bestimmungen der irischen Suprematsacte, 2.
    Elis. Kap. 1. sind im wesentlichen dieselben wie die der
    englischen Suprematsacte, 1. Elis. Kap. 1., aber die englische
    wurde bald fr mangelhaft befunden und der Mangel durch eine
    bindendere Acte, 5. Elis. Kap. 1. ersetzt. Ein solches
    Ergnzungsgesetz wurde in Irland nicht erlassen. Da die im Texte
    erwhnte Auslegung auch auf die irische Suprematsacte angewendet
    wurde, erfahren wir vom Erzbischof King: +State of Ireland, chap.
    II. sec. 9.+ Er nennt diese Auslegung jesuitisch, ich kann sie
    nicht in diesem Lichte sehen.]


[_Feindseligkeit der Stmme._] Es knnte demnach scheinen, da sich der
irische Katholik in einer Lage befunden htte, um die ihn seine
englischen und schottischen Brder wohl beneiden durften. In der
Wirklichkeit aber war seine Lage trauriger und erbitternder als die
ihrige, denn wurde er auch nicht als Katholik verfolgt, so wurde er doch
als Irlnder bedrckt. In seinem Vaterlande trennte dieselbe
Scheidelinie, welche die Confessionen trennte, auch die Stmme, und er
gehrte dem berwundenen, unterjochten und mit Fen getretenen Stamme
an. Auf dem nmlichen Boden wohnten zwei Bevlkerungen, rtlich mit
einander vermischt, aber moralisch und politisch gesondert. Der
Glaubensunterschied war keineswegs der einzige und vielleicht nicht
einmal der Hauptunterschied, der zwischen ihnen stattfand. Sie waren
verschiedenen Stmmen entsprossen, sie sprachen verschiedene Sprachen,
sie hatten verschiedene Nationalcharactere, die einander so ganz
entgegengesetzt waren, als nur irgend zwei Nationalcharactere in Europa,
und endlich standen sie auch auf weit verschiedenen Stufen der Bildung.
Zwischen zwei solchen Bevlkerungen konnte unmglich eine groe
Sympathie herrschen, und Jahrhunderte von Drangsal und Unbill hatten
sogar eine starke Antipathie erzeugt. Das Verhltni der Minderheit zu
der Mehrheit glich dem, in welchem das Heer Wilhelm's des Eroberers zu
den schsischen Bauern, oder die Mannschaft des Cortez zu den Indianern
von Mexiko stand.

Der Name Iren wurde damals ausschlielich den Celten und denjenigen
Familien gegeben, welche, obgleich nicht celtischen Ursprungs, doch im
Laufe der Zeiten celtische Sitten und Gebruche angenommen hatten. Diese
Leute, an Zahl wahrscheinlich etwas unter eine Million Seelen stark,
waren mit wenigen Ausnahmen Anhnger der rmischen Kirche. Unter ihnen
wohnten etwa zweihunderttausend Ansiedler, die auf ihr schsisches Blut
und auf ihren protestantischen Glauben stolz waren.[151]

    [Anmerkung 151: +Political Anatomy of Ireland.+]


[_Das eingeborne Landvolk._] Das groe numerische bergewicht wurde auf
der andren Seite durch eine groe berlegenheit an Intelligenz,
Thatkraft und Organisation mehr als aufgewogen. Die englischen Ansiedler
scheinen in Kenntnissen, Energie und Ausdauer eher ber als unter dem
Durchschnittsmae der Bevlkerung des Mutterlandes gestanden zu haben.
Das eingeborne Landvolk dagegen befand sich fast in einem Zustande von
Wildheit. Sie arbeiteten nicht eher, als bis sie den Stachel des Hungers
fhlten, und waren mit geringeren Bequemlichkeiten zufrieden, als man
sie in glcklicheren Lndern den Hausthieren gewhrt. Schon war die
Kartoffel, ein Knollengewchs, das fast ohne Kunst, Betriebsamkeit und
Kapital erbaut werden kann, die Hauptnahrung des gemeinen Volks
geworden.[152] Von einem so genhrten Volke waren Flei und Sorge fr
die Zukunft nicht zu erwarten. Schon wenige Meilen von Dublin sah der
Reisende auf dem fruchtbarsten und ppigsten Boden der Welt mit
wahrhaftem Ekel die erbrmlichen Hhlen, aus denen ihm schmutzige und
halbnackte Barbaren wild anstarrten.[153]

    [Anmerkung 152: +Political Anatomy of Ireland, 1672+; +Irish
    Hudibras, 1689+; +John Dunton's Account of Ireland, 1699.+]

    [Anmerkung 153: Clarendon an Rochester vom 4. Mai 1686.]


[_Der eingeborne Adel._] Der eingeborne Adel besa noch in nicht
gewhnlichem Mae seinen Geburtsstolz, hatte aber den Einflu verloren,
den Reichthum und Macht verleihen. Seine Lndereien hatte Cromwell unter
seine Anhnger vertheilt. Es war zwar ein Theil des von ihm in Beschlag
genommenen groen Gebiets nach der Wiedereinsetzung des Hauses Stuart
den frheren Eigenthmern zurckgegeben worden, aber den bei weitem
grten Theil hatten noch immer englische Emigranten unter Garantie
einer Parlamentsacte im Besitz. Diese Acte war ein Vierteljahrhundert in
Kraft gewesen und whrend dieser Zeit hatten unzhlige Verpfndungen,
Vertrge, Verkufe und Verpachtungen stattgefunden. Die alte irische
Gentry war ber die ganze Welt zerstreut. An allen Hfen und in allen
Armeen des Continents wimmelte es von Abkmmlingen milesischer
Huptlinge. Die beraubten Eigenthmer, welche in der Heimath
zurckgeblieben waren, brteten finster ber ihren Verlust, sehnten sich
nach dem ihnen entrissenen Reichthum und Ansehen und nhrten wilde
Hoffnungen auf eine neue Umwlzung. Eine dieser Klasse angehrende
Person wurde von ihren Landsleuten als ein Gentleman geschildert, der
reich sein wrde, wenn es nach Recht und Gerechtigkeit ginge, der ein
schnes Gut htte, wenn er es nur bekommen knnte.[154] Er ergriff
selten einen friedlichen Beruf, denn er betrachtete den Handel als eine
entehrendere Erwerbsquelle als den Raub. Zuweilen wurde er ein
Freibeuter; zuweilen fristete er auch sein Leben dem Gesetze zum Trotz
durch das, was man +coshering+ nannte, das heit, indem er sich von den
ehemaligen Pchtern seiner Familie fttern lie, welche bei allem Elend
ihrer eigenen Lage doch dem Manne, den sie noch immer als ihren
rechtmigen Grundherrn betrachteten, einen Theil ihres kmmerlichen
Erwerbs nicht abschlagen konnten.[155] Der eingeborne Gentleman, der so
glcklich gewesen war, etwas von seinem Grundbesitze zu behalten oder
zurckzubekommen, lebte nur zu oft wie der Huptling eines
Indianerstammes und entschdigte sich fr die Demthigungen, die er von
dem herrschenden Stamme ertragen mute, dadurch, da er seine Vasallen
despotisch behandelte, sich einen rohen Harem hielt und sich tglich
durch geistige Getrnke um Verstand und Vernunft brachte.[156] Eine
politische Bedeutung hatte er nicht. Zwar war er durch kein Gesetz vom
Hause der Gemeinen ausgeschlossen, aber er hatte fast eben so wenig
Aussicht, einen Sitz in demselben zu erhalten, als ein Farbiger, in den
Senat der Vereinigten Staaten gewhlt zu werden. Es war in der That seit
der Restauration nur ein einziger Papist in das irische Parlament
gewhlt worden. Die ganze gesetzgebende und ausbende Gewalt war in den
Hnden der Ansiedler, und das bergewicht des herrschenden Stammes wurde
durch ein stehendes Heer von siebentausend Mann aufrecht erhalten, auf
dessen Eifer fr das sogenannte Interesse Englands man zuversichtlich
rechnen konnte.[157]

Eine genaue Untersuchung wrde ergeben haben, da weder das Irenthum,
noch das Englnderthum einen vllig homogenen Krper bildete. Der
Unterschied zwischen den Iren celtischen Geblts und den von den
Begleitern Strongbow's und De Burgh's abstammenden war noch nicht ganz
verwischt; die Fitz erlaubten sich zuweilen mit Geringschtzung von den
O und Mac zu sprechen, und die O und Mac vergalten diese Geringschtzung
zuweilen mit Ha. Unter der vorhergehenden Generation weigerte sich
einer der mchtigsten der O'Neill, einem rmisch-katholischen Gentleman
alt-normnnischer Abkunft ein Zeichen von Achtung zu geben. Sie sagen,
die Familie sei schon seit vierhundert Jahren hier. Das bleibt sich
gleich, ich hasse den Bauerklotz, als ob er erst gestern hierhergekommen
wre.[158] Es scheint jedoch, da solche Gesinnungen selten waren und
da die Fehde, welche lange zwischen den eingeborenen Celten und den
entarteten Englndern gewthet hatte, von der heftigeren Fehde, welche
beide Racen von den neuen protestantischen Ansiedlern trennte, in den
Hintergrund gedrngt worden war.

    [Anmerkung 154: Bischof Malony's Brief an Bischof Tyrrel vom 8.
    Mrz 1689.]

    [Anmerkung 155: +Statute 10 & 11 Charles I. chap. 16+; +King's
    State of the Protestants of Ireland, chap. II. sec. 8.+]

    [Anmerkung 156: +King, chap. II. sec. 8.+ Mi Edgeworth's Knig
    Corny gehrt einer spteren und viel civilisirteren Generation
    an; aber wer dieses treffliche Charactergemlde studirt hat, wird
    sich ungefhr denken knnen, was fr ein Mann Knig Corny's
    Grovater gewesen sein mute.]

    [Anmerkung 157: +King, chap. III. sec. 2.+]

    [Anmerkung 158: +Sheridan MS.+; Vorrede zum ersten Bande der
    +Hibernia Anglicana, 1690+; +Secret Consults of the Romish Party
    in Ireland, 1689.+]


[_Zustand der englischen Kolonie._] Auch die Kolonie hatte ihre inneren,
theils nationalen, theils religisen Zwistigkeiten. Die Mehrzahl waren
Englnder, aber eine starke Minoritt war aus dem Sden Schottlands. Die
eine Hlfte der Ansiedler gehrte der Staatskirche an, die andre Hlfte
waren Dissenters. In Irland aber waren Schotte und Southron (Sdlnder)
durch ihren gemeinsamen schsischen Ursprung, und Anglikaner und
Presbyterianer durch ihren gemeinsamen Protestantismus eng mit einander
verbunden. Alle Kolonisten hatten eine gemeinsame Sprache und ein
gemeinsames pekunires Interesse. Sie waren umgeben von gemeinsamen
Feinden und konnten sich nur durch gemeinsame Vorkehrungen und
Anstrengungen gegen die Angriffe derselben sichern. Daher waren denn
auch die wenigen in Irland gegen protestantische Nonconformisten
erlassenen Strafgesetze ein todter Buchstabe.[159] Die Bigotterie des
starrsten Anglikaners widerstand dem Einflusse der Versetzung ber den
Georgskanal nicht. Sobald der Kavalier in Irland ankam und sich
berzeugte, da er ohne den herzlichen und muthigen Beistand seiner
puritanischen Nachbarn mit seiner ganzen Familie der Gefahr ausgesetzt
war, von papistischen Rubern ermordet zu werben, so schwand sein Ha
gegen den Puritanismus unwillkrlich mehr und mehr und erlosch endlich
ganz. Ausgezeichnete Mnner beider Parteien machten die Bemerkung, da
ein Protestant, der in Irland ein Hochtory genannt wurde, in England als
ein gemigter Whig betrachtet worden wre.[160]

Die protestantischen Nonconformisten ihrerseits ertrugen mit mehr
Geduld, als man htte erwarten sollen, den Anblick der absurdesten
kirchlichen Verfassung, welche die Welt je gesehen. Vier Erzbischfe und
achtzehn Bischfe fhrten die Aufsicht ber eine Anzahl von Anglikanern,
welche ungefhr den fnften Theil der Gemeindemitglieder des Londoner
Kirchspiels betrug. Ein groer Theil der Pfarrgeistlichen waren
Pluralisten[161] und wohnten entfernt von ihren Gemeinden. Einige von
ihnen bezogen von ihren Pfrnden ein Einkommen von nahe an tausend Pfund
jhrlich, ohne da sie jemals eine geistliche Function verrichteten.
Dennoch war diese verkehrte Institution den in Irland angesiedelten
Puritanern bei weitem nicht so verhat, als den englischen Sectirern die
englische Landeskirche. Denn in Irland waren die religisen Spaltungen
den nationalen untergeordnet, und obgleich der Presbyterianer als
Theolog die Hierarchie der Staatskirche verwerfen mute, so sah er doch
wieder mit einer Art von Wohlgefallen auf diese Hierarchie, wenn er sie
als eine glnzende und prunkende Trophe des Sieges betrachtete, den der
groe Stamm, dem er entsprossen war, errungen hatte.[162]

So hatten die Leiden des irischen Katholiken mit denen des englischen
Katholiken kaum etwas gemein. Der Katholik von Lancashire oder von
Staffordshire brauchte nur Protestant zu werden, um sogleich seinen
Nachbarn in jeder Beziehung gleich zu stehen; wenn aber die Katholiken
von Munster oder Connaught auch Protestanten geworden wren, so wrden
sie deshalb doch ein unterworfenes Volk geblieben sein. Alle bel,
welche der rmische Katholik in England zu ertragen hatte, entsprangen
aus harten Gesetzen und htten durch eine liberalere Gesetzgebung
beseitigt werden knnen; die Ungleichheit zwischen den beiden
Bevlkerungen Irlands aber war weder durch eine Gesetzgebung entstanden,
noch konnte sie durch eine solche gehoben werden. Die Herrschaft, welche
eine dieser beiden Bevlkerungen ber die andre ausbte, war die
Herrschaft des Wohlstandes ber die Armuth, der Bildung ber die
Unwissenheit, des civilisirten ber den nicht civilisirten Menschen.

    [Anmerkung 159: Wenn auch nicht durch das Gesetz, so doch durch
    beiderseitiges Einverstndni bestand vllige Gewissensfreiheit.
    +King, chap. III. sec. 1.+]

    [Anmerkung 160: In einem Briefe an Jakob, der unter Bischof
    Tyrrel's Papieren gefunden wurde und der das Datum des 14. Aug.
    1686 trgt, kommen einige bemerkenswerthe uerungen vor. Es
    giebt wenig oder gar keine Protestanten in diesem Lande, die nicht
    mit den Whigs gegen den gemeinsamen Feind verbunden wren. Dann
    wieder: Diejenigen, welche hier (in England) fr Tories galten,
    nahmen jenseit des Wassers ffentlich Partei fr die Sache der
    Whigs. Das Nmliche sagte Swift einige Jahre spter zum Knig
    Wilhelm: Ich erinnere mich, bei meinem letzten Besuche in England
    dem Knige gesagt zu haben, da die strengsten Tories bei uns ganz
    leidliche Whigs sein wrden. Brief ber den Abendmahlseid.]

    [Anmerkung 161: Geistliche, welche mehrere weit von einander
    entfernte Pfrnden inne haben, die sie zum Theil oder auch
    smmtlich verwalten lassen.    D.bers.]

    [Anmerkung 162: Den Reichthum und die Nachlssigkeit der
    anglikanischen Geistlichen Irlands erwhnt der Lordlieutenant
    Clarendon, einer der unverwerflichen Zeugen, in den strksten
    Ausdrcken.]


[_Verfahren, welches Jakob htte beobachten sollen._] Jakob selbst
schien beim Beginn seiner Regierung diese Wahrheiten vollkommen erkannt
zu haben. Die Verwirrungen in Irland, sagte er, entspringen nicht aus
der Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten, sondern aus der
Spaltung zwischen Irlndern und Englndern.[163] Die Folgerungen, die er
aus diesem ganz richtigen Vordersatze htte ziehen knnen, lagen nahe
genug; zum Unglck fr ihn und fr Irland entgingen sie ihm.

Wenn nur der nationale Ha htte gemildert werden knnen, so unterliegt
es kaum einem Zweifel, da auch die religise Erbitterung, welche nicht
wie in England durch harte Strafgesetze und durch strenge Testacte wach
erhalten wurde, von selbst erloschen sein wrde. Die Dmpfung eines
nationalen Hasses wie der, welcher die beiden Irland bewohnenden
Volksstmme gegen einander beseelte, konnte allerdings nicht das Werk
einiger Jahre sein. Indessen war es ein Werk, zu dem ein weiser und
guter Frst viel htte beitragen knnen, und Jakob wrde es mit
Vortheilen unternommen haben, wie sie keinem seiner Vorgnger oder
seiner Nachfolger zur Seite standen. Als Englnder und zugleich Katholik
gehrte er halb der herrschenden, halb der unterworfenen Kaste an und
war daher ganz besonders zu einem Vermittler zwischen beiden geeignet.
Es ist auch nicht schwer, den Weg zu bezeichnen, den er htte
einschlagen sollen. Er htte die Unverletzbarkeit der bestehenden
Vertheilung des Grundbesitzes beschlieen und diesen Beschlu in einer
Weise ankndigen sollen, welche die Besorgnisse der neuen Eigenthmer
beruhigte und die etwaigen khnen Hoffnungen der alten Eigenthmer
niederschlug. Ob bei dem groen Besitzwechsel Ungerechtigkeiten
vorgekommen wren oder nicht, war unwesentlich; dieser Besitzwechsel,
mochte er nun gerecht oder ungerecht gewesen sein, hatte vor so langer
Zeit stattgefunden, da ein Umsto desselben die Grundlagen der
Gesellschaft erschttert haben wrde. Es mu fr alle Rechte eine
Verjhrungsfrist geben. Nach fnfunddreiig Jahren factischen Besitzes,
nach fnfundzwanzig Jahren eines durch das Gesetz feierlich verbrgten
Besitzes, nach zahllosen Verpachtungen und Pachtvernderungen,
Verpfndungen und Vermchtnissen war es zu spt, nach Mngeln in den
Rechtstiteln zu suchen. Es htte deshalb immer etwas geschehen knnen,
um die verwundeten Gefhle der irischen Gentry zu heilen und ihrem
gesunkenen Wohlstande wieder aufzuhelfen. Die Ansiedler lebten in sehr
guten Verhltnissen. Sie hatten ihre Besitzungen durch Bauten,
Anpflanzungen und Einzunungen bedeutend verbessert; die Grundrente
hatte sich im Laufe weniger Jahre verdoppelt, der Handel blhte und die
Staatseinknfte, die sich jhrlich auf ungefhr dreihunderttausend Pfund
beliefen, deckten nicht nur reichlich alle Verwaltungskosten, sondern
ergaben auch noch einen berschu, der nach England geschickt wurde. Es
unterlag keinem Zweifel, da das nchste in Dublin zusammenkommende
Parlament, obgleich es fast ausschlielich das englische Interesse
vertrat, in Anerkennung des kniglichen Versprechens, dieses Interesse
in allen seinen gesetzlichen Rechten zu wahren, bereit sein wrde, dem
Knige eine sehr bedeutende Summe zu bewilligen, um damit solche
eingeborene Familien, welche rechtswidrig beraubt worden waren,
wenigstens theilweis zu entschdigen. Auf diese Weise schlichtete in
unsrer Zeit die franzsische Regierung die Streitigkeiten, welche durch
die ausgedehnteste Gterconfiscation, die jemals in Europa
stattgefunden, hervorgerufen worden waren. So wrde auch Jakob, wenn er
sich durch seine loyalsten protestantischen Rathgeber htte leiten
lassen, eines der Hauptbel, welche auf Irland lasteten, wenigstens
bedeutend gemildert haben.[164]

Nachdem er dies gethan, htte er darauf hinarbeiten mssen, die
feindlichen Stmme durch unparteiische Beschtzung ihrer Rechte und
durch Zgelung der bergriffe Beider mit einander auszushnen. Er htte
den Eingebornen, der sich dem zgellosen bermuthe der Barbarei hingab,
mit gleicher Strenge bestrafen sollen, wie den Ansiedler, der das
bergewicht der Civilisation mibrauchte. So weit die rechtmige
Autoritt der Krone reichte -- und sie reichte in Irland weit -- htte
Niemand, den seine Rechtschaffenheit und Geschicklichkeit fr ein Amt
befhigten, wegen seiner Herkunft oder seines Glaubens fr irgend eine
ffentliche Anstellung untauglich gehalten werden sollen. Ein
rmisch-katholischer Knig mit einem zu seiner freien Verfgung
stehenden reichen Staatseinkommen, hatte sich wahrscheinlich ohne groe
Schwierigkeit der Mitwirkung der katholischen Prlaten und Priester bei
dem groen Vershnungswerke versichert halten knnen. Vieles htte
allerdings noch immer dem heilenden Einflusse der Zeit berlassen
bleiben mssen. Die Eingebornen hatten immer noch von den Ansiedlern
Betriebsamkeit, Sorge fr die Zukunft, die Knste des Lebens und die
englische Sprache zu lernen gehabt. Es konnte keine Gleichheit
stattfinden zwischen Menschen, die in Husern, und Menschen, die in
Stllen wohnten, zwischen Menschen, die sich von Brod, und Menschen, die
sich von Kartoffeln nhrten, zwischen Menschen, welche die edle Sprache
groer Philosophen und Dichter sprachen, und Menschen, die sich in
verkehrtem Stolze rhmten, da sie ihren Mund nicht zu einem
Kauderwelsch verzerren knnten, in welchem die Fortschritte der
Wissenschaft und das Verlorne Paradies geschrieben waren.[165] Man
kann indessen mit gutem Grunde annehmen, da, wenn die eben geschilderte
vershnende Politik von der Regierung beharrlich verfolgt worden wre,
alle Schranken nach und nach gefallen und da von der Feindseligkeit,
welche der Fluch Irlands gewesen ist, nicht mehr Spuren zurckgeblieben
sein wrden, als von der gleich erbitterten Feindschaft, welche einst in
England zwischen den Sachsen und den Normannen wthete.

    [Anmerkung 163: Clarendon erinnert den Knig hieran in einem vom
    14. Mrz 1685/86 datirten Briefe und setzt hinzu: Dies ist
    unstreitig eine ganz richtige Ansicht.]

    [Anmerkung 164: Clarendon empfahl dringend dieses Verfahren und
    war der Meinung, da das irische Parlament das Seinige dazu
    beitragen wrde. Siehe seinen Brief an Ormond vom 28. Aug. 1686.]

    [Anmerkung 165: Es war ein O'Neill von hohem Ansehen, welcher
    einst sagte, da es sich nicht fr ihn zieme, den Mund zu
    verzerren, um englisch zu plappern. -- Vorrede zur +Hibernia
    Anglicana+.]


[_Seine Fehlgriffe._] Leider wurde Jakob nicht ein Vermittler, sondern
im Gegentheil der heftigste und rcksichtsloseste Parteignger. Anstatt
den gegenseitigen Ha der beiden Bevlkerungen zu besnftigen,
entflammte er ihn zu einer bisher nie gekannten Gluth. Er beschlo, ihre
Stellung zu einander umzukehren und die protestantischen Ansiedler unter
die Fe der papistischen Celten zu werfen. Ein Mitglied der
Staatskirche sein und englisches Blut in den Adern haben, machte in
seinen Augen unfhig zur Bekleidung brgerlicher wie militairischer
mter. Er sann auf den Plan, die Hlfte des ganzen Grund und Bodens der
Insel wieder zu confisciren und neu zu vertheilen, und diese Idee gab er
so deutlich zu verstehen, da die eine Partei bald von einer Angst
ergriffen wurde, die er nachher umsonst zu beschwichtigen, die andre von
Hoffnungen erfllt wurde, die er nachher vergebens niederzuschlagen sich
bemhte. Dies war aber erst der kleinste Theil seiner Schuld und seiner
Verkehrtheit. Er fate den wohlberlegten Entschlu, nicht allein die
Ureinwohner Irlands in den ungetheilten Besitz ihres Landes zu setzen,
sondern sich ihrer auch als Werkzeuge zur Aufrichtung einer
Willkrherrschaft in England zu bedienen. Der Erfolg war so, wie er ihn
htte voraussehen knnen. Die Kolonisten widersetzten sich mit der
hartnckigen Khnheit ihres Stammes, und das Mutterland betrachtete ihre
Sache mit Recht als ihre eigene. Es erfolgte nun ein verzweifelter Kampf
um einen furchtbaren Einsatz. Alles was einer Nation theuer ist, stand
auf beiden Seiten auf dem Spiele, und wir knnen weder die Irlnder noch
die Englnder tadeln, da sie in dieser uersten Gefahr dem Gesetze der
Selbsterhaltung folgten. Der Kampf war frchterlich, aber kurz; der
schwchere Theil unterlag. Sein Schicksal war hart; indessen war die
Grausamkeit, mit der er behandelt wurde, wenn auch nicht zu
rechtfertigen, doch zu entschuldigen, denn es traf ihn zwar Alles, was
die Tyrannei ihm nur zufgen konnte, aber nicht mehr, als er selbst dem
Gegner zugefgt haben wrde, wenn er ihn berwunden htte. Die Folge des
unsinnigen Versuchs, England mit Hlfe von Irland zu unterjochen, war
die, da die Irlnder die Holzhauer und Wassertrger der Englnder
wurden. Die alten Grundeigenthmer verloren bei dem Versuche, das
Verlorene wieder zu erobern, auch noch den grten Theil dessen, was
ihnen geblieben war. Das vorbergehende bergewicht des Papismus rief
eine solche Reihe von barbarischen Gesetzen gegen den Papismus hervor,
da dadurch das irische Gesetzbuch in der ganzen Christenheit
sprichwrtlich verrufen wurde. Dies waren die herben Frchte von Jakob's
Politik.

Wir haben bereits gesehen, da einer seiner ersten Schritte, nachdem er
Knig geworden, die Zurckberufung Ormond's aus Irland war. Ormond war
das Oberhaupt des englischen Interesses in diesem Lande, er war ein
eifriger Anhnger des protestantischen Glaubens und seine Macht
berstieg bei weitem die eines gewhnlichen Lordlieutenants, erstens
deshalb, weil er der vornehmste und reichste Ansiedler, und zweitens
weil er nicht nur das Haupt der Civilverwaltung, sondern auch der
Befehlshaber der Truppen war. Der Knig war damals nicht geneigt, die
Regierung ausschlielich irischen Hnden zu berlassen; man hatte ihn in
der That uern hren, ein eingeborner Viceknig wrde bald ein
unabhngiger Herrscher werden.[166] Fr den Augenblick beschlo er
daher, die Macht, welche Ormond besessen hatte, zu theilen, die
Civilverwaltung einem englischen und protestantischen Lordlieutenant und
das Commando der Armee einem irischen und rmisch-katholischen General
zu bertragen. Der Lordlieutenant war Clarendon, der General war
Tyrconnel.

Tyrconnel stammte, wie wir schon gesagt haben, aus einer der entarteten
Familien der alten Colonie, welche gewhnlich mit der ursprnglichen
Bevlkerung Irlands zusammengeworfen wurde. Zuweilen sprach er zwar in
einem Anfalle von Prahlsucht mit normnnischem bermuthe von den
celtischen Barbaren; in Wirklichkeit aber hatten die Eingebornen alle
seine Sympathieen.[167] Die protestantischen Ansiedler hate er, und sie
erwiederten seinen Ha. Clarendon's Neigungen waren ganz andrer Art,
aber er war nach Character, aus Interesse und aus Prinzip ein
willfhriger Hfling. Sein Muth war gering, seine Vermgensumstnde
nicht glnzend, und die politischen Lehren, welche die anglikanische
Kirche damals nur zu eifrig gepredigt, hatten sich seinem Geiste tief
eingeprgt. Seine Fhigkeiten waren jedoch nicht zu verachten und unter
einem guten Knige wrde er wahrscheinlich ein vortrefflicher Viceknig
gewesen sein.

    [Anmerkung 166: Sheridan-Handschr. unter den Stuart-Papieren. Ich
    mu hier die Geflligkeit anerkennen, mit der mich Mr. Glover in
    meinen Nachforschungen nach diesem werthvollen Manuscripte
    untersttzt hat. Aus den Instructionen, welche Jakob 1692 fr
    seinen Sohn aufsetzte, geht hervor, da er bis zuletzt der Meinung
    war, Irland knne nicht ohne Gefahr einem irischen Lordlieutenant
    anvertraut werden.]

    [Anmerkung 167: Sheridan-Handschr.]


[_Clarendon's Ankunft in Irland als Lordlieutenant._] Es vergingen etwa
drei Vierteljahre zwischen der Zurckberufung Ormond's und der Ankunft
Clarendon's in Dublin. In der Zwischenzeit wurde der Knig durch ein
Collegium von Lordrichtern reprsentirt; die militairische Verwaltung
aber war in Tyrconnel's Hnden. Die Absichten des Hofes begannen sich
allmlig schon zu enthllen. Es kam von Whitehall ein kniglicher Befehl
zur Entwaffnung des Volks. Diesen Befehl vollzog Tyrconnel, soweit er
die Englnder betraf, mit aller Strenge. Obgleich das Land durch
Ruberbanden unsicher gemacht wurde, bekam ein protestantischer
Gentleman kaum die Erlaubni, ein Paar Pistolen behalten zu drfen. Dem
eingebornen Landvolke dagegen wurden die Waffen gelassen.[168] Die
Freude der Colonisten war daher gro, als endlich im December 1685
Tyrconnel nach London berufen und Clarendon noch Dublin abgesandt wurde.
Doch es zeigte sich bald, da der wahre Sitz der Regierung nicht Dublin,
sondern London war. Jede Post, die ber den St. Georgskanal kam, brachte
Nachrichten von dem unbegrenzten Einflusse, den Tyrconnel auf die
irischen Angelegenheiten ausbte. Es hie, er solle Marquis, ja sogar
Herzog werden, er solle den Oberbefehl ber die Truppen erhalten und
beauftragt werden, die Armee und die Gerichtshfe neu zu
organisiren.[169]

    [Anmerkung 168: Clarendon an Rochester, 19. Jan. 1685/86; +Secret
    Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.+]

    [Anmerkung 169: Clarendon an Rochester, 27. Febr. 1685/86.]


[_Seine Krnkungen._] Clarendon fhlte sich tief gekrnkt, als er sah,
da er nur ein untergeordnetes Mitglied der Verwaltung war, deren
Oberhaupt zu sein er erwartet hatte. Er beschwerte sich darber, da
Alles was er thue von seinen Verleumdern entstellt und da die
wichtigsten Beschlsse in Bezug auf das von ihm verwaltete Land Wochen
lang bevor man dem Lordstatthalter nur eine Andeutung davon gegeben
habe, in Westminster gefat, ffentlich bekannt gemacht, in den
Kaffeehusern besprochen und in hunderten von Privatbriefen mitgetheilt
wrden. Sein persnliches Ansehen, sagte er, komme dabei wenig in
Betracht, aber es sei keine Kleinigkeit, wenn der Vertreter der Majestt
des Thrones zum Gegenstande der Verachtung des Volks gemacht werde.[170]

    [Anmerkung 170: Clarendon an Rochester und Sunderland, 2. Mrz
    1685/86, und an Rochester, 14. Mrz.]


[_Schrecken unter den Colonisten._] Ein panischer Schrecken verbreitete
sich wie ein Lauffeuer unter den englischen Ansiedlern, als sie sahen,
da der Viceknig, ihr Landsmann und protestantischer Glaubensbruder,
nicht im Stande war, ihnen den Schutz zu gewhren, den sie von ihm
erwartet hatten. Sie lernten durch eigene bittere Erfahrung, was es
heit, eine unterjochte Kaste zu sein. Die Eingebornen berhuften sie
mit Anklagen auf Hochverrath und Aufruhr. Der eine Protestant hatte mit
Monmouth correspondirt, der andre hatte vor vier oder fnf Jahren
einmal, als die Ausschlieungsbill berathen wurde, sich unehrerbietig
ber den Knig geuert, und das Zeugni ehrloser Menschen war zur
Erhrtung jeder derartigen Beschuldigung stets bei der Hand. Der
Lordlieutenant sprach die Befrchtung aus, da, wenn dieses Treiben
nicht aufhre, in Dublin bald eine ganz hnliche Schreckensherrschaft
bestehen werde, wie er sie in London erlebt habe, als Jedermanns Kopf
und Ehre in der Gewalt eines Oates und Bedloe waren.[171]

Bald darauf wurde Clarendon durch eine kurze und bndige Depesche von
Sunderland in Kenntni gesetzt, da eine unverzglich vorzunehmende
vollstndige Umnderung in der Civil- und Militairverwaltung Irlands
beschlossen worden sei und da eine groe Anzahl rmischer Katholiken
sofort im Staatsdienste angestellt werden sollten. Seine Majestt, wurde
hchst ungndig hinzugesetzt, habe sich in dieser Angelegenheit mit
Mnnern besprochen, welche competentere Rathgeber seien, als sein
unerfahrener Lordlieutenant es fglich sein knne.[172]

Schon bevor dieses Schreiben dem Viceknig zukam, war die darin
enthaltene Nachricht auf verschiedenen Wegen nach Irland gelangt. Der
Schrecken der Ansiedler war unbeschreiblich. In Folge der bedeutenden
bermacht der eingebornen Bevlkerung mute ihre Lage in der That sehr
traurig werden, wenn jene mit der ganzen Staatsgewalt gegen sie
bewaffnet wurde, und nichts Geringeres drohte ihnen. Die englischen
Bewohner Dublins gingen mit niedergeschlagenem Blicke auf den Straen
aneinander vorber; die Brsengeschfte geriethen ins Stocken, die
Grundeigenthmer beeilten sich, ihre Besitzungen um jeden Preis zu
verkaufen und den Erls nach England zu schicken; die Kaufleute begannen
ihre Auenstnde einzuziehen und Anstalten zur Liquidation ihrer
Geschfte zu treffen. Der Schrecken uerte bald seine Wirkung auf die
Staatseinknfte.[173] Clarendon bemhte sich, den gengstigten
Ansiedlern ein Vertrauen einzuflen, von dem er selbst weit entfernt
war. Er versicherte sie, da ihr Eigenthum nicht angetastet werden
solle, und da er bestimmt wisse, der Knig sei fest entschlossen, die
Ansiedelungsacte, welche ihre Rechte auf den Grund und Boden
gewhrleistete, aufrecht zu erhalten, seine Briefe nach England aber
lauteten ganz anders. Er wagte es sogar, mit dem Knige zu rechten, und
ohne die Absicht Seiner Majestt, Katholiken anzustellen, geradezu zu
tadeln, sprach er doch die entschiedene Ansicht aus, da die
anzustellenden Katholiken wenigstens Englnder sein mten.[174]

Jakob's Antwort war in einem trocknen und kalten Tone gehalten. Er
erklrte, da es nicht seine Absicht sei, die englischen Ansiedler ihres
Grundeigenthums zu berauben, da er aber einen groen Theil derselben
als seine Feinde betrachte und da, wenn er so bedeutenden Grundbesitz
in den Hnden seiner Freunde lasse, es um so nthiger sei, die Civil-
und Militairverwaltung in die Hnde von Freunden zu legen.[175]

Demgem wurden mehrere rmische Katholiken als Mitglieder des Geheimen
Raths vereidigt und den Corporationen Befehl gegeben, die Katholiken zu
stdtischen mtern zuzulassen.[176] Viele Offiziere von der Armee wurden
willkrlich ihrer Posten und dadurch ihres Brodes beraubt. Umsonst
verwendete sich der Lordlieutenant fr einige von ihnen, die er als gute
Soldaten und loyale Unterthanen kannte. Es befanden sich alte Kavaliere
darunter, welche tapfer fr die Monarchie gefochten und noch die Narben
ehrenvoller Wunden an sich trugen. Ihre Stellen wurden mit Mnnern
besetzt, die keine andre Empfehlung hatten, als ihre Religion. Man
sagte, da einige von den neuen Hauptleuten und Lieutenants Kuhhirten,
andere Bedienten, noch andere berchtigte Ruber gewesen seien. Mehrere
waren so sehr an die Holzschuhe gewhnt, da sie in ihren militairischen
Reiterstiefeln gar possierlich einherstolperten und watschelten. Nicht
wenige von den verabschiedeten Offizieren traten in hollndische Dienste
und hatten vier Jahre spter das Vergngen, ihre Nachfolger in
schimpflicher Flucht vor sich her durch die Fluthen des Boyne zu
treiben.[177]

Clarendon's Verlegenheit und Angst wurde noch vermehrt durch
Nachrichten, die er auf Privatwegen erhielt. Ohne seine Zustimmung und
ohne sein Vorwissen wurde Anstalt getroffen, die ganze celtische
Bevlkerung des Landes, dessen Statthalter er dem Namen nach war, zu
bewaffnen und einzuben. Tyrconnel leitete von London aus die Operation
und die Prlaten seiner Kirche waren seine Agenten. Jeder Priester war
angewiesen, ein genaues Verzeichni aller seiner waffenfhigen
mnnlichen Pfarrkinder anzufertigen und seinem Bischofe zu
bersenden.[178]

Schon hatte sich das Gercht verbreitet, Tyrconnel werde bald mit
auerordentlichen und selbststndigen Vollmachten ausgerstet nach
Dublin zurckkehren, und dieses Gercht gewann tglich an Bestand. Der
Lordlieutenant, den keine Demthigung dazu bewegen konnte, den Pomp und
die Einknfte seiner Stelle aufzugeben, erklrte, da er sich freudig
dem kniglichen Willen fgen und sich in allen Dingen als ein treuer und
gehorsamer Unterthan erweisen werde. Er sagte, er habe nie in seinem
Leben mit Tyrconnel Streit gehabt und er hoffe zuversichtlich, da er
sich auch in Zukunft nicht mit ihm veruneinigen werde.[179] Clarendon
schien ganz vergessen zu haben, da einmal ein Complot gegen den Ruf
seiner unschuldigen Schwester im Gange gewesen war und da Tyrconnel an
diesem Complot sehr starken Antheil gehabt hatte. Eine solche
Beleidigung gehrt gewi nicht zu denen, welche Mnner von Ehrgefhl am
leichtesten verzeihen. Aber an dem verderbten Hofe, an welchem die Hyde
so lange ihr Glck gemacht hatten, wurden derartige Beleidigungen gern
vergeben und vergessen, nicht aus Gromuth oder Nchstenliebe, sondern
aus reiner Characterlosigkeit und Mangel an Sittlichkeitsgefhl.

    [Anmerkung 171: Clarendon an Sunderland, 26. Febr. 1685/86.]

    [Anmerkung 172: Sunderland an Clarendon, 11. Mrz 1685/86.]

    [Anmerkung 173: Clarendon an Rochester, 14. Mrz; 1685/86.]

    [Anmerkung 174: Clarendon an Jakob, 4. Mrz 1685/86.]

    [Anmerkung 175: Jakob an Clarendon, 6. April 1686.]

    [Anmerkung 176: Sunderland an Clarendon, 22. Mai 1686; Clarendon
    an Ormond, 30 Mai; Clarendon an Sunderland, 6 u. 11. Juli.]

    [Anmerkung 177: Clarendon an Rochester und Sunderland, 1. Juni
    1686; an Rochester, 12. Juni; +King's State of the Protestants of
    Ireland, chap. II. sec. 6, 7+; +Apology for the Protestants of
    Ireland, 1689.+]

    [Anmerkung 178: Clarendon an Rochester, 15. Mai 1686.]

    [Anmerkung 179: Clarendon an Rochester, 11. Mai 1686.]


[_Tyrconnel's Ankunft in Dublin als General._] Im Juni 1686 kam
Tyrconnel an. Seine Vollmacht autorisirte ihn nur zur bernahme des
militairischen Kommandos, aber er brachte knigliche Instructionen mit,
welche alle Zweige der Verwaltung berhrten, und er nahm ohne Weiteres
die wirkliche Regierung der Insel in seine Hand. Am Tage nach seiner
Ankunft erklrte er gerade zu, da eine groe Anzahl Katholiken als
Offiziere angestellt und da ihnen durch Entlassung von mehr
Protestanten Platz gemacht werden msse. Er betrieb die Reorganisation
der Armee mit rastlosem Eifer. Dies war auch in der That die einzige
Oberbefehlshaberfunction, der er gewachsen war, denn er besa wohl Muth
in Hndeln und Zweikmpfen, aber vom eigentlichen Militairdienste
verstand er nichts. Sogleich bei der ersten Musterung, die er hielt,
sahen Alle, die sich in seiner Nhe befanden, deutlich, da er nicht
wute, wie man ein Regiment aufmarschiren lie.[180]

    [Anmerkung 180: Clarendon an Rochester, 11. Mai 1686.]


[_Seine Parteilichkeit und Willkr._] Englnder auszumerzen und Irlnder
an deren Stelle zu setzen, dies war nach seiner Ansicht der Anfang und
das Ende aller Militairverwaltung. Er hatte die Frechheit, sogar den
Hauptmann der Leibgarde des Lordlieutenants zu verabschieden, was
Clarendon erst erfuhr, als er einen ihm vllig unbekannten Katholiken
neben seinem Staatswagen reiten sah.[181] Die Vernderung beschrnkte
sich nicht allein auf die Offiziere, auch die Reihen der Soldaten wurden
vllig aufgelst und neu zusammengesetzt. Aus einem einzigen Regimente
wurden vier- bis fnfhundert Soldaten hauptschlich aus dem Grunde
verabschiedet, weil sie das erforderliche Ma nicht hatten. Aber das
ungebteste Auge sah auf den ersten Blick, da die Leute grer und
besser gebaut waren, als ihre Nachfolger, deren wildes und unsauberes
Aussehen den Beschauer anekelte.[182] Die neuen Offiziere erhielten
Befehl, keinen Mann protestantischen Glaubens in die Armee aufzunehmen;
anstatt da die Werbecommandos nach altem Brauche auf die Messen und
Mrkte zogen, um Freiwillige herbeizutrommeln, suchten sie jetzt die
Orte auf, wohin die rmischen Katholiken zu Andachtszwecken
wallfahrteten. Binnen wenigen Wochen hatte der General mehr als
zweitausend Eingeborene in die Reihen des Heeres aufgenommen, und seine
Umgebungen versicherten mit Bestimmtheit, da zu Weihnachten nicht ein
einziger Mann englischer Abkunft mehr in der ganzen Armee zu finden sein
werde.[183]

Bei allen Fragen, welche im Geheimen Rathe zur Verhandlung kamen, zeigte
Tyrconnel die nmliche Willkr und Parteilichkeit. Johann Keating,
Oberrichter der Common Pleas, ein Mann, der sich durch Tchtigkeit,
Rechtschaffenheit und Loyalitt auszeichnete, stellte mit groer Milde
vor, da der General billigerweise fr seine Kirche nicht mehr verlangen
knne, als vollkommene Gleichstellung. Es sei gewi nur des Knigs
Wille, sagte er, da kein des ffentlichen Vertrauens wrdiger Mann
deshalb ausgeschlossen werden solle, weil er ein rmischer Katholik sei,
und da kein des Vertrauens Unwrdiger deshalb angestellt werden solle,
weil er ein Protestant sei. Tyrconnel begann alsbald zu fluchen und zu
schwren. Ich wei nicht, was ich dazu sagen soll, rief er aus; ich
mchte alle Katholiken herein haben.[184] Die verstndigeren Irlnder
seines eigenen Glaubens waren entrstet ber seine rcksichtslose
Heftigkeit und wagten es, ihm Vorstellungen zu machen; aber er gebot
ihnen mit Verwnschungen Schweigen.[185] Seine Brutalitt war so gro,
da Viele ihn fr wahnsinnig hielten. Sie war indessen noch nicht so
auffallend, als die schamlose Zungenfertigkeit, mit der er Lgen
aussprach. Schon lange zuvor hatte er sich den Spottnamen des Lgners
Dick Talbot zugezogen und selbst in Whitehall wurde jede abgeschmackte
Lge eine von Dick Talbot's Wahrheiten genannt. Jetzt bewies er tglich,
da er diesen nicht beneidenswerthen Ruf wohl verdiente. Das Lgen war
bei ihm in der That fast eine Krankheit. Nachdem er den Befehl zur
Entlassung englischer Offiziere gegeben, war er im Stande, sie in sein
Kabinet zu rufen, sie seines Vertrauens und seiner Freundschaft zu
versichern und den Himmel anzurufen, da er ihn vernichten und
zerschmettern mge, wenn er nicht aufs Beste fr ihr Wohl sorgen sollte.
Oft erfuhren Diejenigen, denen er auf solche Weise seine Gunst
zugeschworen hatte, noch vor dem Abende, da sie entlassen waren.[186]

    [Anmerkung 181: +Secret Consults of the Romish Party in Ireland.+]

    [Anmerkung 182: Clarendon an Rochester, 26. Juni und 4. Juli 1686;
    +Apology for the Protestants of Irland, 1689.+]

    [Anmerkung 183: Clarendon an Rochester, 4. u. 22. Juli 1686; an
    Sunderland, 6. Juli; an den Knig, 14. Aug.]

    [Anmerkung 184: Clarendon an Rochester, 19. Juni 1686.]

    [Anmerkung 185: Clarendon an Rochester, 22. Juni 1686.]

    [Anmerkung 186: Sheridan-Handschr.; +King's State of the
    Protestants of Ireland, III. 3. 8.+ Ein schlagendes Beispiel von
    Tyrconnel's schamloser Lgenhaftigkeit findet sich in dem Briefe
    Clarendon's an Rochester vom 22. Juli 1686.]


[_Er sucht die Ansiedlungsacte aufzuheben._] Bei seiner Ankunft
versicherte er, obgleich er auf die Ansiedlungsacte entsetzlich fluchte
und das englische Interesse ein abscheuliches, ein schuftiges, ein
verfluchtes Ding nannte, dennoch berzeugt zu sein, da die Vertheilung
des Grundeigenthums nach so langen Jahren nicht mehr abgendert werden
knne.[187] Als er jedoch einige Wochen in Dublin war, zog er andere
Saiten auf. Er begann am Rathstische heftige Reden zu halten ber die
Nothwendigkeit, das Land den frheren Eigenthmern zurckzugeben. Bis
jetzt hatte er jedoch noch nicht die Zustimmung seines Gebieters zu
diesem unheilvollen Plane erlangt. Das Nationalgefhl hatte in Jakob's
Gemth noch einen schwachen Kampf gegen den Aberglauben zu bestehen. Er
war ein Englnder und ein englischer Knig und er konnte nicht ohne
einige schlimme Ahnungen in die Zerstrung der grten Colonie willigen,
die England jemals angelegt hatte. Die englischen Katholiken, die er zu
Rathe zu ziehen pflegte, waren fast einhellig fr die Aufrechthaltung
der Ansiedlungsacte. Nicht nur der rechtschaffene und gemigte Powis,
sondern selbst der ausschweifende und starrsinnige Dover gaben
verstndigen und patriotischen Rath.

    [Anmerkung 187: Clarendon an Rochester, 8. Juni 1686.]


[_Er kehrt nach England zurck._] Tyrconnel durfte kaum hoffen, von
ferne den Eindruck zu neutralisiren, den solche Rathschlge nothwendig
auf den Knig machen muten. Er beschlo daher, die Sache seiner Kaste
persnlich zu verfechten, und kehrte deshalb Ende August nach England
zurck.

Der Lordlieutenant frchtete seine Abwesenheit eben so sehr als seine
Anwesenheit. Es war allerdings peinlich, Tag fr Tag die gerunzelte
Stirn eines Feindes vor Augen zu haben; nicht minder qulend aber war
das Bewutsein, da ein Feind tglich dem Knige Verleumdungen und bsen
Rath zuflsterte. Clarendon ward durch mannichfache Krnkungen zu Boden
gedrckt. Er machte eine Rundreise durch das Land und mute sehen, da
die irische Bevlkerung ihn allenthalben mit Verachtung behandelte. Die
katholischen Priester ermahnten ihre Gemeinden, ihm keine
Ehrenbezeigungen zu erweisen; die eingeborne Gentry blieb zu Hause,
anstatt ihm entgegenzukommen und ihre Achtung zu bezeigen, und das
eingeborne Landvolk sang berall ersische Lieder zum Lobe Tyrconnels,
der, wie sie nicht zweifelten, bald wieder erscheinen werde, um die
Demthigung ihrer Unterdrcker zu vervollstndigen.[188]

    [Anmerkung 188: Clarendon an Rochester, 23. Sept. und 2. Oct.
    1686; +Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690.+]


[_Der Knig ist unzufrieden mit Clarendon._] Der Viceknig war von
seiner unerfreulichen Reise kaum wieder in Dublin angekommen, so erhielt
er Briefe, die ihm ankndigten, da er sich das ernste Mifallen des
Knigs zugezogen habe. Seine Majestt, hie es in den Briefen, erwarte
von seinen Dienern, da sie seinen Befehlen nicht blos nachkmen,
sondern da sie denselben aus voller Seele und mit heiterer Miene
gehorchten. Der Lordlieutenant habe sich zwar nicht geweigert, bei der
Reform des Heeres und der Civilverwaltung mitzuwirken, aber seine
Mitwirkung sei gezwungen und lssig gewesen, seine Blicke htten seine
Gedanken verrathen und Jedermann habe gesehen, da er die Politik
mibillige, zu deren Ausfhrung er verwendet werde.[189] In groer Angst
schrieb er einen Brief, um sich zu vertheidigen; allein es wurde ihm
kalt darauf erwiedert, da seine Vertheidigung ungengend sei. Er
erklrte nun in den demthigsten Ausdrcken, da er es nicht versuchen
wolle, sich zu rechtfertigen, da er mit jedem Urtheile des Knigs, wie
es auch ausfallen mge, zufrieden sein werde, da er sich in den Staub
werfe und um Verzeihung bitte, da er der aufrichtigste aller reuigen
Snder sei, da er es als seinen hchsten Ruhm betrachte, fr seinen
Herrn und Knig zu sterben, da es ihm aber unmglich sei, unter der
Ungnade seines Frsten zu leben. Dies war auch keineswegs bloe
eigenntzige Heuchelei, sondern, wenigstens zum Theil, unverstellter
Sklavensinn und feige Angst, denn in vertraulichen Briefen, welche nicht
fr das Auge des Knigs bestimmt waren, jammerte er gegen seine Familie
ganz in dem nmlichen Tone. Er sei unglcklich, er sei wie vernichtet,
der Zorn des Knigs sei ihm unertrglich, und wenn dieser Zorn sich
nicht beschwichtigen lasse, habe das Leben keinen Werth mehr fr
ihn.[190] Die Angst des armen Mannes nahm noch zu, als er erfuhr, da
man in Whitehall beschlossen habe, ihn zurckzurufen und seinen
Nebenbuhler und Verleumder Tyrconnel zu seinem Nachfolger zu
ernennen.[191] Dann schien sich der Horizont wieder auf einen Augenblick
aufzuhellen, der Knig war in besserer Laune und Clarendon schmeichelte
sich einige Tage mit der Hoffnung, da die Frsprache seines Bruders den
erwnschten Erfolg gehabt habe, und da die Krisis vorber sei.[192]

    [Anmerkung 189: Clarendon an Rochester, 6. Oct. 1686.]

    [Anmerkung 190: Clarendon an den Knig und an Rochester, 23. Oct.
    1686.]

    [Anmerkung 191: Clarendon an Rochester, 29. u. 30. Oct, 1686.]

    [Anmerkung 192: Clarendon an Rochester, 27. Nov. 1686.]


[_Angriff der jesuitischen Cabale gegen Rochester._] In Wirklichkeit
aber hatte die Krisis erst begonnen. Whrend Clarendon sich an Rochester
zu lehnen versuchte, war dieser selbst schon nicht mehr im Stande, sich
noch lnger zu halten. Wie in Irland der ltere Bruder, obgleich er
seine Ehrengarde, seinen Staatsdegen und den Titel Excellenz behielt,
thatschlich durch den Befehlshaber der Armee verdrngt war, so sank in
England der jngere Bruder, obgleich er seinen weien Stab behielt und
kraft seines hohen Amtes den Vorrang vor dem hchsten Erbadel hatte,
rasch zu einem bloen Finanzsekretr herab. Das Parlament wurde abermals
im Widerspruch mit den wohlbekannten Wnschen des Schatzmeisters auf
einen entfernten Termin prorogirt. Man benachrichtigte ihn nicht einmal
davon, da eine neue Prorogation stattfinden solle, sondern berlie es
ihm, die Neuigkeit aus der Gazette zu erfahren. Die wirkliche Leitung
der Regierungsangelegenheiten war in die Hnde der Cabale bergegangen,
welche Freitags bei Sunderland speiste. Das Kabinet versammelte sich
nur, um die von auswrtigen Hfen eingegangenen Depeschen vorlesen zu
hren, und diese Depeschen enthielten nichts, was man nicht schon an der
Brse gewut htte, denn alle englischen Gesandten hatten Befehl
erhalten, in ihre officiellen Schreiben nur das gewhnliche
Vorzimmergeklatsch aufzunehmen, wichtige Geheimnisse aber fr
Privatmittheilungen aufzusparen, welche an Jakob selbst, oder an
Sunderland oder an Petre gerichtet werden muten.[193] Die siegende
Partei war indessen noch immer nicht zufrieden. Diejenigen, denen der
Knig das meiste Vertrauen schenkte, versicherten ihn, da die
Hartnckigkeit, mit der die Nation sich seinen Plnen widersetze,
lediglich Rochester zur Last falle. Wie knne das Volk glauben, da sein
Frst unerschtterlich fest entschlossen sei, auf dem eingeschlagenen
Wege fortzuschreiten, wenn es zu seiner Rechten einen Mann erblicke, der
anscheinend in Macht und Vertrauen der Erste unter seinen Rthen sei und
doch anerkanntermaen diesen Weg entschieden mibillige? Jedem Schritte,
der zu dem Zwecke gethan worden sei, die anglikanische Kirche
herabzusetzen und die rmische Kirche zu erheben, habe sich der
Schatzmeister widersetzt. Allerdings habe er, wenn er die Nutzlosigkeit
seines Widerstandes eingesehen, sich mit Unmuth gefgt und zuweilen
sogar bei der Ausfhrung der Plne, gegen die er am eifrigsten gekmpft,
hlfreiche Hand geleistet; allerdings habe er sich, obgleich ihm die
kirchliche Commission zuwider gewesen sei, dazu verstanden, eine Stelle
in derselben anzunehmen; allerdings habe er, nachdem er erklrt, da er
in dem Benehmen des Bischofs von London nichts Tadelnswerthes finden
knne, mit Verdru und Widerstreben fr seine Absetzung gestimmt. Aber
dies sei nicht genug. Ein Frst, der ein so wichtiges und schwieriges
Unternehmen durchzufhren habe, wie das von Jakob begonnene sei, habe
das Recht, von seinem ersten Minister nicht blos eine unwillige und
mrrische Zustimmung, sondern eine eifrige und krftige Mitwirkung zu
erwarten. Whrend dem Knig tglich solcher Rath von Denen ertheilt
wurde, in die er das meiste Vertrauen setzte, erhielt er zu gleicher
Zeit durch die Pennypost eine Menge anonyme Briefe, welche von
Verleumdungen gegen den Lordschatzmeister strotzten. -- Dieses
Angriffssystem war von Tyrconnel erfunden und stand in vollkommenem
Einklange mit jedem Theile seines ehrlosen Wandels.[194]

Der Knig war unschlssig. Er scheint wirklich zu seinem Schwager eine
aufrichtige persnliche Zuneigung, die Folge naher Verwandtschaft,
langjhrigen vertraulichen Umgangs und vieler gegenseitiger
Geflligkeiten, gehegt zu haben, und es lie sich daher mit
Wahrscheinlichkeit annehmen, da Rochester, so lange er sich, wenn auch
zgernd und murrend, dem kniglichen Willen fgte, dem Namen nach
Premierminister bleiben werde. Sunderland gab daher mit raffinirter
Schlauheit seinem Gebieter zu verstehen, da es zweckmig sein drfte,
von Rochester den einzigen Beweis von Gehorsam zu verlangen, den er --
dies war so gut als gewi -- niemals geben wrde. Gegenwrtig -- so
lautete die Sprache des listigen Staatssekretrs -- sei es unmglich,
mit dem ersten Diener des Knigs ber den Gegenstand zu sprechen, der
Seiner Majestt am meisten am Herzen liege. Es sei traurig, sich sagen
zu mssen, da in einer so wichtigen Krisis religise Vorurtheile die
Regierung einer so werthvollen Sttze beraubten. Vielleicht wrden sich
diese Vorurtheile nicht als unberwindlich erweisen. Dann deutete der
Verfhrer an, da seines Wissens Rochester unlngst einige Bedenken ber
die zwischen den Protestanten und Katholiken obschwebenden Streitpunkte
geuert habe.[195]

    [Anmerkung 193: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686; +Clarke's Life of
    James the Second, II. 99.+]

    [Anmerkung 194: Sheridan-Handschr.]

    [Anmerkung 195: +Clarke's Life of James the Second, II. 100.+]


[_Jakob's Versuche, Rochester zu bekehren._] Dies war genug. Der Knig
griff den Wink begierig auf und begann sich mit der Hoffnung zu
schmeicheln, da er vielleicht nicht nur der unangenehmen Nothwendigkeit
berhoben werden wrde, einen Freund von sich zu entfernen, sondern sich
sogar einen geschickten Gehilfen zur Ausfhrung des unternommenen groen
Werkes sichern knnte. Nebenbei erhob ihn auch der Gedanke an das
Verdienst und den Ruhm, einen Mitmenschen vom Verderben zu retten. Er
scheint in der That um diese Zeit einen ganz besonders heftigen Anfall
von religisem Eifer gehabt zu haben, und dies ist um so auffallender,
da er eben erst nach einer kurzen Pause der Selbstbeherrschung in
Ausschweifungen zurckverfallen war, welche alle christlichen Theologen
als sndhaft verwerfen und die bei einem schon bejahrten Manne, der eine
liebenswrdige junge Gattin hat, selbst von weltlich gesinnten Menschen
unschicklich genannt werden. Lady Dorchester war von Dublin
zurckgekommen und war wieder die Maitresse des Knigs. Eine politische
Bedeutung hatte ihre Rckkehr nicht. Die Erfahrung hatte sie von der
Nutzlosigkeit des Versuchs berzeugt, ihren Geliebten von dem Verderben
zu retten, in das er sich kopfber strzte. Sie berlie daher seine
politische Leitung den Jesuiten und diese gestatteten ihr dagegen, da
sie dem Knige Geld ablockte. brigens war sie nur eine von mehreren
leichtfertigen Frauen, welche damals mit seiner geliebten Kirche die
Herrschaft ber ihn theilten.[196] Er schien beschlossen zu haben, die
Vernachlssigung seines eignen Seelenheils durch Sorge fr die Seelen
Anderer einigermaen wieder gut zu machen. Daher ging er mit wirklichem
guten Willen, aber mit dem guten Willen eines harten, strengen und
gebieterischen Characters an das Werk seinen Schwager zu bekehren. Jede
dem Schatzmeister gewhrte Audienz wurde mit Abhandlungen ber die
Autoritt der Kirche und ber den Bilderdienst ausgefllt. Rochester
hatte sich vorgenommen, seinem Glauben nicht untreu zu werden; aber er
trug kein Bedenken, sich zu seiner Selbstvertheidigung eben so
schimpflicher Kunstgriffe zu bedienen, als sie gegen ihn angewendet
wurden. Er bemhte sich wie ein Mann zu sprechen, der noch nicht mit
sich im Klaren ist, sagte da er nichts mehr wnsche, als eines Besseren
belehrt zu werden, wenn er sich irren sollte, las papistische Bcher und
hrte papistische Theologen bereitwillig an. Er hatte verschiedene
Unterredungen mit Leyburn, dem apostolischen Vikar, mit Godden, dem
Kaplan und Almosenier der Knigin Wittwe und mit Bonaventura Giffard,
einem in den Schulen von Douay fr die Polemik gebildeten Theologen. Es
wurde verabredet, da eine frmliche Disputation zwischen diesen
Gelehrten und einigen protestantischen Geistlichen stattfinden solle.
Der Knig forderte Rochester auf, beliebige Theologen der Staatskirche
zu whlen, nur mit zwei Ausnahmen: Diese waren Tillotson und
Stillingfleet. Tillotson, der populrste Prediger der damaligen Zeit und
von Character der harmloseste Mensch, hatte mit einigen Whigfhrern in
vertrautem Umgange gestanden, und Stillingfleet, der als ein vollendeter
Meister in allen Waffen der Polemik bekannt war, hatte sich durch
Herausgabe einer Entgegnung auf die in der Cassette Karl's II.
gefundenen Papiere noch miliebiger gemacht. Rochester whlte die beiden
kniglichen Kaplane, welche gerade den Dienst hatten. Der eine von ihnen
war Simon Patrick, dessen Bibelerklrungen noch jetzt in keiner
theologischen Bibliothek fehlen drfen; der andre war Jane, ein heftiger
Tory, einer von den Verfassern des Beschlusses, durch welchen die
Universitt Oxford die schlimmsten Thorheiten Filmer's feierlich in sich
aufgenommen hatte. Die Disputation fand am dreizehnten November in
Whitehall statt. Rochester, der es nicht bekannt werden lassen wollte,
da er eingewilligt habe, die Argumente der papistischen Priester auch
nur anzuhren, bedang sich Geheimhaltung aus. Es sollte kein Zuhrer
weiter anwesend sein als der Knig. Der Gegenstand der Disputation
war die wirkliche Anwesenheit Christi beim Abendmahle. Die
rmisch-katholischen Theologen bernahmen die Last der Beweisfhrung.
Patrick und Jane sprachen wenig; auch hatten sie gar nicht nthig viel
zu sagen, denn der Earl unternahm es selbst die Lehre seiner Kirche zu
vertheidigen und er wurde seiner Gewohnheit nach bald warm, verlor seine
Ruhe und fragte mit groer Heftigkeit, ob man etwa hoffe, da er auf so
unhaltbare Grnde hin, seinen Glauben wechseln werde. Dann fiel ihm aber
ein, was er riskirte; er fing wieder an sich zu verstellen, jagte den
Disputanten Schmeicheleien ber ihre Gewandtheit und Gelehrsamkeit und
verlangte Zeit, um das Gesagte zu berlegen.[197]

So beschrnkt Jakob auch war, mute er doch merken, da dies eine bloe
Komdie war. Er sagte Barillon, Rochester's Sprache sei nicht die eines
Mannes, der den aufrichtigen Willen habe, zur Wahrheit zu gelangen.
Indessen konnte sich der Knig doch noch nicht entschlieen, seinem
Schwager die einfache Alternative zu stellen: bertritt oder Entlassung;
drei Tage nach der Conferenz aber machte Barillon dem Schatzmeister
einen Besuch und rckte nach vielen Umschweifen und wiederholten
Versicherungen der freundschaftlichsten Theilnahme mit der unangenehmen
Wahrheit heraus. Meinen Sie damit, sagte Rochester, den die unklaren
und umstndlichen Phrasen, in denen das Ansinnen an ihn gestellt wurde,
irre machten, da ich meine Stelle verliere, wenn ich nicht Katholik
werde? -- Davon spreche ich nicht, erwiederte der vorsichtige
Diplomat; ich komme nur als Freund zu Ihnen, um die Hoffnung
auszusprechen, da Sie darauf bedacht sein werden, Ihre Stelle zu
behalten. -- Aber jedenfalls, sagte Rochester, ist der einfache und
klare Sinn von dem Allen, da ich entweder Katholik werden oder abtreten
mu. Er richtete noch mehrere Fragen an Barillon, um dahinter zu
kommen, ob die Erffnung ihm auf hheren Befehl gemacht worden war,
konnte aber nur unbestimmte und geheimnivolle Antworten erlangen.
Endlich erklrte er Barillon mit einer affectirten Zuversicht, die er
weit entfernt war zu fhlen, er msse sich durch leeres oder bswilliges
Gerede haben tuschen lassen. Ich sage Ihnen, setzte er hinzu, da
der Knig mich nicht entlassen und da ich eben so wenig freiwillig
abtreten werde. Ich kenne ihn und er kennt mich; ich frchte Niemanden.
Der Franzos antwortete hierauf, er sei auerordentlich erfreut, dies zu
hren, und der einzige Beweggrund seiner Einmischung in die Sache sei
die aufrichtige Besorgni um das Wohl und das Ansehen seines
vortrefflichen Freundes des Schatzmeisters. So trennten sich die beiden
Staatsmnner, und jeder schmeichelte sich, den andren dupirt zu
haben.[198]

Inzwischen hatte sich trotz der dringend anempfohlenen Geheimhaltung
dennoch in ganz London die Nachricht verbreitet, der Lordschatzmeister
habe eingewilligt, sich in den papistischen Glaubenslehren unterrichten
zu lassen. Man hatte Patrick und Jane durch die verborgene Thr, welche
in Chiffinch's Gemcher fhrte, in den Palast gehen sehen und einige
rmisch-katholische Hflinge hatten aus Indiscretion oder mit Absicht
Alles was sie wuten und noch mehr als das erzhlt. Die anglikanischen
Tories sahen mit ngstlicher Spannung ausfhrlicheren Nachrichten
entgegen. Schon der Gedanke war ihnen schmerzlich, da ihr Oberhaupt
sich nur gestellt haben knnte, als sei er in seiner berzeugung
schwankend geworden; da er sich aber bis zum Renegaten erniedrigen
werde, konnten sie nicht glauben. Gepeinigt von seinen heftigen
Leidenschaften und seinen niedrigen Begierden, gengstigt durch den
Tadel des Publikums und durch Barillon's Andeutungen, voll Furcht sein
Ansehen und seinen Posten zu verlieren, eilte der unglckliche Minister
wieder in das knigliche Kabinet. Er war entschlossen, seine Stelle
durch jede Schlechtigkeit zu behaupten, eine einzige ausgenommen. Er
wollte vorgeben, er sei in seiner religisen berzeugung wankend
geworden und sei ein halber Konvertit, er wollte seine krftige
Untersttzung der Politik, der er bisher opponirt hatte, versprechen;
wrde er aber aufs uerste getrieben, so wollte er sich weigern, seinen
Glauben zu wechseln. Er sagte daher zuerst dem Knige, da die
Angelegenheit, fr welche Seine Majestt sich so lebhaft interessire,
keineswegs ruhe, da Jane und Giffard eben damit beschftigt seien, ber
die zwischen den beiden Kirchen streitigen Punkte Bcher zu Rathe zu
ziehen, und da nach Beendigung dieser Nachforschung eine zweite
Conferenz wnschenswerth sein werde. Dann beklagte er sich bitter
darber, da die ganze Stadt bereits wisse, was doch sorgfltig htte
verschwiegen werden sollen, und da einige Personen, die in Folge ihrer
Stellung gut unterrichtet sein knnten, sonderbare Dinge in Bezug auf
die Absichten des Knigs erzhlten. Man flstert einander zu, sagte
er, da, wenn ich nicht thte, was Eure Majestt von mir verlangt, ich
nicht lnger in meiner gegenwrtigen Stellung bleiben drfte. Der Knig
erwiederte mit einigen freundschaftlichen Gemeinpltzen, da man den
Leuten nicht wehren knne zu reden, da man aber solch' leeres Geschwtz
nicht beachten drfe. Diese hohlen Phrasen waren nicht geeignet, das
ngstliche Gemth des Ministers zu beruhigen. Er gerieth in eine heftige
Aufregung und begann seine Stelle zu vertheidigen, als ob sein Leben
davon abgehangen htte. Eure Majestt sieht, da ich Alles, was in
meiner Macht steht, thue, Ihnen zu gehorchen. Ich will in der That Alles
thun, was ich kann, um Ihnen in Allem gehorsam zu sein, ich will Ihnen
dienen, ganz nach Ihrem Sinne. Ja, rief er in einem verzweifelten
Ausbruche von niedriger Feigheit, ich will mich sogar bemhen, zu
glauben, was Sie wnschen. Aber nur das sagen Sie mir nicht, da ich
Alles verlieren mu, wenn ich mich bei dem Versuche, meine Ansicht zu
ndern, berzeuge, da mir dies unmglich ist. Denn ich mu Eurer
Majestt offen sagen, da hierbei noch andere Rcksichten obwalten. --
So, so. Sie mssen also? versetzte der Knig mit einem Fluche, denn
ein einziges freimthiges und mnnliches Wort, das inmitten dieser
kriechenden Demuthversicherungen entschlpft war, reichte hin, um seinen
Zorn zu reizen. Ich hoffe, Sire, entgegnete der arme Rochester, da
ich Sie nicht beleidigt habe. Eure Majestt wrde sicherlich keine gute
Meinung von mir haben, wenn ich nicht so gesprochen htte. Der Knig
beherrschte sich, versicherte da er sich nicht beleidigt fhle und
rieth dem Schatzmeister, unbekmmert um miges Gerede wieder mit Jane
und Giffard zu conferiren.[199]

    [Anmerkung 196: Barillon, 13.(23.) Sept. 1686; Bonrepaux, 4. Juni
    1687.]

    [Anmerkung 197: Barillon, 2.(12.) Dec. 1686; +Burnet I. 684+;
    +Clarke's Life of James the Second, II. 100+; +Dodd's Church
    History+. Ich habe es versucht aus diesen einander
    widersprechenden Materialien eine mglichst richtige Erzhlung zu
    entwerfen. Aus Rochester's eigenen Papieren scheint mir klar
    hervorzugehen, da er bei dieser Gelegenheit keineswegs so
    starrsinnig war, als er von Burnet und dem Biographen Jakob's
    dargestellt wird.]

    [Anmerkung 198: Aus +Rochester's Minutes, d. d. 3. Dec. 1686.+]

    [Anmerkung 199: Aus +Rochester's Minutes, d. d. 4. Dec. 1686.+]


[_Rochester's Entlassung._] Von dieser Unterredung an verstrichen noch
vierzehn Tage, ehe der entscheidende Schlag fiel. Diese vierzehn Tage
brachte Rochester mit Intriguiren und Flehen hin. Er bemhte sich, die
Katholiken, welche bei Hofe den meisten Einflu hatten, zu seinen
Gunsten zu stimmen. Seinem Glauben, sagte er, knne er nicht untreu
werden; sonst aber wolle er Alles thun, was sie nur verlangen knnten.
Wenn er nur seine Stelle behielte, wrden sie bald sehen, da er ihnen
als Protestant mehr ntzen knne, denn als Mitglied ihrer Kirche.[200]
Seine Gemahlin, welche damals krank darniederlag, hatte angeblich
bereits die tief gekrnkte Knigin um die Ehre eines Besuchs bitten
lassen und das Mitleid Ihrer Majestt zu erwecken versucht.[201] Aber
die Hyde erniedrigten sich umsonst. Dem Petre waren sie ganz besonders
ein Dorn im Auge und er arbeitete daraufhin, sie zu strzen.[202] Am
Abend des 17. December wurde der Earl in das knigliche Kabinet
beschieden. Jakob war ungewhnlich ergriffen und weinte sogar. Diese
Scene mute allerdings Erinnerungen in ihm wecken, die wohl im Stande
sind, auch das hrteste Gemth zu erweichen. Er sprach sein Bedauern
aus, da seine Regentenpflichten ihm nicht gestatteten, seinen
persnlichen Neigungen zu folgen; es sei durchaus nthig, da die
Mnner, denen die Oberleitung seiner Angelegenheiten bertragen sei,
seine Ansichten und Gesinnungen theilten. Er rumte ein, da er groe
persnliche Verpflichtungen gegen Rochester habe und da die Art und
Weise, wie die Finanzen in neuerer Zeit verwaltet worden seien, ganz
seinen Beifall gehabt habe; das Amt eines Lordschatzmeisters aber sei
von so hoher Wichtigkeit, da es berhaupt nicht einem Einzelnen
bertragen werden sollte und von einem katholischen Knige nicht mit
Sicherheit einem eifrigen Anhnger der anglikanischen Kirche anvertraut
werden knne. Denken Sie noch besser darber nach, Mylord, fuhr er
fort; lesen Sie wiederholt die Papiere aus meines Bruders Cassette; ich
will Ihnen etwas mehr Zeit zur berlegung gnnen, wenn Sie es wnschen.
Rochester sah, da Alles vorbei war und da er nichts Besseres thun
konnte, als aus seinem Schiffbruche soviel Geld und soviel Ansehen als
mglich zu retten. Beides gelang ihm. Er erhielt aus dem Ertrage des
Postamts einen Jahrgehalt von viertausend Pfund auf doppelte Lebenszeit.
Aus den Besitzungen von Hochverrthern hatte er sich groe Summen zu
erwerben gewut und insbesondere Grey's Verschreibung auf vierzigtausend
Pfund eingesteckt, sowie auch den ganzen Antheil der Krone an Grey's
ausgedehnten Gtern erhalten.[203] Noch nie war ein Minister unter so
gnstigen Bedingungen aus dem Amte geschieden. Auf den Beifall der
wahren Freunde der Staatskirche hatte er allerdings sehr geringen
Anspruch. Um seine Stelle zu retten, hatte er in dem Tribunale gesessen,
das zu dem Zwecke, sie zu verfolgen, gesetzwidrig errichtet worden war;
um seine Stelle zu retten, hatte er ehrloserweise fr die Absetzung
eines ihrer ausgezeichnetsten Diener gestimmt, hatte sich gestellt, als
zweifle er an ihrer Rechtglubigkeit, hatte mit anscheinendem Interesse
Lehrer angehrt, die sie schismatisch und ketzerisch nannten, und hatte
sich erboten, ihren Todfeinden bei deren Plnen gegen dieselbe krftigen
Beistand zu leisten. Der hchste Ruhm, auf den er Anspruch machen
konnte, war der, da er vor dem berma von Gewissenlosigkeit und
Gemeinheit zurckgeschreckt war, um schnden Gewinns willen ffentlich
den Glauben abzuschwren, in welchem er erzogen war, den er fr den
wahren hielt und dessen er sich so lange gerhmt hatte. Dennoch wurde er
von der groen Masse der Anglikaner gepriesen, als ob er der muthigste
und makelloseste aller Mrtyrer gewesen wre. Das Alte und das Neue
Testament, die Martyrologien von Eusebius und von Fox wurden
durchstbert, um Parallelen fr seine heldenmthige Frmmigkeit zu
finden. Er war ein Daniel in der Lwengrube, ein Sadrach im feurigen
Ofen, ein Petrus im Kerker des Herodes, ein Paulus vor den Schranken
Nero's, ein Ignatius im Amphitheater, ein Latimer auf dem
Scheiterhaufen. Unter den vielen Thatsachen, welche beweisen, da der
Mastab der Ehre und Tugend unter den Staatsmnnern jener Zeit ein sehr
niedriger war, ist die durch Rochester's Standhaftigkeit erregte
Bewunderung vielleicht die entscheidendste.

    [Anmerkung 200: Barillon, 20.(30.) Dec. 1686.]

    [Anmerkung 201: +Burnet, I. 684.+]

    [Anmerkung 202: Bonrepaux, 25. Mai (4. Juni) 1687.]

    [Anmerkung 203: +Rochester's Minutes, Dec. 19. 1686+; Barillon,
    30. Dec. (9. Jan.) 1686/87; +Burnet, I. 685+; +Clarke's Life of
    James the Second, II. 102+; +Treasury Warrant Book, Dec. 29.
    1686.+]


[_Entlassung Clarendon's._] In seinem Sturze ri er auch Clarendon mit
zu Boden. Am 7. Januar 1687 verkndete die Gazette der Bevlkerung von
London, da das Schatzamt einer Commission zur Verwaltung bertragen
sei.


[_Tyrconnel Lordstellvertreter._] Am 8. Januar kam in Dublin eine
Depesche an, welche formell anzeigte, da Tyrconnel in einem Monate die
Regierung von Irland bernehmen werde. Nicht ohne groe Schwierigkeiten
hatte dieser Mann die zahlreichen Hindernisse bewltigen knnen, die
seinem Ehrgeize im Wege standen. Es war wohl bekannt, da die
Vernichtung der englischen Colonie in England das Ziel war, nach dem
sein Sinn strebte. Er hatte deshalb einige Bedenken des Knigs zu
zerstreuen und den Widerstand nicht nur aller protestantischen
Mitglieder der Regierung sowie der gemigten und achtbaren Hupter des
Katholicismus, sondern selbst mehrerer Mitglieder der jesuitischen
Cabale zu besiegen.[204] Sunderland erschrak vor dem Gedanken an eine
religise, politische und sociale Revolution in Irland. Der Knigin war
Tyrconnel persnlich zuwider. Powis wurde daher als der fr das
Viceknigthum am besten geeignete Mann betrachtet. Er war von erlauchter
Abkunft und ein aufrichtiger Katholik, galt aber bei alledem auch in den
Augen der aufrichtigsten Protestanten allgemein fr einen braven Mann
und einen guten Englnder. Doch aller Widerstand zerschellte an
Tyrconnel's Energie und List. Er schmeichelte, tobte und bestach
unermdlich. Petre's Beistand gewann er durch Schmeichelei; Sunderland
wurde durch Versprechungen und zugleich durch Drohungen mrbe gemacht.
Fr seine Untersttzung wurde ein hoher Preis geboten, bestehend in
einer Leibrente von fnftausend Pfund auf die Staatseinknfte Irlands,
ablsbar durch einmalige Bezahlung einer Summe von fnfzigtausend Pfund.
Wrde dieses Anerbieten zurckgewiesen, so drohte Tyrconnel, es dem
Knige zu verrathen, da der Lordprsident einmal beim Freitagsdiner
Seine Majestt als einen Schwachkopf geschildert habe, der entweder
durch ein Weib oder durch einen Priester geleitet werden msse.
Sunderland erklrte sich in Todesangst bereit, Tyrconnel das
militairische Obercommando, einen kolossalen Gehalt, kurz alles Mgliche
zu verschaffen, nur nicht das Viceknigthum; aber jeder Vergleich wurde
verworfen, und er mute nachgeben. Maria von Modena selbst blieb nicht
frei von dem Verdachte, da sie sich habe bestechen lassen. Es existirte
in London eine berhmte Perlenschnur, die auf zehntausend Pfund
geschtzt wurde. Sie hatte dem Prinzen Ruprecht gehrt, und dieser hatte
sie der Margarethe Hughes hinterlassen, einer Courtisane, die in den
letzten Jahren seines Lebens eine unbegrenzte Herrschaft ber ihn
ausgebt. Tyrconnel rhmte sich laut, da er mit dieser Perlenschnur die
Untersttzung der Knigin erkauft habe. Manche betrachteten jedoch diese
Geschichte als eine von Dick Talbot's Wahrheiten und hielten sie fr
eben so unbegrndet wie die Verleumdungen, welche er sechsundzwanzig
Jahre frher erfunden hatte, um den guten Ruf der Anna Hyde zu
untergraben. Den rmisch-katholischen Hflingen gegenber pflegte er von
der Unsicherheit ihrer mter, Titel und Einknfte zu sprechen. Der Knig
knne morgen sterben und sie seien dann einer feindlichen Regierung und
einem feindlichen Pbel preisgegeben; knnte man aber in Irland den
alten Glauben zur Herrschaft bringen und in jenem Lande das
protestantische Interesse vernichten, so htten sie doch im schlimmsten
Falle ein Asyl, wohin sie sich zurckziehen und von wo aus sie mit
Vortheil entweder unterhandeln oder sich vertheidigen knnten. Ein
papistischer Priester wurde durch das Versprechen der Mitra von
Waterford gewonnen, um in St. James gegen die Ansiedelungsacte zu
predigen, und seine Predigt war nicht ohne Wirkung, wenn sie auch von
dem englischen Theile der Zuhrer mit Unwillen angehrt wrde. Der
Kampf, den in Jakob's Brust der Patriotismus eine Weile gegen die
Bigotterie zu bestehen gehabt hatte, war vorber. In Irland ist ein
Werk zu verrichten, sagte er, dem kein Englnder gewachsen ist.[205]

Alle Hindernisse waren endlich beseitigt und im Februar 1687 begann
Tyrconnel mit der Macht und den Einknften eines Lordlieutenants, aber
mit dem bescheideneren Titel eines Lordstellvertreters sein Geburtsland
zu regieren.

    [Anmerkung 204: Bischof Malony sagt in einem Briefe an Bischof
    Tyrrel: Nie wird ein Katholik oder ein Englnder an Ihre
    Wiedereinsetzung denken oder einen Schritt dazu thun oder
    gestatten, da der Knig einen Schritt dazu thut, sondern er wird
    Sie in Ihrer bisherigen Lage und unter dem Joche Ihrer Feinde
    lassen; ebensowenig wird ein Englnder, gleichviel ob Katholik
    oder nicht, welchem Stande und Range er auch angehren mchte,
    Anstand nehmen, dem geringsten eigenen Interesse in England ganz
    Irland aufzuopfern, und lieber ganz Irland von Englndern irgend
    welcher Religion, als von Irlndern bewohnt sehen.]

    [Anmerkung 205: Den besten Aufschlu ber diese Vorgnge geben die
    Sheridan-Handschr.]


[_Besorgnisse der englischen Ansiedler in Irland._] Seine Ankunft
verbreitete Schrecken unter der ganzen englischen Bevlkerung. Ein
groer Theil der angesehensten Bewohner von Dublin, Gentlemen, Kaufleute
und Gewerbtreibende, begleiteten Clarendon ber den St. Georgskanal oder
folgten ihm sehr bald nach. Es sollen binnen wenigen Tagen
fnfzehnhundert Familien ausgewandert sein. Der Schrecken war auch nicht
unbegrndet. Das Werk, die Colonisten unter die Fe der Eingebornen zu
werfen, wurde eifrig betrieben. In kurzer Zeit war fast jeder
Geheimrath, Richter, Sheriff, Mayor, Alderman und Friedensrichter ein
Celte und Katholik. Bald schien Alles zu einer allgemeinen Wahl und zur
Zusammensetzung eines Unterhauses reif zu sein, das zur Aufhebung der
Ansiedlungsacte geneigt war.[206] Die, welche kurz zuvor die Herren der
Insel gewesen waren, klagten jetzt laut in ihrer Herzensangst, da sie
zur Beute und zum Gesptt ihrer Leibeigenen und ihres Gesindes geworden
wren, da ungestraft Huser angezndet und Vieh gestohlen wrde, da
die neuen Soldaten plndernd, schimpfend, schndend und verstmmelnd im
Lande umherstreiften und die Protestanten mit Betttchern prellten oder
bei den Haaren aufknpften und durchpeitschten, da man sich vergebens
auf das Gesetz berufe, da irische Richter, Sheriffs, Geschworne und
Zeugen sich alle verbunden htten, um die irischen Verbrecher zu
schtzen und da selbst ohne eine Parlamentsacte der gesammte Grund und
Boden bald in andere Hnde bergehen werde, indem bei jeder unter
Tyrconnel's Verwaltung erhobenen Ausweisungsklage fr die Eingebornen
und gegen den Englnder entschieden worden sei.[207]

Whrend Clarendon's Aufenthalt in Dublin war das Geheimsiegel in den
Hnden einer Commission gewesen. Seine Freunde hofften, da er es bei
seiner Zurckkunft nach London wieder erhalten werde. Aber der Knig und
die jesuitische Cabale hatten sich vorgenommen, da die Ungnade der Hyde
vollstndig sein sollte. Lord Arundell von Wardour, ein Katholik,
erhielt das Geheimsiegel, Bellasyse, auch ein Katholik, wurde erster
Lord des Schatzes, und Dover, gleichfalls Katholik, erhielt einen Sitz
im Schatzamt. Die Ernennung eines zu Grunde gerichteten Spielers zu
einem solchen Posten wrde allein schon hingereicht haben, um das
Publikum aufzubringen. Der ausschweifende Etherege, welcher damals als
englischer Gesandter in Regensburg lebte, konnte sich nicht enthalten,
mit einem hhnischen Lcheln die Hoffnung auszusprechen, da sein alter
Zechbruder Dover das Geld des Knigs fester halten werde als sein
eignes. Damit die Finanzen durch unfhige und unerfahrene Papisten nicht
zerrttet werden mchten, wurde der dienstwillige, umsichtige und
verschwiegene Godolphin zum Schatzcommissar ernannt, blieb aber nach wie
vor Kammerherr der Knigin.[208]

    [Anmerkung 206: Sheridan-Handschr.; +Oldmixon's Memoirs of
    Ireland+; +King's State of the Protestants of Ireland+, +chap. 3+;
    +Apology for the Protestants of Ireland, 1689.+]

    [Anmerkung 207: +Secret Consults of the Romish Party in Ireland+,
    1690.]

    [Anmerkung 208: +London Gazette+, +Jan. 6.+ und +March 14.+
    1686/87; +Evelyn's Diary+, +March 10.+ Etherege's Brief an Dover
    befindet sich im Britischen Museum.]


[_Eindruck des Sturzes der Hyde._] Die Entlassung der beiden Brder
bildet eine wichtige Epoche in Jakob's Regierung. Von diesem Augenblicke
an war es klar, da er in Wirklichkeit nicht Gewissensfreiheit fr seine
eigenen Glaubensgenossen, sondern die Freiheit zur Verfolgung
Andersglubiger wollte. Whrend er vorgab, die Religionseide zu
verabscheuen, hatte er selbst einen eingefhrt. Er hatte gesagt, es sei
hart, es sei abscheulich, fhige und loyale Mnner blos deshalb, weil
sie Katholiken seien, vom Staatsdienste auszuschlieen, und jetzt
verabschiedete er selbst einen Schatzmeister, dessen Befhigung und
Loyalitt er anerkannte, lediglich deshalb, weil er Protestant war. Man
sprach laut davon, da eine allgemeine Proscription bevorstehe, und da
jeder Staatsdiener sich werde darauf gefat machen mssen, entweder sein
Seelenheil zu verwirken, oder seine Stelle zu verlieren.[209] Wer konnte
in der That hoffen, da stehen zu bleiben, wo die Hyde gefallen waten?
Sie waren die Schwger des Knigs, die Oheime und natrlichen Vormunde
seiner Kinder, von frher Jugend auf seine Freunde, seine treuen
Anhnger in Unglck und Gefahr und seine gehorsamen Diener, seit er auf
dem Throne sa. Ihr einziges Verbrechen war ihre Religion und wegen
dieses Verbrechens waren sie entlassen worden. Man sah sich in groer
Angst nach Hlfe um und bald richteten sich Aller Blicke auf einen Mann,
den eine seltene Vereinigung von persnlichen Eigenschaften und
zuflligen Umstnden zum Befreier bezeichnete.

    [Anmerkung 209: +Pare che gli animi sono inaspriti della voce che
    corre per il popolo, d'esser cacciato il detto ministro per non
    essere Cattolico perci tirarsi al esterminio de' Protestanti.+
    -- Adda, 31. Dec. (10. Jan.) 1687.]




  Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.


       *       *       *       *       *
           *       *       *       *
       *       *       *       *       *


Druckfehler und Unregelmssigkeiten

Die Formen funfzig und Urtel sind ungendert. Mehrere doppelte
Punkte wie

  [_Sir Patrick Hume und Sir Johann Cochrane._].

sind leise korrigiert.

V. Kapitel

  Bei dem Ryehousecomplot war er stark betheiligt  [betheilgt]
  welche aus Perthshire in Argyleshire eingedrungen waren  [Pertshire]
  [Anm. V.39] 8.(18.),  [8.(18).,]
  [Anm. V.40] ... Evnemens  Tragiques d'Angleterre+  [Evnemens]
  seine Reise durch Somersetshire  und Devonshire  [Somersethire]
  jede neue Grundsteinlegung innerhalb des Stadtgebiets  [Sadtgebiets]
  [Anm. V.52] +Lords' and Commons' Journals  June 13. & 15.+  [Jurnals,]
  welche in der Umgegend  von London entbehrt werden konnten  [Umgend]
  Die Rebellen marschirten  demgem nach Wells  [maschirten]
  Die Landleute von Somersetshire  benahmen sich  [Somersethire]
  die Bergleute von Menrix [_ungendert: Englisch hat Mendip_]
  [Anm. V.97] +Burnet, I. 643+  [I., 643]
    ... employed by Hir Majesty  [_ungendert_]
  das unwissende Volk von Somersetshire  [Somersethire]
  da er unangefochten auf dem Continent lebe  [Cotinent]
  Ich half nur einer unglcklichen Familie  [Famile]

VI. Kapitel

  ber die Thronrede constituiren solle  [constiturien]
  von einem bestochenen Wahlkrper in Cornwall  [Cornwallis]
  [Anm. VI.20] Windham, dem Abgeordneten von Salisbury  [Salesbury]
  Powis mit den achtungswerthesten Edelleuten  [Povis]
  [Anm. VI.78]  donner considrablement... [_letzes . unsichtbar_]
  die Vertheidigung eines Hoheitsrechtes  [Hoheisrechtes]
  Entschlu Jakob's, sein kirchliches Supremat  [Suppremat]
  [Anm. VI.101: ... +Burnet, II. 629+  [_ungendert: I?_]
  In Clerkenwall wurde auf der Stelle  [_ungendert_]
  von Barwick bis Penzance  [_ungendert_]
  da er nicht nachgeben wird.[120]  [ _fehlt_]
  [Anm. VI.119: ... (Burnet I. 662.)  [Burnet I, 662.]
  irgend einem presbyterianischen Conventikel  [prespyterianischen]
  da er schon zu gendig gewesen sei  [_ungendert_]
  in Irland gegen protestantische Nonconformisten  [Noncorformisten]
  [Anm. VI.161: ... oder auch smmtlich verwalten lassen  [smmlich]
  [Anm. VI.204: ... irgend welcher Religion  [Religon]





End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND ***

***** This file should be named 30237-8.txt or 30237-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        https://www.gutenberg.org/3/0/2/3/30237/

Produced by Louise Hope, richyfourtytwo and the Online
Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
https://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
